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Full text of "Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 4.1900 - 6.1902"

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Über dieses Buch 


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MITTHEILUNGEN 


des 
österreichischen Vereines 
für 


Bibliothekswesen, 


herausgegeben vom 
Vereinsauvusschusse, 


redigirt von 


Dr. August Weisz. 








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= IV. JAHRGANG. lz 
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WIEN 
In Commission bei Gerold & Comp. 
1900. 





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PUBLIC LIBRARI 
2106129 5L. 

20240 


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ASTOR, LENOX AND 
T'.DEN F''" 2ATIONS 
19 L 


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Rechte vorbehalten. 


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Inhaltsverzeichnis. 


5 Uu * 


REA ups nia ir y Neite 
Ahn, Dr. Friedrich, Johann Mannels lateinisehe Druck werke 1-- 7, 25 —27, 45—56 
Crüwell, Gottlieb August, Nene Kataloge . . 2 2 2 2 m m 5. ..... 8—12 
Lenk. Heinrieh v., Alfred Góldlin von Tiefenau. Ein Nachruf . . . . . . 17—19 
Der alphabetische Bandkatalog II—IV . . . . . .. ..... 29—31, 78—82 
Versammlung deutscher Bibliothekare in Marburg . . . . . .. . 31—34 
Aus österreichischen Bibliotheken . . ar d EN E 35 —42, 88 —93 
Meyer, Josef, Die alte und die neue Wiener Universitits- Bibliothek . +. 06-— 61 


(Gottlieb, Dr. Theodor, Die Gutenberg Ausstellung der Wiener Hofbibliothek . 67-—77 
Laschitzer, Simon, Kritik der Instructionen für die alphabetischen Kataloge 
der preussischen Bibliotheken. . . . . . . . . . Beilage zu Nr. 2 8. 1—22 


Besprechungen: 


Catalogus codicnm  mannsceriptorum monasterii. B. M. V. ad Scotos Vindobonae 


ed. Hübl (Donabaum) . . . . . i TP age .. .13—13 
Eichler: Bericht über die Tata ‘n ck Section für Bibliothekswesen 

beim Philologentage in Bremen (Kaukusch) . Ex ydo .. . 14-15 
Nachtrag zum. Katalog der Amtsbibliotliek des k k. Eisenbahnministeriums 

(OZ dor dea DAR SN bra e ona 34 
Verzeichnis der Bücherei des deutschen akademischen Juristenvereines in 

Prag (Eisenmeier) . . 2.2... i nine dii . san 34 
Wissensehaftliche Eintheilnng des S der k. k. tec hitschen Hoc is Chula 

in Graz — Katalog der Bibliothek des müährischen Landtages und 


Landesausschusses von Hanäcek — Alphabetischer Katalog der Bibliothek 
der Handels- und Gewerbekammer für Oesterreich unter der Enns — 
Schulze. Freie öffentliche Bibliotheken, Volksbibliotheken und Lese- 


hallen (Himmelbaur) . . . . . . . ............. .8989—88 
Vereinsnachrichten e, 15,19—23, 42, 93—94 
Personalnachrichten . . . . . . 5. . 2... .413—44, 94—99 


Vermischte Nachrichten . . . . 15— 16, 23 —24. 99—100. Beilage zu Nr. 2 S. 22 







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MITTHEILUNG 


des 


ósterr. Vereines für Bibliothekswesen. 


NE. ]. Wien, den 15. Februar 1900.  IV.Jahrgang. 


ASTOR, LENOX ANN 








Erscheinen in zwanglosen Heften; für die Mitglieder unentgeltlich. — Abonnementspreis 

fur Oesterreich-Ungarn 4 Kronen, für das Ausland 3 Mark 50 Pf. jährlich. In Commission 

bei Gerold & Comp., Wien, T. Stefansplatz. — Zuschriften sind an den Redacteur der „Mit- 
theilungen" Dr. August Weisz (Wien, I., Universitäts-Bibliothek) zu richten. 





Inhalt: Johann Mannels lateinische Druckwerke (1575—1605). Von Dr. Friedrich A hn. 
— Neue Kataloge. Von Dr. G. A. Crü well. — Literarische Besprechungen. — 
Vereinsnachrichten. — Vermischte Nachrichten. 


Johann Mannels lateinische Druckwerke 
(1515—1605). Sue 


Ein Beitrag zur Bibliographie Oesterreich-Ungarns.*) 
Von Dr. Friedrich Ahn. 


Johann Mannel, dessen typographische Thätigkeit in Lai- 
bach begonnen und in der damaligen erregten Zeit 24 Druck- 
werke — soviele sind uns bekannt — ins Leben gerufen hatte, 
war als eines der ersten Opfer der Gegenreformation von dem 
Schauplatze seiner Thätigkeit verschwunden und hatte sich mit 
seinen Typen nach Ungarn gewandt, wo ihm die der neuen 
Lehre gewogenen Grafen Batthyány, Erdödy und Nádasdy ihre 
Unterstützung und ihren Schutz gewührten. 

In diesem Lande schuf Mannel seiner rüstigen Arbeitskraft 
ein neues Feld und übte als fahrender Buchdrucker auf seinen 





*) Vel. Allg. d. Biogr. XX. S. 176 f. (Mandl, Hans). v. Bucholtz, Gesch. d. Re- 
gierung Ferdinands I. VIII. S. 164. Denis, Buchdruckergesch. Wiens. Nachtrag S. 17 
Dimitz, Gesch. Krains. III. S. 188 f. und Kurzgefasste Gesch. Krains. S. 15. Th. 
Elze im Jahrbuch d, Gesellsch. f. d. Gesch. d. Protestantismus in Oesterr. Jgg. 1895. 
- 165 f., in den Mittheilungen d. hist. Ver. f. Krain. Jg. 1861. S. 90 f, u. Jgg. 1863. 
- l1 f, und in der Real-Encyklopádie f. prot. Theolorie und Kirche... XVI. S. 60 
. Die Universität Tübingen... S. 67. Falkenstein, Gesch. d. Buchdruckerkunst. 2. A. 
- 396. Grüsse, Das sechzehnte Jahrhundert. S. 196. Hurban in der Real-Encyklopädie 
f. prot. Theologie . .. XIV. S. 356 Anm. u. S. 357. Hurter, Gesch. Kaiser Ferdinands II. 
1.8.61. Loserth, Die Reformation und Gegenref. i. d. innerösterr. Ländern S. 397 f. 
F.H. Meyer, Primus Truber... und Genossen im Archiv f. Gesch. d. d. Buchhandels 
VII. S. 67. Peinlich. Zur Gesch. des Buchdruckes . . . zu Graz im 16. Jahrh. S. 26. 


1. 


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wechselreichen. Kreuz- und Querzügen bis zum Jahre 1605 — 
wahrscheinlich seinem Todesjahre — Gutenbergs Kunst aus. 
Zweiundfünfzig Drucke in deutscher, kroatischer, lateinischer 
und ungarischer Sprache legen Zeugnis ab von der seltenen Energie 
und Schaftenslust dieses Mannes innerhalb der Jahre 1582—1605. 
Diese Druckwerke erblickten unter den schwierigsten Ver- 
hältnissen das Licht der Welt; sie wurden zum grössten Theile 
von den spürenden Augen der Gegenreformation entdeckt und 
verbrannt. Nur wenige Exemplare überlebten jene schwere Zeit 
und diese gelten heute, in vielen Fällen Unica, als bibliographische 
Seltenheiten in den grossen Bibliotheken der österreichisch-ungari- 
schen Monarchie und des Auslandes. — Manche von Mannels Werken 
sind nur dem Titel nach bekannt, und ein einziges Exemplar 
trotz des grossen Eifers der chen Bibliographen und 
Bibliophilen bis heute noch nicht zustande^ gebraclit worden. 
Sechzehn Werke unseres Druckers gehören in diese Kategorie, 
von vieren gibt es bis heute nur je ein verstümmeltes Exemplar. 
und von den übrigen sechsundfünfzig Druckwerken zählen voll- 


v. Radics, Herbart VIII.. Frh. v. Auersperg, S. XVI f., im Archiv f. Gesch. d. d. Buch- 
handels VI. S. 75 ff. und im Kres, Jgg. 1885. S. 568 ff. Valvasor, Die Ehre des 
Herzogth. Krain. Laybach 1660. XI. S. 716. Aeltere Denkmale d. Buchdruckerei in 
Krain in Mitth. d. hist. Ver. f. Krain. Jgg. 1851. S. 2 ff. ; Klun, Beitr. z. Lit.-Gesch. v. 
Krain in Mitth. d. hist. Ver. f. Krain. Jgg. 1852. S. 63 fl. Jeg. 1854. S. 34; Kosmat, 
Die k. k. Lyceal-Bibliothek in Laibach in Mitth. d. hist. Ver. f. Krain. Jgr. 1857. 5. 63; 
Kordesch, Wie schrieben die alten Slaven? im Illyr. Blatt. Jgg. 1848. S. 278; Vater- 
ländisches. (res. und mitgeth. von e L. XXIX. Etwas über die Buchdruckerkunst in 
Krain im Illyr. Blatt. Jge. 1839. S. 121 f.; Arko, Tristoletnica tiskarstva v Ljubljani. 
S. 10 f.; Fekonja, O pocetkih slov, kuiifevn im Zvon. Jig. 1886. S. 49. 105 f. 232. 
420. Glaser, Zgodovina slov. slovstva. I. S. 88 f.; v. Kukuljević, Kroat. Bibliogr. a. d. 
XVI. a. XVII. Jahrh. in Agramer Zeitung. Jeg. 1881. Nr. 265 (Beilage). Krek, Die 
slovenische Literatur in „Die österr.-ungar. Monarchie in Wort u. Bild“ Kärnten u. 
Krain. S. 435. Levec Fr. ebendaselbst. S. 342. Marn, Jeziénik XXI. S. 14. Eug. Abel, 
Die Landesbücherausstellung in Ungar. Revue, Jgg. 1882. S. 655. Ballagi, A magyar 
nyomdászat történelmi fejlödése 1472—1877. Budapest 1878. Kertbeny, Bibl. d. ung. 
nat. und internat. Lit. I. S. 497 und 723 ff. Nemeth, Memoria typogr. inclyti regni 
Hungariae, S. 23, 89 f., 107 ff. Szabó K., Régi magyar könyvtár. I. S. 102 f. Il. 
S. 44 ff.. endlich meine Abhandlungen: Bibliogr. Seltenheiten der Truberliteratur. 
1894. Die slov. Erstlingsdrucke der Stadt Laibach ... 1896. Johann Mannel. Lai- 
bachs erster Buchdrucker im Archiv f. Gesch. d. d. Buchhandels. XIX. S. 45 ff. end- 
lich: ,Newe Zeytungen“ aus Johann Mannels Druckerpresse in Mittheilungen des 
österr. Ver. f. Bibliothekswesen. Jgg. IT. S. 1—9, 20—32, 66 —72 und Deutsch-ósterr. 
Literaturgesch. hg. von Nagl & Zeidler. S. 488. 


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stindige Exemplare durchaus zu den bibliographischen Selten- 
heiten im wahrsten Sinne des Wortes. 

In Anbetracht des historischen und bibliographischen Wertes 
derartiger Presserzeugnisse will ich hier die Beschreibung der 
lateinischen folgen lassen und gedenke dies durchzuführen, wie 
ich es bereits mit den „Newen Zeytungen“ in den Mittheilungen 
des österr. Vereines für Bibliothekswesen im II. Jahrgange 
Nr. 1—2 und 4 gethan habe. Die Druckwerke folgen in chrono- 
logischer Ordnung aufeinander. 


1575. 
Nr. l. Khisl, Georgius de Kaltenprun, Herbardi Aurspergy ... 
vita et mors.... Labacl, Joannes Manlius, 1575. 4». 


Bl. 1a Titel: 
HERBARDI AUR- 
SPERGY BARONIS ETC. 

Rerum Domi Militiaeque Praeclare gelta- 
rum gloria Praeítantifsimi, Vita et Mors, 
ad falutem et commodum Patriae transacta, 

et in Coruatiae extremis finibus ad Budatsh- 
kum X. Calend. Oct: in praelio aduerfus 
Turcas, omnis memoriae crudelis: 
Chriftianorum falutis oppu- 
gnatores, gloriofifsimé 
oppetita. 
A 
Georgio Khifl de Kaltenprun Haeredi- 
tario amplifs: Ditionis Goritzienfis Dapifero 
properanter & turbulenté descripta. 
LABACI EX OFFICINA JOA- 
nis Manlij, M. D. LXXV. 

Bl. 1b leer. Bl. 2a [mit der Signatur A, (sic) VETERI 
ET IL-//LVSTRI FAMILIAE AVR-//SPERGLE, TOTIQVE 
AMPLIS- //fimae  propagationi, ornamentis omnibus // honoris, 
monumentis gloriae, & //laudis infignibus // affluenti. // S. // [E] 
Quidem omnes bene de Rep. meriti, atq3// merentes chari nobis 
effe debent: .... Bl. 10a Z. 1: PRAFATIO.;/veltri generis pro- 
pria humanitate, id à me//eo animo, quo ego fcribens cogitabam, 
acci-// piatis, . .. . Z. 13. fed aut inopia, aut 1gnoratione // praeter. 
miffum effe pute-//tis. Labaci Cal:// Nouem:// |Zierat]. Bl. 10b: 

1* 


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|HJERBARDVS AVRSPERGIVS // fpectatifsimus Baro & Eques. 


vir, memoria // domefticorum exemplorum virtutis magnus, &;// 
proprijs ac fuis laudibus multó muior:.... Bl. 12 fehlt im Lai- 
bacher Exemplare. Bl. 13a [über die Hälfte verstümmelt]: gri- 
nantium virtutum portus & perfugium puta-//rentur, ex senten- 
tia parentum in Aulam Ducis Cli-//uenfis.... Bl. 15b [mit der 
Signatur D,]: Hoc eodem anno, cum Hoftes perpetuis exeur-// 
sionibus & depopulationibus agrorü, omnia quo-//cunq3 inuaderet 
crudeliter vaftarent atq4 diriperét, // vt. vlicifcerentur ipforum 
crudelitatem . .. Bl. 1?b. [m. d. Sign. E:] Z. 25 ff: Poft aliquanto 
ad Coragniffas caftra habens,//cum vicinorum hoftium frequentes 
conuentus, (íce-//lerata confilia, & nefarios conatus, nihilqg eos 
dies// & noctes. ... Bl. 32a [m. d. Sign. F,:] Z. 28 ff: Non ita 
multó poft Caefar Maximilianus &c.//re & nomine omnium 
maximus & longé praeftan-//tifsi: cum max: & fortifsimo exer- 
citu .. .. Bl. 25b [m. d. Sign. G:] Conítitutis deinde per interpretes 
pacis, aut//Nuncios belli inducijs, Caesaris iuffu ab armis dif-/: 
ceffum eft, .... Bl. 30b [m. d. Sign. H,:] Z. 21 ff: Ita Clarifsimus 
fui ordinis vir, & inulctifsimus//Imperator, cum prius hoftiü 
gladios videret, quam // quae res effet, audiffet, dum fuos 
expectat, .... Bl. 34a [m. d. Sign. L,:] Z. 9ff: IN MANV DEI 
SORS MEA, &// quotidié crebris fermonibus vfurpare eft 
folitus. // & femper in omnibus fignis adíeribi curauit: Eaqs/; 
comite, Duce,.... Bl.34b Z. 20 [contemnen] tes: illa coeleftia 
& sempiterna cogitantes, ipfius vir-//tutum admiratores, & imi- 
tatores factorum, id//moderaté iam feratis, quod multos quieté // 
& tranquillé, & tulisse & ferre // intelligitis. // 

KI. 4°, rom. Type, 34 nicht num. Bll. mit der Signatur 
A —I,, Custoden, ohne Blattzahl, die Proefatio zu 22, die Lebens- 
beschreibung selbst zu 29, Bl. 10b 28, Bl. 31b zu 24 Zeilen, das 
Titelblatt mit Typen in 4 Grössen, Bl. 2a mit Typen in 3 Grössen, 
Bl. 10a ein Holzschnittinitial. 

2 Exemplare, 1 in der k. k. Studienbibliothek zu Laibach., 
l in der k. k. Hofbibliothek zu Wien. 

Das Titelblatt des ersteren, von mir benützten Exemplares, 
zeigt die handschriftliche Bemerkung des ehemaligen Besitzers: 
Barth. Knaffel*) cocionator Crainburgenfs: 


*) Bartholomius Knaftel, Pridicant des Adam Freiherrn von Eck im gleich- 
namigen Schlosse bei Krainburg. Vgl. Dimitz a. a. O. III. S. 117 ff. u. S. 149. 


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v. Radics, Herbart VIII S. VII ff. Kosmač. a. a. O. S. 64: „Das 
lis nun bekannte Werk aus seiner [Mannels] Ofticin befindet sich 
in der Laibacher Bibliothek und ist nachstehendes: ,Herbardi 
Auerspergil.... vita et mors.... Dieses Werkchen ist von 
Hannsen Khratzenbacher ins Deutsche übersetzt und in Laibach 
im Jahre 1576 gedruckt worden.* Vgl. auch Arko a. a. O. S. 9f. 

[1511.] 

Nr. 2. Clarius Leonhardus, In nuptias.... Adami L. Baronis 
ab Eckh.. et.... Annae Chislidis. 

Labaci, J. Manlius, s. a. [1577]. 4°. 

Bl. 1a Titel: 

IN NVPTIAS 
CLARISSIMI VIRI DO- 
mini Adami L: Baronis ab Eckh & 
Hungersbach, & Generofae Virgi- 
nis D: Annae Chislidis in 
Khaltenprun: 

Leonhardo Clario Doct: Illult: Ducat: 
Carniolae Phyfico ordinario 
Authore. 

LABACI, 

Quae elt Carniolae Metropolis, Ex 
officina Joannis Manlij. 


Bl. 1b leer. Bl. 2a: [I]Lle noua coeptum qui.primus origine 
mundum, // Phoebeofqa ignes, nocturnaqs (ydera dixit /, Condita,.... 
Bl. 3a [m. d. Sign. Aj] ANNAM fauigenum nympharum sanguinis. 
Annam // Chifelij JANNI..... Z. 20f: At Tu, qui thalamo 
praeftas Hymen:ee iugali, // Et paria aufpicijs fuades connubia 
laetis, // Huc // Bl. 4b Z. 20f. Hac cum prole dies fauftos cornices, 
& aeuum // JANNE pater dominis terrarum accepte, deisqa, // 
€xige // Bl. 5a [m. d. Sign. B] Z. 171f: At vos Chifelia pridóém à 
radice nitentes // Quae legitis mecüm flores, ae mitia poma, // 
Dicite Amadriades, precor, ó, faciles] Napeae: //... Bl. 5b 
Z. 13: Semper alant, faueantq3, polo dum fydera fulgent, // Dumq 
leues vitreo pafcuntur in aequore pifces, /, Et rofeo verni reuirefcunt 
tempore colles. // [Zierat]. 

K1. 4°, rom. Type, 5 nicht num. Bll. mit d. Sign. A—B, 
Custoden, ohne Blattzahl zu 21 Zeilen, Bl. 2a 23, Bl. 5b 15 Zeilen, 


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das Titelblatt mit Typen in 3 Gróssen, umgeben von Holzschnitt- 
randleisten, die untere doppelt. 

1 Exemplar in der k. k. Studienbibliothek in Laibach. 

Dimitz a. a. O. III. S. 192, Arko a. a. O. S. 18. 

Nach der freundlichen Mittheilung des Herrn Peter von 
Radics dürfte der Verfasser der „Epigrammatum libi tres, Graecii, 
Widmanst., 1600“, Johann Bapt. Clarius, ein Sohn unseres Clarius 
sein. Genanntes Werk findet sich in der k. k. Studienbibliothek 
zu Laibach unter der Signatur: 1609. I. P. b. 

1511. 

Nr. 3. Stangel, Tobias, Carmen encomiasticum in celebres 
nuptias... Adami L. Baronis ab Eck... et Ànnae Chislidis .... 
Labaci, J. Manlius, 1577. 4. 

Bl. 1a Titel: 

CARMEN ENCOMIASTICV M: 
IN CELEBRES 
NVPTIAS GENEROSI, ET 
CLARISS: VIRI, DOMINI ADA MI, 

L. Baronis ab Eck, & Hungersbach, Domini in 
Flednich, &e. Sponfi: Et Enclytae, ac pudicifs: Virginis, 
Diae ANN.E Chislidis Illuttris Equitis, Diii Joh. 

Chis] de Chaltenprun, Haereditari] terrae Carniolae 
venationum Magiltri, & Haered. Illuftrifs. Comitatus 
Goritiae Dapiferi: Dii Hypoth. Vueixelbergae &c. 
nec non Sac. Cae: Ma: &c. ae Sereniís: Aultriae 
Archiducis Caroli &e. Coliliari), Praefecti 
Confili] Camerae aulicae, & Capitanei 
Adel(pergae dignifsimi Filiae. 

SPONSE. 

THOBIA STANGELIO. U. L. 

Authore. 

[Zierat.] 

Labaci Metropoli Carniolanorum. 

Ex offħicina Johannis Manlij, Anno 
1577. Non: Septemb. 


Bl. 1b: VATICINIVM // Scipij Gentilis. // [N]Octe elapsa ego 
plurimas// Volui res animo, fimul //STANGELI atq} Poemata. // 
.... Bl. 2a [m. d. Sign. A, statt A,] [H]£sperus exoritur, quo 


cre e 


nulus clarior ignis, // Dum Sol occano merfit caput, ardet 
Olympo://.... 2. 32: Mufa mihi myrthos (myrthum veneramur 
amantes // Vnde //. BI. 3a [m. d. Sign. A;] Z. 11f: Ergo age. dum 
feftam laeti conícendimus arcem // Legitimos ornare thoros, & 
dicere. verfus: // Bl. 5a [m. d. Sign. B:] Z. 31 f: Sed nofrum noneft 
ex ordine dicere leges //Coniugij, laudes‘j3 umnes. Neqz3 pollumus 
omnes: // Reftat // Bl. 9a |m. d. Sign. C| Z. 22 ff: Dixit, & ore tenus 
fummo libauit, & haufit. // Idem ali] proceres faciunt, & vina 
coronant: // Grandaeuiq3 fenes: & fponíis profpera fata, // Multaq; 
laetitiarum millia corde precantur. // Bl. 10a. Z. 1: Sed viuant 
veltrae per plurima laecula [tirpes. /; Z. 30ff: Hoc fat erat. Vos 
nunc omnes Saluete, Valete, // Et properata nimis, vultu acceptate 
sereno, // Carmina, nam ventura dies maiora referuat. // Bl. 10b leer. 

Kl. 4?, rom. Type, 10 nicht num. Bll. mit der Sign. A—C, 
Custoden, ohne Blattzahl, zu 32 Zeilen, Bl. 1b zu 17. Bll. 9a 
und 9b zu 33 Zeilen, das Titelblatt mit Typen in 3 Grössen, 
Bl. 1b mit Typen in 2 Grössen, ein Holzschnittzierat auf dem 
Titelblatt. 

1 Exemplar in der k. k. Studienbibliothek zu Laibach. 

Dimitz a. a. O. IIJ. S. 192, Arko a. a. O. S. 13. 


(Fortsetzung folgt.) 


Neue Kataloge. 


Referat, erstattet an dem Vereinsabend des österreichischen Vereines für Bibliotheks- 
wesen am 26. Jänner 1900. 


Von Dr. G. A. Crüwell. 


Es gibt ein áusseres und ein inneres Moment, die den drei Katalogen, die 
mir heute vorliegen, gemeinsam zukommen. Das äussere Moment ist ihre Form: 
sie sind im Druck erschienen. Diesem äusseren Moment fehlt nicht eine innere Be- 
deutung. Bei einem Institut von so fluctuirendem Charakter, wie es eine Bibliothek 
ist, bedeutet die Drucklegung des Kataloges immer einen ganz präcisen Abschluss, 
eine fast dogmatische Fixirung. Die bibliothekswissenschaftlichen Grundsätze, die 
ein gedruckter Katalog erkennen lässt, die werden auf kaum absehbare Zeit hinaus 
die Einrichtung und die Fortführung des Bestandes dieser Bibliothek beeinflussen. 
Geschriebene Kataloge unterliegen der Kritik des Tages und sind fortwährend um- 
stürzenden Vorschlägen ausgesetzt. Die Aenderungen, die nach dem Erscheinen eines 
gedruckten Kataloges, der nothwendig das Product sorgfältig erwogener Grundsätze 
sein muss, noch vorgenommen werden, können nur geringfügig sein. Das zweite 
gemeinsame Moment «dieser Kataloge ist der Umstand, dass sie insgesammt Fach- 
kataloge sind; und zwar weniger in dem Sinne, dass sie ein natürlich abgegrenztes 
Wissensgebiet behandeln, als vielmehr dadurch, dass sie den Angehörigen eines ganz 


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bestimmten Berufes als vollstándige und vor allem bequeme Nachschlagwerke dienen 
sollen. In grossen, alle Disciplinen umfassenden Bibliotheken, in denen doch nur 
ausnahmsweise den Lesern Einblick in die Kataloge gestattet wird, besorgt nur ein 
bibliothekarisch geschulter Beamtenstab das Auftinden der Bücher. Die oft esoterischen 
Grundsätze der Bibliographie brauchen dem Publicum nicht geläufig zu sein. Bei 
kleineren Büchereien und zumal bei Fachbibliotheken ist der Katalog in erster Linie 
für das Publicam bestimmt. Diese Erwägungen legen jeder Kritik die Pflicht auf, 
bei der Beurtheilung der vorliegenden Kataloge ihre Ansprüche auf bibliographische 
Genauigkeit einzudämmen, die auf praktische Handhabung zu erhóhen. In den folgen- 
den Ausführungen soll versucht werden, diese Kataloge auf ihren Werth als rasch 
und bequem orientirende Nachschlagwerke zu prüfen. 

Der vortreffliche und in Bezug auf seine bibliographische Exactheit und seine 
praktische Verwendbarkeit ungemein verdienstvolle Katalog des k. k. Finanzmini- 
steriums*) ist bereits von Herrn Bibliothekar Laschitzer („Centralblatt für Bibliotheks- 
wesen“, Jahrgang XVI, Heft 6 u. 7) ausführlich gewürdigt worden. Durch seine 
übersichtliche Gruppirung des Materiales, durch sein erschópfendes, streng alpha- 
betisch durchgeführtes Namen- und Sachregister vermag dieser Katalog auch 
die rigorosesten Anforderungen von Laien und Fachleuten zu befriedigen. Um 
Bekanntes nicht zu wiederholen, erlaube ich mir, im allgemeinen auf Laschitzer's 
Referat zu verweisen, dessen warmer Ton die Sachlichkeit seines Urtheiles nicht 
in Frage stellt. Ich will mich nur darauf beschränken, einige Details zu erwähnen, 
die bei der summarischen Besprechung Laschitzer's kaum berücksichtigt werden 
konnten. Der Katalog ist sehr übersichtlich nach Materien in alphabetischer Heihen- 
folge zusammengestellt, Die Büchercomplexe, die unter diese Materien fallen, siud 
dagegen nicht alphabetisch, sondern chronologisch nach ihren Erscheinungsjahren 
geordnet. Eine Ausnahme bildet der Abschnitt „Zeitschriften und Zeitungen“, in dem 
die einzelnen Journale nach Sprachen geordnet sind, ein Verfahren, das ich sehr 
empfehlenswerth finde. Innerhalb dieser sprachlich gesonderten Gruppen ist für die 
Aufzählung der Zeitschriften die alphabetische Reihenfolge gewáühlt; das geschieht 
aber nach viel zu mechanischen Gesichtspunkten. Auch der bibliothekarisch unge- 
schulteste Laie wird die Zeitschrift „Das Jahrhundert“ gewiss nicht unter „Das“, 
sondern unter „Jahrhundert“ suchen. Im Katalog aber wird bei diesem Abschnitt 
der Artikel in seiner grammatikalischen Stellung zum Ordnungswort gerechnet, was 
umso auffälliger ist, als im Namen- und Sachregister das substantivische Ordnungs- 
wort beibehalten wurde. Von grósserer Wichtigkeit scheinen mir noch gewisse Flüchti;- 
keiten in der Behandlung der Anonyme zu sein. Wenn auch die systematische 
Gliederung des Stofles und das im ganzen sehr umsichtig gearbeitete Register es 
dem Nachschlagenden ermöglichen, dem Kataloge auf zweierlei Wegen beizukommen, 
so macht sich duch die Thatsache, dass die anonymen Einzelwerke im Register fast 
durchwegs unberücksichtigt blieben, sehr empfindlich bemerkbar. Man hat hier 
zwischen drei Gruppen von Anonymen zu unterscheiden. Das Werk „Der Malz-Aut- 
schlag. Gesetz vom 16. Mai 1868,“ findet sich nicht im Register. Wohl aber wird 

*) Katalog der Bibliothek des k. k. Finanzministeriums. Wien, k. k. Hot- und 
Staatsdruckerei, 1898 [XII— 721 pp.]. Gr.-8°. — Der Katalog ist unter der Leitung 
Professor Budinszky's von den Herren Drs. Hofmann v. Wellenhof und Witting 
hergestellt. 


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seine Auflindung dadurch erleichtert, dass im Register von der Materie „Malz“ auf 
die Materie „Bier* verwiesen wird und „Bier“ zu den selbständig behandelten 
Materien des Kataloges gehört, die überdies im Eingange des Buches aufgezählt 
sind. Schwieriger gestaltet sich schon die Eruirung von Büchern wie „L’Europe et 
ses colonies en decembre 1819" oder ,Wie und wo erháült man Credit?“ Im Re- 
gister sind sie nicht zu finden. Der Charakter der Werke aber präcisirt ihre Zuge- 
hörigkeit zu bestimmten Materien, da überdies die Wörter „Colonie* und „Credit“ 
im Titel stehen. Aber in der Materienübersicht befinden sich diese Gruppen leider nur 
an zweiter Stelle, und zwar „Colonie“ unter „Auswanderung und Colonisation? -- 
eine, wie mir scheint, unglückliche Zusammenstellung — und „Credit“ unter „Bank- 
und Creditwesen“. (Dass von den Materientiteln, die einer Materie nachgestellt sind, 
keine Hinweise gemacht wurden, rügt auch Laschitzer.) Doch es gibt noch compli- 
cirtere Fälle. Ein Werk wie „Tableau général des Mouvements du Cabotage pendant 
l'année 1839“ kann sich auch einem rationell Suchenden entziehen. Der Begritt 
„Cabotage“ leitet unwillkürlich auf „Schiffahrt“ oder „Seerecht“ hin. In beiden Ab- 
schnitten, die diese Materien umfassen, ist das Buch nicht zu finden, sondern unter 
„Handel“. Bei aufgelösten Anonymen, einer Arbeit, die übrigens nur oberflächlich 
durchgeführt ist*), findet sich das betretfende Werk nur unter dem Namen des 
Autors, ein Verfahren, das mit Rücksicht auf das Laienpublicum, für welches der 
Katalog bestimmt ist, nicht zu empfehlen ist. - Man sieht, alle diese Ausstellungen 
betreffen ausschliesslich nicht wesentliche Details des Kataloges. Und nichts liegt 
mir ferner, als den hohen Werth des Buches irgendwie in Frage stellen zu wollen. 
In seiner Anlage ebenso zweckmässig, wie in seinen Einzelheiten sorgfältig und 
geschickt gearbeitet, ist dieser Katalog geradezu ein standard work der öster- 
reichischen Bibliographie und als ein wohlgelungenes Document für die Arbeitskraft 
und das Geschick seiner Herausgeber zu bezeichnen. 

Ich bedauere, über den Katalog des k. k. Eisenbahnministeriums **) ein erheblich 
ungünstigeres Urtheil fállen zu müssen. Dabei verhehle ich mir durchaus nicht die 
Schwierigkeiten, die bei der Abfassung des Kataloges einer planvollen und praktischen 
Gliederung des Stoffes im Wege standen. Diese Schwierigkeiten lagen hauptsächlich 
in der Masse des zu bewältigenden Materiales, und zwar eines wesentlich homogenen 
Materiales. Ich muss vor allem beinerken, dass vorläufig nur der erste Band des 
Gesammtkataloges erschienen ist. Und dieser erste Band behandelt ausschliesslich das 
Eisenbahnwesen. Da lag die Gefahr sehr nahe, dass -- verzeihen Sie die naheliegende 
Metapher -— Entgleisungen und Zusammenstösse unvermeidlich wurden. 

Das fühlten auch die Herausgeber, und mit einem bemerkenswerthen Auf- 
wand mühevollster Arbeit verlegten sie den Haupttheil ihrer Thätigkeit auf möglichst 
detaillirte Sichtung und Gruppirung des Materiales. Dabei schossen sie nun weit 
übers Ziel hinaus. Statt einfach, nach der nachahmenswerthen Methode im Kataloge 
des Finanzministeriums, eine Anzahl in sich abgeschlossener Materien anzuführen, 
unter welche die einschlägigen Werke nach einem bestimmten System zwanglos ein. 





— — 


*) Ein Blick in „Barbier“ hätte z. B. bei dem oben angeführten Werk 
.L'Europe et ses colonies en décembre 1819“ sofort zur Eruirung des Verfassers, 
Comte Beaumont de Brivazac, geführt. 

**) „Katalog der Amtsbibliothek des k. k. Eisenbahnministeriums.* Erster Band. 
Wien, Verlag d. k. k. Fisenbahnministeriums (Typ. , Steyrermühl*) 1899. [XVI bis 284 pp.] 


enl oce 22s 


gereiht werden konnten, schufen die Verfasser des Eisenbahnministeriumskataloges 
einige Hauptgruppen, zerlerten diese Hauptgruppen in mehrere Unterabtheilungen, 
diese Unterabtheilungen in eine Reihe von Abschnitten, diese Abschnitte in eine 
Anzahl von Capiteln. Darunter nehmen die Uebersichtlichkeit und vor allem der 
eigentliche Zweck eines Fachkataloges, die unmittelbare praktische Verwendbarkeit, 
empfindlichen Schaden. In diesem überaus schwerfälligen Apparat sich einigermassen 
zurechtzufinden, das erfordert ein eingehendes Studium des Gruppenschenuas, das dem 
Buche voraufgeht. Dieses mühsam ersonnene und mühsam verwendbare System wird 
nicht verhindern, dass selbst der geschulteste Eisenbahnbeamte ein und dasselbe 
Werk unter verschiedenen Capiteln suchen wird. Denn es leuchtet nicht ohneweiters 
ein, dass z. B.ein Buch, wie ,Kesseler, Die Radreifenbefestigungen^, nur in der 
Hauptgruppe „Eisenbahnwesen“, Unterabtheilung , Eisenbahntechnik", Abschnitt ,Fahr- 
betriebsmittel, Werkstätten und Werkstätteneinrichtungen“, ('apitel „Fahrbetriebs- 
mittel im allgemeinen, sowie Kuppelung und Schmierung derselben, dann Werk- 
stütteneinrichtungen* zu suchen und zu finden ist. Doch könnte man sich mit dieser 
Methode noch versöhnen, wenn die einzelnen Werke alphabetisch eingereiht worden 
ären, Das ist leider nicht der Fall; sie sind angeblich chronologisch nach Er- 
scheinungsjahren angeführt. Aber auch das ist nicht consequent durchgeführt. So 
linde ich in der Abtheilung I A, 1 b das 1889 erschienene Buch .Witte, Die Ordnung 
der Rechts- und Dienstverhältnisse ..... . der preussischen Eisenbahnverwaltung“ 
vor dem 1886 erschienenen Werke ,Vigouroux, Législation et jurisprudence des chemin 
de fer^ und dem 1887 erschienenen Werke ,Hürlimann, Die eidgenóssische Eisenbahn- 
gesetzgebung“ verzeichnet. Allen diesen Mängeln aber hätte ein umfassendes alpha- 
betisches Namen- und Sachregister abgeholfen. Aber im Katalog ist leider nicht der 
leiseste Versuch eines Registers zu entdecken. Dieser Fehler ist umso schwer- 
wiegender, als er nicht einmal durch ein eventuell erscheinendes Generalregister 
am Schlusse des Gesammtwerkes gutgemacht werden kann, da gerade der erste Band, 
der das Eisenbahnwesen, also die für Eisenbahnbeamte wichtigste Materie behandelt, 
dringend eines übersichtlichen Inhaltsverzeichnisses bedurft hätte. Dass biblio- 
graphische Gesichtspunkte auch bei Einzelheiten nicht massgebend waren, ergibt sich 
aus dem Gesagten von selbst. Der Katalog ist eigentlich nicht viel mehr als eine 
Art grappirten Inventars. Das ist umso mehr zu beklagen, als die Herausgeber, wie 
erwähnt, sich bei der Abfassung des Buches einer Mühe unterzogen, deren Grösse 
in einem unzureichenden Verhältnisse zum Werthe des Gebotenen steht. Wenn ich 
mein Urtheil dahin zusammenfasse, dass in dem vorliegenden Buche für einen künftigen 
Katalog eine sehr werthvolle Vorarbeit geschaffen wurde, glaube ich den Nutzen 
des Buches erschöpfend gekennzeichnet zu haben. 

Dem Kataloge ist eine Vorrede vorausgeschickt, die einige in Bohatta-Holz- 
mann’s Adressbuch aufgenommene historische und statistische Daten enthält, ferner eine 
Vertheidigung der Gesichtspunkte, welche die ungenannten Herausgeber bei der Ab- 
fassung des Kataloges leiteten, endlich die Ankündigung, dass der zweite Band des 
Unternehmens „die Werke aus den Gebieten der Rechts- und Staatswissenschaften, 
dann der technischen Wissenschaften und der kaufmännischen Fächer, sowie endlich 
Werke sonstigen Inhaltes“ umfassen wird. Ausserdem ist dem Buche eine Bibliotheks- 
ordnung beigefügt. 

Ersehwerte beim Katalog des k. k. Eisenbahnministeriums der grosse Complex 
einer gleichartiren Literatur eine vortheilhafte Gliederung des Materiales, so kam 


cu i 


eine natürliche Theilbarkeit des Stoffes bei der Abfassung des Kataloges der k. k. Geo- 
graphischen Gesellschaft*) der Geschicklichkeit des Herausgebers tördernd zu Hilfe. 
Und das Ergebniss war eine überaus gelungene Arbeit, die dem Bedürfnisse und den 
weitesten Ansprüchen des Publicums in hohem Grade entspricht. 

Der Stoff zerfiel in drei natürlich abgegrenzte Theile, die dem organischen 
Gefüge des Kataloges zugrunde liegen: „Allgemeine Geographie”, „Besondere Geo- 
zraphie*, „Nichtgeographisches“. Die letzte Bezeichnung hat einen etwas unwissen- 
schaftlichen Klang, ist aber völlig zweckentsprechend und praktisch gewählt. Was die 
Gliederung dieser drei Hauptgruppen betrifit, so ergab sie sich für die „Besondere 
Geographie“ von selbst. Sie erfolgte nach den natürlichen und politischen Grenzen 
der Erdoberfläche. Für die Gruppe „Allgemeine Geographie“ konnte sie erst das 
Resultat sorgfältiger wissenschaftlichen Grundsätzen folgender Erwägungen sein. 
Wesen und Umfang der einzelnen Unterabtheilungen sind hier mehr der Kritik aus- 
gesetzt. Dass bei den verschiedenen Gruppen dieser Abtheilung mehrere wesensver- 
wandte Gebiete der Geographie zusammengefasst wurden, lässt sich wohl erklären. 
Doch hätte sich bei so umfangreichen Abschnitten wie [I] „Mathematische Geo- 
graphie, Astronomie, Geodäsie, Kartographie und Terrainlehre®* und [X] „Geschichte 
der Geographie, Historische (Geographie, Biographie” eine weitere Gliederung empfohlen. 
Sehr zum Schaden einer übersichtlichen Darstellung und einer raschen Orientirung 
unterbleiben leider, wie beim Katalog des k. k. Finanzministeriums, die Hinweise aut 
Materientitel, die nicht an erster Stelle genannt sind. Ein so wichtiges und gewiss 
lebhafter Nachfrage ausgesetztes Gebiet, wie z. B. „Kartographie“ hätte, wenn nicht 
besonders behandelt, gewiss einer exacten Verweisung bedurft. Auch eine alpha- 
betische Reihenfolge der einzelnen Materien hätte dem praktischen Nutzen des Kata- 
loges zam Vortheil gereicht. Bestimmend für die Wahl der Reihenfolge war wohl 
die Rücksieht auf die Uebereinstimmung der katalogischen Gruppirung mit dem that- 
sächlichen Standort der Bücher in der Bibliothek, eine Uebereinstimmung, deren 
Nothwendigkeit sowohl beim vorliegenden Kataloge, wie bei dem des k. k. Eisenbahn- 
ministeriums, indem sie besonders gewissenhaft durchgeführt ist, von den Verfassern 
überschätzt wurde. Rücksicht auf die concrete Einrichtung der Bibliothek scheint 
auch die Schaffung des, wie ich glaube, unglücklich gewählten Materientitels „Hand- 
bibliothek“ verursacht zu haben. Unter dieser dunkeln Ueberschrift sind fast aus- 
schliesslich Lexika verzeichnet, die zwanglos in das Capitel „Sprachliches* zu ver- 
weisen gewesen wáren, ferner zwei statistische "Tabellen, die selbstverstündlich zur 
„Statistik“ gehören. Steinhauser’s Umrechnungstafeln hätten wohl noch bei der 
mathematischen Geographie Unterkunft gefunden, und ein Brockhaus, der sich gleich- 
falls bei diesem Titel findet, hätte gesondert erwähnt werden können. 

Ganz besonders ist in diesem Kataloge die Thatsache zu begrüssen, dass inner- 
halb der einzelnen Gruppen die Autzáhlung der Werke streng alphabetisch erfolgt, 
was die Arbeit des Nachschlagenden ungleich mehr erleichtert als die in den beiden 
übrigen Katalogen gewählte chronologische Reihenfolge. Trotz dieser präcis durchge- 





*) .Verzeichniss der Bücher in der Bibliothek der k. k. Geographischen Gesell- 
schaft in Wien.^ Nach dem Stande vom 15. December 1897. Mit Nachtrügen bis 
31. December 1898. -- Wien, Selbstverlag der k. k. Geographischen Gesellschatt 
(Typ. Prochaska), 1899. |IV—451 pp.] -- Wie mir Herr Dr. R. v. Sterneck mittheilt, 
ist der Katalog das Werk des Baron Poche. 


= Jo 


führten alphabetischen Anordnung hat es sich der ungenannte Herausgeber nicht ver- 
driessen lassen, ein überaus zweckdienliches, ausgezeichnet gearbeitetes Namen- und 
Sachregister dem Kataloge beizufügen, in dem auch der 15 Seiten starke Nachtrag 
berücksichtigt ist. Der Werth, und vor allem der unmittelbare praktische Nutzen 
dieses Registers wird dadurch erhöht, dass eine buchstäbliche Wiedergabe der im 
Text befindlichen Werke vermieden und durch eine knappe Hervorhebung des sach- 
lich entscheidenden Schlagwortes ersetzt wird. So findet sich das Werk „Martel, Sur 
les masses pittoresques de rochers dont l’ensemble a recu le nom de Montpellier-le- 
Vieux" im Register unter „Martel, Montpellier-le-Vieux“. Freilich setzt dieses souve- 
räne Verfahren die Vertrautheit des Verfassers mit seinem Stoff voraus und ist beim 
Mangel dieser Voraussetzung kaum zur Nachahmung zu empfehlen. Auf biblio- 
graphische Genauigkeit wird kein besonderes Gewicht gelegt. Die Vornamen der 
Autoren werden, ob gekürzt oder nicht, genau so wiedergegeben, wie sie im Buche 
stehen. Anonyme sind zum grossen Theil aufgelöst, werden aber leider wieder aus- 
schliesslich. unter den Autornamen gestellt, in einem, wie ich glaube, ungerecht- 
fertigten Vertrauen auf die literarischen Kenntnisse des Publicums. Dagegen finden 
sich bei mehr als einem Autor sorgfältige, nur überflüssig mit Klammern versehene 
Hinweise. Aber von den eben erwähnten kleinen Mängeln abgesehen, stellt sich dieser 
Katalog als eines der erfreulichsten bibliographischen Werke der letzten Zeit Jar, 
zu dessen Besitz und zu dessen Benützung die Geographische Gesellschaft nur be- 
glückwünscht, durch dessen Herstellung der Verfasser des einmüthigen Beifalls aller 
Bücherfreunde versichert sein kann. 

Ich glaube, dieses Referat nicht abschliessen zu sollen, ohne in kurzen Worten 
auf die Vortheile hinzuweisen, welche die Bibliographie aus den besprochenen Kata: 
logen zu ziehen in der Lage ist. Mit mehr oder minder schönem Gelingen haben die 
Verfasser dieser Kataloge ihre Nachfolger befähigt, die Methoden ausfindig zu machen, 
nach denen Kataloge der Fachbjbliotheken zusammengestellt sein sollen. Und als 
erreichenswerthes Ziel mag wohl jener Katalog angesehen werden, der die Vorzüge 
der Kataloge des k. k. Finanzministeriums und der k. k. Geographischen Gesellschaft 
vereinigt, ohne ihre Fehler zu theilen. Also prácis gefasste, womöglich nur ein Ge- 
biet umfassende, alphabetisch geordnete Materiengruppen, alphabetische Anordnung 
der diesen Gruppen zuzuweisenden Werke und ein erschöpfendes Namen- und Sach- 
register, bei dessen Herstellung neben den Forderungen praktischer Nutzbarkeit auch 
berechtigte bibliographische Grundsátze massgebend sein sollen. Ich glaube, bei einem 
solehen Kataloge werden Leistung und Ansprüche sich restlos decken. 


LITERARISCHE BESPRECHUNGEN. 


Catalogus codicum manuscriptorum, qui in bibliotheca Monasterii B. M. V. ad Scotos 
Vindobonae servantur. Ex mandato R. D. Abbatis Ernesti Hauswirth, ed: 
Albertus Hübl. Vindobonae, Braumüller, 1899. 8%. X —607—III S. 

Der vorliegende Katalog der Handschriften des Wiener Schottenstiftes ist 
über Auftrag des Abtes Hauswirth, dem ihn auch der Verfasser zum 80. Geburtstage 
gewidmet hat, entstanden. 

Wie manch' anderes Stift in Oesterreich, hatte auch dieses altehrwürdige 
Stift mehrfach von Brand — namentlich in den beiden Belagerungen Wiens durch 


Sen. "St ee 


die Türken — zu leiden, wobei von den ältesten Handschriften-Beständen viel zu- 
srunde gegangen ist. Hiezu kommt noch der vollständige Wechsel, der eintrat, als 
1418 infolge der Klosterreform die schottischen Mönche vollzählig das Stift ver- 
liessen und wahrscheinlich viele Urkunden und Manuscripte — darunter, wie es 
scheint, auch den Original-Stiftsbrief — mit sich nahmen. So kommt es, dass von 
dem Gesammtbestande von 750 Nummern, den der gegenwärtige Katalog aufweist, 
nur je 1 dem XI./XIT. und XII./XIIT., 8 dem XIII., 2 dem XIII./XIV. Jahrhundert 
angehören. Aus dem XIV. stammen dann 52 Nummern, während nahezu die Hälfte 
auf das XV., die übrigen auf die folgenden (darunter 148 Nummern auf das XVIII.) 
Jahrhundert entfallen. Diese Zahlen zeigen übrigens, mit welchem Eifer man gleich 
nach dem Auszug der Schotten auf Ergänzung bedacht war, wobei dem Stifte die 
regen Beziehungen zur Universität sehr zustatten kamen. Merkwürdigerweise hat 
sich aber kein älteres Handschriftenverzeichnis erhalten, denn während die ältesten 
Bibliothekskataloge aus dem Anfange des XVIII. Jahrhunderts stammen, rührt der 
erste Handschriftenkatalog erst von dem Abt Helferstorfer her, der von 1838— 1861 
Stiftsbibliothekar war, und zwar war dies ein Zettelkatalog. 

Der vorliegende Katalog ist eine sorgfältige und verdienstliche Arbeit des 
Gymn.-Professors und Bibl.-Adjuncten am Schottenstifte P. Albert Hübl. Nach dem 
von der Leogesellschaft in Wien entworfenen und 1895 erschienenen „Regulativ“ 
gearbeitet, enthält er bei jeder Nummer die Bibliothekssignatur, eine kurze Be- 
schreibung, die Inhaltsangabe der einzelnen Theile mit Incipit und Explicit, dazu 
sehr fleissig zusammengestellte Literaturangaben. 

Dem eigentlichen Verzeichnisse folgen nicht weniger als sieben Indices, die 
die Benutzung wesentlich erleichtern. Ein Index auctorum, ein Index operum ano- 
nymorum nach 25 Fachgruppen geordnet, dann ein Index initiorum, Index librorum 
secundum aetatem, Index librariorum, Index priorum possessorum, endlich ein Index 
librorum ex linguis aliis ac latina exaratorum, dem zu entnehmen ist, dass über 
drei Viertheile des Bestandes die lateinischen Codices ausmachen, auf welche dann 
151 deutsche, 9 französische, 6 orientalische, 4 italienische und je ein griechischer 
und slavischer folgen. 

Das ganze Werk — auch typographisch vornehm ausgestattet — zeigt neuer- 
lich von dem Verständnisse und regem Interesse, welches in den Kreisen der Privat- 
bibliotheken diesem wichtigen Gebiete entgegengebracht wird, und von dem die be- 
schauliche Ruhe, die bis Kurzem in dieser Beziehung in den staatlichen Bibliotheken 
herrschte, nicht eben vortheilhaft absticht. Nun ist ja auch hierin in der letzten 
Zeit ein Wandel eingetreten und es wird hoffentlich der Action des Oesterreichischen 
Vereines für Bibliothekswesen, dem auch schon die moralische Unterstützung der 
Unterrichtsverwaltung zur Seite steht, gelingen, die Frage der Herausgabe eines die 
Handschriften aller staatlichen Bibliotheken umfassenden Kataloges einer gedeih- 
lichen Lósung zuzuführen. Schwere Arbeit wird es ja wohl kosten, da eigent- 
lich erst die Grundlagen für ein einheitliches Vorgehen zu schaffen sind; das 
Ziel ist aber der Anstrengung werth, und so wollen wir hoffen, dass auch auf diesem 


Gebiete die Leistungen des Staates mit jenen der — freilich vielfach unter günsti- 
geren Bedingungen schaffenden — Privat-Initiative gleichen Schritt halten werden. 


Donabaum. 


Eichler, Ferdinand: Bericht über die Verhandlungen der Section tür 
Bibliothekswesen beim Philologentage in Bremen. Graz 1899, 
8°. 27 S. 

Die vorliegende Schrift verdankt ihre Entstehung der an der Grazer Uni- 
versitätsbibliothek bestehenden Einführung, zu bestimmten Zeiten kleinere Vorträge 
über das Bibliothekswesen berührende Gegenstände zu halten. Dieser Gepflogenheit 
gemäss erstattete Eichler am 18. October v. J. dem dortigen Beamtenkörper ein 
Referat über den Verlauf der Verhandlungen der dem Philologentage angegliederten 
Section für Bibliothekswesen, welche im verflossenen Jahre vom 26. bis 29. Sep- 
tember im Lesesaale der Stadtbibliothek zu Bremen geführt worden waren. Um nun 
diesen Bericht einem grösseren Interessentenkreis zur Kenntniss zu bringen, hat ihn 
E. in Druck legen lassen und zu diesem Zwecke mit einem Nachworte ausgestattet, 
in welchem er sich über die Aufgaben derartiger Versammlungen von Bibliothekaren 
áussert. 

Was den ersten und Haupttheil des Schriftchens betritlt, so hat E. wohl An- 
spruch auf den Dank aller jener Fachgenossen, die nicht so wie er in der glück- 
lichen Lage waren, den Verhandlungen selbst beizuwohnen. Mit der grösstmöglichsten 
Genauigkeit gibt er die bei dieser Gelegenheit gehaltenen Vorträge wieder, bei einigen, 
z. B. dem von Oberbibliothekar Dr. Focke über die Systematik der Wissenschaften 
und ihre Anwendung auf Realkataloge, sogar mit Inanspruchnahme der Hilfe der 
Vortragenden selbst. Es kann hier nicht die Aufgabe sein, über die von den ein- 
zelnen Rednern geäusserten Ansichten und Folgerungen ein Urtheil abzugeben, jeden- 
falls müssen Vortrüge, wie der eben erwühnte, das Interesse jedes Bibliothekars 
wachrufen. Umso grösser aber ist die Anerkennung, die E. zu zollen ist, dass er 
die Ergebnisse der Versammlung in der vorliegenden Schrift zusammenfasste und 
diese auf eigene Kosten dem Drucke übergab. 

Nach dem in objectiver Weise erstatteten Referate kommt E. auf die Zwecke 
und Ziele der Bibliothekarsversammlungen zu sprechen und vertheidigt hiebei eine 
Ansicht, die zum ernstesten Widerspruch herausfordert. Wohl liegt diesen Conferenzen 
„das Bedürfnis nach einem von Zeit zu Zeit zu erneuernden mündlichen Meinungs- 
austausch in Fachangelegenheiten* (S. 19) zugrunde; diese Fachangelegenheiten be- 
stehen aber nicht, wie E. ausführt, zunüchst und zumeist in der Pflege der soge- 
nannten Bibliothekswissenschaften, d. h. alles dessen, „was sich auf die Erkenntniss 
der Entwicklung des Schrift-, Buch- und Bibliothekswesens* (S. 22) bezieht, und 
nebenbei „auch in Fragen der Bibliothekstechnik und der Gesammtorganisation des 
Bibliothekswesens* (S. 26); gerade das Umgekehrte ist richtig. Hauptaufgabe und 
deshalb die wichtigste Fachangelegenheit jedes Bibliothekars bildet es doch, die ihm 
anvertrauten Bücherschátze zu schützen und zu erhalten, sie aber dabei ihrem Zwecke, 
d. i. ihrer Benützung möglichst dienstbar zu machen. Einer idealen Lósuug dieser 
Aufgabe wird man aber nicht näherkommen durch hauptsächliche Beschäftigung mit 
Fragen der Geschichte des Schrift-, Buch- und Bibliothekswesens, z. B. wie E. 
will, durch Schaffung eines Corpus bibliothecarum germanicarum, sondern gerade 
durch Erwägungen von Fragen solcher Natur, wie sie E. nur an zweiter Stelle be- 
rücksichtigt wissen will. Nichts liegt hiebei ferner, als zu behaupten, erstere stünden 
dein Bibliotheksbeamten nicht nahe; im Gegentheile. Wissenschaftlich gebildet, wie 
sie sind, wird jeder das Verlangen haben, über die historische Entwicklung des ihm 
Nächstliegenden orientirt zu sein, und ist er dies, sich auf diesem Gebiete zu be- 


as fh == 


thätigen. Diese Thätigkeit aber als die Hauptaufgabe des Bibliothekars und somit 
der Bibliothekarsconferenzen bezeichnen, heisst das Nützliche dem Nothwendigen 
voranstellen. 

Wien. Kaukusch. 


VEREINSNACHRICHTEN. 


An dem am 26. Jänner 1900 abgehaltenen V ereinsabende erstattete Dr. 
G.A.Crüwell das oben seinem wesentlichen Inhalte nach abgedruckte Referat über 
die Kataloge des k. k. Finanz- und Eisenbahnministeriums und der k. k. Geographi- 
schen Gesellschaft. In der an dieses Referat sich anschliessenden Discussion kam 
zunächst die chronologische Einreihung der Bücher innerhalb der einzelnen Gruppen, 
in denen die Bücher in dem Kataloge des Finanzministeriums zusammengefasst sind, 
zur Sprache. Diese chronologische Anreihung habe den Zweck, die rasche Auffindung 
der neuesten Erscheinungen in dem betreffenden Wissensgebiete zu ermöglichen, da 
ja diese in erster Linie Gegenstand der Wünsche des die Bibliothek benützenden 
Publicums sind. In dem Capitel „Zeitungen“ sei auf diese chronologische Anreihung 
darum kein Gewicht gelegt worden, weil dieses wegen seines geringen Umfanges 
ohnedies eine augenblickliche Orientirung ermöglicht. Was die von dem Referenten 
hervorgehobene etwas flüchtige Behandlung der Anonyme anbelangt, so wurde darauf 
hingewiesen, dass eine genaue Kenntnis der Schlagwörter über diese hinwegzuhelfen 
vollständig geeignet sei. Eine solche Kenntnis ist eine Voraussetzung, der in voll- 
kommen ausreichender Weise nur die Beamten der Bibliothek selbst genügen können, 
die freilich die hauptsächlichsten Benützer der Bibliothek sind und für die er auch 
in erster Linie gedruckt wurde. 





In der Ausschusssitzung vom 12. Februar wurde die diesjährige General- 
versammlung für den 31. März festgesetzt. Hierauf folgten Berichte über eine dem 
Verein zur Aeusserung vorgelegte Zuschrift des Justizministeriums bezüglich des 
Anschlusses Oesterreichs an die Berner Convention in Betreff des internationalen 
Urheberrechtes und über eine Zuschrift des Unterrichtsministeriums bezüglich der 
Ausarbeitung einer Instruction für die Handschriften-Katalogisirung. Ferner 
wurde beschlossen, die ,Mittheilungen^ der Firma Gerold & Comp. in Commission 
zu übergeben und in denselben regelmüssige Berichte über die Ausschusssitzungen 
zu veröffentlichen. Für den nächsten am 23. Februar stattfindenden Vereinsabend 
wurde ein Vortrag Bibliothekar Laschitzer's über die Berliner Instruction ange- 
kündigt und die nächste Ausschusssitzung für den 9. März bestimmt. 


VERMISCHTE NACHRICHTEN. 


(Personalnachrichten.) An der k. k. Studienbibliothek in Olmütz ist 
Dr. Heinrich Engelmann und an der k. k. Universitátsbibliothek in Wien der 
absolvirte Theologe Julius Stockinger in den Bibliotheksdienst neu eingetreten. 





(Die neue Katalogisirung der Handschriften der Prager k. k. Universi- 
tätsbibliothek), welche seit einiger Zeit im Gange ist, ist schon so, weit vorge- 
schritten, dass nunmehr bereits 1262 lateinische Handschriften absolvirt sind. Bei 


zen 76 = 


dieser Arbeit wurde bisher mantherlei interessantes, literarisches und Quellen-Material 
zutage gefórdert. So wurden z. B. im Jahre 1898 drei bisher ganz unbekannte Predigt- 
sammlungen des Johannes Hus, eine solehe des Magister Pribram und eine des 
Martin Lupàé, ein seit 200 Jahren vollstindig verschollenes lateinisch-böhmisches 
Sequentiar aus dem Jalire 1381, sowie neue Schriften des Waldensers Mag. Nicolaus von 
Dresden aufgefunden (Referate im Véstnik Ceskt akademie 1897, 1898). Mit Schluss 
des Jahres 1899 ist die Zahl der Wiclif-Handschriften bereits auf 25, jene der Hus- 
Handschriften auf 42, darunter 5 weitere ganz unbekannte Predigtsammlungen ent- 
haltend, gestiegen. Den Germanisten mag wohl die Auffindung der ältesten bisher 
bekannten Fragmente des Textes von Konrad Fleck's Gedicht „Flore und Blanche- 
flore“, welche Fragmente Prof. Dr. Hans v. Lambel in der „Festschrift zum VIII. All- 
gemeinen Neuphilologentage“ veröffentlicht hat, und einiger lange verschollener Frag- 
mente einzelner Theile von Wirnt's von Gravenbere , Wigalois^ (besprochen von Prot. 
Dr. Mourek in den Sitzungsberichten der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften 
1898), den Mathematiker die Auffindung eines Bandes von Sinus-Tafeln am meisten 
interessiren, welcher sich nach der überzeugenden Darstellung des Hofrathes Prof. 
Dr. Franz Studniéka (in den Sitzungsberichten der böhmischen Gesellschaft der Wissen- 
schaften 1899) als ein Autograph des berühmten Astronomen Tycho de Bralıe 
darstellt. 





(Grosse Schenkungen.) Hofrath Dr. Leo Reinisch hat der Hofbiblio- 
thek eine stattliche Reihe literarischer Reliquien aus dem Besitze des Kaisers 
Maximilian von Mexico zum Geschenke gemacht. Es sind nicht blos werth- 
volle Bücher in kostbaren Einbánden — Reisewerke, Sammlungen von Poesien etc. — 
sondern auch Acten und Briefschatten des Monarchen, welche in der Mappe, die 
zu seinem persönlichen Gebrauch diente, geborgen waren. Unter den Acten, welche 
die Briefmappe des Kaisers enthált, befinden sich verschiedene Schreiben, Sympa- 
thiekundgebungen, ein Chiffrenschlüssel und als werthvollstes Stück eine fünf Folio- 
seiten umfassende, vom Kaiser eigenhändig geschriebene Proclamation an die Mit- 
glieder des hohen Clerus in Mexiko. Dem deutschen Concept des Kaisers, das feste, 
fast kalligraphisch schóne Züge aufweist, ist eine spanische Uebersetzung beige- 
fügt. — Einen besonders reichen Zuwachs erhielt die Hofbibliothek durch das 
Legat ihres früheren Directors, Hofraths Ritter von Zeißberg. Die mehr als tau- 
send Bände umfassende Sammlung enthält erlesene und seltene Werke aus allen 
Gebieten der Geschichts- und Sprachwissenschaft. — Die Bibliothek des Hofraths 
v. Siegel wurde von seiner Gattin Frau Rosa v. Siegel und seinen Kindern der 
Wiener Universitüts-Bibliothek zum Geschenk gemacht. Es sind über 
4000 Stücke, worunter 448 Lesesaalbücher, 2058 andere grössere Werke, 1700 Disser- 
tationen, Nekrologe, Separatabdrücke ete. etc. —- Im Mai 1899 hat der inzwischen 
verstorbene kaiserliche Rath und gewesene Director der k. k. Krankenanstalten in 
Olmütz Dr. Franz Groh der Prager k. k. Universitüts-Bibliothek in Erinnerung an 
seine an der Prager Universität verlebte Studienzeit eine Sammlung von 667 Bänden 
medicinischer Literatur zum Geschenke gemacht. 


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Verantwortlicher Redacteur: Dr, August Weisa. Druck von Gottlieb Gistel & Comp. in Wien, 






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PUBLIC LIBRARY 








MITTHEILUNG 


österr. Vereines für Bibliothekswesen. 











Nr. 2. Wien, den 1. April 1900. IV. Jahrgang. 
Erscheinen in zwanglosen Heften; fur die Mitglieder unentgeltlich. — Abonnemenutspreis 


für Oesterreich-Ungarn 4 Kronen. für das Ausland 3 Mark 50 Pf. jährlich. In Commission 
bei Gerold & Comp., Wien, T. Stefansplatz. — Zuschriften sind an den Redacteur der „Mit: 
theilungen“ Dr. August Weisz (Wien, L, Universitäts-Bibliothek) zu richten. 





Inhalt: Dr. phil. Alfred Góldlin von Tiefenau T. Von H. v. Lenk. — Vereins- 
nachrichten. — Vermischte Nachrichten. — Zur Beachtung. — Anhang: Zur 


Wiener Theatergeschichte. Von Alexander von Weilen. (Fortsetzung.) — 
Beilage: Kritik der „Instruktionen für die alphabetischen Kataloge der 
preussischen Bibliotheken“. Vortrag von Simon Laschitzer. — Vermischte 
Nachrichten. 


Dr. phil. Alfred Goldlin von Tiefenau, 


Vicedirector der k. k. Hofbibliothek, 
Y am A Mars 1900. 


Ein Nachruf. 


Das jähe Ableben des hochverdienten Vicedirectors und Vor- 
standes der Handsehriftenabtheilung der grössten Bibliothek 
unserer Monarchie, Drs. v. (àldlin. bedeutet einen schweren Ver- 
lust nieht nur für das genannte wissenschaftliche Hofinstitut und 
dessen Beamtenkörper, sondern auch für die Wissenschaft. Des- 
halb erweckte die Kunde von diesem plötzliehen Todesfalle auch 
in weiteren Kreisen eine nieht gewöhnliche Theilnahme, wovon 
unter anderem auch biographische Notizen über den Verstorbenen 
in unseren Tageshblättern Zeugnis ablegen. Der äussere Rahmen 
‚seines schlichten G@elehrtenlebens soll darum hier nicht weiter 
berührt, dagegen versucht werden. von der Bedeutung des Ver- 
blichenen als Bibliothekar, von der Kigenart seiner Persönlichkeit. 
in grossen Zügen ein annäherndes Bild zu entwerfen. 

Durch Göldlins Tod ist uns ein ausgezeichneter, in seltenem 
(srade tüchtiger Bibliothekar. ein hochgebildeter Mann, ein tief- 
gründlicher Gelehrter und -— vor allem —- ein in höchstem 
Masse pflichttreuer wissenschaftliceher Beamter entrissen worden — 


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ASTOR, LENOX ANO 
TILDEN FOUNDATION. 








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ein Mann, dessen Name weit über die Grenzen unseres Vater- 
landes hinaus, in ganz Europa, in der wissenschaftlichen Welt 


mit Hochachtung genannt wurde — ein Mann, der unserem In- 
stitute zur hóchsten Ehre und Zierde gereichte — ein Mann, 


der von allen, die ihn kannten, ob seiner fast einzigartigen 
(xewissenhaftigkeit, Zuverlüssigkeit und Gründlichkeit geschätzt, 
verehrt und bewundert wurde. Göldlin war in der That ein 
Bibliograph von europüischem Ruf, ein Kenner der Incunabeln 
wie kaum ein zweiter, ein Führer und Meister auf dem gesammten 
Gebiete des Handschriftenwesens wie nur wenige seinesgleichen. 
„Dr. Göldlin hat's gesagt,“ aurée Sa — das war für uns die 
erste und letzte Instanz für die endgiltige Lösung bibliographi- 
scher Zweifel. Und dieser Mann, dessen profundes philologisches 
Wissen von allen Eingeweihten angestaunt wurde, dessen Aus- 
sprüche über paläographische Räthsel als Orakel galten: der- 
selbe Mann hatte auf die Frage, welches seine eigentliche Fach- 
wissenschaft sei, die rührend bescheidene Antwort: „Ich bin nur 
Bihliograph.* — Hiemit ist schon das Wesen seiner Persönlich- 
keit angedeutet. In Vorreden dankbarer Verfasser, denen er 
wie immer bereitwilligst mitgeholfen, konnte man über ihn lesen: 
„homo benevolentissimus ac perhumanus*. Ja, er war nicht nur 
ein ausgezeichneter Fachmann, er war auch, um es mit Goethes 
Worten kurz zu sagen: ein Mensch „edel, hilfreich und gut“. „Edel“ 
— wer, der ihn näher gekannt, hätte ihm dieses Fpitheton 
ornantissimum versagen können? Selbstlos, interesselos oblag er 
seinem frei gewählten Berufe mit eisernem Fleisse. mit vorbild- 
licher Treue; jeder Schatten von Streberthum, jedes eitle Vor- 
drängen seines Namens lag ihm, dem reinen, dem lauteren Cha- 
rakter, völlig fern. „Hilfreich“ — wer von uns hätte das nicht 
erfahren! Unter uns ist keiner, der nieht in dieser oder jener ` 
Hinsicht von ihm gelernt, keiner, der nicht seine unermiidliche 
Gefülligkeit, seine stete Hilfsbereitschaft oft und vielfach — viel- 
leicht, nur allzuoft. — in Anspruch genommen hat. Und „gut“ 
— ja herzensgut war er. Viel könnte ich davon erzählen, denn 
ich hatte das grosse Glück, von ihm in den Bibliotheksdienst 
eingeschult zu. werden. So steht er vor uns. der herzlich geliebte, 
der allverehrte Mann, der wohl keinen Feind besessen hat. Ent- 
rissen hat ihn uns der Tod, doch unvergessen lebt er fort in 
unseren Herzen. Was er für uns gewirkt — heisser Dank sei 


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ihm für alles. Ruhe sanft in Gottes Frieden, du guter, 
theurer, unvergesslicher Mann! — 


Dr. Heinrich v. Lenk, 


Scriptor der Hofbibliothek. 


VEREINSNACHRICHTEN. 

(Jahresbericht, erstattet in der Generalversammlung am 31. März 1900.) 
Indem der Ausschuss sich erlaubt, ]hneu den satzungsmüssiren Bericht über seine 
Thatigkeit in dem 4. Jahre des Bestandes unseres Vereines zu erstatten, kann er 
vor allem mit Befriedigung constatiren, dass der Verein sich anch im abgelaufenen 
Jahre stetig weiter entwickelt hat, trotz des schweren Verlustes, den er durch das 
unerwartete Hinscheiden seines ersten Obmannes Hofrath v. Zeissberg erlitten hat 

Gestatten Sie uns, dass wir in diesem Rückblicke, wenn auch Zeissberg's 
Verdienste um den Verein schon an anderer Stelle und in umfassenderer Weise ge- 
würdigt worden sind, dankbar dessen gedenken, was er für den Verein geleistet und 
wie er in seiner stillen, aber stets wohlerwogenen Arbeitsweise manche Schwierigkeiten 
überwunden und uns den Weg zu weiterem Fortschreiten geebnet hat. 

Auch sonst hat der Tod manche Lücke in unsere Reihen gerissen. In vollster 
Manneskraft starb der Vorstand der Wiener technischen Bibliothek R. v. Novak, 
ferner der pens. Bibliothekar der Laibacher Studien-Bibliothek Prof. Dr. Muys und 
vorereifend sei hier noch bemerkt, dass wir auch schon im neuen Jahre einen neuer- 
lichen Verlust durch das Ableben des reichverdienten Vicedirectors der Wiener Hot- 
bibliothek Dr. v. Göldlin erlitten haben. 

Ausserdem haben wir mehrfache Austritte -— speciell aus dem Kreise der 
nicht in Wien domicilirenden Mitglieder — zu verzeichnen, sie wurden aber durch 
Neueintritte wettgemacht, so dass der Verein nunmehr 2 Ehrenmitglieder, 4 unter- 
stützende und 158 ordentliche Mitglieder zählt. 

Der Ausschuss bestand nach dem Ergebnisse der vorjährigen Wahlen und der 
danach vorgenommenen Constituirung aus den Herren Hofrath Dr. v. Zeissberg 
als Obmann, Regierungsrath Dr. Grassauer als 1., Regierungsratli Dr. Glossy als 
2. Öbmannstellvertreter, Dr. Geyer als 1., Dr. Donabaum als 2. Schriftführer, 
Dr. Himmelbaur als Cassier und Dr. Daublebsky v. Sterneck, Dr. Daublier, 
Regierungsrath Dr. Haas, P. Kinter, Bibliothekar Laschitzer, Dr. Schniirer, 
Dr. Tadra, Dr. Weisz, Dr. Wislocki als Beisitzern. 

Von diesen hat Herr P. Kinter wegen Arbeitsüberbürdung sein Mandat 
niedergelegt. Wir dauken ihm hiemit für seine seit dem Zeitpunkte des Entstehens 
unseres Vereines bethätigte freundliche Unterstützung und Mitarbeiterschatt. 

Dem Vereiusleben waren ausser einer Anzahl von Ausschusssitzungen noch 
6 Vortrags- und Diseussionsabende gewidmet. Da die Referate über dieselben, zum 
Theil auch die Vorträge selbst. in den „Mittheilungen“ erschienen sind, so können 
wir uns hier auf eine kurze Aufzählung beschränken. Am 25. Februar sprach Herr 
Dr. Doublier über „die Beförderung im Bibliotheksdienste*, aın 8. April fand eine 
Discussion über die bei der Herausgabe der „Ovsterreichischen Bibliographie“ vom 
österreichisch-ungarischen Buchhändlervereine befolgten Prineipien statt, am 29. April 
berann die ausgedehnte Discussion. über. die von. Herrn. Pr. Frankfurter in 


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ASTOR, LENOX AND 
TILDEN FOUNDATIONS 


20 


einem früheren, seither in Druck erschienenen Vortrage entwickelten Gedanken über 
,die Qualification für den staatlichen Biblivtheksdienst in Oesterreich“, die, nachdem 
der für die Fortsetzung anberanmte Vereinsabend am 27. Mai infolge des eben er- 
folgten Todes unseres Obmannes zu einer Trauerkundgebung umgewandelt worden war, 
am 3. November 1899 fortgesetzt und abgeschlossen wurde. Endlich erstattete am 
15. December Herr Dr. v. Sterneck ein ausführliches Referat über die neue preussi- 
sche Kataloginstruetion. Anschliessend sei hier gleich bemerkt, dass im lanfenden, 
also für den Bericht nicht mehr in Betracht kommenden Jahre über dieses wichtige 
Thema von Herrn Bibliothekar Laschitzer noch ein sehr eingehender Vortrag ge- 
halten wurde, an den sich eine lebhafte, einen weiteren Vereinsabend ausfüllende 
Discussion schloss. 

Die geehrte Versammlung wird wohl damit einverstanden sein, wenn wir den 
genannten Herren Vortragenden und Referenten für die zahlreichen Anregungen, die 
sie uns geboten haben, unseren wáüirmsten Dank aussprechen, Wir bitten auch für 
die Zukuntt um recht zahlreiche Betheiligung an den Vortragsabenden, denn eben 
in dem freien mündlichen unbeeiuflussten Gedankenaustausch liegt der Hauptwerth 
dieser Institution für uns alle. 

Das andere wichtige Mittel zur Förderung der Vereinsinteressen, unsere 
„Mittheilungen“, waren (regenstand lebhatter Fürsorge des Ausschusses. Wir haben 
durch eine Vereinbarung mit der Buchhandlung Gerold & Cie. dieser den com- 
missionsweisen Vertrieb übergeben nnd können mit Befriedigung constatiren, dass 
seither eine nicht unerhebliche Vermehrung der Abonnenten eingetreten ist. Es 
wird unsere Sorge, resp. die der Redaction sein, den Inhalt noch vielseitiger zu ge- 
stalten, und wir richten deshalb an alle unsere Mitglieder die Bitte, uns in diesem 
Bestreben recht kräftig zu unterstützen. 

Besonderen Dank schulden wir in dieser Hinsicht dem k. k. Ministerium für 
Cultus und Unterricht und der k. k. n. é. Ntatthalterei, die uns auch im abgelaufenen 
Jahre Subventionen von 300, resp. 50 fl. zugewendet und dadurch ihr wohlwollendes 
Interesse an unseren Bestrebungen bekundet haben. 

Von den übrigen Vereinsangelegenheiten sei hervorgehoben, dass auch im 
vergangenen Jahre die Frage des Generalkataloges der österr. Handschriften Gegen- 
stand vielfacher Berathungen im Ausschusse und in einem aus den Herren Hofrath 
v. Zeissberg, Dr.Donahbaum, Dr. Doublier, Dr. Geyer und Bibliothekar 
Laschitzer bestehenden Subcomité gebildet hat. 

Ferner sei mitgetheilt, dass das von den Herren Dr. Bohatta und Dr. Holz- 
mann verfasste Adressbuch der Bibliotheken der österr.-ungar. Monarchie, welches 
vom Vereine subventionirt und als Vereinsschrift bezeichnet worden ist, im Laufe 
des Jahres 1899 im Drucke erschienen ist. 

Endlich mag noch constatirt werden, dass das von der 1. Generalversamm- 
lung ins Leben zerufene PBibliotheksmuseum sich eines (allerdings höchst bescheidenen) 
Wachstliums erfreut. Wir danken allen jenen Pibliotheken, die durch Ueberlassung 
von Material (Druckformularien, Katalogmustern ete.) zum Ansbaue dieser Samm- 
lung beigetragen haben. Es fehlt aber noch viel selbst zu einem Bilde des österr. 
Bibliothekswesens, und wir werden wohl künftixz eenöthigt sein, zur Vergrösserung 
einen Griff in den (allerdings bekanntlich nicht sehr tiefen) Vereinssückel zu thun, 
um wichtigere Modelle u. dergl. erwerben zu können. 


21 


Die geehrte Versammlung dürfte aus diesen Austührungen entnommen haben, 
dass der Ausschuss redlich bestrebt war, die Interessen (des Vereines nach besten 
Kräften zu fördern. Ob und inwieweit ihm dieses gelungen ist, darüber steht die 
Entscheidung lhnen zu, und wir bitten Sie, falls Sie zur Ueberzeugung gelangt sein 
sollten, dass wir Ihren Intentionen entsprochen haben, dem vorliegenden Berichte 
Ihre Zustimmung zu ertheilen. 


(Protokoll der Generalversammlung vom 31. März 1900.) Der Vorsitzende 
Regierungsrath Dr. Grassauer croftnet die fiintte (ieneralversammlung des Vereines 
und gedenkt in den cinleitenden Worten in ehrender Weise des dahingeschiedenen 
Vorstandes Hofraths Heinrich Ritter v. Zeissberg. Nach Verlesung der Tagesordnung 
wird zunächst zu den erforderlichen Wahlen der drei Obmänner und dreier Aus- 
schussmitrlieder geschritten. Während die Serutatoren Dr. Kaukusch und Dr. Gott- 
lieb mit dem Einsammeln der Stimmen und der Feststellung des Wahlresultates 
beschäftigt sind, folgt als zweiter Punkt der Tagesordnung die Verlesung des Jahres- 
und Cassaberichtes, welche beide ohne Debatte genehmigt werden. Hierauf wird nach 
einem Referate Dr. v. Sterneck's der Antrag des Ausschusses, Prof. Dr. Reyer 
für seine ebenso aufopfernde als ausserordentlich fruchtbare Thätigkeit auf dem 
Gebiet des Volksbibliothekswesens zum Ehrenmitgliede des Vereines zu ernennen: 
einstimmig angenommen, Nach Wiederwahl der Cassarevisoren Custos Meyer und 
Dr. Arnold bringt Dr. Himmelbaur als Referent. über den Antrag Dr. Frank- 
furters, betreffend die Kinführunz einer die Qualification. für den staatlichen 
Bibliotheksdienst bedingenden Fachprüfung die Anschauung des Ausschusses zum 
Ausdruck, dass derselbe diesen Antrag in der vorliegenden Form nicht befürworten 
könne. Ein denselben Gegenstand bhetreflender Antrag Bibliothekar Laschitzer's 
findet nicht die erforderliche Unterstützung. Es sprechen noch Dr. Frankfurter 
und Dr. v. Grieuberger zu diesem Punkte der Tagesordnung, worauf zur Abstim- 
mung geschritten wird, die für den Antrag Dr. Frankfurter’ nur vier Stimmen 
ergibt. Ein weiterer Antrag ist dem Vereine von Dr. Georg Spari, Bibliothekar des 
Stiftes St. Lamprecht, zugekommen. Er lautet folgendermassen: „Der Vorstand des 
Vereines für Bibliothekswesen wird gebeten, mit den competenten Behörden in Fühlung 
zu treten und geeignete Schritte zu veranlassen, dass die seinerzeit den aufgehobenen 
und wieder restituirten Klöstern abgenomnienen Bürcherschätze und Handschriften 
denselben wieder zurückerstattet werden. Im Falle, dass der Verein es ablehnt, die 
Initiative in dieser Angelegenheit zu ergreifen, wolle beschlossen werden, eine 
von anderer Seite ausgehende Initiative krüftigst zu unterstützen.* Der Referent 
Bibliothekar Laschitzer beantragte im Namen des Ausschusses über den ersten 
Theil dieses Antrages zur Tagesordnung überzugehen und gab die Erklärung ab, 
dass der Ausschuss auch die im zweiten Theile zewünschte Unterstützung einer von 
anderer Seite ausgehenden Lluitiative in dieser Angelegenheit nicht befürworten 
könne. Der Antrag des Referenten sowie der dahinzehende Abänderungsantrag Herrn 
Junkers, dass der Verein den Antrag Spari nicht nur nieht unterstützen, sondern 
gegen denselben gegebenenfalls Stellung nehmen solle, wird angenommen. Hierauf 
folgt die Verkündigung des Wahlresultates, Hotrath Dr. Karabacek wird zum 
Obmann mit 46 von 43 abgegebenen Stimmen gewählt; zu Obmannstellvertretern 
werden Regierungsrath Dr. Grassauer mit 47 Stimmen. Regierunesrath Dr. Glossy 


22 

mit 45 Stimmen wiedergewählt; als Ausschussmitglieder werden wiedergewählt Re- 
gierungsrath Dr. Haas mit 47 Stimmen, Dr. Doublier mit 45 Stimmen, an Stelle 
des auf eine Wiederwahl verziehtenden Pater Kinter wird der Schottenpriester 
Professor Hübl mit 25 Stimmen zewühlt. Hotrath Professor Dr. Karabacek dankt 
für die auf ihn getallene Wahl zum Vorstande und. übernimmt den Vorsitz. Er wird 
von der Versammlung mit anhaltendem Beifall begrüsst. Dr. Gottlieb ergreift das 
Wort, um Regierungsrath Dr. Grassauer für die interimistische Leitung der Vereins- 
anzelegenheiten den Dank der Versammlung auszusprechen. Seine Ausführungen, so- 
wie die Erwiderung des Rezierungsraths Dr.Grassauer finden gleichfalls lauten 
Beifall. Als letzter Punkt der Tagesordnung kommt ein mit Unterschriften vieler 
Vereinsmitglieder versehener Resolutionsantrag zur Verhandlung, des Inhaltes, dass 
im Hinblick auf mehrere auch noch in den letzten Jahren vorgekommene Fille 
von Ernennunren von anderen Berufszweigen angehörigen Bewerbern einem hohen 
k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht die Bitte nnterbreitet werde, dahin zu 
wirken, dass in Hinkunft nur dem Stande der Bibliotheksbeamten angehörige und 
für den Bihliotheksdienst qualificirte Bewerber bei den Besetzungsvorschlägen Be- 
rücksichtigunz finden mögen. Referent Dr. Donabaum findet bei mehreren Rednern 
Unterstützung, und der Resolutionsantrag wird fast einstimmig augenommen. Zum 
Sehlusse richtet Herr Junker eine Anfrage an den. Ausschuss in Betreff der an 
den Verein gerichteten Zuschrift des Justizministerinms bezüglich des Anschlusses 
Oesterreichs an die Berner Convention, Regierungsrath Dr. Grassauer beantwortet 
dieselbe mit der Mittheilung, dass die Verhandlungen über diese wichtige An- 
gelegenheit infolge zwingender Verhinderungen. des. Referenten. Regierungsrathes 
Dr. Glossy noch nicht zum Abschlusse gediehen seien. 


Die Aussehusssitzuugen vom 9. und 30. März waren der Berathung 
über die Tagesordnung der Generalversammlung gewidmet. 


Am 23. März fand die Diseussion über den in der Beilage zu der vor- 
liegenden Nummer abgedruckten Vortrag Bibliothekar Laschitzer’s statt. Der Vor- 
sitzende Regierungsrath Dr. Grassauer betonte in seinen einleitenden Worten, wie 
grosses Interesse man in Oesterreich der Berliner Instruction entgegenbringe. 
Im Kreise des Vereines wurden bereits zwei Vorträge über sie gehalten, der heutire 
Abend sei also der dritte, den der Verein dieser wichtigen Publication widme. Als 
Hauptthema für die Discussion wurde die Frage nach dem Mass von Genauigkeit 
und Ausführlichkeit bezeichnet, mit dem bei der Herstellung eines Kataloges 
vorzugehen sei. Laschitzer stehe da auf einem Standpunkt, der von dem der 
Berliner. Instruction. sehr weit entfernt ist. Die frühere, aus dem Jahre 1882 
stammende Berliner Instruction sei bereits im Jahre 1892 vereinfacht worden, und 
die vorliegende gedruckte Instruction gehe in dieser Beziehung noch viel weiter. 
Es habe sich eben gezeigt, dass es bei dem kolossalen Anwachsen der modernen 
Bibliotheken unmöglich ist, den strengen Standpunkt, den die Deutschen lange 
gegenüber den Franzosen und Engländern eingenommen haben, weiter zu behaupten. 
Ein solcher Grundkatalog, wie sich Laschitzer iln denke, sei iu einer grossen 
Bibliothek gar nicht ausführbar. Laschitzer verlange sechs Katalore, die ver- 
möge heute auch eine kleinere Bibliothek nicht zu führen, Dem gegenüber meinte ein 


Redner, dass die Forderungen Laschitzers doch mit Hilfe der neu erfundenen 
technischen Hilfsmittel, als Schreihmaschinen etc., erfüllt werden könnten. Es wurde 
ferner betont, dass die Worte zu hart seien, mit denen die Berliner Instruction von 
Laschitzer verurtheilt wurde. Dem Vorwurf, dass die Berliner Instruction dem 
Ermessen des Bibliotheksbeamten zu viel Spielraum lasse, wurde entgegengehalten, 
dass das Katalogisiren eben keine mechanische, sondern eine wissenschattliche 
Arbeit sei, die wissenschaftliche Kenntnisse erfordere, und bei der dem Beamten 
ein gewisses Mass von freier Entscheidung bleiben müsse. Auch die von Laschitzer 
beanständeten systematischen Zusammenfassungen und Subsumirongen der Berliner 
Instruction wurden fast von allen Seiten gutgeheissen. Die vielen Einzelheiten, die 
von den Rednern nebenbei im Verlaufe ihrer Austührungen gestreift wurden, können 
wir leider hier nicht anführen. Hervorgehoben sei nur, dass insbesonders bei der Frage 
der Trausseription fremder Schriftzeichen länger verweilt wurde. Der Vortrag regte 
zur Besprechung so vieler wichtiger Fragen an, dass Bibliothekar Laschitzer 
sich schliesslich wegen der weit vorgerückten Zeit veranlasst fühlen musste, anf 
jegliche Entgeenunz auf die gegen ihn vorgebrachten Einwände zu verzichten. 


VERMISCHTE NACHRICHTEN. 
(Personalnachrichten.) Der Praktikant der Bibliothek der technischen Hoch- 


schnle in Brünn Moriz Grolig wurde zum Bibliotheksadjuncten an der Bibliothek 
des k. k. Patentanıtes ernannt. 


(Dustless — Labbee.) In den letzten Monaten sind mir von Agenten zwei 
patentirte Handelsartikel zur Erwerbung für die Prager k. k. Universitätsbibliothek 
angetragen worden, von denen der eine Artikel eine gründliche Beseitigung der in 
Bibliotheksränmlichkeiten, namentlich in jenen, welche vom Publicum stark besucht 
werden und alte Fussböden besitzen, oft sehr unangenehmen Staubplage, der andere 
eine Verminderung der in alten Bibliotheksgebänden bestehenden grossen Feuerszefalir 
ermöglichen sollte. Da ich gar nicht zweifle, dass diese beiden „Dustless” und „Labbee“ 
genannten Artikel anch anderen Bibliotheksvorstiinden offerirt worden sind, so diirfte 
eine Mittheilung der von mir in beiden Richtungen gemachten Erfahrungen vielleicht 
nicht unerwünscht sein. „Dustless“, das Staubbeseitigungsmittel, stellt sich als eine 
schwarze, fettige oder besser gallertartige Masse dar, welche mit scharfborstigen Besen 
auf den Fussboden aufgestrichen werden muss. Die Masse, regelmissiz nach einigen 
Monaten neu aufgetragen, soll die Entwieklung des lästigen Staubes in dem be- 
treffenden Raume unmöglich machen und dadurch anch starke hygienische Vortheile 
vermitteln. Jch habe den Fussboden des stark benutzten, aber räumlich wenig um- 
fancreichen, für das Publicum allgemein zugänglichen Zeitschriftenlesezimmers der 
Prager Bibliothek zur Probe thatsächlich mit „Dustless“ überstreichen lassen und 
konnte mich durch mehrmonatliche Beobachtung davon überzeugen, dass das Mittel 
wobl die Staubplage stark vermindert, dass aber die Anwendung desselben in Biblio- 
theksräumlichkeiten arge Misstände mit sich bringt. Vor allem bewirkt die tief- 
schwarze Imprügnirung des Fussbodens eine grosse Verringerung der Helligkeit des 
Raumes, also einen Uebelstand, der gerade bei Dibliotheksráumlichkeiten sehr be- 


94  — 


denklich ist. Diese Helligkeitsverringerung ist thatsächlich weit grósser, als man ere 
warten würde: dieselbe hat wenigstens das ohnehin in Bezug auf die Beleuchtung 
nieht sehr günstig gelegene Zeitschriftenlesezimmer beinahe unbrauchbar gemacht. 
Ausserdem gibt der mit „Dustless“ imprägnirte Fussboden einen unangenehmen 
öligen Geruch von sich, der einen längeren Aufenthalt in dem betreffenden Raume 
geradezu unangenehm macht. Zu allem Ueberflusse bleibt die ganze auf dem Fuss- 
boden aufgetragene Masse fortwührend klebrig, so dass nicht nur die sonst in der 
Luft herumfliegenden Staubtheilchen, sondern auch die Schuhe der Besucher des 
Raumes haften bleiben und letztere erst jedesmal mit einigem Kraftaufwande los- 
gelöst werden können. Um gerecht zu sein, muss aber auch andererseits angeführt 
werden, dass bei der Anwendung des „Dustless“ neben der thatsáchlichen Ver- 
ringerung der Staubplage auch eine Verringerung der Kehrarbeit erzielt wird. Trotz- 
dem habe ich es aber selbstverständlich bei der Probe mit dem Zeitschriftenlesezimmer 
bewenden lassen und die weitere Anwendung des „Dustless* in Rücksicht auf die 
angeführten ganz bedeutenden Nachtheile, ‘welche dieselbe mit sich bringt, unter- 
lassen. Bekannter als dieses Staubvertilzungsmittel dürfte wohl die mit grosser 
Reclame in die Welt zesetzte Feuerlöschgranate Labbee sein. In Prag ist eine 
grössere Anzahl dieser Granaten, welche, richtig geschleudert, jeden, selbst. den 
grössten Brand im Keime ersticken sollen, für verschiedene öffentliche Institute, darunter 
auch für die k. k. Statthalterei, erworben worden. Obwohl ich bei der eminenten 
Feuergefährlichkeit der hiesigen Bibliotheksräume und nach den günstigen Auskünften, 
welche mir besonders auf der Statthalterei über die Granate gegeben wurden, mit einer 
gewissen günstigen Voreingenommenheit an die Prüfung der mir gemachten billigen 
Offerte hinsichtlich der Anschaffung einer Anzahl von solchen in alle Bibliotheks- 
räume zu vertheilenden Granaten herangetreten war, wendete ich mich doch, bevor 
ich eine Entscheidung traf, an die Commmandantschatt der Prager Feuerwehr, um 
ein Gutachten derselben einzuholen. Dieselbe sendete mir thatsächlich umgehend 
ein Gutachten ein, welchem mehrere Zeitungsausschnitte und amtliche Gutachten 
anderer, besonders reichsdeutscher Feuerwehren angeschlossen waren. Die Gutachten 
lauteten sämmtlich ungünstig. Selhstverständlich konnte ich dementsprechend auch 
von der Erwerbung dieser Feuerlöschgranaten mit leichtem Herzen Abstand nehmen. 
Prag, Februar 1900. Kukula. 


(Krankenversicherung der Diener.) Mittels Erlass des Unterrichtsmini- 
sterinms vom 20. Februar 1900, Z. 308 wurde die obligate Krankenversicherung der 
provisorischen und Aushilfsdiener der staatlichen Bibliotheken eingeführt. 


Zur Beachtung. 


Die zu dieser Nummer gehörige Beilage wurde an die 
Mitglieder früher ausgeschickt. — Wegen Ueberfiille des Stoffes 
folgt die Fortsetzung des Aufsatzes von Friedrich Ahn in der 
nächsten Nummer. 


Verantwortlicher Redacteur: Dr, Angust Weisz. 


Dernek von Gottheb Gistel & Comp, in Wien, 





MITTHEILUNGEN 


österr. Vereines für Bibliothekswesen. 


Nr. 3. Wien, den 19. Juni 1900. IV.Jahrgang. 


Erscheinen in zwanglosen Heften; für die Mitglieder unentgeltlich. — Abonnementäpreis 

für Oesterreich-Ungarn 4 Kronen, für das Ausland 8 Mark 50 Pf. jährlich. In Commission 

bei Gerold & Comp., Wien, I. Stefansplatz. — Zuschriften sind an den Redacteur der „Mit- 
theilungen“ Dr. August Weisz (Wien, I., Universitits-Bibliothek) zu richten. 


Inhalt: Johann Mannels lateinische Druckwerke (1575—1605). Von Dr. Friedrich f 
Ahn. (Fortsetzang.) — Der alphabetische Bandkatalog II. — Versammlung 
deutscher Bibliothekare in Marburg. — Literarische Besprechungen. — Aus 
österreichischen Bibliotheken. — Vereinsnachrichten. — Personalnachrichten. 


Johann Mannels lateinische Druckwerke 
(1575 — 1605). 


Ein Beitrag zur Bibliographie Oesterreich-Ungarns. 


Von Dr. Friedrich Ahn. 
(Fortsetzung ) 


[1518 (?)] 


Nr. 4. [Bohorizh, Adam.] Elementale Labacense eum nomen- 
clatura trium linguarum [Laibach] [Johann Mannel] o. J. — 
Kein Exemplar bekannt. 


Schulordnung von 1584 im landschaftl. Archiv zu Laibach. 
Fasc. Rel. S. No. 1. Dimitz a. a. O. III. S. 182, 192. Safarik, Gesch. 
d. südslaw. Lit. I. S. 48: Elementale (sic) Labacense . . . (vor 1584) 
Laibach gedr. bei Johann Manlius. Nach Th. Elze in Real-Ency kl. 
f. prot. Theol. u. Kirche. XVI. 8. 60 im Jahre 1578 zu Laibach 
gedruckt. 


[1582 (?)] 


Nr. 5. Homberger, Jeremias, Viola Martia. 
O. O. [Güssing], O. Dr. N. [J. Manlius] O. J. {1582]*) 8°. 


*) Am Schlusse des Titelblattes die handschriftliche Bemerkung: Nemethujvar- 
ini impress. scribit Carol Szabó Claudipoli 883 Octobr. 


4 


— om, 


— 96 — 


Bl. 1a Titel: 

VIOLA 
MARTIA 
Jeremiae Hombergeri 
Fritislarienfis. 
HABET 
HIC LIBELLVS 
PIAM PRAEPARATIO- 
nem ad percipiendam 
caenam Dominicam, for- 
ma colloqui), inter pa- 
ftorem & confiten- 
tem inftituti, ex- 
pofitam. 

[Zierat.] 

Bl. 1b: GRande tonent alij, luculentae vt concitus // Inuoluit 
torrens vortica prata fuo (vndae //.. . Z. 11: Otho Neidhardus. // 
[verschlungener Zierat]. Bl. 2a [m. d. Sign. Àj]: GENEROSE // 
ET MAGNIFICE IN- // DOLIS AC SPEI ADOLES- // centulo 
D. Francifco Generofi & // Magnifici Domini D. Balthafsaris // 
Budiani liberi Baronis in Gyfsingè // Domini in Slenningen Ke, 
Rom. // Caefareae maieftatis Cofiliarij, Reg. // Maiefst. Hungar. 
archidapiferi // filio falutem a filio Dei Domi- // no noftro Jefu 
Chrifto. // [Zierat.] [QIVAN'TOPERE // Deo placeat, gene- // rofe 
Francifce, fi viri // heroica virtute prae- // diti & rerum publi- /; 


carum gubernatores filios fuos edu-//cent.... Bl. 4a [m. d. Sign. 
A,.ıı» Z. 5: Omnis porro educationis eius- // modi fundamentum 
eft religio vera // & syncera.... Bl. 6a, Z. 4: Amen. Datum 


Graeci] // 14 May anno // 1582. // G. T. ;/ debita obferuantia // 
colens // Jerémias  Hombergerus,  D.// prouincialis Ecclefiae, 
quae // Augultanae Confelsionis // eft Paftor ibidem, &c. // 
[Viereckiger Zierat. Bl. 6b leer. Bl. /a: P. FILI MI, QVID 
CVPIS^- // F. PECCATA MEA CON- // fiteri, .. . B: 12a [m. d. 
Sig. Bini] 4. 4ff: Quid ergo his moribus te /; meritum fateris // 
Agnofeo & confiteor .... BI. 17a [m. d. Sig. Cl: 3. Sabbathum 
fanctum habebis. //4. Honora patrem tuum, & matrem//tuam... 
Bl. 21a [m. d. Sig. Cy], Z. 191: ITA SCRIptum reliquerunt 
Sanc- // cti Euangeliftae, Matthaeus, // Marcus, Lucas & Apo- // 
stolus Paulus. // Domi- // 


— 91 — 


Bl. 268. VERSVS GREGORII NA- // ZIANZENI DE 
BEATA /vita redditi à Jer. Homb.// 14 Marcij anno 1564./7 
Bl. 31b: Flamine quod vitae fons ipfe exhalat Jefus//Sanctificans 
verbo pectora noftra (uo. // GLORIA, LAVS ET HONOR 
TERNIS // SVBSTANTIA IN VNA // PERSONIS, DICAT 
CHRISTICOLA // OMNIS AMEN. // [Zierat.] Bl. 32 leer. 

89, rom. Type, 32 nicht num. Bll. m. d. Signatur A—D, 
Custoden, ohne Blattzahl, zu 20—40 Zeilen. Bl. 2a 19, Bl. 6a 13, 
Bl. 31b 6 Zeilen, das Titelblatt, von Randleisten umgeben, mit 
Typen in 4 Grössen, Bl. 2a mit Typen in 2 Grössen und 1 fünf- 
zeiligen Holzschnittinitiale, Fragen und Antworten vom Bl. 7 an 
mit verschiedenen Typen, die Verse mit Bibelcitaten von Bl. 26a 
mit kleineren Typen als die Titel der Gedichte, Bl. 26b mit 
Typen in 3 Grössen. 

Unicum der Franciskanerkloster-Bibliothek in Német-Ujvár. 

Szabó II. No. 169. 





1583. 
Nr. 6. Clusius, Carolus, Stirpium nomenclator Pannonicus. 
Német-Ujvár, J. Manlius, 1583. 8°. 
Bl. 1a Titel: 
STIRPIVM 
NOMEN- 
CLATOR PAN- 
NONICVS. 
Authore 
CAROLO CLVSIO 
Atrebate. 
Nil natura parit cafu, sed maximus Author 
Vult nofíci in rebus, quae fua facta docent. 
Vos igitur medicae ftudiofi Pannones artis, 
Has varias ftirpes noícere ne pigeat. 
Clusius illarum vulgari nomina voce 
` Scripfit: vt hoc ftudium quilibet víqa iuuet, 
S. B.*) 
IMPRESSVM NEMET- 
vyvvarini per lohannem 
Manlium. 
ANNO M. D. LXXXIIT. 


*) S[tephanus] B[eythe]. 
4* 


"E — 


Bl. 1b: CAROLVS CLVSIVS //] Atrebas Pannonibus rei Her- // 
bariae Studiofis. // [C]Vm ftirpium, quas his proxi- // mé elap(is 
annis, cüm in // Pannoniae parte, tum 1n Au- // ftria, & vicinis 
quibusdam pro- //uincijs obferuaui, .... Bl. 3b [m. d. Sign. ÀJ 
Z. 2: boni confulere velint. Valete, // Viennae. Calend: Ianuarij, 
An- /, no reparatae falutis humanae , // M. D. LXXXIII. [Zierat.] 
BI. 4a [m. d. Sign. A111} A://[A]Bies, Luch fenyö fa, melynek 
à le- // uele egy felöl all. //.... BI. ba [m. d. Sig. Av], Z. 10 ff: 
B. // [B]Erberis, irom. borbola, id eft, vinum // barbarum, faij 
foska. // Bl. 9a [m. d. Sign. B], Z. 17ff: H. // [H]Edera, folyo 
boroftyàn quód ferpat//Hedera terreftris vulgaris, fodi fo-/ Ivo 
boroftian fiu, hoec est, terre-;/ftris ferpens hedera.//.... Bl. 12a 
[m. d. Sig. B,,,,], Z. ff: P.// (PLEonia, ba(i rofa. // Palma, palma 
fa, //.... Bl.15b, Z. 20ff: V.//[V]Erbascum, ókór fark, hoc 
eft, cau-//da bouis. // Verbafíecum nigrum, fekete ókór fark.//... 
Bl. 16a: Vicia, Letnok.//.... Z. 18. Z.//Zea, Spelta, Tenkoly./ 
AD LECTOREM.// Ter centum ftirpes, denas quater, octo 
reponit // Ordine: queis (sic) addas quotquot habere cupis. // 
Bl. 16b leer. 

8°, rom. Type, 16 nicht num. BlL, mit der Signatur A—B, 
Custoden, ohne Blattzahl, zu 23—24 Zeilen im Nomenclator, 
Bl. 5a, 7a, 8a, 13b, 16a zu 22 Z., Bl. 4b und 13a zu 25 Zeilen, 
die Vorrede mit grösseren Typen, zu 15 Zeilen, Bl. 3b 5 Zeilen, 
das Titelblatt, von Randleisten umgeben, mit Typen in 4 Grössen, 
Bl. 1a und 16a mit Typen in 2 Grössen, auf Bl. 3b ein Holz- 
schnittzierat. 

Unicum der Franciskanerkloster-Bibliothek zu Német-Ujvár 
in einem Sammelband als zweites Adligat beigebunden : 

1. Seribonius, Guilhelmus Adolphus, [Isagoge sphaerica 
methodice proposita. Francofurti, A. Wechel, 1580. 8°. 

2. Brucaeus, Henricus, De motu primo libri tres. Rostochii, 
J. Lucius, 1573. 8°. 

Das letztere Werk sowie unser Unicum haben am rechtseitigen 
oberen Rand durch die Zühne von Nagethieren etwas gelitten. 

Auch diese bibliographische Seltenheit befand sich im Be- 
sitze des genannten Stephan Beythe, wie der Namenszug auf 
dem Titelblatte des ersten Werkes des Sammelbandes beweist. 

Szabo, II. No. 116. (Fortsetzung folgt.) 


—Ó Nm 


Der alphabetische Bandkatalog II.” 


Für diejenigen Bibliotheken, welche einen gebundenen alphabetischen Katalog 
besitzen (und das ist wohl die Mehrzahl der grösseren Bibliotheken), ist es eine 
wichtige Frage: Wie soll die nach Abschluss des reinen Alphabetes, also die von 
einem gewissen Zeitpunkte an zuwachsende Menge von Druckwerken ersichtlich ge- 
macht und daher sowohl für die Verwaltung, wie auch für die Benützung von Seite 
des Publicums zugänglich gemacht werden ? 

Diese Frage tritt z. B. jetzt an die k.k. Universitäts-Bibliothek in Wien 
heran. Diese hat einen gebundenen alphabetischen Katalog, welcher aus 22 starken, 
in Schweinsleder gebundenen Foliobänden besteht. Mit dem Jahre 1849 sind die 
Eintragungen nach dem reinen Alphabete abgeschlossen worden, vom Jahre 1850 
an ist der Zuwachs den einzelnen, mit den Buchstaben oder auch Buchstabenreihen 
des deutschen Alphabetes bezeichneten Bánden in einer durchaus nicht mehr streng 
alphabetischen Ordnung angefügt worden. Im alten Theile des alphabetischen 
Bandkataloges bestanden die Aufschriften auf jeder Seite eines Blattes aus den zwei 
Ordnungswörtern, welche die betreffende Seite am Anfange und am Schlusse ent- 
hielt, in dem Supplemente eines jeden Bandes hingegen sind die Aufschriften 
nur Buchstaben, oder meistentheils Combinationen von Buchstaben in gewöhnlich 
weiten Grenzen (Spatien), so dass behufs Auffindung einer Schrift in der Regel 
viele Folien, und zwar mit grosser Aufmerksamkeit durchgesehen werden müssen. 
Ist der Bandkatalog in allen seinen Theilen nach dem strengen Alphabete ge- 
schrieben und abgeschlossen, so kann der Zuwachs auf verschiedene Weise evident 
gemacht werden. Entweder werden für denselben eigene Bände (Supplementbände) 
angelegt, oder es wird in jedem rein alphabetischen Bande der die Ordnungswórter 
des betreffenden Buchstaben enthaltende Zuwachs als zweiter Theil angefügt. 

Diese beiden Methoden haben jedoch den Uebelstand, dass von Seite des 
Nachsuchenden entweder zwei Bünde, oder — was auf dasselbe hinauskommt — 
in einem Band an zwei verschiedenen Stellen nachgeschlagen werden muss, wie 
es z.B. gegenwärtig an der Wiener Universitäts-Bibliothek der Fall ist, wo alle 
vor dem Jahre 1850 erschienenen Druckwerke im alten und neuen Theile des 
Kataloges nachgesucht werden müssen, weil es ja der Fall sein kann, dass eine 
vor dem Jahre 1850 erschienene Schrift erst nach dem Jahre 1850 in die Biblio- 
thek gekommen und daher im Supplemente eingetragen ist. 

Nach Ansicht des Gefertigten wäre es am besten, den Zuwachs durch Ein- 
legen (Einschaltung, Interfoliirung) von Blättern in die bereits rein alphabetisch 
geschriebenen, mit einem gewissen Zeitpunkte abgeschlossenen Bände des alphabeti- 
schen Kataloges ersichtlich zu machen, und zwar in der Art, dass für jede bereits 
feststehende, aus einem Anfangs- und Schluss-Ordnungswort bestehende Seite des 
streng alphabetischen Kataloges ein Ergünzungsfolium besteht, welches der betretl'en- 
den Seite vor- oder nachgesetzt wird, je nachdem es der Anschluss der im Haupt- 
wie im Ergänzungstheile identischen Aufschriften erfordert. 

Kommt ein Ordnungswort, sei es personell oder anonym, häufig vor, hat es 
daher mehrere Folien, so hätte auch die Ergänzung aus zwei oder einigen Blättern 


*) Siehe Jahrg. III, Nr. 3. 


zu bestehen, welche sodann am besten dem Schlussblatte des reinen Alpha- 
betes, oder, falls letzteres ganz oder auch nur auf der letzten Seite bereits zwei 
Ordnungsworte wieder hat, gegen den Schluss zu einzufügen wären. Sind die 
Ergänzungsblätter voll geworden, so sind dieselben mit dem Haupttheile, zu welchem 
sie den Aufschriften nach gehören, wieder in das reine Alphabet zu bringen und 
das Ganze neu zu schreiben. 

Bei Anwendung dieses Verfahrens findet nicht nur der oberwühnte Uebel- 
stand des Nachschlagens an zwei verschiedenen Stellen nicht statt, sondern es 
wird auch die schnellere und sichere Auffindung der gesuchten Schrift dadurch 
bedeutend erleichtert, dass die Aufschriften (die Kópfe) der Ergänzungsfolien mit 
jenen des Hauptkataloges die gleichen sind, letztere aber in einem sehr zusammen- 
gedrüngten Alphabete sich bewegen. Auch die Gefahr falscher Eintragungen wird 
bei diesem Verfahren sehr vermindert, und da die Zwischenràume der Aufschritten 
sehr klein sind, daher bis zur Ausfüllung des Foliums oder der Folien lüngere 
Zeit vergehen wird, so wird auch die Nothwendigkeit einer Erneuerung der sämmt- 
lichen, die gleichen Aufschriften enthaltenden Theile an die Bibliotheksverwaltung 
nicht sobald herantreten. Das Alphabet des Ergänzungstheiles wird allerdings nur 
ein Alphabet in crudo sein, allein vermöge der Identität der neuen Aufschriften 
mit den alten ohnehin im engen Alphabete stehenden Ordnungswörtern wird das 
Alphabet des neuen Theiles nur wenig durchbrochen sein. Würden die Aufschriften 
der Ergänzung nur Buchstabenreihen (Buchstabencombinationen) sein, so wären die 
sogenannten Spatien schon der Natur der Sache nach viel weitere, und es würde 
auch überdies doch nicht ganz die Gefahr ausgeschlossen sein, dass willkürliche 
Erweiterungen derselben stattfinden, da sich dieselben bei Buchstabenreihen leichter 
durchführen lassen. 

Würde man die Ergänzung, das Anbringen des Zuwachses, in der Art durch- 
führen, dass beim Neuschreiben des alphabetischen Bandkataloges nur die eine 
Seite jedes Foliums beschrieben, die zweite aber freigelassen und sodann auf dieser 
letzteren der Zuwachs aufgetragen wird, so müsste, sobald auch diese vollgeschrieben 
ist, die Einfügung des Zuwachses in das reine Alphabet der ersten Seite und da- 
her die Neuschreibung des Ganzen verhältnissmässig schneller erfolgen, als bei 
der von dem Gefertigten vorgeschlagenen Methode, was aber, namentlich bei grösseren 
Bibliotheken, die ohnehin eine bedeutende Arbeitslast zu bewältigen haben, stark 
ins Gewicht fällt. 

In jedem Falle aber liegt nach der Ansicht des Gefertigten der Schwerpunkt der 
vorliegenden Frage in der Art der Spationirung. Auch bei der hier vorgeschlagenen 
Interpolation von Folien würde die Bezeichnung der Ergánzungsblátter mit blossen 
Buchstabenreihen eine nieht zweckmässige Art der Evidentmachung des Zuwachses 
sein. Ob die den Zuwachs enthaltenden Blätter durch eine andere Sorte oder Farbe 
des Papieres als jenes des streng alphabetischen Haupttheiles kenntlich gemacht 
werden sollen, ist eine Frage von secundärer Bedentung, ein sachliches Hinderniss 
steht dem nicht entgegen, obwohl eine Nothwendigkeit für eine solche Differenzirung 
bei der obbemerkten Art der Spationirung nicht vorhanden ist. Bei dem jetzigen 
technischen Stande des Buchbindergewerbes wird wohl auch die feste Einfürung 
der Zuwachsfolien keine Schwierigkeiten verursachen. 

Eines ist aber bei der Nenanlage des streng alphabetischen Bandkataloges 
und der Eintragung des Zuwachses, man mag sich für was immer für eine Me- 


zc DIE «2 


thode entscheiden — besonders aber bei der hier vorgeschlagenen — ganz gewiss 
unvermeidlich: eine nicht unbedeutende Vermehrung der Bändezahl des alphabeti- 
schen gebundenen Kataloges, damit nicht nur die Handhabung desselben beim 
Nachschlagen, sondern auch — und zwar ganz besonders — beim Eintragen so viel 
als moglich erleichtert werde. Custos J. Meyer. 


(Versammlung deutscher Bibliothekare in Marburg.) Am 7. und 8. Juni 
wurde die früher an die Philologenversammlung angeschlossene Versammlung dentscher 
Bibliothekare zum erstenmale selbständig in Marburg abgehalten. 67 Theilnehmer 
waren aus 33 Städten angemeldet, darunter aus Oesterreich Dr. A. Hittmair, Custos 
an der Innsbrucker Universitätsbibliothek, und Dr. Th. Gottlieb, Amanuensis an der 
Wiener Hofbibliothek. Die zwanglose Vorversammlung am 6. Juni vereinigte bei- 
nahe alie angemeldeten Theilnehmer. Mit lebhaftem Beifall wurde ein Begrüssungs 
teleeramm aus Graz (Reg.-Rath Haas und Eichler) aufgenommen. Die Verhand- 
lunzen nahmen am 7. Juni vor 9 Uhr im Lesesaale des neuen Bibliotheksgebändes 
ihren Anfang. Wie schon am Vorabende wurden die ausländischen Gäste vom Vor- 
sitzenden geh. Rath Rödiger-Marburg „mit ganz besonderer Freude“ begrüsst. 
Abtheilungsdireector Schwenke-Berlin berichtet über die vorbereitende Thätigkeit 
des Ausschusses und macht Mittheilung von dem Wegfall des Referates Berghötter: 
Ueber eine Bibliographie der deutschen Zeitschriften-Literatar 1801—95. Auf Vor- 
schlag des geh. Rathes Dziatzk o-Göttingen wird geh. Ratı Rödiger-Marburg zum 
Vorsitzenden, Schwenke-Berlin zu seinem Stellvertreter gewählt. Das erste Reterat 
erstattet Rödiger über „Die Marburger Bibliothek und ihr neues Gebäude“. 
Daran schliesst sich die Besichtigung der Bibliothek. Bemerkenswert ist die drei- 
theilige Anlage des Gebäudes, die Construction der Magazine, der eisernen Träger, 
der Repositorien (System Lippmann), der Fussböden (Drahtgeflecht mit Cement 
einzegossen und mit Linoleum getränkt), des hydraulischen Aufzuges, der 
nach amerikanischem Muster angefertigten Rollwigelchen, die Verglasung, die 
Fensterventilation. Die Überbrinzung der fast 200.000 Biinde aus dem alten in das 
neue Gebäude erforderte bei Mitwirkung von Militär 8 Tage zu je 7'/, Arbeits- 
stunden. Oberbibliothekar Schulz-Leipzig referiert „Über die weitere Gestaltung 
der Bibliothekarversammlungen“ und empfiehlt unter Vorlage eines Statutenentwurfes 
die Gründung eines selbständigen Vereines, während bisher die Versammlungen im An- 
schlusse an die Philologentage abgehalten wurden. Geh.-R. Laubmann-München billigt 
den Entwurf, weil er noch immer alternirend auf den Anschluss an die Philologen- 
versammlung Rücksicht nimmt. Dziatzko-Góttingen ist gegen die Gründung eines 
Vereines. Der Hauptzweck der Versammlungen, gegenseitige Belehrung und Anregung, 
sei bisher auch ohne Verein erreicht worden. Dem Bedenken gegenüber, dass der 
Verein Bibliothekspolitik treiben könne, wird vom Referenten entgegnet, dass der 
Verein die Interessen der Vereinsmitglieder verfolgen solle, daher gestehe er gerne 
die Aenderung des vorgeschlagenen Titels Bibliotheksverein in Bibliothekarverein zu. 
Dir. Gerhard-Halle wünscht Aufschluss über die Erfahrungen, die mit dem öster- 
reichischen Bibliotheksverein gemacht wurden. Gottlieb-Wien setzt auseinander, 
dass der ósterreichische und der zu gründende deutsche Verein verschiedene Ziele 
verfolgen, dass das Organ des ersteren nicht auf der Hóhe stehe, und dass es 
sich der Beurtheilung entziehe, ob die an die Regierung abgegebenen Gutachten 


h 


Wirkung gemacht hätten. Schulz-Leipzig urtheilt günstiger über den österreichi- 
schen Verein, da dieser an grosse Aufgaben sich heranwagt (Handschriften-Kata- 
log etc). Bibl. Milchsack-Wolfenbüttel ist für Vertagung. Die Versammlung 
solle zunächst von dem Rechte, sich bei der nächsten Philologenversammlung als 
Section zu constituiren, Gebrauch machen. Dir. Erman-Berlin schlägt die Zu- 
weisung des Statutenentwurfes an eine Commission vor, die ihn in abgeänderter 
Fassung morgen der Versammlung wieder vorlegen soll. Dieser Antrag wird an- 
genommen. Hierauf folgt das Referat Schultze-Bonn: „Ueber einige technische Ein- 
richtungen der englischen Public Libraries. Der Referent behandelt das Zweibuch- 
System (den Lesern wird nebst einem belletristischen auch ein belehrendes Buch 
gegeben), die Form der gedruckten Kataloge, die Art der Zeitungsbenützung, die 
Sicherung gegen Verbreitung ansteckender Krankheiten und den Indicator. Die Nach- 
mittagssitzung wird eingeleitet durch das Referat Roquette-Góttingen „Grund- 
sütze einer Bibliotheksstatistik^. Zur Orientirung hatte jeder Theilnehmer drei Bogen 
rubricierter Tabellen erhalten. Der Correferent O.-B. Paalzow-Marburg führt aus, dass 
die Benützerstatistik vielfach nur relativen Werth habe, weil sie háufig fehlerhaft sei. 
Schlechtes Wetter, Einflüsse der Bibliothekare auf das Publicum zur Vermeidung 
übertlüssiger Bestellungen modificiren die statistischen Daten oft erheblich. Für ver- 
gleichende Statistik ist móglichste Vereinfachung anzustreben. Er beantragt Wahl einer 
Commission von drei Mitgliedern zur Festsetzung der Grundsätze einer Bibliotheksstatistik. 
Dir. Petermann-Dresden macht auf die Schwierigkeiten aufmerksam, welche die mit 
der vergleichenden Statistik betraute Centralstelle zu überwinden hat, besonders da die 
Formulare wesentlich nur für die Universitütsbibliotheken berechnet seien. Gerhard- 
Halle bemerkt, dass der Referent zu weit gegangen sei. Einheitlichkeit komme nicht 
zustande. Dziatzko wünscht das Nothwendige geschieden zu sehen vom Wünschens- 
werthen. Für eine vergleichende Statistik sei Anschluss an die Unterscheidung 
der Fächer des deutschen Buchhandels sehr wünschenswerth. Für die Lesesaalstatistik 
genügten Stichproben nnd die aus ihnen gewonnene Durchschnittszahl. Er schliesst 
sich Paalzow an bezüglich Einsetzung der Commission. Für die Statistik ist wichtig 
die Angabe des augenblicklichen Umfanges der Bibliothek. Die Resolution Paa l- 
zows, dass die Zählung des Bibliotheksbestandes „in periodischen Zwischenräumen“ 
(Zusatz Gerhards) und die Vermehrungsstatistik alljährlich vorzunehmen sei, wird 
angenommen und die Durchführung einer Commission von fünf Mitgliedern (R o- 
quette, Paalzow, Ebrard, Schwenke, Gerhard) zugewiesen. O.-B. Gei- 
ger-Tühingen erstattet sein viel werthvolles Material enthaltendes Referat: „Ueber 
die Vermehrung der Bibliotheken durch den Austausch amtlicher Publicationen.* Was 
Grassauer („Ziele und Aufgaben ...“) für Oesterreich in Angriff nimmt, soll auch 
in Deutschland durchgeführt werden. Der zweite Tag war nur in seinem ersten 
. Theil den Verhandlungen gewidmet; an die Spitze dieser wurde gestellt der Bericht 
der Commission über die weitere Anseestaltung der Bibliothekarversammlungen. Be- 
richterstatter Schwenke legt als Ergebnis der Commissionsberathung den Antrag 
vor, cinen Verein zu gründen, Die Statuten desselben werden in Berathung gezogen. 
Es wird beschlossen, dass der Vorstand das Recht erhält, sich durch Cooptierung zu 
verstärken. Zur Mitgliedschaft berechtigt sind die wissenschaftlich vorgebildeten Biblio- 
thekare des Deutschen Reiches. Nach dem Antrag der Commission sollen Nichtmitglieder 
mit Erlaubnis des Vorstandes zur Theilnahme, aber ohne Stimmrecht, zugelassen 
werden können. Häbler- Dresden ist für eine Erweiterung des Mitgliederkreises, 


Geiger-Tübingen will überhaupt keine Beschränkung anf bibliothekarische Kreise, 
Zedler- Wiesbaden will noch weiter gehen. Der Antrag Hirsch-Münster, Nicht, 
mitglieder mit Theilnehmerkarte, Reichsdentsche zu 6 M., Ansländer zu 3 M. zuzu- 
lassen, wird abgelehnt. Zur Annahme gelangt der Antrag Geiger, dass zur Theil- 
nahme an den Versammlungen ohne Stimmrecht auch Personen, die nicht Mitglieder 
des Vereines sind, zugelassen. werden kónnen gegen Lösnng einer Theilnehmerkarte 
im Betraze von 3 M. Von den Bestimmungen der Statuten ist noch von Interesse jener 
Paragraph, welcher festsetzt: Mittheilnngen des Vorstandes erfolgen unter dessen 
Verantwortlichkeit durch das Centralblatt für Bibliothekswesen. Eine Bestimmung über 
den Sitz des Vereines wurde nach interessanter juristischer Beleuchtung der Frage 
nieht aufgenommen, ebenso nicht über die Verfürzung des Vereinsvermögens im Falle 
der Auflösung. Nach Annahme der Statuten constitnirte sich der nene Verein; es 
traten ihm 58 Mitglieder bei. Nach kurzer Pause hält geheimer Rath Dziatzko sein 
Reterat „Ueber den Plan eines alle bekannten und noch zu ermittelnden Wiegen- 
drücke umfassenden Katalogs“. Wünschenswerth und zeitgemäss ist ein einheitlicher 
allgemeiner Katalog der bis za Ende des Jahres 1500 erschienenen Drucke mit den 
Standortsangaben. Für Deutschland soll die Arbeit innerhalb mehrerer Bezirke 
unter der Leitung je einer grósseren Bibliothek durchgeführt werden. Die endgiltige 
Besehreibunz wird von einer Centralstelle besorgt. Plan, Kostenvoranschlag, ein- 
leitende Schritte sind Aufgabe einer Commission. Die vorgerückte Zeit gestattete 
nicht dem Correferenten Prof. Haebler-Dresden, der ohnedies nur Dziatzkos 
Thesen unterstützen wollte, zum Worte zu kommen und liess auch ein Eingehen auf 
das Referat nicht zu. Erman-Berlin weist bezürlieh der Durchführung des In- 
eunabelkatalores anf die Coalition der Akademien hin. Der Vorstand des neuen Vereines 
wird sich der Angelegenheit annehmen. Hierauf erfolgen die Vereinswahlen. Da 
Dzriatzko abgelehnt hatte, wurde Schwenke-Berlin zum Vorsitzenden gewählt, 
als Vorstandsmitglieder Laubmann-München, Dziatzko-Góttinzen, Erman-Berlin, 
Ip pel-Berlin, als weitere Ansschussmitglicder Scehulz-Leipzig, Ebrard-Frank- 
fart a. M., Schmidt-Darmstadt, Ròodiger-Marbnre. Mit lebhafter Acelamation des 
eonstituirten Vereines schloss die Sitzung. Es entfielen somit ausser dem schon zu- 
Tückgezogenen Referate Berghöffers noch zwei Programmnummern: Ippel: 
„Ueber Vorarbeiten zu einem dentschen Anonymen- und Pseudonymen-Lexikon^ und 
Schulz: „Die Bibliotheken und der Verlagzsbuchhandel.^ Unter dem lebhatten Ein- 
drücke, dass die Gründung des Vereines deutscher Bibliothekare bernfen sei, den 
künftigen Bibliothekarversammlungen erhöhte Bedeutung zu verschaffen, wurde die 
Tagung geschlossen. Bei dem Festmale sprach Rödiger auf den neuen Verein, 
Sehwenke erwiderte mit Apostrophirung Ródigers, Rüdiger toastirte auf 
die Gäste, Hittmair auf die bibliothekariscle Baundesgenossenschaft zwischen 
Deutsehland und Oesterreich, Sehulz auf Dziatzko, Dziatzko auf Erman, 
Rödiger schläet vor, ein Telegramm an Fórste mann, den ersten Anreger einer 
Verbindung der Bibliothekare, zu richten, Erman toastirt auf Hartwig, Escher- 
Zürich anf die Gemeinsamkeit der Interessen in C'altur nnd Wissenschaft. Iniv.-Prof. 
Schröder hebt hervor das Zusammenwirken zwischen Universitäten und Biblio- 
theken, Laubmann lässt Schwenke leben, Geiger in sehr lebhatter Rede die 
Bibliothekarsfrauen. Gottlieb weist anf gemeinsame Arbeit rücksiehtlich der Monu- 
menta historiea als Ehrenpflicht hin. Die Tarung hatte einen glänzenden, auch nicht 
von dem Hauche einer Missstimmung getrübten Verlauf. genommen. Die dentschen 


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Ə 


— 


Bibliothekare dürfen mit Stolz auf diese Versammlung zurückblicken. Dass aus- 
làndische Gáste aus weiter Ferne erschienen waren, beweist, wie sehr die Bedeutung 
ihrer Verhandlungen gewürdigt wird. Die liebenswürdize Aufnahme der Oesterreicher 
berechtigt zu dem Wunsche, es möze den deutschen Bibliothekaren die den öster- 
reichischen Collegen gewährte Gastfreundschaft bald in Oesterreich erwidert wer- 
den können. Httr. 


LITERARISCHE BESPRECHUNGEN. 

(I. Nachtrag zum ersten Bande des Kataloges der Amtsbibliothek des k. k. 
Eisenbahnministeriums, enthaltend die in der Zeit vom 1. Juli bis 31. De- 
cember 1899 zugewachsenen Bücher, Zeitschriften ete. Wien 1900.) 

Das Heftchen bietet in seiner mühevollen systematischen Gliederung des 
Stoffes im kleinen dasselbe Bild wie der Hauptkatalox im grossen. Vermöge seiner 
Kürze mag das Heft als ein schwerfüllig gesichtetes Zuwachsverzeichnis den Fach- 
mann über die neueste Literatur auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens unterrichten. 
In seiner gegenwärtigen Form aber vermag es ebensowenig wie der Hauptband auch 
sehr bescheidene Forderungen, die man an einen Katalog zu stellen berechtigt ist, 
zu erfüllen. Auch die chronologische Reihenfolge der Bücher lässt wieder vieles zu 
wünschen übrig. Sie ist auf dem Papier des Vorwortes stehen geblieben. | C—1l. 
(Verzeichniss der Bücherei des deutschen akademischen Juristen-Vereins in 

Prag. Bestand vom ]. August 1899. Prag, tvp. Haase. Selbstverlag, 1899. 8°. 
XVI—1125.) 

Das vorliegende „Verzeichniss“ ist ein schlagender Beweis für die That- 
sache, dass auch in Laienkreisen immer mehr das Interesse und Verständniss da- 
für zunimmt, wie sehr die Erhaltung und Verwerthung vorhandener Bücherbestände 
durch deren Katalogisirung gefördert werde. Denn nur durch diese Motive lässt 
sich die Summe von Zeit, Mühe und Kosten erklären, die von einem relativ so 
kleinen Vereine, wie es der deutsche akademische Juristen-Verein in Prag ist, in 
diesem Falle aufgeboten wurde. Das Hauptverdienst gebürt hiebei allerdings dem 
derzeitigen Obmanne J.U.C. Ernst Mück. Freilich ist der Erfolg nicht durchwegs 
dem gemachten Aufwande proportional. So leidet z. B. der Katalog durchaus nicht 
an allzugrosser Ucbersichtlichkeit. Wären wenigstens innerhalb der einzelnen Gruppen 
die Werke in alphabetischer Folge angeführt, so wäre das Auffinden wesentlich 
erleichtert. Statt dessen wählt der Verfasser die chronologische Reihenfolge, welche 
noch dazu nicht streng festgehalten ist. Die beabsichtigten Verweisungen sind 
überhaupt nur an zwei Stellen S. 78 und S. 87 durchgeführt. Dabei sind sonder- 
barerweise in diesen beiden Fällen ganz verschiedene Metlioden zur Charakterisirung 
der Verweisung angewendet. Der Grund hievon ist nicht zu ersehen. Unter diesen 
Umständen macht sich der Mangel eines alphabetischen Namen- und Sachregisters 
besonders fühlbar. Immerhin muss man zugeben, dass bei dem beschränkten Um- 
fange dieses Katalogs dieses Register nicht ein unerlässliches Erforderniss sei. 
Uebrigens war sich der Verfasser über den Hauptfehler seiner Arbeit im Klaren, 
wie aus S. VIII hervorgeht. Nur Zeitmanzel hinderte ihn, denselben zu beheben. 


Im ganzen betrachtet, ist das Verzeichniss für einen Laien — das muss man eben 
berücksichtigen — eine äusserst lobenswerthe Arbeit, für die der genannte Verein 


seinem Obmanne im höchsten Grade dankbar sein muss. Dr. Eisenmeler. 


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AUS ÖSTERREICHISCHEN BIBLIOTHEKEN. 


(Von der k. k. Hofbibliothek.) Gemäss Anordnung des neuen Directors 
dieses wissenschaftlichen Hofinstitutes, Herrn Hotrathes Prof. Dr. Josef Karabacek. 
wurde für die Aufstellung der neuen Werke seit 1. November 1899 der Numerus 
currens als locale Signatur eingeführt. Der bisher aufgestellte Bestand verbleibt vor- 
läufiz in der alten Weise, doch ist dessen Umsigniruang für eine spätere Zeit in 
Aussicht zenommen. Alle seit dem genannten Datum neu einzelaufenen Werke er- 
halten den Numerus currens, beginnend mit der Zahl 400.001, und werden nach 
der Höhe in folgende, durch grosse lateinische Buchstaben bezeichnete Formatelassen 
unterschieden : Format A: für Bücher bis zu 18 Cm. Höhe, Format B: für Bücher 
bis zu 26Cm. Höhe, Format Ü: tür Bücher bis zu 33 Cm. Höhe, Format D: für 
Bücher bis zu 50 Cm. Hóhe, Format E: für Bücher bis zu 68 Cm. Höhe, Format F: für 
Bücher von üher 68 Cm. Höhe. Die Formatbezeichnung steht. neben dem Numerus 
currens in einer Zeile. Die Signaturzettel werden ausnahmslos auf der Vorderseite 
des Bucheinbandes, und zwar in der linken Oberecke angebracht; ausserdem erscheint 
der Numerus currens ohne Formatbezeichnunz auf dem Rücken des Buches, ganz 
nnten, in Golddruck. Der leere Raum unterhalb des Numerus currens und der 
Formatbezeichnung wird, je nach Bedarf, entweder mit Saalbezeichnungen, wie: 


C. C. = Camera custodum, C. P. = Camera praefecti, H. Z. = Handschritten-Zimmer, 
K. 8. — Rupferstich-Sammlung, L. Z. = Lesezimmer, M. Z. = Musikalien-Zimmer, 
P.S. = Papyrus-Nammlung, oder mit dem Vermerk : Period. — für Werke, deren Anlage 


nicht anf eine bestimmte Bändezahl gerichtet ist — ausgefüllt. Die Signirang mit dem 
Numeras currens geschielit maschinell, mittelst eines patentirten „Numerateurs“. Jedes 
neu einlaufende Werk erhált nunmehr sofort nach dessen Uebernahme, noch vor der Be- 
schreibung, auf dem Umschlage seinen. Numerus. currens. Derselbe wird dann mit 
den notlıwendigen Vermerken über Titel, Provenienz und Zuweisung des Werkes 
(zur Beschreibung au den betreffenden Beamten, bezw. die betreffende Abtheilung) 
in das nen eingeführte, entsprechend rubrizirte „Einlaufsbuch“ eingetragen, welches 
die Bestimmung hat, die bisher separat geführten Standortsrepertorien und Accessions- 
bücher zu einem Ganzen zu vereinigen und an deren Stelle zu treten. Ueber je 
10.000 Nummern wird ein alphabetisches Register geführt. Neben dem „Einlaufs- 
bach“ verzeichnet ein Umsignirbuch , entsprechend rubrizirt, die vorgenommenen 
Umsignirungen aus dem alten Bestande in den Numerus currens, wobei die alte 
Kastensignatur stets vermerkt wird. — In den Arbeiten an dem durch den gegen- 
wärtieen Unterrichtsminister Excelleuz Dr. v. Hartel, früher Director der Hof- 
bibliothek, im Jahre 1893 ins Leben gerufenen Real- oder wissenschattlichen 
Kataloge*) musste die Fortführung der bereits unter Hartels Nachfolger Hofrath 
Dr. v. Zeissberg ({ 1899) begonnenen wissenschaftlichen Hauptelassen: Il. Geo- 
graphia et Historia, VI. Historia generis humani, IX. Politica, XI. Jurisprudentia, 
infolge der noch immer nicht erfolgten, obschon dringend benóthigten Personalver- 
mehrung vorläufig unterbrochen werden, da die inzwischen zu grossem Umfange 
angewachsenen wissenschaftlichen Classen. der sogenannten „Nova-Abtheilung“ (des 
gesammten Einlaufes der alle übrigen, ausser den seit 1807 fertiggestellten wissen- 
schaftlichen Hauptclassen I. Encyclopaedia und II. Philologia betreffenden Nova seit 


*) Siehe den Vortrax des Unterzeichneten: „Ueber den Realkatalox der k. k. 
Hofbibliothek, Jhrg. III, Heft 1 dieser Blätter. 


5* 





1893) einer systematisch-übersichtlichen Bearbeitung und Gliederung dringend be- 
(dürftig erschienen. Durch Beistellung eines speciell der Realkatalogs-Abtheilung 


zugewiesenen Copisten zur Besorgung der — allerdings den geringsten Theil 
der Arbeit bildenden — Schreibegeschäfte wurde diese Aufgabe getordert und 


konnten bisher nachbenannte — wissenschaftliche Classen der „Nova - Abtheilung“ 
fertiggestellt werden, welche die ihnen zugehörige Literatur nach dem Bestande 
der Hofbibliothek seit dem Einlaufsjahre 1893 in wissenschaftlich-übersichtlicher 
Gliederung aufweisen: III. 27. Austria, III. 27. a. Hungaria: die geographisch-ge- 
sehichtliche Literatur über die österreichisch-ungarische Monarchie; VI. 2. Historia 
generis humani: die Literatur über Culturgeschichte; IX. 4. Militaria: die Literatur 
über Militärwissenschaft; XI. 1. Jus in genere, XI. 2. Jurisconsultorum opera col- 
leeta: die Literatur über allgemeine und vergleichende Rechtswissenschaft; XI. 6. Jus 
germanicum in genere, NI. 6. a. Jus germanicum in specie: die Literatur über ger- 
manisches Hecht im allgemeinen und einzelnen; XI. 7. Jus Austriae: die Literatur 
über österreichisches Recht; XI. 7. a. Jus Hungariae: die Literatur über ungarisches 
Recht; Xl. 9. Jura reliqua: Die Literatur der übrigen Rechte (ausser den voran- 
geführten); XII. 1. Theologia universalis; XII. 2. Bibliorum isagoge; NII. 3. Diblia 
pelyglotta; XII. 4. Biblia orientalia: XII. 5. Biblia graeca; XII. 6. Biblia latina; 
XH. 7. Biblia lat. fil. ete. his XIf. 11. b. Biblia slavica; XII. 12. Biblia metrica ; 
XIT. 13. Biblica historia; XII. 14. Patres graeci collecti -— XII. 17. Patres latini 
singulares; XII 18. Exegetica; XII. 19. Dogmatica; XIL 20. Polemica und XII. 
21. Theologia moralis. Die Bearbeitung weiterer „Nova-Classen“ soll nach Massgabe 
der verfügbaren Kräfte möglichst rasch tuıtgeführt und nach eingetretener Personal- 
vermehrung jene des alten Standes (vor 1843), zunächst hinsichtlich der vorhin 
angeführten 4 Hauptelassen, wieder aufgenommen werden. Dr. H. v. Lenk. 
(Von der k. k. Universitäts-Bibliothek in Prag.) Im sommer des laufenden 
Jahres wird in der Prager Universitäts-Bibliothek eine grössere Renovirungsarbeit 
begonnen werden, welche. seit Jahren nothwendig, erst jetzt nach Bewillienng und 
Flüssigmachung der nothwendigen Geldmittel durchgeführt werden kann. Ueber 
eine gemeinsame Eingabe der Vorstehuug der genannten Bibliothek und des k. k. 
Conservators Johaun Herain, Rauneisters in Prag, aus dem Jahre 1897 hat, wie 
seinerzeit in den Tagesblättern gemeldet wurde, das k. k. Ministerium für Cultus 
und Unterricht über Befürwortung der k. k. Centraleommission zur Erforschung 
und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale mit dem Erlasse vom 
25. April 1899, Z. 8606 einen Betrag von 3988:64 Kronen behufs Restaurirung und 
Reinigung der Freskengemáülde im grossen Barocksaal und der Rocovo-Bücherkästen 
im Mozartsaale der Bibliothek für die Jahre 1899 und 1900 bewilligt. Durch die 
so ermöglichte Henovirung sollen die theilweise durch Nässe geführdeten werth- 
vollen Fresken des böhmischen Meisters Hiebel in dem 1722 erbauten prachtvollen 
Barocksaale gerettet und die vielbewunderten Rococokiisten im Mozartsaale von ihrer 
xeschmacklosen Uebermalung befreit werden. Der Barocksaal der Prager Universitáts- 
Bibliothek, 41 Meter lang, 94 Meter breit und 9°7 Meter hoch, bietet, wenn man 
denselben dureh eine der beiden mit Porphyr verkleideten Thüren auf der Südseite 
des Saales betritt, einen grossartigeen Anblick. Der Fussboden des Saales ist mit 
quadratischen, abwechselnd weissen und rothen, geschliftenen Marmorfliesen belegt, 
während derselbe seitwärts vor den aus Eichenholz kunstvoll gearbeiteten und von 
römischen nussbraunen Holz-Rundsäulen gestützten zehn hohen Bücherkästen bedeutend 


erhöht und mit verschiedenen Holzgattungen  parquettirt erscheint. Diese Holz- 
gattungen entsprechen in Farbe und Lagerung jenen Holzgattungen, mit denen die 
nächststehenden Bücherkästen ausgelegt sind. Die ganze Parquettirung ist immer 
vor je 2 gegenüberliegenden Fensteröffnungen vollständig gleich, während sonst 
jede Fensteröffnung — im ganzen gibt es 10 Fenster in der Höhe des 1. und 
10 Fenster in der Höhe des 2. Stockwerkes — hinsichtlich der Holzarbeit voll- 
ständig apart gehalten ist. Den ganzen Saal umzieht in der Höhe von 5 Metern 
eine ununterbrochene, mit reich vergoldetem Eisengitterwerk umgebene Gallerie, zu 
welcher zwischen den 2 Eingängen der Nord- und Südseite des Saales innerhalb 
des Wandgetüfels eine Wendeltreppe emporführt. Die Hauptzierde des Saales bil- 
det jedoch die nunmehr zur Restaurirung gelangende malerische Ausschmückung 
der gewólbten Decke. Diese Decke ist durch zwei Bogen in drei gleich grosse 
Felder abgetheilt, auf denen Hiebel drei symbolistische Gemälde anbrachte. Auf 
dem ersten Felde ist die Verklärung Christi auf dem Berge Tabor, auf dem zweiten 
der Tempel der Weisheit mit Darstellungen der Propheten des alten Bundes, auf 
dem dritten der Berg Parnass dargestellt, auf dessen Höhe der Pegasus inmitten 
der einen Chorreigen tanzenden Musen erscheint. Diese Parnassdarstellung wird am 
meisten bewundert, obwohl manche Künstelei in derselben, wie z. B. die Darstellung 
des Genius mit der erleuchteten Lampe in der Hand, welcher Genius seine Gestalt 
gexen jeden beliebigen Standpunkt des Beschauers zu wenden scheint, dem heutigen 
Geschmacke widerspricht. In den Fensteröffnungen der Gallerie sind die Porträts 
einer Anzahl von berühmten Jesuiten angebracht, u. A. des Petrus Canisius, Thomas 
von Kempis, des Fr. Juarez und des muthigen Anführers der Studenten in dem 
Kampfe mit den im 30jährigen Kriege die Prager Karlsbrücke bestürmenden 
Schweden, des Georg Plachy. Die Wände der Fensteröffnungen des 1. Stockwerkes 
sind überdies reichlich mit in Stuccatur ausgeführten allegorischen Darstellungen 
geschmückt. Seit dem Jahr 1785 war nun die Decke dieses namentlich an sonnen- 
hellen Tagen imposant wirkenden Bibliothekssaales dadurch beschädigt worden, dass 
man über dieselbe einen schweren Dachstuhl setzte, welcher das Gewölbe in der 
Mitte auseinander riss, so dass man schon im Jahre 1818 einen kleinen Saal an 
die linke Seite des grossen anbaute, um das Gewölbe damit zu stützen. So durch- 
zieht denn jetzt die Hiebel’schen Freskengemälde in der Mitte ein ziemlich breit 
klaffender Riss, der nunmehr durch Verkittung beseitigt werden soll. Ausserdem 
drang im Jahre 1895 bei einem Platzregen Wasser in den Bodenraum; die das Ge- 
wölbe des grossen Saales bildende brüchige Cementschichte erwies sich an einigen Stellen 
als durchlässig, und so sind jetzt einige mit wuchernden Schimmelpilzen bedeckte 
Stellen auf den Freskengemälden zu constatiren. Infolge dessen wird jetzt auch die 
Cementlage über dem Saalgewölbe erneuert werden. Neben dieser umfassenden Re- 
novirungsarbeit sollen auch noch heuer 2 grosse, wunderbar geschnitzte Rococo- 
Bücherkästen in dem sogenannten Mozartsaale der Bibliothek von der die Kästen in 
geradezu: unglaublicher Weise entstellenden Uebermalung befreit werden. Irgend ein 
wenig kunstverständiger Vorstand hat die mit prächtigen, goldbronzirten Metallbe- 
schlägen und aufgesetzten Metallvasen gezierten, mit eingelegter Holzarbeit, die 
vollständig dem prächtigen Holzschmucke des grossen Saales entspricht, reich aus- 
gestatteten Kästen sammt allen Beschlägen mit einem abscheulichen braunen, bei 
den Vasen noch dazu grünen Farbenanstriche versehen lassen. Dieser Anstrich wird 
nun, wie es schon an einzelnen Stellen zur Probe geschehen ist, um die prachtvolle 


cui 4368, ze 


Holzarbeit wieder hervortreten zu lassen, auf chemischem Wege beseitigt, jener der 
Metallbeschläge wird vorsichtig abgekratzt, worauf die Bronzirung erneuert werden 
soll. Nach der Durchführung der angerebenen Arbeiten, für deren Ermóglichung dem 
k. k. Unterrichtsministerium der lebhafteste Dank aller Kunstfreunde gebührt, 
werden die alterthümlichen Bücheraufstellungsräumlichkeiten der Prager k. k. Uni- 
versitäts-Bibliothek, theilweise wahre Musterstücke einer Jesuitenbibliothek des 17. 
und 18. Jahrhunderts, jedenfalls noch mehr Bewunderer finden, als dies schon jetzt 
der Fall ist. K. 
(Von der Bibliothek der k. k. technischen Hochschule in Wien.) Gele- 
gentlich des Aufbaues des dritten Stockwerkes auf das Gebäude der technischen 
Hochschule in Wien wurden auch der Bibliothek im vorigen Jahre zum Theile neue 
Räume zugewiesen. Es sei mir gestattet, in den folgenden Zeilen, wenn auch etwas 
verspätet, eine kurze Mittheilung über dieselben zu machen. — Die Bibliothek nimmt 
jetzt fast das ganze erste Stockwerk des zur Hauptfront des Gebäudes parallelen 
Hoftractes zwischen dem 1. und 2. Hofe ein, da die Räume, welche früher die 
Lehrkanzel für Wasserbau innehatte, an die Bibliothek angeschlossen wurden. Hin- 
gegen wurden die früheren Bureaulocalititen der Bibliothek, ein Vorzimmer und 
drei Zimmer des Bücherdepots, sowie der frühere Lesesaal zu anderen Zwecken ab- 
getreten, so dass der thatsächliche Gewinn an Raum für die Bibliothek kein sehr 
beträchtlicher ist. — Dermalen bestehen die Localitäten der Bibliothek aus einem Vor- 
zimmer, dem Lesesaale, dem Professorenzimmer, drei Bureaux samınt einem Vor- 
zimmer und 7 Zimmern als Biicherdepots. Der Hauptaufgang in die Bibliothek 
findet jetzt über die Stiege 5 statt; nach Durchschreitung eines Vorzimmers, in 
welchem sich Schränke mit den Doubletten betinden, gelangt man in deu neuen 
Lesesaal, welcher durch Umgestaltung aus dem seinerzeitigen Zeichensaale der 
Lehrkanzel für Wasserbau hergestellt wurde. Dieser neue Lesesaal besitzt gegen- 
über dem früheren eine Reihe sehr wesentlicher Vorzüge und kann überhaupt als 
in jeder Hinsicht gelungen und den Bedürfnissen vollkommen entsprechend bezeichnet 
werden. Er hat eine Länge von 25:3 Metern und eine Breite von 74 Metern. Senk- 
recht zu den Fensterpfeilern sind 7 grosse Tische mit je 16 Sitzplätzen angebracht, an 
welchen also im ganzen 112 Leser Platz finden. Für die äussere Ausschmückung 
des Saales ist durch 4 sehr hübsche, in Holzrahmen an den Wänden angebrachte 
Stahlstiche von Rahl, welche schon lange im Besitze der Bibliothek waren, gesorgt 
worden. Beim Eingange befindet sich, etwas erhöht, der Schreibtisch des inspici- 
renden Beamten und demselben gegenüber der Tisch für die Controle des Ausganges. 
Besondere Erwähnung verdient die künstliche Beleuchtung des Saales, welche dureli 
vier starke, mit weissen Reflexschirmen versehene und nach unten abgeblendete elek- 
trische Bogenlampen bewerkstelligt wird. Durch Anbringung von Linoleumteppichen 
mit Filzunterlage ist für mörlichste Ruhe im Saale gesorgt. Der Fussboden wird 
mit dem staubvermeidenden Oele „Dustless“ eingelassen, das sich hier vortrefflich 
bewährt. — Die ganze Längswand den Fenstern gegenüber wird von einer neu einge- 
richteten Handbibliothek eingenommen, welche durch eine in der Distanz von 
$0 Cm. aufgestellte Barriere vor Eingriffen des Publicums gesichert ist. Es ist 
einer der Hauptvorzüge des neuen Lesesaales, dass er infolge seiner grossen Wand- 
flache zur Einrichtung einer so umfangreichen, etwa 3000 Bánde umfassenden 
Handbibliothek Gelegenheit bot. Bei dieser grossen Zahl von Werken der Hand- 
bibliothek musste man darauf bedacht sein, ein möglichst einfaches und übersicht- 


kan, 30, 


liches Aufstellungssystem derselben einzuführen; als solches wurde die systema- 
tische, den Classen des Realkataloges entsprechende Aufstellung gewühlt, wobei 
jedoch innerhalb der einzelnen Classen die Werke alphabetisch angeordnet wurden. 
Ferner mussten die Bücher der Handbibliothek in deutlicher Weise als solche ge- 
kennzeichnet werden, um das irrthümliche Einstellen derselben in die Magazine 
möglichst zu vermeiden. Es wurden daher alle in die Handbibliothek aufzunehmen- 
den Werke mit einem 1'/, Cm. breiten und 3 Cm. langen gelben Zettel mit dem 
Aufdrucke ,Handbibliothek^ versehen, und auf demselben zugleich die Nummer der 
betreffenden Classe des Aufstellungssystemes angemerkt, so dass das Einstellen der 
Bücher ganz mechanisch erfolgen kann. Da der Lesesaal fast ausschliesslich von 
Studirenden der Hochschule besucht wird und diese vornehmlich gewisse zu Stu- 
dienzwecken geeignete Handbücher zu benützen pflegen, alle derartigen Handbücher 
aber nunmehr im Lesesaale stehen, so ist die Bedienung der Leser eine sehr 
rasche. und ist es móglich, auch einem grossen Andrange des Publicums (an manchen 
Wintertagen wird die Bibliothek von bis zu 400 Lesern besucht) mit einem ver- 
háltnissmássig sehr geringen Dienerpersonale nachzukommen. — In der Nähe des Ein- 
ganzes gelangt man aus dem Lesesaale in das Professorenzimmer, in welchem in 
Wandkästen die laufenden Zeitschriften, etwa 450 an der Zahl, aufliegen. Es ent- 
hilt 7 kleine Lesetische und wird abends mit elektrischen Glühlampen beleuchtet. 
In der Verlängerung der Längsachse des Lesesaales schliessen sich an denselben 
die gleichfalls neuen Räume für die Bureaux an, bestehend aus einem Vorzimmer, 
einem zweifenstrigen Zimmer für zwei Beamte, einem zweifenstrigen Zimmer des 
Bibliothekars und einem einfenstrigen für den Custos. Im Vorzimmer sind als Er- 
ginzung der Handbibliothek circa 40 besonders stark benützte Zeitschriften mit 
zusammen etwa 1600 Bänden aufgestellt. Auch in den Bureaux sind, soweit verfüg- 
bare Wandflüchen vorhanden waren, Bücherkästen mit den zu Katalogisirungs- 
zwecken nothwendigen biographischen und bibliographischen Behelfen, sowie anderen 
Nachschlagewerken angebracht. Ausserdem enthält das Zimmer des Bibliothekars 
den in 87 Cartons untergebrachten Grundkatalog der Bibliothek , das erste Zimmer 
den Realkatalog, dessen Aufstellung gleichfalls in letzter Zeit eine Aenderung er- 
fahren hat; während derselbe nämlich früher in drei grossen, schwer zn hand- 
habenden Schubladen untergebracht war, wird er jetzt in 48 mit Leinwand über- 
zosenen Cartons aufbewahrt, was sich in jeder Hinsicht als viel praktischer er- 
weist. Ferner befinden sich in demselben Zimmer die Kästen für die ungebundenen 
Fortsetzungswerke mit Ausnahme der im Professorenzimmer aufliegenden Zeit- 
Schriften. Sámmtliche Bureaux, sowie auch die Bücherdepots haben Gasbeleuchtung 
(Auerbrenner). — Die Bücherdepots sind zum grossen Theile die alten geblieben, nur 
wurden, wie erwähnt, drei Zimmer von denselben abgetreten, während nur ein ein- 
Zipes, an den neuen Lesesaal unmittelbar angrenzendes Zimmer neu hinzukam; 
die Büchermagazine haben also im ganzen leider eine Verkleinerung erfahren 
müssen. Es wäre auch gar nicht möglich gewesen, den gesammten Bücherbestand 
in denselben unterzubringen, wenn es sich nicht durch einen Zufall gefügt hätte, 
dass kurz vor der Umgestaltung der Bibliotheksräume eine gesen 10.000 Bände um- 
fassende Sammlung von Patentpublicationen, zum grössten Theile leihweise, an die 
Bibliothek des neugegründeten k. k. Patentamtes abgetreten worden wäre, wodurch 
wieder einiger Raum gewonnen wurde. — Da niemals eine irgendwie wesentliche Aen- 
derung des Katalogisirungssystemes der Bibliothek stattgefunden hat, so befinden 


sich die Werke der ganzen Bibliothek in beinahe chronologischer Folge. Dieser 
Umstand machte es möglich, in den älteren, von den Benützern wenig in Anspruch 
genommenen Theilen des Bestandes fast durchaus eine Aufstellung in Doppelreihen 
durchzuführen; ohne eine solche wäre die Unterbringung des Bestandes in den der 
Bibliothek zur Verfügung stehenden Räumen unter keinen Umständen denkbar ge- 
wesen. Ferner wurde bei der Umstellung vor allem die Absicht verfolgt, die neue- 
sten, die letzten 10.000 Signaturen umfassenden Werke in möglichste Nähe des 
Lesesaales zu rücken, da die neuesten Werke naturgemäss auch die am häufigsten 
benützten sind; in den neueren Theilen des Bestandes wurde auch nur bei Zeit- 
schriften und anderen vielbändigen Werken, wo die Uebersicht eine leichte ist, die 
Doppelaufstellung gewählt, im übrigen aber die Werke nach Möglichkeit in ein- 
fachen Reihen aufgestellt. — Es sei bei dieser Gelegenheit hier ganz allgemein bemerkt, 
wie ungemein vortheilhaft für eine grössere Bibliothek eine ziemlich chronologische 
Aufstellung des Bestandes ist; denn die Benützung beschränkt sich doch im all- 
gemeinen auf die neueren Werke und concentrirt sich daher bei chronologischer 
Aufstellung der stark benützte Theil der Bibliothek auf einen relativ kleinen Raum, 
während der übrige Bestand ziemlich unberührt bleibt; dies ist einerseits ein nicht 
hoch genug anzuschlagender Vortheil beim Ausheben der verlangten Werke, infolge 
dessen dann mit einem geringeren Dienerpersonale das Auslangen gefunden werden 
kann, andererseits ermöglicht es, wie oben erwähnt, in den älteren Theilen die 
Doppelaufstellung, was vom Standpunkte der Rauimersparniss sehr wichtig ist. — 
Trotz der geschilderten möglichsten Sparsamkeit mit dem verfügbaren Raume ist 
jedoch in der Bibliothek der technischen Hochschule in Wien nunmehr auch schon 
das letzte, an den Lesesaal anstossende Zimmer zur Hälfte mit Büchern angefüllt 
und wird daher in relativ sehr kurzer Zeit die Frage nach der räumlichen Erwei- 
terung der Bibliothek eine sehr brennende werden. Eine Unterbringung der dem 
Patentamte leihweise überlassenen Sammlung von Patentschriften wäre, falls etwa 
die Rückstellung derselben erfolgen sollte, in den jetzigen Räumlichkeiten absolut 
nicht mehr möglich. Es ist zu hoffen, dass gelegentlich des Neubaues des elektro- 
technischen Institutes der technischen Hochschule, welcher seit langem geplant ist, 
der Bibliothek neuerdings einige neue Räumlichkeiten zufallen werden, wodurch 
dann dem sehr empfindlichen Raummangel vielleicht einigermassen abgeholfen 
werden dürfte. Dr. R. v. Sterneck. 
(Von der k. k. Studienbibliothek in Klagenfurt.) Ausgehend von dem 
Gedanken, dass vor allen anderen Berutsständen die Lehrer darauf angewiesen sind, 
durch Studium und Lectüre sich fortzubilden, habe ich im Frühjahre 1898 dem 
Unterrichtsministerium den Antrag unterbreitet, den Lehrern des Kronlandes auf 
dem amtlichen Wege durch die Schulleitungen portofreies Ausleihrecht aus der 
k. Kk. Studienbibliothek zu gewähren. Diesem Antrage hat das Unterrichtsministerium 
mit dem Erlasse vom 2. April 1898 Z. 6994 seine Genehmigung ertheilt, indem es 
gestattete, „dass den Lehrern der öttentlichen Volksschulen Kärntens bei Entleh- 
nung von Werken aus der bezeichneten Studienbibliothek dieselben Begünstigungen 
gewährt werden, unter denen die Mitglieder des Lehrkörpers an Mittelschulen diese 
Bibliothek benützen können“. Gleich der Landesbibliothek am Joanneum in Graz 
versendet also auch die Klagenfurter Studienbibliothek seit Mitte Mai 1898 an 
die Schulleitungen des Kronlandes postfrei Bücher. Im Jahre 1898 gingen an 
2 Anstalten 137 Sendungen mit 264 Werken in 464 Bänden, im Jahre 1899 an 


co = 


14 Anstalten 200 Sendungen mit 429 Werken in 655 Bänden ab. Die Bücher wurden 
entweder von den Lehrern selbst bezeichnet oder von der Bibliothek auf Grund der 
Angabe des gewünschten Gegenstandes oder Faches ausgewählt. Hiebei ist zu be- 
merken, dass nebst Atlanten, Wörterbüchern, kostbaren Bibliothekswerken,, politi- 
schen Tagesblättern u. s. w. auch die neuere Belletristik von der Versendung in der 
Rezel ausgeschlossen blieb. Ueber die näheren Modalitäten dieses Leihverkehres 
wurden „Bestimmungen“ zwischen dem k. k. Landesschulrathe und der Bibliotheks- 
vorstehung vereinbart, welche der erstere in Druck legen und durch die Bezirks- 
schulbehörden sämmtlichen Volks- und Bürgerschulen des Kronlandes zustellen liess. 
Der Lehrerschaft kam das durch die (tüte des hiesigen Kärntner Vereines als Bei- 
lage zu dem kärntnerischen „(remeindeblatte* gedruckte systematische Zuwachs- 
verzeichniss der k. k. Studienbibliothek zugute, welches mit diesem praktischen 
und trefflich geleiteten Blatte weite Verbreitung im Lande findet. — Die Ueber- 
zeneung, die mir von wmassgebender Seite wiederholt bestätigt wurde, dass die 
Bezirkslehrerbibliotheken bei unzureichenden Mitteln und anderen Umständen ihrer 
Aufgabe auch nicht entfernt genügen können, dass hier vielmehr in einleuchtender 
Weise eine unverantwortliche Zersplitterung der zu Gebote stehenden Mittel — auf 
8 Bezirkslehrerbibliotheken Kärntens vertheilt sich eine Summe von 2900 Kronen — 
vorliege, der eigentlich nur durch die Errichtung einer pädagogischen Landes- 
lehrerbibliothek abgeholfen werden könne, hat mich bewogen, im März d. J. 
an den kärntnerischen Landesausschuss mit dem Vorschlage heranzutreten, das 
Land Kärnten möge aus dem seit 1897 98 auf den Landesschulfund übernommenen 
Beitrage für die Bezirkslehrerbibliotheken einen bestimmten Bruchtheil jährlich der 
k. k. Studienbibliothek überweisen zur Anschaffung der wichtigsten Erscheinungen 
der pädagogischen Literatur oder, mit anderen Worten, zur Gründung einer päda- 
gogischen Landeslehrerbibliothek, unter der Bedingung selbständiger Aufstellung, 
Verwaltung und Verrechnung dieser Bücherei, wie der Wahrung des Eigenthums- 
rechtes für das Land. Der kärntnerische Landesausschuss holte, „von der Niitzlich- 
keit einer derartigen Einrichtung überzeugt", die Wohlmeinung des k. k. Landes- 
schulrathes ein, der gleichfalls seine Befriedigung über den Plan und seine Zu- 
stimmung aussprach. Der Antrag wurde nach einem Referate des Abgeordneten Dr. 
Steinwender in der Sitzung vom 2. Mai d. J. — vorläufig mit der Beschränkung 
auf 3 Jahre — angenommen. Mit der zugesprochenen Jahressumme von 1000 Kronen 
wird es mir vom Jahre 1901 ab möglich sein, wenigstens in einem Fache die 
unentbehrlichsten Bibliotheks- und Nachschlagewerke, wie Rein's encyklopüdisches 
Handbuch der Pädagogik, das heute in keiner öffentlichen oder Schulbihliothek des 
ganzen Kronlandes vorhanden ist, die wichtigsten Zeitschriften und sonstigen 
wissenschaftlich-theoretischen und praktischen Werke der Pädagogik, ihrer Geschichte 
und ihrer Hilfsdisciplinen anznschaffen und so der Lehrerschaft des Landes den 
unmittelbaren Beweis für die Vortheile dieser theilweisen Concentration der zer- 
Splitterten Mittel zu erbringen. Ferner hat das Unterrichtsministerium über Ein- 
schreiten des Gurker fürstbischöflichen Ordinariats mit Erlass vom 23. Februar d. J., 
2.1108, genchmigt, „dass die mit dem Erlass vom 2. April 1898, Z. 6994, den 
Lehrern der öffentlichen Volksschulen Kärntens zugestandenen Begünstigungen bei 
Entlehnung von Werken aus der Studienbibliothek in Klagenfurt aueh den katho- 
lischen Pfarrgeistlichen Kürntens gewahrt werden, wonach die entlehnteu 
Werke stets amtlich an das betretfende Pfarramt einzusenden sind“. — Wenn ich 


— 49 — 


endlich noch berichte, dass in der erwähnten Sitzung des kärntnerischen Landtages 
der Abgeordnete Mühlbacher Anlass genommen hat, auf die rückständige Art 
der Unterbringung und Einrichtung der k. k. Studienbibliothek, wie ihre ungenü- 
gende Dotation hinzuweisen und die Regierung um Abhilfe zu bitten, so bleibt mir 
auch meinerseits nur noch übrig, die zuversichtliche Hoffnung auszusprechen, dass 
solche Bitten an massgebender Stelle gehört und erhört werden, dass zunächst 
die nothwendige Erhöhung des Bücheranschattungsfondes der k. k. Studienbibliothek 
nicht länger mehr hinausgeschoben werde. Dr. Max Ortner, k.k. Custos. 


VEREINSNACHRICHTEN. 


In der Ausschusssitzung vom 21. April, der ersten, welche der neue 
Vereinsvorstand Hofrath Karabacek leitete, war als Hauptpunkt der Tages- 
ordnung die Constituirung des Ausschusses angesetzt, die insofern eine Aenderung 
ergab, als an Stelle des zurückgetretenen Dr. Geyer die Agenden des ersten 
Schriftführers Dr. Donabaum und die des zweiten Schriftführers Dr. Doublier 
übertragen wurden. Hierauf brachte Hotrath Karabacek mannigfache Anregungen 
in Betreff der Ausgestaltung und Vergrósserung des Vereinsorganes und der hiezu 
erforderlichen Erhóhung der Vereinseinnahmen, die auch der vom Vereinscassier Dr. 
Himmelbaur verlesene Cassavoranschlag nothwendig genug erscheinen liess. Die 
Anregung Dr. Schnürer's, die Mittheilungen mit einem für Inserate bestimmten 
Umschlage erscheinen zu lassen, fand dieselbe allgemeine Zustimmung, wie auch 
der Antrag, dem zurückgetretenen Pater Kinter für seine Thätigkeit im Ausschusse 
den Dank des Vereines auszusprechen. Eine ebenso lebhafte als interessante Debatte 
entwickelte sich über die von Dr. Geyer zur Discussion gebrachte Errichtung einer 
Centralstelle für die als Pflichtexemplare abzuliefernden österreichischen Zeitungen, 
welche als Zeitungsbibliothek berufen wäre, die wissenschaftlichen Zwecken 
dienende MHofbibliothek zu entlasten. Die im Gesetze vorgesehene Hinterlegung 
eines zweiten Pflichtexemplares an die betreffende Landesbibliothek solle aufrecht 
erhalten bleiben. Dem Vorschlage Dr. Geyer's, dass sich der Verein mit dieser 
Frage beschäftige, wurde damit Rechnung getragen, dass ein aus Regierunzsrath 
Grassauer, Bibliothekar Laschitzer, Custos Schnürer, Dr. Geyer und Dr. 
Doublier bestehendes Comité eingesetzt wurde, mit dem Auftrage, diese Frage 
eingehend zu berathen und dem Ausschusse darüber Bericht zu erstatten. 


Am 10. Mai 1900 fand unter der Leitung des Regierungsrathes Dr. Gras- 
sauer ein Vereinsabend statt, an welchem das Mitglied Herr Junker ein 
Referat über die Berner Convention vorbrachte. Der Referent gab eine ein- 
gehende Darstellung der Auffassung des Urheberrechtes in den verschiedenen Zeiten 
und der Gründung der Berner Convention vom 7. December 1887, der gegenwärtig 
14 Staaten angehóren; er erórterte dann die Frage, was für Oesterreich günstiger 
sei, der Beitritt zur Convention oder das bisherige System der Einzelvertrüge, und 
meinte, dass höchstens die Polen einen scheinbaren Grund hätten, für das letztere 
zu sein, die übrigen Nationen aber unbedingt durch den Beitritt gewinnen würden. 
Unser Verein, an den ja das österreichische Justizministerium ebenfalls herauge- 
treten sei, solle auf dessen Fragen, ob der Beitritt zur Convention für die Schrift- 
steller, die Verleger, das Publicum vom Vortheil sei, unbedingt mit „ja* antworten. 
Es fand keine Discussion statt. 


un. AN, mei 
PERSONALNACHRICHTEN. 


(Professor Dr. Alexander Budinszky +.) Am 15. März d. J. ratlte ein 
jiher Tod den ebenso bekannten als hochgeschätzten Director des Archivs- und 
Bibliotheksdienstes im k.k. Finanzministerium, Universitätsprofessor Dr. Alexander 
Budinszky hinweg. Budinszky, zu Wien im Jahre 1844 geboren, begab sich 
nach Absolvirung seiner Studien an der hiesigen Universität nach Paris, wo er 
an der Ecole des chartes, diesem angesehenen Institut für Heranbildung von Archi- 
varen und Bibliothekaren, durch mehrere Jahre seinen Forschungen oblag. Wieder 
in seine Heimat zurückgekehrt, erhielt er eine Lehrkanzel an der philosophischen 
Facultät der Universität Czernowitz. Da die von ihm angestrebte Verlegung dieser 
Bildungsstätte nach Brünn nicht zu erreichen war, trat er in den zeitlichen Ruhe- 
stand. Vom 1. März 1889 bis zum 14. October 1892 stand er in ausserordentlicher 
Verwendung im k. k. Finanzministerium und erwarb sich hier die speciellen Kennt- 
nisse für die ihm am letztgenannten Tage übertragene Directorstelle für den neu- 
organisirten Archivs- und Bibliotheksdienst. Es galt, dem sehr umfangreichen 
Actenmateriale und der Amtsbibliothek, die zu den grössten Oesterreichs zählt, 
jene Ordnung zu geben und die Grundsätze für die Verwaltung dieser Dienstzweige 
zu gewinnen, durch die sie zu einem sicher und rasch functionirenden, viel in An- 
spruch genommenen Apparat für ämtliche und wissenschaftliche Zwecke geworden 
sind. Der richtunggebenden Amtsführudg des Verstorbenen, die ebenso Mangel an 
Genauigkeit als Pedanterie zu vermeiden wusste, fehlte es nicht an Anerkennung. 
Der von ihm mit viel Mühe und Sorgfalt redigierte Bibliothekskatalog, der im März 
1398 im Drucke erschien, fand speciell innerhalb unseres Vereines mehrfache Wür- 
digung. Auf sein umfassendes Wissen, auf seine hervorragenden historischen und 
linguistischen Kenntnisse, auf seine wissenschaftlichen und literarischen Leistungen 
einzugehen, mangelt hier der Raum. Jedem, der diesen in seinem Charakter, Geiste 
und Lebensgange seltenen Mann näher kannte, drängte sich die Empfindung auf, 
er habe es mit einem aufrichtigen Menschen von grosser Herzensgüte, die sich wohl- 
thuend von Allerwelts-Sentimentalität abhob, zu thun; er fand bei ihm einen ver- 
Ständigen, klaren Blick für die verschiedensten Verhältnisse, treffenden Witz, wirk- 
liche Souveränität gegenüber den Eitelkeiten der Welt. Ehre seinem Andenken! 

(Dr. Ladislaus Wisłocki +.) Der als Forscher und Bibliograph bekannte 
Custos der k. k. Universitütsbibliothek in Krakau, Dr. Ladislaus Wislocki, ist 
am ð. Juni d. J. gestorben. Er wurde am 31. Juli 1841 in Knihyniée bei Rohatyn 
geboren, studirte an der Universität Lemberg, wo er 1867 zum Dr. phil. promovirt 
wurde. Darauf wirkte er einige Jahre als Lehrer am Franz Joseph-Gymnasium in 
Lemberg, erhielt dann die Custosstelle an der Ossolinski-Bibliothek daselbst, von 
Wo er im Jahre 1874 nach Krakau als Custos der dortigen Universitäts-Bibliothek 
berufen wurde. Seit 1880 war er wirkliches Mitglied der Krakauer Akademie der 
Wissenschaften und bald darauf erhielt er den Titel des ,Historiographen der Jagel- 
lonisehen Universität“. Seine ersten Arbeiten waren der polnischen Literatur- 
geschichte gewidmet. Allgemeines Aufsehen machte seine ebenso erschöpfende als 
Sediegene Kritik der polnischen Bibliographie von Estreicher. Seit seiner Berufung 
Dàch Krakau widmete er sich fast ausschliesslich bibliographischen Arbeiten. In 
den Jahrgingen 1877— 1881 erschien sein vortrefflicher „Katalog der Handschriften 
der Jagellonischen Universität“ und seit 1878 begann er den „Przewodnik biblio- 
graficzny“ herauszugeben, welcher bis jetzt erscheint und monatliche Berichte über 


zo cud. ae 
die neuen polnischen Publicationen gibt. Seine letzte, leider dureh den Tod unter- 
brochene Arbeit war den Incunabeln der Krakauer Universitäts-Bibliothek gewidmet. 
Der Verblichene war auch Ausschussmitglied unseres Bibliotheksvereines. 
(Dr. Karl Zelbr 4.) Am 14. Mai 1900 ist Dr. Karl Zelbr, Seriptor an der 
k. k. deutschen Technik in Brünn, im Alter von 46 Jahren gestorben. Er wurde 1554 in 
Oslau bei Gr.-Meseritsch in Mähren geboren, absolvirte das erste deutsche Staatsgymna- 
sium in Brünn und die Universitütsstudien in Wien. Im Jahre 1876 wurde er zum 
Assistenten an der Wiener Universitütssternwarte ernannt, 1884 erwarb er den akade- 
mischen Grad eines Doctors der Philosophie. Im Jahre 1889 erfolgte seine Ernen- 
nung zum Bibliotheksscriptor an der technischen Hochschule in Brünn. Dr. Zellhr 
betasste sich hauptsächlich mit astronomischen Studien. Seine Arbeiten wurden in den 
Sitzungsberichten der kalis. Akademie der Wissenschaften und in Grunnert's Archiv 
veroffentlicht. Seine hervorragendste Arbeit auf dem Gebiete der Astronomie war „die 
Bestimmung der Planeten und Kometen“. Als Bibliotheksscriptor in Brünn ver- 
óflentlichte Dr. Zelbr eine Schrift, betitelt „Memorandum, betrettend die Anlage 
eines Generalkatalogs der öffentlichen und städtischen Bibliotheken Oesterreichs, so- 
wie die Centralisirung des Bibliothekswesens in grösseren Städten der Monarchie“ 
und den „Katalog der Bibliothek der k. k. technischen Hochschule in Brünn“ (18953). 
(Dr. Eduard Fechtner), der neuernannte Bibliothekar der Bibliothek der 
technischen Hochschule in Wien, wurde “am 27. Juli 1856 zu Stahlau in Böhmen 
geboren und studirte am k. k. deutschen (Gymnasium in Pilsen und an den Univer- 
sitäten von Prag und Wien. Im Jahre 1883 wurde er an der k. k. Universitäts- 
Bibliothek in Wien zum Amanuensis ernannt und 1888 wurde er an die jetzt seiner 
Leitung unterstehende Bibliothek als Scriptor versetzt, an der er 1897 dann auch zum 
Custos avancirte, Neben seiner mit hingebendem Eifer betriebenen amtlichen Thä- 
tigkeit fand Bibliothekar Dr. Fechtner Zeit zu reger literarischer Arbeit, die fol- 
gende selbstindige Werke zeitigte: Locke's ethische Lehren (Dissertation); Prak- 
tische Philosophie und die Rechtsstudien, 1888; J. A. Comenius, 1893 (8. A.); Locke's 
Gedanken über Erziehung, 1894; John Locke, 1898. Daneben lieferte er literarische 
Aufsätze für die ,Wiener Zeitung^ und die ,Oesterr.-ungar Revue“ und Beitrage 
für Hofrath Albert's „Poesie aus Böhmen“, Bd.3. 


Dem Amanuensis an der k. k. Universitäts-Bibliothek in Innsbruck 
Dr. Wolfram v. Zingerle wurde der Titel eines ausserordentlichen Professors ver- 
liehen. — An der k.k. Universitäts-Bibliothek in Prag fanden folgende Veränderun- 
gen statt: Amanuensis Dr. Anton Schubert wurde mit 21. Mai d. J. der Bibliothek 
der k. k. deutschen technischen Hochschule in Brünn zur Dienstleistung zugetheilt. Die 
beiden adjutirten Praktikanten Dr. Johann Novak und Dr. Bohumil Navratil 
haben, ersterer mit Ende Jänner, letzterer mit 23. Mai d. J., den Bibliotheksdienst 
aufgegeben. Beide sind in den Archivsdienst eingetreten, Dr. Novak als provisoti- 
scher Concipist an dem böhmischen Landesarchive in Prag, Dr. Navrätil als de- 
finitiver Concipist am mährischen Landesarchive in Brünn. Dr. Rudolf Fürst ist 
mit 1. Mai als Praktikant in den Bibliotheksdienst neu eingetreten. — Der vor 
kurzem an der k. k. Universitàts-Bibliothek in Wien neu eingetretene Praktikant 
Dr. Robert Marschan hat den Bibliotheksdienst wieder verlassen. 


























Verantwortlicher Redacteur: Dr. August Weisz. Druck vou Gottlieb Gistel & Comp. in Wien. 








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ITTHEILUNGE 


ósterr. Vereines für Bibliothekswesen. 











Nr. 4. Wien, den 17. November 1900. IV. Jahrzang. 
Erscheinen in zwanglosen Heften; für die Mitglieder unentgeltlich. — Abnunementspreir 
für Oesterreich-Ungarn 4 Kronen. für das Ausland 3 Mark 50 Pf. jührlich. In Commission 
bei Gerold & Comp., Wien, I., Stefansplatz, — Zuschriften sind an den Redacteur der „Mit 


theilungen* Dr. August Weisz (Wien, I., Universitüts-Bibliothek? zu richten. 





Inhalt: Johann Mannels lateinische Druckwerke (1575—1605). Von Dr. Friedrich 
Alin. (Fortsetzung.) — Die alte und die neue Wiener Universitits-Biblio- 
thek. Von Regierangsrath J. Meyer. — Die (mtenbergausstellung der Wiener 
Hotbibliothek. Von Dr. Theodor Gottlieb. — Der alphabetische Bandkata- 
log IMI. IV. — Literarische Besprechungen. — Aus österreichischen Biblio- 
theken. — Vereinsnachriehten. — Personalnachrichten. — Vermischte Nach- 
richten. — Zur Beachtung. — Anhang: Zur Wiener Theatergeschichte. Von 
Alexander von Weilen. (Fortsetzung.) 


m De —_—___——Tm_m__— __—_m—_———@——tt— -  _——_É_Ì@r 'i_11c@ 


Johann Mannels lateinische Druckwerke 
(1575—1605). 
Ein Beitrag zur Bibliographie Oesterreich-Ungarns. 


Von Dr. Friedrich Ahn. 


(Fortsetzung.) 


[1585] 
Nr. 5, Frisehlin Nicodemus & Hieronymus Arconatus Leorinus, 
Epithalamia in honorem nuptiarum ... M. Rogerii Lotharii... 
(yssingae, Johannes Manlius, s. a. |1582.] 4°. 
Bl. 1a Titel: 
EPITHALAMIA 
IN HONO- 
REM NVPTIARVM 
ORNATISSIMI, ET JVRIS PERITI 
Vin, M. ROGERII LOTHARII Augultanı, 
Hluftrium Carniolae procerum Aduocati, nec non. Reipub. 
Labacenfis ab. Epittolis, &e. ducentis honeftiBimam, & 
eaftiimam ex Singerorum fimilia matronam CATHA- 
RINAM, Claribiini & nobilis viri, Meltoris Stoffelij 


6 


ic Wiss 


Caefareomontani Alfati, Carniolae procerum à Secre- 
tis, &c. Viduam, Anno 1585. 
4. Idus Februari. 
Amoris, & beneuolentiae ergò conferipta 

ab Amicis. 

[Zierat.] 

IMPRESSVM GYSSIN- 
gae in officina Typographica Jo- 
hannis Manli). 

Bl. 1b leer. Bl. 2a |m. d. Sign. A,]: EPITHALAMION 1. 
NICODEMO FRISCHLI- // no, Comite Palatino, Pocta Laureato 
Cae- /,fareo, Doctore Philofopho, & nobilitatis // Carniolanae 
Scholae Rectore, &c. // Authore: / [C]Hrifte graues hominü femper 
miferate labores, // Huc ades: & thalame pronube Chrifte faue. '/... 
Bl. 3a. Z. 15ff.: Vnica quippe nota cft, quae certo foedere, Chrifi ': 
Signat oues, concors gratia, verus amor.// EPITHALAMION II. ‘/ 
Ab Hieronymo Arconato Leorino // Silefio conferiptum. //|M|V fa, 
licet nec certa mihi, nec commoda fedes, // Qua te fufeipiam, tu 
tamen, oro, veni: /. Bl. 4b, Z. 11 f: Elysij maneant vos, 6, felicia 
campi /^/ Gaudia: polt obitum vita beata venit. / FINIS: 

KI. 4°, rom. Type, 4 nicht num. BII. mit Sign. aut BI. 2a A,, 
Custos auf demselben Blatte, ohne Blattzahl, zu 28 Zeilen, Bl. 24 
24, Bl. 3a 25, Bl. 4b 13 Zeilen, das Titelblatt, von Randleisten 
umgeben, mit Typen in 4 Grössen, Bl. 2a, 3a, mit Typen in 
2 Gróssen. 

Unicum der Franciskanerklosterbibliothek in Német-U)var, 
beigcbunden als Adligat zu: Camerarius. Joachim, Notatio figu- 
rarum sermonis in libris quatuor evangeliorum .... Lipsiae, 
E. Voegel. 1572. 4*. Beide Werke gehörten 1583 dem bekannten 
ungarischen Reformatoren Stephan Beythe, wie der auf dem 
Titelblatt des ersten Werkes zu lesende Spruch beweist: Vyvarini 
// 8 Jünij /, Sàm Stephani Beythe // Nunc; poft fera fata '/ manebo, 
eui Deus ipfe // üolet, sie ftat fnia fati /, 1585 // 

Szabo a. a. O. N° 175. 

1583. 
Nr. 8. Homberger, Jeremias, Granum frumenti. 


Gyssingae, Johannes Manlius, 1583. 8°. 
Bl. 1a Titel: 


a. SÉ, E 


GRANVM FRV- 
MENTI. 
EXPLICA- 
TIO LIII. CAPITIS IE- 
SALE PROPHET.E, 
quód eft de morte & Refurrectione 
Domini noftri Jefu Chrifti: quondam 
confecta & dictata Theologiae ftudio- 
fis in celeberrimo collegio Palatino 
apud Lauinganos, eo tempore, quo 
Palsio & Refurreetio Domini noftri 
Jefu Chrifti folenniter eonfiderari 
folent in Ecclefia: nunc autem 
recognita & edita in 
Stiria. 
AVTHORE: 
IEREMIA HOMBERGERO 
Fritislarienfi D. Theologo. 
ANNO M. DLXXXIII. 

Bl. 1b. [S]Cribere facra volunt multi, fed fpi- // (ritus omnes // 
Haud idem ductat, quem Iere- // (mia tenes. //. .. Z.11f.: Stephanus 
Beythe, Minifter // Ecclefiae Gizzingen: // Bl. 2a [m. d: Sign. A;,]: 
GENEROSO €T // MAGNIFICO DOMI- // no D. JOHANNI 
RVEBERO // Libero Baroni in Grauenf- // vverd, comiti Comitatus 
Saaros, //... Z.10ff.: ... Gratiam // & pacem à Deo patre & 
Domi- /‘ no noftro Iefu Chrifto de- '/ miffa voluntate pre- /'cor. /: 
[C|Vm multae (int // virtutes, Gene-//rofe & Mag- ” nifice Do- 
mine, // quibus [mit kleineren Typen] // Bl. 10a [m. d. Sign. B.]: 
Ádhune modum Ef(ther fe // ex ferua Regiam coniugem /; diuina 
benignitate factam ef-,/(e:... Bl. 11a [mit d. Sig. B, (sic): Neq 
tantum hoc orat à Deo, /; fed omnem occafionem obfer- // uantes ... 
Bl. 92b: Data Graeci] in Styriv 23. // Marti], Ànno. 1582. // 
Generofam Magnifi- // centiam tuam // demiffa voluntate // colens /7 
leremias Hombergerus '/ Theologiae Doctor. // Bl. 22a: VERSIO // 
IEREMIAE HOM- // bergeri pauló liberior. // 1. // [Q]VIS credit 
Au- // dito fermoni no- // (tro... Bl. 26a [m.d. Sign. D,]: SEQVITUR 
VETVSET VVLGATA VERSIO'/quam in explicando allegabimus 
1./[QJVis eredidit auditui notre // & brachium Domini cui 
reue- /' latum eft // ... Bl. 33a [m. d. Sign. E], Z. 3: Querela 


6* 


"a 48 us 


igitur Ielaiae hie eadem // eft, quae Pauli Rom. 10. Vbi inquit, // 
ignorantes . .. Bl. 44a: Et quafi abfconditus vultus //eius, & 
defpeetus. // Videtur vetus interpres hebrai- // cum textü sic 
aceopilfe: ... Bl. 63a, Z. 6ff.: ET NOS putaulsmus eum // quali 
leprofum & percuf- // fum à Deo, & humiliatum. //... Bl. 90b 
Im. d. Sign. M,], Z. 151F.: Tertia hinc innotefcit, quae fu- //it, vt 
magnitudo iniultitine & pee-/' cati, ... Bl. 108b [m. d. Sign. O,], 
Z. 3#f.: Omnes nos quafi oues erraui- / mus, vnufquisqà in viam 
fu- // am declinauit: ... Bl. 111b [mit d. Signatur P,], Z. Tff.: 
SECVNDA //CAPITIS PARS BRE- ;/ uifsimé  perftricta. ;; De 
Auguítia ... Bl. 133a [m. d. Sign. Hj], Z. 18f: Si pofuerit pro 
peccato animam // (uam. // In He- // .. 

Bl. 146b. [mit d. Signatur T,], Z. 101f: FINIS. //BREVISSIMA 
HISTO-//riae De pafsione Domini noftri Iefu // Chrifti PERIOCHI 
Verfibus Hexametris // concinnata . .. Bl. 147b [mit d. Sign. T,], 
Z. Ttt.: DE FRVCTV. MORTIS // & Refurrectionis Domini Noftri 
lefu // Chrifti Ex Roma. 4... . Bl.149b [m.d. Sign. Tv]: Dabantur 
è collegio (traecenfi pro- //cerum Stiriae N. Calend: Aprilis, // 
Anni LXXXIII. fupra fefqui- // millefimum. // R. V. // ob(eruantis : // 
Cafpar Benedicti Lygni- // cenfis Silefius S. T. tyro. // [Zierat.] 
Bl.152a: ERrata Operarum. // B.4. facie 2, linea 6. releuent... 
Z. 23: IMPRESSVM GYSSINGGE, IN // officina. Typographica 
Iohannis // Manlij. 1583. // Bl. 152b leer. 

8?, rom. Type, 152 nicht num. BI]. mit d. Signatur A—T, 
Custoden, ohne Blattzahl, in der Regel zu 20 Zeilen, Bl. 2b bis 
25a zu 15 Zeilen, Bl. 25b 11 Zeilen, das Titelblatt mit Typen in 
4 Grössen, Bl.2a mit Typen in 2 Grössen, auf Bl. 2a und 23a 
ein 4zeiliges Holzschnittinitiale, auf Bl. 140b ein Holzschnittzierat. 

Unicum der Franciskanerklosterbibliothek in Nemet-Ujvär. 
Es bildet in einem Sammelband, der einst im Besitze des Andreas 
Beythe war, wie der Namenszug auf dem ersten Werke zeigt, 
das zweite Adligat, welehem als drittes das bereits beschriebene 
Unieum: Homberger, Viola Martia, folgt. 

1. Homberger, Jeremias, Examen theologicum. Heidelbergae, 
J. Spies, 1583. 8°. 

2. Homberger, Jeremias, Vehiculum sacrum peregrinantis. 
Heidelbergae, J. Spies, 1582. 8°. 

3. Homherger, Jeremias, Granum Frumenti. Gyssingae, 
J. Manlius, 1583. va 


40 


i. Homberger, Jeremias, Viola Martia. O.O. |Güssing], 
0. Dr. N. [J. Manlius], O. J. [1582]. 8°. 
Szabó II. Nr. 177. 
1584. 
Nr.9. Homberger, Jeremias, Flosculus Eden compendium totius 
christianae theologiae continens... 
Gyssingae. J. Manlius, 1584. 8^. 
RI. la Titel: , 
FLOSCV- 
LVS EDEN. 
Compendium totius Chriltian:e 
Theologite continens. nu- 
per ex horto Dei 
decerptus. 
ü 
IEREMIA HOMBER- 
GERO FRITISLA- 
RIENSI Heflo: Docto- 
re Theologo, &e. 
IMPRESSVM GYSSINGZE, 
In officina Typographica Johannis Mani. 
M. D. LXXNIIIL. 

Bl.1b leer. Bl.2a [mit der Signatur A,]5: AMPLISSIMIS 
AC//INTEGERRIMIS VIRIS, NO- // bilitate, prudentia, virtute, 
pietate & doctri-//na praeftantibus,... Z. 11. [MAGNA 
inter // Theologos que- // ltio eft,... Bl. 15a, Z. 6ff.: [A]men. 
Data Greci] in Sti- // ria, 18. Martij, anno // 1584. // 

Amplitudinem &  magnificen- // tiam veftram (umma cum // 
obferuantia colens. // Ieremias Hombergerus D. Ec- // cleft:e 
prouineialis ibidem Pa- // (tor & cum reliquis Infpector // scholie 
dà profeffor Theologus. // Bl. 16 leer. Bl. 17a [mit der Signatur BJ: 
THESES // TOTIVS CHRI // STIANAE DOCTRI // NE 
SYNTAGMA COM- // mn Examinandae in Di- // fputatione 
futura, 26, ;/ Nouembris. /. . 7 [N Ecclefia. Dei nihil doceri 


1! 


debet, ' ‘J quàm quod a = ar '/ cipulis mandaitit Dominus 
no /'fter Tefus Chriftus. ©... 
Bl. 56a, Z. 5f.: LXXXHI. // Locus verò beatorum appellatur // 


nouum coelum nouad; terra & /; coeleltis Hierufalem. Vetera /; 


ata DOE. = 


enim tranfibunt & noua fient // omnia. Jef. 65. Apocal. 22. Tunc // 
erit Deus omnia in omnibus, cui//fit gloria, laus, immperiü & 
maie // ftas in omnem :eternitatem. // Amen. // FINIS. // Bl. 56b: 
Errata typographica fie // corrigantur. // ... 

8°, rom. Type, 56 nicht numerirte Blätter [1 Tabelle: 
DIAGRAMMA TOTIVS CHRISTIAN DOCTRINE // SYN- 
TAGMA, SECVNDVM SYMBOLI APOSTOLICI // ORDINEM 
CONTEXTVM REPRAESENTANS. //.] mit d. Signatur A, X, 
B—F, Custoden, ohne Blattzahl, zu 19 Zeilen, die Widmung zu 
14 Zeilen, das Titelblatt mit Typen in 4 Gróssen, Bl. 2a nut 
Typen in 2 Grössen und einem vierzeiligen Holzschnittinitiale, 
Bl. 17a mit Typen in 3 Grössen. 

2 Exemplare, 1 im ungar. National-Museum, 1 in der 
Franciskanerbibliothek zu. Német-Uj]vár. 

Szabó a. a. O. II. N° 184. 

1587. 

Nr. 10. Erasmus, Roterodamus, Praefationes et epistolae 
dedieatoriae ... D. Erasmi Roterodami... opera et impensis 
Joannis Pergossich ... 

Varasdini, J. Manlius, 1587, 8*. 

Bl. 1a Titel: 

Prietationes et Epistolae Dedicaterie Doctiss. & sanetie vitæ 
viri, DIZSIDERLJ ERASMI ROTERODAMI, in quatuor Euan- 
gelistas, Christianis hominibus, lectu dignie. Adiuncta est Pia 
Saneti Stephani Regis Hungarie, ad filium suum Emericum 
ducem Sclauoniae admonitio. Subsequitur adhortatio Stephani 
Bathorei ad milites, tempore Matthiwe Regis, facta, Sub finem 
continentur aliquot precationes piw. Opera et impensis IOANNIS 
PERGOSSICH Typis renouatme. —Varasdini Joannes Manlius 
excudebat, Anno 1581. 

8°, rom. Type, 10% nicht num. Blätter mit der Signatur 
A—0O,,,, ohne Blattzahl.*) ` 

Unicum in der königl. Universitäts-Bibliothek zu Budapest. 

Szabó a. a. O. II. Nr. 198. v. Kukuljević a. a. O. 

1587. 


Ay Si Re E e : È LEE e e è 
Nr. 11. Skryniarich, Blasius, De agno paschali explicationes 
mysticae... 


*) Nach Szabo. Régi magyar kónyvtár II. S. 51. Nr. 198. 


E + 


Varasdini o. Dr. N. [J. Manlius] 1587. 8°. 

Dl. la Titel: 

DE AGNO 
PASCHALI, EX- 
plicationes Myfticae, in 
XII. caput. Exodi, Authore 
Blalio Literato Skrynia- 
rich, Iudice Regi ciuita- 
tis Varafdienfis, nunc 
recens editi. 
Joan. I. 
Ecce Agnus Dei, qui tol- 
lit peccata mundi. 
Varafdini, Anno 
M. D. LXXXVII. 

Bl. 1b: Joan. I. // Lex per Moyfen data eft, veritas au- /'tem 
(fcilicet Euangeliea) per Chriftum '"/ facta eft. '' Deuter. 4." Ecce 
docui vos erremonias.... [Zierat.| Bl. 2a [m. d. Signatur Ay]: 
ORNATIS- "SIMO VIRO, // DOCTRINA, VIRTVTE AC/ 
pietate preltanti Domino An-//thonio Vramecz, SS. Theologie 
Do- ‘etori, ac Ecclelim Varafdienfis  vigi- // lantifsimo paltori, 
lalutem ‘in Domino Jefu prie- /' catur. / [C]VM nuper explica- 
tiones, de '' Agno Palchali, in duodecimum ./ caput Exodi, . ... 
Bl.5): Epifola dedicatoria. /... Z.13: Amen. Datum Varaldini 
Dominica '' Iudiea, Anno à nato Chrifto 1587. / Tue prieftan: // 
deditifsimus amicus ' Blafius literatus '/ Skryniarich iudex ` 
Varafdienfis. Bl. ba |m. d. Sign. A u. d. Blattz. I]: PRETATIO. '; 
[EJTSI priecipuum lumen cft /'in doctrina noui Teftamenti, .... 
Bl. 11a [m. d. Blattz. 6]: praefatio. /'... Z. 15: infticiam lempiter- /' 
nim. "[Zierat wie auf Bl. 1b.] Bl. 11b leer. 

BI. 12a [m. d. Blattz. 7]: EXPLICA- '' TIONES MY- "STICAE 
IN XII CAPYT '' Exodi, De efu Agni Pa- fchalis. , TEXTYS. T 
Locutus eft Dominus ad Moy- "fen et Aaron in Aegvpto. '... 
Bl. 118); Epilogus. ' Quia autem morte fua nos libera- turus 
erat Filius Dei ... Z.22: tempus ipfe elegi. Ego enim fangui- '/ ne. // 
(Schluss fehlt.] 

3% rom. Type. 5 nicht num. + 113 (2) num. Blütter mit der 
Signatur a, A—P, Custoden und Blattzahl, zu 24 Zeilen mit den 
Ucberschriften, Bl. 22. zu 20, BI. 20 zu 17 Zeilen, das Titelblatt 


SE E 


in Holzschnitteinfassung [oben Gott Vater und der hl. Geist, in 
den Ecken die Thiere der 4 Evangelisten, zur Seite Adam und 
Eva. unten die Taufe Jesu im Jordan] mit Typen in 2 Grössen, 
Bl. 2a mit Typen in 3 Grössen, mit Randsummarien und Bibel- 
citaten. 

2 Exemplare, 1 in der Universitäts-Bibliothek zu Budapest 
(der Schluss fehlt), 1 in der Privatsammlung des Herrn Prof. 
Dr. Anton Ballagi in Budapest. 

Szabó a.a. O. II. N° 199. v. Kukuljević a.a. 0O. Th. Elze im 
Jahrbuch... Jgg. 1893, S. 129: „Skrinjavič (De agno paschali, 
1581).* Gewidmet ist das Werk dem Canonicus Anton Vramec, von 
dem der Verfasser in der „epistola dedicatoria“ BIl. 1—5 erwähnt, 
dass derselbe kurze Zeit vorher seine: Euangelia dominicalia et 
Sanctorum festa... nunc recens Selauonice editos et jam diuul- 
s gato...” im Druck habe erscheinen lassen. 


1588. 
Nr. 12. Gabelmann, Nicolaus. Monomachia Hungaro Turcica 
duobus carminum libris conseripta ... 
0. ©. [Nemet-Ujväar| J. Manlius, 1588. 4°. 
Bl. 1a Titel: 
MONOMACHIA HVNGA- 
RO TVRCICA. 
DVOBVS CARMINVM 
LIBRIS CONSCRIPTA, A NICOLAO 
GABELLMANNO MEGAPOLITANO A- 
pud Iluftrifs. D. D. Franeiseum de Nadaft: perpe- 
tuum terr: Fogoras & Caftri. ferrendem 
Comitem &c. viuente. 
MATERIAM CARMINIS VT PLVRHI- 
MVM SVPPEDITAVIT ILLA MONOMA- 
chia, que LXXXI. Anno. Calendis May eft in- 
stituta, ad arcem POSAVCHEN in Carpato fi- 
tam: licet aliarum. quóq: plurimarum rerum expo- 
itio conueniens fit facta: ex qua. prifens Hungaria 
(tatus, & priecipuorum belli ducum virtus, atq: va- 
riorum Certaminum genera Hungarorum 
cum "Turcis polsint depra- 
hendi. 


— eg 


ADIECTA SVNT ETIAM DVO POEMA- 
ta eiufdem autoris: Alterum de infigni Victoria Turcica 
XXI. Augugi: [sic!| iuxta Calend. Greg: Proximé repor- 
tata: Alterum de laudibus regni 
HVNGARIA E. 
TYPIS JOHANNIS MANLII 
Anno M. D. LXXXVIII. 4 

Bl. 1b leer. Bl. 2a (m. d. Sign. A,]: Autor ad libellum: Quos // 
Proceres, Illuftres regni Hungaris Patronos qus // rat: vt eorum 
fub aufpicio atQ4 authoritate, tu-//tó in publicum exire pofsit. // 
[P]Arue liber: nofti Heroem, puem [sic!| fufpicit orbis // NADASD: 
huius adi limina tuta: Vale. // Sed quid ago 7 plures funt, quos benè 
Caute faluta: // Simodo fideries integrum adire Viros. // BATHOR: 
ZRYN: BATTIAN: PALfy: DOBbo: in-//(clyta Corda. //... 

Bl. 2b: Quem placuit capiti fuppofuiffe fuo. // Virgilium Cæfar 
dicto feruauit ab igne // quem fuprema, dedit, relligione, dies. // .. . 
4. 16: Ad manes Virgilij Poete, autor: // 

4°, rom. Type, BI. 2a 25 Zeilen, Bl. 2b 27 Zeilen mit Sig- 
natur, Custoden, das Titelblatt und 2a mit Typen in 3 Grössen 
umgeben von Randleisten. 

Das geringe Bruchstück (das Titelblatt und Blatt 2, sowie 
Reste von zwei weiteren Blättern) in der königl. Universitäts- 
Bibliothek zu Budapest. 

Szabó a. a. O. II. Nr. 203. 

Eine zweite Ausgabe aus dem Jahre 1590 bei Paolo Meietto 
in Padua kennt Graesse: . 
NICOLAI 

GABELMANNI 
GERMANI 
MONOMACHLE HVNGAROTVRCICE 
Carminum Libri Duo. 
Ad Illuftri(ff.: D. & Magnanimum Heroem 
D. FRANCISCUM DE NADASDY 
petuü terre Fogeras & Comitatuü, Sepronienlis, Caftriferrei 
Comite: &e. 
Adiecte (ant alize dus odiv: altera da strage Turcarum SarkanSiegethana, altera de 
fertilitate Hungarie. Lege. Judica. 
[Signet.] 
PATAVII, M. D. XC. 
APVD PAVLUM MEIETTUM. 


4°, rom. Type, 8 nicht num. + 56 num. = 64 Bll. mit der 
Signatar g j, A—O, Custoden und Blattzahl 1 bis 56 zu 


22 Zeilen, das Titelblatt mit Typen in 4 Grössen, einem Drucker- 
signet: Zwei Hähne, die eine Aehre ablesen mit der Unterschrift: 
NON COMEDETIS // FPVGES MENDACII //, mit Rand- 


bemerkungen und 16 Holzschnittinitialen. 


1 Exemplar in der k. k. Universitäts-Bibliothek zu Graz 
[Signatur I, 28.816]. 


Graesse, Trésor de livres rares III. S. 1. 


1591. 
Nr. 13. Dragonis, Caspar, Speculum Theologicum seu Con- 
cionatorium. 
Monyorókerék, J. Manlius, 1591. 
Kein Exemplar bekannt. 
Szabó a. a. O. I. N° 248. 


1597. 
Nr. 14. Beythe, Stephanus, Confessio fidei. 
Nemet-Ujvärini, J. Manlius, 1597. 
Kein Exemplar bekannt. 
Szabó a. a. O. II. Nr. 273. 


1597. 
Nr. 15. Beythe, Stephanus, Encomium ubiquisticum contra 
Brentianos. 
Német-Ujvårini, J. Manlius, 1597. 
Kein Exemplar bekannt. 
Szabó a. a. O. II. Nr. 274. 


1601. 
Nr. 16. Hartlieb, Georg, Tumulus in honorem et gratiam.... 
laudatissimae matronae AÁnnae.... Joannis Scehmuckil... 


coniugis .... 
Kerezturii, J. Manlius, 1601. 4*. 
Bl. 1a Titel: 


TVMVLVS 
IN HONOREM ET GRATIAM 
Honeftifsímee Caftifsimie, 
OMNIVMQVE VIRTVTVM FLO- . 
fculis laudatifsima Matrone, ANNAE Reuerendi 
& clarifsimi Viri, Domini Joannis Schmuckij, Erffur- 
denfis, Theologi eximij Verbi diuini in oppido Neck 
comitatus Lanfeonfis Hungarie, Miniftri vt finceri: 
ita vigilantifsimi: coniugis, quee non abíq4 ingenti & 
liberorum, viduiqy moeftifsimi affictione 15. Octob. 
Anno fuprà Millefimum fexcentefimo, 
placido fine in Domino 
quieuit. | 
EXTRVCTVS. 
Auctore 
M. Georgio Hartliebio, Tubing: Poeta Lau- 
reato: & pro tempore in Comitatu Lan- 
feenfi Concionatore £ uangelico. 
[Zierat.] 
Kerezturi], Excudebat Ioannes Manlius, 
Anno Domino 1601. 

Bl. 1b leer. Bl. 2a: AD // REVERENDVM ET // ERVDITIS- 
SIMVM VIRVM, DO-//MINVM GREGORIVM PITHYRAEVM, 
NA- // tione Croatam, verbi Dei Miniftrum. Kerezturij fin- // cerum, 
pium, bonum, Confiftorij]4 Ecclefiaftici // in Hungaria Affeforem, 
&c. //[A]Ceipe przeco Dei, miffam, Pithyree, falutem: // Ex animi 
Votis, profpera qusqà precor.//... Bl.3b: TVMVLVS // IN 
HONOREM ET GRATIAM // HONeftifstmae Caftifsimee, . . . 
ANNAE... Z. 15: Elegeia. // | 

[Q]Vis mihi, quis caput hoc lacrumis deterget ob- // ortis? // 
Quis mea, ficcatis lumina, filtet aquis? // 

Bl. 5b [mit d. Sign. A,], Z. 23ff.: Hic quoque ftellatis tua fulget 
honoribus, ANNA // Candida candidulis vefítibus ante Deum. // 
Exit & egreditur, turbis immifta Deorum: /'... Bl. 6a, Z. Tf.: 
Tempus erit, quando furget poft nubila Phoebus: // Profpera 
difeufsis nubibus hora cadet. // FINIS // [Verschlungener Holz- 
schnittzierat]. Bl. 6b leer. 

4°, rom. Type, 6 nicht num. Bll. m. d. Sign. À (A, und A;], 
mit Custoden, ohne Blattzahl, zu 26 Zeilen, Bl. 2a 27, Bl. 2b 24, 


1* 


=. De == 


Bl. 3a 16, Bl. 3b 20, Bl. 6a 9 Zeilen, das Titelblatt und Bl. 3b 

mit Typen in 3 Grössen, Bl. 6a mit Typen in 2 Grössen. 
Unicum in der königl. Universitäts-Bibliothek zu Budapest. 
Szabó a. a. 0. II. N? 315. (Fortsetzung folgt.) 


Die alte und die neue Wiener Universitäts- 
Bibliothek. 


Von Regierungsrath J. Meyer. 


Im Jahre 1884 ist die k. k. Universitüts-Bibliothek in Wien aus den alten im 
I. Bezirke, Schónlaterngasse und Postgasse, befindlich gewesenen Ráumen in das neue 
auf dem Franzensringe (I. Bezirk, Nr. 1) stehende Universitätsgebäude übersiedelt. 
Diese Uebersiedlung erfolgte unter der umsichtizen Leitung des damaligen Custos, 
nunmebrigen Directors der Universitits-Bibliothek, Regierungsrathes Dr. Ferdinand 
Grassauer, in der im Hinblicke auf die zu bewältigende Aufgabe kurzen Zeit 
von 2!/, Monaten. Die Zeit vom 1. Juli bis 31. August war den vorbereitenden 
Arbeiten gewidmet, innerhalb des Zeitraumes vom 1. bis 15. September wurde die 
Ueberführung selbst bewerkstelligt, jedoch erst am 17. November waren die techni- 
schen Einrichtungen soweit vorgeschritten, dass an diesem Tage der Lesesaal dem 
Publicum geöffnet werden konnte. Der Umzug aus dem alten in das neue Gebäude 
bildet einen wichtigen Markstein in der Geschichte der Wiener Universitäts-Bibliothek, 
nicht nur in Bezug auf die Aenderung der räumlichen und persönlichen Verhältnisse, 
sondern auch — und wohl noch mehr — in Bezug auf die Aenderung der Biblio- 
theksverwaltung. 

Im alten Gebände, in welchem sich nunmehr das k. k. Postsparcassen-Amt 
befindet, war der Bücherbestand untergebracht: 

1. In zwei mit je einer Galerie versehenen, durch zwei Stockwerke hinauf- 
gehenden Sälen, einem kleineren und einem grösseren, die Bücherschränke dieses 
letzteren (des ehemaligen Bibliothekssaales der Jesuiten) waren mit kunstvollen 
Täfelungen, reichem Schnitzwerke, Vergoldungen und Gemälden versehen, der 
Plafond desselben war mit schönen Fresken geziert; 2. in einem kleineren, einige 
Stufen tiefer gelegenen, schmalen, länglichen Raume; 3. in drei dem ehemaligen 
Convictsgebáude angehórigen, mit diesem Raume in Verbindung stehenden Zimmern, 
in deren einem auch die laufenden Nummern der Zeitungen aufbewahrt wurden. 
und dessen Thüre zur Galerie des grossen und schönen Saales führte; 4. in zwei 
Parterrelocalititen, deren gróssere (das ehemalige Refectorium der Jesuiten) nicht 
bloss wie alle auderen Localitáten, Wandrepositorien, sondern auch in der Mitte 
hintereinander aufgestellte Bücherschränke enthielt; ferner 5. in den beiden Lese- 
sälen; 6. in einem im zweiten Stocke befindlichen Saale, welcher auch Arbeits- 
tische für das Bibliothekspersonale hatte, und in welchem die zum Binden herge- 
richteten Bücher deponirt und die gebundenen übernommen wurden; 7. im an- 
stossenden  Professorenzimmer; 8. in einem grossen Saale des ersten Stockes, in 


= DI “= 


welchem sowohl die gebundenen alphabetischen Kataloge auflagen, als auch Beamte 
der Bibliothek functionierten (die sogenannte Kanzlei) und sogar 9. im Bureau des 
Chefs der Bibliothek. In diesen beiden letztgenannten Räumen waren auch die den 
alphabetischen Zettelkatalog enthaltenden Cartons aufgestellt. 

Ueber diesen Räumen befand sich 10. ein grosser Saal (das ehemalige 
Juniorat der Jesuiten), in welchem die Bücher nicht nur in Wandschränken, sondern 
auch, wie in dem grossen Parterrelocale, in hintereinander gereihten, in der Mitte 
stehenden Doppelkästen aufgestellt waren. 

Für die Unterbringung des Bücherbestandes stehen im neuen Gebäude zur 
Verfügung: 

1. Das grosse, in neun Abtheilungen zerfallende Parterremagazin (46:0 Meter 
lang, 17 Meter breit), deren jede mit zwei übereinander befindlichen eisernen Galerien 
versehen ist, welche Galerien sämmtlich durch eiserne Brücken miteinander verbunden 
sind, mit an den Querseiten einfachen und acht zu einander parallel stehenden, in der 
Mitte durchbrochenen Doppelrepositorien. 2. Ein neun Etagen enthaltendes Magazin mit 
durchbrochenen eisernen Böden und eisernen Stiegen. Jede dieser Etagen enthält ausser 
den einfachen Wandrepositorien auch noch Doppelrepositorien, und zwar befinden sich in 
der ersten, zweiten und dritten Etage je zwei, in den sechs übrigen je vier Doppelrepo- 
sitorien. 3. An die siebente Etage schliessen sich überdies noch zwei grosse Reserve- 
räume an, der eine derselben, der durch Thüren anch mit der zweiten Galerie 
des Lesesaales in Verbindung ist, hat gegenwärtig bereits auf der rechten und 
linken Seite je zwei Galerien, welche durch sechs eiserne Brücken und zwei Stiegen 
miteinander communicieren. Dieser Raum hat einfache Wandrepositorien, der zweite 
reservierte Saal dient gegenwärtig blos zur Aufbewahrung der Doubletten und erst 
zu bearbeitenden, der Bibliothek geschenkweise zugekommenen Büchersammlungen, 
wird aber später, wenn das Bedürfnis es erfordert, gleichfalls für die Bücherauf- 
stellung in Anspruch genommen werden. Zur Aufnahme des Bücherbestandes dient 
ferner auch 4. der grosse Lesesaal oberhalb des Parterremagazines gelegen und mit 
diesem von gleichen Dimensionen (46:5 Meter lang, 17 Meter breit). Derselbe hat zwei 
eiserne Galerien auf allen vier Seiten und ausser den einfachen Wandrepositorien auch 
noch auf der vom Eingange aus befindlichen linken Seite zehn, auf der rechts ge- 
legenen sechs kleine, zugleich als Stehpulte benützbare Bücherschränke. Für die Bücher- 
aufstellung kommt auch noch 5. das Katalogzimmer in Betracht, in welchem nicht 
nur der gebundene alphabetische Katalog, sondern auch der biographische und 
bibliographische Apparat in seinen wichtigsten Bestandtheilen untergebracht ist. 
Während im alten Gebäude wegen der Höhe der Räume und besonders wegen der 
behufs móglichster Raumausnützung hoch gebauten, aber nicht. untertheilten Kästen 
allenthalben zum Herausholen der Bücher Leitern verwendet werden mussten, ist diese 
Art der Bücheraushebung im neuen Gebäude nur auf die dritte Etage beschränkt. 
Im alten Gebäude standen auch die Bücher in zwei, sogar drei Reihen hintereinander, 
Im neuen Gebäude kommt eine solche Aufstellungsweise bis jetzt nur in einzelnen 
Schränken des Parterremagazins vor. 

Während in der alten Bibliothek die dem Publicum zu Gebote. stehenden 
Räume lediglich aus zwei Lesesälen, von welchen der im 1. Stocke befindliche 92, 
jener im 2. Stocke 75 Sitze enthielt, und aus einem kleinen Professorenzimmer be- 
standen, nicht nur das Entlehnen, sondern auch das Zurückstellen in den Lesesälen 
und die Uebernahme der Pflichtexemplare, wie auch das Versenden der Bücher 


ed EQ su 


nach auswärts im Bureau des ersten Stockes (der sogenannten Kanzlei) stattfinden 
mussten, ist im neuen Gebäude ein grosser, auch in architektonischer Hinsicht 
schöner Lesesaal mit 344 Sitzen für das Publicum geöffnet, ausserdem bestehen ein 
geräumiges Professorenzimmer und ein kleinerer Lesesaal, in welchen principiell nur 
diejenigen Zutritt haben sollen, welche mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt sind. 
Das Zurückstellen der entlehnten Bücher wie die Uebernahme der Pflichtexemplare 
tinden jetzt ebenfalls in einem besonderen Raume, nämlich in dem oben erwähnten 
mit zwei übereinander befindlichen Galerien versehenen Journalzimmer statt, in 
welchem auch Büchersendungen entgegengenommen und von wo aus dieselben auch 
expediert werden. Die laufenden, zum Binden noch nicht reifen Fachjournale, und zwar 
alle bedeutenderen, sind jetzt in grossen Kästen aufgelegt, von welchen zwei im 
Professorenzimmer, neun im kleinen Lesesaale stehen*), während im alten Gebäude 
von diesen Journalen nur eine geringe Anzahl in zwei Kästen im 2. Stocke sich 
befand, die beinahe ausschliessend dem Kreise der Professoren und Docenten zugäng- 
lich waren. 

In der alten Bibliothek waren die Lesesäle im Winter von 9 Uhr bis 1 Uhr 
vormittags und von à Uhr bis 8 Uhr abends geöffnet, im Sommer ununterbrochen 
von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags. 

In der neuen Bibliothek sind die Benützungsstunden für beide Lesesäle von 
9 Uhr früh bis 8 Uhr abends ununterbrochen, in den Monaten Juli und August 
bis 5 Uhr abends ununterbrochen. 

Vor der Uebersiedlung wurden die Bibliotheksgeschäfte von 9 Beamten (zu- 
letzt auch 2 Volontären) besorgt, für die manuellen Verrichtungen waren 8 Diener 
angestellt, gegenwärtig existiert ein Status von 31 Beamten, Prakticanten und Volon- 
tären und von 25 Dienern. 

Im alten Gebäude hatte nur der Bibliothekar sein separates Zimmer, alle 
übrigen Beamten, welche nicht in den einzelnen Lesezimmern inspicierten, arbeiteten 
im ersten und zweiten Stocke in einem gemeinschaftlichen Raume bei je vier hinter- 
einander gestellten Tischen. Im neuen Gebáude bestehen für diejenigen Herren, 
welche nicht in den beiden Lesesülen, sowie im Kataloz- und Journalzimmer be- 
scháttigt sind, ausser dem Bureau des Chefs der Bibliothek in der 4. und 6. Etage, 
14 separate Bureaux, in welchen dieselben dermalen theils einzeln, theils za zweien 
oder dreien arbeiten. 

Während die k. k. Universitüts-Dibliothek in Wien in den letzten Jahren 
ihres Aufenthaltes in den alten Räumen behufs Anschaffung von Büchern und Be- 
streitang der Buchbinderkosten (abgesehen von dem Zuflusse der Matrikelgelder) eine 
Jahresdotation von 15.000 fl. 6.W. hatte, sind ihr gegenwärtig für eben diese Zwecke 
30.000 fl. è. W. zugewiesen. 

Obwohl im neuen Hause der Bibliothek bedeutend grössere Räume zu Gebote 
stehen, so tauchen denn doch bezüglich der Raumfrage manche Bedenken auf. 

Bei der Uebersiedlung ist der jährliche Bücherzuwachs mit 7000 Bänden an- 
genommen und auf dieser Basis hin berechnet worden, dass die in dem neuen Ge- 
bäude für die Bücheraufstellung bestimmten Räume noch durch circa 100 Jahre 


#) In neuester Zeit sind alle diese Fachjournale im kleinen Lesesaale unter- 
gebracht, der gleichfalls mit zwei übereinander laufenden Galerien versehen ist, 
und zum Zwecke dieser Unterbiingung 33 Kästen enthält. 


— 59 — 


ausreichen, und demnach ausser den bereits bei der Uebersiedlung vorhanden ge- 
wesenen 299.000 Bänden noch circa 700.000 Bände werden aufnehmen können, so 
dass alsdann bei erfolgter voller Ausnützung der vorhandenen Räume unter Annahme 
einer einreihigen Aufstellung eine Million Bände untergebracht werden könnte. 
Diese vorausgesetzte volle Ausnützung der Räume bedingt aber, dass in den neun Ab- 
theilungen des Parterremagazins, später auch in den beiden Reserveräumen zwischen 
die schon aufgestellten Wand- und die bereits vorhandenen Doppelrepositorien neue 
Doppelschränke hineingestellt werden. Durch die hieraus entspringende Raumver- 
engerung wird das für diese Bibliothek ohnehin nicht reichlich vorhandene Licht 
noch mehr absorbiert, auch die Hantirung mit den Büchern erschwert. Würde man 
etwa gar durchgängig zu einer zwei- oder dreireihigen Aufstellung der Bücher 
greifen, so würden die Uebelstände noch potenziert. Dazu kommt aber weiter der 
Umstand, dass sich in den bisherigen 15 Jahren des Bestehens der neuen Bibliothek 
der durchschnittliche Jahreszuwachs viel höher herausstellt als der bei der Ueber- 
siedlung angenommene, nämlich 17.311 statt 7000. (Bei der Uebersiedlung waren 
299.000 aufgestellte Bände vorhanden, am 30. September 1899 war der Bücher- 
bestand 558.679 Bände, also sind in den 15 Jahren 259.679 Bände zugewachsen, 
folglich im Durchschnitte 17.311.) Die volle Ausnützung würde demnach schon in 
circa 40 Jahren erfolgen, beziehungsweise, da bereits 15 Jahre verflossen sind, in 
circa 25 Jahren vom jetzigen Zeitpunkte an (1,000.000 Bände zu erreichende 
Maximalzahl — 299.000 Bände in die neue Bibliothek überbrachter Bestand = 
701.000 Bände Rest für die Unterbringung : 17.311 (= 40°5 Jahre). Dieser durch- 
schnittliche Jahreszuwachs wird sich bei der riesigen literarischen Production, 
und bei der dadurch nothwendig bedingten Erhöhung der Dotation, der Zu- 
nahme der Pflichtexemplare u.s.w. gewiss nicht vermindern, eher vermehren. 
Bei einer im Laufe der Zeit infolge dieses Umstandes nothwendig werdenden Ver- 
mehrung des Bibliothekspersonales wird auch die anstándige Unterbringung des- 
selben sehr erschwert werden. Das Katalogzimmer erweist sich schon jetzt sowohl 
für den Personenverkehr als auch für die Unterbringung der Bände des alphabeti- 
schen Kataloges als zu enge, bei der Erneuerung desselben, die zugleich die Bedacht- 
nahme auf die Ergänzungen erfordert, wird die bedeutende Vermehrung der bis- 
herigen Bändezahl, hiemit aber auch zugleich die Erweiterung des Katalogzimmers 
eine dringende Nothwendigkeit. Es ist daher sehr zu bedauern, dass der ursprüng- 
lich gefasste richtige Gedanke, für die k. k. Universitüts-Bibliothek in Wien, die 
ja vermöge ihrer Functionen einen universelleren Charakter an sich trägt, ein 
eigenes Gebäude aufzuführen, welches einer grösseren Sicherheit und zugleich auch 
der Möglichkeit einer grösseren, zweckentsprechenden Ausdehnung hinreichende 
Garantien bieten würde, als die Einfügung in die Räume einer anderen Anstalt nicht 
zur Ausführung gekommen ist. 

Nachdem die äusseren Unterschiede zwischen der alten und der neuen 
Bibliothek gekennzeichnet worden sind, wollen wir nunmehr die inneren, d.i. die 
Bibliotheksverwaltung betreffenden Differenzen zum Gegenstande der Besprechung 
machen. 

In den Räumen des alten Bibliotheksgebäudes war die Aufstellung der Bücher 
eine systematische. Das ganze Gebiet des Wissens war in 97 Fächer eingetheilt. 
In jedem Fache und überdies in jedem der drei Formate (Octav, Quart, Folio), 
welches die Bücher dieses Faches hatten, lief die Numerierung von der Zahl 1 an. 


— 60 — 


Ursprünglich bestand eine Eintheilung in 100 Fächer, drei derselben aber, nämlich 
Acatholica, Hebroica und Itinera, sind später aufgelassen und mit Dogmatica — Linguae 
orientales —, Geographia et Statistica vereinigt worden, Incunab. sowie Manuscripta 
umfassen alle Fächer, können daher in der Systematik des Wissens nicht als selbst- 
ständige Glieder gelten, daher vom fachlichen Standpunkte aus betrachtet eigentlich 
nur 95 Fächer bestanden. Die fortlaufenden Uebersichten über die einzelnen Wissens- 
zweige, nämlich Format, Nummer und kurze Titelangabe nebst Bändezahl ent- 
hielten die Local- oder Standortsrepertorien, von welchen einige nur ein Fach, andere 
hingegen wieder zwei oder mehrere Fächer umfassten. Im ganzen bestanden 46 die 
Systematik enthaltende Repertorien, ausserdem gab es aber auch eines für Incunabeln 
und Manuscripte, eines für Opera majoris formati, je eines für Dissertationes juridicae 
und medicae, einen Catalogus bibliorum sacrorum. Auch hatte seit der Mitte der 
Siebzigerjahre jedes der drei Formate eine Schriften kleinen Umfanges umfassende 
Unterabtheilung’ gleichfalls mit eigener von der Zahl 1 an laufender Numerierung, 
der aber eine Null vorgesetzt war (die sogenannten Nullbügen, die dem betretfenden 
Fache, respective dessen Repertorium nach der Hauptabtheilung III, II, I eingefügt 
waren). Für die Collectiones, Icones und Musicalia gab es keine Systematik, daher 
auch keine Localrepertorien, die ersten waren nach Materien, die zweiten nach dem 
Alphabete aufgestellt. 

Nach erfolgter Uebersiedlung ist die Aufstellung der Bücher geündert, und 
dieselbe nach dem numerus currens vorgenommen worden. 'Die Nummern sind 
in arithmetischer Ordnung auf eigenen Bögen (Inventarbögen) vorgedruckt (100 Nummern 
auf einem Bogen), laufen ohne Rücksicht auf das Format fort, und werden die 
Druckwerke ohne Rücksicht auf den Inhalt derselben aneinandergereiht, wobei aber 
die gleichen Formate aneinander zu stehen kommen. Jeder Inventarbogen enthält 
die fortlaufenden Nummern, das Format und die kurze Titelangabe der Werke, 
sowie die Bändezahl, und eine Rubrik für Anmerkungen, z. B. „Manuscript“, „Ver- 
botenes Werk“. 

Das jetzt betolgte Princip der Aufstellung hat den einen grossen Vortheil, 
dass Systematik und Aufstellung von einander unabhängig sind, dass Aenderungen, 
welche in ersterer vorgenommen werden oder vorgenommen werden müssen, keinen 
Einfluss auf die Platzstellung des betreflenden Werkes nehmen. Ein zweiter Vorzug 
dieses Aufstellungsmodus ist der, dass, während bei der systematischen Aufstellung 
vermöge der vielfach vorhandenen Gleichheit der Nummern in den verschiedenen 
Fächern beim Einstellen der Bücher sehr leicht Irrungen erfolgen können, welche 
die Auffindung derselben dann, wenn sie benöthigt werden, sehr erschweren oder 
gar unmöglich machen, bei Anwendung des numerus currens solche Irrungen, weil 
eben nur die Zahl und nicht auch ein zweites Element in Betracht kommt, ausge- 
schlossen oder doch auf ein viel selteneres Vorkommen beschränkt werden. Wenn 
es auch ferner in der Natur der Sache liegt, dass selbst bei Anwendung des numerus 
currens Rückungen der Bücher unvermeidlich werden*), so ist denn doch bei der 
systematischen Aufstellung der Nachtheil vorhanden, dass bei letzterer das Be- 
messen des Raumes für die Leerlassungen um vieles mehr Aufmerksamkeit von Seite 


*) Vide die Schrift „Die Amtsinstraction für die k.K.öffentliche und Universi- 
tätsbibliothek in Prag, besprechen von Custos J. Meyer Wien, Alfred Hölder, 
1898, pag. 42 u. 43. 


cus EI. 


der Diener in Anspruch nimmt, und dass, wenn endlich doch die für ein Fach des 
Systems bestimmten Kästen gänzlich ausgefüllt sind, dieses Fach zerrissen, d.h. 
anderswo, vielleicht in ziemlicher Distanz, anfgestellt werden muss, oder möglicher- 
weise um einen Anschluss der gleichartigen Schriften zu bewirken, sehr starke 
Rücknngen stattfinden müssen. 

Das Format (I, II, III, IV) und die isola werden, nachdem die 
Eintragung in den Inventarbogen erfolgt ist, mit Bleistift auf den Rücken des 
Titelblattes geschrieben, und wird diese Etikette, welche eben die Signatur bildet, 
sowie es früher der Fall war, an der oberen linken Ecke des Vorderdeckels befestigt, 
und die Aufstellung nach der arithmetischen Folge vorgenommen. Durch diese Auf- 
stellung wird auch zugleich in jedem Momente eine leichte, zuverlüssige Uebersicht 
des jeweiligen Besitzstandes erzielt. Vor der Uebersiedlung hat eine derartige 
Inventarisirung gar nicht stattgefunden, man konnte daher auch nicht sogleich 
wissen, wie viele Werke, respective Bünde sich in einem gegebenen Momente in 
der Bibliothek befinden, erst durch eine umständliche Summirung der in den Local- 
repertorien eingetragenen Bücher hätte man erfahren können, wie gross die Menge 
der Werke, respective Bände, in einem gewissen Zeitpunkte ist. In den letzteren 
Jahren erst ist beim Schreiben des Zuwachsverzeichnisses, welches mit dem Jahres- 
berichte vorzulegen war, die fortlaufende, auf die Aufstellung selbst übrigens keinen 
Einfluss nehmende Numerirung eingeführt und die betreffende Nummer des Werkes 
anf der Rückseite des Titelblattes mit Stampiglie, sowie im Zuwachsverzeichnisse 
bei der Nominirung des Werkes ersichtlich gemacht worden. 

Um die in den Leseräumen häufig benöthigten Werke schneller verabreichen 
zu können, sind dieselben auch im neuen Gebäude, sowie es im alten der Fall war, 
nach den Facultätsstudien (Theologie, Philosophie, Medicin, Jurisprudenz) und inner- 
halb derselben in alphabetischer Ordnung der Autoren- und Sachennamen auf- 
gestellt, in demjenigen Zimmer, in welchem die gebundenen alphabetischen Kataloge 
zur allgemeinen Benützung aufliegen, ist der biographische und bibliographische 
Apparat derart untergebracht, dass die erste Abtheilung die allgemeine Bio- und 
Bibliographie, die zweite und dritte die nationale, die vierte die wissenschaftliche 
enthält. In der ersten sind die Werke nach dem Alphabete der Ordnungswórter, in 
der zweiten und dritten nach dem deutschen Alphabete der Ländernamen (in 
Oesterreich-Ungarn überdies nach der Eintheilung in Sprachen), in der vierten naclı 
dem deutschen Alphabete der Wissenschaften aufgestellt. Auf der ersten Galerie des 
grossen Lesesaales befinden sich überdies in einer Abtheilung die Kataloge der 
Bibliotheken nach dem Alphabete der Ortsnamen rangirt. 

Im alten Gebáude waren sowohl die Incunabeln als die Manuscripte in gleicher 
Weise wie die anderen Werke signirt, und in den für die Bücheraufnahme be- 
stimmten Bibliotheksräumen aufgestellt. In dem neuen Gebäude aber sind die 
Manuscripte nicht nur mit dem numerus currens, sondern überdies noch mit einer 
besonderen fortlaufenden Zahl (der Manuscriptsnummer) versehen, und nach diesen 
fortlaufend im 4. Bureauzimmer der 6. Etage, welches mit einer eisernen Thüre 
versehen ist, unter specieller Aufsicht eines Beamten untergebracht. Im alten Ge- 
bäude waren ursprünglich die Grundblätter der Manuscripte vermischt mit jenen 
über die anderen Werke in den verschiedenen zur Aufnahme des alphabetischen 

Zettelkataloges bestimmten Cartons aufbewahrt, erst in letzterer Zeit hat eine theil- 
weise Separation derselben stattgefunden, im neuen Gebäude werden dieselben aber 


8 


2.469, a 


durchgängig und grundsätzlich in einem eigenen Carton niedergelegt, und 
werden die Manuscripte sowie die Incunabeln überdies in. dem hiefür bestimmten, 
alten, beide Kategorien umfassenden Localrepertorium eingetragen, wodurch die Ueber- 
sicht über dieselben und deren Auffindung noch mehr erleichtert werden. Schliess- 
lich muss noch bemerkt werden, dass sich in der ersten und letzten Abtheilung 
des Parterremagazins je ein Kasten befindet, in welchem unter Glas die bemerkens- 
werthesten Incunabeln und Manuscripte (Cimelien) sich befinden. Nur die Incunabeln 
werden auch jetzt noch in den gebundenen alphabetischen Katalog eingetragen, die 
Manuscripte aber nicht mehr, wie dies früher zum Theile der Fall war. 

lm alten Bibliotheksgebäude waren nicht Bücher aus bestimmten Zweigen 
des Wissens den einzelnen Beamten zur Beschreibung. zugewiesen, sondern jeder 
musste Werke aus den heterogensten Fächern beschreiben, und insoferne fand keine 
Theilung der Arbeit statt, wohl aber waren ein oder zwei Beamte nebst der Be- 
schreibung ausschliessend mit dem Eintragen in die Localrepertorien, wieder andere 
oft alternirend mit dem Eintragen in den gebundenen alphabetischen Katalog und 
ein Beamter mit dem Buchbindergeschäfte betraut. Das Zusammenstellen des eineu 
integrirenden Bestandtheil des Jahresberichtes bildenden Zuwachsverzeichnisses er- 
folgte durch einen Beamten, der für diesen Zweck mehrere Monate des Jahres 
in Anspruch genommen war, das Gescháft des Entlehnens der Bücher nach aus- 
wärts wurde von einem hiefür eigens bestellten Beamten besorgt. Die Revision der 
Bücherbeschreibung ist ausschliessend von dem Leiter der Bibliothek vorgenommen 
worden. 

Seit der Uebersiedlung der Bibliothek in das neue Gebäude ist eine Theilung 
der Arbeit insoferne erfolgt, als jedem zum Beamtenpersonale gehörigen Herrn be- 
stimmte wissenschaftliche Fächer zur Bearbeitung zugewiesen sind. Dies hat den 
Vortheil, dass jedes Mitglied des Bibliothekspersonales sowohl, als auch die Besucher 
der Bibliothek selbst, in jenen Fällen, in welchen es sich um eine Auskunft handelt, 
sogleich wissen, an wen sie sich behufs Aufklärung zu wenden haben. Diese Auf- 
klärung wird aber auch infolge der Möglichkeit einer intensiveren Beschäftigung 
des Beamten mit den wenigeren ihm zugewiesenen Fächern eine bessere sein können, 
als ber der Zersplitterung seiner Kraft auf die verschiedensten Gebiete des Wissens. 

Jeder der Arbeitenden hat aber — und darin liegt der bedeutende Unterschied 
der früheren Art der Geschüftsbehandlung gegenüber der jetzigen — nicht nur die 
Beschreibung der in sein Ressort fallenden Bücher, sondern auch bezüglich der ihm 
zugewiesenen Bücher alle übrigen bibliothekarischen Verrichtungen vorzunehmen, 
nàmlich die Eintragung in das Inventar, in den gebundenen alphabetischen Katalog, 
sowie in die Zuwachsverzeichnisse das Abliefern an den Buchbinder, die Ueber- 
nahme der gebundenen Bücher und deren Weiterexpedirung zu besorgen. 

Auch besteht in der neuen Bibliothek die Einrichtung, dass jedes Mitglied 
des Beamtenpersonales behufs der Controle über seine Thätigkeit am Anfange eines 
jeden Monates darüber, wie viele Werke, respective Bände es im vergangenen Monat 
bearbeitet, einen Ausweis zu verfassen, und denselben durch Vermittlung des Ober- 
revisors, der hiezu erforderlichen Falles seine Bemerkungen macht, dem Leiter der 
Bibliothek vorzulegen hat. 

Die erwähnten Zuwachsverzeichnisse vertreten die Stelle der früheren Local- 
repertorien, welche seit der Uebersiedlung in das neue Gebäude aufgelassen wurden, 
Diese Verzeichnisse basiren auf dem in der neuen Bibliothek aufgestellten Systeme, 


E VEER es 


welches zwar noch nicht offieiellen Charakter besitzt, dessen Genehmigung aber 
vom Ministerium für Cultus und Unterricht zugesagt wurde. Dieses System theilt 
das gesammte Wissen in 19 Classen, die Classen zerfallen in Literaturgebiete 
derart, dass diese. 19 Classen zusammen 113 Literaturgebiete enthalten, demnach 
ist die Zahl der einzelnen Fächer im neuen Systeme eine grössere als jene des 
alten. Jedes Literaturgebiet hat überdies noch die Hauptabtheilungen „Allgemeine 
Bibliographie“ — „Biographie“ — „Allgemeine Geschichte* — „Allgemeine Werke“ 
— „Einzelwerke“, eventuell „Hilfswerke“, welche Hauptabtheilungen nach Erfordernis 
noch in Unterabtheilungen zerfallen. 

Die Zuwachsverzeichnisse selbst haben jedoch nicht diese feineren ins Detail 
gehenden Distinctionen, sondern sind gedrängter, zusammenfassender, mehr für den 
praktischen Zweck berechnet gehalten. Sämmtliche von den einzelnen Herren 
gleichzeitig mit der Beschreibung der ihnen zugewiesenen Werke verfassten Zu- 
wachsverzeichnisse werden in einen Band gebunden und dieser dem Jahresberichte 
als Beilage angeschlossen. Diese für jedes Fach bestehenden Zuwachsverzeichnisse 
haben die Rubriken: Fortlaufende Postnummer, Titel und Signatur des Werkes, 
Bändezahl, Erwerbungsart (ob Geschenk, Pflichiexemplar, Kauf, bei diesem die An- 
gabe des Preises etc. etc.) und Einbandkosten. | 

Die in der alten Bibliothek geführten sogenannten Localrepertorien sind zwar 
in die neue übernommen, aber, wie schon bemerkt, aufgelassen worden, und an 
deren Stelle sind die neuen Zuwachsverzeichnisse getreten. Mit dieser Auflassung 
sind gewisse Nachtheile verbunden. Handelt es sich darum, auf einem bestimmten 
Literaturgebiete durch mehrere Jahre Umschau zu balten, so wird bei dem Mangel 
der alten Repeitorien das schnelle und bequeme Auffinden von Werken dadurch er- 
schwert,. dass für jedes Jahr zu einem anderen Zuwachsverzeichnisse gegriffen 
werden muss, und dass letzteres überdies sä mmtliche Gebiete des Wissens ent- 
hält, daher das Auffinden des gewünschten Faches umständlicher macht, während 
diese Procedur bei den alten Repertorien, von denen jedes nur ein oder höchstens 
vier Fächer enthielt, sich viel einfacher gestaltete. Auch ein anderer Umstand 
kommt noch in Betracht. Bis das Verzeichnis über den Zuwachs des letzten Ver- 
waltungsjahres mit der Erledigung des betreffenden Jahresberichtes von den Re- 
hörden zurücklangt, ist eine sehr geraume Zeit vergangen. Während derselben wird 
oft von Seite des die Bibliothek benützenden Publicums die Ánfrage gestellt, welche 
Weike in dem Jahre, bezüglich dessen der Zustandsbericht erstattet worden ist, auf 
einem gewissen Literaturgebiete erschienen sind, auch das Bibliothekspersonale selbst 
— dieses vielleicht noch mehr — sieht sich bei seinen Arbeiten veranlasst, Rück- 
Schau zu halten. Bei dem Nichtvorhandensein dieser Uebersichten kann aber weder 
dem Bedürfnisse des einen, noch des anderen Theiles entsprochen werden. Um diesen 
Uebelständen vorzubeugen, wäre es unserer Meinung nach am besten gewesen, neben 
den auf die neue Systematik gegründeten Zuwachsverzeichnissen entweder die Ein- 
tragungen in die alten Repertorien vorzunehmen, wogegen kein Anstand gewesen 
wäre, weil in den umfassenderen Fächern des früheren Systemes die Unterab- 
theilungen des neuen leicht Platz gefunden hätten, oder, falls man dieses nicht 
mehr wollte, Repertorien zu führen, die nach dem neuen Systeme eingerichtet sind, 
und welche nur die kurze Titelangabe, den numerus currens mit Format, und die 
. Bandzahl des betreffenden Werkes zu enthalten hätten. Das Plus an Arbeit, welches 
jeler Beamte bei der Beschreibung der in sein Ressort fallenden Werke zu ver- 


8* 


c d. unns 


richten hätte, würde durch die aus dieser Geschäftsbehandlung entspringenden Vor- 
theile wettgemacht werden. 

Wie im alten Gebäude wird auch im neuen das Geschäft des Entlehnens 

der Bücher an die in Wien befindlichen Personen von den in den Leseräumen in- 
spieierenden Beamten, die Uebernahme der zurückgestellten Bücher jedoch und die 
Reclamierung der entlehnten Werke überhaupt von einem eigenen im Journalzimmer 
(Expedit) befindlichen Beamten vorgenommen, das Besorgen des Entlehnungsgeschäftes 
nach aussen obliegt ebenso wie in der alten Bibliothek einem eigens hiefür be- 
stellten Beamten. — In der Feriode vor der Uebersiedlung in das neue Gebäude 
war, wie schon bemerkt, die Besorgung des Buchbindergeschäftes einem Beamten 
ausschliessend übertragen. Derselbe hatte die zu bindenden Bücher nach fortlaufenden 
Nummern unter kurzer Angabe des Titels, der Bändezahl und des Musterbandes in 
ein eigenes Buch einzutragen, und in demselben zugleich den Namen des Buch- 
binders, welchem die betreffenden Bücher übergeben wurden, die Nummer der 
Rechnung, sowie den Tag der Uebergabe und der erfolgten Ablieferung ersichtlich 
zu machen, sodann eine aus 4 Quartseiten bestehende Consignation (die Buchbinder- 
rechnung) mit den Rubriken „Postnummer“, „Titel des Werkes“, „Format“, „Art 
des Einbandes“, „Preis* anzufertigen und dieselbe dem betreffenden Buchbinder 
einzuhändigen, welcher die Rubrik „Preis“ auszufüllen, nöthigenfalls das Format 
richtig zu stellen hatte. Diese von dem Beamten geprüften, eventuell rücksichtlich 
des Preises rectificierten Consignationen bildeten mit den ausbezahlten Quittungen 
die Rechnungsbelege für die Einbandauslagen. Die Titelcopien der zu bindenden 
Werke, selbst der Fortsetzungswerke, wurden behufs Eruierung, ob sich eines der- 
selben im Stadium des Bindens befinde, in einem eigenen Carton unter der Obhut 
des mit diesem Geschäfte betrauten Beamten aufbewahrt. In der neuen Bibliothek 
wird das Buchbindergeschäft von jedem Herrn bezüglich der in sein Ressort 
fallenden Bücher selbst in der Art geführt, dass die zu bindenden Bücher unter 
Angabe des Titels, der Signatur, des Formats, sowie des Einbandes und Muster- 
bandes in sein hiefür bestimmtes Buch eingetragen werden, und die Uebernahme 
der mit fortlaufenden Nummern der einzelnen Bücher versehenen Lieferung von dem 
Gehilfen des betreffenden Buchbinders bestätigt wird. Letzterer selbst muss dann 
allerdings, nachdem die Bücher abgeliefert und in dem Buche des betreffenden 
Herren gestrichen worden sind, über mehrere Lieferungen eine Rechnung verfassen, 
welche, mit der Betundsclausel von Seite des Beamten versehen, und der ausbe- 
zahlten Quittung den Rechnungsbeleg bildet. Durch diesen jetzt geltenden Modus 
wird die Manipulation vereinfacht und für den Beamten ein nicht unbedeutender 
Aufwand an Zeit und Mühe erspart. Die Titelcopien der zu bindenden Werke 
werden von jedem Beamten bei sich aufbewahrt. 

Bezüglich des Entlehnens der Bücher war in der alten Bibliothek ursprünglich 
der Vorgang b:obachtet worden, dass über die entlehnten Werke ein eigenes Protokoll 
geführt wurde, welches für jeden auf einem Anstosse befindlichen Buchstaben des 
Alphabetes mehrere Folien hatte, und die Rubriken „Ordnungswort“, „Titel des Werkes“, 
„Bandzahl*, „Name des Entlehners“, „Datum der Hinausgabe“, „Datum der Zurück- 
stellung“ enthielt; die Recepisse waren nach den Namen der Entlehner (Einzelpersonen 
wie auch Anstalten) gelegt. Die immer stärker werdende Zunahme des Entlehnungs- 
geschäftes nöthizte jedoch diese, viel Zeit und Mühe in Anspruch nehmende Modalität, 
welche zwei Acte: das Eintragen in das Protokoll und das Einlegen der Recepisse in 


=. 65. 


sich begriff, aufzugeben. Das Entlehnungsprotokoll wurde aufgelassen, die Recepisse 
wurden nach den Ordnungswürtern der entlehnten Werke gelegt, für die Entlehner selbst 
wurden Folien (die Personalfolien) angelegt, welche aus losen Octavblättern bestanden, 
auf welchen der Name, dann mit Bleistift die Ordnungsworte der entlelinten Werke 
und die Bändezahl angegeben waren. Bei dieser Geschäftsbehandlung waren einer- 
seits die Sicherheit in der Evidenzhaltung der entlehnten Werke und die Zuver- 
lássigkeit der statistischen Nachweisung über die Zahl der entlehnten Werke, resp. 
Bánde, und die Zahl der Entlehner gerade so gewahrt, wie bei der einstigen 
Führung des Ausleihprotokolles, andererseits wurde dem mit dem Entlehnungs- 
geschäfte betrauten Beamten viel Zeit und Mühe erspart. Dieser Modus ist auch in 
der neuen Bibliothek beibehalten worden, jedoch mit dem Unterschiede, dass nicht 
mehr von dem im Journalzimmer (Expedit) befindlichen Beamten, in dessen Hánde 
sich die Recepisse über sámmtliche entlehnte Werke concentrieren, die Personalfolien 
geführt werden, weil die Recepisse mit Juxten versehen sind, die den Namen des. 
Entlehners, das Ordnungswort, die Signatur und Bändezahl enthalten, und vom Entlehner 
selbst ausgefüllt werden, wodurch dem betreffenden Beamten die Arbeitslast bedeutend 
erleichtert wird. Diese Juxten werden abgetrennt, nach dem Namen der Entlehner ge- 
ordnet und geben Uebersicht über die von jeder Person oder Anstalt entlehnten Werke. 

Die Behandlung der Doubletten bestand in der alten Bibliothek darin, dass 
dieselben ohne Rücksicht auf das Alpbabet des Ordnungswortes nach fortlaufen- 
den Nummern mit kurzer Angabe des Titels, der Bändezahl, ferner des Laden- 
preises, sowie des Preises, zu welchem dieselben hintangegeben werden sollten, in 
ein eigenes, die genannten Rubriken enthaltendes Verzeichnis eingetragen wurden. 
Die Erhebung des Ladenpreises erforderte bei jenen Doubletten, rücksichtlich weleher 
noch keine Titelcopien angefertigt waren, die über den Ankaufspreis Aufschluss 
gaben oder deren Originale überhaupt nicht im Wege des Kanfes in die Bibliothek 
gelangten, ein zeitraubendes Nachschlagen in den bibliographischen Behelfen. In der 
neuen Bibliothek ist bezüglich der Doubletten der gleiche Vorgang beobachtet 
worden, nur mit dem Unterschiede, dass im Laufe des Jahres mehrere Verzeichnisse 
gedruckt und bei anderen Bibliotheken in Circulation gesetzt wurden. Allein das 
den damaligen Verordnungen zufolge geltende Princip der entgeltlichen Ueber- 
lassung der Doubletten hinderte das Abstossen derselben, erst durch die Verordnung 
des Ministeriums für Cultus und Unterricht vom 8. Mai 1897, welches den Aus- 
tausch der Doubletten zwischen den Bibliotheken einerseits und zwischen diesen 
und den Seminarien und Instituten der Universitáten andererseits normierte, kam 
eine regere Bewegung in die Massen der allerort3 angehäuften Doubletten. Durch 
die Statuierung dieses Principes ist der k. k. Universitüts-Bibliothek in Wien gegen- 
über den anderen Bibliotheken insoferne eine gróssere Arbeitslast erwachsen, als 
dieselbe nicht nur, wie die anderen, für die Anfertigung der Verzeichnisse ihrer 
Doubletten, für die Vereinigung der Doubletten-Verzeichnisse der Bibliotheken Nieder- 
ósterreichs zu einem Gesammtverzeichnisse und für den hierauf basierenden factischen 
Austausch der Donbletten, sondern auch nach $8 der obcitierten Ministerialver- 
ordnung für die Herstellung des die gesammten Bibliotheken Cisleithaniens um- 
fassenden Restantenverzeichnisses, die Versendung desselben an diese Diblio- 
theken und den Vollzug des hiedurch wieder hervorgerutenen Austausches Sorge zu 
tragen, schliesslich in Bezug auf die noch erübrigten Bestände an das k. k. Mini- 
sterium für Cultus und Unterricht Anträge zu erstatten hat. 


Infolge der durch die Uebersiedlung veranlassten, namentlich die Neuorgani- 
sation betreffenden, ausserordentlichen Geschäftsvermehrung konnte der Leiter der neuen 
Bibliothek nicht mehr, wie es früher der Fall war, der Revision der Bücherbeschreibung 
eine intensive Aufmerksamkeit widmen. Deshalb wurde in der neuen Bibliothek die Ein- 
richtung getroffen, dass die von den einzelnen Herren beschriebenen Werke je zweien der 
älteren Beamten zur Revision vorgelegt werden, diese aber die von ihnen geprüften 
Arbeiten dem Öberrevisor vorlegen. Von letzterem gehen dieselben zur endgiltigen, 
allerdings nicht mehr in das Detail der Werke eindringenden Approbation des Chefs 
der Bibliothek. | | 

Da in der alten Bibliothek die Beschreibung der Biicher leider nicht nach 
festen, einheitlichen Principien erfolgt war, hiefür auch keine in mehreren Exem- 
plaren abgefasste, daher allgemein zugängliche Instruction bestanden hatte, und, 
ganz abgesehen von diesem wesentlichen Mangel, schon mit Rücksicht auf den 
äusseren Zustand des alphabetischen Bandkataloges (bestehend aus 22 Bänden, von 
denen jeder zwei Abtheilungen enthält, die eine in streng alphabetischer Ordnung 
abgeschlossen mit dem Jahre 1849, die zweite, das Supplement, mit einem sehr 
stark in crudo gehaltenen Alphabete beginnend von 1850 und bis jetzt fortgesetzt) 
es als eine der vorzüglichsten Aufzaben, ja geradezu als die Hauptaufgabe der 
neuen Bibliotheksverwaltung betrachtet werden musste, für die Herstellung eines 
neuen alphabetischen Bandkataloges, welcher sowohl die ursprünglichen als auch 
die supplementären Eintragungen im strengen Alphabete enthält, alle nöthigen Vor- 
arbeiten bei Zeiten schon zu treffen, so wurde der damalige Öberrevisor (Custos 
Meyer) vom Bibliothekar der Anstalt beauftragt, den Entwurf einer neuen In- 
struction für die Beschreibung der Bücher auszuarbeiten. Derselbe unterzog sich 
dieser Aufgabe und referierte über den von ihm verfassten Entwurf in dem Comite, 
welches unter Vorsitz des Bibliothekars aus dem Referenten und den beiden Revi- 
soren (damals Scriptor Haas und Scriptor Simonič) bestand. In diesen Be- 
rathungen wurde über die einzelnen Paragraphe der Instruction durch Stimmen- 
mehrheit entschieden und nach den gefassten Beschlüssen von dem Referenten 
die endgiltige Redigierung der Instruction vorgenommen, so dass nunmehr für die 
so wichtige Beschreibung, die Grundlage aller bibliothekarischen Arbeiten, feste, in 
einer Anzahl von Exemplaren enthaltene Normen bestanden. 

Diese Principien fanden aber nicht blos auf die seit der Uebersiedlung er- 
worbenen, sondern auch auf die aus der alten Bibliothek herübergebrachten Werke 
ihre Anwendung. Denn schon die Einführung des numerus currens musste eine 
Aenderung der bisher auf die alte Systematik sich stützende Signatur nothwendig 
machen, hiemit war aber auch von selbst die Gelegenheit geboten, der Noth- 
wendigkeit einer einheitlichen Beschreibung Rechnung zu tragen und die bisher 
nicht immer consequente Handhabung derselben den hiefür geltenden neuen Normen 
anzupassen, es handelte sich also rücksichtlich des alten Bücherbestandes nicht 
blos um eine Umsignierung, wie der geschäftsmässige, der Kürze halber gebrauchte 
Ausdruck lautet, sondern vielfach um eine Neubeschreibung. Dieses hochwichtige, 
den alten Besitzstand (cirea 299.000 in die neue Bibliothek überbrachte Bände) 
umfassende Werk wurde im Jahre 1884 sogleich nach erfolgter Uebersiedlung (Ende 
November) begonnen und soll im Laufe des Jahres 1900 beendet werden. Auf dieser 
Grundlage erst kann und wird die so sehnlichst von allen Seiten erwartete Neu- 
anlage des alphabetischen Bandkataloges in Angriff genommen werden, ein -— wenn 


cio 00 = 


man bedenkt, dass seit dem Jahre 1850, also durch ein halbes Jahrhundert, die 
Eintragungen nur im Supplement, mit einem sehr stark in crudo gehaltenen Alpha- 
bete erfolgt sind — geradezu grosses, mühevolles Werk, ein Werk, zu dessen Ge- 
lingen wir die besten Wünsche entbieten. 

Zum Schlusse muss noch einer Einrichtung Erwähnung gethan werden, die 
in der alten Bibliothek gänzlich unbekannt war, nämlich der seit der [’ebersiedlung 
in die neue Bibliothek bestehenden Bibliotheksconferenzen. Am 1. und 16. eines 
jedeu Monates, oder, wenn auf dieselben ein Sonn- oder Feiertag fällt, am nächsten 
darauffolgenden Werktage versammeln sich die Mitglieder des Beamtenpersonales, 
die Praktikanten und Volontüre unter dem Vorsitze des Chefs der Bibliothek. Von 
letzterem werden behórdliche Erlásse und sonstige an die Bibliotheksdirection ge- 
richtete Mittheilungen, welche von allgemeinem Interesse sind, bekannt gegeben, 
bezüglich mancher Punkte auch Weisungen ertheilt; über Ahregung des einen oder 
anderen Mitgliedes der Versammlung werden auch oft Bibliotheksangelegenheiten 
besprochen und die Meinungen hierüber ausgetauscht. Den Hauptgegenstand dieser 
Conferenzen aber bilden die Literaturreferate, welche von den hiemit betrauten Be- 
amten erstattet werden und welche oft lange Zeit in Anspruch nehmen. 

Durch diese neue Einrichtung gelangt das gesammte Bibliothekspersonale in 
die Kenntnis aller für dasselbe wissenswerthen Umstánde, lernt auch die Literatur 
der verschiedensten Zweige des Wissens auf eine leichtere Weise kennen und wird 
das Interesse aller an dem Gedeihen der Anstalt rege erhalten und gefördert. 
wührend vordem das Bibliothekspersonale, oder wenigstens der gróssere Theil des- 
selben, sich in Unkenntnis dessen befand, was in literarischer und administrativer 
Beziehung in der Bibliothek sich ereignete. 


Die Gutenbergausstellung der Wiener 
Hofbibliothek. 


Von Dr. Theodor Gottlieb. 


Zur Zeit, als in der Stadt Mainz die 500jährige Geburtstagsfeier ihres grössten 
Solınes vorbereitet wurde, fasste man auch in Wien den Plan zu einer Reihe von 
Festen und Ausstellungen, unter denen die der k. k. Hoflibliothek weitaus den ersten 
Platz einzunehmen berufen war. Da auf die Bedürfnisse des laufenden Dienstes 
Rücksicht genommen werden musste, konnte sie erst am 4. August, nach Beginn der 
Sommerferien, eröffnet werden. Im Hinblick auf die kurze, zur Vorbereitung dienende 
Zeit, war das Resultat als ein überraschendes zu bezeichnen, und ist ebenso der 
zweckmässigen Organisation und Vertheilung der Arbeit, als dem einmüthigen und 
frendigen Zusammenwirken der an den Vorarbeiten betheiligten Beamten der Hof- 
bibliothek zu verdanken. Die geschmackvolle Anordnung der Ausstellung im ganzen 
wie im einzelnen, die von allen Seiten unbedingtes Lob geerntet hat, war fast durch- 
aus durch den Director der Bibliothek, Hofrath Karabacek, bewerkstelligt. der 
sich selbst der mühevollen Arbeit unterzog, die Vertheitung der einzelnen Ausstellungs- 
gegenstánde in den entsprechenden Schaukasten zu übernehmen und zu überwachen. 


=, HR; — 


So gelang es denn, die Ausstellung nicht nur dem Inhalte nach belehrend, sondern 
auch der äusseren Erscheinung nach schön zu gestalten. Dass übrigens zu diesem 
ästhetischen Wohlbehagen der prächtige, kunstgeschichtlich berühmte Bibliothekssaal 
ganz wesentlich beitrug, braucht nicht näher ausgeführt zu werden. 

Im übrigen unterschied sich die Ausstellung in mehrfacher Hinsicht von ähn- 
lichen. Als Grundsatz wurde einmal festgehalten, dass durchaus nur Originale auf- 
gelegt werden sollten. Demnach wurden alle Behelfe, die nur aus Abbildungen oder 
Nachbildungen zu gewinnen waren, vermieden. Ferner waren sämmtliche ausge- 
stellten Gegenstände den Sammlungen der Hofbibliothek selbst entnommen und nur 
zwei Stücke bildeten längere Zeit Ausnahmen: das prächtige, auf Leinwand aufge- 
zogene Exemplar der Ehrenpforte und das Oelgemülde Joh. Bernhard Fischers von 
Erlach, die jedoch noch wührend der Ausstellung durch deren Besitzer, die Firma 
Holzhausen in Wien und Se. Excellenz den Grafen Hans Wilczek der Bibliothek ins 
Eigenthum übergeben wurden. Gerade die Versicherung, dass alle auszestellten Stücke 
der Hofbibliothek gehóren, wurde von vielen Besuchern mit Staunen aufgenommen. 
Und trotzdem war bei weitem nicht alles geboten worden, was hütte geboten werden 
kónnen, um die Entwicklung des Buchdruckes auch nur in der Incunabelzeit all- 
seitig darzustellen, da der verfügbare Raum dazu nicht ausgereicht hätte. Hier galt 
es also, sich von vornherein so viel als möglich zu beschränken. Das 16. Jahr- 
hundert warde nur bei den Drucken in deutscher und ungarischer Sprache und bei 
den in Wien gedruckten und nordischen Büchern etwas mehr berücksichtigt; dazu 
kamen noch zwei Stücke der kartographischen Abtheilung. Die Balkanländer wiesen, 
ihrem späten Eintreten in die Geschichte des Druckes entsprechend, Bücher aus dem 
17. und 18. Jahrhundert auf, und nur die Musikalienabtheilung brachte zur Ver- 
gleichung des alten: und neuen Notendruckes einzelnes aus den letzten Jahren des 
19. Jahrhunderts. 

Hätte der Raum ausgereicht, dann wäre vielleicht eine Abtheilung für Drucker- 
signete empfehlenswerth gewesen; auch das Papier und die Wasserzeichen hätten 
manches interessante Object geboten. Von einer methodischen Darstellung der Buch- 
illustration konnte umso leichter abgesehen werden, als dieser eine eigene, zweite 
Ausstellung gewidmet werden soll; übrigens war auch diesmal reichlich Gelegenheit 
geboten, sich theils von der Eigenart, theils von der Pracht des Buchschmuckes in 
alter Zeit eine Vorstellung zu machen. 

Zur Orientierung über die Aufstellung und die Anordnung der 74 Glasschränke 
im allgemeinen möge Folgendes dienen. In dem durch die Kuppel überwölbten 
Mittelraume waren Vorläufer der Buchdruckerkunst, dann einige der von Gutenberg 
und seinen Concurrenten hergestellten Drucke zu sehen. Daran schlossen sich zwei 
Glasschränke. die zeigen sollten, wie gleichartig selbst im Detail sowohl die Schrift 
als die Ausstattung von Handschriften und Büchern in der Incunabelzeit war. Der 
sich an den Kuppelraum schliessende westliche Saal enthielt zwei Abtheilungen, wo- 
von die erste Drucken in griechischer Sprache, lateinischen Incunabeln aus Orten 
des jetzigen deutschen Reichs, ferner englischen Frühdrucken und Büchern aus nor- 
dischen Ländern (Dänemark, Schweden, Island) gewidmet wurde, während die zweite 
Drucke aus den Königreichen und Ländern der österreichisch-ungarischen Monarchie 
bot; insbesonders reich waren hier, den Verhältnissen entsprechend, die Wiener 
Drucke vertreten. Der an den Kuppelraum stossende östliche Saal enthielt Drucke 
aus der deutschen. französischen, spanischen und italienischen Literatur mit verein- 


- 69 - 


zelten Handschriften, ferner eine kleine Auswahl von Dracken der Balkanländer, 
Drucke in verschiedenen orientalischen Sprachen, die Abtheilung für Kartographie 
und auf breitem Raume die Abtheilung von Mausikalien. Einige andere Schränke 
enthielten besondere Kostbarkeiten und Curiositiiten. 

Im Folgenden kann nur Einzelnes aus der grossen Menge der ausgestellten 
Stücke besonders hervorgehoben oder mit Bemerkungen begleitet werden, da zu einer 
Aufzählung im Detail hier nicht der Ort ist und auch der entsprechende Raum 
nieht zur Verfügung stünde. Als erstes Stück war das Original jenes in rother 
Farbe auf einer Papyrus-Urkunde angebrachten Legalisierungsstempels aus dem Jahre 
108 n. Chr. zu sehen; für die Geschichte der Reproductionstechnik ist das Stück so 
wichtig, dass Abbildungen davon fast in allen Ausstellungen zu Ehren Gutenbergs 
zn sehen waren. Der Papyrus bildet einen Theil der berühmten Sammlung, die nun 
seit einem Jahre von Erzherzog Rainer der Hofbibliothek überlassen ist. Von gleicher 
Wichtigkeit waren die sieh unmittelbar anschliessenden drei Stücke in arabischer 
Sprache, Tafeldrucke mit Ornamenten sowohl in männlichem als weiblichem Formen- 
schnitt, alle drei auf Leinenlumpenpapier des 10. Jahrhunderts, wovon zwei Schutz- 
gebete gegen allerlei Gefahren, das dritte, merkwiirdigste dem Inhalte nach, ein Stück 
des Korans enthält. Das Vorkommen von Leinenlumpenpapier in so alter Zeit war 
vor Auffindung dieser Texte ganz unbekaunt und ist eine für die diplomatische For- 
schung bedeutungsvolle Thatsache. Ebenso wichtig aber sind die beiden ersten 
Stücke in kunstgeschichtlicher Richtung; sowohl dureh die doppelte Form der 
Schnittechnik, als durch die staunenswerthe Kleinheit der Schriftzüge weisen beide 
Abdrücke auf eine Kunstübung hin, deren Anfänge viel weiter zurückliegen müssen 

Sehr interessant und lehrreich war die sorgsam gewählte Reihe der den Be- 
ständen der Kupferstichabtheilung entnommenen Stücke, um die Entwicklung des 
Holzschnitts, des Kupferstichs und Metallschnitts, theilweise in Verbindung mit der 
Schrift, zu zeigen. Einige Blätter, wie gleich das erste, an (den Anfang des 15. Jahr- 
hunderts gestellte, die Kreuztragung Christi (W. L. Schreiber unbekannt), waren un- 
bemalt, im übrigen überwog die Ausstellung bemalter Holzschnitte, unter denen z, B. 
der heil. Michael (Schr. 1627) sowohl durch Zeichnung als Colorit mit seinen 
sanft abgetönten Farben angenehm auffiel. Dieser und zwei andere Holzschnitte 
boten breite, mit Arabesken verzieite Umrahmungen. Dass es sich bei dergleichen 
Stücken in der Regel nicht um Leistungen berutsmässiger Künstler handelt und 
dass diese Heiligenbilder wohl zumeist von Wallfahrtsorten ausgehen, ist schon 
öfters hervorgehoben worden. Die ältesten Stücke weisen noch keine Spur von 
Schrift auf. Die Auswahl des Materials, Langholz statt Stirnholz, die Schwierig- 
keit beim Schnitte der Schrift in umgekehrter Richtung, sowie im allgemeinen der 
Bildungsgrad der damaligen Holzschneider boten hier grosse Schwierigkeiten dar. 
Im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts liess man vielfach selbst die vier Buchstaben 
auf dem Kreuze Christi unzeschnitten und ergänzte sie handschriftlich, noch iber- 
wiezender war dies bei längeren Texten der Fall. Den vielfach dagegen angeführten 
heil. Christoph von 1423 im British Museum mit geschnittenem, zweizeiligem Text 
setzt Schreiber jetzt, besonders aus stilistischen Gründen, erst nach 1440. Auf dem 
Holzsehnitt heil. Bernhard von Clairvaux (Schreiber 1271) waren die vier Buch- 
staben i. n, r. i; auf dem Kreuze und am Fusse des Bildes der Name des Holz- 
schneiders „ierg haspel ze Bibrach*, die erste auf einem Holzschnitt erhaltene 
Künstlerinschrift, deutlich zu lesen. Der daneben ausgelegte Holzschnitt (Schr. 1548) 


9 


= 70: 


bot in grossen geschnittenen Buchstaben in einem Spruchbande die Worte Sanc- 
hus geronimus; der untere Rand des Bildes war absichtlich freigelassen, um dort 
handschriftlich Verse beisetzen zu können. Zwei Blätter, «die Marter des heiligen 
Sebastian und den heil. Nicolaus von Tolentino darstellend, waren ausgelegt, um 
daran zu erinnern, dass die daranf vorkommenden Jahreszahlen 1437 und 1446, wie 
bei manchen anderen Holzschnitten. nicht für das Datum der Entstehungszeit an- 
gesehen werden dürfen, sondern in anderer Weise zu erklären sind. Die Auswahl 
der ganzen Reihe, von denen die eben genannten einen Theil bildeten, von jener 
Kreuzignng Christi (Schr. 965) bis zu dem Blatt von den „Kindbettkellnerinnen“ 
(Schr. 1971). zeigten klar die immer weiter fortschreitende Verwendung der ge- 
schnittenen Schritt, theils unter der bildlichen Darstellung, theils im Bilde in Form 
von Spruchbándern, theils in der Verbindung beider Arten. In dem als „Allegorie 
auf das heil Sacrament des Altars“ bezeichneten Stück (Schr. 1840) war der 
obere Theil mit der Ueberschrift und Inschrift aus der Holzplatte geschnitten, die 
untere Hälfte bestand schon aus '[ypendruck. Daneben lag das einzige Blatt, das 
die Hofbibliothek aus der ersten illustrierten deutschen Bibel besitzt (Augsburg, Jod. 
Pilanzmann, ca. 14130, vgl. Hain, Rep. typ. 3131). Besondere Hervorhebung ver- 
dient noch die. einem Missale. Pataviense von 1404 (Hain 11.350) entnominene „Kreu- 
zigung Christi", ein mit Modeln farbig bedruckter Holzschnitt auf Pergament. Dass 
es sich wirklich um einen Modeldruck und nicht etwa um Malerei mit Schablonen 
handelt, zeigte deutlich die weisse Linie, die etwas unterhalb des rothen Randes und 
zu ihm parallel im Gewande des Johannes zu sehen war, dert wo Hals und Brust- 
bein, vom Beschauer links, zusammenstossend gedacht werden Können. Durch zu 
starken Druck blieb die Farbe an der Kante nicht haften, quoll dagegen über den 
Rand hinaus. Von charakteristischen Kupferstichen wären die Ars moriendi des 
sog, Meisters des Erasmus (nach dem Meister E. S.), das Glücksrad vom „Meister mit 
den Bandrollen“ (Pass. II, 27, 48) und das aus einem Würzburger Brevier der Acht- 
zigerjahre ausgeschnittene Perzamentblatt mit dem Wappen des Bischofs Scheren- 
berg hervorzuheben. Noch etwas feiner, auch kleiner, ist die Ausführung desselben 
Wappens, das sich in der 1479 von Joh. Menzer in Würzburg gedruckten Auflage 
des genannten Breviers (Hain 3845) findet; auch diese Ineunabel lag unter den 
lateinischen Drucken aus deutschen Druckstätten auf. 

Eine später aufgegebene Technik zeigten. die. Metallschnitte, in denen bald 
Zeichnung, bald Schrift mittels Punze und Grabstichel vertieft waren (Schrotblätter; 
Weisschnittblätter); auf allen Blättern war die eigenartige Mischung von Punzen- 
arbeit, Gravierung und Reliefschnitt zu bemerken; am Anfang der Reihe stand 
der für das Verfahren schr lehrreiche St. Georg (Schr. 2636), am Ende der Schnitt 
St. simon und St. Matthäus, mit. seinen im Abdruck verkehrt erscheinenden Namen. 
Auch von den seltenen Teigdrucken waren einige (sogar sechs bis jetzt noch unbe- 
kannte) Stücke ausgestellt; freilich haben sie im Laufe der Zeit meist sehr gelitten. 
Ihr Charakteristicum besteht in den reliefartig erscheinenden Linien der Zeichnung. 
Eine in allen Theilen befriedigende Erklärung der Art, wie sie hergestellt wurden, 
ist noch nicht gefunden; Schreiber lässt sie neuestens aus Metallschnittbildern als 
Reliefdrucke, wie es scheint, gegossen oder abgeklatseht sein, 

Von der ziemlichen Anzahl ausgestellter Tatelblätter und Einblattdrucke 
können die letzteren, wie schon ihr Name besagt, ebensowenig als die ersteren zu 
den Vorläufern des Buchdrucks gezählt werden. Denn weder die interessante Re- 


ee "E, A 


clame für einen alles heilenden Balsam aus Marseille, noch die Ànzeize über falsche 
Münzarten aus dem Jahre 1482, noch die Aufschrift anf dem Kreuze Christi (vel. 
Serapeum von Naumann, XV, 148) können hiefür, wie schon das späte Datum zeigt, 
überhaupt in Betracht kommen. Aber ebenso wie die Blockbücher boten gerade sie 
vieles für die weiteren Kreise des Publicums Interessante, und das zu Basel ge- 
druckte Blatt s. a. et i. n. mit der Fintheilang der Christenheit in zehn Nationen 
bot dureh seinen reichen Rahmensatz anch dem Fachmanne Belehrung. 

In früherer Zeit hat man das Alter der von Holztafeln abgedruckten Block- 
bücher weit überschätzt, noch Hochegger hat in der Vorrede seiner Ausgabe des 
Liber rerum als Anfangstermin ihrer Herstellung das Jahr 1420 bezeichnet. Nach 
den neuen Forschungen stellt sich die Sache ganz anders dar. In Holz geschnittene 
mehrzeilige Inschriften kommen auf Tafeln danach nicht vor 1440, Bücher mit bild- 
lichen Darstellungen und ausführlichem xylographen Text nicht vor beiläufig 
1460 vor, und die ganze Tradition über die in Holland hergestellten alten, xylo- 
graphen Donate vor Gutenberg löst sich in Nebel auf. Vielmehr wird es glaub- 
haft, dass die Xylographen gerade durch die gedruckten Bücher ihrerseits zu Tafel- 
dracken in Buchform erst angeregt wurden. Das jetzt für das älteste deutsche 
Bloekbuch gehaltene .Symboium apestolieum? , das der Ausstellung zur Zierde ge- 
reichte, zeigt nur die Namen der Apostel und Propheten geschnitten, dagegen für 
die Worte des Credo blieb der Raum unter den einzelnen Bildern leer und der doch 
nicht sehr umfangreiche Text wurde handschriftlich ergänzt. Gerade dieser Umstand 
nnd noch manche andere Gründe machen es wahrscheinlich, dass in dieser Zeit, von 
der hier die Rede ist, die Xylographen nicht selbständig Bücher für den Markt 
fertiestellten, sondern vielmehr im Dienste bernfsmässiger Schreiber arbeiteten, die 
zugleich als Herausgeber anzusehen sind, 

Von den beiden Glasschrünken mit den Parallelen für Handschrift und Druck 
war schon oben die Rede. Hier waren neben den beiden letzten Seiten des berühmten 
Prachtbaudes Cod. 1182, den von Johannes von Troppau durchans in Goldschrift ge- 
schriebenen vier Evangelien. die auf Pergament gedruckten Canonblätter eines Mis- 
sale Carthusiense (Hain 11.276) aufgeschlagen, für gothische Schrift; für französische 
Schrift lag neben dem mit hervorragenden Miniaturen gezierten Cod. 2578 (Sebast. 
Mamerot, Geschichte von den neun berühmten Helden) der Pergamentdruck des 
Lancelot von Ant. Verard, Paris 1494 (Hain 9850). Besonders im letzteren Falle 
war die Uebereinstimmung (wie z. B. des nach rechts geneigten langen f) beider- 
seits ganz augenscheinlich. Der zweite Kasten war der in Italien ausgebildeten An. 
tiqua gewidmet; hier lag neben (Cod. 656, der für Matthias Corvinus geschriebenen 
Erklärung der Briefe des Apostels Paulus, der Druck des Rationale divinorum offi- 
ciorum. Rom, Ulrich Gallus und Simon Nicolai de Luca (Hain 6473), neben dem 
einst für Julius II. bestimmten Livius (Cod. 37) der zn Rom 1469 auf Pergament 
gedruckte Aulus Gellius (Hain 7517), aus dem Besitze des Cardinals Bessarion ; für 
die Gleichartigkeit der Ausstattung boten gerade die beiden letzten ein elassisches 
Beispiel. 

Die Geschichte des Buchdrucks ist im letzten Jahrzehnt mehr gefördert worden 
als in langer Zeit vorher. Möglich gemacht wurden diese Untersuchungen in erster 
Linie durch eine verfeinerte Methode, die sich ihr Material durch gesicherte photo- 
graphische Bilder zu bereiten verstand. Den Markstein auf dem Wege, den die For- 
schong gehen muss, hat Karl Dziatzko's Arbeit über Gutenberg's Druckerpraxis: 


gx 


Berlin 1890, aufgerichtet. Es war für die Ausstellung der Hofbibliothek von Be- 
lang, auch noch die bedeutenden Untersuchungen zur Geschichte des ersten Buch- 
drucks von Paul Sehwenke zu Rathe ziehen zu können. So wurde denn als ganz 
gesichertes Resultat augenommen, dass die 42zeilige Bibel ein Druck Gntenberg's in 
Verbindung mit Fust ist und der 36zeiligen Bibel voraugeht, ferner dass die letztere 
ein Nachdruck ist, in der Hauptsache hergestellt nach einem gemischten Exemplar 
der 42zeiligen Bibel. Dass dieser Nachdruck von Gutenberg allein oder in Verbin- 
dung mit einem Capitalisten, der von Fust verschieden sein müsste, veranstaltet 
wurde, ist nicht glaublich. Ausser Gründen allgemeiner Natur kommen doch die 
merklichen Abweichungen der Druckpraxis in Betracht, die sich bei eingehender 
Untersuchung beider Druckwerke ergeben. Die Frage wird noch dadurch verwickelter, 
dass die Typen der 36zeiligen Bibel, wenn sie auch nicht älter sind als die der 
42zeiligen, doch zur Zeit, als die letztere ausgedruckt wurde, schon existiert haben 
müssen. Wenigstens dem Hauptbestande nach; denn die eigenthümliche Form des 
zweiten t in der Verbindung tt, das in der Manung der Cristenheit sich findet, kommt 
z. B. in der 36zeiligen Bibel überhaupt nicht vor. 

So schien es gerathen, die J6zeilige Bibel von dem unzweifelhaft Gutenberg'sehen 
Drucke auch áusserlieh zu. trennen. und. in einen eigenen Schrank mit der Autschrift 
,Coneurrenten. Gutenberg's, wohl sámmtlieh in Mainz“ einzureiben. Hier war das 
von Fust und Schöfter 1457 gedruckte „Psalterium“, eine Zierde der Hofbibliothek, 
untergebracht. Bekanntlich ist dieses Exemplar von den wenigen erhaltenen das 
einzige, das auf dem letzten Blatte die Wappen Fust’s und Schötter's in Rothdruck 
enthält. Anerkennung und vielfach Bewunderung fanden die in zwei Farben 
prächtig gedruckten Initialen, die ersten gedruckten Initialen überhaupt. Wie man 
sowohl aus der Ausführung des feinen Rankenwerkes, als aus der Widerstandskratft. 
der Lettern trotz mehrfachen Abdrucks schliessen muss, waren sie in Metall herge- 
stellt; sie warden ja in sechs verschiedenen Auflagen, deren letzte ins Jahr 1516 
füllt, verwendet. Die Zweifarbigkeit, früher eine Sache grossen Kopfzerbrechens, ist 
durch zerlegbare Metallplatten, fast genau nach Art der Congreve-Drucke, am besten 
erklärt. Dies hat jetzt Heinrich Wallau gezeist. Während Gutenberg schon beim 
Rothdruck auf solche Schwierigkeiten stiess, dass er ihn bald nach Beginn des 
Satzes der 42zeiligen Bibel wieder aufgab, ist hier sogar der Druck in mehreren 
Farben leicht und schön zustande gekommen und der enorme Fortschritt der Fust- 
Schoffer'schen Technik gegenüber der Gutenberg's eine nicht zu leugnende Thatsache. 
In dem oben genannten Schranke war auch das „Catholicon“ untergebracht, aller- 
dings gegen die Tradition, die jedoch gerade in diesem Falle in der Zuweisung des 
Druckes an Gutenberg auf grosse, ja kaum zu überwindende Schwierigkeiten stösst. 
Denn einmal muss man sich vor Augen halten, dass kein äusseres Zeugnis dafür 
spricht. Die Schlussschrift des Werkes sagt nur, dass das Werk in Mainz 1460 ge- 
drnckt ist.*) Nun hat man sich auf den bekannten, zuerst von Joannis im Jahre 
1727 veröffentlichten Revers des Dr. Konrad Humery vom 26. Februar 1468 be- 


*) Die Worte mira patronarum formarumque concordia werden mit der Deu- 
tung Patronen und Formen in nichtssagender Weise übersetzt. Angedentet sollte 
werden die vollständige Gleichheit der ins Metall eingeschlagenen Patrizen, sagen 
wir aus Stahl, mit den durch Gnss gewonnenen Lettern ans den als selbstverständ- 
lieh voranseesetzten Matrizen. 


ien, ZE 


rufen und weist auf die dort aufgeführten „ettliche formen buchstaben instrument 
gezauwe und anders zu dem trückwerek. gehorende* hin, das im Nachlasse Guten- 
berg's aufgezählt wird. Aber unter „ettlichen* Buchstaben etc. einen Druckapparat 
für die Herstellung eines Werkes vom Umfange des Catholieons sehen zu wollen, ist 
jedenfalls eine Annahme, die einigem Zweifel begegnen muss. Uebrigens sollten 
wohl im breitsparigeu Amtsstil die „formen“ nnd „instrument“ durch die beiden bei- 
gesetzten Worte nur näher erklärt werden und nicht vier verschiedene Dinge ge- 
meint sein. Das ist übrigens bei Beurtheilung der Frage durchaus nicht entschei- 
dend. Viel wichtiger ist auch hier die ganz abweichende Druckpraxis, wie sie sich 
vor allem in den schlecht ausgeschlossenen Columnen und dem Fehlen jedes Wort- 
trennungszeichens ausdrückt. Die neuesten Schriften über Buchdruck scheinen auch 
schon einen gedeckten Rückzug antreten zu wollen, indem sie Gutenberg nicht als 
Besitzer der Druckerei erklären, in der das Catholicon hergestellt wurde, sondern 
nur als deren Leiter. Aber damit gewinnen wir nach allem, was wir von der Praxis 
Gutenberg's wissen, wie sie sich uns am Ende des Druckes der 42zeiligen Bibel 
zeigt, nichts, was für ihn, dagegen vieles, was gegen ihn spricht. 

Um von der Entwicklung des Incunabeldrucks ein vollständiges Bild zu geben, 
dafür wäre selbst mit dem grossen, zur Verfügung stehenden Ausstellungsranme das 
Anslangen nicht zu finden gewesen. Dazu kommt, dass die Bibliothek nicht in der 
beneidenswerthen Lage gewesen wäre, Vertreter sämmtlicher, beiläufig 130 Druck: 
orte stellen zu können, wie dies ja keine Bibliothek kann. Für die Anordnung war 
nicht die chronologische Folge der einzelnen Druckstätten massgebend, sondern es 
wurden Gruppen gebildet, in denen vorwiegend theils die Länder, theils die ver- 
schiedenen Sprachen den Eintheilungsgrund bildeten. Damit glaubte man am ehe- 
sten dem auf ein weiteres Publicum berechneten Standpunkte nahe zu kommen. Es 
gab also eine Gruppe der griechischen Drucke mit dem zu Venedig 1499 gedruckten 
Etymologicum magnum, einer Aldina, Juntina u. a., dann eine Gruppe lateinischer 
Drucke aus deutschen Druckstätten, in der eine alphabetische Anordnung der Druck- 
orte so viel als möglich befolgt wurde. Augsburg, Basel, Eichstädt, Esslingen, 
Lübeck, Memmingen, Rostock, Strassburg waren durch die ersten (beziehungsweise 
ersten datierten) Drucke vertreten. Das Lübecker Rudimentum novitioram von 1475 
mit den ersten in Holzsehnitt (und Typendruck) hergestellten. Karten, ebenso das 
Würzburger Brevier von 1479 mit dem ersten eingedruckten Kupferstich fand viel 
Beachtung. Besonders wurde auf den seit einigen Jahren sicher bestimmten Druck- 
ort Kirchheim i. E. hingewiesen, der mit Thomas Murner's Tractatus de phytonico 
contractu, 1499, vertreten war. Daran schlossen sich die sehr seltenen englischen 
Drucke Caxtons, Wilh. von Mecheln und Wvynkvns de Wonde (darunter Raoul Lefèvre, 
Jason; die culturhistorisch interessanten "Tenores novelli des Thomas Littleton; Barth. 
de Glanvilla, De proprietatibus rerum; des Jacobus de Cessolis Schachbuch; Gott- 
fried's von Bouillon Thaten u. a.) und Drucke aus Dänemark, Schweden und Island, 
unter denen die auf Island in Holar 1584 gedruckte Uebersetzung der lutherischen 
Bibel und die curiose Atlantis des Olaus Rudbeck, von 1679—1702, von der ein 
Band auflag, besonderes Interesse erregten. 

Breiter Raum war den in der österreichisch-ungarischen Monarchie vereinigten 
Königreichen und Ländern zugewiesen, unter denen Wien aus naheliegenden Gründen 
seine eigene, sehr reich vertretene Abtheilung hatte, die weit über die Incunabel- 
zeit, mit des Georg Has schönen Plafondsentwürfen sogar bis 1581 reichte. Dass in 


Wien der Druck erst so spät auftritt, später als in Ungarn und Böhmen, ist durch 
seine culturbistorische Stellung in damaliger Zeit erklärlich. Von den ersten Drucken 
Wiens im Jahre 1482 lagen zwei auf. Später tritt die durch Centis nnd die huma- 
nistische Richtung überhaupt gepflegte Literatur in den Vordergrund. Ueberall han- 
delt es sich dabei um Büchlein geringen Umfanges. Auch die 1492 gedruckten 
Satiren des Persins (von Johann Winterburger) mit dem ersten breiten Durchschnss, 
für handschriftliche Bemerkungen berechnet, dienen Schulzwecken. Beachtung ver- 
dienten noch das erste gedruckte Hofceremoniell, wie es (1493) in der Ordnung des 
Leichenzugs Kaiser Friedtich's HI. zum Ausdruck kommt, in einer deutschen und 
einer lateinischen Auflage; des Matth. Heuperger Heilthumb-Buch. von. 1502; das 
einzige, vollstándig erhaltene. Exemplar von Hans Judenkunig, Underweisung auf der 
Lautten und Gevgen, 1523; die erste Wiener Feuerlöschordnung von 1534; des 
Rupert von Mosheim sonderbares Kynosophion 1535; des Hans Sachs Ordnung der 
römischen Kaiser 1531; das bei Crapht und Cimbermann 1555 gedruckte Neue Testa- 
ment in syrischen Lettern; Francolin's Tarnierbuch mit der Darstellung des inneren 
Burgplatzes, von 1560; des Petrus Canisius Katechismus von 1559 u.a. Die Länder 
der Wenzelskrone waren mit Drucken aus Brünn, Kuttenberz, Olmütz, Pilsen, Prag 
und Winterberg vertreten; theilweise ist freilich deren frühe Datierung nicht. ge- 
sichert. Bei den Drucken in nngarischer Sprache war die Erscheinung zu beob- 
achten, dass in Krakau (1533) und Wien (1537) früher solche Bücher hergestellt 
wurden als in Ungarn selbst, wo die erste nationale Druckerei sich 1541 in Uj- 
Sziget bei Sarvar mit einer Uebersetzung des Neuen Testamentes nachweisen lässt. 
Lateinisch druckte man dagegen in Ofen schon 1473; sowohl die Chronica Hunga- 
rorum als des heil. Basilius Traktat, wie man die Dichter lesen soll, vom Drucker 
Andreas Hess, beide von 1473, lagen auf. Besondere Aufmerksamkeit erregten die 
Unica: Simon Kozicic, Leben der Päpste und Kaiser, kroatiseh mit glagolitischen 
Lettern zu Fiume 1531, und die zu Wien 1615 gedruckte Uehersetzung des Kate- 
ehismus von Petrus Canisius. 

Zwei grosse Vitrinen waren Kaiser Maximilian I. gewidmet, um seine litera- 
rischen Bestrebungen und die damit im Zusammenhange stehenden künstlerischen 
Leistungen zu veranschaulichen. Neben einem prächtigen Exemplar des für die Ge- 
schichte des Druckes so wichtigen Theuerdank (Ausgabe auf Pergament von 1017) 
und den Probedrucken der dazu gehörenden Holzschnitte, die handschriftliche Be- 
merkungen des Ruisers zeigten, war der Weisskunig ausgestellt, und zwar der von 
Treitzsaurwein geschriebene Codex Nr. 3032, Codex 3033, interessant durch die Gegen- 
überstellung einer Federzeichnung und des gedruckten Holzschnitts, mit Beigabe des 
entsprechenden Holzstocks im Original. Original-Holzstöcke waren auch zu anderen 
Werken, wie zu den Ifeiligen aus der Sipp-, Mag- und Schwägerschaft des Kaisers» 
zur Genealogie, zum Triumphzug und zur Ehrenpforte zu sehen. Die letztere war in 
einem auf Leinwand aufzgezogenen Exemplar, wovon seinerzeit überhaupt nur vier 
Stück hergestellt worden waren, vorhanden, und der riesige Holzschnitt mit dem 
mehr als zehn Quadratmeter bedeekenden Flächenraum beherrschte die ganze Ab- 
theilung, in der er zur Aufstellung gebracht war. Der Neudruck wurde von den 92 
in der Hofbibliothek aufbewahrten Holzplatten im Jahre 1886 durch die Firma Holz 
hausen hergestellt; von den Schwierigkeiten, die dabei zu überwinden waren, macht 
man sich schwerlich eine richtige Vorstellung. Denn im Laufe der Jahrhnnderte 
hatten sich die Holzstóeke theilweise verändert, so dass Zwischenräume bis zu bei- 


u o 


läufig 1 Cm. durch ein sinnreiches Verfahren ausgeglichen und die zahlreichen, 
kleinen Verletzungen der Holzstócke weniger sichtbar gemacht werden mussten. — 
Nebsthei bewiesen lebhafte Anziehungskraft das handschriftliche Gebetbuch Maxi- 
milians (Cod. 1907) mit den reizvollen Streublumen auf Goldgrund in den Randver- 
zierungen, ferner sieben Blätter des Dürer'schen Triumphwagens von 1922, zwei 
Oririnaliminiaturen des Triumphzuges. das lebensvolle Porträt des Kaisers von 
A. Dürer, von dem nur noch in London und Berlin Abdrücke bekannt sind, u. a. 

Trotzdem den Drucken in deutscher Sprache ein ziemlich breiter Raum zu- 
gestanden worden war, musste auf eine grosse Zahl von Büchern, die für die Aus- 
stellung in Betracht gekommen wären, verzichtet werden. Nichtsdestoweniger gehörte 
auch schon die gebotene Auswahl zum Lehrreichsten und Interessantesten, Es lagen 
u. à. auf die bei Mentel und Egzestein gedruckten ersten Bibeln von 1466 und 1470. 
Pareival und Titurel von Günther Zainer, Augsburg 1477, die bekannte Schedel’sch® 
Chronik von 1493, der Plautus des Albrecht von Eyb (Augsburg 1518), die erste 
deutsche Uebersetzang der Homer'schen Odvssee von Simon Schaidenraisser (Augs- 
burg 1537), ein Band der zweiten Hans Sachs-Ausgabe (Nirnberg 1960), die seltenen 
Volksbiicher Pfatt vom Kahlenberg (Frankfurt 1556), Neidhart Fachs (ebenda 10966), 
Das Lalenbuch, die Schildbürzer von 1597 und die letzteren allein von 1598. dann 
eine beträchtliche Anzahl von Unieis: Herzog Ernst's Ausfahrt, Bamberg 1493; Se- 
bastian Brant's Narrenschift, Augsburg, Schönsperger 1495; das Volksbuch vom 
Bruder Rausch, Strassburg, Hupfuff 1515; des Leonhart Freyssleben Spiel von der 
Weisheit und Narrheit, Augsburg, Ulhart ca. 1550; das älteste Faustbuch, Frank- 
furt, Spiess 1587; Kine schöne neue Zeitung so Kayserl. Mavestat auss India zu- 
kommen seind o. QO. u. I. uud. eine grössere Zahl anderer deutscher Drucke. Dazu 
war hier ein Band der vielumstrittenen Wenzelsbibel mit seinen charakteristischen 
Miniaturen ausgestellt. So viele Erklärungen dieser Darstellungen auch versucht 
wurden und so reich und eingehend die Behandlung des ganzen Kreises von Hand- 
schriften mit ähnlichen Miniaturen ist, die in Jahrbuch der Kunstsammlungen des 
ah. Kaiserhauses, Bd. 14, gegeben wurde, man kann sich des Gefühls nicht 
ganz erwehren, dass noch ein ungelöster Rest bleibt. Wie passt zu der Annahme 
der in reicher Allegorie dargestellten „Gattenliebe” Wenzels vor allem die öfters er- 
scheinende Mehrheit der Bademädchen? Wie wäre damit der Sinn der Worte toho 
pzde toho, wenn er wirklich das bedeuten könnte, was er bedeuten soll, vereinbar? 
Was hat endlich die Darstellung einer solchen Privatangelegenheit des Königs sogar 
auf dem Innengewólbe des Altstädter Brückenthurms zu thun? Vielleicht handelt es 
sich dabei doch um ein heute nicht mehr, damals aber sehr wohl bekanntes Vor- 
kommnis. 

Auch die Abtheilung der romanischen Sprachen bot viel Bemerkenswerthes. 
Vor allem fielen die grossen Seltenheiten der spanischen Auswahl auf, deren einzelne 
Stücke sich meist nur dureh das aufliegende Exemplar erhalten haben. So die Coplas 
des Fernan Perez de Guzmann, Sevilla 1492; des Diego de Valera, Cronica de 
Espafia, Salamanca 1493; die Coronica del Cid Rue Diaz 1498, die zu Sevilla in 
selben Jahre gedruckte Historia de Enrique, rey de Jerusalem; die Leyes hechas 
por el rey Don Fernando e la reyna Dona Ysabel, 1499. Frankreich war durch die 
erste Ausgabe des Lancelot du Lac von 1488, Breydenbachs Reisen vom selben Jahre 
das erste illustrierte Buch Frankreichs); Jacques Milet, Destruction de Troye, Lyon 
1491, Seb. Brant's Narrenschiff, Paris 1499 u. a. m. vertreten, 


ca TO ins 


Wirkungsvoll war auch der Eindruck der für Italien bestinimten Vitrinen. 
Es wird nicht sehr viele Bibliotheken geben, die z. B. den Mantuaner Druck von 
Dante's Divina Commedia neben den von Foligno legen können (beide 1472): Boc- 
caccio's Decamerone, Mailand 1476, besonders aber die Luxusausgabe von Petrarca's 
Canzoniere, Venedig 1470, fiel dureh ihre breiten Ränder auf u. a. m. Wichtig sind 
die Erwägungen allgemeiner Natur, zu denen die italienischen. Drucke führen, in 
denen sich eine andere (Cultur dem damaligen Norden gegenüber ausspricht. Dies 
tritt in dem Verschmáhen der vothischen Lettern, in der entsehiedenen Bevorzugungz 
der grossen Literatur, gegenüber Bibeldruck und Büchern zu praktischen Zwecken 
an anderen Orten, endlich in der geschmackvollen Ausstattung zutage. Auch hier 
waren einige Handschriften zum Vergleiche ausgelegt. 

Die Balkanlànder waren soweit es der Raum zuliess vertreten, Rumänien 
z. B. mit seinem ältesten vollständigen Bibeldruck von 1688 zu Bukarest. Monte- 
negro mit zwei Büchern des Druckers Makarius, dem Cetinjer Psalter und dem 
Oktoich; hier war auch Truber's Postille (mit glagolitischen Lettern in Tübingen 
gedruckt) wohl wegen ihrer „krobotischen“ Sprache eingereiht. Constantinopel war 
durch einen Druck seiner Staatsiruckerei von 1730 repräsentiert, Ioldermann's tür- 
kische Grammatik auf verschiedenfarbigem Papier, Auch andere orientalische Drucke 
waren hier zu sehen; hebräische aus Italien (schon vor 1480), arabische Drucke des 
16. Jahrhunderts aus Heidelberg und Rom, ein persisches Buch mit daneben aus- 
gestellter Handschrift der Makämen des Hariri, voll von prächtigen Miniaturen, 
Armenisches u. a. 

Eine eigene, umfangreiche Reihe von Schränken nalım die Musikalienabthei- 
lung der Hotbibliothek in Anspruch, die, wie schon oben erwähnt wurde, sich am 
meisten von dem Charakter einer Incunabelansstellung entfernte, da sie selbst 
Werke der neuesten Zeit darbot. Aber so war es möglich, durch das autliegende 
Material, wenn auch nicht immer durch rein chronologische Anordnung, die Ent- 
wieklung des Notendruckes theilweise sehr detailliert zur Anschanung zu bringen. 
Den Anfang bildete das prächtige Kuttenberger Cantionale, dessen gemaltes erstes 
Blatt mit der Darstellung des Bergwerkes zu sehen war (Cod. 15.901). Sowohl das 
rothe Liniensystem, als die Choralnoten und auch der Text sind hier noch ge- 
schrieben. Später wurde wenigstens der Text gedruckt, das übrige handschrittlich 
eingetragen; das Liniensystem ist zuerst vierlinig, dann füntlinig und wieder theils 
in Leisten gedruckt, theils aus einzelnen Stücken zusammengesetzt, theils ohne, 
theils mit Berandung. Die Noten druckte man mit Platten *), doch meist mit Typen 
in schwarzer Farbe auf das rotlie Liniensystem ; ganz unsicher ist das äusserst 
mühsame Druckverfahren mit Handstempeln. Für kleinere Stücke, z. B. Noten’ 
beispiele, konnte man später mit dem Metallschnitt das Auslangen finden, für die 
Reproduction ganzer. Werke würde das Verfahren zu kostspiclig gewesen sein. Den 
ersten Fortschritt bezeichnen dann Petrucei’s Mensural-Notentypen:; von ihm war 


*) Wenn es sich darum handelt. bei Jo. Gersou's Collectorium super Magnificat 
von 1473 (Hain 7717) vom technischen Standpunkte ans zu entscheiden, ob Platten- 
oder Typendruck vorliege, dann hat die erstere Ansicht den Vorzug. Gerade das 
aufliegenle Exemplar zeigte Characteristica der Platte. Ferner druckte Fyner ja 
l ast zu gleicher Zeit hebräische Buchstaben aus Platten. 


= Wa 


Josquin's de Prés Liber primus missarum, Venedig 1502, aufgelegt; auch ein Druck 
Erhard Óglin's in der Art Petrucci's (Tritonius, Melopoiae tetracenticae, Augsburg 
1507) war zu sehen. 

Den zweiten grossen Fortschritt brachten die Typen Pierre Haultin's, bei 
denen zu jeder Note nur die von ihr durchschnittenen Linien unzertrennlich ge- 
hörten, während die übrigen Theile separat, theils darüber, theils darunter, wie es 
eben nöthig war, angesetzt wurden. Dann kommt Breitkopf in Leipzig mit seinen 
zerlegbaren Typen. Wer das erste so gedruckte Werk, den Trionfo della fedeltà 
von 1756, sah, musste die Kunstfertigkeit der Arbeit und deren Schönheit be- 
wundern. Das Kupferstichverfahren und die Lithographie, wofür auch Beispiele 
aufgelegt waren, ist uns ja allen bekannt. 

Auf eine würdige Vertretung der reichen Kartensammlung musste leider ver- 
zichtet werden, nur eine kleine, aber doch interessante Auswahl war da: die Geo- 
graphie des Berlinghieri, Florenz ca. 1480; der zu Wien 1520 gedruckte Solinus mit 
jener Karte, worauf zum erstenmale der Name „America“ vorkommt; das einzige 
bekannte Exemplar der zu Antwerpen 1559 in Holz geschnittenen Karte der Dith- 
marschen; dazu noch die Pergament-Handschrift Nr. 594, ein Portolan von Pietro 
Vesconti, der älteste bisher überhaupt bekannte. 

Endlich muss noch auf einige Schränke mit besonderen Seltenheiten hin- 
gewiesen werden. In einer Vitrine war das einzige vollständige Exemplar von 
Michael Servet's Wiederherstellung des Christenthums von 1533, das einzige er- 
haltene Exemplar von William Roy's Kleinem Tractat für alle Christen von 1527, 
das einzige Exemplar der ersten Auflage von der Introduction à la vie dévote des 
S. Franciscus Salesius aus dem Jahre 1609, nebst dem einzigen Pergamentexemplar 
von Peutinger's Lateinischen Inschriften von 1505 mit Gold- und Rothdruck, ein 
kirchenslavisches Missale mit glagolitischen Lettern, Venedig 1483, und dann die 
in mikroskopischer Schrift geschriebene und mit Federzeichnungen versehene Divina 
Commedia der Hofbibliothek (eine Handschrift von 2:4 Cm. Hóhe, Codex 2666) auf- 
gelegt. In einem anderen Schranke befanden sich eine griechische Handschrift des 
Dioscorides aus dem 7. Jahrhundert mit den Abbildungen der Alraunen (Mandragora) 
in männlicher und weiblicher Form, wozu die zwei aus Kaiser Rudolfs II. Samm- 
lung in Prag stammenden Wurzeln selbst zum Vergleich ausgelegt waren. Einen 
kleinen, gelungenen Scherz hatte sich die Bibliothek mit der Zusammenstellung des 
grössten, vor 1500 gedruckten Buches, des bei Mentel verlegten Speculum histo- 
riale mit seinen 698 Folioblättern, und des kleinsten, Galileo Galilei's Brief an die 
Herzogin Christine von Lothringen, Padua 1596, gestattet. 

Ueber alle Erwartungen hat die Ausstellung in der Oeffentlichkeit Beachtung 
und Anklang gefunden, sie wurde von weit über 16.000 Personen besucht, von den 
höchsten Spitzen des Staates bis zum einfachen Arbeiter, von Fachleuten und 
Laien, von denen die meisten wohl zum erstenmale eine solche Fülle bibliographi- 
scher Schätze kennen zu lernen in der Lage waren. Die Ausstellung hat augen- 
scheinlich einem Bildungsbedürfnis breiter Massen entsprochen und gewiss in vielen 
Richtungen nachhaltige Anregungen gegeben. Und das wäre doch der schönste Lohn 
für alle die Mühe, die sie gekostet hat. 


et. ZE. e 


Der alphabetische Bandkatalog. 
III. 


Während F. Baumhackl in seinen diesen Gegenstand betreffenden Aus- 
tührungen (vergl. Jgg. III, S. 59) die Frage des alphabetischen Hauptkataloges ohne 
directe Beziehung auf einen concreten Fall besprach, hat Regierungsrath Meyer 
bei seinen Erürterungen der Frage (vergl. Jgg. IV, S. 29) von der an der k. k. Uni- 
versitäts-Bibliothek in Wien immer dringender werdenden Nothwendigkeit, den alpha- 
betischen Bandkatalog zu erneuern, seinen Ausgang genommen. Im wesentlichen 
stimmen beide Vorschläge darin zusammen, dass sie das sogenannte „Spatiensystem“ 
empfehlen, also die Form des Nachschlagekataloges, die an der Wiener Universitäts- 
Bibliothek für die Neueintragungen seit der Neuanlage des Nachschlagekataloges im 
Jahre 1847 tlhatsächlich besteht. Im Princip ändert keiner der beiden Vorschläge 
daran etwas, wenngleich sie beide bemüht sind, zu zeigen, wie die Uebelstinde des 
Spatiensystems zu vermindern wären und die Fortführung des Katalogs erleichtert 
werden könnte und müsste; beachtenswert sind in dieser Hinsicht die Vor- 
schläge Meyer's. Ich kann dabei die Bemerkung nicht unterdrücken, dass mich 
zunächst die Ausführungen Baumhackls gegen den Vorgang, zwischen den 
Schlagworten leere Räume für die Nachträge zu lassen, wie ein Anachronismus an- 
mutheten, da ich kaum annehmen kann, dass man heute an einer grossen, wissen- 
schaftlichen Bibliothek daran denken sollte, einen Nachschlagekatalog in dieser un- 
praktischen und veralteten Weise anzulegen. Mit Recht hebt Baumhackl die 
Uebelstände dieser Katalogform hervor, und es kann meines Erachtens kein Zweifel 
sein, dass der von ihm und dann auch von Meyer befürwortete Vorgang, zumal 
die Interfoliirung, jenem bei weitem vorzuziehen ist. 

Allein meiner unmassgeblichen Meinung nach haften dem Princip selbst -- 
den Bestand streng alphabetisch abzuschreiben und für die Zawächse nur gewisse 
Spatien auszumessen und innerhalb derselben die Einträge accessorisch ohne strenge 
alphabetische Abfolge zu machen — aber auch der entschiedenen Verbesserung 
dieses Princips nach. dem Meyer'schen Vorschlag noch viele Uebelstände an. Es 
dürfte sich daher der Mühe verlohnen, eingehend zu erwägen, ob sich nicht eine 
Form finden liesse, die es ermöglicht, einen Nachschlagekatalog herzustellen, der 
jederzeit streng alphabetisch geführt werden kann, so dass der alphabetische Band- 
katalog, denn auch ich habe einen solchen im Auge, auch wirklich ein Nach- `’ 
schlagekatalog ist und man die gewünschten Titel in den meisten Fällen durch 
blosses Nachschlagen findet und möglichst wenig suchen muss. Denn fraglos ist 
es die Bestimmung des alphabetischen Bandkataloges , dass die Titel rasch und 
leicht gefunden werden können, und das ist nur möglich, wenn er jederzeit streng 
alphabetisch gehalten wird. Bereits vor anderthalb Decennien hat Keysser (vergl. 
Centralbl. f. Bibliothekswesen, Jgg. II, S. 6) sich folgendermassen geäussert: „Es 
ist wohl keine Frage, dass nicht blos der Zettelkatalog oder der feste Buchkatalog, 


*) Siehe Jgg. IIT, Nr. 3 und Jgg. IV, Nr.3. Zur Sache vergl. auch F.A. 
Mayer, Centralbl. f. Bibliothekswesen, 1900, S. 131. 


oo, Moi e 


sondern irgendeine combinierte Form der Katalog der Zukunft sein wird, jedenfalls 
soweit es sich um die Anlage neuer Kataloge handelt, welche dem Publicum in die 
Hände gegeben werden sollen.“ Er beschreibt daselbst auch den in einer Bibliothek, 
in Heidelberg, bereits damals bestehenden derartigen Katalog. Aber unabhängig davon 
habe ich, hauptsächlich angeregt durch den Besuch englischer Bibliotheken (1889), 
meinen Vorschlag für die Herstellung eines jederzeit streng alphabetisch zu führenden 
Bandkataloges gewonnen. Und dieser Vorschlag läuft darauf hinaus, dem Katalog, 
— um es kurz zu sagen, denn nur der Abkürzung wegen gebrauche ich dieses 
Wort, obwohl dia Sache damit nicht erschöpft ist — die ,Albumform“, in ge- 
wissem Sinne, zu geben. 

Meines Erachtens sollte die Frage der Herstellung eines geeigneten Nach- 
schlagekataloges nicht für sich allein erwogen werden, denn sie hängt mit der 
ganzen Frage der Katalogisierung aufs innigste zusammen und ist eine der wichtigsten 
des ganzen Bibliotheksgescháüftes. Es darf gewissermassen als eiu besonderer Glücks- 
fall bezeichnet werden, wenn an einer Bibliothek die Nothwendigkeit besteht, 
etwas Neues zu schaffen; die Aenderung des Bestehenden ist dann kein überflüssiger 
Luxus, sondern die unvermeidlich gewordene Erfüllung eines Bedürfnisses. Dann 
muss aber auch die Frage nach allen Richtungen erwogen werden, damit nicht vor- 
zeitig und auf unabsehbare Zeit hinaus durch das unzulüngliche Bessere dem ent- 
schieden Guten präjudiciert werde. Da ich demnächst an anderem Orte die Frage im 
Zusammenhange zu behandeln gedenke, wobei auch die betreffenden Einrichtungen 
fremdländischer, besonders deutscher Bibliotheken dargestellt werden sollen, so 
glaube ich hier davon absehen zu kónnen. Aber im Interesse der Sache glaubte ich 
mich der Aufforderung der Redaction meinen Vorschlag auch hier mitzatheilen nicht 
entziehen zu sollen. Ich beschränke mich daher darauf, ein Katalogblatt, wie ich es 
durch den Universitütsbuchbinder Rauter herstellen liess, hier kurz zu beschreiben 
und daran einige Bemerkungen zu knüpfen. 

Das Blatt besteht eigentlich aus zwei Foliobláttern, die übereinandergelegt 
und oben, unten und in gewissen Zwischenräumen so aneinandergeklebt werden, dass 
durch Ausschneiden von Mittelfeldern leere Räume, etwa in der Höhe von 2 Cm., 
entstehen, in welche aus schwachem Carton hergestellte Streifen mit den Titel- 
abschriften oder aufgeklebten Titeldrucken eingeschoben werden können. Die strenge 
alphabetische Folge wird dorch Verschieben aufrecht erhalten. Es lassen sich 10 
bis 12 Titel auf jeder Seite unterbringen. Auf der linken Seite des Blattes 
ist ein beweglicher Falz angebracht, damit die Blätter leichter in die Bände eingefügt 
oder besser zu Bänden vereinigt werden können. Voraussetzung der ganzen Einrichtung 
ist, dass der Katalog aus einer grossen Anzahl von Bänden besteht und die einzelnen 
Bände nur wenig umfangreiche Theile der einzelnen Buchstaben des Alphabets ent- 
halten, so dass das Nachschlagen, Ergänzen und Verschieben leicht bewerkstelligt 
werden kann. Durch jeweiliges Einfügen neuer Blätter, das durch die an den letzteren 
befindlichen beweglichen Falze leicht möglich ist, kann erzielt werden, dass das Ein- 
schieben erleichtert und das Verschieben, um die alphabetische Ordnung aufrecht 
zu erhalten, sich in engeren Grenzen halte. Empfehlen würde es sich deshalb auch, 
nicht Bände mit festem Rücken zu bilden, sondern — etwa auch in der Form des 
Shannon-Registrator — die Bände so einzurichten, dass sie die Aufnahme 
neuer Blätter und Aenderung ihres Umfanges, der jeweilig auf dem Rücken anzu- 
geben wäre, durch blosses Aufklappen ermöglichen. 


— 80 — 


Die Vortheile dieses Vorschlages liegen, glaube ich, auf der Hand, und sie 
bestehen nicht allein, was allerdings schon an sich nicht hoch genug angeschlagen 
werden kann, in der Gewinnung eines jederzeit in streng alphabetischer Abfolge zu 
haltenden Nachschlagekataloges. Was nicht minder werthvoll sein dürfte, ist fürs 
erste das Entfallen des Eintragens in die Katalogbünde selbst durch die Beamten, 
ein Uebelstand, der allzusehr unterschätzt wird. Denn einerseits ist, besonders in einer 
stark benützten ‚Bibliothek, wie z. B. die Wiener Universitäts-Bibliothek, das Ein- 
tragen durch die Benützung und die Benützung durch das Eintragen gar sehr behindert, 
andererseits kann diese Eintragung unmüglich ganz sorgfültig sein, zumal was die 
Schrift anlangt. Nach meinem Vorschlag würden die Titelstreifen gleichzeitig mit 
den Titelcopien für den Zettelkatalog von den Beamten an ihren Schreibtischen hergestellt 
werden. Es bóte sich aber auch die Móglichkeit, einerseits von den Titeldrucken, 
z. B. auch von dem alljührlich erscheinenden, auf Seidenpapier einseitig gedruckten 
(zum Einkleben bestimmten) Verzeichnissen der Schul. und Universitütsschriften, 
andererseits von technischen Vervielfältigungsmitteln, wie insbesondere der Schreib- 
maschine, Gebrauch zu machen. Ich habe mich durch eigene Versuche davon 
überzeugt, dass mittels der Schreibmaschine sich gleichzeitig eine grössere Anzahl 
von Titelabdrucken auf dünnem Papier gewinnen lassen. Würde man sich dazu ent- 
schliessen, die Schreibmaschine für diesen Zweck zu verwenden, so entfiele für die 
wissenschaftlichen Beamten mit einem Schlage eine Menge Arbeit.*) Man sieht, 
die ganze Herstellung der Kataloge würde dann auch bedeutend vereinfacht 
werden. Aber es bietet sich sofort ein weiterer Vortheil: es liesse sich dann auch 
entweder der eine Katalog so einrichten, dass er dem alphabetischen und sachlichen 
Princip zugleich diente, oder es liessen sich, falls man getrennte Kataloge vorzieht, 
beide, ein alphabetischer und ein sachlicher (sei es Real-, Schlagwort- oder syste- 
matischer) Katalog gleichzeitig anlegen. Endlich könnte man mit der Herstellung 
des oder der Kataloge sofort beginnen, während die Herstellung von „rein alpha- 
betisch geschriebenen, mit einem gewissen Zeitpunkte abgeschlossenen Bänden des 
alphabetischen Kataloges“ die vorher durchgeführte und jedenfalls eine längere Zeit 
beanspruchende Revision des ganzen Bestandes zur nothwendigen Voraussetzung hat. 
Woran man schliesslich auch denken muss: es werden dann die Kataloge, wenn 
schon nicht dem ganzen Publicum, was ich für das richtigste hielte, so doch grösseren 
Kreisen direct zugänglich gemacht werden können, wie es anderwärts schon längst 
im Interesse der Benützer und der Beamten der Fall ist. 

Mit dem einen vom Buchbinder nach meiner Angabe hergestellten Blatte 
kann natürlich die Frage der technischen Herstellung nicht erledigt sein und auch 
die praktische Durchführung bedarf gewiss noch der Erwägung. Erst bei einem 
Versuch im grossen, den ich natürlich nicht machen konnte, kann sich zeigen, 
welche technischen Verbesserungen noch möglich sind und auch wie hoch sich die 
Kosten stellen, die natürlich bei Herstellung im grossen geringer sein werden. 
Das verkenne ich freilich nicht, dass diese Kosten sich höher stellen werden, als 
für einen Katalog alten Stils, wenn der Ausdruck gestattet ist. Allein der Kosten- 
punkt darf meines Erachtens nicht ausschlaggebend sein. Massgebend muss 
wohl die Erwägung sein, ob auf diesem Wege die Bibliothek, was ihr nicht nur 

*) Es wäre daun auch möglich, die Ordnungsworte, etwa durch Wahl von 
rossen Buchstaben, deutlicher hervortreten zu lassen. 


"E UE 


um ihretwillen, sondern viel mehr noch im Interesse der sie benützenden Gelehrten 
und des immer grósser werdenden Leserkreises so dringend noththut und lüngst ein 
in allen Kreisen gefühltes Bedürfnis ist, Kataloge erhält, welche die volle Aug, 
nutzung des Bücherschatzes ermöglichen und den Dienst erleichtern. Denn von allen 
Ausgaben, die eine Bibliothek erfordert, sind jene für die Kataloge die dringendsten. 
Die Raumfrage endlich, denn natürlich erfordert ein Katalog nach meinem Vor- 
schlag einen grösseren Raum, darf, glaube ich, von keinem entscheidenden Einfluss sein, 
denn, wenn die Bände in aufrechten Schränken stehen, kann die Lösung dieser 
Frage keine müberwindliche Schwierigkeit bieten. Ich glaubte deshalb meinen Vor- 
schlag, der bereits bei der ersten Bibliothekarversammlung gelegentlich des Dresdener 
Philologentages 1897 von hervorragenden Fachmánnern sehr beifüllig aufgenommen wurde, 
der eingehenden Erwägung und der Erprobung der massgebenden Factoren empfehlen 
zu sollen. Ich kann aber nicht umhin, ausdrücklich zu betonen, dass die Form des 
Kataloges, die ich vorschlage. nur als Mittel zum Zweck von mir empfohlen wird, . 
eine durchgreifende Reform der ganzen Katalogisierung anzubahnen, die sich zum 
Ziele setzen muss, dass die Bücherschátze nicht lediglich nach einem Princip, 
sondern gleichzeitig nach allen in Betracht kommenden Gesichtspunkten katalogisiert 
werden, und dass die Erreichung dieses Zieles auch in meinen Augen das Wesent- 
liche ist. Denn man kann füglich eine Bibliothek eigentlich insolange nicht 
katalogisiert nennen, als sie nur einen alphabetischen Katalog führt; eine Bibliothek 
ist vielmehr erst dann katalogisiert, wenn ihre Bestände gleichzeitig auch sach- 
lich verbucht werden, so dass die Bücher in jedem Falle, also auch wenn der 
Autor oder das anonyme Ordnungswort nicht bekannt ist, in den Katalogen 
gefunden werden können. Die Befriedigung dieses Bedürfnisses ist nun aber längst 
unaufschiebbar geworden; es scheint mir daher das natürlichste zu sein, sie mit der 
unerlisslich gewordenen Neuanlage des alphabetischen Kataloges zu verbinden. 
Dr. Frankfurter. 


IV. 


Ein neuer Zettel-Buch-Katalog. 


Auch die Innsbrucker Universitäts-Bibliothek muss die Erneuerung ihres alpha- 
betischen Buchkataloges ins Auge fassen. Gegen die Beibehaltung des alten Typus 
grosser Foliobände sprechen die grossen, sofort zu leistenden Anschaffungskosten. 
die Schwierigkeit, bei rationeller Raumausnützung die alphabetische Anordnung auf- 
recht zu halten und die Nothwendigkeit, trotz vorsichtiger Spationierung über kurz 
oder lang, und dann immer häufiger, vollbeschriebene Blätter umschreiben zu müssen. 
Auch die Buchbindertechnik ist noch nicht so weit, das Auswechseln der Blätter 
und insbesondere den Ersatz einzelner durch mehrere Blätter in allzu häufiger 
Wiederholung innerhalb desselben Bandes ohne Nachtheil für Baud und Blätter vor- 
nehmen zu können. Ueberdies ist es immerhin nicht unbedenklich, die Kataloge zu 
solchen Arbeiten aus den Anstaltsräumen entfernen zu müssen. 

Man entschloss sich daher, den alten Buchkatalog nur mehr zur Eintragung 
der Druckschriften bis einschliesslich 1899 zu benützen und für die neueren Druck- 
schriften versuchsweise einen neuen Handkatalog in der Form eines Zettel-Buch- 
Kataloges zu verwenden. 


— 89 — 


Unter den Voraussetzungen, dass die .einzelnen Zettel rasch und fest ver- 
bunden und rasch gelöst werden können, und dass der Gebrauch dieser Zettelbände 
keine rasche Abnützung der Zettel zur Folge hat, entspräche diese Katalogform den 
wichtigsten Anforderungen an einen stark gebrauchten Nachschlagekatalog.. Bei dem 
kleinen Umfange der einzelnen Bände ist die gleichzeitige Benützung eines möglichst 
grossen Theiles des ganzen Kataloges möglich; die alphabetische Anordnung der 
Ordnungswörter kann streng eingehalten werden; denn jedes Blatt enthält nur. ein 
Ordnungswort. Die Titel sind so am raschesten auffindbar. .Wird innerhalb. stark 
vertretener anonymer Ordnungsworte mit der Zeit eine übersichtliche Gliederung 
nöthig, so bedingt dies das Umschreiben nur eines oder weniger kleiner Zettel; 
denn bei Schlagworten wie „Zeitschrift“ u. dergl. kann ja von vornherein durch die 
Aufnahme genügend vieler Zettel eine alphabetische Gliederung wenigstens innerhalb 
bestimmter Spatien vorgesehen werden. Das kleine Format verhindert überdies selbst 
bei Beschränkung des Zettels auf ein Schlagwort eine empfindliche Raumver- 
schwendung. 5 

Man entschied sich für den Zettel-Buch-Katalog, weil eine Construction ge- 
funden wurde, die keine Durchlochuug der Zettel erfordert, eine rasche und sehr 
feste Verbindung der Zettel gestattet und ausserordentlich billig ist.. 

Die Querzettel (21'/, x 17'/, Cm.) sind in einer Entfernung von 1'/, Cm. vom 
linken, dem Buchrücken entsprechenden Rande oben und unten 1'/, Cm. tief, 
2!/, Cm. breit rechtwinklig eingekerbt. Die ?/, Cm. starken Buchdeckel decken sich 
mit den Zetteln und sind genau wie diese eingekerbt, überdies vertical zwischen 
der oberen und unteren Kerbe canneliert. In dieser Rinne liegt ein in die Kerbe 
vollkommen passender 2'!/, Cm. breiter Schnallenriemen. Die äusseren Ecken der 
Kerben und die vorderen Ränder der Zettel sind abgerundet, um ein Spiessen der 
Zettel beim Legen zu vermeiden. Die Deckel sind 4 Cm. vom linken Rande weg 
gebrochen und aufklappbar, beim Innsbrucker Katalog auch durch einen Leder- 
rücken miteinander verbunden. Selbstverständlich lässt sich aber auch, wenn auf 
grosse Erweiterungsfähigkeit des Bandes Rücksicht genommen wird, der fixe durch 
einen beweglichen Rücken ersetzen. In diesem Falle beschränkt sich allerdings die 
beschreibbare Zetteltliche, da ja der Katalog beim Oeffnen sich nicht wirft und die 
in der Mitte befindlichen Blätter gegen den Buchrücken zu mehr Raum verlieren. 
Dieses Sich-nicht-werfen ist der fühlbarste Nachtheil dieses Katalogtypus und wird 
nur deshalb nicht zu sehr empfunden, weil der Band handlich ist und seine Be- 
nutzung der streng alphabetischen Anordnung halber sich in kürzester Zeit ab- 
thun lässt. 

Ein Vergleich des Kerb- und des Durchlochungssystemes ergibt, dass die 
Manipulation beim ersteren mindestens so rasch erfolgt wie beim letzteren, dass aber 
jenes den Vorzug der Billigkeit und Schonung der Zettel voraus hat; die mit dem 
Riemen verbundenen Zettel sind absolut unverrückbar. 

Durch Einlegen schmaler Falze am Bandrücken dürfte es übrigens móglich 
sein, auch bei Zettel-Buch-Katalogen grossen Formates das Sichwerfen zu erreichen. 

Ein Zettel-Buch-Katalog, der in allen, auch den Mitteltheilen sich ausgezeichnet 
wirft, aber auf Perforation beruht, wurde vom Hilfsámterdirector der k. k. nieder- 
ósterreichischen Statthalterei geistreich construiert und verdient die grósste Be- 
achtung interessierter Fachkreise. Custos Dr. A. Hittmair. 


Ls UE uias 


LITERARISCHE BESPRECHUNGEN. 


(Wissenschaftliche Eintheilung des Kataloges der k. k. technischen 
Hochschule in Graz. Graz 1897. — Katalog der Bibliothek des mährischen 
Landtages und Landesausschusses, zusammengestellt von Hanäcek. Brünn 
1899. — Alphabetischer Katalog der Bibliothek der Handels- und Gewerbe- 
kammer für das Erzherzogthum Oesterreich unter der Enns. Wien 1898. — 
Ernst Schulze. Freie öffentliche Bibliotheken, Volksbibliotheken und Lese- 
hallen. Stettin 1900.) — Bereits im Jahre 1897 veröffentlichte die Bibliothek der 
technischen Hochschule in Graz die „wissenschaftliche Eintheilung“ ihres Kataloges ; 
nicht um einen Katalog als solchen handelt es sich also, sondern um das System, 
nach welchem er angelegt wurde, die Inhaltsangabe der systematisch geordneten 
Gruppen, unter denen die Werke im handschriftlichen Kataloge nachzusuchen sind, 
nebst einem Schlagwörterverzeichnis, als Anhang hiezu. Der „Katalog der Bibliothek 
des mährischen Landtages und Landesausschusses zusammengestellt von Hanácek. 
Brünn 1899“ kann unter einem betrachtet werden, weil auch hier derselbe 
Gesichtspunkt angenommen werden muss, der bei der (irazer Publication 
massgebend ist; denn auch bei diesem Kataloge wird es sich uns vorzugsweise 
um eine kritische Betrachtung des wissenschaftlichen Systemes, nach dem er einge- 
theilt ist, handeln. Es entspricht vollkommen dem praktischen Bedürfnisse, dass 
die kleineren Bibliotheken, wenn sie an die Drucklegung ihres Bücherbestandes 
gehen, dies in der Form eines systematischen Kataloges thun; denn einer kleinen 
Bibliothek gegenüber wird das Publicum immer den Standpunkt einnehmen, wissen 
zu wollen, was gerade aus diesem oder jenem Gebiete vorhanden ist. Die Katalog- 
publicationen kleinerer Bibliotheken, besonders der Fachbibliotheken, wie solche 
sind, um die es sich hier handelt, sind daher fast ausschliesslich systematisch an- 
geordnet. Jede Bibliothek macht sich dann nach ihrem Bestande und dem Be- 
dürfnisse, dem sie dienen soll ihr System zurecht; die Menge der Bücher aus den 
einzelnen Wissensgebieten ist überall anders, daher auch die Nothwendigkeit der 
Eintheilung. in immer kleinere und kleinste Unterabtheilungen überall verschieden ; 
in jeder Bibliothek wird auch jeder kundige. Leiter genau wissen, in welchem Ge- 
biete die eingehendsten Nachforschungen gepflogen werden — was sich nicht immer 
mit der Gruppe decken wird, in der der grösste Bestand ist —, er wird auch die 
Eigenheiten seines Publicums berücksichtigen. Es ist daher vollkommen gerecht- 
fertigt, dass jede Bibliothek sich nach ihrer individuellen Gestaltung ihr individuelles 
System schafft. Jeder Bibliothekar, der sich einmal eingehender damit befasste, 
weiss, wie schwierig gerade dies ist, und es bleibt daher — um mich zur ersten 
Veröffentlicbung, — der von der Grazer Technik stammenden zu wenden —- ein 
sehr dankenswerthes Unternehmen, eine so in das Detail gehende wissenschaftliche 
Eintheilung zu veröffentlichen. Dr. Ertl — der Bibliothekar der Grazer Technik 
— hat seinen Bestand in 33 Classen getheilt; er beginnt mit „Mathematik und 
mathematische Wissenschaften“ (Geometrie, Geodäsie, Astronomie, mathematische 
Geographie), hat dann als Gruppe Il die „Naturwissenschaften“, dann von III—XIV 
die verschiedenen „technischen Wissenschaften‘, XV die „öffentlichen Wohlfahrts- 
einrichtungen , insbesondere die öffentliche Gesundheitspflege“; auch hier befinden 
wir uns auf einem zum grössten Theile der Technik angehörenden Boden. Sehr ver- 
wandt mit ihr, vielfach Gegenstände betreffend, die an der Technik dociert werden, 


— 84 — 


sind Gruppe XVI—XVIII: ,Kunst, Ornamentik^ etc. Diese 18 Gruppen umfassen in 
der vorliegenden Eintheilung mit ihren ins Kleine gehenden Abtheilungen 16 Seiten, 
während die restlichen Gruppen 19—33 nur 4 Seiten ausmachen — gewiss ganz 
der Sache entsprechend. Wir haben da Staats- und Volkswirthschaft, Rechtswissen- 
schaft etc., Classe 23 „historische und andere Geisteswissenschaften“, 26 „Bibliotlieks- 
und Archivwesen, Bibliographien“, 28 „Systematik der Wissenschaften, Sammel- 
werke, Conversationslexika“, 29 „Militärwesen, Sport“, 31 „Vereinswesen“, 32 „Ver- 
schiedenes", 33 „Zeitschriften“. Es fällt vielleicht schon bei der Aufzählung dieser 
letzten Gruppen ein Mangel auf, den ich nur einen Formfehler, einen Fehler gegen 
die Aesthetik der Systematik nennen möchte, der aber leicht hätte vermieden werden 
können. Entweder sollte man in der Systematik vom einzelnen des betreffenden 
Wissensgebietes, dem die Bibliothek zu dienen hat, ausgehen, und dann immer zu 
weiter verwandten Gebieten fortschreitend schliesslich zu den allgemein umfassenden 
Gebieten der Encyklopädie etc. gelangen, oder man soll umgekehrt, wie es biblio- 
thekarisch schöner aussieht, mit dem Allgemeinen beginnen und von da rasch vor- 
wärts schreitend zu dem Gebiete gelangen, das man besonders herausarbeiten muss. 
Das System der Grazer Technik schlägt den ersten Weg ein, wie man aber sieht, 
nicht consequent. In den späteren Gruppen fehlt der leitende Gedanke der Ein- 
theilung. Auf historische und andere Geisteswissenschaften (darunter ist: „Philo- 
sophie, Theologie, Mythologie, Symbolik“ zu verstehen) folgt „Erd- und Völker- 
kunde“ — das passt —, „dann Unterrichts-, Erziehungs- und Schulwesen“, dann 
»Bibliothekswissenschaft“. Man kann ganz gut diese Gruppen beliebig vertauschen, 
aber gewiss hätte Classe 28, die, sagen wir kurz, die ,Encyklopüdie^ umfasst, als 
allgemeinste Gruppe an letzter Stelle stehen sollen, und man weiss nicht, warum 
auf einmal hinterdrein das Militürwesen und andere Dinge nachkommen. In den 
einzelnen Gruppen und Unterabtheilungen geht die Eintheilung umgekehrt immer 
vom allgemeinen aus und schreitet über das einfache, die Theorie, das allgemeinere, 
zu den Einzelfällen vor. Bei zwei verwandten Katalogen, die auch vielfach eine 
sehr verwandte systematische Eintheilung zeigen, dem der technischen Hochschule 
in Beilin 1885 und Hannover 1893, die nicht ganz ohne Einfluss auf den 
Grazer Katalog gewesen sein dürften, ist dieser Grundsatz des Fortschreitens vom 
Allgemeinen zum Besonderen viel klarer befolgt, besonders bei dem Berliner Katalog : 
I. Systematik der Wissenschaften, Encyklopüdien, Sammelwerke. II. Zeitschriften : 
a) Allgemeine, 5) Mathematik und Naturwissenschaft. III. Hilfs- und Taschen- 
bücher allgemeinen Inhaltes etc. Das macht entschieden einen übersichtlicheren 
Eindruck. In Einzelheiten des abgesehen von diesem nicht wesentlichen, nur 
formalen Fehler sehr verdienstvollen Systemes soll nicht eingegangen werden, jeder 
wird an jedem Systeme das oder jenes finden, was ihm nicht passt; dass die mathe- 
matische Geographie von der physikalischen getrennt ist und bei der Astronomie 
steht, dass Kalligraphie, Stenographie bei Fertigkeiten steht und nicht bei Gruppe XVI. 
Schriftwesen, könnte ich zweifelnd erwähnen. — In weitaus höherem Masse vermisst 
man den leitenden Gedanken des Systemes des in 9 Classen eingetheilten Kataloges 
des mährischen Landtages; hier muss man den Mangel eines solchen geradezu als 
grossen Fehler erklären. Classe I. „Reichs- und Landesvertretungen“, II. „Reichs- und 
Landes-Gesetzblitter ete.“, III. Bibliographie (— gut, einverstanden), — V. Finanz- 
wissenschaft, VII. Geographie, VIII. Geschichtswissenschaften, IX. Gewerbe — 
warum so? — Die Classen 3—19 sind alphabetisch geordnet, aber nur die Classen, 


cur i@hi a 


die Unterabtheilungen dann sofort nicht mehr. Bei der geringen Zahl von 19 Classen 
ist eine alphabetische Reihenfolge durchaus nicht besonders praktisch und thut dem 
Ganzen Zwang an. So kommt es, dass die „Philosophie“ zwischen der National. 
ökonomie und dem Polizeiwesen steht. Sehr verwandte Gebiete sind weit von ein- 
ander getrennt: Classe 5. „Finanzwissenschaft“, 11. Nationalökonomie, 16. Staats- 
wissenschaften. Bei den beim kleinen Umfange begreiflicherweise spärlichen Unter- 
abtheilungen ist jeder Eintheilungsgrund, auch der der alphabetischen Reihenfolge, 
zu vermissen. Classe 10. Landescultar: a) Agrarsachen, b) Wassersachen, c) Natur- 
kunde. Classe 14. Rechtswissenschaften hat 5) Rümisches Recht, c) Bergrecht, 
d) Grundbücher, e) Handels- und Wechselrecht etc.; auch hier folgt alles ganz 
willkürlich aufeinander. Eine solche Eintheilung ist schon mehr als „unschön“, 
Einige Worte möchte ich über das einer systematischen Eintheilung als Schlüssel 
stets werthvolle Schlagwörterverzeichnis sagen, welches dem Grazer System als 
Abtheilung 2 folgt. Es ist sehr brauchbar und dankenswerth, da es in vielen Fällen 
eine Unklarheit, wo man ein Werk suchen soll, beseitigt. Das Schlagwörterverzeichnis 
hat gerade die Einzelfälle, bei denen es nicht sofort klar ist, wohin sie einzureihen 
sind, herauszuheben‘ und alphabetisch zu ordnen. Wohin eine grosse Gruppe gehört, 
ist meist von vorneherein klar, aber wenn jemand eine Monographie über ein ganz 
specielles Thema wünscht, wird es ihm angenehm sein, nicht erst lange im syste- 
matischen Theile herumsuchen zu müssen, sondern gleich erfahren zu können, wo 
er die betreffenden Werke zu suchen hat. Das ist nun bei Ertl's Schlagwórter- 
verzeichnis nicht so der Fall, und ich möchte es als einen Mangel bezeichnen, dass 
er auf der einen Seite zu viel, auf der anderen zu wenig hineingenommen hat. 
Alle die Schlagwörter: „Chemie, Mathematik, Eisenbahnwesen, Maschinen-Ingenieur- 
wesen“ sind ja ohnehin sofort im Inhalt der I. Abtheilung zu finden. Diese grossen 
Classen sind dann im Grazer Schlagwörterverzeichnisse nach ihren Unterabtheilungen 
eingetheilt, nur dass auch sie hier alphabetisch geordnet sind. Da sie aber auch 
selbständig angeführt sind, so kommen die meisten Schlagwörter zweimal und öfter 
vor, Z. B. Árbeitsmaschinen sind eine Unterabtheilung vom Maschinen-Ingenieurwesen, 
wo verwiesen ist auf Classe VIII, C. 1; dann stehen sie wieder bei Mechanik, 
dann selbstündig, wo verwiesen ist auf Motoren, von Motoren wieder auf Maschinen- 
Ingenieurwesen. Anthropologie steht an vier Orten, erstens als selbständiges Schlag- 
wort, dann als Unterabtheilung bei ,Naturwissenschaften*, ,Erd- und Volkerkunde* 
und „Zoologie“. Es genügt vollkommen, es einmal unter „A“ zu finden. Umgekehrt 
findet man einzelne Schlagwörter, wenn sie nicht gerade Abtheilungen bilden, gar 
nicht. Wenn ein Leser der Grazer technischen Bibliothek schnell wissen will, wo 
er Werke über Krahne suchen soll, so findet er nichts, weil der Titel der betreffenden 
Gruppe Aufzugsvorrichtungen heisst. Er muss sich erst besinnen und nachdenken, 
wo er suchen soll. Ebenso fánde man nicht die Wórter Heizhausanlage, Filtrieranlage, 
Schlensen und ähnliche. Und gerade das wäre das Wichtigste, von Schlagwörtern. 
die nicht in der systematischen Eintheilung vorkommen, die leitenden Verweisungen 
zu erhalten. Darin liegt eben der Hauptwerth eines Schlagwörterverzeichnisses. Noch 
wenige Worte wären zu sagen nicht über das System, sondern über den Katalog 
des mährischen Landtages selbst. Die Verzeichnung der Werke erfolgte meistens 
nach den allgemein gebräuchlichen Regeln; besonders dort, wo ein Autor als Ver- 
fasser genannt ist, wird kaum etwas zu bemerken sein. Anders dort, wo man es 
mit einem anonymen Werke zu thun hat. So sollte man nicht immer in den alten 


ce AE E 


Fehler verfallen, die Herausgeber von Gesetzes- und anderen Sammlungen als Ord- 
nungswort zu nehmen, z. B. Geller, Leo, Oesterreichische Justizgesetze etc., wo 
die Arbeit des Herausgebers nur eine ganz nebensächliche ist. Inconsequenzen 
findet man auch viele: das „Gothaische genealogische Taschenbuch“ steht unter 
Gothaisch etc., das „Oesterreichische Rechtslexikon“ unter „Rechtslexikon, Oester- 
reichisches“. Dann wäre zu wünschen, dass die Werke eines Autors untereinander 
nach irgend einem Gesichtspunkte geordnet wären, am besten streng alphabetisch 
oder meinetwegen chronologisch: so folgen sie aber scheinbar ganz willkürlich, z.B. 
unter Dudik B. und sonst fast immer. Aber diese Dinge sind nebensächlicher Art, 
man könnte darüber hinwegsehen, wenn nicht das System, wie oben erwähnt, so 
überaus unklar wäre. Uebrigens ist die Arbeit des Landesrathes Dr. Hanáček 
nicht das Werk eines Bibliotheksbeamten, und es wäre daher unbillig, wenn man 
den strengen Massstab anlegen wollte, der Arbeiten eines speciellen Fachmannes 
gegenüber gerechtfertigt ist. — Von anderer Art ist der alphabetische Katalog 
der Bibliothek der Handels- und Gewerbekammer für das Erzherzog- 
thum Oesterreich unter der Enns. Wien 1898. Wie schon der Titel sagt, 
hat man es mit einem alphabetischen Autoren- und Titelkataloge zu thun, der von 
jeder Systematik absieht. Der in Druck und Papier schön ausgestattete Katalog 
gibt sich als eine neue Auflage des 1881 erschienenen Kataloges, ist aber, wie 
schon aus der Länge der Zeit sich erklärt, etwas ganz Neues geworden. Man muss 
anerkennen, dass er den Anforderungen, die man an einen solchen Katalog stellt, 
vollkommen entspricht. Dem praktischen Bedürfnisse ist vollauf Rechnung getragen, 
die Schriften der Handelskammern Oesterreich-Ungarns sind zusammengefasst und 
nach Voranstellung der allgemeinen Publicationen alphabetisch nach dem Sitze der 
Kammern und innerhalb dieser chronologisch geordnet (áhnlich wie es auch in der 
Wiener Universitüts-Dibliothek der Fall ist); unter dem Schlagwort „Statuten“ sind 
zuerst Banken, dann Baugesellschaften, Vereine etc. angeführt, innerhalb der nenn 
Gruppen die einzelnen Vereine etc. alphabetisch; — ähnlich sind unter dem Schlag- 
worte „Weltausstellung“ die Schriften über diese alphabetisch nach Orten geordnet, 
vereinigt. Vielleicht wäre es einfacher gewesen, auch alle unter „Exposition“ ange- 
führten Schriften dort anzureihen oder, da ja anch Fachausstellungen vorkommen, 
das Schlagwort „Ausstellungen“ za wählen und von Weltausstellungen, Fxposition, 
Fachausstellungen den Hinweis zu machen auf „Ansstellungen“. Ein ähnliches 
Sammelschlagwort ist Jahresbericht. Dieses ist untergetheilt in: Behörden, Gewerbe- 
kammern (nicht österreichische), Gewerbevereine, Handelskammern, Schulen, Gym- 
nasien, Realschulen ete. Unnóthig ist es, dass eine Reihe von Publicationen nochmals 
unter dem Schlagworte „Handelskammer“ vorkommt. Vielleicht hätten sich auch 
die nicht-österreichischen Handels- und Gewerbekammern, die allerdings oft in 
Handelskammern und Gewerbekammern getheilt sind, mit den ósterreichischen unter 
ein Schlagwort bringen lassen. Bei kleineren nicht streng fachmànnisch katalogisierten 
Bibliotheken ist immer der schwáchste Punkt die Wahl des Ordnungswortes anonymer 
Werke. Das in den grossen Bibliotheken feststehende Princip, das erste Substantiv 
im Nominativ als Ordnungswort zu nehmen, ist fast nie bekannt und der Beschrei- 
bung zugrunde gelegt. So finden wir im Kataloge der niederósterreichischen Handels- 
kammern das Princip, das bezeichnendste Wort als Ordnungswort herauszuheben, 
z. B. Tafeln zur Statistik der österreichisch-ungarischen Monarchie stehen unter „Oester- 
reich“. Wenn bei einem anonymen Titel menrere Bezeichnungen als richtig erscheinen, 


EE E 


wird auf jede von ihnen gewiesen. Z. B. ,Ergebnisse über die Frauen- und Kinder- 
arbeit in den Fabriken“ steht unter „Ergebnisse* und „Frauen- und Kinder- 
arbeit“ ; die Ergebnisse des Concursverfahrens in Oesterreich, veröffentlicht vom 
k. k. Justizministerium“ findet man unter „Ergebnisse“, „Concursverfahren“ und 
„Justizministerium“. Immer klappt es da wohl nicht mit den Verweisen, z. B. 
„Metermass, Einführung des...“ Siehe „Vorschläge“ und „Verhältnisse“; bei Ver- 
bältnisse ist aber nichts zu finden; .Metermass im Staatsforstdienste^ siehe ,Vor- 
schläge“, wo ebenfalls das Werk nicht steht. Nicht vollständig consequent ist der 
Katalog auch in der Stellung der Adjective in den Ordnungsworten. So finden wir 
neben „Geologische Reichsanstalt“ gleich „Gerichtszeitung, allgemeine österreichische“, 
neben „Leipziger polytechnische Gesellschaft“, — „Monarchie, die ósterreichisch- 
ungarische“. Auch hier scheint das Princip des wichtigsten Wortes massgebend ge- 
wesen zu sein. Im allgemeinen muss aber gesagt werden, dass der Katalog voll- 
konımen den Zwecken, für die er geschaffen ist, entspricht, so sehr auch die will- 
kürliche Beschreibung der anonymen Titel an und für sich anfechtbar ist. Ein 
Mangel des Kataloges scheint mir aber darin zu liegen, dass von den Bänden eines 
Sammelwerkes keine Hinweise existieren. Die Werke aus den „Deutschen Zeit- und 
Streitfragen“ von Holtzendorff (die merkwürdizerweise unter Holtzendorff 
stehen), gehen dadurch verloren. Ebenso ist z. B. unter „Bibliothek der besten Werke 
des 18. und 19. Jahrhunderts“, Bd. 1. „Tocqueville. Der alte Staat und die Re- 
volution.“ Wer wird dieses Buch ohne Hinweis dort sachen? Auch das wäre noch 
zu erwähnen, dass die Werke eines Autors nicht immer alphabetisch angeordnet 
sind, z. B. bei Helfert, Hesse-Wartegg etc., aber auch nicht chronologisch. 
Dass Franz Gräffer einmal mit zwei ff und dann mit einem f erscheint, dürfte 
wohl ein Druckfehler sein. Von diesen kleinen Fehlern abgesehen, ist der Katalog 
aber durchaus verwendbar und die Arbeit eine dankenswerthe. — Ein ganz 
anderes Gebiet der bibliothekarischen Thätigkeit behandelt Ernst Schulze's 
schönes Buch über freie und öffentliche Bibliotheken, Volksbiblio- 
theken und Lesehallen. Wer sich irgendwie für diese Seite des Bibliotheks- 
wesens interessiert, wird unbedingt Schulze’s Buch zur Hand nehmen müssen, 
welches sich würdig den englischen Büchern über diesen Gegenstand anreiht. In 
einer sehr lesenswerthen Einleitung wird die Frage „Ist eine Erhöhung der Volks- 
bildung nothwendig und nützlich?“ behandelt, dann folgt eine genaue Geschichte 
und Darstellung der freien und offentlichen Bibliotheken der Vereinigten Staaten von 
Nordamerika und England. Im 3. Capitel bespricht Schulze die Volksbibliotheken 
in Deutschland, die er sehr eingehend behandelt; im 4. die Volksbibliotheken der 
übrigen Länder. Hier werden auch die österreichischen Volksbibliotheken behandelt, 
die Schulze auf einer Studienreise im Jahre 1899 eingehend studierte. Da damals 
das Adressbuch der Bibliotheken der österreichisch-ungarischen Monarchievon Bohatta- 
Holzmann noch nicht erschienen war, sind Schulze manche Bibliotheken in der 
Provinz entgangen, was kein Vorwurf sein soll, da sein Gesammturtheil über die 
österreichischen Verhältnisse vollkommen richtig ist. Des weiteren behandelt der 
Verfasser in einem eigenen Capitel „die Einrichtung und Verwaltung von freien 
öffentlichen Bibliotheken“ und bietet hier ein ungemein reiches Material über alles 
Wissenswerthe in diesem Gebiete. In einem ungemein warm geschriebenen Capitel: 
„Und nun?* werden Winke gegeben für die Zukunft und Ausblicke gethan in 
Zeiten, wo es mit dieser Art der Volksbildung besser bestellt sein dürfte als heute. 


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Dieses Buch kann allen Freunden des Volksbibliothekswesens auf das würmste 
empfohlen werden. Dr. Him melbauer. 


AUS ÖSTERREICHISCHEN BIBLIOTHEKEN. 


(Neue Erwerbungen für die Musikaliensammlung der k. k. Hofbiblio- 
thek.) In inniger Verknüpfung mit dem intensiven Musikleben Wiens fasste da- 
selbst auch das Interesse für die historische Entwicklung der Musik frühzeitig 
Wurzel. Die Wiener Hofbibliothek begann — eine der ersten Anstalten, wenn 
nicht überhaupt die erste — schon in den Zwanzigerjahren Werke historischer Musik 
systematisch zu sammeln, um musikhistorische Studien an der Hand derselben zu 
ermöglichen. Die Anregung hiezu ging von ihrem damaligen kunstbegeisterten und 
musikalischen Prüfecten, dem Grafen Moriz v. Dietrichstein aus, der zuerst im 
Juni des Jahres 1826 den werthvollsten Bestand, der im Archive der altehrwürdigen 
Hofkapelle verschlossen und unbenützt dalag, für die Hofbibliothek erwarb. An diesen 
Grundstock reihte er nun Sammlung an Sammlung, theils durch Ankauf, theils durch Ge- 
schenke ; seine weitgehenden Verbindungen nützte er geschickt dazu aus, um von allen 
namhaften Tonsetzern seiner Zeit Autographe für die Hofbibliothek zu erhalten. Bei 
diesen Erwerbungen wurde er von seinen ebenso kunstsinnigen, wie auf dem Gebiete der 
Musikgeschichte tüchtigen Beamten J.F.v. Mosel und Anton Schmid eifrigst 
unterstützt. Kein Wunder also, dass die Wiener Hofbibliothek fiüher als jede andere 
Sammlung hinsichtlich der Musikalien einen Weltruf genoss. Nach Abgang Dietrich- 
stein's und der beiden genannten Beamten änderten sich leider die Ansichten und 
die Grundsätze bezüglich der Musikalien, wodurch es anderen Anstalten, die später 
zu sammeln begannen, möglich wurde, die Wiener Hofbibliothek wenigstens zeit- 
weilig in den Hintergrund zu drängen, ohne ihr aber den Rang und die wissen- 
schaftliche Stellung streitig machen zu können. — Mit der Leitung Sr. Excellenz des 
jetzigen Herrn Ministers für Cultus und Unterricht W.v.Hartel kam auch in die 
Musikaliensammlung neues Leben. Die beiden, auf seine Initiative von der kaiser- 
lichen Akademie der Wissenschaften bisher herausgegebenen Bände des Musikhand- 
schriftenkataloges haben die Welt auf diese bedeutende Sammlung wieder aufmerksam 
gemacht und der rege Zuspruch, dessen sich die Musikaliensammlung seither seitens 
des In- und Auslandes erfreut, beweist am besten, welchem Bedürfnisse mit der 
Drucklegung des Kataloges Abhilfe gebracht wurde und durch die noch folgenden 
Bände gebracht werden wird. Der gegenwärtige Leiter der k. k. Hofbibliothek, Herr 
Hofrath Karabacek, hat für dieses sonst vielfach unterschätzte Wissens- und 
Kunstgebiet glücklicherweise wieder Herz und Verständnis. Die Sammlung nacb 
Möglichkeit auszugestalten, zu ergänzen, zu fördern und ihren alten Ruf zu repri- 
stinieren, das ist das Ziel, auf welches hingesteuert wird und das mit Hilfe der 
Thatkraft an leitender Stelle sicher erreicht werden wird. Diesen Bestrebungen 
seitens der Direction ist es in erster Linie zu danken, dass die Musikaliensammlung 
in jüngster Zeit eine bedeutende Bereicherung, und zwar gerade auf jenem Gebiete 
erfuhr, auf welchem sie schon vordem einzig dastand: die Geschichte des Musik- 
dramas hat einen unschätzbaren Fond von neuem Studienmaterial erhalten. Der 
Grundstock wurde vom Grafen Dietrichstein schon im Jahre 1829 für die Hof- 
bibliothek erworben, indem er die Opern, Oratorien, Cantaten und andere Gelegenheits- 
compositionen, die sich seit den Zeiten Leopold's I. bis auf Franz I. im Hof- 


-. 89 —- 


kapellenarchive angesammelt hatten, der Hofbibliothek einverleiben liess. Was 
nun an charakteristischen Beispielen für diese Zeit noch fehlte und was für die 
Geschichte des Musikdramas in Wien in der folgenden Zeit bis fast auf unsere 
Tage herab an Musikalien besonders wünschenswerth war, ist nun jenem Grundstocke 
beigesellt worden, und damit tritt die Musikaliensammlang der Wiener Hofbibliothek 
hinsichtlich der Geschichte der Oper wohl an die erste Stelle. Mögen andere 
Sammlungen tür ihre Localverhältnisse ansehnlichere Detailbestände besitzen (wie 
z. B. die Mannheimer), einen Ueberblick über einen so grossen Zeitraum (von circa 
1640— 1890) und über so viele nationale Eigenthümlichkeiten dürfte wohl keine 
bieten kónnen als die der Wiener Hofbibliothek. Ausserdem ist diese Erwerbung 
auch noch aus einem anderen Gruude zu begrüssen: Die meisten Nummern um- 
fassen ausser der Partitur auch den Clavierauszug, die Auflagstimmen und den Text, 
letzteren vielfach mit scenischen Vermerken. Ueberdies werden es wohl alle, die 
sich mit der Geschichte der Oper beschäftigen, freudig begrüssen, dass nunmehr so 
viele Schätze dem Studium allgemein zugänglich werden sollen. — Von den älteren 
Opern sind nämlich nicht weniger als 315 in die Hofbibliothek übersiedelt, darunter 
Werke von Anfossy (1736—1797), Berton (1727—1780), Cimarosa (1749—1801), 
Catel (1773—1830), Dalayrac (1753—1809), Dittersdorf (1739—1799), Gallus 
(= Medeiitsch) (1765— circa 1836), Gassmann (1728—1774), Gaveaux (1701— 
1825), Gazzaniga (1743—1819), Gluck (1714—1787), Gossec (1734—1829), Gretry 
(1741—1813), Isouard (1775—1818), Méhul (1763—1817), Mousigny (1729--1817), 
Mozart (1756—1791), Paer (1771—1831), Paesiello (1741—1816), Piccini (1728 
—1800), Righini (1756—1812), Salieri (1750—1825), Sarti (1729—1802), Süss- 
mayer (1766—1803), Teyber (1754—1822), Umlaut (1755—1796), Weber (1786 
—1826), Weigl (1766—1820), Winter (1754—1825), Wranitzky (1756-1808), 
nicht zu gedenken der zahlreichen anderen, zum Theil wenig bekannten Componisten, 
deren Werke jedoch für die historische Entwicklung des Musikdramas werthvolle 
Belege bieten. — Von neueren Opern erhielt die Sammlung 478 Stücke, worunter 
sich Werke von Auber (1182— 1871), Balfe (1808 —1870), Bellini (1801—1835). 
Bizet (1838—1875), Brüll (* 1846), Cherubini (1760—1842), Donizetti (1797— 
1848), Doppler (1821—1883), Dvořák (* 1841), Fetis (1784—1871), Fioravanti 
(1770—1837), Gounod (1818--1893), Gyrowetz (1763—1850), Halévy (1799—1862), 
Hellmesberger (1800—1873), Hérold (1791—1833), Kreutzer (1780—1849), Lortzing 
(1803—1851), Leschetitzky (* 1831), Marschner (1796—1861), Massé (1822—1884). 
Massenet (* 1842), Mayer S. (1763—-1854), Mendelssohn-Bartholdy (1809—1847). 
Mercadante (1795—1870), Meyerbeer (1791—1864), Nicolai (1810—1849), Ouslow 
(1784—1852), Proch (1809—1878), Reinecke (* 1824), Reuling (1802—1877), Ricci 
(1805—1859), Rossini (1792—1868), Rubinstein (1830—1894), Schenk (1761—1836), 
Schumann (1810—1856), Spohr (1784—-1859), Spontini (1774—1851), Strauss Jos. 
(1793—1866), Suppé (1820—1895), Thomas (1811—1896), Verdi (* 1813), nebst 
vielen anderen, sei es bekannten, sei es unbekannten Componisten. — Damit ist 
aber der Zuwachs noch keineswegs erschöpft. Die stattliche Reihe von 87 Balletten 
aus der Zeit von circa 1820—1880 vervollständigen die werthvolle Erwerbung und 
bieten somit dem Studium der Bühnenmusik auch für dieses choreologische Gebiet, 
verbunden mit dem schon vorher vorhandenen Materiale instructives Material. Mit 
dieser Masse dickleibiger Partituren zogen aber in das Barockhaus auf dem Josefs- 
platze noch 48 diverse orchestrale Compositionen aus dem ehemaligen Besitze des 


— 90 — 


Haydn-Vereines und endlich 313 verschiedene Einzel- oder Einlage-Arien, Chóre, 
Ouverturen, Zwischenactmusiken und ähnliche zu dauerndem Aufenthalte ein. Gleich- 
zeitig mit diesen 1241 Tonwerken, die vor allem für die Bühne, dann eventuell 
auch für den Concertsaal berechnet sind, wurden aber auch nicht weniger als 788 
kirchliche Tonwerke aus dem Archive der k.k. Hofkapelle in die Hofbibliothek 
übertragen, und damit ist aus dem genannten Archive der letzte Rest historisch 
gewordener Musik mit den Beständen der Hofbibliothek vereinigt worden. Für die 
Musikgeschichte sind dabei viele wichtige Werke Marksteine für die Entwicklung 
namentlich der Wiener Schule; andere Stücke sind wieder deshalb interessant, weil 
sie von wenig bekannten, ja zum Theile ganz unbekannten, trotzdem aber tüchtigen 
Tonsetzern stammen. Unter diesen sind Werke von Albrechtsberger (1736—1809), 
Agostini (1534--1590), Bonno (1710—1762), Caldara (1670—1736), Campion (1720 
— 1793), Colonna (1640—1695), Conti (1699—1759), Ditters v. Dittersdorf (1739— 
1799), Eberlin (1702—1762), Fux (1660—1741), Gassmann (1723—1774), Grandi 
(T 1630), Gyrowetz (1763—1850), Händel, G. F. (1685—1759), Hasse (1699—1783), 
Haydn M. (1737—1806), Koželuch (1738—1814; autographe Partituren!), Le- 
grenzi (1625—1690), Palotta (1680—1758), Pasterwitz (1730—1803), Pergolese 
(1710—1736), Pichel (1740—1805), Predieri (1688—1769), Reinhardt (} 1767), 
Reutter (1708—1772), Seyfried (1776—1841), Sterkel 1750—1814), Teyber (1754 
— 1822), Winter, P.v. (1754—1825) u. v. a. Interessant sind namentlich die 
Autographe Salieri'S, sowie das Musikalienmateriale, das unter seiner Leitung zur 
Aufführung kam. Die peinliche Gewissenhaftigkeit Salieri's, mit der er die Ton- 
stücke vor der Aufführung durchsah und corrigierıte, könnte manchem mordernen 
Kapellmeister als leuchtendes Beispiel dienen. — Für das Studium des Opern- und 
Kirchenstiles und deren Beziehungen zu einander bietet diese Sammlung des Hof- 
kapellenarcbives die studienwerthesten Belege. — Jedenfalls bedeutet die Erwerbung 
von 2028 Tonstücken eine schóne Abrundung des Gebietes, an der natürlich fortge- 
arbeitet wird. Josef Mantuani. 
(Von der k. k. Universitáts-Bibliothek in Prag.) Die deutsche Bewohner- 
schaft von Prag und namentlich der bestehende Mozartverein ist seit mehreren Jahren 
bestrebt, durch alljáhrliche Veranstaltungen von Dilettanten-Aufführungen Mozart'scher 
Musikwerke einen Fond zu schaffen, der die Errichtung eines würdigen Denkmals 
für diesen Tondichter, dessen Wirken in vieler Beziehung mit der bóhmischen Haupt- 
stadt verknüpft erscheint, in derselben ermöglichen soll. Bei Gelegenheit der Vor- 
arbeiten zur Lösung der in Prag begreiflicherweise schwierigen Platzfrage wurde nun 
die Oeffentlichkeit in den Tagesjournalen von dem jungen, in Prag ansässigen Ton- 
dichter Freiherrn von Prochazka neuerdings darauf aufmerksam gemacht, dass Prag 
ohnedem bereits ein bedeutenden Kunstwerth repräsentierendes Mozartdenkmal 
besitzt, das allerdings bisher viel zu wenig bekannt geworden ist. Dieses Denkmal 
ist die in dem sogenannten Mozartzimmer der Universitäts-Bibliothek aufgestellte 
Marmorbüste Mozart's. Die Geschichte der Aufstellung dieser von dem bekannten, in 
München wohnhaften heimischen Bildhauer Emanuel Max nach einer im Besitze 
einer ehemaligen Wiener Freundin des Tondichters befindlichen Porträtbüste in Gips 
abgeformten und dann in weissem Salzburger Marmor ausgeführten Kolossalbüste in 
(len Räumen der Prager Universitäts-Bibliothek ist nicht uninteressant und soll hier 
in aller Kürze erzáhlt werden. Schon im Anfange der Dreissiger-Jahre des scheidenden 
Jahrhunderts hatte sich in Prag ein Comité gebildet, welches eine moglichst voll- 


2. GE — 


ständige Sammlung der damals besten Auflagen Mozart'scher Compositionen ankaufen 
und die Aufstellung einer Mozartbüste oder eines ,Bildnisses in Steinbasrelief^ in Prag 
durchführen sollte. Der Kirchenmusikverein und das Conservatorium der Tonkunst 
veranstalteten Aufführungen, Private steuerten bei und so konnten schon im April 
des Jahres 1837 die leitenden Personen dieses Comites, der k. k. Hauptmann 
Johann Ritter von Rittersberg ($ 1841), ein bekannter Kunsttreund, der Conser- 
vatoriumsdirector Friedrich Dionys Weber (7 1842) und der Domcapellmeister Johann 
Wittasek (f 1839) an das k. k. Landesprüsidium von Böhmen, das sich für den 
ganzen Plan schon seit allem Anfange interessiert hatte, berichten, dass man, nach- 
dem die genügenden Mittel vorhanden seien, nunmehr an die Bestellung der Büste 
und an die Lösung der Platzfrage schreiten wolle. Der ursprüngliche Gedanke, die 
Büste und die gesammelte Mozartbibliothek dem böhmischen Nationalmuseum zu 
übergeben, musste bald fallen gelassen werden, nachdem demselben damals keine 
genügenden Locale „zur Aufbewahrung eines solchen Kunstschatzes^ zur Verfügung 
standen. Das Comité wendete sich daher in seiner Verlegenheit unter Beistimmung 
des damaligen Bibliothekars Dr. Anton Spirk bereits unter dem 30. Mai 1837 an das 
k. k. Landesprüsidium mit der Bitte, die Aufstellung der Büste und der gesammelten 
Specialbibliothek in den Räumen der Universitätsbibliothek zu gestatten. Die bezüg- 
liche Bewilligung erfloss unter dem 27. Juli 1837, und zwar unter Annahme aller 
Bedingungen, welche das Comite rücksichtlich des Nutzgenusses und des Eigenthums- 
rechts für dieses Depositum stellte. Das Comité übergab darnach die Büste und die 
Specialbibliothek keineswegs in das Eigenthum des Staates, es behielt sich sogar in der 
bezüglichen Urkunde vom 3. August 1837 das Recht vor, beides „für den höchst unwahr- 
scheinlichen Fall, dass die k. k. Bibliothek je ganz oder theilweise eine andere Be- 
stimmung erhalten sollte, in das Eigenthum des löblichen Magistrates der k. Haupt- 
stadt Prag als Vorstandes ihrer Stadtgemeinde zu übertragen. Die Benützung der 
Mozartbibliothek sollte „jedem ganz unter denselben Bedingungen, wie solche dort 
für alle Bücher und übrigen Werke bestimmt sind, freistehen. Ebenso würde Kapell- 
meistern, anerkannten Tonsetzern und Künstlern von Ruf, gegen deren Persönlich- 
keit nichts Nachtheiliges bekannt sein dürfte, von dem Vorstande der Bibliothek 
gestattet werden können, einzelne Bände dieser Werke zur bequemeren Benützung in 
ihre Wohnung nehmen zu dürfen“. Die Comitemitglieder behielten sich hiebei das 
Recht vor, die Erlaubnis zur Benützung dieser Werke auch selbst zu ertheilen, „zu 
welchem Zwecke ein von ihrer Hand ausgestellter Erlaubniszettel Geltung haben 
soll“. So wurde denn im August 1837 die Büste auf einem vom Architekten Kroner 
in farbigem Marmor ausgeführten Piedestale aufgestellt und die Mozartbibliothek in 
einem eigenen, vom Comite beigestellten, in hübscher Schnitzarbeit ausgeführten 
Regale untergebracht. Die Mozartbibliothek wurde leider in späterer Zeit nicht ent- 
sprechend ergänzt; doch bietet dieselbe immerhin noch immer, namentlich im Zu- 
sammenhalt mit einigen in der Anstalt verwahrten, freilich nicht sehr umfangreichen, 
doch immerhin werthvollen handschriftlichen Mozartreliquien den Mozartforschern 
eine reiche Fundgrube für ihre Studien. 

(Von der k. k. Universitäts-Bibliothek in Graz.) Bevor im Sommer des 
Jahres 1895 die Grazer Universitäts-Bibliothek ihr neues Heim bezog, wurde unter 
der Leitung des jetzigen Vorstandes derselben, Regierungsrathes Dr. Wilhelm Haas 
(damals Custos an der Wiener Universitäts-Bibliothek) der gesammte alte Bestand um- 
signiert, um im neuen Gebäude nach dem Numerus currens aufgestellt zu 


me I e 


werden. Da diese Umsignierungsarbeiten Hand in Hand mit der Uebersiedlung vor- 
genommen wurden, mussten sie schnell vor sich gehen; dies wurde dadurch ermóg- 
licht, dass die alte Aufstellnng nach Wissenschaften nicht zerrissen wurde, sondern 
dass die Bestände der einzelnen Gruppen der Reihe nach, wie sie standen, aneinander 
gerückt, die Titelcopien in dieselbe Ordnung wie die Bücher gebracht, und Bücher 
und Titelcopien mit fortlaufender Nummer versehen wurden. Die Arbeit der Neu- 
signierung konnte so in der kurzen Zeit von 10 Monaten (bei einem Bestand von 
86.000 Werken in ca. 150.000 Bänden) bewältigt werden. Die Bücher kamen in die 
neuen Bücherräume, die Titelcopien (alphabetisch geordnet) in die Zettelladen. Die 
alten Standortskataloge konnten, da die neue Numerierung sich in der Reihenfolge 
an die alte anschloss, nach Beifügung der neuen Nummer ohne weiters als Inventar- 
verzeichnisse weiter dienen. Die Titelcopien des seit 1895 neu zugewachsenen Be- 
standes werden, nach neueren einheitlichen Grundsätzen angelegt, in einem „neuen 
Alphabet“ geführt. — Eine wichtige Neuerung der Grazer Universitäts-Bibliothek 
ist die Anlage eines Systemalkataloges. Vorbild für die Systemeintheilung 
war theilweise der Hallische Realkatalog (Centralbl. f. Bibliotheswesen. Bei- 
heft 3). Die äussere Form des Kataloges ist ähnlich der Leydener Einrichtung. 
Der Systewmalkatalog umfasst vorläufig alle seit 1895 neu angeschafften Werke, sowie 
jene des alten Bestandes, die aus irgend welchen Gründen einer Neubeschreibung 
unterzogen werden mussten, darunter auch gegen 15.000 vorher nicht inventarisierter 
älterer und neuerer Dissertationen. Zugrunde liegt dem Systemalkatalog ein nach 
Wissenschaften geordnetes System, dessen einzelne Gruppen mit den grossen 
Buchstaben A—R bezeichnet werden; zur Untertheilung dienen der Reihenfolge 
nach römische, dann arabische Zahlzeichen und dann das kleine Buchstaben- 
alphabet; fernere Gliederung wird gewonnen durch Verwendung von arabischen 
Ziffern und wenn nóthig von kleinen Buchstaben. In jenen Gruppen, wo eine noch 
weitere Untertheilung nöthig erscheint, wird ein „Schlagwort“ beigefügt; die Schlag- 
worte werden alphabetisch geordnet. Die Einordnung der Zettel mit gleicher Systemal- 
signatur wird chronologisch vorgenommen, bei gleicher Jahreszahl alphabetisch nach 
dem ,Ordnungsworte*. Bei Werken, die Grenzgebiete behandeln oder die in Nachbar- 
gebiete übergreifen, müssen nach Beglarf mehrere Zettel angelegt werden, so dass 
das Buch in allen jenen Gruppen, wo es nach seinem Titel und Inhalt gesucht 
werden kann, auch gefunden wird. Jeder Zettel zeigt links einen 45 Cm. 
breiten leeren Rand; mitten oben trägt er die Signatur nach der laufenden 
Aufstellungsuunmer, darunter folgt das Ordnungswort und eine Zeile tiefer Titel, 
Verlagsangaben und Seiten-, beziehungsweise Bändezahl; rechts oben ist ein 
eigenes Fach ausgespart zur Eintragung der Systemalsignatur und eines etwaigen 
Schlagwortes. Die Form des Systemalkataloges ist die eines Zettelkataloges; der- 
selbe befindet sich aber nicht, wie der alphabetische Grundkatalog in Laden, sondern 
ist den Lesern in Form von Queroetavbüchelchen bequem zugänglich gemacht. Die 
Grösse der dazu verwendeten Zettel entspricht dem hier üblichen Titelcopienformat 
von 18:5 Cm. Breite und 10:5 Cm. Höhe. Die Zettel der einzelnen wissenschattlichen 
Gruppen oder, wo dies wegen zu grossen Umtanges nicht angeht, von Theilen derselben, 
werden zu einem Büchel vereinigt, indem eine solche Zettelgruppe zwischen zwei lein- 
wandüberzogene Pappendeckel kommt, dessen hinterer Deckel mit einem Leinwandfort- 
satz versehen ist, der unter den vorderen Deckel geschlagen wird. Das Ganze hält eine 
gegen den linken Rand zu mehrmals umgewickelte Schnur fest zusammen; beide 


03. -—- 


Deckel sind oben und unten, dort, wo die Schnur umgelegt werden soll, mit Kerben 
versehen, um ein Abrutschen der Schnur zu verhindern. Ebenso schnell wie auseinander 
genommen ist ein solches Büchel auch wieder zusammengefügt, ein Vortheil beim Neu- 
einlezen von Zetteln. Damit nun dieses Buch aufklappbar wird, ist der Vorderdeckel 
rechts von der Schnur mit einem, nennen wir es „Gelenke” versehen und nach links 
uinlegbar. so dass die einzelnen Zetteln bequem xelesen und umgeblättert werden können. 
Zur Einführung in die Benützung des Systemalkataloges dienen 3 Foliobände: 1. All;ze- 
meine Bemerkungen, 2. Schema des Fachkataloges und 3. Schlagwortregister. jhl. 

(Von der mährischen Landesbibliothek in Brünn.) Die Bibliothek des 
Franzens-Museunss in Brünn, welche im Sommer vorigen Jahres in die Landesver- 
waltung übernommen wurde und nun die Bezeichnung „Mährische Landes- 
bibliothek” führt, gewinnt mit jedem Tage an Bedeutung. Sie zählt gegenwärtig 
ea. 8O.000 Bande und erhält schon in den nächsten Wochen einen wichtigen Zuwaehs 
(ca. 3.000 Bande) dureh die Bibliothek des „Musejni spolek“. In den Ränmen 
der Landesbibliothek wird anch die Comenius-Bibliothek, deren Begründung 
über Antrag des Landesbibliothekars kais. Rathes Dr. W. Schram vom Cuiatorium 
der mähr. Museumsgesellschaft eiustiminig beschlossen wurde, zur Aufstellung ge- 
langen. Letztgenannte Gesellschaft hat an das Unterrichtsininisterium ein. Gesuch 
wegen Ueberlassungz der Doubletten der Comenius-Literatur aus den Staatsbibliotheken 
und Gewährung einer Subventian zum Ankaufe von Werken des Comenius und Schriften 
über denselben gerichtet. Se. Éxcellenz der Herr Unterrichtsminister versprach dem 
Landesbibliothekar die wärmste Forderung dieser Angelezenheit und bezeichnete den 
Plan der Begründung einer Comenins-Bibliothek in der mähr. Landeshanptstadt als 
eine schöne Idee, der er den besten Erfolg wünsche. Unter den Arbeiten, die gegen- 
wärtig in der mährischen Landesbibliothek durehreführt werden, verdient die Her- 
stellung eines Katalogs über sämmtliche in den dortigen Druckwerken befindliche 
Porträts hervorgehoben zu werden. In der Kanzlei des Bibliothekars befindet sich 
seit nenerer Zeit ein Telephon, welches im Verkehr mit Behörden und Parteien, 
feiner bei Bücherbestellungen vorzügliche Dienste leistet. 


VEREINSNACHRICHTEN. 

Der an unseren Verein ergangenen Einladung des Vereinsobmannes Hotrath 
Dr Karabacek, am 5. October d. J. die Gutenberg-Ausstellung in der 
k.k. Hofbibliothek zu besichtigen, hat eine grosse Anzahl der Mitglieder Folge ze- 
leistet. Amanuensis Dr. Theodor (Gr uttlieb hatte es übernommen, den reichen Inhalt 
der in dem herrlichen Saale aufzestellten und ebenso sinnreich als schön angeordneten 
Schaukästen zu erklären, und hat diese schwierige Aufgabe in der dankenswerthesten 
Weise durchzeführt. Obmannstellvertreter Regierungsrath Dr. Grassauer sprach, 
als die Ausführungen Dr. Gottliebs durch die sich mehr und mehr geltend 
machende Abnahme des Tageslichtes ein vorzeitiges Ende fanden, Hofratı Kara- 
bacek für die Einladung zum Besuche dieser ebenso interessanten als instructiven 
Ausstellung und Dr. Gottlieb für die mit ebenso grosser Hingebung als ausser- 
ordentlicher Sachkeuntnis vorgzebrachten Ausführungen den Dank des Vereines aus. 


In der am Dienstag den 30. October abgehaltenen Ausschusssitzung 
bildete die Berathung des Winterprogrammes den ersten Punkt dev Tagesordnung. 


en, MÉ. e 


Für den ersten Vereinsabend, am Montag den 12. November, wurde ein Referat 
Dr. Himmelbaurs über einige neue Kataloge angesetzt. Von Dr. Mantuani und 
Dr. Crüwell in sichere Aussicht gestellte Vorträge werden die Vereiusabende 
der Monate December und Jänner ausfüllen. Der von Dr. v. Grienberger ein. 
gebrachte Antrag, einen corporativen Besuch der k. k. Hof- und Staatsdruckerei 
zu veranstalten, fand einstimmige Billigunz, wie auch die Anregung Dr. Gevers, 
einen solchen Besuch des Vereins in der Druckerei Holzhansen und ihren Samm- 
lungen gleichfalls ins Auge zu fassen, und es wwide beschlossen, die betreffenden 
Schritte einzuleiten. Mit grossem Beifall wurde die Mittleilunz Hofrath Kara- 
baceks aufgenommen, dass von ihm dem Vereine aus den Einnahmen der Guten- 
berg-Ausstellung der k. k. Hofbibliothek 400 Kronen zugewendet werden. 


Der am Montag den 12. November anberaumte Vereinsabend brachte ein 
ebenso übersiebtliches als lichtvolles Referat Custos Dr. Himmelbaurs über einige 
neu erschienene Bibliothekskataloge. Die sich an dasselbe anknüpfende Debatte er- 
ging sich über die Schwierigkeit, bei der Anlage systematischer Kataloge das logische 
Verhältnis der einzelnen Wissenschaften untereinander mit den Rücksichten auf die 
praktischen Bedürfnisse, wie sie die Beschaffenheit der Bücherbestände jeder einzelnen 
Bibliothek und die zu gewärtigenden Wünsche der Benützer derselben auferleren, in 
Einklang zu bringen. 


PERSONALNACHRICHTEN. 

(Regierungsrath Johann Wussin 4.) Am 23. Juli 1900 starb in Wien der 
k. k. Regierungsrath und Bibliothekar der k.k. Wiener Universitäts-Bibliotlek in 
Pension, Johann Wussin*), im 91. Lebensjahre. Der Genannte ist als Concepts- 
praktikant der bestandenen K.K. niederösterreichischen Landesregierung im Jahre 1340 
zum zweiten und im Jahre 1841 zum ersten Scriptor dieser Bibliothek ernannt 
worden. In dieser Eigenschaft ist ihm, der als böhmischer Literat den Centralstellen 
empfohlen worden war, über Ersuchen der damaligen &.K. vereinigten Hofkanzlei von der 
bestandenen k.k. Studien-Hoteommission der Auftrag ertheilt worden, die behufs Er- 
öffnung des mährischen Landtages in deutscher Sprache und in böhmischer Ueber- 
setzung ausgefertigten Rescripte, Credentiales, Instructionen, Reverse u. dergl. in Be- 
zug auf Sprachrichtigkeit zu prüfen, womöglich die Berichtigungsanträge der beiden 
Provinzen zu einigen und dem hierüber zu erstättenden Referate seine eigenen 
Bemerkungen beizufügen. Für die vorgenommene Bearbeitung und theilweise Be- 
richtigung des slavischen Textes der böMınisehen Landtagspatente und der damit 
zusammenhángenden Ausfertigungen ist dem Genannten die Anerkennung der k.k. ver- 
einieten Hofkanzlei ausgesprochen worden. Als es sich im Jahre 1842 darum 
handelte, den Zustand der Bibliothek des Polvtechnieums zu untersuchen und eine 
bessere Organisation für dieselbe zu schaffen, war Wussin dem von der k.k. nieder- 
österreichischen Landesregierung mit dieser Aufgabe betrauten k. k. Regierungs- 
Secretär, Baron Foullon, als Fachmann beigezeben worden, in welcher Eiren- 
schaft er ein umfassendes Gutachten erstattete. Im Jahre 1842 ist Wussin zum 
zweiten, im Jahre 1852 zum ersten Custos an der k. k. Universitäts-Bibliothek in 
Wien ernannt worden. Nach dem im Jahre 1869 erfolgten Tode des Bibliothekars 


^) Die ursprüngliche Schreibweise lantete „Wusin“. 


> Qy = 


dieser Anstalt, des k. k. Regierungsrathes Josef Diemer, wurde Custos Wussin 
zum Vorstande derselben ernannt, und leitete in dieser Eigenschaft die Bibliothek 
bis in den Juni des Jahres 1874 hinein, nachdem er bereits im Frühjahre des Jahres 1813 
mit dem Titel eines Regierungsrathes in Pension gegangen, jedoch wegen Hindernisse, 
welche sich dem Amtsantiitte des penernannten Bibliothekars Dr. Friedrich Leithe, 
bisherigen Bibliothekars an der k. k. Universitüts-Bibliothek in Innsbruck, entgegen- 
stellten, vom k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht aufgefordert worden 
war, noch durch ein Jahr die Leitung fortzuführen. Hier muss ein in seine Amts- 
periode fallendes, in bibliothekarischer Hinsicht wichtiges Moment, das seiner 
Initiative die Entstehung verdankt, anerkennend hervorgehoben werden. Ursprünglich 
waren die Grundblätter über die in der Wiener Universitäts-Bibliothek befindlichen 
Werke nach den einzelnen Fächern des damals in Geltung gewesenen wissenschaft- 
lichen Systemes und innerhalb eines jeden Faches in alphabetischer Reihenfolge 
relegt, es gab aber auch Cartons, in welchen die Grundblätter ohne Rücksicht auf 
die einzelnen Fächer des Systemes in alphabetischer Ordnung lagen, ausserdem auch 
solche, welche nur Hinweise, andere wieder, welche nur Adligate nach dem Alpha- 
bete geordnet enthielten, auch waren für die Programme der Mittelschulen, der 
Volksschulen und Fachschulen eigene Cartons vorhanden. Bibliothekar Wussin 
fasste nun den Entschluss, die getrennten Bestandtheile zu vereinigen und ein 
einziges Alphabet herzustellen. Diese Arbeit wurde unter der Leitung Wussin's 
von den Bibliotheksbeamten ausgeführt. Letzterer betheiligte sich auch selbst an 
derselben, indem er die Consignierung (Numerierung) der Zettelkästchen in der Zeit 
vom 9.—12. März 1870 ausschliessend vornahm, auch. das Alphabet mehrerer Cartons 
selbst ordnete. Diese Arbeit, welche sich jedoch nicht auf die Manuscripte und 
Bibelwerke erstreckte, deren separate Cartons einstweilen fortbestanden, umfasste 
214 Cartons, dauerte vom 12. März 1870 bis 25. Juli 1873 und erforderte sonach 
einen Zeitraum von 3 Jahren, 4 Monaten und 13 Tagen. Hiemit war im wesentlichen 
die erste Vorarbeit für die Herstellung eines geschriebenen Nominalkataloges in 
festen Bänden gethan, die genaueren, kritischen Vorarbeiten zu diesem Zwecke, die 
ein ungeheueres Materiale zu bewältigen haben, müssen eben erst jetzt durchgeführt 
werden. — Der verstorbene Bibliothekar war in den slavischen Sprachen und in 
der slavischen Literatur, insbesondere der cechischen und polnischen, sehr bewandert, 
er war auch correspondierendes Mitglied der Centralcemmission für Erforschung und 
Erhaltung der Baudenkmale (ÜCentralcommission für Kunst. und historische Denk- 
male) und erstattete als solches, von derselben oftmals mit Erhebungen, namentlich 
in archivalischen Beziehungen betraut, sehr umfassende und gründliche Berichte, 
welche im Auszuge in den ,Mittheilungen^ der genannten Commission erschienen. 
Regiernngsrath Wussin hat auch während seiner Pensionszeit mehrere Archive, 
nämlich das Archiv des Grafen Lamberg in Stadt Steyr, in Freystadt in Ober- 
österreich sowohl das städtische Archiv als auch jenes des Grafen Rudolf Kinsk v, 
ferner das in Karlskron bei Chlumec in Böhmen befindliche Archiv des Grafen 
Zdenko Kinsky, sowie anch jenes des Stiftes Kremsmünster geordnet, zu dessen 
hervorragendem Prälaten Reslhuber der Verstorbene in den freundschaftlichsten Be- 
ziehungen stand, Wussin hat auch im Archive der Wiener Universität viel ge- 
arbeitet und war überhaupt wegen seiner Gründlichkeit und «der Leichtigkeit, 
mit welcher er sich im Urkundenwesen zu orientieren wusste, ein sehr geschätzter 
Archivsarbeiter. Besonders thütig war Wussin auf dem Gebiete der Kunstwissen- 


se cp 


schaft. Nach Aussagen von Kunstfreunden, die den Verstorbenen näher kannten, 
war dieser Mann mit einem sehr scharfen Kennerblick und einem sehr feinen, 
ästhetischen Gefühle begabt, er war auch, soweit es seine finanziellen Mittel er- 
laubten, ein eifriger und intelligenter Sammler von Kunstobjecten, und hóchst inter- 
essant ist die von ihm mit Rudolf Weigel, einem der hervorragendsten Kunst- 
kenner Deutschlands, und einigen anderen Persönlichkeiten geführte, das Kunstgebiet 
betreffende Correspondenz. Von ihm rühren zwei bedeutende, auch in der k.k. Uni- 
versitäts-Bibliothek in Wien befindliche Schriften her, nämlich „Jonas Suyderhoef, 
Verzeichnis seiner Kupferstiche. Leipzig, Weigel, 1861" und ,Cornel Visscher, Ver- 


zeichnis seiner Kupferstiche. Leipzig, Weigel, 1865*. — Wussin war auch — ein 
Umstand, der wenig oder gar nicht bekannt ist und der ihm zum besonderen Ver- 
dienste gereicht — der Begründer des Hollareums in Prag. Seinen während der 


Jahre 1862 und 1863 aufgewendeten rastlosen Bemühungen gelang es nämlich, den 
böhmischen Landesausschuss zu bestimmen, dass er die im Nachlasse Max Webers 
in Bonn befindliche Sammlung des berühmten, im 17. Jahrhunderte lebenden Kupfer- 
stechers Wenzel Hollar für das Königreich Böhmen erwarb. Diese Sammlung, 
welcher Wussin den Namen „Hollareum“* gab, besteht aus circa 3000 vorzüglichen 
Stichen, und stellt sich der grossen, in London befindlichen Collection von Stichen 
des genannten Meisters ebenbürtig zur Seite. Wussin wollte mit dieser Sammlung 
den Grundstein zu einem Kupferstich-Cabinete des Kónizreiches Bóhmen legen und 
hat auch dem Hollarenm die oberwàhnte Kunstcorrespondenz und mehr als hundert 
zum Theile seltene, die Kunst, insbesondere die Kupferstecherkunst, betreffende Werke 
vermacht. Von dem Verstorbenen rühren auch die Aufsätze „Alte Wiener Drucke“ 
(Mittheilungen des Wiener Alterthums-Vereines, Jeg. 1888), ferner in Verbindung 
mit Ilg „Beiträge zur österreichischen Künstlergeschichte“ I, IL, II (Mittheilungen 
der Centraleommission für Kunst- und historische Denkmale, Jgg. 15, N. F.. 1889) 
und Untersuchungen über das Wohnhaus des berühmten Kupferstechers Wenzel 
Hollar in Prag (Archiv für zeichnende Künste, herausgegeben von Naumann, Jgg. 1864) 
her. Gleich Camesina ünd Karajan entfaltete auch Wussin eine besondere 
Geschicklichkeit in dem Ablösen alter Papier- und Pergament-Bücherdeckel, und hat 
derselbe in dieser von ihm nahezu mit Leidenschaft betriebenen Manipulation manche 
schöne Entdeckung gemacht, so z. B. ein sehr schönes, von Giovanni Andrea her- 
rührendes, in der Albertina in Wien befindliches Ornament. Auch hat derselbe ein Ver- 
fahren entdeckt, die ursprüngliche im Laufe der Zeiten geänderte Farbe alter Druck- und 
Kunstblätter wieder herzustellen. — Regierungsrath Wussin war eine schr reservierte 
Natur, welche nicht in den Vordergrund trat und während seines Lebens zu wenig be- 
achtet und geschätzt wurde. Der Gefertigte hält es daher für seine Pflicht, diesen Mann 
nicht ganz der Vergessenheit anheimfallen zu lassen und ihm durch diesen Nekrolog 
ein ehrendes Denkmal zu setzen. J. Meyer, k. k. Regierungsrath, 
(Eduard Chmelarz 7.) Mit dem ersten herbstlichen Windstoss fuhr der uner- 
sättliche Würgengel mit rauher Hand in die Reihe der wissenschaftlichen Phalanx 
der k. k. Hotbibliothek, um endgiltig eine zwar vorbereitete, aber dennoch klaffende 
Lücke in dieselbe zu reissen und forderte in diesem Jahre bereits den zweiten Vice- 
director als Opfer: Eduard Chmelarz ist von seinem Leiden erlöst zur ewigen 
Ruhe heimgegangen. Mit seiner Verklärung ist ein reiches Geistesleben abgeschlossen, 
das von der Fülle seiner Talente vielen Mitmenschen, oft überaus reichlich. mit- 
theilte. Diejenigen, welche mit Chmelarz in engeren Beziehungen zu stehen das 


= Q7 = 


Glück hatten, werden dieser Behauptung ihre Zustimmung nicht versagen. Aus 
eigener Erfahrung belehrt, wie schwer es hält, sich ein gediegenes Wissen zu er- 
werben — hat er doch alle Stadien seiner geistigen Aushjldung selbständig durch- 
laufen müssen —, half er anderen selbstlos mit dem Schatze seiner Erfahrung zur 
tieferen Erkenntnis. — Chmelarz wurde im Jahre 1847 als Sohn eines Staats- 
beamten zu Znaim in Mähren geboren. Nach absolviertem Gymnasium bezog er 1867 
die Wiener Universität, woselbst er sich historischen, kunsthistorischen und philo- 
sophischen Studien hingab. Zugleich mit den letzten Semestern der Universitäts- 
studien absolvierte er auch als ordentliches Mitglied des k. k. Institutes für öster- 
reichische Geschichtsforschung die höheren historischen Studien im Jahre 1871. 
Hiedurch tüchtig und hinreichend vorgebildet, konnte er gleich darauf als Beamter 
in die „Albertina“ eintreten, woselbst er, zahlreiche Spuren seiner Wirksamkeit 
hinterlassend, bis zum Jahre 1875 verblieb. In diesem Jahre wurde nun der Custos 
am k. k. österr. Museum für Kunst und Industrie, Franz Schestag, an die Kupfer- 
stichsammlung der k. k. Hofbibliothek berufen und Chmelarz zu seinem Nachfolger 
am erstgenannten Institute ernannt. Dort entfaltete er eine überaus rege organi- 
satorische und wissenschaftliche Thätigkeit, deren Resultate er einerseits in dem 
später zu nennenden Kataloge, andererseits in werthvollen Untersuchungen und fast 
alljährlichen Vorträgen niederlegte. Bei aller dieser angestrengten Thütigkeit :e- 
wann er aber noch Zeit, sich mit bibliographischen Studien eingehend zu beschát- 
tigen und an Mädchenlvceen kunsthistorischen Unterricht zu ertheilen, Es wäre 
jedoch grundfalsch, anzunehmen, dass er das letztere leicht nahm. Es ist ein spre- 


chendes Zeugnis für seine (rewissenhaftigkeit und Energie, dass er — nach seiner 
eigenen Mittheilung an den Unterfertigten — oft die ganze Nacht zu Hilfe nehmen 
musste, wenn der Tag ihn anderweitig in Anspruch genommen hatte. -- Am öster- 


reichischen Museum blieb Chmelarz bis zum Jahre 1885, wo er, abermals als Franz 
Schestag's Nachfolger, als Leiter der Kupferstichsammlung an die k. k. Hofbibliothek 
berufen wurde. Die historische Entwicklung dieser Sammlung und der Stand der 
Vorarbeiten haben ihm wohl einen festbestimmten Weg vorgezeichnet; nichtsdesto- 
weniger war er aber vom ersten Augenblicke an bemüht, diese Anforderungen mit 
den modernen Ansprüchen, die an eine solche Sammlung berechtigterweise gestellt 
werden können, in Einklang zu bringen. Seine Verwaltung hat niemals einseitig 
Zugestindnisse gemacht, weder seinen persönlichen Neigungen noch sporadisch auf- 
trtenden. Nachfragen; seine Erwerbungen für die Sammlung waren nie wahllos; 
die Ausgestaltung der Gruudbestände war immer seine Sorge, und bei Neuerwer- 
bungen waren technische Momente, der künstlerische Werth der Blätter und öster- 
reichische Künstler Gegenstand seines Augenmerkes. Hinsichtlich der Benützung 
war Chmelarz für Besucher ein liberaler und liebenswürdiger Berather; was er in 
dieser Hinsicht angebahnt hat, davon kann die Zukunft noch lange zehven. Das 
Lob, seine Piicht musterhait erfüllt zu haben, bleibt ihm neben einem liebevollen 
Andenken an seine persönliche Liebenswürdigkeit gewahrt, namentlich weren seiner 
aufrichtigen Herzensgüte und regen Theilnahme an den Schieksalsfürungen, welche 
ihm Nahbestehende betrafen, wobei sich oft seine herrliche Gemüthstiefe in ihrer 
vollen Grösse zeigte. Modern und liberal in seinem Denken, hat er kleinliche Rancune 
nicht gekannt und war seinen Mitarbeitern immer ein liebenswürdizer College, 
In Jahre 1898 fesselte ihn ein tückisehes Leiden ans Bett, das er nicht mehr ver- 
lassen sollte. — Die kunsthistorische Literatur bereicherte Chmelarz mit. folgender 


98 o- 


stattlichen Reihe von Monographien: a) In den von ihm selbst lange Zeit redigierten 
-Mittheilungen des k. k. österreich. Museums für Kunst und Industrie“: 1. „Das Pri- 
vilezienbuch der Stadt Wels* (1876); 2. „Die kunstgewerbliche Ausstellung zu Inns- 
bruck* (1878): 3. ,Gutenberg und die Erfindung der Buchdiuckerkunst” (1882, nach 
dem am 12. Jänner im k. k. österr. Museum gehaltenen Vortrage); 4. „Die Jubi- 
läumsfeier der Wiener Buchdruckerkunst“ (1882); 5. „Spielkarten in der Bibliothek 
des österr. Museums” (1882); 6. „Zur Geschichte der Museumsbibliothek“ (1883); 
1. „Die Ferstelfeier im Museum“ (1884); 8. „Franz Schestag* (Nekrolog. % 26. Juni 
1854); 9. „Die deutschen Kleinmeister des 16. Jahrhunderts“ (1887, nach dem am 
20 ‚Jänner dieses Jahres im k. k. österr. Museum gehaltenen Vortrage); 10. „Die 
farbigen Kupferstiche des 18. Jahrhunderts* (1892, nach dem am 4. Februar dieses 
Jahres im k. k. österr. Museum gehaltenen Vortrage); 11. „Die Schabkunst- 
Ausstellung im österr. Museum“ (1894, nach dem daselbst am 8. November ge- 
haltenen Vortrage. Seine grösste bibliothekarisch-wissenschaftliche Leistung aber ist 
die 1J. Auflage des (b) „Katalogs der Bibliothek des k. k. österr. Museums Tür 
Kunst und Industrie“ (ausgegeben im December 1883). Die erste Auflage erschien, 
von Franz Schestag verfasst, 1869 und enthielt 2415 Inventarnummern, gegenüber 
der zweiten, welche bereits 7636 Nummern umfasst. Eine durchgreifende Aenderung 
erfuhren hiebei die Gebiete: Kunstgeschichte, Architektur, Costüme, Schrift, Druck, 
graphische Künste und Ornamentik. Bei dieser Riesenarbeit (der Katalox ist 
XVI + 581 Seiten stark) wurde Chmelarz nur von Franz Ritter unterstützt, der die 
ausführlichen Register ausarbeitete. c) Gleichzeitig arbeitete nun Chmelarz die .Bi- 
bliozraphie* für das ,Repertorium für Kunstwissenschaft*. Sein Antheil an dieser 
Arbeit tür die ersten drei Bánde (1874— 1880) ist nicht festzustellen, weil er mit 
Schestiz gremeiusam arbeitete; vom vierten. Bande an (1881) ist aber die ,Diblio- 
graphie“ ausschliesslich sein Werk: diese mühevolle Arbeit versah er bis zu dem 
ellten Bande (1888) inclusive. — €) Im Jahrbuch der Kunstsammlungen des Aller- 
höchsten Kaiserhauses schrieb er: 1. „Das Diurnale oder Gebetbuch des Kaisers 
Maximilian I.* (III. Bd.); 2. „Die Ehrenpforte des Kaisers Maximilian I.^ (IV. Bd.); 
3. „Das ältere Gebetbuch des Kaisers Max I.“ (V. BHd.); 4. „Ein Verwandter des Bre- 
viarinm Grimmani in der k. k. Hotbibliothek* (IX. Bd.); 5. „König Rene der Gute 
und die Haudschrift seines Romanes: ,Cuer d'Amours Épris* in der k. k. Hof- 
bibliothek“ (IX. Bd.); 6. „Le songe du pastourel“, von Jean Du Prier. Bilderhand- 
schritt in der k. k. Hofbibliothek (XIIL. Bd.); 7. „Eine französische Bilderhandschrift 
von Boccaceio's Theseide* (XIV. Bd.); 8. „Jost de Negker's Helldunkelblätter Kaiser 
Max und St. Georg“ (XV. Bd.); 9. „Georg und Jakob Hoefnagel“ (XVI. Bd.) — 
Während dieser Arbeiten fällt aber auch noch die wissenschaftliche Ordnung der vom 
Fürsten Liechtenstein erworbenen Sammlung des FZM. v. Hauslab, die einige Jahre 
anzxestreneter Arbeit erforderte. Ueberdies war Chmelarz auch Mitglied der k. k. Cen- 
traleommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und Baudenkmale und 
hatte, da er einer der fleissigsten Referenten. war, mit den Elaboraten und Erledigen 
von Acten keine kleine Arbeit zu leisten. In seinem rüstigen Arbeiten und im besten 
Alter wurde seine Thätigkeit von einer schleichenden Krankheit lahmgelegt, bis ihn, 
nach einem mehr als zweijährigen, ununterbrochenen Leiden, am 12. October um die 
vierte Morgenstunde der Tod erlóste. Im Arme seiner ihn zärtlich liebenden Gattin. 
die ihn mit heroischer Opferwillizkeit unverdrossen pflegte, hauchte er seinen Geist 
aus. Friede sei ihm, Ehre seinem Andenken! Josef Mautuani. 


— 99 — 


An der Hofbibliothek wurde dem Custos Karl Göttmann Titel und 
Charakter eines Regierungsrathes und dem Scriptor Ferdinand Menčik der Titel 
und Charakter eines Custos verliehen. Der wissenschaftliche Hilfsarbeiter Dr. Robert 
Arnold wurde zum Assistenten ernannt. Scriptor Dr. Rudolf Geyer hat sich an 
der k. k. Universitàt in Wien als Privatdocent für arabische Philologie habilitiert. — 
Dem Custos an der Universitäts-Bibliothek in Wien Josef Meyer wurde 
aus Anlass der von ihm erbetenen Uebernahme in den bleibenden Ruhestand taxfrei 
der Titel eines Regierungsrathes verliehen; Scriptor Dr. Isidor Himmel- 
baur wurde zum Custos, Amanuensis Dr. Alfred Schnerich zum Scriptor und 
Praktikant Dr. Friedrich Beneseh zum Amanuensis ernannt. Praktikant Dr. Miron 
Korduba hat den Bibliotheksdienst verlassen. — An der Innsbrucker Univer- 
sitäts-Bibliothek wurde cand. phil. Hans Margreiter als Volontär aufge- 
nommen. — Der Amanuensis der k. k. Universitäts-Bibliothek in Graz Dr. Friedrich 
Baumhackl wurde der Bibliothek der k.k.technischen Hochschule in 
Wien zur Dienstleistung zugetheilt; dem Dr. Lucius Hanni wurde die Stelle eines 
adjutierten Praktikanten an derselben Bibliothek verliehen. — Der Coneipist für den 
Archivs- und Bibliotheksdienst des k. k. Finanzministeriums Dr. Victor H of- 
mann von Wellenhof wurde unter gleichzeitiger Betrauung mit der Leitung dieses 
Dienstzweiges in die VIII. Rangsclasse versetzt, Dr. Hans Prankl wurde daselbst 
zum Conceptspraktikanten ernannt. — Der Bibliothekar der geologischen Reichs- 
anstalt Dr. Anton Matosch wurde ad personam in die VIII. Rangsclasse der 
Staatsbeamten eingereiht. 


VERMISCHTE NACHRICHTEN. 


(Congrés internationale des Bibliothécaires.) Unter den zahlreichen inter- 
nationalen Congressen, zu denen die Weltausstellung in Paris Anlass geboten hat, 
liest jener der Biblivthekare, der vom 20. bis 23. August d. J. dort stattfand, unserem 
Interesse am nächsten. Soweit aus den vorliegenden Berichten erkennbar ist, war er 
relativ stark — von 236 Theilnehmern — besucht, die allerdings zum grössten Theile 
Franzosen waren. Immerhin waren auch die meisten anderen europäischen Staaten 
vertreten; aus Oesterreich waren Dr. Boeck (Bibliothek der Stadt Wien) und 
Dr. Prusik (Universitüts-Bibliothek in Prag) erschienen. Das Programm war ein sehr 
reichhaltiges, da es in vier grossen Abtheilungen (Geschichte und Organisation, Bau- 
liches und Einrichtung, Beschreibung nnd Katalogisierung, Benützungsmodalitüten) 
nicht weniger als 23 Fragepunkte umfasste. Es ist nicht recht ersichtlich. ob der 
Congress, der am 20. Angust in der Sorbonne mit ciner Ansprache des Generaldirectors 
der Bibliothéque Nationale Leopold Delisle eróffnet wurde, alle diese Fragen in 
Behandlung gezogen hat. Dagegen scheinen einige Vorträge sehr interessant gewesen 
zu sein. so namentlich jener des Stadtbibliothekars von Bayonne Hiriart über 
die dureh Insecten verursachten Beschädigungen, der sofort die Folge hatte, dass 
zwei anonyme Freunde des Bibliothekswesens Preise (2 à 1000, 1 à 500 Frs.) für 
die beste bis 1. Jänner 1902 beim Generalsecretär des Congresses Henry Martin 
(Bibliothèque de l'Arsenal in Paris) einlaufende Arbeit über diese Frage aussetzten. 
Martin selbst besprach eine Angelegenheit, die auch unseren Verein schon be- 
schäftigt hat: die Schaffung einer „Zeitungs-Bibliothek“; auch Dr. Prusik hielt 
einen Vortrag: „Sur l'état des bibliothèques tchèques“. Der Congress, welcher während 


SDA} ien 


See Ze 


— 100 — 


seiner Tagung ausser der Ausstellung auch die Biblioth@qne nationale sowie die 
Sammlungen in Chantilly besichtigt hatte und vom Prinzen Roland Bonaparte 
zu Gaste gebeten worden war, beschloss endlich noch, dass alle fünf Jahre ein neuer 
internationaler Bibliothekar-Congress stattfinden solle. D. 


Der Verein deutscher Bibliothekare hat sich constituiert. Sein Vor- 
stand setzt sich folgendermassen zusammen: Abtheilungsdireetor Schwenke (Berlin) 
Vorsitzender, Geh. Rath Dr. v. Laubmann (München) stellvertretender Vorsitzender, 
Oberbibliothekar Dr. Ippel (Berlin) Schriftführer, Geh. Regierungsrath Dr. Dziatzko 
(Göttingen) stellvertretender Schriftführer, Director Dr. Ermann (Berlin) Schatz- 
meister. Die Satzungen des Vereines sind im Septemberheft des „Centralblatt für 
Bibliothekswesen“ abgedruckt. 


Ein Erlass des k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht vom 2b. Juli 1900, 
Z. 4573 regelt die Frage, inwieweit von den im Inlande verlegten Ansichts- 
karten Pflichtexemplare abzuliefern sind, 


(Schenkungen.) Der akademische. Senat hat beschlossen, dass die von Hof- 
rath Dr. Theodor Puschmann der Wiener Universität testamentarisch vermachte 
Bibliothek in die Verwaltung der Wiener Universitäts-Bibliothek übergehe. — Die 
Verlagsbuchhandlung Carl Konegen in Wien hat sich in einer Eingabe an das 
k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht erbótig gemacht, eine Anzahl von Werken 
ihres Verlages, «lie meisten davon in mehreren hundert Exemplaren, behuts Ver- 
theilungz an die Universitäts- und Studien-Bibliotheken sowie an die Bibliotheken 
an Mittelschulen, Gewerbeschulen und Lehrerbildungsanstalten zur Verfügung zu 
stellen. Die Vorstehung der k. k. Universitüts-Bibliothek in Wien wurde ermüüchti;t, 
dieses Angebot anzunehmen und wegen entsprechender Vertheilung der Werke nach 
Art des Doublettenaustausches die weiteren Schritte einzuleiten. 


Einer Anregung des Directors der k. k. Universitits-Bibliothek in 
Wien, Regierungsrath Dr. Grassauer zufolge, werden die Porträts sämmtlicher 





Beamten, die an dieser Bibliothek thütig waren, gesammelt und in deren Porträt- 
sammlung aufgenommen. 


(Bibliotheksmuseum.) Nene Einsendungen erfolzten von Herrn Dr. Max 
Ortner, Custos der Studienbibliothek in Klagenfurt, von der Biblioteca civica in 
Trient und von der Bibliothèque publique in Genf. 





Zur Beachtung. 


Bibliotheken, insbesondere die ósterreichischen, welche die 
»Mittheilungen« ihrem Bücherbestande einverleiben wollen, wer- 
den dringend darauf aufmerksam gemacht, den Bezug derselben 
ehethunlichst einzuleiten, da nur mehr sehr wenige vollständige 
Exemplare der vier ersten Jahrgänge zur Verfiigung stehen. 





Verantwortlicher Redacteur: Dre August Wejaz, Druck vu Gottlieb Gistel & Comp. in Wien, 


— 101 — 


881. Sedecia. Azione sacra p. mus. — Part. 17.069, 17.105. 
M. V. 
Ap. Zeno. ` A. Caldara. 


27. März. W. D. — Ital. Text. 4°. Van Ghelen. H. B. (SA. 33. B. 122.) 
[Poesie sacre drammat.] (Opere Vol. 8.) 


1733. 
882. L'adolescenza coronata dal Senno. Festa da 
camera. — Part. 17.616. M. V. (B.) 
G. Cl. Pasquini. M. J. Hellmann. 


26. Juli. Zum Namenstag der Erzherzogin Maria Anna. 


883. Ciroin Armenia. Festa da cam. — Part. 17.976.M.V. 


G. Cl. Pasquini. Joh. Georg Reutter jun. 
1. October. Zum Geburtstag des Kaisers. 


884. Clelia. Festa teatrale. — Part. 17.290, 19.074 (Frag- 
ment). M. V. (B.) 
G. Cl. Pasquini. J. M. Conti. 


21. November. Zum Namenstag der Kaiserin. W. D. — Ital. Text. 8°. Van 
Ghelen. M. V. 


885. Demofoonte. Festa teatrale. — Part. 17.107, 17.168. 
M. V. 
P. Metastasio. | A. Caldara. 
Balletmusik von N. Matteis. 
4. November. Zum Namenstag des Kaisers, wiederholt 8. u. 24. November. 
W.D. — Ital. Text. 8°. Van Ghelen. M. V. H. B. (SA. 3. J. 8.) [Opere Vol. 5.] 
Dtsch. Text. 8". ,Demophoon, Kónig in Thracien, übers. von Ant. Prokoff.^ (SA. 5. 
K. 195.) 
886. La maestà, condotta al tempio dell'onore 
dal Consiglio. Festa di camera. — Part. 17.615. M. V. (B.) 
G. Cl. Pasquini. M. J. Hellmann. 


19. October. Zum Namenstag der Erzherzogin Maria Theresia. SE 


887. I1 natale (s. Nr. 659). — Part. 17.518. 
l. October. Zum Geburtstag des Kaisers. 


888. L' Olimpiade. Drama p. mus. — Part. 17.164. M. V. 
P. Metastasio. | A. Caldara. 
Balletmusik von N. Matteis. 
28. August. Zum Geburtstag der Kaiserin Elisabeth Christina im Garten der 
Favorita. Wiederholt 30. August und 10. September. W. D. — Ital. Text. 8°. Van 


Ghelen. M. V. (Opere Vol. 4.) Dtsch. Text. 8°. „Olympisches Jahr-Fest.“ H. B. (SA. 5. 
H. 174.) 


3 


— 102 -- 


*889. Don Pilone. 

Gespielt von den Kammermusikern im spanischen Saale. 29. Jänner, 3., 7. 
und 17. Februar. W. D. [Don Pilone overo i| Bacchettone falso. Com. in Prosa v 
Moliére, übers. v. Girolamo Gigli. 1. Ag. Luca 1711. (Allacci.)] 


890. Sancio Panza, governatore dell'isola Barat- 


taria. Comedia per musica. — Part. 16.556 (Arien), 17.108, 
17.159. M. V. 
G. Cl. Pasquini. A. Caldara. 


Balletmusik von N. Matteis. 
27. Jinner im kleinen Theater der Burg, wiederholt 5. und 14. Februar. 
W. D. — Ital. Text. 8°. Van Ghelen. M. V. 


891. Siroe. Drama per mus. — Part. 17.256, 19.058. 
P. Metastasio. J. A. Husse. 
Ital. Text. [Opere Vol. 1.] 


892. Ezechia. Azione sacra. — Part. 18.172. M. V. (B.) 


A. M. Luchini. Ign. M. Conti. 
26. Februar. W. D. — Ital. Text. 8°. Van Ghelen. H. B. (SA. 33. B. 121.) 


893. Gerusalemme convertita. Azione sacra per mus. 
— Part. 17.071. M. V. 


Ap. Zeno. A. Caldara. 

31. März. W.D. — Ital. Text. 4°. Van Ghelen. H. B. (SA. 33. B. 118. 
[Poesie sacre drammat.] (Opere Vol. 8.) 

894. Giuseppe riconosciuto. Azione sacra. — Part. 
18.106. M. V. (B.) 

P. Metastasio. G. Porsile. 

12. März. W. D. — Ital. Text. 4°. Van Ghelen. H. B. (SA. 33. B. 120.) 


[Opere Vol. 5.] 


895. Il ritorno di Tobia. Azione sacra. — Purt. 17.302. 


M. V. 

G. Cl. Pasquini. Joh. Georg Reutter jun. 

5. März. — Ital. Text. 4°. Van Ghelen. H. B. (SA. 33. B. 119.) 

806. La clemenza di Tito. Festa teatrale. — Part. 
17.109, 17.171. M. V. 

P. Metastasio. A. Caldara. 


Balletmusik von N. Matteis. 
4. November. Zum Namenstag Karls VI., wiederholt 11. u. 22. November. 
— Ital. Text. 8°. Van Ghelen. M. V. (Opere Vol. 3.) Dtsch. Text. 8°. ,Die Gütigkeit 
Titi“, übers. v. Ant. Prokoff. 1134. H. B. (DS Bd. 3.) „fine 25. October“ (Caldara). 


— 103 — 
897. Cleonice. — Part.-Verz. 


P. Metastasio. J. A. Hasse. 
898. Dafne. Festa teatrale. — Part. 17.914. M. V. (B.) 
G. CI. Pasquini. Joh. Georg Heutter jun. 


19. November. Zum Namenstag der Kaiserin Elisabeth Christina. 


899. Enone. Drama p. mus. — Part. 18.224. M. V. 
Ap. Zeno. A. Caldara. 
Balletmusik von N. Matteis. 


28. August in der Favorita zum Geburtstag der Kaiserin, wiederholt 5. Sep- 
tember. W.D — Ital. Text. 8°. Van Ghelen. M. V. (Opere Vol. 7.) Dtsch. Text. 8°. 
Van Ghelen. „Enon, übers. v. Ant. Prokoff.“ H. B. (DS. Bd. 178.) 


900. La gratitudine di Mitridate. Festa di cam. — 
Part. 17.978. M. V. 

G. Cl. Pasquini. Joh. Georg Reutter jun. 

1. October. Zum Geburtstag Kaiser Karls VI. 

901. Le lodi d'Augusto, intessute dalle muse per 
la celebrazione de'giuochi scolari. Festa di camera. — 
Part. 17.598, 18.661. M. V. 

(+. Cl. Pasquini. A. Caldara. 


Erzherzogin Maria Theresia und Maria Anna wirken mit [vgl. Metastasio's 
Brf. vom 26. Februar: Lettere ed Carducci]. 

902. Pastorale. Festa di cam. à 2 voci. — Part. 17.636. 
M. V. (B) 

G. Cl. Pasquini. J. M. Conti. 

26. Juli. Zum Namensfest der Erzherzogin Maria Anna. 

903. La virtù, guida della fortuna. Festa di cam. 
— Part. 17.617. M. V. (B.) 

G. CI. Pasquini. M. J. Hellmann. 


15. October. Zum Namenstag der Erzherzogin Maria Theresia. 


904. Abigaile. Azione sacra. — Part. 18.310. M. V. (B.) 
Francesca Manzoni-Giusti. M. J. Hellmann. 
1. April. W. D. — Ital. Text. 4°. Van Ghelen. H. B. (SA. 33. B. 117.) 


905. La Betulia liberata. Orat. — Part. 17.311, 19.064. 
M. V. | 
P. Metastasio. Joh. Georg Reutter jun. 
8. April. W. D. — Ital. Text. 4°. Van Ghelen. H. B. (SA. 33. B. 115.) 
906. David (s. Nr. 859). 
Ital. Text. 4°. Van Ghelen. [Allacci.] 
3% 





— 104 — 


907. La Debbora. Azione sacra. — Part. 18.174. 
Francesca Manzoni-G iusti. Ign. M. Conti. 
16. April. Ital. Text. 4°. Van Ghelen. H. B. (SA. 33. B. 116.) 


908. San Pietro in Cesarea. Azione sacra p. mus. — 
Part. 17.104, 18.140. M. V. 


Ap. Zeno. A. Caldara. 
20. April. W.D. — Ital. Text. 4°. Van Ghelen. (SA. 33. B. 114.) [Poesie 
sacre dramat.) (Opere Vol. 8.) 


1735. 
909. Componimento drammatico che introduce 
ad un ballo cinese. — Part. 17.597. M. V. 
P. Metastasio. A. Caldara. 


910. Dialogo (s. Nr. 837). — Part. 17.663. 


15. October. Zum Namenstag der Erzherzogin Maria Theresia. 


911. La Fama accresciutadalla Virtù. Festa di cam. 
— Part. 17.632. M. V. (B.) 
G. Cl. Pasquini. Gius. Porsile. 


15. October. Zum Namenstag der Erzherzogin Maria Theresia. 


912. La Fortuna annichilata dalla Prudenza. 
Festa di cam. — Part. 17.620. M. V. (B.) 
G. Cl. Pasquini. Ign. M. Conti. 


26. Juli. Zum Namenstag der Erzherzogin Maria Anna. 


913. Le grazie vendicate. — Part. (s. a.) 17.614. M. V. 


P. Metastasio. A. Caldara. 
28. August. Zum Geburtstag der Kaiserin in der Favorita. Mitwirkend 
Maria Theresia und Maria Anna. (Eine andere Composition Part. 18.284.) — Ital. 


Text. (Opere Vol. 11.) 


914. La liberalità di Numa Pompilio. Festa di cam. 
— Hs. 10.255, Part. 17.245. M. V. (B.) 
G. Cl. Pasquini. Ign. M. Conti. 


l. October. Zum Geburtstag Karls VI. (Umgearbeitet für Dresden in Opere 
Vol. 1, 1751.) 


915. I1 natale (s. Nr. 825). — Part. 17.146. 18.203. M. V. 
38. August. Zum Geburtstag der Kaiserin. 

916. Il palladio conservato. — Part. 19.016. M. V. 
P. Metastasio. | Joh. Georg Reutter jun. 


1. October. Zum Geburtstag des Kaisers Karl VI. in der Favorita. Mit- 
wirkend Maria Theresia und Maria Anna. — Ital. Text. (Opere Vol. 11.) 


== 105: & 


917. Il sacrificio in Aulide. Festa teatrale. — Part. 
17.982. 
P. Pariati. Joh. Georg Reutter jun. 


19. November. Zum Namenstag der Kaiserin. — Ital. Text. 4°. Van Ghelen. 
M. V. H. B. (SA. 3. H. 136.) 


918. Scipione Africano il maggiore. — Part. 17.166. 
M. V. 
G. Cl. Pasquini. A. Caldara. 


4. November. Zum Namenstag des Kaisers. 


*919. Il sogno di Scipione. Azione teatrale. 
P. Metastasio. L. A. Predieri. 


1. October. Zum Geburtstag des Kaisers in der Favorita. — Nach An- 
gabe des ital. Textes. (Opere Vol. 11.) 


920. La Debbora (s. Nr. 901). — Part. 18.174. M. V. (B.) 
Ital. Text. 8°. Van Ghelen. H. B. (SA. 3. H. 133.) 


921. Il figliuol prodigo. Azione sara. — Purt. 18.176. 
M. V. (B.) 
G. CL Pasquini. Ign. M. Conti. 


10. Márz. W.D. — Ital. Text. 4° Van Ghelen. H. B. (SA. 33. B. 118.) 
[Opere Vol. 1, 1751.] H. B. 


922. Gesü presentato nel tempio. Azione sacra 
per mus. — Part. 17.103, 18.139. M. V. 

Ap. Zeno. A. Caldara. 

Lettere Dec. 1734 [V, 64]. — Ital. Text. 4°. Van Ghelen. (SA. 3. H. 138.) 
[Rappres. sacre drammat.] (Opere Vol. 8.) 

923. Gioas, rè di Giuda. Azione sacra. — Part. 17.304. 
M. V. Ä 

P. Metastasio. Joh. Georg Reutter jun. 

Ital. Text. 4°. Van Ghelen. H. B. (SA. 3. H. 134.) (Opere Vol. 7.) 


1736. 
924. Achille in Sciro. Drama per mus. — Part. 17.113. 
17.179. M. V. 
P. Metastasio. A. Caldara. 
Balletmusik von N. Matteis. 


13. Februar. Zur Vermihlung Maria Theresias mit Erzherzog Franz 
Stephan v. Lothringen. Wiederholt 17. Februar. W. D. — Ital Text. 8. Van Ghelen. 
M. V. H. B. (104. E. 80.) (Opere Vol. 5.) Dtsch. Text. 8°. „Achilles in Scyro, übers. 
von Anton Prokoff.“ HB. (SA. 5, K. 192.) 


— 106 — 


925. Amore insuperabile. Festa di cam. — Part. 17.623. 
M. V. (B.) 
G. Cl. Pasquini. Gius. Bonno. 


26. Juli. Zum Namenstag der Erzherzogin Maria Anna. 


926. Ciro riconosciuto. Dramma per mus. — Part. 17.177. 
M. V. (B) 
P. Metastasio. Ant. Caldara. 
Balletmusik von N. Matteis. 


28. August. Zum Geburtstag der Kaiserin im Garten der Favorita, wieder- 
holt am 2. und 10. September. W. D. — Ital. Text. 8°. Van Ghelen. M. V. (Opere 
Vol. 5.) Dtsch. Text. 8°. Van Ghelen. ,Der erkannte Cyrus, übers. v. Ant. Prokoft." 
H. B. (SA. 5. H. 213) 


927. Diana vendicata. Festa teatrale. — Port. 17.984. M. V. 


G. Cl. Pasquini. Joh. Georg Reutter jun. 

21. November. Zum Namenstag der Kaiserin. W. D. — Ital. Text. 4^. Van 
Ghelen. H. B. (SA. 3. H. 139.) M. V. Neu bearbeitet für Warschau 1747 in Opere 
1751, Vol. 1. H. B. 


928. Sisara (s. Nr. 699). 
Ital. Text. 4°. Van Ghelen. [Allacci.] 


929. La speranza assicurata. Serenata. — Part. 17.980. 
M. V. 
G. Cl. Pasquini. Joh. Georg Reutter jun. 


13. Mai in Laxenburg. Zum Geburtstag der Erzherzogin Maria Theresia. 


930. Statira. — (Molitor.) 

Ap. Zeno. Joh. Georg Reutter jun. 

Opere Vol. 6. 

931. Il Temistocle. Drama per mus. — Part. 17.182. M.V. 

P. Metastasio. A. Caldara. 
Balletmusik von N. Matteis. 


4. November. Zum Namenstag des Kaisers, wiederholt 5. u. 11. December. 
W. D. — ltal. Text. 8°. Van Ghelen. M. V. (Opere Vol. 5.) Dtsch. Text. 8°. Van 
Ghelen. „Themistocles, übers. v. Ant. Proko.“ H. B. (SA. 5. K. 194.) 


932. Trajano. Festa di cam. — Part. 18.289. M. V. (B.) 

G. Cl. Pasquini. Gius. Bonno. 

1. October. Zum Geburstag des Kaisers. 

933. Il (Del) giusto afflitto nella persona di Giobbe. 
Oratorio. — Part. 18.178. M. V. (B.) 


G. CI. Pasquini. Ign. Conti. 
8. Mürz. W. D. — Ital. Text. 4°. Van Ghelen. H. B. (SA. 3. H. 142.) 


— 107 — : 


934. Gioseffo che interpreta i sogni. Orat. — Prrt. 18.165. 
G. B. Neri. Franc. Conti. 
23. Februar. W. D. — Ital. Text. 4*. Van Ghelen. [Allacci.] 


935. La passione (s. Nr. 845). 
27. März. — Ital. Text. 4°. Van Ghelen. H. B. (SA. 3. H. 140.) 


1131. 
936. Alessandro Severo. Festa di cam. — Part. 18.304. 
M. V. (B>) 
G. CI. Pasquini. Gius. Bonno. 


1. October. Zum Geburtstag des Kaisers. 


937. Alessandro in Sidone. Tragicomedia. — Part. 18.297. 
M. V. (B.) 
Ap. Zeno und [P. Pariati]. Giov. Bononcini. 


Balletmusik von N. Matteis (vgl. Nr. 712). 
6. Februar, wiederholt 2. u. 5. März. W.D. — Ital. Text. 8°. Van Ghelen. 
M. V. (Opere Vol. 11.) 


938. Flavio Anicio Olibrio. — Purt. 18.294. 
Ap. Zeno und P. Pariati. Andr. Bernasconi. 
(Opere Vol. 10.) 


939. La gara del genio con Giunone. Serenata. — 
Part. 18.276. M. V. (B.) 

G. CI. Pasquini. Gius. Bonno. 

13. Mai in Laxenburg. Zum Geburtstag der Erzherzogin Maria Theresia. 


940. La generosità di Artaserse. Serenata. — Part. 
18.295. M. V. (B.) 
G. Cl. Pasquini. Gius. Bonno. 


4. November. Zum Namenstag des Kaisers. 


941. Il giudizio rivocato. Festa di cam. — Part. 18.302. 
M. V. (B) 
G. Cl. Pasquini. Gius. Porsile. 


19. October. Zum Namenstag der Erzherzogin Maria Theresia. 

*942. Pastorale à due voci. — Part. M. V. 

G. Cl. Pasquini. Gius. Bonno. 
19. November. Zum Namenstag der Kaiserin. 


9413. Il premio dell'onore. Festa di cam. — Part. 17.293. 
G. Cl. Pasquini. M. J. Hellmann. 


26. Juli. Zum Namenstag der Erzherzogin Maria Anna. 





— 108 — 


944. Sesostri. Drama p. mus. — Part. 18.004. M. V. (B.) 
P. Pariati und Ap. Zeno. Gius. Porsile. 


(Vgl. Nr. 671.) 
Carneval. (Opere Vol. 10.) 


*945. Trespolo tutore. Comedia. 
(Giamb. Riciardi.) 
[Allacci.| 


Ist wohl die vom 4. März von Edelknaben gespielte Burlesca „Der Vormünder“. 
W. D. — Ital. Text ohne Drucker. 4°. Dtsch. Text ohne Drucker. 4°. „Trespolo Gerhab.“ 


*946. L’anima (s. Nr. 734.) M. V. 


947. S. Elena (s. Nr. 860). 
16. April. W. D. — Ital. Text. 4?. Van Ghelen. H. B. (34. 3. H. 146.) 


948. Ezechia. Azione sacra p. mus. — Part. 17.062, 17.068. 
M. V. 

Ap. Zeno. Giov. Bononcini. 

4. April. W. D. — Ital. Text. 4°. Van Ghelen. H. B. (SA. 3. H. 144.) [Opere 
Vol. 6.] 

949. Il Gedeone. Azione sacra. — Part. 18.315. 

Andr. Perrucci. N. Porpora. 

28. März. W.D. 

950. La madre de’ Maccabei. Oratorio. — Part. 18.108. 
M. V. (B.) 

Franc. Manzoni-Giusti. Gius. Porsile. 

14. März. W.D. — Ital. Text. 8°. Van Ghelen. H. B. (SA. 3. H. 143.) 


1738. 

951. L' Alloro illustrato. Festa teatrale. — Part. 17.988. 
M. V. (B.) 

G. CI. Pasquini. Joh. Georg Reutter jun. 

19. November. Zum Namenstag der Kaiserin. W.D. 

952. Gli augurj spiegati. Serenata. — Part. 18.006. M. V. 

G. Cl. Pasquini. Luc. Ant. Predieri. 

10. Mai in Laxenburg. Zum Geburtstag der Erzherzogin Maria Theresia. 

953. La pace fra la virtü e la belleza. Festa di cam. 
— Part. 17.602. M. V. (B.) 


P. Metastasio. Luc. Ant. Predieri. 
15. October. Zum Namenstag der Erzherzogin Maria Theresia. — Ital. Text. 
(Opere Vol. 11.) 


— 109 — 


954. La pace richiamata. Festa di cam. -— Part. 15.300. 
M. V. (B.)) 
G. CI. Pasquini. Gius. Bonno. 


26. Juli. Zum Namenstag der Erzherzogin Maria Anna. 


955. Il Parnasso accusato e diffeso. Festa teatrale. — 
Part. 17.986. M. V. (B.) 


P. Metastasio. Joh. Georg Reutter jun. 

28. August. Zum Geburtstag der Kaiserin in der Favorita. — Ital. Text. 4°. 
Van Ghelen. M. V. (Opere Vol. 11.) 

956. La pietà di Numa. Festa di cam. — Part. 18.290. 
X. V. (B.) 

G. Cl. Pasquini. Gius. Bonno. 

1. October. Zum Geburtstag Karls VI. 


957. Perseo. Festa di cam. — Part. 18.008. M. V. (B.) 
Luc. Ant. Predieri. 

4. Novem ber, Zum Namenstag des Kaisers. W. D. 

958. La deposizione (s. Nr. 811). 

Ital. Text. 4°. Van Ghelen. H. B. (SA. 3. H. 131) [auch in Opere Vol. 1.] 

1751 H.B. 

959. Ester. Oratorio. — Part. 17.064. M. V. (B.) 

P. Metastasio. C. Arrigoni. 

Ital. Text. 4°. Van Ghelen. [Allacci.] 


960. Naboth (s. Nr. 833). — Part. 18.133. 
Ital. Text. 4°. Van Ghelen. H.B. (SA. 3. H. 129.) 


961. Il sagrificio d' Abramo. Azione sacre. — Part. 18.118. 
M. V. (B.) 

Frane. Manzoni- Giusti. Luc. Ant. Predieri. 

Ital. Text. 4°. Van Ghelen. H.B (SA. 3. H. 130.) 


1739. 
962. Astrea placata ovvero la felicità della terra. 
Festa di cam. — Part. 17.955. M. V. (B.) 


P. Metastasio. Luc. Ant. Predieri. 
28. August. Zum Geburtstag der Kaiserin Elisabeth Christina in der Fa- 
vorita. — Ital. Text. (Opere Vol. 11.) 


963. I1 Demetrio. Dr. p. mus. — Part. 17.257 vgl. Nr.849. 


P. Metastasio (mit Abänderungen). J. Ad. Hasse (und ein- 


gelegte Arien anderer). 
Zur Messe in Reggio. 


— 110 — 


.964. L' Eroina d' Argo. Festa di cam. — Part. 17.990. 
M. V. | 
G. Cl. Pasquini. Joh. Georg Reutter jun. 
15. October. Zum Namenstag der Erzherzegin Maria Theresia. 
965. La forza del’ amore e dell’odio. Part. 19.232. 
Araija. 


966. Il natale di Numa Pompilio. Festa di cam. — 
Part. 18.292. 


G. Cl. Pasquini. Gius. Bonno. 

1. October. Zum Geburtstag des Kaisers. W. D. 

967. La vera nobiltà. Festa di camera. — Part. 17.599. 
V. (B.) 

Cl. Pasquini. Gius. Bonno. 


26. Juli. Zum Namenstag der Erzherzogin Maria Anna. 


968. Il nume d' Atene. Festa di cam. — Part. 15.259. 
M. V. (B.) | 
Gius. Bonno. 
19. November. Zum Namenstag der regierenden Kaiserin. W. D. 


pw or 


969. Il vero omaggio. Carmen dramaticum. — Part. 17.576. 
P. Metastasio. Gius. Bonno. 
Zum Geburtstag Erzherzog Josephs. 
970. La pace (s. Nr. 953). — Part. 16.516. 

Ant. Bioni. 


971. Il sogno (s. Nr. 919). — Part. 17.957. M. V. (B.) 

4. November. Zum Namenstag Karls VI. 

972. La colpa e Nr. 685). — Part. 18.180. M. V. (B.) 
Ign. Conti. 


973. Eleazaro. Azione sacra. — Part. 17.054. M. V. (B.) 
Gius. Bonno. 


974. La Maria lebbrosa. Azione sacra. — Part. 17.309. 
M. V. | 

P. Metastasio. Joh. Georg Reutter jun. 

Ital. Text. 4°. Van Ghelen. [Allacci.] 


975. I lamenti d'Orfeo. Festa di cam. — Part. 17.604. 
G. Cl. Pasquini. Christ. Wagenscil. 


26. Juli. Zum Namenstag der Erzherzogin Maria Anna, umgearbeitet Tur 
Dresden in Opere 1751, Vol. 1. H. B. 


cod = 


1740. 
976. Il natale di Giove. Azione teatrale. 
P. Metastasio. Gius. Bonno. 
1. October. Zum Geburtstag des Kaisers in der Favorita. -- ltal. Text. 


, (Opere Vol. 11.) 


977. La generosa Spartana. Serenata. — Part. 18.279. 
G. CI. Pasquini. Gius. Bonno. 


13. Mai in Laxenburg. Zum Geburtstag der Erzherzogin Maria Theresia. 


978. Zenobia. Dramma per mus. — Part. 17.959. 
P. Metastasio. L. A. Predieri. 
Balletmusik von N. Matteis. 


28. August in der Favorita. Zum Geburtstag der Kaiserin, wiederholt 
4. September. W. D. — Ital. Text. 8'. Van Ghelen. M. V. (Opere Vol. 6.) 


919. I1 Batista (s. Nr. 800). — Part. 18.143. 


980. La Betulia (s. Nr. 905). — Part. 17.311. 
Ital. Text. 4?. Van Ghelen. [Allacci ] 


981. Isacco figura del redentore. Azione sacra. — Part. 
18.116. M. V. (B.) 

P. Metastasio. L. A. Predieri. 

12. April. W. D. — ltal. Text. 4°. Van Ghelen. M. V. (Opere Vol. 8.) 


982. San Paolo in Atene. Orat. — Part. 17.060. 

G. CI. Pasquini. Gius. Bonno. 

31. März. W.D. — Ital. Text. 4°. Van Ghelen. [Allacci.] Gedruckt in Opere 
1751. Vol. 1. H. B. 


Ohne Jahreszahl. 
1. Opern und Comódien. 
*983. S. t. (Faneto's Liebe zur Notte und Kampf gegen 


Erato seinen Nebenbuhler.) Mit vier grossen Zwischenspielen. — 
Hs. 13.310. | 


*984. Academia (Ulisse, Telemaco, Filottete). — Part. 
17.922. 
(Nic. Minato ?) (Ant. Draghi ?) 


985. Gli tre amanti. Ä | 
Ant. Draghi. [K. 344.] 


— 112 — 


*986. Amare e fingere. Opera Scenica. 
[Domenico Ant. Parrino, detto Florindo.| 
Mit musikalischen Intermedien. 


Im Auftrag der Kaiserin- Witwe Eleonora für Leopold und Margaretha von 
Pagen gespielt [nach Allacci Venezia 1675 erschienen]. — Ital. Text. 8°. 


*987. Applauso poetico. — Part. 17.641. 
Jos. P. Feckhler. 


Zum Namenstag des römischen Königs Josephs I. 


988. Applauso musicale, Festa. 
Ant. Draghi. [K. 335.] 


*989. Cantata à 3 [Egeria, Dorinda e Amarilli]. — Part. 
15.283. 
Zum Namenstag Karls VI. 


*990. Cantata à due voci. — Part. 17.644. 
Ant. Caldara. 
Zum Namenstag Josephs I. gesungen von den Erzherzoginnen Maria Josepha 
und Maria Amalia. 
*991. Clizia e Psiche, Cantata. — Part. 17.590. 
Franc. Conti. 
Zum Namenstag der Kaiserin Elisabeth Christina. 


992. Compositioni di musica per la Comedia Il Se- 
greto. — Part. 18.739. 
Giov. Maria Pagliardi. 
(Zwischen 1669 und 1673.) 


*993. Dafne in alloro. Serenata à 3 voci. — Hs. 13.267, 
Part. 17.527. 
Ign. Conti. 


*994. Dialogo (Vulcano, Venere, Cupido). — Hs. 9401. 
Unter Leopold I. 


*995. Dialogo pastorale (Lidia, Flora, Fileno, Tirsi, 
Sileno). — Part. 17.628. 
Franc. Herm. Graf Schlick. 


Zum Namenstag der Kaiserin Elisabeth Christina. 


*996. Dramma musicale per introdutione al torneo 
del Sero. arciduca Ferdinando. — Hs. 13.202. 
Ant. Abbati. 


— 113 — 


997. L' Europa. Introduttione. — Part. 18.740. 
Alex. Melani. 


(Personen: Giove, Amore, Europa.) 


*998. Festa teatrale (Giove, Pallade, Berecintia, Ence- 
lado, Tiffeo). — Part. 18.726. 


*999. Festa teatrale (Pallade, Aritmetica® Grammatica, 


Logica, Musica). Fragm. — Iart. 18.495. 
Für Leopold I, 


* 1000. Entremeses en musica en la comedia Fineza 
contra fineza. — Part. 18.800. 
(Com. v. Calderon.) Leopold I. 


l. Entremes de Orfeo y Euridice. 
2. La Nobia Barbuda. 
S. Adler: Werke der Kaiser. Nr. 79—83. u. S. 313. 


1001. Forza d'un bel volto. 
Ant. Draghi. [K. 343.] 
*1002. Gio ve invaghito alla caccia. — Hs. 10.222. 


*1003. Il giuoco del quadriglio. Cantata piacevole. —- 
Part. 17.646. 


Ant. Caldara. 


*1004. Giudizio d'amor. Dr. mus. (auch L'amoroso 
giudicio). — Part. 16.589. 
Leopold 1. 


1005. Il giuditio di Paride. Tratten. da camera. — Part. 
16.587. 
Ant. Gianettini. 


*1006. Giunio Bruto overo la caduta de Tarquinii. 
Dr. mus. — Part. 16.692. 
I. Arie von C. F. Cesarini. 
I; 5% „ A. Caldura. 


II. , n A. Scarlatti. 
(Mit farbigen Scenenbildern von Phil. Invarra.) 


1007. Impegnarsi per complimento. Scherzo dram. — 
Part. 18.841. 


Lodovico Cortesi. Giov. Batt. Muriani. 


ze EET en 


*1008. Introduttione musicale per un ballo di ca- 
valieri... l'argomento é la contesa del saggio Ulisse 
e del forte Aiace per l'armi di Achille. — Hs. 10.004. 


26. Juli. Zum Geburtstag Erzherzogs Joseph. 


*1009. Introduzione per l’academia: Sè sia meglio 
per un amante haver rivali ò esser solo. — Part. 17.924. 
(A. Draghi?) 


*1010. Introduttione per l'academia à 3. — Part. 
17.923. (A. Draghi ?) 


1011. Introduzione ad vn balletto. — Part. 18.700. 
Ant. Draghi. 
14. August, Zum Geburtstag der Erzherzogin Marianue aufgeführt (zwischen 
1683 und 1700.) | 


*1012. Legare negl'applausi. Serenata. — Hs. 9989. 
Zum Geburtstag Karls III. 


*1013. Il maggio festivo. Operetta per musica o vero 


introduzione ad' un balletto. — Hs. 13.239. 
Zum Geburtstag Leopolds I., aber „celebrato anticipamente“. 


*1014. Il nascimento dell’ Aurora. Componimento pasto- 
rale da camera. — Hs. 9943, Part. 17.738. Thom. Albinoni. 


Zum Geburtstag der Christina Elisabeth, Königin von Spanien. 


*1015. La bella negromantessa. Recreatione breve, 
honesta e piacevole, dove si mostra il pericoloso stato degli 
amanti per non tollerare la concorrenza in amor. Comedia. — 
Hs. 13.261. 

[Buonafeda Vitali detto lo Anonimo.] 

(Gedruckt Bologna 1735.) [ANacci.] 


1016. Niobe regina di Thebe. — Part. 17.705. 


(Lud. Orlandi? Ag. Stefani?) G. A. Bernabei. 
*1017. Le nozze di Giove e Giunone. Cantata. — Part, 
Ma- Va Ben. Marcello. 


Zu einer Hochzeitsfeier. 


*1018. L’otio ingannato. Mus. di cam. — Part. 18.842. 
N. Minato. G. B. Pederzuoli. 
Zum Geburtstag der Kaiserin-Witwe Eleonora (zwischen 1705 und 1720). 


— 115 — 


*1019. L' oracolo di Velleda. 
P. A. Bernardoni. 
Zum Namenstag Amalia Wilhelminas. — Ital. Text. Bologna 1706. [Allacci.] 
In seinen Poemi drammatici Bd. III. 
*1020. Osmeno e Fileno. Dialoghetto. — Part. 18.317. 
Ant. Caldara ? 
Gius. Porsile? 


*1021. L' osseqvio frà gli amori. Serenata con vn bal 
letto. — Hs. 13.178, Purt. 16.917. Ant. Draghi. 


Veranstaltet von der Kaiserin-Witwe Eleonore für Leopold und Margaretha 
am Abend des Annentags. 

1022. L'osseqvio della bizzarria. Introduzione per un 
balleto. — Part. 18.872. G. Batt. Pederzuoli. 


1023. (Pastorale.) — Hs. 13.131. 
Agostino Argomenti. 
13. Juli. Zum Geburtstag Ferdinands III. 


1024. Ricreazione burlesca. Dr. — Part. 17.746. 
P. A. Ziani. 


*1025. Scherzo p. mus. (Il Fato, Chirone. Cefalo.) — 
Hs. 9997. 

Pietr. Guadagni. 

Unter Leopold I. 


*1026. Scio fuor di Scio. Dr. past. p. mus. — Hs. 9951. 
Scip. Maffei. 
Mit Widmung an Karl VI. 


* 1097. Serenata (Notte, Amante, Sirena, Tritone, Cupido). 
— Part. 18.668. 


*1028. Serenatà (Eurilla, Timeta, Alceo e Dori). — Part. 
18.285. 
Zum Geburtstag der Kaiserin Elisabeth Christina. 


*1029. Il Silvano. Tragicom. — Hs. 10.132. 
Mit Widmung an Leopold I. 


*1030. La superbia, abbattuta da vn generoso ré. 
Opera reggia. — Hs. 991. 

Antonio Ristori, detto Mezzetino. 

Joseph I. gewidmet. 


— 116 — 


*1031. Trattenimento p. cam. à 2 voci. — Part. 17.655. 
Dario Doretti. Bartol. Bernardi. 


1032, Trialogo nel natale del Signore. (La Divinità, 
l'Umanità, la Notte.) — Part. 16.887. G. B. Pederzuoli. 


*1033. Il tributo della lode. Dialogo p. mus. — Hs. 10.133. 
Bernard. Bianchi. 
Zum Geburtstag Leopolds I. 
1034. Vaticinio di Apollo e Diana. — Part. 17.640. 
G. A. Bernarbei. 
(Ein Menuett von Melch. d’Ardespin.) 
Zur Entbindung der Erzherzogin Maria Antonia von Baiern. Zwischen 1689 
und 1692. 
1035. Veglia di Parnasso. Festa. — Part. 18.889. 
N. Minato. A. Draghi. 
Zum Geburtstag Leopolds I. 
1036. Le veglie di Tempe. Serenata. — Part. 18.848. 
N. Minato. A. Draghi. 
Zum Geburtstag Leopolds I. 


2, Oratorien. 


*1037. Assallone punito. Orat. — Part. 19.954. 
Lepori. P. A. Ziani.- 


*1038. Bersabea? Oratorio. — Part. 18.492. (Nur Th. 2.) . 


Ohne Titel. Personen: Salomon, Natan, David, Bersabea. 


*1039. La Betulia liberata. Orat. — Part. 17.085. 
P. Metastasio. A. Bernasconi. 


*1040. (La colpa originale o la caduta del primo 
uomo.) Orat. — Part. 19.163. Pietro Nic. Sorosina. 
Leopold I. gewidmet. 


1041. Li sette dolori di Maria vergine. Azione sepol- 
crale. — Part. 16.275. 


G. Ferri. À. Draghi. 
*1042. (San Francesco d’ Assissi.) Oratorio. — Part. 
15.507. 


Für Leopold I. 


= ER 


*1045. (La fuga in Egitto.) Oratorio. — Part. 17.693. 
Giov. Maria Casini. 
Leopold T. gewidmet. 
1044. Giuditta. Orat. -- Part. 16.357. 
Dom. Giov. Freschi. 
(Vicenza.) 


1045. Giuditta. Oratorio. — Part. 15.271. 
A. Draghi. 


*1046. S. Josephus sive de fuga in Aegyptum. Orat. 
— Part. 16.585. 
Leopold 1.7 
1047. Il limbo aperto. Azzione saera. — Part. 16.309. 
Gib. Ferri. A. Draghi. 
Gründonnerstag in der Kapelle der Kaiserin Eleonora. | 
*1048. (S. Maria Vergine.) Oratorio. -— Part. 18.509. 
Für Leopold I. 
*1049. Il martirio di S. Caterina. Orat. - - Part. 17,700. 
A. Caldara. 


*1050. La morte d'Oloferne. Orat. —- Is. 10.135. 
Giberto Ferri. (Leopold 1.) 


“1051. S. Pietro piangente. Oratorio. — Part. 15.926. 
(G. B. Pederzuolit ?) 
*1052. Santa Teresa. Oratorio. — Part. [8.684, 


Benedicta Catharina Grazianini. 


* 1053. Santa Teresa. Orat. — Purt. 18.397. 
F. T. Richter. 
^1 Hof? 


10) 


Nachträge und Berichtigungen. 


Während der sich durch mehr als zwei Jahre hinziehenden Fertigstellung des 
Druckes wurde der Katalog der musikalischen Handschriften der k.k. Hofbibliothek ab- 
geschlossen und öffentlich vorgelegt, ohne dass bei den sich fortwährend mit dem- 
selben kreuzenden Correeturen dieser Bibliographie immer in genürendem Ausmasse auf 
ihn Rücksicht genommen werden konnte. Dadurch erklären sich manche unvermeidliche 
Divergenzen. Ferner ist es gelungen, die Eingangs erwähnte Sammlung Rosenthal’s 
käuflich für die Hofbibliothek zu erwerben. Es sind somit noch die bei mir ohne 
Herkunftsbezeichnung aufgenommenen Nummern vorhanden, sowie noch die aus an- 
deren Bibliotheken nachgewiesenen, die ich hiemit anzebe: 58, 83 (deutsch), 88, 
94. 101. 115, 122, 127, 129. 130. 136, 138, 139. 156. 158, 150, 172. 198, 210, 
217, 218, 223, 225. 230, 261. 263, 265, 330, 341, 348, 353, 360, 362, 363, 365. 
306. 374. 377, 387, 400, 403. 404, 405, 418. 410, 420 (ital. u. dtsch.) 428, 420, 
447, 448, 400, 456, 458, 4009, 462 (ital. u. dtsch.). 463 (ital. u. dtsch.), 468 (ital. 
u. dtsch.) 469 (ital. u. dtsch.) 483. 486. 490 (ital. u. dtsch.), 494. 301, 504, 509. 
513 (ital. u. dtseh.), 915 (ital. u. dtsch.). 517 (ital. u. dtsch.) 5025 (ital. u. dtsch.) 
>24 (ital. u. dtsch.) 534 (ital. n. dtsch.). 536 (ital. u. dtseh.), 542 (ital. u. dtsch.). 
543 (ital. u. dtsch.), 244 (ital. u. dtsch.), 549. 555. 556 (ital. u. dtsch.), 9597 (ital. 
u. dtsch.) 558 (ital. u. dtsch.), 560 (ital. u. dtsch.). 561. 980, 589 (ital. u. dtsch.). 
997. 608. 612, 613. 618, 695. 

Die angeführten Umstände, wie der verzögerte Druck, während dessen ich 
öfter von Wien abwesend war, die Unmöglichkeit, in das Handschriftenverzeichnis 
wie in all die wichtigen Drucke zu jeder Zeit Einsicht zu nehmen, mögen die zahl- 
reichen Fehler entschuldigen, die sich leider eingeschlichen haben. Ich erlaube mir 
im Nachfolzenden die wichtigen zu verbessern, indem ich bemerke, dass viele dieser 
Correcturen auch schon im Register Berücksichtigung fanden. 

S.9 Nr. 40 lies Boretti für Baretti. Nr. 47 lies figliuol für figluol. 

S. 13. Nr. 79 lies Moniglia für Moneglia: Nr. 81 Pietro Bonarelli, wobl iden- 
tiseh mit Prospero B. 

S. 18 zwischen Nr. 124 und 125 ist die Jahreszahl 1674 cinzuschalten. — 
Nr. 126 lies lanterna für laterna. 

8. 22, Nr. 161 lies L'urna für La urna. 

S. 27, Nr. 204 lies Lutti für Luti; ebenso S. 35, Nr. 280. 


S. 35, 


119 — 


e 
{ 


. 29, Nr. 220 lies piazhe fiir pighe. 
S. 35 ist nach 2S1 einzuschalten als 281a: 


Oratorio della vita s. Nr. 99. 

Ital. Text. 4°. 

S. 36, Nr. 283 ist beizufügen: (Balletmusik von A. Schmelzer.) 

S. 37, Nr. 299 ebenso. 

37, Nr. 302 ist Van Ghelen zu streichen. 

. 38, Nr. 308 und S. 3), Nr. 315 lies Orlandi für Orlandini. 

. 9U, Nr. 282 lies Gius. Ant. Bernabei für Giovanni Ant. Bernabei, ebenso 
r. 282. 


S. 39 ist als Nr. 317a einzufügen: 


wA Ul oW. d: 


S.Agata s. Nr. 178. 
Ital. Text. 4°. 


41, Nr. 33) lies Vincentio Bernabei tür Giovanni Battista. 

42, Nr. 345 lies Carlo für Carolo. 

90 ist zwischen Nr. 415 und 416 die Jahreszahl 1696 einzuschieben. 

. 092, Nr. 431 lies vincitore für vincitor. 

53, Nr. 442 ist Giov. Batt. Lampugnani links zu stellen. 

24, Nr. 452 lies redentione für reditione. 

S. 96, Nr. 465 lies Scenar für Sanar. 

. 96, Nr. 469 ist A. Draghi als Componist anzuführen. Für „andre“ lies „anderte“. 
, Dr, Nr. 476 lies varij für varv. 


Uns Uo. TA Uo 


Y: T. UC 


. DI, Nr. 479 lies commun für commen. 

o8, Nr. 4S3 lies risa für rise. 

. 58, Nr. 484 lies Paradeiss für Paradies. 

08, Nr. 485 ist dtseh. Text. 4". hinzuzutuzen. 
S. 98 als 487a: 


1l transito v. Nr. 201. 

dtsch. Text. 4°. 

S. 59, Nr. 491 lies Filippeschi für Filipeschi. 
00. Nr. 901 lies Elisi für Elise. 

61, Nr. 516 lies Orsola für Orsolo. 

62, Nr. 523 lies Nr. 384 für Nr. 381. 

.65, Nr. 549 lies Thalman für Thalmann. 
67, Nr. 566 La Gala für Nr. 565. 

69, Nr. 581 lies amori für amore. P 

19, Nr. 677 lies Ferma für Filma. 

. 102 ist zwischen Nr. 895 und 896 die Jahreszahl 1734 einzuschalten. 
. 116, Nr. 1034 lies Bernabei für Bernarbei. 


uw t AIR Uo UD 


Wien, im October 1900. 


10* 


Titelregister. 


Atderiti |I pazzi] (16725) 134. 

Abdolonimo |L'| (1709) 594. 

Abele (1727) 799. 

Abelle [L'|, re di Boemia (1638) 316. 

Abigaile [L'] (1691) 354 — (1134) 904. 

Aborti |Gli| della fretta (1681) 209. 

Academie (1685) 257 (1603) 313 — 
(1697) 435 — (1698) 445 (1706) 
593, 554 — (1101) 508, 369 — (s. a.) 
984, 1009, 1010. 

Achille in Seiro (1663) 44 — (1736) 924. 

— in Tessaglia (1681) 210. 

— riconosrintto (1668) 80. 

Acquistare volendo perdere (1696) 416. 

Adalberto [L'] (1697) 428. 

Adam, auss dem Irdischen Paradiess ver- 
stossen (1700) 484. 

Adamo ed Eva s.a. v. Peccato |N] originale. 


— (11) secondo disformato nel riformare il 
primo (1649) 14 — (1699) 469. 

— [1] (1699) 468. 

Adolescenza [L'] coronata (1733) 882. 

Adriano in Siria (1732) 863. 

— sul monte Casio (1677) 151. | 

Aftetti [Gli] pit grandi (1101) 488. 

Attitto |Il giusto] nella persona di Giobbe 
(1736) 933. 

Agata [S.} (1678) 118 — (1688) 316a. 

Aglatide ed Ismene (1724) 703. 


Agnese |x.] (167%) 162. 

Alarico [L'] in Baltha (1687) 298. 

Alba Cornelia (1714) 639. 

Albero |L/] del ramo d'oro (1681) 211. 

Alboino |L'] (1707) 561. 

Alceste [L'] (1699) 456 — (1718) 679. 

Aleide, trasformato in Dio (1729) 816. 

Alcindo [L'] (1665) 54. 

Alessandro il Grande (1732) 864. 

— in Sidone (1721) 712 — (1737) 937. 

— Severo (1737) 936. 

Alessio [S.] (1710) 614. 

Allerrezze del mondo (1631) 2. 

Aloro |L'] illustrato (1738) 951. 

Almonte [L'| (1661) 33. 

Alten [Die bethorten] (1695) v. 
[Li] burlati. 

Alter [Die siben] stimben zu samben (1680) 
202. 

Alvida (1722) 124. 

Alvilda [L'|, regina de' Goti (1698) v. Ama- 
zona |L'] corsara. 

Amalosunta (1726) 776. 

Amanti [Gli tre] (s. a.) 985. 

Amare e fingere (s a.) 986. 

— |L'] per virtù (1697) 429. 

Amazona [L] corsara (1698) 4406. 

Amazoni |Le] amanti (1664) v. Simpatia 
(La) nell odio. 


Vecchi 


121 


Amfitrione [L], Prologo ed intermezzi 
(1685) 266. 

Amicizia pagata (1729) 817. 

Ammalato |L’] imaginario (1713) 628. 

Amor non ha legge (1726) Tr. 

-- pon vuol inzanni (1631) 212. 

prigioniero (1732) 865. 

tra nemici (1708) 580. 

vittorioso (1678) 167. 

IL] della redentione (1677) 16: 

(1678) 179 — (1679) 191 — (1680) 

203 — (1682) 231 — (1683) 240 — 

(1684) 252 — (1685) 275 — (1686) 

29] -- (1688) 317 — (1689) 332 - 

(1690) 343 --- (1603) 381 - (1694) 

393 — (1695) 409 — (1696) 423 — 

(1698) 452 - - (1702) 511. 

— — trionfante (1697) 430. 

— [Pazzo] (1664) 50. 

— [Vero] fà soave ogni fatica (1667) 70. 

Amore accademico (1691) 347. 

- da senno (1695) 400. 

fizlio della gratitudine (1689) v. Ro- 

saura [La]. 

in Tessaglia (1718) 680. 

insuperabile (1736) 925. 

— |U'] in sogno (1693) 374. 

— - vuol somiglianza (1702) 501. 

|Rivale] di tre fratelli (1675) 135. 

Amores |Los] di Clodio e Pompea (1669) 
v. Chi più sä. 

Amori di Apollo con Clizia (1660) 29. 

— [Gli] d'Alessandro Magno (1657) 24. — 
(1665) 55. 

— - d’Ergasto (1708) 581. 

—  - d'Irena (1661) v. Forza [La] della 
fortuna. 

— -- di Cefalo e Procri (1668) 81. 

— -- di Clodio e Pompea(1660) v.Chi più sà. 

Amulio e Numitore (1689) 322. 

Andromaca (1724) 752. 

Andromeda (1702) 202 — (1714) 640. 

Angelica (1720) 700. 

— vincitrice di Alcina (1716) 656. 

Anima |1°) immortale (1722) 75 
946. 

—- -- in transito (1692) 360. 


(1737) 





Antonio |S.| di Padova (1684) 253 — 
(1685) 276 - (1686) 292 - (1687) 
302 — (1688) 318 -— (1689) 333 — 
(1691) 355 -- (1693) 382 — (1695) 
410 — (1696) 4241 — (1700) 485 — 
(1726) s. Morto |Il| redivivo. 

Antro dell eternità (1647) 9. 

Apttel |Dergoldene] (1668) v. Pomo [I] 
d'oro. 

Apollo deluso (1660) 85. 

- in cielo (1720) TOL. 

Applauso musicale (s. a.) 988. 

- - portico (s. a.) ONT. 

-- [Ossequioso] (1666) 60. 

— [Secondo] (1667) 71. 

Archelao (1722) 725. 

Archidamia (1720) 792. 

Argonauti |Gli| in viaggio (1682) 222. 

Ariadna e Teseo (1714) 641 — (1717) 666. 

Arianna abbandonata (1641) 6. 

— |P] (1702) 503. 

Aristomene Messenio (1670) 92. 

Armida e Rinaldo (1641) 7. 

Arminio (1706) 547. 

Arpa [L'| festante (1653) 19. 

Arrivo [L'| della gran madre (1713) 629. 

Arsace |L'| fondatore (1695) 401 — (1698) 
44°. 

Artaserse (1730) 835. 

Artemisia (1673) 11H. 

Arzt |Der| wider seinen Wilen (1692) 
358. 

Ascanio [L] in Alba (1686) 282. 

Asilo [L'| d'amore (1732) 866. 

Assalone (1720) 706. 

— nemico del padre (1726) 187. 

- punito (s. a.) 1037 

Astarto (1718) 681. 

Astrea placata (1730) 962. 

Astrologo [Il finto] (1684) v. Intermedio. 

Atalanta (1669) 86. 

Atenaide (1709) 595 — (1714) 642. 

Atomi |Gl'| d'Epicuro (1672) 107. 

Attione da representarse in musica (1651) 
17. 

Attioni [Le] fortunate di Perseo (1691) 
348. 


Aufferstehung |Die] Jesu Christi (1702) | Brand-Optter [Das] dess Abraham (1708) 


s. Resutrezione [La] di Giesü Cristo. 
Auffrichtigkeit [Die] (1699) s. 
| La]. 
Aufschreyen [Das] mit lauter Stimm (1698) 
v. Esclamar [L'] à gran voce. 
Auguri [Gli] spiegati (1738) 952. 
Augurij [Gli] 
(1691) 319. 
Augustino |s.| (1692) 368. 
Avidità |L/] di Mida (1671) 100. 
Austriaci |Gli} (1629) 1. 


Puritä 


veracemente interpretati 


Bacco vincitor dell’ India (1697) 431. 

Bagno [IH] (1732) 86%. 

Baldracca (1679) 183. 

Basilisco di Bernagossa (1692) 359. 

Batista [Il] (1727) 800 — (1740) 979. 

Batto convertito in Sasso (1673) 115. 

Beatrice (S.) d'Este (1707) 515. 

Begierde [Die von der gerechtesten Ge- 
mnüths-Neigung überwundene stárckeste| 
(1701) v. Affetti [Gli] più grandi. 

Begünstigte [Die] von dem (Glëck (1678) 
v. Favoriti [Li] della Fortuna. 

Bekehrung der Magdalena (1701) v. Con- 
versione [La] di Maddalena. 

Bella [La più] (1715) 648. 

Benche vinto vince amor (1669) 87. 

Bene [Il] dal malo (1704) 527. 

Bereuung |Die] dess David (1708) v. Pen- 
timento |Il] di David. 

Bersabea (1729) 831 — (s. a.) 1033. 


v. Sacrificio [Il] di Abramo. 

— — des Isaac (1707) v. Sacrificio [Il] 
d'Isacco. 

Brónne [Die] von Beotien (1682) v. Fonti 
|Le| della Beotia. 

Brueder- und Schwesterlibe [Die vermeinte] 
(1680) 194. 

Buch [Das in- und ausswendig beschriebene] 
(1694) v. Libro [1l] con sette Stellt, 


Caduta [La] d'Aman (1697) 442. 


— — del primo uomo (s. a.) v. Colpa 
[La] originale. 
— — di Gerico (1695) 411 -- (1719) 


696. 
— — di Tarquinio (s. a.) v. Giunio Bruto. 
Cajo Fabricio (1729) 818 — (1730) 836. 
-— Gracco (1710) 608. 
— Marcio Coriolano (1717) 667 
793. 
— Popilio (1704) 528. 
Camaide (1722) 726. 
Camilla. regina de' Volsci (1697) 432. 
Campidoglio [Il] ricuperato (1709) 596. 
Cantata (1618) 10 — (1708) 582 — (1729) 
819 -- (s.a.) 989, 990. 
— allegorica (1720) 702. 
Cantica di Salomone (1686) 295. 
Carceriere [N| 
504. 
Casimiro (S.) ré di Polonia (1113) 633. 
Castità [La] al cimento (1712) 626. 


-- (1121) 


di se medesimo (1102) 


Beständigkeit [Die] des Ulysses (1700) | Caterina |S.] (1662) 43. 


v. Costanza |La] d'Ulysse. 


— — d'Alessandria (1675) 142. 


— |Die in der Marter obsiegende] (1708) | Cavalier Bovazna (1726) 778. 


v. Costanza [La] trionfante. 


Cecilia [S.] (1700) 486. 


Betulia [La] liberata (1734) 905 — (1140) ; — — virgine e martire (1702) v. Inno- 


080 — (s. a.) 1039. 
Bevanda [La] di fiele (1685) 277. 
Bewitzigten [Die] v. Disingaunati [I]. 


cenza |L'amante]. 
Cecità [La finta] di Antioco (1695) 402. 
Cena [La] del Signor (1720) 707. 


Blindheit [Die erdichte] Antiochi (1695) | Chi più sà manca l’intende (1669) 88. 


v. Cecità [La finta] d'Antioco. 


Blut [Das auss der Seiten-Wunden dess | 


Hevlandes getlossene] (1693) v. Sangue 
[Il] e l'acqua. 


Chilonida (1617) 152. — (1709) 597 — 
(1110) 609. 

Chimera |La] (1682) 223 — (1692) 360. 

Chiodi |Li tre] di Christo (1678) 180. 


Chioma [La] di Berenice (1695) 403. 

Chisciotte [Don] in corte della duchessa 
(1727) 794. 

— — in Sierra Morena (1719) 650. 

Cibele ed Atti (1666) 61. 


12: 





Cicisbeo [I1] sconsolato (1732) 868. 

Cidippe (1671) 101. | 

Cielo [I], la Terra etc. (1680) 204. 

Circe fatta saggia (1713) 630. — (17106). 
651. | 

— |La] (1665) 56. | 

Ciro (1715) 649. | 

— in Armenia (1133) 883. 

— riconosciuto (16536) 9206. 

-- [n] crescente (1661) 34. 

Cithern [Die] des Orpheus (1683). v. Lira | 
[La] d'Orfeo. 

Clelia (1733) 884. 

Clemenza (La) di Augusto (1702) 505. 

— di Cesare (1727) 795. 

-- di Davide (1103) 522. 

-— di Tito (1734) 896. | 

Cleonice (1734) 897. | 

Clizia è Psiche (s. a.) 091. 

Cloridea. [La] (1665) 58. 

Clotilde (1706) 548. 

Colpa [La] originale (1718) 685 -- (1725) 
771 — (1739) 972 — (s.a.) 1040. | 

Comedia ridicola 
(2. 

Comödie vom Liebes Betrug (1653) von 


nel carnevale (1667)! 


Inganno [L'] d'amore. 
Componimento à due voci (1125) 704. 
— dramatico (1735) 909. 

Concerto musicale (1685) 258. 

— [Il| de dei (1685) 259. 

Concordia [La] de' planeti (1723) 138. 
— -— della virtü (1702) 5006. 
Concorso dell allegrezza universale (1666). 

62. 

Congiura [La] del vizio (1663) 45. — (1692) 

361. : 
Conquista [La] del vello d'ero (1678). 

168. | 


— — delle Spagne (1707) 562. e 


i 
Consolationi [Le sette] di Maria (1670). 


98. 


: Debbora iLa 


) 
N — 


' Contesa de' numi (1423) 139. 


— [La] dell'aria (1667) 73. |. 
Contrasto [Il] della bellezza (1726) 779. 
Conversione [La] di Maddalena (1701) 

490. 

— (1707) v. Trionfo [Il] della grazia. 
Convito [I] di Baldassaro (1702) 512. 
Cori [Tre] unisce amore (1655) 22. 
Corona [La] d'Arianna (1726) 780. 

-- — d'Imeneo (1728) 803. 

- — di Spine (1675) 140. 
Costantino (1716) 608. 

Costanza e fortezza (1723) 740. 
-— [La] d'Ulysse (1700) 473. 

— -- trionfante (1708) 590. 
Creso (1678) 169 -— (1723) 741. 
Cristo coudonnato (1717) 6075. 


. — nell' orto (1718) 686. — (1723) 144. 
-Crocifisso (ID per gratia (1691) 356. 


Cupido faggitivo (1700) 474. 
Curzio (1619) 184. 


Dafne (1734) 808. 


'— jn ulloro (s. a ) 998, 


-- in lauro (1714) 643. 

Dama [La] 
v. Quando sta peggio. 

Daniello (1131) 858. 

Danubio [TI] consolato (1707) 563. 

Darlo todo y no dar nada (1668) 82. 


creduta. colpevole (1699) 


David (1724) 760. 


-— umiliato (1731) 859 -- (1734) 906. 
David [I] perseguitato (1723) 149. 
Davide prevaricante (1683) 241. 

(1734) 907 — (1039) 920. 





. Decollazione [La] di S. Giovanni Battista 


(1709) 603 — (1715) 652. 

Dei [Gli] concorrenti (1676) 143. 

— — festeggianti (1688) BOT. 

Demetrio [II] (1700) 482 — (1731) 849 
— (1739) 963. 

Demotoonte (1733) 885. 

Deposizione |La] della croce (1128) 811 
(1138) 958. 

Desiderij [Li] d'Ececo e di Narcisso (1677) 
153. 





— 4- 


Dialogo (s. a.) 994. | Effetto [L] de’ buoni e de' cattivi consigli 
— pastorale (1732) 869 — (s. a.) 995. | (1608) v. Vicende [La] di Giosafatte. 
— tra il decoro e la placidezza (1732) | Egisto [L'| rè di Cipro (1642) 8. 

870. | Ehegemahlin [Die] liebet besser (1689) 
— trà l'aurora e il Sole (1727) 796 v. Moglie [La] ama meglio, 

(1731) 850. Ehemann [Der] liebt hefftiger (1688) 
— tral'inclinazione ed il bene (1131) 851. | v. Marito [Il] ama più. 
— tra la prudenza e la vivacità (1732) Eleazaro (1739) 973. 





811. ; Elena [S.] (1683) 242. 

— tra la vera disciplina ed il genio (1730); — — al calvario (1731) 860 — (14131) 

837 — (1735) 910. | 947. 

— tra Minerva ed Apollo (1728) 806. | Elia (1728) 813. 

Diana amante (1688) 308. | lice [L'| (1666) 63. 

— placata (1717) 668. Elisa (1719 691 — (1729) 821. 

— rappacificata (1700) 475. Elisabetta (1730) 838. 

— vendicata (1736) 927. Elogii [GI] (1684) 248. 

Didone abbandonata (1726) 781. Elvira (1673) 116. 

— costaute (1685) 260.  Emblemi [GI] (1682) 224. 

Dienstfertigkeit [Die] in der Enttliehung des Empietà |L'] delusa (1715) 604. 
Müssigzangs (1696) v. Ossequio [L'| nel. Endimiene [L'] (1:06) 549 — (1720) 
fuggir l'otio. ! 103. 

Diluvio (1662) 41. Enea in Italia (1678) 170. 

Dimpna |S.} (1702) 513. s negli Elisi (1702) 50€. — (1131) 

Dio placato (1087) 303. 852. 

— sul Sinai (1719) 697. Enigma [L] del fato (1707) 564. 

Disfacimento [11] di Nisara (1717) 676, Enone (1134) 890. 

Disgrazie [Le] d'amore (1667) 74. Enthaubtang [Die] dess Hier. Johannes 

Disingannati [1] (1729) 820. | (1709) v. Decolazione [La] di N. Gio- 

Distruzione [La] d'Hai (1727) 801 — vanni Battista. 

(1728) S12. Entrata di Cristo nel deserto (1687) 304. 
Dittatori [T due| (1726) T82. , Entraubungz [Die| der Sabinen (1674) 
Dolori [Li sette] di Maria vergine (s. a.) v. Ratto [I] delle Sabine. 

1041.  KEpitafij sopra il sepolero di Cristo (16771) 
Doni [I1] heroiei (1680) 323 105. 

Donna real (1631) 3. | Eraclio [L'] (1690) 339. 
— [La] forte nella madre de' sette Mac- | Ercole acquistatore dell immortalità (1677) 

cabei (1715) 653 - (1718) 687. 154. 

Dono [11] della vita eterna (1686) 293, — in cielo (1010) 610 — (1113) 631. 
Dori [La] (1664) 5]. '-  vineitore di Gerione (1708) 583. 
Drama musicale per introduzione al torneo — |L] vincitor (1706) 090. 

(s. a.) 996. Ergetzungsstund [Die] der Schlavinnen 

— musicum (1649) 13. (1685) 262. 


Erlangung [Die] dess guldenen Flusses 
(1618) v. Conquista [La] del vello 


Eccho ravvivata (1681) 214. d'oro. 
Effetti [I varij] d'amore (1689) 261 — | Erlösung [Die | des menschlichen Geschlechts 


(1700) 476. Î (1610) 102. 


Ermenegildo [S.] (1694) 304. 
Eroe [L/] immortale (1717) 669. 
Eroina [L/] d'Argo (1739) 964. 
Erstlinge. [Die] der 'Tuzend (1690) 340. 
Erzeugerin [Die] der Götter (1693) 

v. Madre [La] degli dei. 
[L] di 





| 


(1727) 


i 


Esaltazione Salomone 
802. 

Esclamar [L7] à gran voce (1689) 334 — 
(1698) 453. 

Esopo [L'] (1103) 518. 

Espero festezgiante (1681) 215. 

Essercitij [Gli] poetici (1688) 300. 

Ester (17253) 750 — (1730) 844 — (1758) 


| 





450. 
Etearco [L'] (1707) 565. 
Eternità [L] soggetto al tempo (1683), 

243. 


Eutrosina [N.] (1690) v. smeraldo [I] finta] | 
— (1713) 634. 

Euleo [L'] festeggiante (1699) 457. 

Euristeo (1124) 753. 

Europa [1] (s. a.) 997. 

Ezechia (1733) 892 — (1737) 948. 


Pall [Der] dess Amans (1697) v. Caduta 
(Lal d Amau. 

Fama [La] accresciuta dalla virtù (1735) 
911. 

— — addormentata (1687) 299. 

— — illustrata (1679) 185. 

Fascietto [Il] di mirra (1701) 40%. 

Fatica [La decima] d'Ercole (1710) 611. 

— [La più gloriosa] d' Ercole (1103) 519. 

Fato [Il] monarchico (1700) 477. 

Favoriti [Li] della Fortuna (1678) 171. 

Fede [La] costante (1697) 433. 

— — pnblica (1699) 458. 

— -- sacrilega (1714) 645. 

Fedeltà e generosità (1692) 362. 

Felicità [La] della terra (1739) v. Astrea 
placata. 

— — di Sejano (1671) v. Prosperità | 

[La]. | 
Fenice [La; (1693) 383. 
Ferma |S.] (1713) 635 — (1717) 677. 


Festa teatrale (1660) 29 — (s. a.) 908. 
999. 

Feuer [Das vestalische ewige] (1674) 
v. Fuoco [11] eterno. 

Fidalba ed Arbante (1667) 75. 

Fiera [La] (1691) 350. 

Figlio [11] prodigo (1689) 330. 

Figliuol [Il] prodigo (1663) 4* — (1100) 
604 — (1735) 921. l 

Fineza contra fineza. 
1000. 

Finezze [Le] dell'amicizia e dell'amore 
(1690) 459. 

Fiore [Il] delle Eroine (1704) 530. 

Flavia [S.] Domitilla (1714) 646. 

Flavio Anicio Olibrio (1737) 938. 

Flecha [La] dell'amor (1672) 108. 


Entremeses (s. a.) 


| Flora [La] (1706) 551. 


Flucht [Die] dess Neyds (1701) v. Fuga 
[La] dell’ invidia. 

Fonte [MN] della salute (1716) 662 — 
(1721) 719. 

Fonti [Le] della Beotia (1682) 2235. 

Fortuna [La] annichilata (1735) 912. 

-- delle corti (1677) 155. 

-— -- jl] valore ete. (1706) 552. 

Forza d'vn bel volto (s. a.) 1001. 

— [La] dell' amicizia (1681) 216 — (1694) 

387 — (1728) 807. 

dell'amore e dell'odio (1739) 965. 

filiale (1689) 324 


dell amor 

(1698) 447. 

dell’ astuzia feminile (1697) v. Adal- 

berto [L/]. 

della fortuna e della virtù (1661) 

35. 

della magia (1696) 417. 

Francesca [N.] Romana (1712) v. Trionfo 
[Il] della castità. 

Francesco [S.] d' Assissi (s. a.) 1042. 


‘ Fratricidio [Il] di Caino (1678) 181. 


Freuden [Die unverhofften] (1693) 375. 

Frid [Der] zwischen den uneinigen Góttern 
(1697) v. Pace [La] tra i numi dis- 
cordi. 

Frutti [I] dell'albero della croce (1691) 
391. 


— 126 - 


Fuga [La] dell' invidia (1701) 489. “Giasone [1] (1650) 10. 
— — in Egitto (s. a.) 1043, 1046. Giesü v. Gesu. 
Fuoco |ll] eterno (1674) 125. Gioas ré di Giuda (1735) 923. 


Giobbe (1725) 112. 
— [Il mistico] (1704) 534. 
Gaetano [x.] (1691) v. Crocifisso [11] per! Gionata (1728) 814. 


gratia. Giorno [I] felice (1723) 743. 
Gala [La] delle antiche eroine (1707) 566.| — — natalizio (1717) 670. 
Galatea vendicata (1719) 692 — (1124) | Giosetlo. che interpreta i sogni (1726) 788 
194. - - (1736) 934. 
— [La] (1660) 30. — |H} (1706) 556. 
Galeria |La] della fortuna (1691) 351. Giove invaghito alla caccia (s. a.) 1002. 
Gara [La] (1652) 18. Giubilo [I commun] del mondo (1699) 
— — de genij (1671) 103. 461 — (1700) 479. 
— — del genio con (iunone (1737) 939. | Giuoco [Il] del quadriglio (s. a.) 1003. 
— — della misericordia (1661) 36. Giudice [11] di villa (1681) 213. 
— — delle muse (1673) 117. Giudicio d'amore (s. a.) 1004. 


— — delle. quattro staggioni (1699) 460. ' — [I1] di Enone (1721) 713. 
| 


— — delle virtù (1721) 720. i— — di Paride (1707) 567 — (s. a.) 
-- — di Pallade (1129) 822. | 1005. 
— [La nuova] di Giunone (1105) 540. 22 — di salomone (1700) 487 -— (1101) 
Gare. [Le] degli amanti (1682) 226. 198. 


— — dei beni (1700) 478. 
Geburt [Die] der Minerva (1674) v. Nascità 
[La] di Minerva. 


— — rivocato (1737) 941. 
Giuditta (1690) 412 — (11710) 615 — 
(s. a.) 1044, 1045. 


| 
| 





Gedeone [JI] (1737) 949. | Giudizio v. Giudicio. 
Gedult | Die] des Socrates (1680) — (1731): Giunio Bruto (s. a.) 1006. 
v. Patienza [La] di Socrate. Giunone placata (1725) 769. 


Geltrude (S.) (1711) 619. 
(iemignano (S.) Vescovo (1705) 541 — 


Giuseppe (1722) 735. 
—- riconosciuto (1733) 804. 





(1715) 659. Glorie [Le] del nome di Giesü (1659) 
Gemme [Le più ricche] e le più belle pietre 336. 

(1693) 376 — (1697) 434. Glückseligkeit | Die] dess Elia Sejano (1670) 
Generosità [La] d' Alessandro (1662) 37. v. Prosperità | La]. 
— — di Artaserse (1731) 853 — (1737) | Gordiano [H] pio (1700) 480. 

940. Grab [Das] in dem Garten (1711) 
Genio [1] deluso (1680) 295. v. Sepolero [H] nell’ orto. 
— [Il bel] dell'Austria (1723) 742. | Gratitudine | La] di Mitridate (1734) 900. 
Germania, il di che spende ete. (1730) | Grazie [Le] vendicate (1735) 913. 





839. | Griselda (1725) 766. 
Gerusalemme convertita (1733) 893. | Grossmiithigkeit [Die] des M. Fabrieins 
Gesù Cristo negato da Pietro (1719) 698. /. (1695) v. Magnamimità | La]. 
— tagellato (1709) 605. | rotta [La] di Vulcano (1656) 283. 
— nel pretorio (1720) 708. Guerra, guerra (1658) 25. 





— presentato nel tempio (1735) 922. | Guetigkeit [Die] dess Titi (1134) v. Cle- 
Gianguir (1724) 755. menza [La]. 


Giardino [I] della virtù (1683) 226. | Gündeberga (1672) 100. 


= Ri e 


Haare [Die] der Berenice (1695) v. Chioma ' Innocenza [L] giudicata della malizia 


(Lal | (1720) v. Gesù nel pretorio. 
Harpocrate [L'] (1689) v. Silentio (Il] di — — giustificata (1704) v. Teraspo. 
Harpocrate. , — — illesa (1694) 395. 
Hercole v. Ercole. i — [L'amante] (1702) 514. 
Hintritt [Der] dess Heiligen Joseph (1695) | Interciso [L'] (1711) 620. 
v. Transito [Il] di S. Giuseppe. Intermedio per la comedia del finto Astro- 
Hochzeit-Gott |Der Sigprangende] (1699) logo (1684) 248. 
v. Imeneo trionfante. Introduzione ad un balletto (s. a.) 1011. 


Hofi-Damen-Comedi [Hochadeliche] (1686), — ad un ballo di Teutoni (1680) 196. 


283. | — ad una festa die camera (1673) 119. 
Humanità [L'] redenta (1669) 91. | — a] baletto dell'opera Il Demetrio (1700) 
| 482 
|- d'una festa e ballo di cingare (1684) 
Jahr-Fest [Olympisches] (1733) v. Olim- 250. 
piade [L']. | musicale per un ballo (s. a.) 1008. 
Ilea [L'] del felice governo (1698) 449. | — per l'academia . . . . v. Academia. 
Je mehr man weiss ete. (1669) v. Chi — per musica al gioco delle sorti (1666) 
più sà. 64. 
Jephte (1690) 344. ; Invidia |[L'| conculcata dalla virtù (1664) 


Itide greca (1670) 93 — (1696) 418. 
Ifigenia in Aulide (1718) 682 — (1723) 
144. 


52. 
Joaz (1726) 789. 
June (1666) 65. 


— [11 divino] di S. Caterina (1716) wundene| (1702) v. Innocenza JL 
663. amante]. 

Impegnarsi per complimento (s. a.) 1007. |Isacco figlio del redentore (1740) 981. 

Imprese [L'] dell Achille (1693) 377. Ismaele (1717) 678. 

Incantesimi [GI] disciolti (1673) 118. — esiliato (1698) 404. 

Incoronatione [L'] di salomone (1696) | Issicratea (1726) 783. 


425. Issipile [L'] (1732) 872. 
Industrie [L’] amorose in Filli (1695) | Istro [L'| ossequioso (1694) 388. 


404. 

Intinita [L’] impicciolata (1677) 164. 

Ingauno [L'] d'amore (1653) 20. 

—- — tradito dell'amore (1721) 714. 

Ingegno a sorte (1680) 195. 

Inziustizia [La] della sentenza di Pilato 
(1676) 149. 

Ingratitudine [L'] rimproverata (1675) 141 
— (1700) 481. 

Ingresso [All'] di Cristo (1683) 244. 

Inimicitia (L'] riconciliata (1695) v. Vecchi 
(Li] burlati. 

Inimico (L'] generoso (1725) 76%. 

Innocenza [L'] di S. Eufemia (1701) 499. 


Judith |Die heldenmiithige] (1704) 535. 
Julo Ascanio (1708) 584 — (1712) 623. 


Kerckermeister|Der sein selbst eirene (1702) 
v. Carceriere [Il] di se medesimo. 
Kleinodien [Die allerkostbarsten | (1693) 

v. Gemme [Le più ricche]. 
Klufft-Höle [Die] des Vulcanus (1686) 
v. Grotta [La] di Vulcano. 
Klugsinnigkeiten [Die] deer ` Frennd schaft 
(1699) v. Finezze [Le] dell'amicizia. 
Knoptf [Der Gordische] (1686) v. Nodo 


Imeneo (1727) 797 Josephus [S.] (s. a.) 1046 
— trionfante (1699) 462. Irrthumb [Der von der Vnschuld über- 
[I1] Gordiano. 


Königin [Die] der Volscher (1690) v. Regina 
[La] de' Volsci. 

— — Saba (1705) v. Regina [La] Saba. | 

Kriegs-Liste dess Bias (1682) v. Stratagemi | 
[Gli] di Biante. 





Ligrime della vergine nel sepolero (1662) 
42. 

— [Le] di S. Pietro (1666) 69. 

— — più giuste (1684) 254. 

Lamenti [I| d'Orfeo (1739) 975. 

Lamento [H] d Orfeo (1729) 823. 

Lancia [La sacra] (1680) 206. 

Lanterna [La] di Diogene (1674) 126. 

Leben [Das] in den Bissen der Schlangen 
(1678) v. Vita |[La]nei morsi dei serpenti. 

Legare negl applausi (s. a.) 1012. 

Leiden [Das] Christi (1696) v. Passione 
[La] di Christo. 

— — in dem Garten (1708) v. Passione 
[La] nell orto. 

Leidende |Die zweyn] (1705) v. Passioni 
[Le due]. 

Leonida in Tegea (1670) 94 — (1676) 144 
— (1694) 389. 

Leneippe Festia (1678) 172. 

Leyden s. Leiden. 

Liberalità [La] di Numa (1735) 914. 

Libro [Il] con sette sigilli (1694) 396. 

Lieb [Die] der Erlósung (1693) v. Amor 
[L'] della redentione. 

— — in Traum (1693) v. Amore [L'} in 


sogno. 

— — macht gescheid (1695) v. Amore da 
senno. 

— — verlanget ihre Gleichheit (1702) 


v. Amor [L'] vuol somiglianza. 

Liebe |Die] unter denen Feinden (1708) 
v. Amor tra nemici. | 

Lieben auss Tugend (1697) v. Amare [IL] | 
per virtü. 

Liebes-Sieg Alexandri (1665) v. Amori [Gli] 
d' Alessandro. 

Liebs-Klugsinnigkeiten [Die] der Phillis 
(1695) v. Industrie [L'| amorose. 

Limbo [Il! aperto (s. a.) 1047. 


Lira [La] d’Orfeo (10683) 237. 

Livia (1731) 854. 

Loa para la comedia de las vitorias del 
amor (1667) 76. 

Lodi [Le] d' Augusto (1731) 901. 

Lucio Papirio Dittatore (1719) 693. 

Lust-Hauss [Das Einsame] dess Lucullus 
(1698) v. Ritiro [Il delizioso]. 

Lutto [11] dell'universo (1668) 84 — (1674) 
133 — (1682) 232. 


Machabei [Li] (1686) 204. 

Macht der Freundschaft (1681) (1694) 
v. Forza [La] dell’ amicizia. 

— [Die] der kindlichen Lieb 
v. Forza |La] dell amor filiale. 

— — der Zauberey (1696) v. Forza [La] 
della magia. 

Maddalena à piedi di Cristo (1713) 636. 

— [La] pentita (1693) 384 — (1703) 523. 

Madonna (Della) de sette dolori (1720) 110. 

Madre [La] de Maccabei (1704) 536 - 
(1737) 950. 

— — degli dei (1693) 378. 

Maestà [|La] condotta al tempio (1733) 
886. 

Maggio [H] festivo (s. a.) 1013. 

Maghe [Le] di Tessaglia (1677) 156. 

Magnanimità [La] di Alessandro (1729) 824. 

— — di Marco Fabricio (1695) 405. 

Mal [Del] lo menos (1671) 104. 

Margherita [La beata) da Cortona (1696) 
426. 

Maria [La] lebbrosa (1739) 974. 

— |s.] Vergine (s. a.) 1048. 

— Maddalena [S.] de’ Pazzi (1697) 442. 

— Magdalena (1663) 48. 

Mario (1724) 756. 

— [Il] fuggitivo (1708) 585. 

Marito [1] ama più (1688) 310. 

Marte placato (1707) 570. 

Martirio [Il] de' Machabei (1103) 6006. 

— — di S. Giovanni Nepomneeno (1731) 


(1608) 


861. 
— — di S. Lorenzo (1710) 616 — (1724) 
161. 


Martirio [II] di S. Terenziano (1718) 688. 
— — di S. Caterina (1701) 500 — (s. a.) 
1049. 

— — di S. Susanna (1704) 537. 

Mascherata [La] per musica (1666) 66. 

Meleagro (1706) 555 — (1724) 757. | 

Memorie [Le] dolorose (1678) 182. 

Mercurio 'esploratore (1662) 38. 

Meride e Selinunte (1721) 715. 

Merito |I]] uniforma i genij (1692) 363. 

Mese |Il| di Marzo (1709) 598. 

Mildigkeit [Die] dess David (1703) 
v. Clemenza [La] di Davide. 

Mitridate (1728) 808. 

Moglie [La] ama meglio (1689) 326. 

Moise v. Mosè. 

Monarchia [La] latina trionfante (1667) 
Ti — (1678) 173. 

Monte [Il] Chimera (1682) 227. 

Morte [La] d'Abel (1732) 818. 

— d'Oloferne (s. a.) 1050. 

del cor penitente (1705) 542. 

di Cristo (1704) v. Vittima [La] 

d' amore. 

e sepoltura di Cristo (1721) 762. 

— vinta sul calvario (1706) 557. 

Morto II! redivivo (1726) 790. 

Mosè liberato dal Nil (1703) 521 — (1725) 
119. 

— nell Egitto (1729) 832. 


— 


— preservato (1720) 709. 

Musica di camera (1679) 1806. 

— per la festa delle Ser. arciducchesse | 
(1695) 4006. 

— per una Comedia (1697) 436. a 

— per una festa nel carnevale (1686) 284. 

— pittura e poesia (1685) 263. 

Mutio Scevola (1710) 612. - 

Myrrhen-Büschlein [Das] (1101) v. Fascietto 
|I di mirra. 








Naamann (1721) 721. 

Naboth (1729) 833 -- (1738) 960. 
Nabuccolonosor (1706) 558. | 
Napoli ritornato à Romani (1707) 571. | 
Narciso [I] (1699) 463. | 


129 — 


Narcisso al fonte (1732) 873. 

Narrheit [Die verdienstliche] (1696) v. Paz- 
zia [La] meritevole. 

Nascimento [Il] dell' Aurora (s. a.) 1014. 

Nascità |La| di Minerva (16074) 127. 

Natale [I1] d' Augusto (1716) 659 — (1133) 

818. 

— cdi Giove (1740) 970. 

di Giunone (1708) 588. 

di Minerva (1729) 825 — (1735) 

915. 

di Numa Pompilio (1739) 966. 

Negromantessa |La bella] (s. a.) 1015. 

Nettuno e Flora festeggianti (1666) 67. 

Nicola [S.] da Bari (1699) 470. 

Nigella e Clori (1730) 840. 

— e Nise (1732) 874. 

— e Tirsi (1726) 784. 

Ninfa (La) Apollo (1699) 464. 

Ninfe |Le] ritrose (1686) 286. 

Niobe, regina di Thebe (s. a.) 1016. 

Nitocri (1722) 727. 

Nobiltà [La vera] (1739) 967. 

Nodo |Il| Gordiano (1686) 287. 

Nome [Il| di Giove (1731) 855. 


— — più glorioso (1709) 599 — (1718) 
683. 
Nozze ]|Le] d’Odati e Zoriadre (1693) 


v. Amore [L] in sogno. 
-- di Aurora (1722) 728. 
di Giove e di Giunone (s. a.) 1017. 
di Mercurio (1685) 261. 
Numa Pompilio [Il] (1674) 128 — (1707) 
9012. 


Nume [Il] d'Atene (1730) 968. 


— 


Oblighi |Gli] dell'universo (1680) 197. 
Obsiger | Der grossmiithige] T.Q. Flaminius 
(1692) v. Vincitor [Il] magnanimo. 

Otfendere [L'] per amare (1702) 508. 

Olimpiade [L'] (1133) 888. 

Omaggio [Il vero] (1739) 969. 

Onore trionfante (1666) 68. 

Optfer [Das nicht verhinderte] (1692) 
v. Sacrificio iI] non impedito. 

Oracolo [L'] d'amore (1676) 145. 


Oracolo [L'] d' Apollo (1707) 573. 
— -—. del Fato (1709) 600 — (1719) 694. 
— — di Velleda (s. a.) 1019. 


150 — 


Passione [La] del N. S. Gesù Cristo (1730) 
815 — (1736) 935. 


| — — di Cristo (1109) 607. 


Oratorio della Madonna di sette dolori, — — di Cristo, oggetto di maraviglia 
(1720) 710. (1696) 427. 

— della vita humana (1670) 99 — (1685)! — — nell’orto (1708) 591. 
231a. Passioni [Le due] di Cristo (1705) 543. 


— sacro (1663) 49. 

Ore [L'] postmeridiane di Parnasso (1676) 
146. 

Orfeo (1631) 4. 

— ed Euridice (1672) 110 — (1715) 650 
(1728) 809. 

Ormisda (1721) 710. 

Ornospade (1727) 798. 

Oronisbe [L'] (1663) 46. 

Orontea [L'] (1660) 31. 

Orsola [S.] (1694) 392 — (1695) 413. 

Osmeno e Fileno (s. a.) 1020. 

Ossequi [Gli] della notte (1701) 490 — 
(1709) 601. 

Ossequio [L'] della bizzaria (s. a.) 1022. 

— — della poesia e dell'istoria (1694) 

39U. 

— — di Flora (1679) 187. 

— — nel fuggir l'otio (1696) 419. 

— — fra gli amori (s. a.) 1021, 

Osservanza [L'] della divina legge (1732) 
819. 

Ozio [L/] inzannato (s. a.) 1018. 

— pigro e neghittoso (1669) 89. 


Pace [La] e Marte supplicanti (1701) 491. 
— — fra la virtù (1738) 953 — (1739) 
970. 

richiamata (1738) 954. 

tra i numi discordi (1697) 437. 
trionfante (1648) 11. 

Pallade e Marte (1713) 632. 

— trionfante (1722) 729. 

Palladio (11) conservato (1735) 916. 

— — in Roma (1685) 265. 

Paolo [S.] in Atene (1740] 982. 

Paradiso [Il] aperto (1672) 113. 

Parnasso [Il] accusato e ditteso (1738) 955. 
Partenza [La] d’Ulisse (1729) 826. 


— ——— 


— 0 — 


Pastorale (1732) 875 — (1734) 902 — 
(1737) — 942 (s. a.) 1023. 

Patienza [La] di Socrate (1680) 198 
(1731) 856. 

Pazzia [La] meritevole (1696) 420. 

Pazzie [Le] degli amanti (1701) 492. 

Pazzo [Un] guarisce l'altro (1723) 745. 

Pelerinaggio [Il] delle Gratie (1691) 352. 

Pelope [Il] geloso (16590) 26. 

Pelopida Tebano in Tessaglia (1694) 301. 

Penelope (1670) 95 — (1724) 758. 

Pentimento [Il] di Davide (1708) 592 — 
(1129) v. Bersabea. 

Perseo [Il] (1669) 90 — (1738) 957. 

Phenix {Der} (1613) v. Fenice {Lai. 

Piaghe [Le cinque] di Cristo (1677) 165 
— (1681) 220. 

Pianeti [I] benigni (1659) 327. 

Piante [Le] della virtà (1693) 379. 

Picria (1728) 810. 

Pietà [La] contrastata (1673) 1214. 

— — di Numa (1438) 356. 

Pietro [S.] in Cesarea. (1734) 908. 

— — piangente (s. a.) 1051. 

Pigmaleone in Cipro (1689) 328. 

Pilade ed Oreste (1728) v. Forza 
dell amicizia. 

Pilone [Don] (1733) 889. 

Piramidi [Le] d'Egitto (1697) 438. 

Pirro (1675) 136. 

Pittura, scultura, architettura (1132) 816. 

Placidia {La] (1709) 602. 

Plotina (1730) 841. 

Policare [Il finto] (1716) 660 — (1724) 
190. 

Pomo [I]; d'oro (1666) 78 -— (1663) 83. 

Pompe [Le] dell'Istro (1678) 174. 

Premio [Il] dell’onore (1737) 943. 

Presa [La] di Tebe (17C8) 587. 

Presagii [I] della sorte (1677) 157. 


[La] 


resagii [I gloriosi] di Scipione (1104) 
031. 

Pezzo Hj del cuore humano (1692) 370. 

— — dell'humana redentione (1685) 278. 

Primero es Ja honra (1613) 120. 

Principe [1]] generoso (1600) 57. 

Profeta [N] Elia (1730) 846. 

Profezia [La] d Eliseo (1705) 514. 

Protezie !Lej adempiute (1702) 519. 

— — evangeliche d'Isaia (1725) 774 — 
(1127 803 — (1729) 834. 

Promesse [Le] degli dei (1697) 430. 

:- nuzziali di S. Orsola (1702) 516. 

Prometeo [I] (1669) v. Benche vinto. 

lresperità iLa| di Elia Sejano. (1670) 96 
— 11671) 102. 

Proteo sul reno (1703) 520. 

Provare per non recitare (1673) 121. 

Providenza |La divina] in Ismael (1132) 
N80. 

Psiche (1720) 704. — 1722) 730. 

— [La] (1703) 521. 

— cercando amore (1688) 311. 

Palcheria (17081 588. 

Parità [La] superiore (1690) 405. 


— 


— 


Quando sta peggio, sta meglio (1699) 466. 


Razuazlio della fama (1680) 199, 
Ratto |l]. delle Sabine (1674) 120. 
Re [bue] Roboamo e Geroboamo (1731) 862. | 
— 1) del dolor (1722) 736. 

— — Gelidoro (16099) 27. | 
l'vereationi {Le} di Tempe (1685) 267, 
kegina [La] de' Volsci (1690) 341. 

= — Saba (1705) 549. 


l'esurezione [La] di Gisü Cristo (1102) 517. ı Schul [Die] der Lieb (1686) v. 


Ricchezze |Le] madre de’ Gracchi 
(1685) 268. 

Ricreazione burlesca (s. a.) 1024. 

Ringiovenito [Il] (1691) 353. 


Riposo |N] nei disturbi (1689) 329. 


della 


Risa |Le] di Democrito (1670) 97 — (1673) | Scioccaggini |Le 


122 — (1700) 483. 
Rissarcimento [I] della ruota della Fortuna 
(1685) 269. 


151 





Ritiro [Il] delizioso di Lucullo (16981 450. 

Ritorno |I] di Giulio Cesare (1104) 532. 

— — di Teseo (1686) 288. 

— — di Tobia (1707) 576 — (1133) 
895. 

Rivali [Li] concordi (1692) 364. 

Rivalità [La] della prudenza (1693) 380. 

— — mellossequio (1691) 217. 

Itodogone (1677) 158. 

Itomoaldo |8.] (1104) 533. 

Romolo [Il] (1702) 509. 

Rosaura [La] (1689) 330. 

Roselmina [La] fatta canara (1662) 35. 

Rosinda [La] (1685) 270. 

Ruhm-Göttin Tue ` eingeschlittert 
autfgeweckt] (1687) v. Fama |La] 


dormentata. 


vnd 
ad- 


Sacrifici [Li] di Romolo (1708) 580). 

Sacrificio |l] d'Abramo (1660) 32 — 
(1685) 280 -- (1693) 385 — (1708) 
593 — (1035) 961. 

— — d'amore (1685) 270. 

d'Isacco (1707) D77. 

- di Berenice (1712) 624. 

di Gette (1724) 763. 

di Noe (1722) 723%. 

in Aulide (1135) 917. 

non impedito (1692) 371. 

Sancio Pansa. governatore (1733; 890. 

Sangue [Il] e l'acqua (1693) 386. 

Sapienza [La] umana (1710) 617. 

Satiri |I] in Arcadia (1714) 614. 

Schäffer |Der thoreichte] (1683) 238. 


‘Scherzo musicale (1685) 271 is. a.) 1025. 


Schiavo [Lo] reggio (1664) v. Dori [La]. 
Studio 
[Lo] d'amore. 

Sehuldigkeit [Die] der Nacht 
v. Ossequi |Gli] della notte. 
Sciegliere non potendo adoprare (16761 147. 

Scio fuor di Scio (s. a.) 1026. 
degli Psilli (1686) 280. 
11695) 


(1701) 





Sciocchezze |Le] 
v. Amore da senno. 


Sciocco [Lo] deluso (1729) 827. 


d' Hippoclide 


Scipione Africano il maggiore (1750) 842 | sole [IT] la Fenice, il Tempo (1699) 467 — 





— (1735) 918. | (1701) 493. 

— nelle Spagne (1722) 731. j— |M vero] fermato in croce (1690) 
Seonfita [La] di Gerione (1710) v. Fatica; 346. 

[La decima] d' Ercole. Sorte [La] sopra la veste (1686) 296. 
Secretaria. [La] d' Apollo (1685) 212. Sospiri |I] d Apollo (1729) 829. 

Sedecia (1732) 881. Spartaco (1726) 785. 

— ré di Gerusalemme (1111) 621. Spartana |La generosa] (1740) 977. 
Segno |Il] dell'humana salute (1684) 255.| — [La più generosa] (1685) 273. 

Segreto |I] Comedia (s. a.) 902. Specchio Ristorico (1688) 312. 

Semirami {La] (1667) 79. — |Lo] (1676) 148. 

Semiramide in Ascalona (1725) 768. Speranza [La] assicurata (1730) 021. 
Sepolero (1705) 546. Squittinio [Lol dell eroe (16981 451. 

— |H] nell'orto (1711) 622, Stärke der Lieb (1677) 166. 

Sepoltura |La] di Cristo (1706) 559. Staggioni |Lej osseqniose (1674) 130. 
Nere |Le] dell’ Aveutiuo (1694) 392. Statira (1736) 930. 

Serenata (1716) 661 — (1725) 769 — | Stillschweigen | Dasj des Harpoerates (1677) 

(s. a.) 1027, 1028. Silentio IN} di Harpocrate. 

Sesostri (1717) 601 — (1729 828 — | Strafuino imbrogliato (167%) 160. 

(1137) 944. Strage |La] degl Innocenti (16651 50. 
Sete (La) di Christo in croce (16831 245, | Stratagemi |Gli] di Biante (1682) 220. 
Sieg der Stäreke (1687) v. Vittoria [La] | Studio [Lo] d'amore (1686) 200, 

della fortezza. Sulpitia (1672) 111 — (1697) 440. 

-- des Leydens Christi (1682) 233. Superbia [La] abbatuta da un generoso rè 
— j[Derl der Freundschattt (1711) v. Trionto (s. a.) 1030. 
III! dell amivizia. Svegliata. [La] (1649) 188. 





— — der göttlichen Gnad (1707) v. Trionfo 

[Il| della grazia. 

Nieg-Streitt dess Luflt und Wassers (1667) | 'Tanisia (1688) 313. 

v. Contesa [La] dell'aria. Taten s. Thaten, 

Sigismondo [S.] (1609) 471. Teatro [I] delle passioni humane 1690) 
Nilentio [N] di Harpoerate (1677) 159 — 342. 

(165). 325. Telemaco [MH] (1639) 331 — (1102) 510. 
Silvano ‚I (s. a.) 1029. Telesilla (Laj (1002). v. Olfendere (L| per 
Simpatia [La] nell'odio (1664) 53. amare — (1729) 830. 

Sirita (1719) 695, Temistocle (1701) 404 (1018) 684 — 

Siroe (1633: SUI. (1736) 931. 

Sisara (1719) 699 — (1736) 028. -- in Persia (1681) 218. 

smemorato |Lo, (1683) 239. Tempesta (Ray de dolori (1703) 525. 

Smeraldo |Il finto) (1690) 345. Tempio [H] g Apollo in Delfo | 1632) 230. 

Sogni (Li! regii (1675) 137. — — dell'eternità (1731) v. Enea nezli 
| 


Sogno jN} delle gratie (1682 228. Elisi. 

— — di Scipione (1735) 919 — (1739) | — — di Diana in Taurica (1608: 115. 
971. - — di Giano (1726) 786. 

Nohne. [Der verlolirne]. (1109). v, Fizliuol ; Tempo [I e la verità (1731) 857. 
[IL] prodigo. | — — fermato (17213 717. 


Sole III, eeclissato (16100 1250. CJeraspo (1104): 529, 


e 153 — 


Teresa |S.] (1706) 960. — (1700; 938 — , Trionfater |Il) de Centauri. (1614). 131. 
(s. a.) 1052, 1053. Trionti |I] d'amore (1648) 12. 
Terremoto. [I] (1682) 231 — (1681) 305. "lrionfo riportato dall invidia (1680) 201. 
Teseo in Creta (1715) 651. ‘+ [BD] d'amore e d'Imeneo (1722) 132. 
Tessalonica [La] (1673) 123. :-- — del carnevale (1689) 274. 
Testamento |I] di nostro Signore Gesù — — dell'amicizia 11711) 618 — (1723) 
Cristo (1726) 791 — (1727) 801. 146. 
Teti (1636) 23. i — della castità (1712) v. Castità [La] 
Thaten [Die] dess Römischen Achilles al cimento. 
(1693) v. Imprese [L] qell Achille. — della croce (1671) 106. 
— [Die glückselizen| des Perseus. (1691) — -- della fama (1723) 747. 
v. Attioni |Le] fortunate. '—- ~- della fede (1716) 664. 
Theill [Die vertheilbare] dess Epivurus |— — della grazia (1707) 000. 
(1672) v. Atomi (GI) d' Epicuro, —  - della pietà (1696) 422. 
Tigrane (1710) 613. -- — della religione (1725) 175. 


— — d’Imenco (1688) 315. 
- —— di Camilla (1697) v. Camilla. 


Timone misantropo (1696) 421. 
Tirannide [La] abbattuta dalla virtù (1697) 





111. — — di Davide (16831 247 - - (1713) 637. 
— — placata (1697) v. Amor |L'| trion-{ — — di Giuditta (1723) 701. 

fante. Tullio Hostilio (1684) 251. 
Titolo [I] posto su la croce (1679) 193. Taria Lucrezia (1675) 138. 
Tobia (1120: 711. Turno Aricino 11707) 574. 


Tol [Der] des Reutrichtigen Herzens (1705) 
v. Morte [La] del cor penitente. 
— [Der auf dem Calvari- Berg iber-| Ubbidienza |L] à Dio (1130 848. 


wundene] (1706) v. Morte [La] vinta, | — — del tempo (1:01) 499. 
Tomiri (1704) 533. Ulisse errante (1650) 16. 
Torneo (1688) 314. ' Umiltà [L/| coronata. (1714) 641 — (1721) 
Trajano (1136) 932. | 722 — 11728) 815. 


Transito [N] di S. Ginseppe (1680) 207 — ‘ Undanekbarkeit [Die verwiesene und iber- 
(1681) 321 — (1682) 235 — 11683) wiesene] (1700) v. Ingratitudine [1] 
246 — (1684) 256 — (1680) 281 — improverata. 

(1686) 297 — (1687) 306 — (1688) Urna [L] della sorte (160) 161. 
319 — (1689) 357 — (1602) 372 — | Urtheil |Das| Salomons (1701) v. Giudizio 
(1694) 398 — (1695) 414 — (1690) |] di Salomone. 
472 — (1700) 487a — 11730) 847. | Uscità [IL/] di Cristo (1688) 320. 
Trasfigurazione [La] xul calvario (16920419. 
Trattenimento musicale. (Fileno e Clori] ' 


(1074) 132. Vaghezza |La] del fato (1672) 112. 
— per Camera (s.a.) 1031. ` Valore |Il| coronato (1689) v. Telemaco [I]. 
Trespolo tutore (1137) 919. | Varietà [La] di fortuna in L. J. Bruto 


Tren und Grossmiithigkeit (1692) v. Fedeltà (1692) 366. 

e generosità. Vaticinj [J|] di Tiresia Tebauo (1680) 200. 
Trialogo nel natale del Signore (s. a.) 1032. ; Vatieinio di Apollo e Diana (s. a.) 1034. 
Tributi [Li] (1681) 219. — di Silvano (1636) 5. 

Tributo {11} de’ Savii (1692) 365. Vecchi [Li] burlati (1695) 407. 
— delle lodi ís. a.) 1033. Veglia di Parnasso (s. a.) 1035. 





Ze GER vm 


Veglie [Le] di Tempe (s. a.) 1036. PE [La] di S. Elisabetta (1713) 
— — ossequiose (1679) 189. 638 — (1718) 689. 

Venceslao (1717) 672 — (1725) 770. | Vita La] nei morsi dei serpenti (1678) 177. 
- [S.] (1680) 208 -- (1688) 316. | — — nella morte (1688) 321. 


Vendetta. [La] dell honestà (1687) 300. atiis |La] d'amore (1704) 539. 
Veränderungen [Die] des Glückes (1692) | Vittoria |La| della fortezza (1687) 301. 
v. Varietà [La] di fortuna. | Vorminder |Der] (1737) v. Tusspolo. 
Verdienst | Der] machet die Aitgeister gleich-. Voto |Il] crudele (171 2) 627. 
formig (1692) v. Merito |Il| uniforma | 
i genii. 
Verfolgung |Die] auss Lieb (1702) v. Offen- Wahrheit [Die] in dem Betrug (1117) 


dere |L'] per amare. | v. Verità [La] nell inganno. 


Vergini |Le cinque] prudenti (1689) 338 ! EE dossphats Long) 
— (1694) 399. v. Vicende |Le] di Giosafatte. 
, Wenceslas v. Venceslao. 


Verheissungen [Die] der Götter (1697) ; 
| Wettstreit der Neigungs-Geister (1671) 


v. Promesse [Le] degli dei. 


Verità |La] nell'inganno (1717) 6:3 — | V Gara [La] de' geny. SC 
(1730) 843. | Würekungen [Die vnterschidliche] — der 


Verjüngerte [Der| (1691) v. Ringiovenito |H]. | Liebe (1700) v. Effetti |I vari. 
Verwandlung |Die| der Gestalt (1695) | Wütherey [Die durch die Tugend ge- 


v. Trasfigurazione [La]. stürzte] (1697) v. Tirannide [La] 


Via {La] del saggio (1721) 718. `  abbatuta dalla virtù. 

Vicende |Le] di Giosafatte (1698) 459. | 

Vieni deh vieni (1654) 21. | Zaira (1720) 103. 

Vienna festeggiante (1679) 190. | Zaleuco (1675) 130. 

Vincitor |I] magnanimo in T. Quintio Fla- | Zauberinnen [Die tessalischen] (1677) 
minio (1678) 1*6 — (16902) 361. | v. Maghe [Le] di Tessaglia. 

Virtù [La] della croce (1697) 444, | Zelo |N] di Nathan (1721) 723. 
-— e la bellezza (1722) 733. | = — eroico di S. Carlo (1716) 665. 

-— — festeggiata (1017) 674. | Zenobia (1662) 40 — (1712) 625 — 

- -— guerriera (16009) 28. i (1732) 807 — (1740) 978. 

-- — guida della fortuna (1734) 903.‘ Zergliederte [Der] (1711) v. Interciso [L7]. 

- [Le] reggie (1695) 408. Zurückkunft [Die] dess Tobia (1707) v. Ri- 


Visioni [Le sacre] di S. Teresia (1703) 026. ! — torno |Il] di Tobia. 


Autorenregister. 


Abbati, Antonio 996. 

Albatini, Antonio-Maria 65. 

Addimari Cavaliere 504. 

Albinoni, Tommaso 1014. 

Amalteo, Aurelio 27, 28, 29, 34, 38, 39, | 
42, 90. | 

Ancioni, Giovanni-Battista 611, 617. 

Angelico, Michele-Angelo 395. 

Appolloni, Apollonio 51. 

— Giuseppe 344. 

Araija 965. 

Ardespin, Melchior d’ 308, 339, 1034. 

Argomenti, Agostino 1023. 

Ariosti, Attilio 519, 027, 531, 536, 
558, 566, 570, 580, 602, 607. 

Arrighini 720. 

Arrigoni, Carlo 876, 959. 

— Giovanni-Giacomo 24, 59. 

Astolfi, Tommaso 484. 

Avanzo barone 749. 


544, 


Badia, Carlo-Agostino 395, 397, 
437, 446, 449, 451, 455, 
463, 464, 467, 473, 474, 
479, 491, 493, 501, 503, 
510, 514, 517, 521, 
538, 559, 571, 576, 578, 583, 
592, 606, 619, 624, 06037, 018, 
108, 742, 810. | 


Balbi, Ignazio 710. | 


413, 
461, 
475, 
506, 
522, 


431, 
462, 
478, 
507, | 
537, 


Baldasari, Pietro 567. 
Ballerini, Francesco 618. 
Bambini, Francesco 354. 
Bernabei, Giuseppe-Antonio 282, 
315, 350, 1016, 1034. 
— Vincenzio 314, 339. 
Bernardi, Bartolomeo 1031. 
Bernardoni, Pietro-Antonio 482, 
502, 503, 505, 5C6, 507, 
521, 540, 543, 547, 551, 
504, 555, 551, 559, 560, 
008, 569, 570, 572, 577, 
083, 584, 588. 591, 602, 
623, 625, 1019. 
Bernasconi, Andrea 938, 1039. 
Bernini, Domenico 99, 281a. 
Bertali, Antonio 3, 11, 20, 23, 27, 29, 34, 
48, 49, 50, 54, 59, 61, 73. 
Bianchi, Bernardino 1033. 
Bicilli, Giovanni 99, 281a, 454, 486. 
Bioni, Antonio 970. 
Boccabadati, Giambattista 466. 
Bonacossi, Francesco 6. 
Bonarelli, Prospero 2, 9, 81. 
Bonlini, Francesco-Antonio 776. 
Bonno, Giuseppe 874, 925, 932, 
940, 942, 954, 956, 966, 
969, 973, 976, 977, 982. 
Bononcini, Giovanni - Battista 


460, 470, 476, 488, 406, 


307, 308, 


495, 
519, 
552, 
563, 
518, 
605, 


501, 
520, 
593, 
564, 
580, 
613, 


936, 


961, 


939, 
068, 


457, 4598, 
2320, 530. 
* 


Calin 


532, 533, 540, 549, 565, 
585, 586, 589, 604, 608, 
103, 937, 948. 


Marco - Antonio 


432, 
562, 579, 587, 608, 613, 


1006, 1020, 1049. 


201. 


Calderon, Pedro 82, 1000. 
de Marienberg, 


136 -- 


Cesarini, Carlo. Francesco. 1006. 

Cesti, Mareo-Antonio. 37, 51, 57, 61, 4, 
18, 19, 883. 

Ciallis, Rinaldo 487, 498, 604. 

Cicognini, Giovanni - Andrea 15, 24, 31. 


513, 514, 
612, 629, 
520, 547, 552, 
620. 


Bonvicino, Valeriano 5. 38, 55. 

Borosini 778. Conti, Francesco 548, 556, 616, 618, 625. 

Boretti, Giovanni-Antonio 40. 630, 639, 642, 644, 649, 6531, 657. 

Bosellini, Francesco 801, 812. 660, 611, 680, 631, 685, 600, 602, 

Brunamotti, Giovanni 838. 697, 702, 709, 712, 718, 721, 125. 

T29. 741, 746, 747, "A9, "54. 191, 

Catti, Bernardo 354. 158, 760, 761, 766, 771, 779, 783. 

Caldana Conte 32. 828, 872, 8709, 934, 991. 

Caldara, Antonio 595, 599, 626, 635, 636, | — Ignazio-Maria 796, 801, 810, 812, 832, 
642, 640, 658, 659, 667, 612, 613, 884, 892, 902, 907, 912, 914. 920, 
615, 677, 682, 683, 688, 693, 695, 921, 933, 972, 993. 

696, 701, 704, 705, 706, «714. 716, | Cornacchia di Casal Montferrato, C. G. 054. 
726, 727, 731, 732, 735, 736, 738, | Corradi, Giuseppe-Cesare 446. 

139, 744, 750, 752, 753, 755, 759,| Cortesi, Lodovico 1004. 

760, 762, 767, 768, 770, 774, 775, | Costa, Giovanni-Antonio 64. 

176. 777. 782, 784, 788, 789, 790, | Cupeda, Donato 45,261, 324, 361, 300, 
793, 794, 797, 798, 800, 803, 805, 394, 400, 401, 402, 405, 428, 420, 
ROT, 808, 814, 818, 820, 822, 823. 431, 447, 448, 449, 456, 458, 461. 
825. 826, 829, 833, 834, 836, 83%. 467, 473, 476. 479, 480, 488. 490, 
839, 840, 843, 844, S45, 849, B34, 493, 508, 500. 528, 530, 531. 532. 
8559, 856, 858, 859, 860, 863. 866, 934, GOL. 

878, 881, 885, 857. 858, 890, 893, | Cyni. Liborio-Nicomede 507. 

Hu, 899, 901, 906, 908, 900, 910, 

913, 915, 918, 922, 924, 926, 931,1 Dario, Francesco-Maria 993. 

935, 947, 960. 979, 990. 993, 1003, | Doretti. Dario 1032. 


44, 46. 4^, 
11, 


u3. 


Draghi, Antonio 30. 33, 38, 
52,54, 58,4, 66, 68, 70, 
80, 81, 85, 86, 87, 88, 89, 


si oie 
12, T, 


90. 91, 


Camuccio, Bartolomeo 116. 


Capacelli-Albergatti, Pyrrho conte 199, 
Capellini, Carlo 185, 186. 

Caproli, Carlo 241. 

Cardona y Boya, Antonio 104. 
Caresana 219. 

Casati, Pietro 86%. 

Casini, Giovanni-Maria 1043. 

('astelli; Paolo 247, 637. 

— Nicolo de 628. 

Catena. Giovanni-Battista 826. 831. 


Cavalli. Francesco 8. 15. 


Domenieo-Franceseo) 94 95. 96, 97, 100, 101, 102, 103, 
105, 107, 109, 111, 115, 118, 119. 

120. 121, 122, 193, 124, 125, 196, 

512. 127, 129, 130, 131. 132, 134, 136, 
137, 138, 139, 140, 143, 144, 145, 

146, 147, 148, 150, 151, 152, 103. 

154, 155, 156. 158, 159, 165, 107. 

168, 169, 170, 171, 172. 173, 174. 

175, 176, 178, 180, 183, 184. 185, 

187, 188, 193, 195, 196. 197, 198, 

200, 206, 208, 209, 210. 211, 215, 

| 916, 217, 218, 219, 220, 922, 223. 

| 921 920, 228, 220. 230. ?31, 236, 

| 237 239, 243. 944, 948, 249, 251, 





| . . . a . 
| Kielmannsegg. Heinrich-Gottfried von 








151 


| 


255, 958, 261, 264, 265. 266, 267, 
269, 270, 273. 274, 278. 283, 286, 
287, 288, 289, 200, 293, 299, 300; 
301, 304, 305, 310, 311, 312, 313, 
316, 316a, 320, 321, 323, 324, 325, 
326, 327, 328, 329. 330. 331, 334.. 
335. 338, 341, 342, 314, 347, 348. 
319, 351, 352, 303. 356, 357, 330. 
361, 362, 363, 365. 366, 367, 371, 
373, 374, 376, 377, 318, 379, 386, 
381, 389. 390, 391, 392, 396, 399, 
400, 401, 402, 103. 404. 405. 408, 
415, 418. 419, 491, 427. 428, 129, 
434. 435, 438, 440, 441, 444, 445, 
447, 448. 450, 453. 456. 459. 469, 
944, 985, URS, 1001, 1009. 1010, 
1011. 1021. 1035, 1036, 1041. 1045, 
1041. 

Drazhi, Carlo 445. 

Bumaschi, A. 205. 

Fabbrini, Giuseppe 204, 336. 

Faustini, Giovanni H. 

Feckhler, Joset-Paris 98%. 

Federici. Domenico 63, 63. 

Ferdinand III. 13. 

Ferrari, Benedetto 20. 

Ferri, Giberto 1041, 1047, 1050. 

Ficiani, Aloigi 1*8, 316a. 

Filippeschi, Giovanni-Domenico 491, 603, 
616, 619, “61. 

Fiore, Andrea 599, 610, 631. 

Fozio, Francesco 732, 747, 750, 762, 844, 
862. 

Freschi, Domenico-(riovanni 1044. 

Fux, Johann-Joseph 477, 505, 507, 508, 
513, 545, 584. 588, 598, 601, 611, 
623. 643, 645, 650, 653, 06506, 658. 
662, 664, 668, 676, 686, 687, 691. 
698, 704, 707, 719, 725, 130, 740. 
748, 765, 780, 791, 804, 809, 811, 
821, 852, 958. 


Gabrieli, Domenico 471. 
Gareieria, Alessandro 696. 


(rasparini. Francesco 524, 595. 600, 694. 

Gianettini, Antonio 214, 426, 539, 1005. 

Giardini, Giovanni-Battista 426, 697. 

Gigli, Girolamo 889. 

Girolamo di S, Carlo. 845. 

Grassi, Bernardo 4. 

Grazianini, Catherina-Benedieta 541, 
1052. 

Grimani, Maria-Margaretha 632, 638, 602 
680. 

Greber, Jacob 581. 

Guadagni, Pietro 112, 1025. 


Hasse, Johann-Adolph 858, 891, 897, 
Hellmann, Max-Joseph 882, 886, 902. 
943. 
Hindereter, Johann-Georg 733. 
Hotter, Johann-Joseph 324, 361, 
402, 403, 404, 405, 421, 
433, 440, 441, 447, 448, 
458, 459, 463, 473, 
483, 488, 494, 501, 
509, 518, 549, 555, 
ORD, 703. 


963. 
904, 


377, 
428, 
450, 
476, 
503, 
561, 


400. 
429, 
456. 
477, 
504, 
565, 


Joseph I. 546, 551, 597, 609. 
Ivanovich, Christophoro 56. 


p 


ZU 


Lampugnani, Giovanni-Battista 442. 

Lanzetl, Carl-Ignaz 283, 287, 290. 

Lezrenzi, Giovanni 310, 512. 

Lemene, Francesco de 463, 464, 549, 103, 

Leopold 1. 32, 47, 66, 74, 78, 83, 84, 85, 
88, 92, 93, 94, 98, 101. 102, 103, 
106, 111, 113, 118, 125, 126, 133, 
134, 141, 144, 151, 152, 170, 172, 
176, 182, 192, 194. 200, 207, 221, 
22), 232, 233, 235, 238, 246, 248, 
253, 256, 262, 265, 270, 276, 
281, 286, 290, 292, 297, 301. 
302, 311, 313, 318, 319, 320, 
321, 328, 333, 337, 341, 346, 
355, 367. 371, 372, 382, 389, 

403. 406, 410, 414, 418, 


396, 
421, 428, 429, 436, 440, 441, 


255, 
285, 
306, 
326, 
362, 
398, 
424, 


444, 472, 481, 485, 487a, 847, 1000, ! 
1004, 1046, 1050. 

Lepori 1037. 

Lorenzani, Giovanni-Andrea 513. 

Lotti, Antonio 627, 647, 658, 722, 815, 


Luchini, Antonio- Maria 848, 807, 879, | 
880, 892. 

Lutti, Giovanni-Battista-Filippo 204, 280, 
303, 336, 385. 







Macchio, Giacomo 663. 
Maccioni, Giovanni-Battista 19. 
Maddali, Bernardino 664, 734, 751, 802, 
916. 
Maffei, Scipione 1026. 
Malvezzi, Ottavio conte 330, 331, 510. | 
Manzoni-Ginsti, Francesca 904, 907, 920, 
950, 961. 
Marcello, Benedetto 769, 1017. | 
— Giovanni-Francesco 26. 
Mariani, Giovanni-Battista 1007. B 
Lorenzo 295. 
Nicolo 639, 642, 
658, 660, 667, 
690, 693, 695, 
127, 731, 740, 
766, 768, 770, 
797, 798, 807, 
828, 836, 843, 
866, 872, 885, 888, 
924, 926, 931, 937, 
Mazza, Domenico 550. 
Medolago, Antonio 533. 
Melani, Alessandro 181, 99%. 
Metastasio, Pietro 684, 781, 835, 845, 
852, 860, 863, 865, 806, 872, 
885, 888, 891, 894, 896, 807, 
909, 913, 916, 919, 923, 924, 
931, 935, 947, 953, 955, 959, 
963, 969, 970, 971, 974, 976, 
980, 981, 1039. 
Minato, Nicolò 77, 86, 89, 
96, 97, 98, 100, 101, 
106. 107, 109, 111, 
118, 119, 121, 122, 
127. 129, 130, 


131, 
137, 138, 139, 110, 


Mattei, 

Matteis, 
6506, 
681, 
125, 
155, 
194, 


827, 


649, 
672, n. 
715, 116, 
152, 
185, 
818, 
856, 
896, 


644, 
671, 
112, 
141, 

182, 
808, 
840, 
890, 
978. 





849, 
878, 
905, 


962, 


102, 103, 
113, 114, 
123, 125, 
132, 134, 
141, 144, 


126. 
136. 
145, 


1953 


*^ | Moliére, 
Monesio, Giovanni Pietro 47, 
Moniglia, Giovanni-Andrea 79. 
Moreto, Agostino 120. 
Adriano 322. 


148, 
156, 
168, 
176, 
186, 
198, 
211, 
224, 
234, 
245, 
294, 
269, 
274, 
284, 
293, 
306, 
319, 


146, 
153, 
165, 
173, 
184, 
193, 
208, 
922. 
230, 
240, 
251, 
963, 
271, 
281, 
290, 
301, 
316, 
327, 


147, 
154, 
167, 
175, 
185, 
195, 
209, 
223, 
231, 
243, 
252, 
264, 
273, 
283, 
291, 
305, 
317, 
328, 329, 
341, 342, 313, 
356, 357, 360, 
367, 370, 371, 
378, 379, 381, 
392, 393, 396, 
404, 405, 408, 
418, 419, 423, 
437, 438, 439, 
452, 453, 472, 
597, 609, 612, 
1035, 1036. 





Morselli, 





149, 
158, 
169, 
179, 
187, 
200, 
216, 
226, 
235, 
246, 
255, 
266, 
275, 
286, 
296, 
310, 
321, 
332, 
346, 
362, 
312, 
386, 
398, 
409, 
427, 


440, 


481, 
847, 


Musarra, Carolus 646. 


Negri v. Negro. 


642. 


! 


926. | Nanini, Domenico 590. 
ee 


105, | Nero, Paolo-Antonio del 562, 
3, Noris, Matteo 40, 128. 


150, 
159, 
170, 


180, 
188, 


203, 
218, 
227, 
230, 
248, 
2506, 
261, 
276, 
287, 


297, 


311, 


323, 


334, 
351, 


363, 


373, 
387, 


399, 
414, 
428, 
441, 


483, 
8506, 


978, | Negro, Paolo-Antonio del 537, 576, 


151, 
163, 
171, 
182, 
189, 
206, 
220, 
228, 
237, 
249, 
257, 
269, 
277, 


152, 
164, 
172, 
183, 
191, 
207, 
221, 
229, 
239, 
250. 
258, 
270, 
218, 
288, 289, 
299, 300, 
312, 313, 
325, 326, 
337, 338, 
392, 353, 
365, 366, 
374, 376, 
389, 391, 
402, 403. 
415, 416, 
434, 435, 
444, 450, 
487a, 511, 
984, 1018, 


Jean-Baptiste Poquelin 358, 889. 
53. 


624, 


92. 93, 94, 95, , Neri, Giovanni- Battista 514, 548, 488. (y M. 


634. 


feig Lodovico 298, 308, 315, 1016. 


| Orsini, Lelio 241. 


Paganelli, Giuseppe-Antoniv 873. ‘95, 802, 830, 842, 848, 862, 869, 
Pagliardi, Giovanni-Maria 128, 992. 870, 871, 894, 911, 928, 041, 944, 
Palmaro, Pietro-Bernardo 614. 946, 950, 1020. 

Pamfili, Benedetto 162, 181. Predieri, Luca - Antonio 865, 919, 922. 

Pancotti, Antonio 380. 953, 957. 961, 1:62, 971, 978, 981. 

Parisi, Vincenzo 500. 

Pariati, Pietro 599, 600, 610, 627, 631, 
640, 641, 643, 644, 645, 647, 648, 
649, 650, 651, 653, 656, 658, 660, 
666, 667, 668, 609, 670, 671, 674, 
619, 679, 680, 683, 685, 686, 687, | Raschenan, Maria-Anna de 520. 

690, 691, 692, 694, 698, 701, 702, | Reinhardt, Johann-Georg 648, 663. G69, 


| 
| 
| 
| 
Prescimonio, Giuseppe 739. 

Prokott, Anton 808, 863, 885, 896, 8494, 

021, 926, 931. 
Pusterla, Giovanni-Dattista 819. 


107, 712, 713, 718, 722, 725, 728, 113. 

Remigio, Donato 51. 

Reutter, Johann - Georg (d. J.) 792, 799, 
806, 807, 813, 816, 824, 831, 841. 
938, 944, 972. 850), 851. 853, 856, 807, 861. 864. 

Parrino, Domenico-Antonio 986. 875, 877, SRO, 883. 895, 808. 900. 

Pasquini, Bernardo 123, 1062. 905, 916, 917, 993, 927, 920, 930, 

— Giovanni-Claudio 779, 783, 784, 1895, : 951. 955, 964, 974. 98). 

186, 792, 794, 795, 796, 806, 807, Riciardi, Giambattista 912. 

810, 811, 820, 824. 825, 830, 837, Richter, Ferdinand-Tobias 388. 394, 411, 
841, 842, 850, 85l, 853, 854, 857,, 425, 439, 1053. 

861, 864, 870, 871, 874, 875, 877, | Ristori, Antonio 1030. 

882, 883, 884, S86, 800, 895, 898, | Roberti, Girolamo-Frigemelica TUR. 

900. 901, 902, 903, 910, 911, 912 | Roccas abbate 335. 

914, 910, 918. 921, 925, 927, 929,! Rodiano, Riccardo 496. 

932, 933, 936, 939, 940, 941, U12,, Rossi, Camilla de 530, 993. 604, 614. 
943, 951, 952, 954, 956, 958, 964, | — Rocco-Maria 558. 

966, 967, 975, 977, 982. ' Rossini, Marco-Antonio 60, 71. 

Passerini, Francesco 280, 303, 385, 492. Rubini, Galgano 345. 

Pederzuoli, Giovanni - Battista 157. 190, Rudolph, Johann-Albrecht 139, 169, 177, 
199, 213, 225, 227, 242, 245, 250, 192, 202, 233. 

254, 257, 260, 263, 268. 271, 277,: Ruggieri, Piermaria 522, 545. 
284, 296, 3069, 1018. 1022, 1032, 


136, 738, 740, 741, 743, 748, 154, 
404, «58, 109, 771, 180, 191, 193, 
804, 809, 815, 821, 828, 


do 


] =] 


m 


917, 931, 








1051. Balio, Giuseppe 763, 799. 
Perroni, Giovanni 720, 737, 772, 819, 838. | Salva. Ivan-Silvestro 88. 
Perrucci, Andrea 949. | Sances, Felice 10, 12, 21, 22, 25, 31, 38, 
Pezuoli 369. 39, 69, 85, 92, 98, 100, 113, 149. 
Piselli, Giuseppe 688. Sartorio, Antonio 110. 
Pistoechi, Francesco-Antonio 483. Sbarra, Francesco 37. 67, 73, 14, 78, 83. 
Polarolo (i) s. Pollaroli. 84, 133, 232. 


Pollaroli, Carlo-Francesco 279, 383, 492.|Searano, Camillo 36. 
Porpora, Nicolo 641, 666, 684, 700, 949.| Scarlatti, Alessandro 212, 384, 412, 523, 
Porsile, Giuseppe 670, 674, 619, 699,| 621, 633, 661, 1006. 

111, 715, 717, 723, 733, 734, 743, | Scarpini, Antonio 117. 

751, 763, 164, 773, 785, 786, 787, | Schlegel 1%. 


Schlick, Franz-Heinrich Grat 733, 999. 


Schmelzer, Andreas-Anton 210, 216, 217, 
218, 223, 220, 230. 237, 251, 265, 
203, 269, 273, 283. 257, 289, 20. 
299, 300, 301, 310, 313, 326, 328, 
330, 331, 341, 348, 351, 353, 360, 
362, 863. 366, 374. 378. 387, 391. 

Schmelzer, Johann - Heinrich 62, 70, 73, 
di, (8, 83. 88, 107. 109, 111, 118, 
127, 129, 134, 136. 138, 139, 151, 
152, 154, 196, 158, 1509, 161, 164. 
166, 168, 169, 170, 171, 173, 170, 

, 182, INS, 184, 189, 198, 202, 223, 
301, 325. 

Seirtoniano, Alindo 621. 

Serini. Giuseppe 205, 250. 

Signorini, Marco-Antonio 526. 

Silvani, Francesco 529, 673, N43. 


Pietro-Nicolo 1040. 
Npedazzi 414. 
Stampizlia, Nunzio 992, 606, 615, 620. 


Sorosina, 


-- Silvio 432, 470, 565, 566, 511. 13. 
574, 585, 586, 587, 589, 594, 596, 
398, 608, 622, 629, 639, 737. 

Stefani, Agostino 298, 308, 364, 1016." 

Storzenau, Baron 85. 

Susini. Pietro 139. 


Tagioli 868. 

Teotilo 35, 80, 88. 
Ventura 282. 
Thalman, Daniel 549, 
Tiberti, Giacomo 32. 
Torelli, Giuseppe 44. 
Torti, 230. 
Tosi. Giuseppe 322 
-- Pietro-Francesco 500. 

Tricarico, Giuseppe 33, 36, 3%. 
Triller, Joseph 501, 504, 917, 018, 


Terzago, 


103. 


Francesco, 


140 


l 


| 


Uslenghi, Carlo-Melchior 590. 


Velardi, Giuseppe 723. 
 Verospi 3415. 
Vidali, Giovanni-Battista 417, 465. 


Villati de Villatburg, Leopold 772. 813 
832. 

Vimina, Alberto 19. 

Vinci, Leonardo 781, 835. 

Vismarri, Filippo 31. 

Vitali, Buonateda 1019. 

Viviani, Giovanni-Bonaventura 112. 

Wasenseil, Christoph 975. 

Ximenes, Cavaliere 44, 88. 

Zabarela, Andrea conte 422. 

Zächer, Johann-Michael 375, 25395. 

Zamponi, Giuseppe 18. 

Zanelli, Ipolito 769. 

Zangarini, Giovanni-Battista 873. 

Zati, Gaetano 816. 

Zeno, Apostolo 494, 595, 642, 608, 671, 
672. 681, 682, 690, 693, 695., 699, 
100, 704 711, 712, 715, 716. 721, 
1271, 130, 731, 735, TH, 752, 103. 

TOS. T60. 766, 708, 770, 774, 782, 
480, 7197, 798, 800, 803, 808, 814, 
HI. s28, 833, 834, 836, 858, 800, 
SS1. 803, 899, 006, U08, 922, 928. 
930, 957, 938, 944, 948, 960, 970. 

Ziani, Marco-Antonio 480, 487, 489, 490, 
404, 497, 498, 509, 515, 518, 525, 
028, DNA, 543, 550, 551, 553, 554, 
550, DT, 961, 577, 591, 596. 597, 
605, 609, 617. 622, 634, 640, 642. 

— Pietro-Andrea 30, 42, 43, 45, 52, 56, 


98, 63, 1024, 1037. 


——— well — 


Droek von Gottlich Gistel & Comp. in Wien 











7 YORK 


Lan 


astoßı LENOX AND 


BEILACGEE TILDEN FUUNDATIONS 


zu den in 


Mittheilungen des österr. Vereines für Bibliothekswesen, 


IV. Jahrgang. — Nr. 2. 











Kritik der „Instruktionen für die alphabetischen 
Kataloge der preussischen Bibliotheken“ 
insbesondere mit Rücksicht auf die Erfordernisse der Hauptkataloge. 


Ein Beitrag zur Katalogisirungsfrage. 


Vortrag, gehalten im österreichischen Vereine für Bibliothekswesen von 


Simon Laschitzer. 


Herr Amannensis Dr. von Sterneck hat Ihnen am vorletzten Vortragsabende 
ein übersichtliches und klares Referat über die „Instruktionen für die alphabetischen 
Kataloge der preussischen Bibliotheken“ gegeben und sie mit den an der hiesigen 
Universitátsbibliothek geltenden Normen in Vergleich gestellt, wobei er bezüglich 
einer grösseren Anzahl von Bestimmungen zugleich auch seiner Meinung Ansdruck 
gab, welche besser und praktischer seien und darum den Vorzug verdienten. Da 
für ihn das Referat und der Vergleich die Hauptsache waren, trat die Kritik erst 
an die zweite Stelle. Sie basirte auch zum grossen Theile nicht auf bestimmt 
leitenden bibliothekswisseuschaftliehen Gesichtspunkten, sondern die Urtheile er- 
scheinen zumeist vom Standpunkte der Praxis aus gefüllt. 

Mein heutiger Vortrag dagegen bezweckt eine Kritik der preussischen Instruc- 
tionen von einer bestimmten bibliothekswissenschaftlichen Basis aus, und zwar 
hauptsächlich mit Rücksicht auf die Erfordernisse der Hauptkataloge grüsserer 
öffentlicher Bibliotheken und kann daher als Ergänzung des von Sterneck'schen 
Reterates gelten. Schon im Hinblicke auf die Wichtigkeit der Sache selbst dürfte er 
nicht überflüssig erscheinen, erhält aber seine volle Berechtigung durch den Um- 
stand, dass bereits in der Discussion nach dem Vortrage Dr. v. Sterneck's der 
Antrag gestellt wurde: der österreichische Verein für Bibliothekswesen möge der 
Katalogisirungsfrage näher treten und auch für Oesterreich eine derartige ent- 
sprechende Instruction ausarbeiten. Sollte es zu einer solchen Ausarbeitung in der 
That kommen — und dies wäre aus verschiedenen Gründen allerdings sehr wünschens- 
werth —, so wird es gewiss von Vortheil sein, wenn schon im vorhinein der Stand- 
punkt genau und präcis festgestellt erscheint, auf dem eine derartige Instruction 
bei uns aufgebaut werden müsste, damit sie den bibliothekswissenschaftlichen und 
praktischen Anforderungen entsprechen und so einen bleibenden Werth besitzen und 
einen dauernden Nutzen schaffen soll. Und dazu, das ist zur Klärung der leitenden 
Gesichtspunkte, von denen aus bei uns eine solche Arbeit unternommen werden 
müsste, glaube ich durch die folgenden Darlegnngen einen Beitrag liefern zu 
können. 






i: i nm 


Um den richtigen Boden für meine kritische Behandlung der preussischen In- 
structionen zu gewinnen, und um den Standpunkt klar und bestimmt zu kennzeichnen, 
von dem meine Kritik ausgehen wird, wird es nothwendig sein, eine kurze Skizze 
über die Hauptkataloge öffentlicher Bibliotheken, ihren Zweck und ihr Verhält- 
niss zu einander vorauszuschicken. Wenngleich ich dabei nur meist allgemein 
Bekanntes zusammenfasse, so glaube ich doch auch einige neue Gesichtspunkte auf- 
stellen zu können, die geeignet sind, die Katalogisirungsfrage auf die sowohl wissen- 
schaftlich wie praktisch richtigen Grundlagen zu stellen. 

Die Hauptkataloge einer öffentlichen Bibliothek haben einen doppelten 
Zweck zu erfüllen: 1. haben sie der Verwaltung und 2. der Benützung der Biblio- 
thek zu dienen. Danach theilen sich die Hauptkataloge in zwei Gruppen: 1. in 
Verwaltungs- und 2. in Benützungskataloge. Eine gute Bibliotheksverwaltung er- 
tordert Kataloge, die den Bestand der Bibliothek nicht nur vollständig und genau, 
sondern auch in solcher Weise beschreiben, dass durch sie der jeweilige Bücher- 
besitz einer Bibliothek ganz zweifellos und derart festgelegt erscheint, dass Ver- 
luste, Unterschiebungen und Unterschleife soviel als möglich verhütet oder eintretenden 
Falls doch sogleich erkannt werden können. Die Bibliotheksbenützung hingegen er- 
heischt Kataloge, welche entweder ganz bestimmte genan genannte oder nur im 
allgemeinen mehr oder weniger präcis bezeichnete einzelne Werke oder auch sachlich 
und stofflich zusammengehörige Gruppen von Werken für den Gebrauch durch die 
Benützer in solcher Weise verzeichnen, dass sie sofort oder doch ohne längeres 
Nachsuchen herbeigeschafft werden können. Die einen erstreben eine vollständige und 
in jeder Beziehung ausreichende Beschreibung, sowie eine möglichst genaue Fixirung des 
Bibliotheksbestandes sowohl im ganzen wie im einzelnen, die anderen einerseits die 
leichte und sofortige Auffindung jedes einzelnen Bestandtheiles, sei es auf formaler, 
sei es auf sachlicher Grundlage, sowie andererseits die Zusammenfassung in Gruppen 
nach ganz bestimmten sachlichen Gesichtspunkten. 

Auf Grund dieser Anforderungen soll jede öffentliche Bibliothek sechs oder 
doch zum mindesten vier Hauptkataloge besitzen. Es sind dies: 1. der Grundkatalog, 
2. der Inventar- oder Bestandkatalog, 3. der Standortskatalog, 4. der alphabetische 
Verfasser- und Titelkatalog, 5. der wissenschaftliche systematische Sachkatalog 
und 6. der alphabetische Sachkatalog. 

Die ersten drei sind Verwaltungskataloge, dienen entweder ausschliesslich 
oder doch fast ausschliesslich der Bibliotheksverwaltung, die anderen drei sind Be- 
nützungskataloge und dienen ausschliesslich der Bibliotheksbenützung. Davon sind 
der Standortskatalog und der alphabetische Sachkatalog nicht absolut erforderlich, 
daher sie auch, besonders aber der letztere, an vielen Bibliotheken fehlen. 

Der Grundkatalog ist in erster Linie ein Verwaltungskatalog. Als solcher hat 
er hauptsächlich zwei Aufgaben zu erfüllen: 1. hat er sowohl den gesammten 
Bibliotheksbesitz wie auch jeden einzelnen Besitzbestandtheil in der vollständiesten 
und genauesten Weise zu beschreiben, so dass Verwechslungen mit anderen Werken 
ausgeschlossen erscheinen, und 2. hat er die Grundlage für die Abfassung aller 
anderen Kataloge zu bilden. Daraus ergibt sich, dass seine Aufnahme ausschliesslich 
auf den Druckschriften selbst beruhen muss, und dass er gleich im vorhinein so 
angelegt sein soll, dass aus ihm allein ohne weitere Zuhilfenahme der Werke selbst 
zum mindesten jeder andere Hauptkatalog angefertigt werden kann. Aber auch 
Speeinlkataloge jeder Art sollen aus ihm ausgezogen werden können. Schliesslich 


THE NEW YCR: 
PUBLIC EBRan 


ASTOR, LENDX AND 


TO S TILDEN FOUNDATION 





li 
soll er noch für jede Bibliothekskatalogpublication eine sichere Grundlage bilden, 


indem er auch die bibliographisch-wissenschaftlichen Fragen berücksichtigt. Er wird 
demnach der ausführlichste und bibliographisch vollständigste Katalog einer Bibliothek 
sein müssen. Mit Rücksicht auf seine zweite Aufgabe muss er eine vollständige Be- 
werlichkeit besitzen. Er kann daher nur ein Zettelkatalog sein. Dies ist auch der 
Grund, warum er manchmal, aber in nicht genügend charakterisirender Weise, als 
Zettelkatalog schlechthin bezeichnet wird. 

Die Beweglichkeit des Grundkataloges, insbesondere seine Zettelform, die 'es 
ermöglicht, jeden Zettel za jeder Zeit durch einen anderen ersetzen zu können, 
bedingt mit Rücksicht auf eine gewissenhafte Verwaltung öffentlichen Vermögens als , 
Ergänzung den Bestandkatalox, auch Inventarkatalog genannt. Sein Zweck ist, den 
Besitzstand der Bibliothek für immer und in einer jeden Zweifel ausschliessenden 
Weise festzulegen und ausserdem jede Veründerung im Besitzstande genau und in 
entsprechend aufklärender Weise anzuzeigen. Er ist das Grundbuch der Bibliothek. 
Seiner Bestimmung und seiner Natur nach kann dieser Katalog nur ein Bandkatalog 
sein. Er dient lediglich Zwecken einer gewissenhaften und regelrechten Verwaltung. 
Da er für die preussischen Instructionen nicht in Betracht kommt, mag über ibn 
das Gesagte genügen. Auch der Standortskatalog, der gleichfalls lediglich Ver- 
waltungszwecken und zwar vor allem der Controle und Revision dient, fällt ausser- 
halb der Aufgaben meiner heutigen Darlegungen. 

Etwas ausführlicher muss ich mich über die drei Benützungskataloge ver- 
hreiten. Sie haben mit Rücksicht auf die Anforderungen, die durch die Benützung 
sich ergeben, besondere ganz bestimmte und nur dieser allein dienende Aufgaben 
zu erfüllen, die alle zum grössten Theile darauf hinauslaufen, entweder einzelne Werke 
„der besondere Gruppen von Werken der betreffenden Bibliotheken. auf die rascheste 
Weise zu finden. In den meisten Fällen wünscht der Benützer ein ganz bestimmtes 
Buch zur Einsicht zu erhalten. Zu dem Zwecke legt er entweder einen vollstándigen 
oder doch im allgemeinen ausreichenden Titel des gewünschten Werkes vor oder er 
weiss ein Werk dem Titel nach nur unvollständig oder sogar nar dem sachlichen 
Inhalte nach ganz allgemein zu bezeichnen. Im ersteren Falle muss aus jedem der 
drei genannten Benützungskataloge das Vorhanden- oder Nichtvorhandensein des 
betreffenden Werkes ermittelt werden können. An der Findigkeit des betreffenden 
Beamten wird es liegen, nach jenem Katalog zu greifen, der ihn aın schnellsten 
und am sichersten zum Ziele führen wird. Am häufigsten wird dies sicherlich durch 
den alphabetischen Verfasser- und Titelkatalog geschehen. Anders stellt sich die 
Sache im letzteren Falle. Da ist dreierlei möglich: 1. der Benützer weiss nur den 
Verfasser, Herausgeber ete. zu nennen, kennt aber den Titel nur unvollständig oder 
gar nicht, oder 2. er kennt wohl den Titel genau oder doch ausreichend, aber der 
Verfasser ist ihm unbekannt, oder endlich 3. er weiss den sachlichen Inhalt des 
Buches nur ganz allgemein zu bezeichnen. Im ersteren Falle wird der alphabetische 
Verfasser- und Titelkatalog über das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein des 
betreffenden Werkes Aufschluss geben, während in den anderen Fällen die Sach- 
kataloge zum Ziele führen werden. 

Eine weitere, weniger oft, aber immerhin noch ziemlich häufig anftretende 
Anforderung, die durch Benützer an die Kataloge gestellt wird, geht dahin, dass 
jemand zu wissen wünscht, was an Werken über eine ganz bestimmte gróssere 
sachliche Materiengruppe oder auch nur über eine einzige bestimmte sachliche Materie 


In 


S A 


in der Bibliothek vorhanden sei. In solchen Fällen Aufklürungen zu geben, sind die 
beiden Sachkataloge bestimmt. Schliesslich kann der Benützungszweck auch noch 
die Zusammenfassung der Werke der einzelnen Verfasser erfordern. Diese Aufgabe 
wird wieder in erster Linie dem alphabetischen Verfasser- und Titelkatalog zufallen. 

Sowohl der bibliothekswissenschaftliche wie auch der praktische Standpunkt 
verlangt es nun, dass jeder dieser Benützungskataloge eine den bestimmten Auf- 
gaben, die nur ihm allein zufallen, entsprechende Anlage und Einrichtung erhalten 
muss, und dass die Aufgaben, die der eine zu erfüllen hat, nicht auch auf die 
anderen übertragen werden, dass demnach auch die Grundsätze, auf denen die 
Anlage und Durchführung des einen beruhen, nicht mit jenen, worauf die andern 
aufgebaut sind, vermengt werden. Es wird daher am Platze sein, in kurzen Um- 
rissen die Principien darzulegen, die für die Anlage, den Aufbau und die Ein- 
richtung eines jeden dieser drei Benützungskataloge massgebend sein sollen. 

Im allgemeinen ist zu bemerken, dass dem Hauptbenützungszwecke gemäss 
der alphabetische Verfasser- und Titelkatalog fast ausschliesslich nach formalen, der 
systematische Sachkatalog aber fast ebenso ausschliesslich nach sachlich-systemati- 
schen (rrundsätzen wird anzulegen sein, während beim alphabetischen Sachkatalog 
sowohl die einen wie die anderen zu berücksichtigen sein werden. 

Der alphabetische Verfasser- und Titelkatalog, der gewöhnlich, jedoch in 
nicht genügend charakterisirender und prägnant bezeichnender Weise, als der alpha- 
betische Katalog schlechthin bezeichnet wird, ist, wie dies schon der von mir 
gewählte Titel ausdrückt, ein combinirter Katalog. Er setzt sich eigentlich aus 
zwei verschiedenen, aber sich gegenseitig ergänzenden Katalogen zusammen: aus 
dem alphabetischen Nominalkataloge der Verfasser für jene Werke, welche einen 
Verfasser nennen, und dem alphabetischen Titelkatalog für die anonym erschienenen 
Werke. Beide Kataloge könnten auch getrennt nebeneinander geführt werden. 
Da sie sich jedoch bezüglich des Gesammtbiicherbestandes gegenseitig ergänzen 
und in der Ausführung im Detail vielfach ineinander greifen, so empfiehlt es 
sich sowohl der Einheitlichkeit wie auch der leichteren praktischen Brauch- 
barkeit wegen beide Kataloge stets in einen einzigen einheitlichen Benützungskatalog 
zusammenzufassen. Seine Anlage ist eine fast ausschliesslich formale und beruht 
auf den Namen der Verfasser und den eigentlichen Titeln der Werke einerseits 
und den Ordnungsworten, die nach rein formalen Principien den Titeln ent- 
nommen werden, und den übrigen Benennungen der Schriften andererseits. Die An- 
ordnung des Kataloges ist die alphabetische. Sowohl die Verfassernamen wie auch 
die Titelordnungsworte werden unterschiedslos nach bestimmten für die alphabetische 
Anordnung auigestellten Regeln aneinander gereiht. Für seine Anlage und Form 
muss in erster Linie der Umstand massgebend sein, dass gerade dieser Katalog 
seiner Natur nach der am häufigsten in Anspruch genommene Benützungskatalog 
ist. Er wird demnach einerseits die handsamste und übersichtlichste Gebrauchs- 
form sowie andererseits nur den Umfang erhalten müssen, der inhaltlich unbedingt 
nothwendig erscheint, um die Identität der gewünschten Werke sofort erkennen zu 
lassen. Ebenso werden die für die alphabetische Anordnung aufzustellenden Regeln 
vor allem den speciellen Zweck und die besonderen Aufgaben des Kataloges zu be- 
rücksichtigen haben. Diese aber bestehen darin, dass auf Grund von vorgelegten 
Buchtiteln das Vorhanden- oder Nichtvorhandensein der betreffenden Werke auf 
formalem Wege so rasch als möglich constatirt wird. Diese Hauptaufgabe des alpha- 


| 
| 


betischen Verfasser- und Titelkatalozes muss ganz besonders betont werden und sie 
muss auch als Hauptleitstern für die Anlage dieses Rataloges gelten. Dazu kommt 
noch, dass auch in jenen Fällen, wo kein genauer Titel vorgelegt werden kann, 
doch zum überwiegendsten Theile der Verfasser als bekannt erscheint, und dass die 
vorzelegten Buchtitel sich in der Regel mit ihren Vorlagen ganz oder theilweise 
decken und nur in den seltensten Ausnahmsfállen uingemodelte oder von anderwürts 
erzànzte Bestandtheile enthalten. 

Wenn man auf diesen Gesichtspunkt das Hauptgewicht legt, und der Natur 
der Sache nach muss auf ihn das Hauptgewicht gelegt werden, so wird man natur- 
gemäss die Aufstellung von Regeln für die Abtassung dieses Kataloges unter anderem 
auf folgende vier leitende Grundsätze basiren müssen: 

]. Sämmtliche Regeln sind möglichst einfach und einheitlich zu gestalten, 
daher Ausnahmebestimmungen thunlichst vermieden werden sollen. 

2. Dem subjectiven Ermessen und der Willkür des Katalogisirenden ist ein 
möglichst geringer Spielraum einzuräumen. Auch von grösseren oder weitläufigen 
Nachforschungen sollen seine Entscheidungen nur in den allernotlıwendigsten Fällen 
abhängig gemacht werden. 

3. Die Katalogisirung muss in erster Linie die Vorlagen berücksichtigen, 
daher die Haupt-Titelordnungsworte stets diesen zu entnehmen sind. Von anderwärts 
hergeholte bibliographische Ergänzungen und Umformungen. die oft weitläufizge Nach- 
forschungen erfordern, sind auf das Nothwendigste zu beschränken. 

4. Die Werke sind stets auch unter jenem ÖOrdnungsworte einzuordnen , das 
der Titelwortlaut der Vorlage bietet, alle anderen auf welche Weise immer er- 
mittelten Titelordnungsworte sind unter Verweis zu stellen. 

Ich werde später bei der Kritik wiederholt Veranlassung haben, mich auf 
diese natürlichen auf der Hauptaufgabe dieses Kataluges beruhenden Grundregeln be- 
ziehen zu müssen. 

Was ferner noch die Form dieses Kataloges anbelangt, so verdient die Band- 
form gegenüber der Zettelform entschieden den Vorzug. Sie allein gewährt schon 
äusserlich eine rasche Uebersicht und bei richtiger Anlage ein rasches Ueberblicken 
einer grösseren Anzahl von Titeln. Auch die manuelle Manipulation ist bei einem 
Bandkatalog eine viel leichtere and raschere als bei einem Zettelkatalog, bei dem 
man jeden Zettel — und zwar nicht immer in glatter und rascher Weise —- be- 
sonders in die Hand zu nehmen genóthigt ist, um seinen Inhalt zu erfahren. 

Wie ich bereits erwähnt habe, ist es die specielle Aufgabe des wissenschaft- 
lichen systematischen Sachkataloges, die Benützer darüber zu orientiren, welche 
Werke mit Bezug auf bestimmte wissenschaftliche Gruppen in der betreffenden 
Bibliothek vorhanden seien. Da er für meine heutige Aufgabe nicht hervorragend in 
Betracht kommt, will ich mich über die Grundsätze seiner Anlage und Ausführung 
nicht des weiteren verbreiten. Auf einzelne Fragen werde ich allerdings im Laufe 
des Vortrages, soweit es nothwendig erscheinen wird, zurückkommen. 

Der alphabetische Sachkatalog endlich, auf den ich nun zu sprechen komme, 
der gewöhnlich, aber sein Wesen nicht genügend charakterisirend, Schlagwort- 
katalog genannt wird, beruht bekanntlich auf dem Grundsatze, dass der sachliche 
Inhalt eines Werkes unter einem einzigen Sachworte, dem Schlagworte, das wo- 
möglich dem Titel entnommen werden soll, subsumirt wird, und dass diese Schlagworte 


dann alphabetisch aneinandergereiht werden. An die Schlagworte werden dann die 
2 





uis we 


darauf bezüglichen Werke in bestimmter auf besonderen Regeln beruhender Reihenfolge 
angeschlossen. Im Grunde genommen ist der alphabetische Sachkatalog bezüglich seiner 
Veberschriften oder Schlagworte eigentlich nichts anderes als der in seine einzelnen 
kleinsten und letzten Rubriken aufgelöste und alphabetisch nach diesen umgestellte 
systematische Sachkatalog. Dies ist auch der Hauptgrund, warum es für eine 
Bibliothek gerade nicht absolut nothwendig ist. beide Kataloge nebeneinander zu 
besitzen, da sie sich eben in der Sache zum grossen Theile decken und nur in 
der Form vollständig auseinander gehen. In dem Wesen der beiden Kataloge liegt 
es endlich auch noch, dass die Grundsätze für ihre Anfertigung in dem Falle, ais 
eine Bibliothek beide Kataloge nebeneinander sich anfertigt, andere sein werden 
als in dem Falle, wo der eine oder der andere der alleinige Sachkatalog einer 
Bibliothek sein soll. 

Diese wenigen allgemeinen Bemerkungen, glaube ich, werden genügen, wmn 
den Standpunkt erkennen zu lassen, von dem aus ich der Kritik der preussischen 
Instructionen näher treten will. Bevor ich mich ihr jedoch zuwende, wird es weiters 
noch nothwendig sein, eine prücise Antwort auf die Frage zu finden, auf welchen 
oder welche der soeben erörterten Kataloge sich die preussischen Instructionen be- 
ziehen, was sie also ihrem Wesen nach bibliethekswissenschaftlich eigentlich sein 
wollen, So einfach und überflüssig, wie die Sache auf den ersten Blick erscheinen 
mag, ist sie nicht. 

Da den Instructionen eine orientirende Einleitung, die uns über die Stellung 
der aut Grund dieser Instructionen ausgearbeiteten Kataloge zu den übrigen an den 
preussischen Bibliotheken etwa noch vorhandenen Katalogen aufklären würde, nicht 
beigezeben ist, da wir ferner auch aus den Instructionen selbst nicht erfahren, 
welche Kataloge ausser dem durch die Instruction bedingten an den preussischen 
Bibiietheken noch unbedingt gefordert werden, so können wir uns einzig uud 
allein nur aus den Instructionen selbst die Antwort auf die eben gestellte Frage 
herausbolen, indem wir sie ihrem Wortlaute und ihrem Wesen nnd Inhalte nach 
näher untersuchen. Sehen wir uns daraufhin die erste Instruction. genauer an. sie 
lautet: „Instruktion für die Aufnahme der Titel des alphabetischen Zettelkataloges.“ 
Schon dieser Titel ist keineswegs klar. Es frärt sich vor allem, was wird unter 
„Zwrtelkatalog“ verstanden. Ist damit nur einer der alphabetischen Kataloge iu 
Zeitelform gemeint und welcher, oder soll mit dem Ausdrucke Zettelkatalog cine ganz 
bestimmte Katalozart bezeichnet sein? Ganz unzweideutig ist auch das Wesen der 
zweiten Instinction in ihrem Titel nicht ausgedrückt. Er lautet: „Instruktion für 
die Ordnung der Titel der alphabetischen Kataloge.“ Zunächst füllt auf, dass, ob- 
wohl beide Instructionen im engsten Zusammenhangre miteinander stehen, der Titel 
der einen nor von einem Katalog, dem alphabetischen Zettelkatalog, der Titel der 
anderen aber von alphabetischen Katalogen in der Mehrzahl spricht. Zu einer 
klareren Vorstellung von dem Wesen der Kataloge, auf die sich die Instractionen 
beziehen, kommen wir, wenn wir den $ 25 der ersten Instruction und den 3 211 
der zweiten. Instruction beachten. Der S 25 bestimmt, dass die erste Instruction an 
Stelle der früher geltenden „Instruktion für die Herstellung der Zettel des alpha- 
betischen Ratalozes* zu treten habe. Darnach erscheint gleichgestellt „alphabetischer 
Zettelkatalog® mit „Zetteln des alphabetischen Kataloges”. Jm Ss 211 aber, der 
Ucberzangsbestimmungen enthält, wird zwischen alphabetischen Zettelkatalogen und 
alphabetisehen. Bandkatalozen unterschieden, Stellt man damit endlich den Inhal 


pme 
( 


der beiden Instructionen in Zusammenhang, so unterliegt. es keinem Zweifel] mehr, 
dass die Instructionen unter den alphabetischen Katalogen den früher als alpha- 
betischen Katalog schlechthin bezeichneten alphabetischen Verfasser- und Titelkatalog 
in seinen verschiedenen Formen verstehen, dass demnach die erste Instruction 
Regeln für die Aufnahme des in Zettelform anzulegenden alphabetischen Verfasser- 
und Titelkataloges aufstellt, und dass die zweite Instruction Regeln für die Ordnung 
der Titel dieses Kataloges enthält, gleichviel ob er in Zettel- oder in Bandform an- 
gelegt ist. 

Aber damit, glaube ich, ist das Wesen der ersten Instruction noch nicht 
sanz erschópfend erfasst. Denn nehmen wir die Bestimmung des $ 1, wornach „die 
Grundlage für die Aufnahme der Titel die Druckschriften selbst und nicht mittelbare 
Quellen" zu bilden haben, und stellen damit die übrigen Bestimmungen in Zu- 
sammenhang, und beachten wir endlich, dass in den Instructionen nirgends auch 
nur die geringste Andeutung zu finden ist, die neben diesem Katalog die Existenz 
eines anderen vielleicht noch ausführlicheren Kataloges voraussetzen lässt, so er- 
scheint es wohl fast ebenso zweifellos, dass dieser alphabetische Zettelkatalog an 
den preussischen Bibliotheken ausserdem auch noch den früher charakterisirten 
Grundkatalog zu ersetzen bestimmt ist, dass wir demnach nnter dem alphabetischen 
Zettelkatalox der ersten Instruction auch den Zettelkataloz schlechthin, d. h. den 
Grandkatalog in alphabetischer Anordnung verstehen können. Wir müssen also be- 
züglich der ersten Instruction zweierlei unterscheiden: erstens was sie nach der 
Intention ihrer Verfasser ihrem Titel und Inhalte nach thatsächlich bezweckt, das 
ist, die Herstellung eines alphabetischen Verfasser- und Titelkataloges in Zettelform, 
und zweitens was sie ausserdem ihrem ganzen Wesen und ihrer Ausführung nach, 
bibliothekarisch betrachtet, uneinzestandenermassen eigentlich noch herbeiführen 
will. das ist. die gleichzeitige Herstellung eines Grundkataloges oder wenigstens 
eines Kataloges, der denselben ersetzen soll. Steht die Sache wirklich so — und es 
spricht meines Erachtens alles für und nichts gegen diese Auffassung —, dann wird 
auch die Kritik von anderen Gesichtspunkten ausgehen müssen, als in dem Falle, 
wenn die Instructionen sich lediglich auf die Abfassung eines neben dem Grund- 
kataloge bestehenden alphabetischen Verfasser- und Titelkataloges beziehen würden. 

Dazu aber kommt noch ein weiteres, denn die Aufgaben dieses combinirten 
Kataloges sind damit noch nieht erschöpft. Mit Beziehung auf die dritte Instruction, 
welche zunächst die Herstellung eines handschriftlichen alphabetischen Gesammt- 
zettelkataloges der preussischen Bibliotheken bezweckt, dessen spätere Drucklegunz 
jedoch in Aussicht genommen ist, soll er nämlich zugleich auch als Grundlage für 
diesen dienen. Das aber scheint seine Hauptaufgabe zu sein und auch die Entstehung 
der Instructionen in erster Linie herbeigeführt zu haben. Die übrigen Aufgaben 
warden dann dieser Hauptaufgabe accommodirt und untergeordnet. Man wollte so 
drei Fliegen mit einem xchlage tretren. 

Auf diese Weise glaube ich den Standpunkt hinlänglich klargelegt zu haben, 
von dem eine bibliothekswissenschaftliehe Kritik der Instruetionen. auszugehen hat. 

Ich wende mich zunächst der Besprechung einiger allgemeiner principieller Fragen 
zu. Die eine Frage gehtdahin, ob es bibliothekarisch richtig und praktisch gerechtfertigt 
ist, dem Grundkataloge neben. seinen speciellen Aufgaben zugleich. auch. noch. die Aut- 
gaben des alphabetischen Verfasser- nnd Titelkataloges zuzuweisen, oder wie es durch 
die preussischen Instructionen geschieht, den alphabetischen Verfasser- and Titelkatalog 

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gleich im vorhinein auf solcher Grundlage herzustellen, dass er auch die Autgaben des 
Grundkataloges zu erfüllen vermag. Für eine derartige Vereinigung und Verschmelzung 
der beiden Kataloge spricht der einzige Umstand, dass dadurch die Anfertigung eines 
besonderen Grundkataloges erspart wird. So gewichtig dieser Vortheil auf den ersten 
Blick auch erscheinen mag, so wird er doch durch die hiedurch hervorgerufenen sehr 
bedenklichen Nachtheile weit überboten. Sowohl der eine wie der andere Katalog 
wird in der Erfüllung seiner eigentlichen ihm speciell zukommenden Aufgaben 
beengt. Dem Grundkatalog wird durch die Festlegung seiner Anordnung die noth- 
wendige Beweglichkeit genommen, seine Aufgaben werden dadurch erschwert. Vor- 
allem aber verliert der in jeder Bibliothek in erster Linie stehende und am meisten 
in Anspruch genommene Benützungskatalog, das ist eben der alphabetische Verfasser- 
und Titelkatalog, dadurch, dass er zu einem Zettelkatalog der ausführlichsten und 
umtangreichsten Art gemacht ist, ausserordentlich viel von seiner Uebersichtlichkeit 
und leichten Brauchbarkeit. Eine äussere Uebersichtlichkeit fehlt ihm gänzlich, auch 
die manuelle Manipulation ist schwieriger. Desgleichen enthalten auch die einzelnen 
Zettel mehr, als ihr Gebrauchszweck erfordert und vergrósseren dadurch die Nach- 
theile. Kurz jeder praktisch erfahrene Bibliothekar wird zugeben, dass für den 
alphabetischen Verfasser- und Titelkatalog die Bandform der Zettelform unbediuzt 
vorzuziehen ist. Wohl wird nach den im S211 der zweiten Instruction nieder- 
gelegten Uebergangsbestimmungen die Zettelform für die alphabetischen Verfasser- 
und Titelkataloge der preussischen Bibliotheken nicht obligatorisch erklärt, sondern 
nach Absatz 2 erscheinen Bandkataloge selbst bei vollstündigen Umarbeitungen noch 
zulässig. Aber da auch für diese Bandkataloge dieselben Normen zu gelten haben, 
wie für die Zettelkataloge, so werden sie sowohl in Bezug auf den Gesammtumftaug 
dickleibiger als auch in Bezug auf den Umfang der einzelnen Posten ausführlicher, 
als es nothwendig ist, und büssen dadurch wieder manches an Uebersichtlichnkeit 
und leichter Brauchbarkeit ein. 

Infolge der grundsätzlichen Vereinigung beider Kataloge zu einem einzigen 
können ferner die Instructionen weder den Aufgaben des einen noch denen des 
anderen ganz gerecht werden. Die Detailbestimmungen sind in ihrer Umgrenzung 
für den einen zu weit, für den anderen zu eng gezogen und enthalten daher fur 
den einen zu viel, für den anderen zu wenig, so z.B. gleich die im Absatz 23 des 31 
ausgesprochene Grundregel mit ihren bezüglichen Detailbestimmungen. Der alpha- 
betische Verfasser- und Titelkatalog verträgt viel weiter gehende Kürzungen als der 
Grundkatalog und braucht durchaus nicht auf bibliographischer Genauigkeit zu be- 
ruhen. Hingegen sind Auslassungen und Kürzungen im letzteren möglichst zu ver- 
meiden und nur bei sehr austührlichen Titeln auf das ganz und gar Nebensächliche 
und Unwesentliche zu beschrünken. Richtig ist diese Grundregel nur für eine Biblio- 
thekskatalogpublication, Daselbe gilt auch von mehreren auf dieser Grundregel 
basirenden Detailbestimmungen, insbesondere von den meisten Bestimmungen des 
$ 7. Schon der eigentliche Titel (Abs.1) wird in beiden Katalogen nicht gleich zu 
behandeln sein. Ebenso kann die im Abs. 2 aufgestellte Regel bezüglich der Personai- 
angaben nicht für beide Katalore gleichmässig gelten. In den alphabetischen Ver- 
fasser- und Titelkatalog solche einzufügen ist entweder überflüssig oder auf die 
unterscheidenden Angaben bei gleichnamigen Sehriftstellern zu beschrünken, hingegen 
sollen in den Grundkatalog Personalangaben geringeren Umfíanges, insbesondere 
Ntandesangaben stets vollständig aufgenommen werden. Nur die oft endlosen Aur- 


lo il een 


zihlungen von Titeln, Orden, Auszeichnungen, Ehrenstellungen, Mitgliedschaften 
u. dgl. wären in der Weise zu kürzen, dass blos der Anfang und der Schluss auf- 
genommen würden. 

Ferner ist es unrichtig. die im Abs. 3 aufgestellte Regel bezüglich der Auf- 
nahme von Mitarbeitern und Herausgebern an Sammelwerken und Zeitschriften für 
beide Kataloge gleichmássig anzuwenden. In die Titelcopie des Grundkataloges sollen 
alle Mitarbeiter und Herausgeber aufgenommen werden, ausser es würe deren An- 
zahl eine sehr grosse. Aber auch in diesem Falle müsste zum mindesten der erste 
und letzte aufgenommen und die Gesammtzahl angemerkt werden, desgleichen bei 
verschiedenen Bänden, wenn die Mitarbeiterreihe eine wechselnde ist. Eine derartige 
weitergehende Anführung von Mitarbeitern und Herausgebern ist für den Grund- 
katalog darum angezeigt, weil man schon aus der Mitarbeiterliste auf gewisse 
allzemeine Eigenschaften der Werke, z.B. auf Wissenschaftlichkeit, Tendenz u. dgl., 
schliessen kann. Im alphabetischen Verfasser. und Titelkatalog hingegen kónnen 
diese Angaben, insoferne sie nicht unter Verweis zu stellen sind, völlig beiseite 
gelassen werden. 

Der Abs. 4 bedarf für den Grundkatalog einer Erweiterung, für den alpha- 
betischen Verfasser- und Titelkatalox einer Einschränkung. In den ersteren ist 
der Drucker neben dem Verleger stets auch dann aufzunehmen, wenn am Titelblatt 
beide genannt erscheinen, im letzteren hingegen kann die Angabe des Druckers 
vielleicht überhaupt, aber sicher in dem Falle ganz entfallen, wenn er weder am 
Haupt- noch am Schlusstitel genannt, sondern nur aus einer anderen Stelle im 
Buche zu entnehmen ist. Aehnlich verhält es sich mit der im Abs. 5 ausgesprochenen 
Regel betreffend die Aufnahme der Verlagsorte und der Verleger. Für den alpha- 
betischen Verfasser- und Titelkatalog genügt es, nur den Hauptverlagsort und den 
Hauptverleger zu nennen, ja man könnte vielleicht sogar soweit gehen, auf die 
Anfiihrang des Verlegers überhaupt zu verzichten, hingegen müssen in den Grund- 
katalog sämmtliche diesbezügliche Angaben des Titelblattes Aufnahme finden. Auch 
liert kein stichhältiger Grund vor, warum hier ansländische Werke anders behandelt 
werden sollen als inländische. 

Der Commissionsverlag neben dem Selbstverlag (Abs. 6) ist nur in der Titel- 
copie des Grundkataloges anzuführen, für den alphabetischen Verfasser- und Titel- 
katalog ist dies überflüssig. 

Die im Abs.7 aufgestellte Norm für den Umfang der Aufnahme des Verlags- 
vermerkes ist in ihrer Einschränkung allenfalls für den alphabetischen Verfasser- und 
Titelkatalog richtig. Dagegen sollen die Aufnahmen für den Grundkatalog stets un- 
verkürzt geschehen. ausgenommen die Adressangaben, die vielleicht ohne weiters ent- 
fallen können. Umgekehrt gilt die im $9 aufgestellte Bestimmung bezüglich der 
Kennzeichnung von Weglassungen wieder nur für den Grundkatalog allein, doch wäre 
sie dahin zu erweitern, dass auf der Titelcopie jede Weglassung zu kennzeichnen 
sei, und zwar immer und ganz consequent in derselben Weise. (Man vgl. dazu die 
Beispiele 5, 12 u. 17.) Im alphabetischen Verfasser- und Titelkatalog bedarf es einer 
Kenntlichnachung von Weglassungen überhaupt nicht. 

Der Abs. 3 des $ 10 fordert, wie das angezogene Beispiel 15 Zeigt, für den 
alphabetischen Verfasser- und Titelkatalog entschieden zu viel, denn die besondere 
Anführung der einzelnen Bände mit ihren Erscheinunesjahren ist für diesen über- 
flüssig, es genügt die allgemeine Zusammenfassung nach Alinea d vollständig. Auch 


= Ke 


liegt kein besonderer Grund vor, warum nach Alinea b und d die Anführung und 
Zusammenfassung der bibliographischen Bandnumnnern in zweifacher Weise geschieht. 
Hingegen empfiehlt es sich aus praktischen Gründen an der bezeichneten Stelle 
(Alinea d) auch noch die Anzahl der Bibliotheksbände dann anzuführen, wenn 
sie sich mit jener der bibliographischen Bände nicht deckt. Im Grundkatalog 
sind die einzelnen Binde ausnahmslos besonders anzuführen und stets nicht blos 
mit der Angabe des Erscheinungsjahres, sondern auch mit Seiten-, Bild- und Bei- 
lagxenzählung zu versehen, also auch dann, wenn keine Verschiedenheiten der Titel- 
fassung, Inhaltsangaben oder andere Titel wiederzugeben sind (Alinea f). 

Damit steht der Abs. 1 des $ 11 im Zusammenhange, wonach die Angabe des 
Umfanges eines Werkes durch Seiten-, Blatt- oder Tatelzihlung nur für einbiündire 
Werke verlangt wird. Das kann man allenfalls. für den alphabetischen Verfasser- 
und Titelkatalog gelten lassen, obwohl es vielleicht sogar vorzuziehen ist, für diesen 
auf jede Angabe des Umfanges überhaupt zu verzichten. Für den Grundkatalog hin- 
geren ist eine genaue Seiten-, Blatt- und Tafelzählung nicht blos auf die einbändigen 
Werke zu beschränken, sondern auch auf jeden bibliorraphischen Band mehrbändiger 
Werke auszudehnen. 

Nach Abs, 2 des S 11 besteht die Seitenzählung in der Angabe der letzten 
Ziffer jeder Paginirung. Diese Bestimmung hat die Einfachheit und Unzweideatickeit 
für sich. Aber sie kann in der Weise vielleicht im alphabetischen Verfasser- und 
Titelkatalog Anwendung finden, für den (rrundkatalog jedoch verstösst sie gegen das 
für diesen geforderte Princip der Genauigkeit und Vollständigkeit, denn die voraus- 
oder nachgestellten Indices, die Vor-, Haupt- und Sondertitel u. dgl. haben öfters Keine 
Paginirung oder sind in die Paginirung nicht mit einbezogen. Sollen nun diese zum 
Buche gehörigen Blätter keine Zählung erhalten? Für die Titelecopien des Grund- 
kataloges ist dies entschieden nothwendig. Daher wird man für diesen Katalog vom 
obigen einfachen Principe absehen müssen. Folgendes Vorgehen dürfte allen An- 
forderungen genügen: Folgt auf die letzte Seitenbezeichnung noch eine Seite ohne 
einer solchen, die aber noch den Schluss des Textes oder eines Index oder sonst 
ein zum Buche «ehöriges Vermerk, z. B. die Druckangaben, die Verleger- oder 
Druckervignette u. dgl. enthält, so wird diese Seite zu der letzten Seitenbezeichnung 
einfach hinzugezählt. Die den paginirten Theilen vorausgehenden oder nachfolgenden 
unbezeichneten und in die Paginirung nicht mit eingerechneten ganzen Blätter 
werden besonders gezählt und mit der Bezeichnung x BI. in die Paginabezeichnung 
an der ihnen zukommenden Stelle eingefügt, z. B. 3 Bl. VII S, 1 Bl. 340 S. 

Sowohl mit Rücksicht auf die bibliographische Genauigkeit wie anch mit 
Rücksicht auf die praktische Nothwendigkeit, da gerade Spoliirungen von Bildtateln 
ab und zu vorzukommen pflegen, muss auch die im Abs. 5 des $ 11 niedergelegte 
Bestimmung, dass Tafeln im allgemeinen nicht berücksichtigt werden, und dass 
Tafelzählung nur bei Atlanten nnd Tafelwerken, wo sie den Hauptbestandtheil der 
Schrift ausmachen, einzutreten habe, bezüglich des Grundkataloges entschieden ais 
unzureichend erklärt werden. In diesem ist die Anzahl der Tafeln, wenn sie nicht 
schon in die Seiten- oder Bilderzählung miteinbezogen ist, im Anschluss an die 
Sceitenzählung stets besonders anzugeben. 

Die im Abs. 4 des $ 10 aufcestellte Regel, betreffend Kenntlichmachunz von 
Abweichungen in der Titelfassung und Aenderungen des Erscheinungsvermerkes, hat 
nur für den Grundkatalog Geltung, doch wäre sie, wie ich später noch zeigen 


werde, anf eine einheitliche Grundlage zu stellen. Für den alphabetischen Ver- 
fasser- und Titelkatalog können derlei Abweichungen und Aenderungen völlig un- 
berücksichtigt bleiben. ber Titel des ersten Bandes soll für die Aufnahme allein 
mass£ebend sein. Treten Aenderungen im Ordnungsworte ein, dann müssen olınehin 
Verweise in Anwendung kommen. 

Wenn im Abs. 4 des $ 4 eine Unterscheidung der Originalschriftart des Titel- 
blattes nach Fractur und Antiqua und deren Bezeichnung angeordnet wird, so ist, 
abresehen von der vagen Bezeichnung Antiqua, nicht einzusehen, warum sie auf 
diese Schriftgattungen allein beschränkt erscheint. Man denke an die verschiedenen 
modernen Schriftarten, an die Renaissanceschriften, an die verschiedenen Majuskel- 
schriften. Wieder muss man sagen: Für die Titelcopien des Grundkataloges sind 
solehe Unterscheidungen vielleicht, aber auch nur vielleicht, am Platze, für den 
alphabetischen Verfasser- und Titelkatalog, ja selbst für jeden gedruckten Katalog 
aber ganz überflüssig und werthlos. 

Auch die Bestimmungen über die Behandlung von Zahlangaben (S 4, Abs. 5 
und $ 5, Abs. 1, Al. d) sind in diesem Zusammenhange noch zu erwähnen. In den 
Titeleopien des Grundkatalogzes sind die Vorlagen stets genau wiederzugeben, wäh- 
rend in den alphabetischen Verfasser- und Titelkatalog stets ohne weiters die ent- 
sprechenden arabischen Zitfern eingesetzt werden können. 

Schliesslich noch die Bemerkung, dass beide Kataloge anch bezüglich der 
Anwendung von Abkürzungen (§ 5, Abs. 1, AL f) grundsätzlich eine verschiedene 
Behandlung erfordern. 

Aus dem Angeführten ergibt sich, dass die Idee, den Grundkatalog mit dem 
alphabetischen Verfasser- nnd Titelkatalog zu vereinigen, beide zu einem einzigen 
zu verschmelzen und für beide einheitliche Katalogisirungsnormen aufzusteilen, 
weder wissenschaftlich noch praktisch zu rechtfertigen ist und daher nicht als eine 
glückliche Lösung der Katalozisirunesfraxe angesehen werden kann. Da stehen 
unsere alten. Dibliotheksinstructionen aus den Jahren 1778 und 18925 in ihren 
Grundbestimmungen über die Arten der Kataloge durch die strenge Scheidung des 
Grandkataloges von dem alphabetischen Verfasser- und Titelkatalog sowohl auf den 
bibliothekswissenschaftlich als auch praktisch viel riehtigeren und zerechtfertigteren 
Standpunkte als die prenssischen Instructionen. 

Ein weiterer den principiellen Grundlagen für Aufstellung von Katalogisirunzs- 
normen zuwiderlaufender Fehler der preussischen Instructionen besteht in folgendem: 
Ich habe bereits früher dargelegt, dass jeder Benützungskatalog für sich ganz specielle, 
bestimmt  abgegrenzte Aufgaben zu erfüllen hat, und dass sich darnach auch die 
Regeln für ihre Anlage im allgemeinen und für ihre Durchführung im einzelnen 
richten müssen. Je reiner und einfacher nun in diesen der specielle Endzweck des 
betreffenden Kataloges zum Ausdruck gelangt, desto besser und praktisch branch- 
barer müssen diese Kataloge werden. Daher erscheint es schon grundsätzlich als 
unzulässig, die Aufgaben der verschiedenen Benützungskataloge zu vermengen, dem 
einen Aufgaben zuzuweisen, die dem andern mit Bezug auf seinen Hauptbenützungs- 
zweck zustehen und umgekehrt. Und gerade auch regen diesen Grundsatz ver- 
stossen die preussischen Instructionen mehrfach, indem sie über die speciellen Aut- 
zaben des alphabetischen Verfasser- und Titelkataloges in manchen Einzelbestim- 
mungen hinausgehen und diesem auch Aufzaben aufbürden, die grundsätzlich theils 
dem alphabetischen, theils dem systematischen Sachkataloge zukommen. 


"o 


Ich hebe zunächst jene Bestimmungen hervor, die sich auf den alphabetischen 
Sachkatalog beziehen, also grundsätzlich für diesen und nicht für den alphabetischen 
Verfasser- und Titelkatalog passen. Hieher gehört aus dem $ 20 der ersten In- 
struction die Bestimmung, dass „von den in anonymen Titeln vorkommenden Per- 
sonennamen, soweit es zur Auffindung des Titels dienlich ist“, verwiesen werden 
soll. Darnach wird in dem angezorenen Beispiel 51, welches den Titel führt: „Ver- 
handlungen über Thomas von Absberg und seine Fehde gegen den schwäbischen 
Bund 1519 bis 1530, herausgegeben von Joseph Baader“, nicht blos vom Heraus- 
geber Baader, sondern auch vom sachlichen Schlagwort Absberg, Thomas von, auf 
das Ordnungswort Verhandlungen verwiesen. Es liegt klar auf der Hand, dass 
dieser letztere Verweis mit den Principien des alphabetischen Verfasser- und Titel- 
kataloges nichts mehr zu thun hat, sondern dass Absberg, Thomas von, für das 
genannte Werk einzig und allein nur ein sachliches Schlagwort des alphabetischen 
Sachkataloges sein kann. Wenn im alphabetischen Verfasser- und Titelkatalog solche 
Hilfen für die Auftfindung des Titels überhaupt platzgreifen und zulässig sein sollen, 
so ist es nicht abzusehen, warum sie gerade nur auf Werke mit anonymen Titeln 
und in diesen wieder gerade nur auf Personennamen beschránkt bleiben sollen. 
Ginge man aber noch weiter, wo wäre dann eine Grenze zu finden? Schliesslich 
käme man in consequenter Weiterentwicklung dazu, die beiden alphabetischen Kata- 
loge, den alphabetischen Verfasser- und Titelkatalog und den alphabetischen Sach- 
katalog gänzlich zu combiniren und miteinander zu verschmelzen, was in Hinsicht 
auf eine schnelle praktische Manipulation gewiss kein zu erstrebendes Ziel sein kann. 

Damit in einem gewissen engeren Zusammenhange stehen mehrere die Wahl 
des Ordnungswortes betreffende Paragraphe der zweiten Instruction: So der S 9, 
wornach „Briefsammlungen, auf deren Titel nur einer der Correspondenten oder nur 
der Adressat genannt ist, und ähnliche Sammlungen unter den Namen dieser ge- 
nannten Person gestellt werden, gleichviel ob sie als Verfasser betheiligt ist oder 
nicht“, also „Briefe an Schiller, herausgegeben von Urlichs* unter Schiller; so 
ferner der $ 12, wornach für das Werk: „Res gestae D. Augusti ex monumentis 
Ancyrano et Apolloniensi ed. Mommsen* Augustus Ordnungswort ist; so endlich die 
SS 29 und 30, wornach Kataloge von Privatsammlungen, Verkaufskataloge ete., 
welche keinen Verfasser aufweisen. unter den Namen des Sammlers und des Firma- 
inhabers gestellt werden. 

In allen diesen Fällen muss das formale Titelordnungswort dem sachlichen 
Schlagwort den Platz räumen. Ferner sei noch erwähnt, dass auch der $ 28. wor- 
nach Gesetze, Patente ete. unter den Urheber gestellt werden, wenn er auf dem 
Titelblatt genannt ist, tlreilweise unter diesen Gesichtspunkt fällt. 

Endlich passt die Bestimmung, dass für zusammengebundene Schriften. die 
auch inhaltlich zusammengzehören, ein gemeinsamer Titel angenommen (fingirt) 
werden kann, auf den dann die einzelnen Stücke bezogen werden ($S 18, Abs. 2 der 
ersten Instruction), nur für den alphabetischen Sachkatalog, für den Grundkatalox 
und für den alphabetischen Verfasser- und Titelkatalog ist sie ein bibliothekarisches 
Unding und entschieden zu verwerfen. Aber auch einen praktischen Werth hat ein 
derartiges Vorgehen nieht, da jede einzelne Schrift ohnehin für sich selbststündiz 
aufgenommen werden muss. 

In gleicher Weise wie die preussischen Instructionen Prineipien des alphabeti- 
schen Sachkataloges mit jenen des alphabetischen Verfasser- und Titelkataloges 


vermengen, ebenso übertragen sie anf diesen auch solche des systematischen Sach- 
kataloges. Unter diesen Gesichtspunkt fallen zum Theil schon die Grundregeln der 
$$ 48 und 151 und infolge davon ein grosser Theil der Detailbestimmungen der 
$$ 187--208 der zweiten Instruction. Da wird jedes einzelne Werk nicht mehr auf 
Grund seines jeweiligen formalen Titels, sondern auf Grund seines sachlichen In- 
haltes behandelt und dementsprechend eingeordnet. Wie sehr das hier cingeschlagene 
Vorgehen ein vollständiges Verkennen der Grundsätze des alphabetischen Verfasser- 
und Titelkataloges involvirt, wird im allgemeinen das folgende in der Instruction 
selbst angeführte Beispiel zeigen: Alle Gesammt- und Theilausgaben, Fragmente,_ 
Auszüge und Uebersetzungen des Nibelungenliedes, gleichviel unter welchem formalen 
Titel immer sie erschienen sein mögen, werden unter dem Ordnungsworte Nibelungen- 
lied zusammengefasst, also z. B. auch ein Werk mit dem Titel: Chrimhilden Rache 
oder Il canto dei Nibelongi; dann werden sie in Gruppen getheilt: Originalansgaben, 
Uebersetzungen, Fragmente, Auszüge, eventuell werden noch Unterabtheilungen ge- 
macht wie bei den Uebersetzungen nach den einzelnen Sprachen, schliesslich werden 
die in eine solche Abtheilung fallenden Werke chronologisch nach ihren Erscheinungs- 
jahren angeordnet. Das ist denn doch ganz zweifellos eine rein systematische An- 
ordnung, die einzig und allein auf Principien des systematischen Sachkataloges 
beruht, zu dessen Aufgaben eben derartige systematische Zusammenfassungen und 
Suabsumirungen gehören. Wie weit die Instruction hierin geht. und zu welchen 
rücksichtlich des Zweckes des alphabetischen Verfasser- und Titelkataloges, man 
muss sagen, geradezu unglaublichen Verirrungen sie gelangt, zeigen die $8 192, 193 
und 200. Nach 8 192 soll „der Titel des Originals nach Möglichkeit auch dann 
für die Einordnung massgebend bleiben, wenn das Original selbst auf der Bibliothek 
nicht vorhanden ist“, also die Uebersetzung Nachtfeier der Venus ist unter Pervi- 
gilium Veneris, dem Titel des Originals, auch dann zu stellen, wenn letzteres selbst 
zar nicht vorliegt. Ferner soll nach 3 193 für ein Werk das Ordnungswort nicht 
dem Titel der Originalsprache entnommen werden, sondern dem Titel jener Sprache, 
in der das Werk zumeist bekannt ist. Darnach sind z. B. die Originalausgaben von 
Aristophanes "Ozwi:; unter Aristophanes Aves, und zwar ohne Verweis einzureihen. 
Endlich soll nach $ 200 der Titel der ganzen Schrift auch für die Einordnung ein- 
zelner Theile derselben massgebend sein, so ist z. B. das Werk: Gelii quae ad ius 
pertinent capita IV em. Hertz unter Gellius, Noctes Atticae oder das Werk Goethe, 
Die Idylle von Sesenheim unter Goethe, Aus meinem Leben zu stellen. 

Mit dem systematischen Sachkataloge theilweise im Zusammenhange, inso- 
ferne nämlich das nur diesem eigenthümliche chronologische Anordnungsprincip zur 
Anwendung kommt, steht auch die im $ 201 aufgestellte Regel für die Ordnung 
gleicher Titel verschiedener Schriften. Darnach werden z. B. alle unter das Ord- 
nungswort „Germania“ fallenden Schriften „chronologisch nach dem Jahr des ersten 
Erscheinens und, wenn das nicht ausreicht, nach dem Verlagsort geordnet“, In 
diesem Falle spricht für das Abgehen vom formalen Anordnungsprincip des 
alphabetischen — Verfasser- und Titelkataloges auch nicht der geringste prak- 
tische Grund. 

Das Gesagte wird genügen. um Ilınen damit die unwissenschaftliche und ver- 
werfliche Verquiekang und Vermengunz der Principieu der verschiedenen Benützungs- 
kataloge untereinander, wie sie uns in den preussischen Instructionen entgegeatritt, 
deutlich gezeigt zu haben. 


ccs abr us. 


Eine dritte grundsätzliche Frage geht dahin, ob es bibliothekarisch richtiz 
oder doch zulässig ist, den alphabetischen Verfasser- und Titel-Benützungskataiog 
einer Bibliothek einer Bibliothekskatalozpublication zugrunde zu legen oder um- 
gekehrt, wie es durch die preussischen lustraetionen geschieht, den hauptsächlich 
nach den Grundsätzen der letzteren angelegten, für die Publication bestimmten alpha- 
betischen Verfasser- und Titelkatalog zugleich auch zum Bibliotheksbenützungskatalog 
zu machen. Auch dieses Vorgehen ist bibliothekarisch ganz unrichtig und entschieden 
zu verwerfen. Es lässt sich weder wissenschattlich rechtfertigen, noch bietet es eut- 
sprechende praktische Vortheile, denn die Aufgaben einer Bibliothekskatalogpublication 
decken sich durchaus nicht mit jenen, die ein einzelner von den internen geschrie- 
benen Bibliotheksbenützungskatalogen zu erfüllen hat. Daher können auch die Her- 
stellunzsnormen für die eine nicht dieselben sein wie für die anderen: Publicationen 
von Bibliothekskatalogen sind auf anderen Grundsätzen aufzubauen als Katalozi- 
sirungen zu internen Gebrauchszwecken. Die ersteren müssen durchaus auf wissen- 
schaftlicher bibliographischer Grundlage beruhen, während die Bibliotheksbenitzungs- 
kataloge diese nur insoweit za berücksichtigen haben, als dadurch die praktische 
Brauchbarkeit eines jeden einzelnen Benützungskataloges mit Bezng auf seine ganz 
speciellen Aufgaben erhöht wird. Volle bibliographische Genauigkeit wird keiner 
der Benützunzskataloge zu bieten brauchen, jeder hat für sich nur seine eigene, 
ganz specielle praktische Aufgabe zu erfüllen. Anders ein gedruckter Bibliotheks- 
katalog, soll er ausser seiner wissenschaftlicehen Bestimmung aueh noch eine mög- 
lichst grosse praktische Brauchbarkeit erlangen. Zu dem Zwecke wird er die Aut- 
gaben aller drei Benützungskataloge, soweit als es überhaupt möglich ist, zusammen- 
fassen müssen. Dies kann meines Erachtens am besten eine Katalogpublication 
erfüllen, die auf einer systematischen Anordnung beruht und mit vollständigen 
und genauen Personeu-, Orts- und Sachregistern in entsprechender Weise verbunden 
ist. Von einem einzigen geschriebenen internen Benützungskatalox dies zu verlanzen, 
ist einfach unmöglich. Die Grundlage für eine Bibliothekskatalorrpublieation, sull sie 
ihren Autgabeu gerecht werden, kann daher keiner der Benützungskataloge, sondern 
einzig und allein nur der Grundkatalog in seiner reinen, durch die Verquickunz 
mit einem Benützungskatalog nicht verunechteten Form bieten. 

Aber andererseits kann auch ein nach den Grundsätzen für eine Bibliotheks- 
katalozpublication hergestellter geschriebener alphabetischer Verfasser- und Titel- 
katalog kein guter interner Bibliotheksbenützungskatalog sein, weil er eben infolge 
seiner grundsätzlieh verschiedenen Anlage den speciellen Benützungsaufgaben nicht 
in jeder Beziehung voll und ganz genügen kaun. Fin Hauptfehler der preussischen 
Instructionen liegt eben in diesem Umstande. Es kommen in ihnen Grundsätze 
zur Anwendung, die wohl für eine abgeschlossene Bibliothekskatalogpnblieation, 
welche auf die Grundlage der alphabetischen Anordnung nach Verfassern und Titeln 
gestellt ist, am Platze erscheinen, aber nicht für einen Grundkatalog oder einen 
alphabetischen Bibliotheksbenützungskatalog, der nach Massgabe des stetigen Zu- 
wachses weitergeführt werden soll. Die diesbezüglichen Fehler sind unter dem 
allgemeinen Gesichtspunkte zusammenzutassen, dass die wissenschattlichen biblio- 
graphischen Autgaben gegenüber den speciellen praktischen Benützungsaufgaben des 
alphabetischen Verfasser- und Titelkataloges im alleemeinen zu sehr betont und be- 
rücksichtizt werden. Infolge davon werden in den preussischen Instructionen 1. so- 
wohl der Bibliotheksbestand im ;anzen, wie auch die Zusammenfassung der Werke 


nach Verfasser- oder Titelgruppen im einzelnen als abgeschlossen betrachtet; 2. werden 
die natürlichen noch im Flusse befindlichen Verhältnisse und die ursprünglichen 
einzelnen Fälle, wie der tägliche Zuwachs sie bietet, und wie sie sich bei unabge- 
sehlossenen (iruppen noch lebender Schriftsteller ergeben, viel zu wenig beachtet, 
ınd 3. werden die jeweiligen Verhältnisse der einzelnen Bibliotheken nicht in ent- 
sprechender Weise berücksichtigt. Kurz, die meisten Normen, deren Fehlerhaftizkeit 
im folgenden gezeigt werden soll, beruhen auf Grundsätzen, die für eine Biblio- 
thekskatalogpublication meist richtig sind, aber für einen alphabetischen Verfasser- 
und Titelkatalog, welcher nur der Bibliotheksbenützung dienen soll, wenig passen, 
so dass infolge davon bei der täglichen Weiterführung des Kataloges an den ein- 
zelnen Bibliotheken eine Menge Umstellungen und. Umschreibungen der Zettel noth- 
wendig sein werden, die bei Beachtung der natürlichen und jeweilig gegebenen Ver: 
háltnisse leicht zu vermeiden sind. Zweierlei würe da moglich: Entweder man stellt 
verschiedene Regeln auf einerseits für complet vorliegende Werke und für abge- 
schlossene Verfassergruppen und andererseits für im Erscheinen begriffene Werke 
und noch nicht abgeschlossene Verfassergruppen, oder man gestaltet die Regeln da- 
durch, dass man die letzteren zur Grundlage nimmt, gleich im vorhinein so, dass 
sie auf beide Falle gleich anwendbar sind. Das letztere scheint mir für bibliotheka- 
rische Katalogisirungsnormen richtiger, praktischer und den natürlichen Verhaält- 
nissen entsprechender. Ich hebe einige diesbezüglichen Bestimmungen hervor. 

Vor allem sind die Forderungen des § 19, wornaeh für jedes im Erscheinen 
begritfene Fortsetzungswerk zunächst ein besonders kenntlich gemachter Interims- 
zettel anzufertigen ist, eine Folge des erörterten Vorgehens. Diese Norm erheischt 
eine sehr grosse Anzahl von Interimszetteln und schliesslich nach Vollendung der 
Werke das Umschreiben aller dieser Interimszettel in definitive Grundzettel, also 
viel Arbeit, und zwar auch viel unnothwendige Arbeit, weil ein grosser Theil da- 
von sich dadurch vermeiden lässt, dass man die Aufnahme für die Grundzettel ant 
eine andere Basis stellt. Zunächst wären jene Fortsetzungswerke, deren zuerst er- 
schienener Theil, Band, Heft etc. schon ein abgeschlossenes selbständiges Ganzes bildet, 
von den Lieferungswerken im engsten Sinne zu scheiden. Für die ersteren könnten 
sofort definitive Grundzettel angefertigt werden. Man braucht nur das Arrangement 
so zu treffen, dass jeder fertige selbständige Theil, Band etc. gleich nach Einlauf 
für sich verzeichnet und die betreffenden noch unabgeschlossen gelassenen Titel- 
bestandtheile nach Vollendung des Werkes einfach ergänzt werden können. Aber 
auch für Lieferungswerke im engsten Sinne, namentlich auch für Zeitschriften, könnte 
schon sofort nach Vollendung des ersten Theiles, Bandes ete. und nicht erst nach 
zweckmässigen Zwischenräumen (Abs. 3) eine definitive Aufnahme gemacht werden, 
die dann nach Vollendung jedes folgenden Bandes nur entsprechend zu ergänzen 
wäre. Der angenommene Zetteltypus steht einem solchen Vorgehen nieht entgegen. 

Ferner müssten auch einige andere Paragraphe, die auf Formelles sich beziehen, 
auf eine andere Grundlage gestellt werden: Aenderungen im Titel und Abweichungen 
in der Titelfassung bei mehrbündigen Werken (8 8, Abs. 1 und S 10, Abs. 4) lassen 
sich schon gleich bei der Aufnahme des ersten Bandes in die Titelcopien nur dann 
in der Weise, wie es die Beispiele 11 und 23 zeigen, einschachteln, wenn das Werk 
complet vorliegt. Richtiger und einfacher wäre es in allen Fällen, jede Titelände- 
rung stets im Anschlusse an die Beschreibung der einzelnen Bände gleichmässig 
in der Weise anzuzeigen, wie es im Beispiel 22 geschieht, weil dieses Vorgehen auch 


zs Ht <a 


auf Werke, die im Erscheinen begritfen sind, ebenso anwendbar ist wie auf complet 
vorliegende, und weil es Umschreibungen der Grundzettel erspart. Natürlich gilt 
dies nur für die Titelcopien des Grundkataloges. Im alphabetischen Verfasser- und 
Titelkatalog kann die Kenntlichmachung von derlei Titeländerungen, wie ich bereits 
erwähnt habe, überhaupt entfallen, denn treten Aenderungen des Ordnungswortes 
ein, so müssen sie ohnehin unter Verweis gestellt werden. 

Auf verschiedene Titeländerungen in Fortsetzungswerken beziehen sich auch 
und sind hier zu nennen die 88 197—199 der zweiten Instruction. Davon enthült 
der $ 197 die mit Bezug auf das vorher Gesagte vollständig richtige Norm, während 
die S8 198 und 199 in ganz überflüssiger Weise Ausnahmen statuiren, für deren 
Nothwendigkeit kein entscheidender Grund vorliegt und die gleichfalls nur auf be- 
reits in mehreren Bänden vorliegende Fortsetzungswerke anwendbar sind. 

Damit steht endlich auch noch der $ 17 in einem losen Zusammenhange, 
wornach Werke, die sich als Fortsetzungen anderer bezeichnen, ihr eigenes Ordnungs- 
wort bekommen mit Verweis vom angeblich fortgesetzten Werke. Der umgekehrte 
Vorgang verdient schon aus dem Grunde den Vorzug, weil derlei Werke zweifelles 
unter dieselbe Inventarnummer zu stellen sind. 

Unter den früher genannten zweiten Gesichtspunkt, dass nämlich den preussi- 
schen Instrnctionen nicht die natürlichen und ursprünglichen, sondern die abgeleiteten 
und späteren Verhältnisse entgegen den früher für die Abfassung des alphabetischen 
Verfasser- und Titelkataloges als massgebend aufgestellten Grundregeln 3 und 4 
(s. S. >) zugrunde gelegt sind, fallen namentlich aus der zweiten Instruction jene 
Paragraphe, welche die Behandlung der anonym erschienenen Werke (S 40), der apo- 
kryphen Werke (S 44), der Werke, für welche neben dem auf dem Titel genannten 
Verfasser ein anderer als eirgentlicher Verfasser gilt ($ 45), und endlich der pseudo- 
nymen Werke ($ 139) betreffen. Alle diese Werke sollen stets unter jenem Titel- 
ordnungswort aufgenommen werden, das der Wortlaut des Titels selbst bietet, weil 
die wirklichen Verfassernamen in der Regel beim Erscheinen der Werke unbe- 
kannt sind und oft erst viele Jahre darnach ermittelt oder allgemein bekannt 
werden. Von den ermittelten Verfassernamen soll auf die betreffenden Werke stets 
nur verwiesen werden, dadurch entfallen Umschreibungen und Umstellungen der 
Grundzettel. 

Ferner sind hier zu nennen die Bestimmungen, welche sich auf die verschie- 
denen Arten von Namensänderuneen beziehen ($$ 65, 86 — 88, 97, 98 und 185). Auch 
in diesen Füllen passen die aufgestellten Regeln nur für abgeschlossene Verfasser- 
gruppen und nicht für die natürlichen ursprünglichen und noch unabgeschlossenen 
Verhältnisse, Mit Berücksichtigung dieser letzteren erscheint ein zweifaches Vor- 
gehen anwendbar: Entweder werden die jeweilig gebrauchten, respective die jeweiliz 
in der betreffenden Bibliothek vorkommenden Namen und Namensformen der Auf- 
nahme und Einordnung zugrunde geleert, während von den anderen verschiedenen 
Numen und Namensformen gegenseitig verwiesen wird, oder es werden alle Werke 
unter der zuerst gebrauchten, respective unter der in der betreffenden Bibliothek 
zuerst vorkommenden Namensform zusammengefasst, während von allen späteren 
Namensformen auf die erste nur verwiesen wird. Beide Vorgehen bieten gegenüber 
der preussischen Instruction den Vortheil, dass Umstellungen und Umschreibungen 
der Zettel erspart werden. Mit Rücksicht anf den speciellen Hauptbenützungszweck 
des alphabetischen Verfasser- und Titelkataloges und mit Rücksicht auf die aus 


zc A — 


diesem fliessende früher aufgestellte allgemeine einheitliche Katalogisirungsnorm ver- 
dient jedoch das erstere Vorgehen gegenüber dem letzteren den Vorzug. 

In ähnlicher Weise sollen auch alle Werke, welche mit Bezug auf das zu 
wählende Ordnungswort verschiedene Namensformen aufweisen und unter die Be- 
stimmungen der $$ 99, 100, 101, 103—106, 110, 129, 130, 132, 137 und 138 fallen, 
behandelt werden. Die jeweilig in den Titeln vorkommenden Namensformen sollen 
für die Anfnahme und Einordnung massgebend sein. Gegenseitige Verweise treten 
nor dann ein, wenn Werke mit verschiedenen Namensformen in den betreffenden 
Bibliotheken vorliegen, also besitzt z. B. eine Bibliothek nur Werke mit den Verfasser- 
namen Droysen Hans oder Turmair Johann, so sind Verweise auf Droysen Johann oder 
Aventinus unnothwendig, kommen dazu aber noch Werke mit den letzteren Verfasser- 
namen, so werden sie unter diese gestellt und es werden gegenseitige Verweise an- 
gehracht. 

Aehnlich sind die Werke mit scheinbaren, durch die Verknüpfung der ver- 
schiedenen Autorennamen entstandenen Doppelnamen, wie z. B. Fischer-Ellinger, 
Erckmann-Chatrian (S 94), zu behandeln. Sie sind unter dem Doppelnamen aufzu- 
nehmen und einzuordnen. Kommen von den einzelnen Autoren auch noch Werke 
mit den einzelnen Autornamen vor, so wird gegenseitig verwiesen, sonst nur ein- 
seitig, vom einfachen Namen auf den Doppelnamen. 

In diesen Zusammenhang sind auch die etwas complicirten Regeln der 38 78 —82 
über die Behandlung der Namen, welche mit einem Artikel oder einer Präposition 
oder mit beiden zugleich auftreten, zu stellen. Sie beruhen theilweise auf theore- 
tischer Ausklügelei und nehmen zu wenig auf die Vorlagen selbst Rücksicht, daher 
sie für die praktische Handhabung des alphabetischen Verfasser- und Titelkataloges 
nicht empfehlenswerth erscheinen. Alle fünf Paragraphe lassen sich, wenn man für 
die Aufnahme der Titelcopien und für die Wahl des Ordnungswortes gemäss der früher 
aufgestellten Grundregel nur die Vorlagen der betreffenden Bibliotheken als das einzig 
und allein Entscheidende und Massgebende annimmt, in einen einzigen für jedermann 
leicht verständlichen Paragraphen zusammenfassen, der so zu lauten hätte: Sind die 
einzelnen Bestandtheile der Namensformen, die mit einem Artikel oder einer Präpo- 
sition oder mit beiden zugleich versehen sind, äusserlich zu einem Worte verschmolzen, 
so wird dieses zusammengesetzte Wort Ordnungswort, sind sie hingegen äusserliech 
von einander getrennt, so bleiben die getrennten Bestandtheile unberücksichtigt. Bei 
schwankender Schreibweise treten gegenseitige Verweise ein. 

Einige weitere allgemeine Fehler der preussischen Instructionen sind darauf 
zurückzuführen, dass sie auch die anderen aus der Hauptaufgabe des alphabeti- 
schen Verfasser- und Titelkataloges fliessenden, natürlichen Grundregeln, die ich bereits 
früher (S.5 unter 1 und 2) skizzirt habe, für seine Abfassung nicht entsprechend 
beachten. 

Der ersten Forderung, das ist der Einheitlichkeit und Einfachheit, zuwider- 
laufen z. B. in der zweiten Instruction die $8 23— 20, betreitend die verschiedene 
Behandlung der Dissertationen, je nachdem sie ver oder nach 1800 gedruckt sind 
oder je nachdem sie von der einen oder anderen Universitát stammen, dann nach 
$ 27 (und $ 23, Abs. 3 der ersten Instruction) die verschiedene Behandlung der Ge- 
legenheitsscbriften mit einem Prüsentationstitel, je nachdem sie mehrere oder nur 
eine Abhandlung enthalten, ferner die verschiedene Behandlung der Namen mit vor- 
angehenden ständigen und nichtständigen Attributen und Präfixen ($ 83 und 84), weiters 


die Bestimmungen der je zu zwei und zwei zusammengehórigen SS 116 und 117, 
124 und 125, 135 und 136, 139 und 140, schliesslich die Bestimmungen der schon 
früher genannten SS 78- 82 und 197—199 u, dgl. m. Kurz die preussischen Instruc- 
tionen enthalten gegenüber den Hauptregeln im grossen und ganzen zu viele Aus- 
nahmsbestimmungen. 

Bezüglich der Verstösse gezen die zweite Regel, dass nämlich dem subjectiven 
Ermessen und der Willkür des Katalogisirenden ein zu grosser Spielraum eingeräumt 
erscheint, ist zunächst im allgemeinen Folgendes zu bemerken: Häufig (161nal) findet 
sich die Bestimmung, dass etwas „in der Regel“ so oder so zu machen sei, ohne dass 
die Ausnahmsfälle präcisirt würden, insbesondere geschieht dies in Bezug auf die 
Anwendung der Verweise. Dazu kommt dann noch die meist vage, aber noch öfters 
(20mal) anzewandte Bestimmung, dass „erforderlichen Falls“ verwiesen werden soll. 
oder dass etwas „erforderlichen Falls“ zu machen sei. Ein paar diesbezügliche Fälle 
seien speciell hervorgehoben: Nach 8 1, Abs. 3 soll „jede Auflage und Uebersetzung 
in der Regel auf einem eigenen Zettel verzeichnet werden“; der Abs. 5 des $ 4 be- 
stimmt: „Andere Zitfern als die sogenannten arabischen werden in der Regel durch 
diese ersetzt“; dann heisst es in Abs. 5 des $7: „Bei den in Deutschland erschienenen 
Werken werden in der Regel sämmtliche Verlagsorte und Verleger aufgenommen“. 
ferner im $ 9: „Werlassungen werden in der Regel nur dann durch drei Punkte 
kenntlich gemacht, wenn sie den eigentlichen Titel betreffen“ u. s. w. Wann von der 
Regel abgegangen werden soll, bleibt in allen diesen Fällen dem Ermessen des 
Katalogisirenden anheimgestellt, ebenso nach Abs. 4 des § 10 die Entscheidung 
darüber, ob es die Uebersichtlichkeit fordert, dass Verschiedenheiten der Auflage 
und Aenderungzen des Erscheinungsvermerkes erst bei der Anführung der einzelnen 
Bünde anzugeben seien und andererseits, ob es ohne Störung der Uebersichtlichkeit 
geschehen kann, dass Abweichungen in der Titelfassung gleich in den Text des der 
Aufnahme zugrunde gelegten Titels einzuschalten seien u. del. m. 

Die Besprechung noch einer Bestimmnng will ieh hier anschliessen, weil sie 
wenigstens theilweise mit dem hier besprochenen Principe im Zusammenhange steht, 
und weil sie auch sonst ein grundsätzlich zu verwerfendes Vorgehen aufstellt, gegen 
das entschieden Stellung zu nehmen ist. 

Bei der Aufstellung der Terminologie der verschiedenen Titel wird im Abs. 1 
des x 3 der Terminus Verlegertitel für eine specielle Unterart des Teminus Gesammt- 
titel eingeführt und bestimmt, dass solehe nieht als Haupttitel anzusehen seien. In- 
folge davon wird im Abs. 4 des S 8 auch angeordnet, dass für solche Sammlungen 
keine einheitliche, sondern für jeden Theil eine besondere Titelcopie zu machen 
und nur am Schluss derselben der allgemeine Verlegertitel in runden Klammern kurz 
hinzuzufügen sei. Diese Bestimmung ist schon im Hinblicke auf die praktischen 
Auforderunzen durch die Benützung verfehlt, besonders wenn solche Titel wie „Samn- 
lung von Compendien für das Studium und die Praxis“ (Beispiel 25) zu Verleger- 
titeln gerechnet werden. Mir wenigstens ist es nicht klar, was diesen Titel zu einem 
Veriegertitel macht, da er einen Verlerernamen nicht enthält. Da nun die Instruction 
keine bestimmte, klare und scharf umerenzte Detinition für den Terminus Verlegertitel 
gibt. werden die katalngisirenden Beamten gewiss nicht immer gleichmässig vorzehen, 
der eine wird einen Gesammttitel als Verlerertitel ansehen, der andere nicht. Schon 
dieser Umstand macht die Bestimmung bedenklich, aber die Bedenken werden be- 
deutend vermehrt, wenn ınan die Nachtheile, die sich für die Benützung ergeben, be- 


pex TE ee 


trachtet. Gewiss wird der eine oder andere Benützer sich öfters nur auf den Gresammittitel 
berufen können, ohne den Verfasser des einen oder anderen Theiles nennen zu künnen. 
Da wird der Katalog seine Schuldigkeit versagen, aber auch dann, wenn jemand 
wissen wollte, ob in der oder jener derartigen Sammlung ein Werk über diese oder 
jene Materie erschienen sei oder nicht. Der Einwurf, sich in solchen Fällen aus den 
bibliographischen Handbüchern Auskunft zu holen, ınuss im vorhinein zurückgewiesen 
werden. Denn zweifellos ist es für jede gute Katalogisirung einer Bibliothek als eine 
Grundregel zu betrachten, dass man aus Jen Katalogen allein, ohne Zuhilfenahme 
anderer Hiltsmittel, über den Bestand und das Vorhandensein jedes einzelnen Werkes 
Auskunft erhalten muss. Darnach kann bibliethekariseh richtig nur der Grundsatz 
sein, dass Sammelwerke welcher Art immer ausnahmslos unter eine einzire Inventar- 
nummer zu stellen und nnter dem Gesammttitel zu katalogisiren seien, gleichviel ob 
über die einzelnen Werke der Sammlung dann noch besondere Aufnahmen gemacht 
werden oder nieht. Höchstens kann man im ersteren Falle für die Anführung der- 
selben auf dem Sammlungszettel eine verschiedene Behandlung, z. B. eine entsprechend 
verkürzte Form, wie sie der Abs. 3 des $ 8 festsetzt, gelten lassen. Bei diesem Vor- 
gehen wird die Sammlung auch local beisammen sein und nicht auf verschiedene 
Schränke sich zersplittern, was einen weiteren praktischen Vortheil bietet. Uebrizens 
nebenbei bemerkt, wäre für den Gesammittitel aller Sammelwerke der bezeichnende 
Terminus „Sammlungstitel* anzuwenden, wornnter dann auch die Werke mit einem 
Verlegertitel als eine besondere Unterart zu subsumiren und auf jene Sammlungen 
zu beschränken wären, in deren Titel der Verleger oder Verlag wirklich namentlich 
genannt wird. 

Auch jene Anforderungen, die bei dem Katalogisirenden ein mehr oder weniger 
umfassendes bibliographisches Wissen voraussetzen oder bibliographische Naeh- 
forschungen erfordern, sind hier zu nennen, weil die Entscheidungen, die sie in 
diesen Fällen zu treifen haben werden, je nach ihrem Wissen, ihrer. Findigkeit und 
ihrem Fleisse verschieden ausfallen werden. 

Vor allem. gehórt. hielier der $ 49, der eine Grundregel für die Einordnung 
unter dem Verfassernamen enthält. Darnach soll der Katalogisirende 1. stets den 
vollstindizen Namen eines Verfassers wissen oder ermitteln. und 2. auch. wissen oder 
ermitteln, ob ausser dem ursprünglichen Namen des Verfassers sich eine andere Be- 
neunang desselben im Gebrauche durchgesetzt hat. Das erstere ist rüeksichtlich der 
Beinamen für den alphabetischen Verfasser- und Titel-Benützungskatalog in allen 
ienen Füllen vollständig überflüssig, wo nicht für die betreffende Bibliothek Verfasser 
gleicher Namen in Betracht kommen. Für das letztere aber sollen. die Vorlagen allein 
masseebend sein. Dann soll der Katalosisirende nach 3 O8 wissen. welche Namenstorm., 
wenn der Verfasser die Schreibung seines Namens geändert hat, die „entschieden 
häufiger gebrauchte“ sei, nach $ 99 soll er wissen, 1. ob bei einem älteren Familien: 
namen die Schreibung schwankt und 2. welche von den vom Verfasser gebrauchten 
Formen die heute gebräuchlichste ist: ferner soll er nach $ 138 wissen, ob der 
nationale Name eines Schriftst=llers der Renaissance serenuber seinem angenommenen 
im Gebrauche sich derart festgesetzt hat, dass der Autor vornehmlich unter ihm 
bekannt sei, und nach § 140, ob dies bezüglich des Pseudonyms gerenüber dein wirk- 
lichen. Namen eines Sehriftstellers der Fall sei; weiters soll der Katalogisirende mit 
Bezug auf die Grundregel des $8 152. wissen, ob ein anderer als der ursprüngliche 


Titel einer Schrift sich im Gebrauche durchgesetzt hat. dann nach 8 187, welcher 


— 30 — 


der verschiedenen Titel in verschiedenen Ausgaben derselben Schrift der bekannteste 
und in Zweifelsfällen welcher der bezeichnendste ist, nach $ 195 welche von mehreren 
Uebersetzungen einer verloren gegangenen Originalschritt das Ansehen eines Originals 
erlangt hat, und nach $ 193, ob der Titel in einer anderen als der Originalsprache 
zumeist bekannt sei, endlich soll er nach $ 192 den Titel des Originals auch dann 
kennen, wenn in der betreffenden Bibliothek nur eine Uebersetzung vorliegt u. s. w. 

Schliesslich sei es mir noch gestattet, ein paar Bestimmungen hervorzuheben, 
in denen auch sonst entweder ein entschiedener Mangel oder entschiedene Feliler 
der Instructionen hervortreten. 

Die Terminologie der verschiedenen Theile des Titels ($ 2 der 1. Instruction) 
bedarf einer Ergänzung. Ausser den genannten drei Besthndtheilen des Titels im 
weiteren Sinne: dem eigentlichen Titel (Titel im engeren Sinne), der Verfasserangabe 
und dem Erscheinungsvermerke sind noch zwei andere Bestandtheile von dem eigent- 
lichen Titel (der Benennung der Schrift) als selbstänaige Theile zu trennen, das sind 
die Auflagen- und Ausstattuugsvermerke. Sie sind besonders zu behandeln und be- 
dürfen hiefür specieller, besonders paragraphirter Bestimmungen. Die erste Instruc- 
tion enthält solehe nicht oder die gelegentlich gebrachten sind entschieden nicht 
ausreichend, denn nur die Stellung des Auflagenvermerkes wird in den Abs. 2 und 3 
des $ 10 und die Tafelnzählung in den Abs. 1 und 5 des S 11 geregelt. Die Verfasser 
der Instructionen scheinen diese Vermerke als Bestandtheile des eigentlichen Titels 
betrachtet zu haben, was jedoch bibliographisch unrichtig und unzulässig ist. Die 
getrennte selbstindige Behandlung dieser Vermerke erfordert nähere Bestimmungen 
über die Fixirung ihrer gegenseitigen Stellung, über das, was von ihnen, wie und 
in welchem Umfange es aufzunelimen sei, was bezüglich der im Ausstattungsvermerk 
gebrachten Künstlerangaben zu geschehen habe u. dgl.m. Natürlich werden diese Be- 
stimmungen für den Grundkatalog theilweise andere sein müssen als für die einzelnen 
Benützungskataloge. 

Obwohl die Iustiuctionen im allgemeinen mit Bestimmungen über Verweise 
reichlich bedacht sind, so weisen sie doch auch gerade hierin für den alphabetischen 
Verfasser- und Titelkatalog selbst von ihrem Standpunkte aus einen entschiedenen 
Mangel auf. Es betriflt dies die 88 56, 57, 59 und 134. Darnach wird von den in 
anderen Sprachen veränderten Namensformen auf die ursprünglichen lateinischen 
Namen ($ 53), von den ursprünglichen altgriechischen Namen ($ 57), von den ursprüng- 
lichen griechisch-byzantinischen Namen (8 59) auf die latinisirten Formen und end- 
lich bei Ucbersetzungen von den transscribirten nationalen Namensformen ($ 134) 
auf die ursprünglichen nicht verwiesen, also z. B. von Orazio nicht auf Horatius, von 
"A:57cs, Eschilo nicht auf Aeschylus, von Gete (russisch) nicht auf Goethe u. s. w. 
Ist es nach meinem Dafürhalten mit Rücksicht auf die früher aufgestellte allge- 
meine Regel für den alphabetischen Verfasser- und Titelkatalog schon ein Fehler, 
derartige Zusammenfassungen unter einer einzigen Form zu machen, anstatt die 
Werke unter den jeweiligen Formen der Vorlagen einzureihen und gegenseitig zu 
verweisen, so wird dieser Fehler durch das Weglassen der Verweise noch erhöht. 
Allgemeine Verweise sollten unter allen Umständen auch in diesen Fällen dann an- 
gebracht werden, wenn die nicht als Ordnungswort geltenden Namensformen von den 
zum Ordnungswort erhobenen Formen durch andere Ordnungsworte getrennt werden. 

Die Bestimmungen des $ 12 der ersten Instruction, wornach das Format der 
Bücher nach der Höhe der Einbanddeckel in Classen eingetheilt wird, weichen von 


— 394 am 


den bisher allgemein angewandten bibliographischen Regeln vollständig ab. Dieses 
Vorgehen ist entschieden zu verwerfen, denn es ist unwissenschaftlich und praktisch 
von geringem Nutzen. Die Einheitlichkeit der Bezeichnung geht damit verloren, da 
die an der Grenze der Formatelassen stehenden Bücher, je nachdem sie vom Buch- 
binder mehr oder weniger beschnitten werden, in der einen Bibliothek in die obere, 
in der andern in die untere Formatclasse werden einzureihen sein. Einen praktischen 
Werth hat diese Bestimmung vielleicht für jene Bibliotheken, in denen die Bücher 
nach Formatclassen aufgestellt sind, die genau dem aufgestellten Grössenschema ent- 
sprechen. Und selbst in diesem Falle wäre der umgekehrte Vorgang richtiger: zuerst 
die Bezeichnung nach den hergebrachten, allgemein giltigen bibliographischen Regeln 
und dann die künstliche schematische Formatbezeichnung. Am besten dürfte es bezüg- 
lich des Formates sein. bei den alten bibliographischen Regeln zu bleiben, aber in jedem 
Format von 8° aufwärts für die Scheidung von Gross und Klein eine ungefähre 
zahlenmässige Höhe festzusetzen und nur die Bezeichnungen Gross (= gr. 8°, gr. 4° 
gr. 2°) besonders anzuführen. 

Ein entschieden verfehltes Princeip enthält der $ 22 der zweiten Instruction, 
womach Textbücher zu musikalischen Compositionen unter den Componisten gestellt 
und vom Verfasser nur verwiesen werden soll. Da Opern- und Operettentexte zweifel- 
los selbständige geistige Producte der Textdichter sind und öfters auch ohne jedes 
Zuthun von Seite der Componisten entstehen, so kann, wenn Dichter und Componist 
am Titelblatte des Textbuches genannt sind und der Componist überhaupt berück- 
sichtict werden soll, doch nur der umgekehrte Vorgang der logisch richtigere sein. 
Consequenter und gerechtfertigter wäre es, bei reinen Textbüchern die Componisten 
ganz unberücksichtigt zu lassen. Völlig unbegreiflich erscheint es aber, solche Text- 
bücher, wie das zweite Beispiel zeigt, auch dann unter den Componisten zu stellen, 
wenn er am Titel gar nicht genannt ist. Es wird in solchen Fällen öfters recht 
schwieriger Nachforschungen bedürfen, um den Componisten zu ermitteln. Aber ab- 
gesehen davon, was geschieht dann, wenn derselbe Text von mehreren am Titelblatte 
nicht genannten Componisten vertont wurde? 

Es liesse sich auch gegen andere Einzelheiten noch manches einwenden. 
Darauf mich weiter einzulassen, muss ich verzichten. Meine heutige Aufgabe glaube 
ich mit dem Gesagten im allgemeinen gelóst zu haben, wenngleich die Kritik der 
Instructionen damit durchaus nicht erschöpft ist. Zum Schlusse will ich nur noch 
das Hauptergebnis meiner Darlegungen kurz zusammenfassen. Ich glaube überzeugend 
dargethan zu haben, dass die preussischen Instructionen sowohl im allgemeinen, 
insoweit sie für interne Bibliothekskatologisirungen bestimmt sind, weder den biblio- 
thekswissenschaftlichen noch den praktischen Anforderungen genügend entsprechen, 
als dass insbesondere auch die auf Grund derselben verfassten alphabetischen Ver- 
fasser- und Titelkataloge, insoferne sie interne Benützungskataloge sein sollen, weder 
auf den richtigen bibliothekswissenschattlichen Grundlagen ruhen, noch auch mit 
Bezug auf ihren Hauptbenützungszweck die entsprechenden praktischen Einrichtungen 
und Anlagen aufweisen. Darnach können die preussischen Instructionen weder für 
die Herstellung eines Bibliotheksgrundkataloges noch für die eines internen ge- 
schriebenen alphabetischen Verfasser- und Titelkataloges als Muster hingestellt 
werden. Anders scheint die Sache jedoch zu liegen, wenn man sie nur mit Rücksicht 
auf den Zweck allein betrachtet, dass sie für eine alphabetische, nach Verfassern 
und Titeln angeordnete Bibliothekskatalogpublication die Grundlage schaffen sollen. 


922 — 


Doch wäre eine diesbezügliche eingehende Kritik eine Aufgabe für sich. Nur im 
allgemeinen möchte ich noch Folgendes bemerken: Da die Titelaufnahmen gemäss 
der ersten Instruction einer derartigen Publication zum grössten Theile angepasst 
sind. da sowohl sie wie auch die Regeln der zweiten Instruction vielfach auf wissen- 
schaftlichen bibliographischen Grundsätzen beruhen und demnach den Grundprin- 
cipien einer Bibliothekskatalogpublication im grossen und ganzen entsprechen, so 
dürften sie für die beabsichtigte Gesammtkatalogpublication eine im allgemeinen 
geeignete und brauchbare Grundlage abgeben. Es wird sich rur daram handeln, 
diese Grundlage auch richtig zu verwerthen. Wären die Instructionen mit dem ein- 
zigen ausgesprochenen Zweck verfasst worden, durch sie eine Gesammtkatalogpubli- 
cation der preussischen Bibliotheken vorzubereiten, und hätte damit nicht zugleich 
auch eine Verquickung mit Aufgaben der internen Bibliotheksverwaltang und Be 
nützung stattgefunden, so würden sie in einem günstigeren Lichte erscheinen als so, 
wo sie durch Combinirung versehiedener Aufgaben, durch ihre Vermengung und 
Verquiekung untereinander zu einem verkrüppelten bibliothekarischen Zwittergebilde 
geworden sind und so für die Lösung der Bibliotheks-Katalogisirunesprobleme auf 
keinen Fall einen Fortschritt bedeuten können. 


VERMISCHTE NACHRICHTEN. 


(Vereinsnachricht.) Der Vereinsabend vom 23. Februar brachte den oben 
abgedruckten Vortrag Bibliothekar Laschitzer's. Der Antrag, die Discussion über 
denselben auf einen anderen Vereinsabend zu verlegen, wurde angenommen und 
wird diese laut den bereits auszeschickten Einladungen am Freitag den 23. März 
stattfinden. 


(Ausleihverkehr.) Mittelst Erlass vom 12. Jänner 1900, Z. 1032, hat das 
Ministerium für Cultus und Unterricht die geltenden Bestimmungen betreffend das 
Ausleihen von Druckwerken und Handschriften aus Universitäts- und Studien- 
bibliotheken an ausserhalb des Standortes derselben wohnhafte Entlehner dahin er- 
günzt, dass Handschriften, Ineunabeln und ihnen gleichgehaltene seltene Werke ohne 
besondere Genehmigung des Ministeriums für Cultus und Unterricht in Hinkunft 
auch an die k. k. Hofbibliothek, sowie an die Bibliotheken der beiden k. k. H of- 
museen unter den gleichen Modalitäten verliehen werden dürfen. 

(Neuer Buchbindertarif.) Mit Erlass der k. k. n.-ö. Statthalterei vom 2. Jänner 
1960 wurde in Berücksichtigung der veränderten Verhältnisse der im wesentlichen 
aus dem Jahre 1873 stammende Tarif über die Buchbinderarbeiten für die k. k. Uni- 
versitätsbibliothek in Wien um circa 16°, erhöht. 


(Personalnachrichten.) In den Bibliotheksdienst sind neu eingetreten: Dr. Ro- 
bert Marschan an der k. k. Universitäts-Bibliothek in Wien und cand. phil. Wil- 
helm Herzig an der k.k. Universitäts-Bibliothek in Pra. 


—— k- Ze 


Verantwortlicher Redacteur: Dr. Sugust Weisz. Druck vou Gottlieb Gistcl & Comp. iu Wien. 





MITTHEILUNGEN 


österreichischen Vereines 
für 
Bibliothekswesen, 


herausgegeben vom 


Vereins-Ausschusse, 


redigiert von 


Dr. August Weisz. 


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WIEN. 
In Commission bei Gerold & Comp. 
1901. 


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FODLICIIRRAR: 
(x dub 4° 
t» Jr? (i 


ACTON, LENOX AD 
TILDEN Fio onaATION3 
R 1993 





Alle Rechte vorbehalten. 


Inhaltsverzeichnis. 


Ahn, F., Johann Mannels lateinische Druckwerke (Schluss) , . . . . . . 1 
Meyer, J., Leithes bibliothekarische Thätigkeit in Wien (1874—1896) 53, 109, 177 
Hittmair, A.. Zur Geschichte der österreichischen Bibliotheks-Instruction 9 


Bohatta, H., Revision von Zettelkatalogen . . 2» 2 2 2 2 2 2 2 20. 12 
Crüwell, G. A., Der Katalog des British Museum . . . 2 2 2 2 2... 16 
Bohatta, H. und M. Holzmann, Nachtrag zum Adressbuch der 
Bibliotheken der ósterreichisch-ungarischen Monarchie . . . . . . . 33, 79 
Wilhelm, F., Die historischen Handschriften der Universitäts-Bibliothek 
in-Innsbiück zz... e e e e a 61, 135. 209 
Ein österreichisches Anonymen- und Pseudonymen-Lexikon . ...... 67 
Der alphabetische Bandkatalog V... ............... 10 
Hittmair, A., Vergütung kostspieliger Pflichtexemplare . . ..... 74 
Congrès international des Bibliothecaires (B. Prusik). . . . 2 2 2 2... 84 
Récsey, V., Über den jetzigen Stand der Frage der Corvina-Bibliothek 
und ein neu entdecktes Corvina-Incunabel der Stifts-Bibliothek zu 
Martinsberg in Ungarn . 2.22 m nr nr nn 114 
Hittmair, A. Bibliothek und Pflichtexemplar. . 2 2 2 2 2 2 20. 113 
Müller, W., Entwicklung der k. k. Studien-Bibliothek in Olmütz . . . 128 
Hittmair, A., Hehlnamen salzburgischer Schriftsteller . . . . . . . 134 
Lampel, Th. Ein Bücherverzeichnis aus dem Anfang des 13. Jahr- 
hunderte... vo oco eoe | ope tae ud e e dl . 152 
Hittmair, A, Einhebung der Pflichtexemplare und officielle Reichs- 
Bibliographie . . .. ... ........ dale E . . 191 
Kaukusch, K., Der ,General-Katalog der laufenden periodischen Druck- 
schriften“, seine Fortführung und Zukunft... ......... 194 


Prusík, B., Tychoniana der Prager k. k. Uuiversitàts-Dibliothek . . . 197 


Die Verhandlungen der bibliothekarischen Section des Philologentages in 
StraBburg (Dr. R. F. Arnold). . .... ic at nto lee e duc ee ia 201 


Bibliothekarische Versammlungen (C—1.) . . . . ... ; 


Besprechungen: 


Schubert, Die Wiegendrucke der k. k. Studien-Dibliothek in Olmütz 
diro nia 


Katalog der Bibliothek des Österr. Ingenieur- und Architektenvereines in 


Wien. — Katalog der Bibliothek der königl. techn. Hochschule iu 
Berlin (Himmelbaur) . 


Katalog der Bibliothek der deutschen morgenländischen Gesellschaft, Bd. I, 
2. Aufl. (H. B) 4a Me een 


Gyalui, Külföldi közkðnyvtárakrol (Stockinger) . 2 2 2 2 2 22. 


Schachinger, Die Wiegendrucke der Stifts-Bibliothek in Melk 
Ae Kr TE uia ie er N a ea 


Systematischer Katalog der k. k. technischen Hochschule in Wien (Baum- 
hackl) 
Österreichische Bibliographie red. v. Junker und Jellinek (H. B)... 


Bericht der Krupp'schen Bücherhalle über das Betriebsjahr 1899/1900 
(Himmelbaur). 


Lampel, Die Incunabeln und Frühdrucke des Chorherrenstiftes Vorau 
(Goldmann). . . . .... i 


Kochendörffer, Buchhandel und Fflichtexemplare (Hittmair) . 
Katalog der Miniaturen-Ausstellung der k. k. Hof-Bibliothek (Rött.). 
Bibliographie der Deutschen Recensionen (B.) . . . » 2: ......-« 


Verzeichnis der Handbibliothek der Universitäts-Bibliothek zu Leipzig. 
2. Ausgabe (Himmelbaur) .. ....... ; ; 
Lundstedt, Aperça de la principale littérature IL de la 
Suede (Himmelbaur) . .... Lg us . i 


Schubert, Zur Frage der Errichtung von an en Volksbildungs- 
büchereien in Österreich (J. H.) 


Aus österreichischen Bibliotheken .. .. ....... 44, 92, 149, 
Vereins-Nachrichten . . 2 2 2 2 2 2 er ne... . . 46, 98, 15. 
Personal-Nachrichten , . . 2 2 .. .. .. .... cn s, 4*, 106, 160. 


Vermischte Nachrichten 
Aur Beachtuhg. deg eg 3 


Anhang zu Nr. 1: Zur Wiener Theatergeschichte (Schluss). 


Voc bdruckerei E, Kaine & R. Lietrharr, ve male: J. B, Wallisdaueser, Wien 


joda eue dg Le 51, 108, 169, 


37 


146 


143 


212 
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MITTHEILUNGEN = 


österr. Vereines für Bibliothekswesen. 








V.Jahrgang. Wien, den 29. Jänner 1901. Nr. 1. 
Erscheinen in zwanglosen Heften; für die Mitglieder unentgeltlich. — Abonnementspreis 


für Oesterreich-Ungarn 4 Kronen, für das Ausland 3 Mark 50 Pf. jáhrlich. In Commission 
bei Gerold & Comp., Wien, I., Stefansplatz. — Zuschriften sind an den Redacteur der „Mit- 
theilungen* Dr. August Weisz (Wien, I., Universitäts-Bibliothek) zu richten. 





Inhalt: Johann Mannels lateinische Druckwerke (1575—1605). Von Dr. Friedrich 
Ahn. (Schluss.) — Zur Geschichte der österreichischen Bibliotheksinstruc- 
tion. Von Dr. A. Hittmair. — Revision von Zettelkatalogen. Von H. Bo- 
hatta. — Der Katalog des British Museum. Von Dr. G. A. Crüwell. —- 
Nachtrag zum Adressbuch der Bibliotheken der österreichisch-ungarischen 
Monarchie. Von Dr. H. Bohatta und Dr. M. Holzmann. — Literarische 
Besprechungen. — Aus österreichischen Bibliotheken. — Vereinsnachrichten. — 
Personalnachrichten. — Vermischte Nachrichten. — Anhang: Zur Wiener 
Theatergeschichte. Von Alexander von | Weilem. (Schluss.) 











Johann Mannels Glan lenire 
(1575—1605). 


Fin Beitrag zur Bibliographie Oesterreich-Ungarns. 





Von Dr. Friedrich Ahn. 
(Schluss.) 


1602. 
Nr. 17. Szikszai, Basilius Fabricius, Nomenclatura. Seu dictio- 
narium Latino Hungaricum. 
Sarvarini, J. Manlius, 1602. 8°. 


Bl.1a Titel: 
` NOMENCLATVRA. 


Seu 
DICTIONA 
RIVM LATINO 
HVNGARICV M. 

Per 
CLARISSIMVM VI- 
rum D. Bafilium Fabricium 
Sziklzoulanum con- 
feriptum. 


CVI NVNC DENVO AD- 
iecimus idioma (Germanicum, in . 
vfum Puerorum. 
SARVARINI. 
Excudebat Joannes Manlius, 
Anno M. DCII. 
8°, 160 Fol. (= 320 Seit., Titelbl. eingerechnet) + INDEX RERUN 
l'eriem demonltrans. 3 unum. Fol. (= 6 Neit., cust: X, —Xj111)-") 
3 Exemplare, 1 in der kgl. Universitäts-Bibliothek zu Buda- 
pest, 1 in der evang. Gymn.-Bibliothek zu Schässburg (?), 1 in 
der Bibliothek weiland Stephan von Nagy's (List & Francke). 
Nzabo a. a. O. I. 380. 


1604. 
Nr. 18. Hartlieb, Georg, Carmen heroicum . .. . Francisco de 
Nadasd .... sacrum. 
Kereszturini, J. Manlius, 1604. 4°. 

Bl. 1a Titel: 

CARMEN HEROICV M. 

SPECTABILI ET 

MAGNIFICO DOMINO: 

DOMINO FRANCISCO DE NADASD 
PERPETVO, TERRAE FOGARAs*, ET COMITATVVM 
Caltriferrei, & Sopronienfis Comiti: Sacre Cel: 
Regieqz Maieltatis Conliliario: Agalonum Regalium per 
Hungariam Magiltro: nec non cis Danubianarum partium 
Supremo Capitaneo: Qui pie & placide in Chrilto 
4. Janu: Anno fuprá Millefimum Sexcenteli- 
mum quarto Naruarini expirauit. 

SACRVM. 

AVCTORE, 

(teorgio Hartliebio Tubingenfi Artium ac 
Philolophie Magiltro: Poeta 
Laureato 
[Zierat] 

IMPRESSVM TYPIS JOANNIS MANLII, 
Kerezturini, Anno 1604. 


*) Nach der freundlichen Mittheilung des Herrn. Univ.-Prof. Anton Ballagi in 
Budapest. 


8 — 


BI. 1b leer. BI. 2a: CARMEN HEROICVM. / SPECTABILI 
ET // MAGNIFICO DOMINO: /' DOMINO FRANCISCO DE 
NADASD //.... 

Z. 13ff.: [S]I quis in exequijs, heroo carmine '' (dignus `" De- 
functis debetur honos, & gloria / laudis: / Ni fas elt etiam la- 
erumis decorare [lepultos, // Nunc age Mula dole:.... Bl 6a 
[nit der Sign. B,] Z. 26tf. Bolnia Treicijs cam dudum (ubdita 
(cepris ,; Te Bellatorum fenfit: fenfere feroces /' Janifari, iactis 
retro polt terga fagittis.// Bl. 8b: EPITAPHIUM // Eiufdem Do- 
mini Domi- // NI FRANCISCI DE NADAST ANAGRAM- " 
MATI INCLVSVM. ‘/ Francifcus De Nadatt Baro STANS 
CANDORE, FIDA CVRABAs. '".... BI. 9a Im d Nign. C.] 
Z.3f.: JVlius Cefar Virtute bellica. animiqz magnitudine /’ 
clarifsimus fuit .... BI. 9b 2. 17ff.: iufítus Judex: reddetq; 
eandem // omnibus ijs, qui diligunt ad- "/ uentum ipfius. // DINI. ‘’ 
[Verschlungener Zierat] BI. 10 leer. 

4°, rom. Type. 10 nicht numer. Bll. mit der Sign. B. B,, C. 
Custoden. ohne Blattzahl. zu 28 Zeilen Titelblatt mit Typen in 
4 Grössen. desgleichen Bl. 2a. Bl. 2a ein vierzeiliges Initiale. 

2 Exemplare. 1 im ungar. National-Museum, 1 in der 
Reforma. Coll. Bibliothek zu Särospalak. 

Nzabo a. a. O. II. 320. 


1604. 
Nr. 19. Nagy, Benedictus. Naeniae . .. in obitum ... Francisci 
de Nadasd.... ` 


Kerezturini. J. Manlius. 1604. 4°. 


Bl. 1a Titel: 
N.ENLE 


QVAS, IN OBITYM 
SPECTABILIS AC MAGNI- 
DOMINI. DOMINI COMITIS 
FRANCISCI DE NADASD PERPETVI TER- 
rae Forgaras, nec non Commitatuum Castriferrei. & Soproni- 
ensis Comitis, Agazonum Regalium in Hungaria Magistri 
Sac: Caes: Regiaeqz Maiest: Consil: & partium Cis Danu- 
bianarü (Generalis Capitanei, qui hoc anno eurrente. 
1604 Januarij 4. die. inter 3. & 4. horas pomer: 
placide in Christo obdormiuit gratitudi- 
nis & memoriae ergó Lachrymis 
rigauit. 
1* 


uu tub. ues 


BENEDICTVS NAGY. 
Rector Nicopolitanus. 


[Zierat] 
KEREZTVRINI. 


IMPRESSVM TYPIS JOANNIS MANLII. 
M. DC. IV.*) 
4°. rom. Type, 9 num. Bll. m. d. Sign. A—C,. 
Unicum im ung. National-Museum in Budapest. 
Szabó a. a. O. II. 321. 


1604. 


Nr. 20. Rulandus, Johannes, Oratio luctuosa in immaturum 
obitum ... Francisci de Nadasd ... 
Kerezturini, J. Manlius. 1604. 4. 
Bl. 1a Titel: 
ORATIO LVCTVOSA. 
IN IMMATVRVM 
OBITVM SPECTABILIS ET 
MAGNIFICI DOMINI DOMINI FRANCIS- 
CI DE NADASD PERPETVI. TERRAE FOGARAS. 
et Comitatuum Caftriferrei. & Sopronielis Comitis.. 
Sacre Celareae BRegieqa Maieftatis Conliliarij. Agalzo 
num regalium per Hungariam Magiftri nec non 
cis Danubianarum partium Supremi 
Capjtanei &c. Qui piè & placide 
ex hae mileriarü valle mi- 
grault 4. lanuari] Ano. 
1604. 
GENEROSVS ET MAGNIFICVS DOMI- 
minus (sic). Dominus Francifeus Dersti de Zerdahel: 
Comes Comitatus Sarosdienlis. hee qualiacumgz 
perpetui amoris. amicitie & gratitudinis ergo appo- 
ni iufsit. 
Per. 
Jaannem Rulandum artis Medica Doctorem & illuftrium au- 
ftrise inferioris Medicum ordinarium. 
Anno reparate Salutis. 


MDCILI. 


*) Nach einer vom National-Museum zugesandten Copie. 
5 l 


2 " 


IMPRESSVM TYPIS JOANNIS MANLII, 
Kerezturini. Anno 1604. 

BI. 1b [N]I vnquam mortem Celeberrimi alicuius ac preftan- | 
tilsimi Herois ob preeclara facinora Magnifici. & // generoli ac 
pro fuis quiqg titulis honorādi Heroes ' detlere honeftum ac licitum 
fuit, Certé et nobis hodi. /.... Bl. 8a Z. 181f.: Quoties opus 
fuit. fubditorum caulas tueri. fon- '" tes à lupplicio liberare. 
captos in libertatem adferere. .’ tanto [tudio tantaq} animi 
alaeritate eorum caufas Sul- / cepit. .... Bl. 4a Z. 20: vobifcum 
doleamus. imó potius eius exemplo '/ excitati atqy admoniti, nobis 
quoggiter // ad caleltia honelte & liberaliter degétes /' tutifsimum 
& gloriofum. diuimo // femper numine implo- // rato. paremus. ` 
DIXI. '/ Bl. 4b leer. 

4°, rom. Type, 4 nicht numerierte Bll., ohne Signatur. mit 
Custoden, ohne Blattzahl. zu 28 Zeilen, Bl. 4a 26 Zeilen. das 
Titelblatt mit Typen in 4 Gróssen (Papier braun und wasser- 
fleckig). 
2 Exemplare, 1 in der ungar. Akademiebibliothek. 1 in der 
Reform. Coll. Bibliothek zu Sárospatak. 
, "zabó a. a. O. II. 322. 


1604. 
Nr. 21. Carmina funebria... Virtuti et memoriae . . . Francisci 
de Nadasd ... 
Kerezturini, J. Manlius. 1604. 4°. 
BI. 1a Titel: 
VIRTVTI &T MEMORLE 
SPECTABILIS 
AC MAGNIFICI DOMI- 
NI D: FRANCISCI DE NADASD COMI- 

@ tis perpetui Terrae Fogaras ac Comitatuum Caftri 
terrei, & Sopronienfis &e. Sac: Cæf: Regiæq; Maielt: con- 
ñliar: Agazonum Regalium Magiltri. & partium Transdanu- 
bianaru in Hungaria (upremi Capitanei, &e. Veritatis Euan- 
gelicæ fortifsimi defenforis. & contra rabiem hostium lauda- 
tılsimi propugnatoris. multotiefy3 de Turcis Victoris. Patris 
Patrie meritilsimi Herois Hungariei lempiterna memoria. 
laude. celebratione, literis. monimentis. dignilsimi. qui 
cladium Hungarie pertzíus ad pacatiorem & beatiorem 


= 6 e 


coeleftis domicili] oram fe fe recepit. dum Deo 
& nature 4 Januari] concederet Ano 
reparate falutis 
AttenDIte & refpICIte FIneM 
qui fuit setatis l'uze climactericus 49. 
CARMINA FVNEBRIA 
A clientib9 deditiBimis mefftibimè polita. 
KEREZTVRINI. 
IMPRESSVM TYPIS JOANNIS MANLII. 
M. DC.. IV. 


BI. 1b: AVGVSTINVS /'/ Non potelt malé mori. qui bené 
vixerit: & // Vix bené moritur. qui malé vivit. // .... Bl. 2a: 
[NJADASDI FRANCISCE .... Ve-//nerande Patrone. // Quis 
mihi det lacrymas ^^ qui largum /' flumen aquarum ^7 ;/ .... 
Bl. 4a Z. 4ft: ALIVD '/ Flete pij: FRANCISCVS obit 
NADASDIVS Heros. / L umen Pannonie, Dux bon9: 
imo PATER. '.... Bl 7a Z. 4f: ALIVD II AD Patri: 
clades ingens acceísit acervus " Lumen Pannonie quum defiit 
elle NADASDI/'.... 2.18. ETEOSTICHON // QVarta fVIt 
Janl LVX LVXIt fata NaDasDI. /' ConfpICIens patrie teCta 
reLICta SVw./' BI.Tb Z.16ft.: [V]Ita Nadaltus longa dignifsimus 
heros ‘' Hic iacet O Chrifto dedita fur "ha geme. //.... BI. 8a 
Z.11f.: Quae bona te fugiant. experiere breui. /^ FINIS. // 
[Zierat] Bl. 8b leer. 

19. rom. Type. 8 nicht numerierte Bll. mit der Signatur B, 
Bij. Custoden. ohne Blattzahl. zu 28 Zeilen, das Titelblatt mit 
Typen in 3 Gréssen. BI. 2a und 7b mit 4zeiligen Holzschnitt- 
initialen. 


2 Exemplare, 1 im ungarischen National-Museum, 1 in der 
Reform. Coll. Bibliothek zu. Sàrospatak. > 
Szabó a. a. O. Il. 323. 


1605. 
Nr. 22. Goepner. Johann, Carmen de salutifera Christi filii 
dei incarnatione. 
Kerezturii. Joannes Manlius. 1605. Fo. 
Bl. la: 


1 


CARMEN 
DE salutifera CHRISTI FILII Incarnatione. 
[IILLVSTRIBVS. GENEROSIS, NO- 

BILIBVS AC MAGNIFICIS DOMINIS. DO- 
MINIS ORDINARIIS, LIBERIS BARONIBVS8 ET OMNIBVS EGREGIIS 
Proceribus Inelyti Styrie Ducatüs, Profitentibus Euangelieam Religionem 
& Symbolum Augustan:z Confefsionis incorruptum, &c. Dominis ac Patro- 

nis [fuis gratiolis & beneficis. 

IN FOELIX NOVI ANNI AVSPICIVM ET DVRABILEM DO- 

natı EMANVELIS recordationem XENII LOCO 


Scriptum & humillimé dedicatum 


A 
Jeanne Ge pnero Lichtenfteinenle Mif: indigno repurgatæ Doctrina Miniltro. 
Ecclefie Vete- — 9(dj mein Derg(tebee. SGjulein / Ecelefite Noui 
Mac dir ein raın janfft bettelein. 
Telt: vo- Au ruhen in meing bergen (drem ` Telt: Hym- 
tum. Das id) nimmer vergeffe bein. nus. 


Es folgt das 33 Zeilen lange. eigenthümlich ausgedacht 
und mühevoll gefasste Lobgedicht. in Gestalt eines Viereckes, in 
der Mitte ein Herz etc. Lüngs der linken Seite der rothen 
(Geraden: 

ivdupet it Himmel von vben / Vnd die Wolden regnen bie 

Gercohtigfeit / Die 

Erde thue fidh aufi / vnd bringe Hail / vnd Geredjtigfeit wadhie 

mit zu / Eja. 45. 


Längs der rechten Seite vom Leser gerechnet: 


Er ift auff Erden fommen arm / Das Er vnjer fid erbarm / 
Bud im dem 


Himmel macher reich / Bund feinen lieben Engeln gleid) / 


Alleluia. 
Knapp unter dem Viereck: 
Finiit Annus iter. Laus & Gloria Wir Danden Gott für jeine 
SVMMO. gnad / 


Qui tot concelsit NOS l'upereffe Der vns bisher Dehietet 
malis: Dat : 


"X m 


Atq; humili pariter per CHRI- Und bittn das Er dij8 Newe 


STVM*) mete precamur. Nar *) 
Inftantis foelix det PATER aufpi- ür allem laid ong aud 
cium. bewar. 


Herr; Wenn id) nurdich habe / fo frag ich nichts nad) Himmel ond Erden re. Aber ‘die 
von Dir weichen werden umblommen ; Du bringeft umb / alle die wieder Dich huren / Pal. 73. 


Unter der Randleiste: 
Imprelfum Kerezturij Typis Joannis Manlij. Anno Chrifti. 1605. 
Bl. 1b leer. 


Ein Einblattdruck in Fo.. goth. und rom. Type, mit Typen 
in 4 Grössen. 1., 3., 4., 6.. 9., 11.. 14.—17., 51.—52. Zeile roth 
gedruckt, sowie alle senkrechten Striche, das Herz, die Figuren 
unter demselben, alle Typen innerhalb der Seitenstriche, in dem 
Herzrande und in den Figuren erscheinen ebenfalls roth ge- 
druckt, das ganze Blatt von der bekannten Mannel’schen Rand- 
leiste umgeben, mit 1 Holzschnittinitiale. 


Das einzige bekannte Exemplar wird als Cimelie im steier- 
märkischen Landesarchive aufbewahrt. 


v. Zahn, Miscellen, Graz 1898. 8° am Schluss der Einleitun« 
und auf der Rückseite des Umschlages. Szabo a. a. O. kannte 
dieses Werk noch nicht. 


Von den angeführten 22 latein. Druckwerken Joh. Mannels 
sind, wie wir gesehen haben. nur sehr wenige Exemplare erhalten. 
1 kennen wir in 3 Exemplaren. 6 in 2 Exemplaren, 10 sind Unica. 
von 1 besitzen wir nur ein geringes Bruckstück, 4 sind nur dem 
Titel nach bekannt und sonst verschollen. Umso berechtigter er- 
scheint daher der Wunsch, uns diese bibliographischen Selten- 
heiten durch eine genaue Beschreibung näher zu bringen. Zu- 
gleich erscheint dadurch die typographische Thätigkeit Mannels. 
von dem die Allgemeine Deutsche Biographie a. a. O. nach seiner 
Vertreibung aus Krain nichts mehr zu berichten weiss, in einem 
ganz anderen Lichte. 


*) per CHRISTVM und Newe Jar roth gedruckt. 


Zur Geschichte der österreichischen Bibliotheks- 
Instruction. 


Als auf der dritten Pariser Weltausstellung (1878) auch das ósterreichische 
Bibliothekswesen repräsentiert werden sollte, wies der Vorstand der Wiener Uni- 
versitätsbibliothek Dr. Leithe in seinem von der Unterrichtssection der Central- 
commission erbetenen Gutachten darauf hin, dass er nie gehört habe. dass in irgend 
einem Staate Europas eine der österreichischen provisorischen Bibliotheks-Instruction 
vom Jahre 1825 ähnliche Einrichtung bestehe, und dass sie dem Auslande gegen- 
über besondere Beachtung und Hervorhebung verdiene, zumal sie noch nirgends ge- 
hörig gewürdigt sei. 

Ein so hervorragendes Werk rechtfertigt eine kurze Darstellung der Be- 
strebungen, welche die österreichische Unterrichtsverwaltung auf die Organisierung 
des Bihliotheksdiehstes verwendete. *) 

Der Staat hatte sich unter Maria Theresia in den Besitz der Jesuiten-Biblio- 
theken gesetzt und aus ihnen mehrere Landesbibliotheken gegründet, die, für den 
öffentlichen Gebrauch bestimmt, ein Verwaltungsstatut dringend nothwendig machten. 
Der Ober-Director der Wiener Universitätsbibliothek Abt Stephan Rauttenstrauch 
wurde mit der Abfassung desselben betraut, seine Instruction mit kaiserlicher Ent- 
schliessung vom 14. April 1778 genehmigt und mit Decret der Studien-Hof-Commission 
vom 30. April 1778, Z. 80 den Universitäts- und Lycealbibliotheken zur Richtschnur 
vorgeschrieben. 

Sie zerfállt in 11 Abschnitte und behandelt die Bücheraufstellung (Abschnitt 
1--3) die Katalogisierung (4— 9) und den Gebrauch der Bibliothek (10 und 11). 

Mit dieser Instruction liess sich nicht auskommen; ihre fühlbaren Mängel ver- 
anlassten das böhmische Gubernium, am 9. November 1819 den Antrag auf Revision 
zu stellen. Mit Erfolg. Die Studien-Hof-Commission beantragte in ihrem dem Kaiser 
am 21. Jänner 1821, Z. 753 erstatteten Vortrage, es seien sämmtliche Länderstellen 
zu beauftragen, die bestehenden Bibliotheks-Instructionen oder, wo solche nicht be- 
stehen. nene Entwürfe derselben vorzulegen, um darnach eine gleichförmige Instruction 
zu verfassen und solche zur Richtschnur für alle Bibliotheken hinauszugeben. 

Die kaiserliche Entschliessung vom 12. Juni 1821 genehmigte diesen Antrag 
und das Ergebnis war die aus dem grossen vorliegenden Materiale vom gewesenen 
Bibliothekar in Olmütz Powondra als Referenten ausgearbeitete Instruction, die 
mit Decret der Studien-Hot-Commission vom 23. Juli 1825, Z. 2930 den Länder- 
stellen übermittelt wurde. Es wurde dabei hervorgehoben, dass sie nur provisorische 
Geltung habe, da die allerhöchste Sanction für sie noch nicht eingeholt sei, und dass 
sich nach ihr nur da zu benehmen sei, wo nicht besondere Localumstände es bedenk- 
lich machen würden, von einer bisherigen entgegengesetzten Observanz abzugehen. 

Diese „Magna Charta der Bibliotheks-Verwaltung in Oesterreich, welche, obwohl 
seitlem mehrfach amendiert, der Hauptsache nach noch jetzt giltig ist“ (Leithe, 
Die k. k. Universitüts-Bibliothek in Wieu . . . Wien [1877] S. 19), behandelt in 
136 Paragraphen folgende 6 „Titel“, denen 6 einleitende Paragraphen vorhergehen : 





*) Die wichtigsten Daten tinden sich auch in Grassauers Handbuch für öster- 
reichische Universitäts- und Studien-Bibliotheken ... Wien 1583. 


Lé, 


cu JO = 


1. Von der Sicherstellung der Bibliothek (gegen Feuersgefahr, schädliche Insecten. 
Verschleppung und Beschädigung der Bücher u. ä., und durch richtiges Benehmen 
bei Entdeckung eines Unfuges) $8 7—20. 2. Von der Vorrichtung des Bibliotheks- 
bestandes zum öffentlichen Gebrauche (Aufstellung, Bezeichnung, Katalogisierung! 
s$ 21—57. 3. Von dem Zuwachs und der Verminderung des Bibliothekbestandes 
(durch Pflichtexemplare, verbotene Bücher, Geschenke oder Legate, Austausch, An- 
kauf, Zustellung der auf Befehl Sr. Majestät oder auf Anordnung der Hofstelle an- 
geschafften Werke) 88 58—81. 4. Von dem öffentlichen Gebrauche der Bibliothek 
(durch Ausleihen, durch Benützung der Bücher in den Leselocalitáten) $8 82—1085 
5. Von der anderweitigen Amtsmanipulation bei der Bibliothek (Geldgebarung, 
Büchereinbinden, Mobilieninventar, Personalstandstabellen, jáhrlichem Zustandsbericht. 
Gestionsprotokoll) 88 109—123. 6. Von den ämtlichen Verhältnissen des Bibliotheks- 
Personals 38 124 — 136. 

Der Grund, warum diese Instruction noch nicht zur kaiserlichen Sanction 
vorgelegt wurde, lag darin, dass man in verschiedenen strittigen' Punkten sich nicht 
endgiltir für eines der vielen Gutachten zu entscheiden gewagt hatte. Man hoffte. 
durch die den Bibliothekaren aufgetragenen Bemerkungen über diesen Entwurf zu 
einem Definitivum gelangen zu können. 

Daher ordnete Kaiser Franz mit a. h. Entschliessung vom 25. Juli 1826 
die Verfassung eines neuen Entwurfes an und die Studien-Hof-Commission beauftragte 
am 2. November 1826 den Regierungsrath und Universitäts-Bibliothekar Joh. Wilh. 
Ridler, mit Benützung der über die provisorische Instruction eingelaufenen Bemer- 
kungen eine neue zu verfassen. 

Ridler legte am 17. November 1827 seinen „Entwurf zu einer Instruc- 
tion für Bibliotheksbeamte“ vor. Innerhalb 99 Paragraphen ist der behandelte 
Stott in folgender Weise gegliedert: Vorerinnerungen 88 1—5; I. Gründung und Ver- 
grösserung der Bibliothek (Ankauf, Pflichtexemplare, verbotene Bücher, Geschenke, 
Erwerbung ganzer Bihliotheken nnd dabei vorzunehmende Ausscheidung, Tausch, 
ausserordentliche Anweisungen) 886—19;II. Benutzung der Bibliothek : (Vorbedingungen: 
Aufstellung, Bezeichnung, Kataloge; Arten der Benutzung: Tüglicher Besuch, Aus- 
leihen) SS 20—63; III. Verwaltung der Bibliothek (Pflichten des Personales, Hand- 
habung der Sicherheit der Bücher. Kanzleigeschüfte) SS 64—99. Als Anhang ist dem 
Entwurfe beigeschlossen eine „Systematisch-eneyclopädische und bibliothekarische 
Eintheilung der Wissenschaften“. 

Ridlers Eutwarf blieb längere Zeit in Verhandlung -— die Spuren lassen 
sich bis 1833 verfolgen —, verschwand aber dann für lange Zeit in den Acten. 

Erst 1855 wurde ihm wieder Beachtung geschenkt, als die Regulierung mehrerer 
Kronlandsbibliostheken das Bedürfnis nach einer allgemeinen definitiven Instruction 
wieder lebhafter empfinden liess. Der Vorstand der Wiener Universitäts-Bibliothek 
Dr. Josef Diemer wurde vom Unterrichts-Ministerium am 12. März 1855 beauftragt. 
mit Benützung des Ridlerischen Entwurfes, des übrigen Materiales und der in- 
zwischen ertlossenen Verordnungen eine umfassende Norm zu entwerfen. Diemer legte 
am 30. Juni 1857 den 1., am 20. December den 2. Theil seines „Entwurfes 
einer Dienstordnung für die öffentlichen Staatsbibliotheken der 
Monarchie“ vor; allerdings nicht in der Form, in der er selbst. ihn ausgearbeitet 
hatte, sondern in der Redaction des Bibliotheks-A manuensis Franz Stark, den er 
mit der als wünsehenswert anerkannten Kürzung betraut hatte. 


se dU exe 


Der Entwurf enthält in 439 Paragraphen: Einleitung $8 1—7; I. Hauptstück. 
Von der Sicherstellung der Anstalt und ihrer Bücher $8 8— 40; II. Hauptstück. 
Von der Vorrichtung des Bibliotheksbestandes zum óOflentlichen Gebrauche (1. Von 
der Aufstellung der Bücher, 2. Bezeichnung der Bücher, 3. Von der Beschreibung 
der Bibliothek oder von den Katalogen) $$ 41—350; III. Hauptstück. Von der Ver- 
mehrung und Verminderung des Bibliotheksbestandes (Ankauf, Pflichtexemplare, Ge- 
schenke) 88 351—379; IV. Hauptstück. Von demöftentlichen Gebrauch der Bibliothek 
(innerhalb derselben, ausserhalb) $8 380—401: V. Hauptstück. Von den eigentlichen 
Verwaltungsgegenstinden $$ 402—419: VI. Hauptstück. Von den amtlichen Ver- 
hültnissen des Bibliothekpersonals $8 420 —439. 

Die Bibliothekare Ritter v. Stronski in Krakau, Castelitz in Laibach und 
Ruland in Würzburg erhielten Diemers Entwurf zur Begutachtung. Diese Gutachten 
veranlassten eine Reihe von Ueberarbeitungen desselben und endlich eine Beschränkung 
der Reformabsicht auf den rein bibliothekarischen Theil: Das Ministerium für Cultus 
und Unterricht liess im Jahre 1860 mit Act 11.985/478 die Hauptstücke I (Sicher- 
stellung), III (Vermehrung und Verminderung des Bücherbestandes), IV (óffentlicher 
Gebrauch), V (Eigentliche Verwaltungsgegenstände), VI (Amtliche Verhältnisse des 
Personals) — also den administrativen Theil des Entwurfes — fallen und wollte 
nur mehr den inneren Bibliotheksdienst reformieren, da hauptsächlich die Mangel. 
haftigkeit der diesen betreffenden Bestimmungen das Motiv zur Erlassung einer neuen 
Instruction abgegeben habe. 

So wurde nur der „wissenschattliche“ Theil des Entwurfes, der im II. Haupt- 
stück behandelte innere Bibliotheksdienst (Aufstellung, Bezeichnung und Katalogi- 
sierung), in 10 Exemplaren als Manuscript gedruckt (Entwurf einer Instruction über 
die innere Einrichtung der k.k. Universitäts- und Studien-Bibliotheken. Wien, 1861, Hof- 
und Staatsdruckerei), vom Ministerium am 10. April 1863 (Z. 11.338) mit allen Ver- 
handlungsacten dem Unterrichtsrathe zur Begutachtung vorgelegt. Jenen 37 Paragraphen 
der provisorischen Bibliotheks-Instruction, welche ersetzt werden sollten, standen 
242 Paragraphe des neuen Entwurfes gegenüber. Diese Kleinarbeit gereichte ihn zum 
Verderben. Der Unterrichtsrath lehnte in seinem Gutachten vom 1. August 1864, 
Z. 115 den Diemerischen Entwurf ab bei voller Anerkennung seiner Trettlichkeit, 
„falls man ihn als Privatarbeit, als Beitrag zur Bibliothekswissenschaft betrachtet“. 

Mit diesem Entwurfe war aber nicht auch die Frage selbst, die er lösen 
sollte, begraben; am 23. December 1871 warde der Bibliothekar der Universitäts- 
bibliothek in Innsbruck Dr. Friedrich Leithe mit der Verfassung einer Bibliotheks- 
Instruction betraut. Unter Zugrundelegung der Arbeit Diemers arbeitete er 1872 
seinen „Entwurf einer Dienstordnung für alle selbständigen Biblio- 
theken im Wirkuneskreise des k. k. Ministeriums für Cultus und 
Unterricht“ aus; am 10. Jänner 1873 überreichte er ihn dem Ministerium. Der 
Entwurf umfasst 206 Paragraphe. Der Einleitung ($8 1—25) folgen ' ,Hauptstücke" : 
I. Von der Erhaltung der Bibliothek (88 6— 306), II. Von der Vermehrung der Bibliothek 
(1. durch Pflichtexemplare, 2. durch Geschenke, 3. durch Kauf, 4. durch .Tausch) 
(s$ 37—53), II. Von der Aufstellung der Bibliothek ($$ 54— 71), IV. Von der Be- 
schreibung der Bibliothek (88 72— 136), V. Von der Classificierung der Bibliothek 
($$ 137—154), VI. Von der Benützung der Bibliothek (1. innerhalb der Bibliothek, 
2. durch Entlehnung in loco, 3. durch Versendung der Bücher) (S8 155--189), 
VII. Von der Verwaltung der Bibliothek (SS 190—200). 


DE 


-— 


E d us 


Auch Leithes „Entwurf einer Dienstordnung^ wurde nicht von dem fatalen 
ersten Worte seines Titels, „Entwurf“, befreit. Wenn die Unterrichtsverwaltung trotz 
der grossen Werthschätzung, die sie Leithe dauernd bewies, seinen Entwurf nicht ge- 
nehmigte, so kann darin ein Festhalten an der ausserordentlich vorsichtigen Bibliothek s- 
politik ihrer Vorgängerinnen erkannt werden. Den dringenden nächsten Bedürf- 
nissen wurde auch weiterhin durch Specialverordnungen abgeholfen. 

Dem Ziele, das durch die Bibliotheks-Instruction erreicht werden sollte, der 
thunlichen Einheitlichkeit des inneren Dienstes, wurden übrigens die österreichischen 
Bibliotheken auch ohne neue Instruction durch Leithe näher gebracht. Leithe machte 
Schule, und an der Mehrzahl der Staatsbibliotheken wird nach seinen Grundsätzen 
„beschrieben“. 

In Leithes Reformen und in seiner Bibliotheksverwaltung lag ein grosser Zug, 
der das Kleinliche, das anderswo zur Hauptsache wird, energisch abstiess. Sein In- 
structions-Entwurf wird in der Geschichte der österreichischen Bibliotheks-Instruction, 
die vorläufig zu Ende ist, wieder auftauchen. 

Wenn Leithes Wunsch, dass die Instruction von 1825 einmal in der Oeflent- 
lichkeit gehörig gewürdigt werde, in Erfüllung gehen sollte, dann möge dies ge- 
schehen mit eingehender Berücksichtigung auch der zunächst unmittelbar, dann mittel- 
bar auf ihr fussenden Entwürfe Ridlers, Diemers, Leithes. Man wird erkennen, dass die 
österreichische Bibliotheksverwaltung auf der vor 80 Jahren geschaffenen Grundlage 
unbeeintlusst von auswärtigen Verhältnissen sich selbständig derart entwickelt hat, 
dass sie mit den fortschrittlichsten ausländischen sich messen kann. 


Custos Dr. Anton Hittmair. 


Revision von Zettelkatalogen. 


Von H. Bohatta. 


In jeder Bibliothek wird sich von Zeit zu Zeit das Bedürfnis einstellen, nicht 
nur die Bücher, sondern auch die Kataloge zu revidieren, und das Bedürfnis wird 
zur Nothwendigkeit, wenn ein Zettelkatalog einer neuen Arbeit zugrunde gelegt wird, 
deren Güte, Richtigkeit und Vollständigkeit durch die gleichen Eigenschaften dieses 
Kataloges bedingt ist. Für eine derartige Revision gibt es zwei Methoden: das Aus- 
einanderlegen der Zettel nach den Signaturen oder das Ausheben derselben nach 
den der Reihe nach dem Depot entnommenen Büchern. Jeder Bibliothekar wird mit 
Grauen an die Mühe denken, welche beide Revisionsarten erfordern, ganz abgesehen 
davon, dass sie den Zettelkatalog auf geraume Zeit, bei grösseren Beständen auch 
auf Jahre hinaus völlig unbenützbar machen. 

Diese ganz ungeheuren Schwierigkeiten lassen sich nun durch das im folgenden 
geschilderte Verfahren vermeiden. Mir ist nicht bekannt geworden, ob dasselbe nicht 
vielleicht schon irgendwo in der Praxis in ähnlicher Weise angewendet worden ist. 

Die nachstehende Tabelle stellt eine Lage von 100 Blättern vor, die am oberen 
Rande durchlocht und zusammengeheftet sind und in 4 Reihen die Zahlen von 
000—999 zeigen. Auf der linken Seite sind sie derartig eingeschnitten, dass immer 
das untere Blatt vor dem nächstoheren um ein Stück vorsteht; auf diesen von 
Blatt zu Blatt vorspringenden Streifen sind die Zahlen von 0—99 (wir wollen diese 


13 








ni 
we 
amos 
we 

5 we 
Kéi 

. 

(o D 
3 e 
= 

D 

Kei 

. 

z 





ue HA, a 


Zahlenreihe die Indices nennen) aufgetragen, so dass also das oberste Blatt den 
Index O, das zweite den Index 1. das dritte den Index 2 hat u. s. w. 

Die Bedeutung der Spalten ist die folgende: Spalte a enthült die Indices der 
einzelnen Blütter; die Zahlen von 0—99 drücken die Tausender aus, die Ziffern der 
Columne c die Einheitsrahlen von 0—999. Die Columne c mit dem betreffenden 
Index der Columne a zusammen gibt die Signatur des Buches, resp. der Titelcopie, 
die revidiert werden soll. So enthält also das oberste Blatt mit dem Index O die 
Zahlen von 0—999, das zweite mit dem Index 1 die Zahlen von 1000— 1999, das 
dritte mit dem Index 2 die Zahlen von 2000— 2990 u. s. w. Die Spalten 5 sind 
zum Eintragen der revidierten Hinweise mit der betreflenden Signatur bestimmt, 
was mittels Strichen in Gruppen zu 5 geschieht (HH WM) um eine leichtere Zählung 
zu ermóglichen: die Columnen d dienen zum Vormerken der sümmtlichen auf dem 
Hauptgrundblatt verzeichneten Hinweise. 

Bei der Revision des alphabetischen Zettelkataloges nach dem Numerus 
currens — einen solchen habe ich jetzt in erster Linie im Auge — können nun 
folgende Fülle vorkommen: 1. die Haupttitelcopie weist keinen Hinweis auf, der 
einfachste Fall; 2. die Hauptitelcopie liegt im Alphabete als erste und vor den 
dazugehörigen Hinweisen; 3. sie legt dem Alphabete nach mitten zwischen ihnen; 
4. sie liegt als letzte. 

Der Vorgang beim Arbeiten ist nun im Allgemeinen und mit Rücksicht auf 
diese 4 Fülle der folzende. Je zwei Personen, die die Revision vornehmen (denn 
es kónnen beliebig viele Paare zu gleicher Zeit sich daran betheiligen, da 
man am Schlusse das Ergebnis der einzelnen Zühlbogen leicht auf ein Exemplar 
übertragen kann), theilen sich in die Arbeit des Durchblütterns der Titeleopien und 
Vorlesens der Signaturen einerseits und des Eintragens in die Zählbogen anderseits; 
hiebei wird sich gegenseitige Ablósung in der Arbeit als sehr vortheilhaft erweisen. 
1. Im ersten der autgeführten möglichen Fälle, wo die Haupttitelcopie keinen Hin- 
weis zeigt, wird die betreftende Zahl in der Columne c des Zühlbogens durchstrichen 
(Beispiele bei 1. 259, 506 der Tabelle), d. h. diese Nummer ist damit vollständig 
erledirt. 2. Taucht die Haupttitelcopie zuerst auf und erkennt man aus ihr, dass 
z. B. 3 Hinweise dazugehóren, so notiert man in der Spalte d die Zahl der noch zu 
revidierenden Hinweise „3“ (Beispiele bei 2, 247, 261). 3. Kommt zuerst ein oder 
mehrere Hinweise, dann aber die Haupttiteleopie, aus der man ersieht, dass noch 
andere Hinweise fehlen, so werden die Hinweise in Columne b der Reihe nach mit 
Strichen eingetragen, und in der Spalte 4 die Zahl der simmtlichen erforderlichen 
Hinweise hinzugesetzt (Beispiele bei 8, 496). 4. Stösst die Haupttitelcopie zum 
Schlusse auf und zeigt es sich, dass bereits sámmtliche Hinweise revidiert und ein- 
getragen sind, so wird die zugehörige Zahl als erledigt durchstrichen (Beispiel bei 741); 
dasselbe geschieht, wenn der letzte der vorgemerkten Hinweise revidiert ist (Bei- 
spiel bei 243). Solange noch ein Hinweis oder die Haupttitelcopie fehlt, bleibt die 
Nummer offen (Beispiele bei 3, 247, 261, 749). 

Alle Zettel. die der Revision bereits unterworfen worden, werden, um dies 
anzudeuten. mit einem ,r^ bezeichnet. 

Noch sind zwei Arten von Titeleopien zu besprechen, die der laufenden 
Fortsetzungswerke und die Nominalhinweise. Diese lktzteren, die eine 
veränderte Namensform auf die übliche zurückführen, sind in Katalogen, wo sie 
mit Sienaturen versehen sind — was eigentlich auch das Natürliche ist, da sie 


ut 19 ues 


wohl für alle gleichlautenden Formen gleiche Geltung haben, aber doch nur für 
eine bestimmte Titelcopie geschrieben werden —, genau so wie andere Hinweise 
zu behandeln und bei eventueller Vormerkung der Hinweiszahl in Spalte d dieser 
beizuzáhlen; tragen sie keine Signatur und will man sie nicht, als weniger wichtig, 
hier ganz vernachlässigen, so schlage ich für ihre Revision zwei Methoden vor: 
1. Man zeichne nach den Beispielen 8, 254, 493 der Tabelle bei der betreffenden Zahl 
ein Sternchen ein, übersehe aber einstweilen diese Hinweise ganz und revidiere sie 
am Schlusse nach dem Inventar und den Haupttitelcopien; oder 2., und das scheint 
wohl empfehlenswerter und einfacher, der Ansagende des Revisorenpaares schreibt 
das Schlagwort dieser Hinweise nach den Haupttitelcopien auf kleine Zettel, die 
dann nach dem Alphabet gelegt und leicht mit dem Bestande verglichen werden 
kónnen. Titelcopien von laufenden Fortsetzungswerken werden nach 
Art der bereits abgeschlossenen Copien behandelt, nur bezeichnet der Ansagende 
die Stelle, bis zu der revidiert wurde, mit einem Strich und einem „r“ oder ähnlich. 
So kann die Titelcopie stets wieder dem Carton entnommen und mit Nachtrügen 
versehen werden, d. h. der Katalog bleibt jederzeit intact und voll- 
kommen benützbar; auch die übrigen bereits oder noch nicht revidierten Blätter 
sind durchaus frei beweglich, wenn man an der Regel festhält, dass jene, die in 
den bereits revidierten Theil des Kataloges fallen, nur eingelegt werden dürfen, 
wenn sie mit ,r^ bezeichnet sind, sonst aber erst in den Zählbogen eingetragen 
werden müssen. Wächst also während der Revision ein neues Werk zu, das in 
den schon revidierten Theil fällt, so wird diese neue Nummer revidiert, ein- 
getragen und ist somit erledigt. Kommt ein neuer Theil eines Fortsetzungswerkes 
hinzu, so dass z. B. auf der mit 20 Hinweisen revidierten Haupttiteleopie nach 
dem Vermerk ,r^ eine neue Eintragung mit 4 Hinweisen erscheint, so schreibt 
man in der Rubrik d zu der bereits notierten Zahl 20 die Zahl 4 hinzu und streicht 
infolge dessen die ganze Reihe als erledigt erst durch, bis sämmtliche 24 Hinweise 
der Revision unterzogen sind. Noch wäre hier gleich zu bemerken, dass es sich 
empfehlen wird, Titeleopien mit sehr vielen Hinweisen auf einem separaten Blatt 
iu Evidenz zu halten. : 

Da alles, was täglich an Grundblättern neu hinzukommt, entweder in deu 
Katalog eingelegt und dann an seiner Stelle revidiert wird oder, wenn es in den 
bereits revidierten Theil fällt, vor dem Einlegen in den Zählbogen eingetragen wird, 
so folgt daraus, dass diese Art von Revision nicht die Ansetzung eines be- 
stimmten Termines als Revisionsgrenze erfordert, sondern vielmehr an 
dem Tage, wo der letzte Carton erledigt wird, der ganze Bestand 
des Kataloges revidiert ist, auch die am letzten Tage neu geschriebenen Titel- 
copien miteingeschlossen. 

Es zerfällt also die Arbeit der Revision, um dies kurz zu wiederholen. in 
die des Ansagenden, der die Grundblätter einzeln vornimmt, die Signatur ansagt 
und angibt, ob Hinweis oder Haupttitelcopie, die Hinweise zählt, das Revidierte mit 
dem Buchstaben „r“ versieht und eventuell die Schlagworte der Namenshinweise vor- 
merkt; und die Arbeit des Eintragenden, der seine ganze Aufmerksamkeit den Záhlbogen 
zuzuwenden hat und hier seine Zeichen einsetzt. Was zum Schluss durchstrichen, ist 
vollkommen in Ordnung, das ührige muss richtig gestellt und ergänzt werden. 

Von den Vortheilen dieses: hier entwickelten Systems der Revision möchte 
ich nur noch seine Anpassungsfähigkeit hervorheben; es kann für jede Art von 


ec d x 


Zettelkatalogen, überhaupt für jede Revision verwendet werden. Bei einer 
Signierung nach Wissenschaften wird man die Indices O, 1, 2, 3 durch die Namen 
der Wissenschaften, &m besten in alphabetischer Reihenfolge, ersetzen und diese 
Bogen dann in gleicher Weise wie bei der rein numerischen Anordnung benützen. 
Bei der Aufstellung nach Kasten lässt man anstatt 0—999 z. B. zehnmal 1—100 
oder 200 vordrucken und hat dann die Signaturreihen von fünf bis zehn Kasten 
auf einem Blatte u. s. w. Hat man einen Katalog ohne Hinweise zu revidieren, 
z. B. einen Realkatalog, von dem man nur constatieren will, ob auch wirklich alle 
Werke der Bibliothek darin enthalten sind, so genügt die Anbringung der Spalten a. 
c, d. Wünscht man grósseren Raum für die Indices, so lasse man Lagen mit Indices 
von 0—19 oder 0—49 o. àü. heften. Ist die Anordnung von 1000 Nummern in 
4 Spalten unbequem, so lasse man sie in 5 Reihen zu 200, oder 8 Reihen zu 125 
oder 10 Reihen zu 100 vordrucken. Die jeweiligen Bedürfnisse, Bequemlichkeit und 
Handlichkeit müssen hier wie bei jeder Arbeit, bei der leichte und zugleich schnelle 
Ausführung die Hauptsache ist, entscheidend sein und in erster Linie berücksichtigt 
werden. 


Der Katalog des British Museum.” 


Referat, erstattet an dem Vereinsabend des ósterr. Vereines für Bibliothekswesen am 
18. Jiinner 1901 von Dr. G. A. Criiwell. 


Es war ursprünglich meine Absicht, nicht nur über den Charakter der Ka- 
talogisierung, sondern auch über die Entwicklungsgeschichte des Kataloges des 
Britischen Museums zu sprechen. Aber der Stoff schwoll derart an, dass ich mich 
heute darauf beschränken muss, den Complex der Beschreibungsregeln in ein hand- 
liches System zu bringen und zu besprechen. 

Nur ein paar Worte zur Einleitung. Das Britische Museum wurde im Jahre 
1753 gegründet, als das engliche Parlament beschloss, die wertvollen Sammlungen 
des Sir Hans Sloane anzukaufen. Die erste Anregung, einen Katalog herzustellen, 
ging von dem vom Staate bestellten Aufsichtsrathe (Trustees) aus (1759). 1789 er- 
schien bereits ein gedruckter, zwei Bände umfassender Katalog. Wes Geistes Kind 
dieser Katalog war, mag man aus der folgenden summarischen Eintragung entnehmen: 
„England — 33.000 Broschüren über den Bürgerkrieg“. 1807—1819 wurde ein 
zweiter Katalog hergestellt, dessen recht verdienstvolle Herausgeber Ellis und Baber 
waren. Doch auch in diesem Kataloge finden sich Hinweise, wie: Imanuel, der 
Friedefürst vide Emannel, König von Portugal. Im Jahre 1826 versuchte Horne 
einen systematischen Kaıalog anzufertigen, ein Versuch der aber 1834 wieder auf- 
*) Quellen: British Museum. Catalogue of Printed Books. London, 1881— 1900. 
— Rules for compiling the Catalogues in the Department of Printed Books in the British 
Museum. London, 1900. — Handschriftliche Aufzeichnungen von Scriptor Dr. Weisz. 
— Zur Literatur vergl. The Library Series. III. J. Macfarlane, Library Administration. 
London, 1898. — V. R. Garnett. Essays in Librarianship and Bibliography. London, 
1899. — Für wertvolle mündliche Auskünfte bin ich Mr, Fortescue, Keeper of the 
Printed Books im Britischen Museum, zu besonderem Dank verpflichtet. 


gegeben wurde. nachdem sein Druck 7000 Pfund verschlungen hatte. Im Jahre 1841 
wurde auf Grund mehr moderner bibliographischer Forschungen, aber mit mangel- 
haften Gesichtspunkten und viel zu überhastet ein neuer Katalog begonnen, den 
dasselbe Schicksal ereilte, wie jahrelang den Katalog der Pariser Nationalbibliothek. 
Er musste nach den Buchstaben „A“ sein Erscheinen einstellen. Erst als der Italiener 
Antonio Panizzi, der 1831 in das Institut eingetreten und 1837 Custos der ge- 
druckten Bücher geworden war, mit der Aufgabe betraut wurde, den Plan eines 
neuen Kataloges auszuarbeiten, war die Zeit für einen vollständigen und nach wohl- 
erwogenen Grundsätzen hergestellten Katalog gekommen. Mit einigen seiner fähigsten 
Beamten arbeitete Panizzi ein neues Katalogschema aus, das unter dem Namen der 
9] Regeln. bekannt wurde und die Grundlage der Katalogisierungs-Vorschriften ge- 
worden ist. Aber erst 1880 war das ungeheure Material druckreif, vierzehn Jahre 
nachdem Sir Anthony Panizzi als Director aus dem Institute geschieden war. Der 
Druck des Kataloges wurden 1881 begonnen. Er wird continuierlich fortgesetzt, in- 
dem der Zuwachs in zweiwóchigen Zwischenráumen in die blos in einer Columne 
geführten und interfoliierten Anstaltskataloge eingeklebt wird. Auf die Bände wie 
auf die gedruckten Zuwachsstreifen (slips) wurde ein Abonnement eröffnet. 

Die Veranlassung, den geschriebenen Katalog durch einen gedruckten zu er- 
setzen, waren das Verlangen nach grösserer Uebersichtlichkeit und die Zwangslage, 
die durch Raummangel geschatlen wurde, Ein geschriebener Katalog, der lange Zeit im 
Britischen Museum das einzige verlässliche und erschöpfende Verzeichnis des Bestandes 
enthielt, wurde in den Jahren 1849—1851 hergestellt. Es umfasste urspünglich 
150 Bände in 4 Exemplaren. Die einzelnen Seiten boten Raum für Nachträge und ausser- 
dem enthielten die Bände Leisten für interfoliierte Bücher. Bei dem ungeheuren Zuwaclıs 
aber — das Britische Museum besass schon damals das Recht auf Pflichtexemplare 
von Grossbritannien, Irland und sämmtlichen Colonien und hatte ausserdem, wie 
heute, eine staatliche Dotation von 10.000 Pfund für Bücherkauf und 10.000 Pfund 
tür Einbände — konnte ein continuierliches Aufreissen und Theilen der Katalogs- 
bände nicht verhindert werden, und im October 1875 hatte der handschriftliche 
Katalog von 150 Bänden sich auf 2000 vermehrt. Ein unerträglicher Zustand, durch 
den besonders der bio- und bibliographische Bücherbestand (Reference Library) im 
Lesesaal wahrhaft decimiert wurde. Dazu kamen die zahlreichen. Unbequewlichkeiten 
und Störungen und der enorme Zeitverlust, wenn man in diesem Bücherwald gerade- 
zu eine Jagd nach einen Titel veranstaltete. Als es bekannt wurde, dass mit dem 
Drucken des Kataloges endlich begonnen werden konnte, empfing das gesammte 
gebildete Publicum — nicht nur Englands —, vor allem aber der Beamtenkörper 
diese Nachricht als eine Erlösung. 

Der Katalog umfasst den gesammten Bücherbestand des Britischen Museums 
mit folgenden Ausnahınen: 

]. Englische Zeitunzen. 

Ofticielle Staats-Publicationen der Colonien und des Auslandes. 
Eine bestimmte Anzahl deutscher Dissertationen. 

Broschüren, die französische Revolution betreffend. 

. Die sozenannte Mazarin-Collection. (Mazarinades). 


IER 


. Mexikanische Broschüren. 
. Die Reden während der Einbringung der Home Rule Bill. 
8. Englische Staats- und Municipal-Publicationen. 


„1 C: 


Ec. qe = 


Von den ersten beiden Gruppen existieren handschrittliche, von der 8. ofti- 
cielle gedruckte Verzeichnisse. Gruppe 4 befindet sich im Stadium der Katalogisierung. 
Die Gruppen 5—7 schienen der Leitung des Museums die Mühe und die Kosten der 
Katalogisierung nicht zu lohnen; sie werden summarisch im Kataloge behandelt. 

Nach dieser sehr lückenhaften und flüchtigen Einleitung erlaube ich mir so- 
fort auf die Besprechung der wichtigsten Beschreibungsvorschriften einzugehen. 

Der Katalog ist grundsätzlich ein alphabetischer Nominalkatalog. 

Bei der Eintragung eines Werkes in den Katalog sind folgende sieben Punkte 
zu berücksichtigen. 


1. Das Ordnungswort (Heading). 

2. Die Beschreibung (Description). 

. Die Merkmale der Auflage (Imprint). 
. Die Seitenanzahl (Pagination). 

. Das Format (Size). 

Die Anmerkung (Note). 

Die Signatur (Press-mark). 


zl Gs oe OG 


L Das Ordnungswort. 


Ordnungswort des Buches wird in der Regel der Verfasser (Author), d. h. die- 
:enige, sei es durch Namen, Buchstaben oder Umschreibungen gekennzeichnete Person, 
die das Buch selbst als Verfasser angibt. Dabei wird nicht unterschieden, ob 
der Name wirklich oder angenommen ist. Im letzteren Falle wird die Abkürzung 
pseud. und der wirkliche Name in eckigen Klammern (brackets) beigefügt. Dieses 
Verfahren ist eine Folge jenes allgemeinen Grundsatzes, dass das in Frage kommende 
Buch allein die Handhaben zu seiner Katalogisierung bieten darf. Aber dieser zal 
festgehaltene Grundsatz ist in diesem Falle nichts anderes als ein Rest aus jenen 
historischen Tagen der Bibliographie, da die Eruierung von Pseudonymen noch nicht 
von jenen Nachschlagebüchern unterstützt wurde, deren Vorzüge den Mangel der 
Lüftung eines Pseudonyms zu einer Seltenheit machen. Der Fehler eines solchen 
Verfahrens liegt auf der Hand: dasselbe Werk, in einer früheren Auflage unter einem 
Pseudonym, in einer späteren unter dem wirklichen Namen veröffentlicht, erhält in 
jenem Falle das Pseudonym, in diesem den Namen des Verfassers als Haupt- 
ordnungswort. Hinweise, die in solehen Fällen unerlässlich sind, sind nicht geeignet. 
den Mangel der Uebersichtlichkeit, der eine nothwendige Folge solcher doctrinärer 
Grundsätze ist, wettzumachen. Ueber Pseudonyme in der Form von Latinisierungen 
werde ich noch später sprechen. 

Was die Namensschreibung anbelangt, so ist vor allem daran festzuhalten, 
dass die Namen von Herrscheru, Päpsten und Heiligen in der anglisierten Form 
ihres Vornamens zum Ordnungswort gemacht werden; dasselbe gilt von Prinzen 
souveräner Häuser. Der weltliche Name von Päpsten und Heiligen ist in eckigen 
Klammern beizufügen. 

. Beispiele; 

Mary, Dutchess of Burgundy. 

Pius IL, Pope [Ennea Silvio Piccolomini]. 
Francis |Xavier] Saint. 

Francis Charles, Archduke of Austria. 


— 19 — 


Mitglieder religiöser Orden werden unter ihren geistlichen, kirchliche Würden- 
träger unter ihren weltlichen Namen gestellt. Der bürgerliche Name wird bei jenen 
in eckigen Klammern beigefügt, der Vorname stets in runden Klammern 
(parentheses). 

Beispiele: 

Paolo, Servita |Pietro Sarpi]. 
Milde (Vincenz Eduard) successively Bishop of Leitmeritz and Archbishop 
of Vienna. 

Bei der Katalogisierung latinisierter Namensformen wird im allremeinen wie 
in der Wiener Instruction vorgegangen. Kin grosses Gewicht wird nur auf die Form 
zelegt, unter der der Name des Verfassers in England bekannt ist, unabhängig 
davon, unter welchem Namen er schrieb. 

Beispiele: 

Estienne (lenri), nicht Stephanus (Henricus). 

Dagegen: 

Linnaeus, nicht Linne. 

Bihlische und altgriechische Nanien. werden anglisiert, rómische bleiben nn- 
verändert. 

Beispiele: 

James, Saint and Apostle, nicht Jacobus. 
Homer, nicht Homeros. 
Aristotle. nicht Aristoteles. 
Dagegen: 
Livius, nicht Livy. 

Eine ähnliche Inconsequenz ist bei geographischen Namen zu beobachten. Im 
Text oder als Verlagsorte erscheinen sie in der Form, die das katalogisierte Buch 
ersichtlich macht. Dienen sie als Ordnungswort, müssen sie anglisiert werden. 

Beispiele: 

Meyer (Joseph). Das Geld ... . Wien, 1877. 
Dagegen als Ordnungswort: 
Vienna, nicht Wien. 
Nuremberg, nicht Nürnberg. 
Ratisbon, nicht Regensburg. 
Mentz, nicht Mainz. 
Leghorn, nicht Livorno. 
Namen, die mit einer Prüposition oder einem Artikel oder mit beiden zu- 


sammengesetzt sind -- ein altes, verwickeltes Problem der Katalogskunde, das man 
fast in jeder Bibliothek anders zu lósen versucht hat — werden im Kataloge des 


Britisch Museum sehr einfach behandelt. Man hat sich auf Fragen, ob Artikel 
und Präposition untrennbare Bestandtheile des Namens, ob sie fingierte oder that- 
sächliche Adelsprádiecate, ob sie endlich nur scheinbare Prüpositionen darstellen, :ar 
nicht eingelassen, sondern als Regel aufgestellt, dass bei allen nicht-englischen 
Namen, wenn sie von Nicht-Engländern geführt werden, Präpositionen und Artikel 
nachgestellt werden und hinter die Vornahmen in die runden Klammern kommen. 
Dieses Verfahren mag wenig Ansprüche auf wissenschaftliche Berechtirung erheben, 
es ist unleugbar praktisch und bedeutet eine grosse Zeitersparung. Man kann diese 
Deschreibungsform eine Vereinigung der Wiener und der Berliner Instruction nennen. 


3% 


22.90) ues 


Beispiele: 

Berge (Paul Hermann zum). 
Colonne (Guido delle). 
Cerda (Martino de la). 
Costa (Juan da). 

Diese summarische Regel erleidet zwei Ausnahmen. Die eine betritlt die 
französischen Namen, die genau so behandelt werden wie in Wien. Ob diese Aus- 
nahme die Folge der wohl kaum zu begründenden Erwägung, dass bei franzósischeu 
Namen Artikel und Práposition integrierende Bestandtheile des Namens bilden, oder. 
was wahrscheinlicher ist, nur eine jener Inconsequenzen darstellt, die sich im Kata- 
loge des British Museum ófter nachweisen lassen, vermag ich nicht zu entscheiden. 
Die zweite Ausnahme ist logisch völlig berechtigt. Sie betriftt die englischen Namen 
oder vielmehr die fremden von Englündern getragenen Namen, die sowohl Artikel 
wie Prüposition vorgestellt erhalten. 

Beispiele : 

De Vere (Robert). 

De La Rue (James). 

Van Buren (Martin). 

Le Fanu (Joseph Sheridan). 

Der Grund dieser Ausnahme ist sehr einleuchtend: Die Englinder kennen 
keine mit Artikel und Präpositionen gebildeten Namen und müssen nothwendig dazu 
kommen, solehe Wörter als untrennbare Bestandtheile des Namens zu betrachten. 

Die Adelsprädicate werden sehr gewissenhaft verzeichnet, was bei den 
überaus verwickelten englischen Adelstitulaturen eine ziemliche Arbeit voraussetzt. 
Der Kürze halber seien hier nur einige prügnantere Punkte hervorgehoben. 

Dem Familiennamen folgt unmittelbar in Klammern der Vorname; diesem 
folet der Rang mit dem Prüdicat. 

Beispiele : 

Howard (Thomas) Duke of Norfolk. 
Saint John (Henry) Viscount Bolingbroke. 
Die Bezeichnung „Lord“ wird nur dann gebraucht, wenn damit der älteste 


Sohn eines Duke oder Marquis bezeichnet werden soll. In diesem Falle steht „Lord“ 
vor dem Taufnamen. 


Beispiel: 

Gordon (Lord George). 

Bezeichnet der Titel „Lord“ hingegen den Chef einer Familie, dann weicht 
er dem Titel „Baron“. In diesem Fall kommt er hinter den Vornamen zu stehen. 
und der Name wird wiederholt. 

Beispiel: 

Macaulay (Thomas Babington) Baron Macaulay. 
Analog dem Titel „Lord“ wird der Titel „Lady“ behandelt. 
Beispiele: 

Stanhope (Lady Hester Lucy). 

"mith (Pleasance) Lady. 

Der Titel „Honourable“, den die jüngeren Kinder eines Earl und die ältesten 
Kinder eines Viscount oder Lord führen und der bei der Wiener Beschreibung fast 
immer ignoriert wird, ist durch die Abkürzung „Hon.“ wekennzeichnet. 


Beispiel : 

Russell (Hon. Harriet). 

Die Beschreibung nicht englischer Adelstitel folgt äbnlichen Gesetzen. Nur 
ist zu bemerken, dass das „von“ stets in die Klammer hinter den Vornamen zu 
stehen kommt, und dass die Titel durch den entsprechenden englischen Titel ersetzt 
werden. Titeln wie: „Edler“, „Ritter“, „Sieur“, „Chevalier“ u. s. w., für die es in 
England keine Analogien gibt, bleibt ihre nationale Form erhalten. 

Beispiele : 

Starhemberg (Guido von) Count. 

Dagegen : 

Schmerling (Anton von) Ritter. 

Standes- und Berufsbezeichnungen bleiben im allgemeinen fort. Nur in Fällen, 
in denen Autoren von gleichlautenden Familien- und Vornamen unterschieden werden 
sollen. werden sie dem Namen beigefügt. Ob Urtext oder Uebersetzung erfolgt. bleibt 
den Beschreibern überlassen. 

Beispiel : 

Mueller (Anton) Apotheker. 
— — Engineer. 
— — k.k. Prof. der Aesthetik ete. an der Prager Universität. 
— — of Zürich. 
— — . Pens. k. k. Kreisamtsprotokollist. 

Die Schreibart orientalischer Namen richtet sich nach der in massgebenden 
orientalischen Katalogen üblichen Form. 

Bei deutschen Namen und Wörtern, die Ordnungswörter werden, und in denen 
Umlaute vorkommen, müssen die Vocale getrennt werden. Also Koenig, nicht König, 

Den Vornamen bleibt abweichend von der anglisierenden Tendenz, die im 
Kataloge deutlich wahrnehmbar ist, ihre nationale Form gewahrt. 

Hat ein Buch zwei Verfasser und ist auf dem Titelblatt nicht ersichtlich 
gemacht, von welchem der beiden Verfasser die einzelnen Theile des Buches her- 
rühren, werden die Namen beider Verfasser Ordnungswort. Der Name des zweiten 
Verfassers wird ausserdem Nebenordnungswort (supplementary heading), von dem 
ein Hinweis (cross-reference) auf das Hauptordnungswort (main-heading) leitet. 

Beispiel: 

Beaumont (Francis) and Fletcher (John) [nicht John Fletcher]. The 
Works of Francis Beaumont and John Fletcher. 

Hat ein Buch mehr als zwei Verfasser und geht aus dem Titelblatt nicht 
der Antheil der Verfasser an den verschiedenen Theilen des Buches hervor, dann 
wird stets nur der Name des erstgenannten Verfassers Ordnungswort, zu dem Hin- 
weise von den Namen der übrigen leiten. 

Beispiel: 

Scribe (Augustin Eugene). Marie Jobard par Scribe, Dupin et Carmouche. 

Ebenso wird von zwei Verfassern, deren Antheil an dem Buch specialisiert 
erscheint, nur der Name des erstgenannten Haupt-, der des zweiten Neben- 
ordnungswort. l 

Wird das Werk mehr als zweier Verfasser unter einem Gesammttitel ver- 
öflentlicht, so wird es unter den Namen des Herausgebers gestellt. Die Wahl des 
Ordnungswortes bei mehreren Herausgebern erfolgt nach denselben Grundsätzen, die 


—. 99  . 


bei den Verfassern angewendet werden (v. s.); ist kein Herausgeber genannt, wird 
das Buch als anonym behandelt. 

In der völlig gerechtfertigten Bestrebung, dem Erinnerungsvermoógen des Nach- 
schlagenden auf alle erdenkliche Weise zu Hilfe zu kommen, wird jedes Buch gleich- 
sam von der verschiedensten Richtungen aus in Angriff genommen. Es ist daher 
stricte Vorschrift, von den Namen der Herausgeber (auch bei nicht-anonymen Werken), 
der Uebersetzer, der Verfasser besprochener Bücher, der Verfasser von Vorreden, 
der Illustratoren, selbst der Schreiber umfangreicherer handschriftlicher Bemerkungen 
Hinweise anzufertigen. Auf diesen Hinweisen ist neben der Jahreszahl und dem 
Format derjenige Theil des Titeltextes anzuführen, der den Hinweis erklärlich macht. 
In diesem Verfahren ist unbestritten der grossartigste Vorzug des Kataloges gelegen. 

Der Einfachheit wegen werden Hinweise von Theilverfassern, Uebersetzern 
u. s. w., diein verschiedenen Ausgaben des Hauptwerkes wiederkehren, generalisiert. 

Beispiele : 

Fletcher (John) [For collected editions of the works of Beaumont and 
Fletcher, and for separate works in which their names appear as joint 
authors]: See Beaumont (Francis) and Fletcher (John). 

Shelton (Thomas) [For editions of Shelton's translation of Don Quixote] : 
See Cervantes Saavedra (M. de) [Don Quixote. — English. — Shelton's 
Translation]. 

Ausser diesen obligaten zibt es auch. facultative Hinweise (Discretionary 
Cross-References), die gemacht werden. wenn ein Buch unter seinem Titel und nicht 
unter seinem Verfasser bekannt ist. Dabei ist es gleichgiltig, ob dieser Titel correct 
oder incorrect gebraucht wird. 

Beispiel : 

Reliquiae Antiquae. See Wright (Thomas) and Halliwell, afterwards 
Halliwell-Philipps (J. O.). 

Ist der Name des Verfassers etc. in. verkürzter Form wiedergegeben (nicht 
etwa in Initialen), muss ein Hinweis auf die vollständige Namensform gemacht 
werden. 

Beispiel: 

Lut. (Mar.) See Luther (Martin). 

Alte Dissertationen und Thesen werden, abweichend von der Wiener 
Beschreibungsform, unter den Namen des Respendenten oder Defendenten gestellt, 
unter den des Praeses nur dann, wenn es ersichtlich ist, dass er der Verfasser ist. 
Dieses Verfahren ist umso schwerer zu rechtfertigen, als die Wiener Beschreibungs- 
form das Ergebnis eingehender und kritischer wissenschaftlicher Forschungen darstellt. 
Die allerdings obligaten Hinweise schaffen diesen unleugbaren Fehler nicht aus 
der Welt. 

Viel praktischer und logischer ist die Behandlung von Processacten: 
Civilrechtliche Documente werden unter den Namen des Klägers gestellt, vom Namen 
des Geklagten wird gewiesen. 'Strafrechtliche Acten werden unter den Namen des 
Angeklagten gestellt, ein vorzügliches Verfahren, das aber schon den Grenzen, die 
zwischen einem Autoren- und einem Realkataloge bestehen, nahekommt. 

Die Vorschriften über die Katalogisierung eines mit cinem Commentar ver- 
sehenen Buches sind ebenso schwankend wie bei uns. Im allgemeinen gilt die Regel. 
dass Commentare, die den Text des commentierten Werkes vollständig nnd in zu- 


éen ` "EE. ura 
saminenhiüngender Darstellung bringen, als Ausgaben des commentierten Werkes an- 
zoseben sind. Ist der Text unzusammenhängend oder unvollständig wiedergegeben, 
oder bildet er nur einen geringen Bruchtheil des (‘ommentars — eine etwas elastische 
Bestim mung —, dann wird das Werk unter den Namen des Commentators gestellt. 
Die Mängel dieser Bestimmung aber werden durch obligate Hinweise theilweise auf- 
zeloben , wodurch sich dieses Verfahren von dem Wiener Beschreibungsusus vor- 
theilhaft auszeichnet. 
Commentierte Parlamentsacte und Gesetzessammlungen werden unter allen 
Umständen nnter den Namen des Commentators gestellt. 
Die Vorschriften über die Beschreibung von Uebersetzungen sind wieder 
"ne Folge jenes dominierenden Grundsatzes, dass das in Frage kommende Buch 
allein das Material für seine Beschreibung liefert. Wenn der Verfasser des Original- 
Ferks auf dem Titelblatte genannt ist, dann ist auch die Uebersetzung unter den 
Namen des Originalautors zu stellen. In allen übrigen Fällen wird der Name des 
Ueber Setzers Hauptordnungswort, vom Verfasser des Originalwerks wird gewiesen. 
Ausgenommen von dieser Regel sind nur die sogenannten „anerkannten Classiker“ 
(recognized classics), ein Ausdruck, unter dem eine grosse Anzahl englischer und 
“ne kleine ausserenglischer Schriftsteller zusammengefasst werden. 
, Derselbe Grundsatz wird bei Kryptonomen befolgt, also wenn der Name des Autors 
Lo bea b sichtigter Unvollständigkeit auf dem Titel erscheint. Ein Werk, dessen 
Verfasser blos durch seine Vornamen ersichtlich gemacht ist, erhält diese Vornamen 
i Hau ptordnungswort. Der Familienname, von dem ein Hinweis gemacht wird. 
vrd in eckigen Klammern beigefügt. 
Beispiel: 
Charlotte. Elizabeth [Phelan. afterwards Tonna]. 
Ebenso erhalten Werke, deren Verfasser nur durch Initialen angedeutet 
sind, diese Initialen als Ordnungswort. Und zwar wird in der Regel der letzte Buch- 
ue Als Andeutung des Familiennamens aufgefasst und an die Spitze des Ordnungs- 
E gestellt. Die mitala werden im Tert: wiederholt und der EE Name 
o @rfassers wird in eckigen Klammern beigefügt. Vom Namen des Verfassers 
auf die Initialen gewiesen. 

Beispiele: 

E., A. L. O. Hours with Orientals. By A. L. O. E. [i. e. A Lady of Eng- 

gland, Miss Charlotte Tucker]. 

C., J. The Weaver's Pocket-book . . . By J[|ohn| C[ollinges]. 
Wenn aber typographische Verschiedenheiten anzeigen, dass der Familienname 
einen früheren Buchstaben dargestellt ist, wird dieser an die Spitze des 


Or 
d nu ngswortes gestellt. 


direh 


Beispiele (fingiert) : 
S., J. G. F. R. History of Ireland . . . By J[ames] Gļ|erald] F[rederick] 
R[obert] S[mith]. 
Dagegen : 
G., J. F. R. S. Studies on Butterflies . . . By J.G. F. R. S. [i. e. John 
Griffin, Fellow of the Royal Society.] 
| Sind keine typographischen Unterscheidungsmerkmale vorhanden, so wird ein- 
lach der letzte Buchstabe Beginn des Ordnungswortes. 


- DE 4 


Beispiel: 

M., D. L. C. D. Histoire de la Médeciue . . . par D[aniel] Le] C|lere|. 
D. M. (Doctor Medicinae). 

Wird auf dem Tittelblatt ein Werk fälschlich einem Verfasser zuge- 
schrieben, erhált es dennoch den Namen des angeblichen Autors als Ordnungswort. 
Der Name des wirklichen Verfassers wird in eckigen Klammern beigefügt. Bei den 
Werken des vermeintlichen Autors darf aber das Buch nur unter dem Untertitel 
,Angebliche Werke^ (Supposititious Works) oder „Appendix“ eingetragen werden. 


Anonyme Werke. 


Das Verfahren, das bei der Beschreibung anonym veröffentlichter Werke 
in Anwendung kommt, unterscheidet sich so grundsätzlich von dem Verfahren in 
deutschen Bibliotheken, dass dadurch der Katalog des Britischen Museums, der ja 
in seinen Grundlinien als alphabetischer Nominalkatalog gedacht ist, zum Theil 
ausserhalb der Grenzen und der Bedeutung eines solchen Kataloges gerückt wird. Es 
war wohl bei der vorläufigen Unmöglichkeit, einen Realkatalog zu schaffen, von An- 
fang an von der Leitung des Britischen Museums der Wunsch vorhanden gewesen, 
den Nominalkatalog so zu gestalten, dass der Mangel eines Sachkataloges nicht zu 
empfindlich fühlbar sein sollte. Aber es ist wohl nicht zu weit gegangen, wenn man 
behauptet, dass den eigentlichen Anlass, dem Autorenkatalog einige charakteristische 
Merkmale des Realkataloges zu verleihen, das schwierige Problem der Behandlung 
der anonymen Werke bildete. Hatten aber die Anonyme die Herausgeber des Kata- 
loges gewissermassen in die Zwangslage versetzt, die Grenzen des Nominalkataloges 
zu überschreiten, so war andererseits dadurch auch ein Präcedens geschaffen, das 
weitere Versuche, die Vorzüge des Autoren- und des Sachkataloges zu vereinen, recht- 
fertigen konnte. 

Eine mechanische Behandlung von Anonymen findet nur in drei 
Fállen statt : 

1. Wenn der Titel weder ein Substantiv enthält, noch ein von einem Eigennamen 
abgeleitetes Adjectiv, wenn ferner die Umschreibung des Verfassernamens weder einen Be- 
ruf, ein Amt, noch eine Stellung bezeichnet. In diesem Falle wird das erste Wort des Titels 
Ordnungswort, falls es kein Artikel ist. Das Ordnungswort wird im Text wiederholt. 

Beispiele : 

What. What are we going to fight for? This question considered, etc. 
Darlington [1878], 8°. 

How. How will it end. A novel. By the author of „Willy Morgan", 
London, 1878, 8°. 

2. Wenn das im Titel vorkommende Substantiv kein Eigenname ist und die 
im Falle 1 angeführten Bedingungen vorhanden sind. In diesem Falle wird das erste 
Substantiv. und nur dieses, Ordnungswort. Einleitende Collectivhezeichnungen wie 
„Buch“, „Libellus“, „Epitome“ etc. werden ausseracht gelassen. Das Ordnungswort 
wird im Text wiederholt. 

Beispiele: 

Book. A first Book on Algebra. London, 1837. 16°. 
Art. Le livre intitule l'art de hien mourir, ete, Paris, 1892, Fol. 

3. Wenn die Eigennamen, die im Titel vorkommen, nur eine Periode anzeigen, 
wenn ferner die Bedingungen zutreffen, die unter Fall 1 angeführt sind. 


Beispiel : ; 
History. A History of Painting from Fra Angelico to Velasquez. London, 
1806, 8?. 


In allen übrigen Fällen wird mit der mechanischen Beschreibung zu Gunsten 
einer Systematischen vollkommen gebrochen. Und zwar gelten folgende 
Regeln : 

1. Bücher, die über eine Person handeln, werden unter den Namen dieser 
Person gestellt, einerlei ob der angeführte Name wirklich ! oder apokryph ? ist. Das 
Üdnungswort wird immer wiederholt. 

Beispiele: 

!Spinoza (Benedietus de). An account of the life and writings of Spi- 
nosa, ete. London, 1720. 8°. 

2Sprat (Jack). The Life of Jack Sprat, his Wife an his Cat . . . London, 
[18107]. 32°. | 

2. Bücher, die eine Körperschaft betreffen, erhalten den Namen dieser Körper- 
schaft. als Ordnungswort. 


Beispiel: 
Spitalfields Weavers. Distresses of the Spitalficlds Weavers. [London, 
S 1792 2]. Fol. 


3. Bücher, welche von einem Institute handeln, erlalten als Hauptordnungs- 
So den Namen des Ortes, in dem sich dieses Institut befindet; der Name des In- 
stitutes wird Untertitel. 

Beispiel: 

London. — Calves-Head Club. Dialogue between a Dissenting Minister and 
the Calves-Head Club, etc, Dublin, 1721. Fol. 

4. Bücher. welche einen Ort betreflen oder ein Object, das mit einem Eigen- 
namen bezeichnet ist, erhalten den Namen des Ortes! oder des Objectes? als Ord- 
UIDES We ort. 

Beispiele: 

tLondon. — Statistics as to the religious condition of London, ete. London, 
1864. 8°. 
? Speranza, Yacht. — The Log of the Speranza“, 100 ton yawl . . . 
London, 1887. X°. 
eg e 5. Wenn ein Eigenname einen wichtigen Bestandtheil des Titels bildet, wird 
ta nungswort. 
Beispiel : 
Dickens (Charles). — Report of the dinner given to Charles Dickens 
in Boston. Boston, 1842. 8°. 
men Eine Ausnahme dieser Regeln tritt dann ein, wenn das Werk Antwort, Com- 
Ntar, Parodie, Dramatisierung u. s. w. eines im Titel genannten Werkes darstellt. 
= diesem Falle richtet sich das Ordnungswort nach dem zweiten Werke. 

Beispiel: 

Letter. — An answer to a Letter to a late noble commander of the 

British Forces ete. London, 1759. 8°. 
6. Enthält der Titel des Werkes einen zusammengesetzten Ausdruck, dessen 
tandtheil ein aus einem Eigennamen abgeleitetes Adjectiv ist, dann wird dieser 
Ausdruck in seiner natürlichen Reihenfolge Ordnungswort. Ist er in einer fremden 


4 


26 - 
ed 


Nprache, muss er ins Englische übersetzt werden.! Kann er zwanglos einem allge- 
meinen Begriff angegliedert werden, wird er Untertitel jenes allgemeinen Begriffes, 
das Ordnungswort wird.? Fachausdrücke, insbesonders Namen wissenschaftlicher 
Systeme, sind unzulässig. ? 


!'French Ceremonial. — Projet du nouveau eerémonial francais. 
Paris, 1746. 4°. 

"France. — Army. — L'armee francaise et ses drapeaux. Paris, 1852, 12°. 

*Doctrine. — "The Doctrine of the sphere, grounded on the motion of 
the earth and the antient Pythagorean or Copernican system. London. 
1680. 4". 


Dass diese sachliche Methode in der Beschreibung der Anonyme vor der 
mechanischen grosse Vorzüge voraus hat, kann wohl kaum zeleugnet werden. Es 
werden durch diese Behandlung zwei wichtige Vortheile erzielt. Erstens wird dem 
Gedächtnis des Nachschlagenden durch die Hervorhebung des systematisch prä- 
cisierten, des logischen Momentes wirksam zu Hilfe gekommen, und zweitens setzt 
diese Methode den katalogisierenden. Beamten iu die Lage, unter einem und dem- 
selben Ordnungsworte, das dadurch fast zum Schlagworte wird, die betreffende 
einschlägige Literatur zu vereinigen. Andererseits kann allerdings nicht geleurnet 
werden, dass in den Vorschriften für die Beschreibung der Anonyme nicht immer 
mit der nóthigen Klarheit vorgegangen wurde, und. dass die Greuzlinien zwischen den 
einzeluen bestimmten Vorsehritten unterworfenen Beschreibungszebieten oft ineinander 
fliessen. Wenn man. um nur ein Beispiel herauszugreifen, die Ausnahme zur 
Regel 9 und die Regel 6 nebeneinanderhält, so ist man ebenso geneigt, das Werk 
„Letter to a Commander of the British Forces“ unter „Letter* wie unter „British 
Forces“ zu suchen. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Erfahrung den Beamten 
des Britischen Museums eine grosse Sicherheit in der Abgrenzung und Differenzierung 
der einzelnen Anonymengruppen verschafft. Aber es ist nieht in der gleichen Weise 
gerechtfertigt, wenn man auch dem Benützer des Kataloges zumuthet, sich allmählich 
diese präcise Sicherheit zu erwerben. Gerade in dem bescheidenen Masse von Vor- 
aussetzungen, die der Katalog des British Museum an den Benützer stellt, liegt ja 
einer der Hauptvorzüge dieses Katalores. Aber man vermisst diesen rühmlichen Grund- 
satz an dieser Stelle bis zu einem gewissen Grade. 

Warum die Bezeichnungen wissenschaftlicher Systeme nicht Ordnungswörter 
werden können, ist. schlechterdings nicht einzusehen. Nach der systematischen Me- 
thode des Britischen Museums zu schliessen, wird jeder Benützer das oben unter 3 
angeführte Buch nicht unter „Doctrine“, sondern unter „Pythagorean System“ suchen. 

Ziemlich souveräne Vorschriften bestehen auch bei der Beschreibung derjenigen 
Anonyme, deren Verfasser durch Umschreibungen auf dem Titelblatte vermerkt 
sind. Vollkommen logisch und verständlich ist die Rezel, die eine individuell um- 
grenzte Autorenumschreibung nicht zu den Anonymen rechnet. 

Beispiel: 

Sharp (John), Archbishop of York. — The B—p of York's Speech to 
the House of Lords, relating to Dr. Sacheverel s Articles of Impeach- 
ment. London, 1710. Fol. 

Dagegen ist der Werth derjenigen Vorschriften, die sich. mit der Behandlung 
von allgemein umschriebenen Autorenbezeichnungen befassen, etwas problematisch. 
Die Regel lautet: Wenn ein Verfasser sich hinter die Angabe seines Standes, seines 


Di 
Berufes, seiner politischen, confessionellen oder socialen Zugehörigkeit verbirgt. so 
wird diese Bezeichnung als Name aufgefasst und wird Ordnungswort. Fügt er aber 
dieser allgemeinen Bezeichnung eine locale oder regionale Individualisieranz hinzu, 
dann wird diese das Ordnungswort. So erhält ein Buch „Die Gehaltsregulierung det 
österreichischen Beamten“, wenn sein Verfasser sich mit der Umschreibung „Von 
einem Amanuensis” bezeichnet, als Ordnungswort „Amanuensis”. Zeichnet er sich 
aber „Von einem Wiener Amaunensis“, dann wird das Buch unter Austria” gestellt 
mit dem Untertitel „Vienna“. Man sieht, das Bestreben dem Kataloge die Vorzüge 
eines systematischen Kataloges zu geben, führt hier zu Grundsätzen, an denen auf 
Kosten der Eintachheit und der Klarheit festgehalten wird. 

Allen diesen Unklarheiten und etwas gezwungzenen Massregeln wäre jede 
schädliche Wirkung genommen gewesen, wenn man sich entschlossen hätte, zu den 
grossen Arbeiten, die dieser Katalog gekostet hat, noch eine kleine Arbeit hinzu- 
zufügen: nämlich alle anonymen Schriften nicht nur systematisch, sondern auch 
mechanisch zu behandeln. Dann wire auch der Grandsatz, den wir sonst an diesem 
Kataloge so vortheilhaft beobachten können, nämlich der Grundsatz, dem Beniitzer 
möglichst viele Anhaltspunkte für die Auftindung des Gesuchten zu bieten, bis in 
seine letzten C'onsequenzen verfolgt worden. 

Ist der Autor eines anonymen Werkes bekannt, so kommt sein Name in 
eckigen Klammern in den Text, und auf das anonyme Ordnungswort wird gewiesen. 

Ich habe schon erwähnt, dass durch die systematische Behaudlung der ano- 
nymen Werke ein Prücedens geschaffen. wurde. Man blieb also bei der Methode, die 
bei Anonymen angewendet wurde, nicht stehen: Man hat dieselben Gesichtspuukte 
auch bei nichtanonymen Werken zur Geltung gebracht, wenn ein Eigenname 
einen wesentlichen Bestandtheil des Titels bildet. So erhält das Werk „Oliver Crom- 
well by John Morley" als Hauptordnangswort „Morley (John)“, als Nebenordnungs- 
wort. Cromwell (Oliver)“, das Werk „Das deutsche Heer von Hugo Marschall” als 
Hauptordnungswort „Marschall (Huzo)*, als Nebenordnungswort „Germany.-Army*. 
bass durch dieses Verfahren der Umfang, die Arbeit und der Werth des Kataloges 
ins Grossartige gesteigert werden, dass der Katalog über die (Grenzen, die einen 
Nominalkatalog beschränken, weit hinausgelioben wird, bedarf wohl kaum einer 
ausdrücklichen Hervorhebung. Auch ist es fast überflüssig zu bemerken, dass 
dieselbe Vorschrift auch bei der Behandlung von Werken in Anwendung kommt, 
deren Verfasser sich durch Initialen verbergen. Man beschreibt solche Werke 
ausser in der früher erwähnten Form überdies auch so, als seien die Initialen nicht 


vorhanden. 
Beispiel: 
Shadows. — Shadows of Slum Life. By E. M. M. 1889, 8°. See M. 
E. M. 


In weiterer Folge dieses Grundsatzes, der den Nominalkatalog der Bedeutung 
eines systematischen Kataloges nahe bringen will, werden Gesetzessammlungen 
und andere officielle Documente unter den Namen des Staates, den sie betreffen, 
gestellt. Specialgesetze, Proclamationen, Verordnuugen u.s. w. erhalten den Namen 
des betreffenden Staates als Ordnungswort, die nähere Bezeiehnung des Institutes, 
das sie herausgibt, als Untertitel. 

Ausserdem wurden zum Zweck der übersichtlichen Zusammenstellung einzelner 
umfangreicher Complexe wesensverwandter oder der Form nach zleichgearteter Bücher 


4* 


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J- 


elf Literaturgrnppen geschaffen, deren Bezeichnungen für die diesen Classen 
unterzuordnenden Werke unbedingt als Hauptordnungswort zu gelten haben. Die 
meisten dieser Hauptgruppen zerfallen in Unterabtheilungen. Der Eintheilnngszrund 
richtet sich nach der Natur der betreffenden Büchergruppen. Wo keine Unterab- 
theilungen geschaffen wurden, erfolgt die Eintragung in der natürlichen Reihenfolge 
des Titels — der Artikel wird nicht berücksichtigt — streng alphabetisch. 

1. Gruppe: „Bible“. Sie umfasst sämmtliche Bibelwerke, Ausgaben des Alten 
und des Neuen Testaments oder einzelne Bücher beider Testamente. Die Eintheilune 
des Stoftes erfolgt nach systematischen, innerhalb dieser nach sprachlichen, innerhalb 
dieser nach chronologischen Gesichtspunkten. Anonym veröffentlichte Commentare 
kommen in den Appendix. 

2. Gruppe: ,Academies?, Sie enthält sämmtliche Schriften, die von einer 
selehrten Körperschaft herausgegeben werden. Die Eintheilung erfolgt nach alphabe- 
tisch geordneten Ortsnamen, innerhalb dieser alphabetisch nach den Körperschaften, 
innerhalb dieser systematisch. innerhalb dieser alphabetisch. Der Ausdruck ,gelehrte 
Körperschaft“ (Learned Society) ist etwas eng gefasst und kann zu Missdeutungen 
Anlass geben. Die Schritten aller übrigen nicht gelehrten Gesellschaften erhalten als 
Ordnungswort den Namen des Ortes, an dem diese Gesellschaft ihren Sitz hat. mit 
dem Namen der Gesellschaft als Untertitel. 

3. Gruppe: „Periodical Publications“. Sie umfasst sämmtliche Zeit- 
schriften und ausländische Zeitungen. die nach dem Orte ihres Erscheinens alpha- 
betisch geordnet sind. 

4. Gruppe: „Ephemerides“. Sie enthält sämmtliche Almanache, Kalender 
ete. Mit Ausnahme der unbetitelten Werke, die chronologisch geordnet sind, ist die 
Anordnung streng alphabetisch. ohne Berücksichtigung des Verlagsortes. 

5. Gruppe: .Catalogues^. Sie enthält sànmtliche anonym veróflentliehten 
Kataloge, auf deren Titelblatt weder ein Institut noch ein Besitzer genannt sind. 
Die Eintragung erfolgt nach chronologischen Gesichtspunkten. 

6. Gruppe: „Dietionaries“. Sie enthält sämmtliche alphabetische, lingui- 
stische und fachliche Nachschlagebücher, nach systematischen und innerhalb derselben 
nach sprachlichen Gesichtspunkten geordnet. 

T. Gruppe: „Encyclopaedias“. Sie umfasst sànmtliche alle Wissensgebiete 
umfassenden Nachschlagewerke in alphabetischer Reihenfolge. 

8. Gruppe: „Directories“. Sie umfasst sämintliche Adressbücher, Rang- 
listen, Schematismen u. s. w. 

9. Gruppe: „Liturgies“. Sie enthält sämmtliche Schriften, die zum Ge- 
brauche bei gottesdienstliehen Handlungen bestimmt sind, wie Missale, Breviarien, 
Horen, Gebetbücher, Agenden u. s. w. 

10. Gruppe: -Psalms and Hymns“. Xie umfasst sànmtliehe anonyme geist- 
liche Liedersammlungen, ebenso metrische Uebersetzungen und Paraphrasen der 
Psalmen u. s. w. 

ll. Gruppe: „Jesus Christ“. — De Imitatione Christi. Sie umfasst 
simmtliche Ausgaben der „Nachfolger Christi“, ob sie auf Thomas von Kempen 
zurückgehen oder nicht. 

Der unleugbar grosse Wert dieser systematischen Zusammenstellungen duldet 
wohl keine Anzweiflung. Auffallend ist vielleicht der unausgesetzte Wechsel in der 
Methode der Anordnung, auch dort, wo er kaum begründet ist, wie bei den „Ephe- 


merides^ und ,Catalogues*, autfallend mag auch die Wahl der Gruppen und ihre 
numerische Beschränkung sein. Beide Momente aber sind eine Folge des Umstandes, 
dass die Schöpfung dieser Gruppen nicht von Anfang an feststand, sondern in ihrer 
Mehrheit ein Ergebnis von Erwägungen war, die erst während der fortschreitenden 
Bildung des Kataloges an die Herausgeber herantraten. Die Anzahl dieser herans- 
gehobenen Gruppen ist wahrscheinlich anch heute noch nicht abgeschlossen. Die 
Gruppen 8—11 fehlen in der vorliegenden Ausgabe des Kataloges, sie werden erst 
jetzt berücksichtigt und werden erst in einer neuen Auflage des gedruckten Kata- 
loges erscheinen. 

Wie sonst, gilt auch hier die Vorschrift, dass die diesen elf Literaturgruppen 
zuzuweisenlen Werke auch individuell beschrieben werden, und dass ihre ein- 
zelnen Ordnungswörter durch Hinweise mit dem Schlagwort der betreffenden Gruppe, 
das unter allen Umständen Hauptordnungswort wird, verbunden werden müssen. 


Beispiele: 
British Museum. See Academies. — London. 
George Heriot's Hospital, See Edinburgh. —- George lleriot's 
Hospital. 
Acta Eruditorum. See Periodical Publications. — Leipsic. 


Il. Die Beschreibung. 


Die Beschreibung der Bücher im Britischen Museum unterscheidet sich nur 
unwesentlich von der bei uns üblichen. Sie besteht einfach in einer wortgetreuen 
Abschrift des Titels. Eine jeden Zweifel an der Identität des Buches ausschliessende 
Ausführlichkeit in der Wiedergabe des Titels ist unerlässlich. Reicht der Wort- 
laut des Titels nicht aus, um die Identität des Buches sicherzustellen, dann sind 
Ergänzungen vorgeschrieben. Liefert das Buch selbst diese Ergänzungen, dann er- 
scheinen sie zwischen runden Klammern in der Beschreibung, fügt sie der Beamte 
in seinen eigenen Worten hinzu, dann sind eckige Klammern vorgeschrieben. Vom 
Beamten absichtlich verursachte Lücken werden durch drei Punkte im Texte, durch 
ein „etc.“ am Ende bezeichnet. Bei titellosen Incunabeln wird der Anfang der Be- 
schreibung durch die Abkürzung ,Begin.^ (Beginning), das Ende durch ,End* an- 
gezeigt. Das Ordnungswort wird im Text in allen Füllen wiederholt, in denen Rück- 
sichten auf die Klarheit des Falles es verlangen. Bei Büchern mit mehr als einem 
Titelblatt richtet sich die Titelcopie nach dem allgemeineren Titel. Enthült ein Werk, 
das einen Collectivtitel besitzt, mehrere Schriften von demselben Verfasser, den der 
Collectivtitel anzeigt, so bleiben diese Schriften auch dann unberiicksiehtigt, wenn 
sie unter besonderen Titeln stehen. Doch wird das Vorhandensein mehrerer Titel 
vermerkt. 

Ist ein englisches Buch in gothischen Lettern gedruckt, so hat am Schluss 
der Beschreibung das bemerkt zu werden, und zwar durch die Abkürzung B. L. 
(Black Letter). Unter „englischen Büchern“ werden alle in englischer Sprache und 
alle auf englischem Boden gedruckten Bücher verstanden. Ist ein ausländisches Werk 
in gothischen Lettern gedruckt, so hat der Vermerk G. L. (Gothic Letter) an den 
Schluss der Beschreibung zu kommen. Bei Büchern, welche in deutscher, hollän- 
discher oder in einer skandinavischen Sprache gedruckt sind, hat dieser Vermerk 
zu unterbleiben, Beide Ausdrücke, Black Letter und Gothic Letter, bedeuten das- 
selbe: den Buchstaben der Mönchshandschriften, der in der Mitte des 14. Jahrhunderts 


zi sS. use 


zum erstenmal gebraucht wird, von den Druckern als Lettertype aufgenommen 
wurde und sich in England noch bis ins 16. Jahrhundert hinein erhalten hat. 

Ebenso wie Besonderheiten des Druckes müssen auch Eigenthümlichkeiten 
des Papiers ausdrücklich bemerkt werden; so, ob das Buch auf Velinpapier (vellum, 
d. i. feines, pergamentartiges, aus Kalbsleder hergestelltes Papier) oder — falls eine 
Ausgabe des Buches in dünnem und gewöhnlichem Papier existiert — ob es ant 
dickem und geschópftem Papier gedruckt ist. In jenem Falle muss der Vermerk 
L. P. (Large Paper), in diesem der Vermerk F. P. (Fine Paper) der Beschreibung 
hinzugefügt werden. 

Sind nur gelegentliche handschriftliche Bemerkungen im Buche enthalten. 
muss dies durch die Worte „Few MS. Notes“, sind sie zahlreich, durch die Worte 
„Copious MS. Notes“ bemerkt werdeu. Ist der Name des Schreibers bekannt, muss 
er in eckigen Klammern diesem Vermerk beigefügt werden. Dass er in diesem Falle 
gewiesen wird, habe ich bereits erwähnt. 


Ill. Die Merkmale der Auflage. 


Die Reihenfolge, in der die Merkmale der Auflage verzeichnet werden, ist 
die folgende: 1. Verleger, bezw. Drucker, 2. Ort, 3. Jahr. Die Angaben des Ortes 
und des Jahres sind bei allen Büchern unerlässlich, die Angabe des Verlegers jedoch 
nur bei allen englischen Büchern, bei ausländischen Büchern nur vor 1600. Der 
Name des Druckers ist allen englischen Büchern vor 1640, allen ausländischen 
Werken vor 1540 beizufügen. In allen anderen Fällen sind diese Angaben der Ent- 
schtidang des Beamten überlassen. Eine nähere Bezeichnung des Datums ist nur 
nöthig, wenn verschiedene Auflagen eines Jahres unterschieden werden sollen. oder 
bei Büchern in der vorgregorianischen Kaleuderzeit, sofern der Beginn des Jahres 
zwelfelhaft sein kann, oder wenn ein historisches Interesse es wünschenswert er- 
scheinen lässt. 


IV. Das Format. 


Die Bestimmung des Formates richtet sich bei alten Drucken nach der Lage 
des Formstreifens (wiremark). die bei Folio und Octav vertical, bei Quart und 
Sedez horizontal war. Bei neueren Werken erfolgt sie nach der Angabe der 
Signatur. 


V. Die Anmerkungen. 


Besondere Eigenheiten des Exemplars, das zur Beschreibung kommt, sind in 
Fussnoten anzuführen. Diese Fussnoten sind in folgenden Fällen unerlässlich: 
1. Wenn das Buch unvollständig ist; fehlen nur leere Blätter (blank leaves), gilt 
das Buch nicht als unvollständig, aber dieser Mangel ist anzugeben. 2. Wenn das 
Buch irrthümlich gebundene oder umgedruckte Blätter (cancelled leaves) enthält. 
3. Bei besonderen Eigenthümlichkeiten in der Anordnung des Stoffes, durch die es 
sich von anderen Exemplaren derselben Auflage unterscheidet. 4. Wenn das Buch einer 
nur aus höchstens 100 Exemplaren bestehenden Auflage angehört. 5. Wenn es auf 
ungewöhnlichem Material gedruckt ist. 6. Wenn sein früherer Besitzer eine hervor- 
razende Persönlichkeit war; insbesondere aber ist das Vorhandensein von Autographen, 
Exlibris und Bücherzeichen zu bemerken. 7. Wenn das Buch einen auffallenden oder 
besonders schönen Einband besitzt. 


— 38l 24 


Ich habe mich ziemlich lange bei diesen bibliographischen Detailarbeiten 
aufgehalten. Aber es liegt mir daran, bei der Besprechung der grossen Vorzüge 
dieses Kataloges darauf aufmerksam zu machen, dass die Beamten des Britischen 
Museums sich nicht damit begnügten, den Bestand ihrer Bibliothek nach praktischen 
und wissenschaftlichen Gesichtspunkten zu ordnen. Sie haben daneben auch nicht 
die Mühe geschent, die — ich möchte sagen — intimeren Eigenschaften der kata- 
logisierten Bücher mit Sorgfalt und Liebe aufzudecken. Es ist wohl erlaubt, aus 
solchen minutiósen Bestimmungen auf das nicht nur wissenschaftliche und sachliche, 
sondern auch fast persönliche Verhältnis zu schliessen, das die Bramten dieses 
grossartigen Institutes mit ihrer Bibliothek verbindet. Solche Beziehungen aber 
vermögen zahlreiche Vorzüge in der Verwaltung und Pflege des Bücherbestandes zu 
erkliren. Jedes Buch stellt einen individuell umgrenzten Besitz dar. So ist es 
z. B. ganz ausgeschlossen, Doubletten auszuscheiden, wenn sie nicht nach jeder 
Richtung hin als wertlos anzusehen sind. Sie werden dem ersten Exemplar un- 
mittelbar nachgestellt und erhalten statt des Ordnungswortes den Vermerk: Ein an- 
deres Exemplar [Another Copy]. Spätere Abdrücke desselben Satzes erhalten den 
Vermerk: Eine Neuausgabe |A reissue]. 


VI. Anordnung. 


Was die Anordnung der einzelnen zu einem gemeinsamen Ordnungswort ge- 
hórenden Eintragungen betrifft, so ist sie in der Regel alphabetisch. Und zwar er- 
folrt die Anfzählung in der Weise, dass zuerst die Hinweise in der alphabetischen 
Reihenfolge der Ordnungswörter eingetragen werden. Die Anordnung der “übrigen 
Eintragungen geht in der natürlichen, grammatischen Wortfolge vor sich. Die Wahl 
dieser für unsere Begriffe etwas zu mechanischen Methode mag zum Theil dadurch 
erklärt werden, dass in der englischen Sprache adjectivische Bestimmungen — und 
diese leiten ja in den meisten Fällen einen Titel ein — mit dem Substantiv einen viel 
innigeren Begriff bilden als in den meisten anderen Sprachen. Der Artikel wird ignoriert. 

Der Complex von Schriften, der unter der Bezeichnung von Collectivbegriffen 
eder den Namen von Autoren, die activ oder passiv eine besonders umfangreiche 
Literatur hervorgerufen haben, eingetragen ist, wird je nach der Natur des Ordnungs- 
wortes in mehr oder minder zahlreiche Haupt- und Unterabtheilungen gegliedert. 
Der Eintheilungsgrund richtet sich vóllig nach der Natur des Ordnungswortes. Die 
Reihenfolge der einzelnen Eintragungen in der kleinsten Unterabtheilung erfolgt in 
der Regel nach chronologischen Gesichtspunkten. Der Wert dieser im allgemeinen 
sehr übersichtlichen (iliederungen wird durch einen, gelegentlich auch einen zwei- 
fachen Index erhöht. Bei der Reichhaltigkeit des Literaturbestandes im Britischen 
Museum gewinnen solche Collectiveintragungen den Wert wissenschaftlich geordneter 
und erschópfender Bibliographien. 

Damit glaube ich die Beschreibungs-Vorschriften, die dem Kataloge des Briti- 
schen Museums zugrunde liegen, in ihren Hauptzügen dargelegt zu haben. Manche 
Einzelheiten mögen vielleicht noch einer Ergänzung bedürfen oder vermisst worden 
sein. Aber der knappe Raum mahnte zur Beschränkung; und überdies habe ich 
alle die Vorschriften, die sich mit jenen der Wiener Instruction decken, nicht aus- 
«lrücklich erwähnen zu müssen geglaubt. Ich möchte am Schluss dieser Ausführungen 
noch die fünf leitenden Grundsätze des Kataloges kurz hervorheben. Der vornehmste 
und zuerst in die Augen springende Grundsatz, der die Herausgeber leitete, ist eine 


E uos 


Folge der Erwägung, dass das Werk der Katalog einer englischen und wesentlich 
für Engländer geschaffenen Bibliothek ist: das nationale Moment. Der zweite 
Grundsatz besteht in der principiellen Abneigung vor einer mechanischen Behandlung 
des Stoffes. Eine Ausnahme bildet nur der Modus der Literaturanordnung, den ich 
oben ziemlich unzureichend zu erklären versucht habe: das logische Moment. 
Ein dritter Gesichtspunkt ergibt sich aus der Thatsache, dass die Wahl eines 
Ördnungswortes fast ausschliesslich aus dem Material gewonnen wird, welches das 
zur Behandlung gelangende Werk selbst darbietet: Das individualisierende 
Moment. Der vierte Grundsatz ist daraus zu folgern, dass der Mangel einer Ver- 
trautheit des Nachschlagenden mit dem gesuchten Buche als natürliche Voraussetzung 
gilt, dass daher das Erinnerungsvermögen des Benützers durch zahlreiche Hinweise 
unterstützt wird: das instruierende Moment. Der fünfte Grundsatz kann aus 
dem deutlich sichtbaren Bestreben abgeleitet werden, gewisse Vortheile eines syste- 
matischen Realkataloges auch im alphabetischen Nominalkataloge zu berücksichtigen: 
das systematische Moment. Man wird ohne Zögern alle diese Grundsätze lobens- 
wert oder wenigstens begreitlich finden. 

Allerdings wird jeder, der den Katalog des Britischen Museums öfter zu Rathe 
gezogen hat, gefunden haben, dass die thatsächliche Ausführung hinter dem Ideal, 
das seinen Herausgebern vorschwebte, in manchen Stücken zurückgeblieben ist. 
Aber nur der, den sein Gewissen von jeder bibliothekarischen Begehungs- und 
Unterlassungssünde freispricht, ist berechtigt, den berühmten ersten Stein zum Wurte 
zu erheben. Bedenkt man ferner, welch ein ungeheures Material von einer kaum 
zureichenden Anzahl von Beamten bewältigt werden musste, so wird man trotz 
dieser Mängel mit seiner Bewunderung vor der geleisteten Arbeit nicht zurückhalten. 
Manche der unleugbaren Uebelstände — die Engländer besitzen für diese das aus- 
gezeichnete Wort „shortcomings“ — lassen sich auch leicht daraus erklären, dass 
zwischen dem Beginn und dem Abschluss des Kataloges ein Zeitraum von zwanzig 
Jahren liegt, in dem oft umwälzende Aenderungen in der Beschreibung eingetreten 
sind. Wie das grossartige Werk heute vorliegt, kann man es wohl ais einen Mark- 
stein in der Geschichte der Katalogskunde bezeichnen. Als ein mit Scharfsinn er- 
dachtes, mit Sorgfalt und Mühe gearbeitetes Verzeichnis einer der gewaltigsten Bücher- 
sammlungen, welche die Weltgeschichte kennt, weist es ermunternd und warnend 
auf die Bahnen, welche die wissenschaftliche Katalogskunde in Zukunft einzuschlagen 
hat. Kurz ausgedrückt, wie man's machen und wie man's nicht machen soll. Ich 
glaube aber, der positive Werth überragt den negativen um ein betrüchtliches Stück. 

Ich sehliesse meine ungebürlich langen Ausführungen, indem ich an einem 
fingierten Beispiel den Hauptvorzug des Kataloges des Britischen Museums noch 
einmal hervorhebe. 

Der Kaufmann von Venedig. Von Shakespeare. Uebersetzt von Schlegel. 
Bearbeitet von Dingelstedt, lllustriert von Gilbert. Die Vorrede gezeichnet von Koch. 
Eine literarhistorische Einleitung von Wülker über Marlowe's ,Juden von Malta* 
und Nachrichten über das Leben Richard Burbadges von Lee.  Handschriftliche 
Marginalien von Schipper. 

Von diesem Werke würde nach der Wiener Instruction eine einzige Titel- 
copie hergestellt werden. Im Kataloge des Britischen Museums würden ein Haupt- 
titel und nicht weniger als zehn Hinweise angefertigt werden. Ich glaube die Vor- 
Züge des englischen Kataloges nicht besser kennzeichnen zu können. 


E 


Nachtrag zum Adressbuch der Bibliotheken der 
österreichisch-ungarischen Monarchie. 


Von Dr. H. Bohatta und Dr. M. Holzmann. 
Im Nachstehenden bringen wir einige Auskünfte über Bibliotheken, die theils 
verspätet einliefen, theils auf Grund eines neuerlichen Ersuchens uns zukamen, in 


der sicherlich begründeten Erwägung, dass diese Fachzeitschrift der geeignetste Weg 
sei, sie auch in die Hände der Abnehmer unseres Adressbuches gelangen zu lassen. 


L Oesterreich. 


Czernowitz. 
Handels- und Gewerbekammer, Elisabethplatz 1. .— 2223 Werke in 
5960 Bánden. —  Jahresdotation ca. 800 A. — Vorstand: Dr. Hubert Wiglitzky, 


Secretär; Bibliothekar: Wilhelm Nossek, Kanzleiaspirant. -- Ein alphabetischer und 
ein Materienkatalog. An Wochentagen von 8—3 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 
9--12 Uhr für Kammermitglieder und Beamte benützbar. — Entlehnung an ver- 
trauenswürdige Personen. — Gegründet 1892. — Fach- und Hilfswissenschaften. 


Graz. 


Steiermärkisches Landesarchiv. — Ca. 1000--1500 Bände, 1400 Stück 
Handschriften aus dem 12.--19. Jahrhundert. — Ankäufe aus der allgemeinen Dotation 
des Archivs. - Standort- und Schlagwortkatalog für Druckschriften, Standortkatalog, 
Zettel-, Band- und gedruckter Katalog für Handschriften. - Als Amtsbibliothek 
nur in Ausnahmsfällen auch für das Publicum, Handschriften unter den gewöhnlichen 
Archivbedingungen von 9—2 Uhr benützbar. — Nach denselben Bestimmungen auch 
Versendung, von der die Bücher ausgeschlossen sind. - - Gegründet zugleich mit dem 
Archive 1811. - - Hilfsliteratur für Urkunden- und Actenbearbeitung, Paläographica, 
Historico-Styriaca, Vereins- und Akademiewerke der Nachbarlande. 

Bischoff, F., Rechtshandschriften im steiermärkischen Landesarchive. In: 
Beitr. f. Kunde steir. Geschichtsquellen. VI. 1869. — Katalog der Handschriften. 
Für das Archiv bearbeitet von J. von Zahn, für die Herausgabe von Anton Mell. Graz 
und Leipzig 1898. i 

Steiermärkischer Musik-Verein, Griesgasse 29. — 2485 Werke, Partituren 
und Stimmen, hanptsächlich für Orchester. - - Jahresdotation je nach Bedarf (ca. 200 fl.) 
-- Archivar: Obergerichtsrath Dr. Josef R. v. Scheuchenstuel; Archivar-Stellvertreter: 


artistischer Director E. W. Degner; ein Diener. - - Vier handschriftliche Kataloge 
nach den Namen der Componisten und nach den Namen der Werke. -- Entlehnungen 
nur an Vereinsmitglieder. - Versendungen nur ausnahmsweise. Gegründet zu- 


gleich mit dem Vereine im Jahre 1815, und bereichert durch zwei größere Schen- 
kungen, von denen die erstere mit 500 Werken Se. Majestát Kaiser Franz Josef I., 
die andere (mit 600 Werken) Baron Lannoy spendete. -- Musikwissenschatten. 
Staatsbeamten- Casino, Burggasse 9. — Ueber 1300 Bände, 62 Zeit- 
schriften. -— Jahresdotation (ohne Buchbinder) 300 H. - - Bibliothekar: Julius 
Weille, k. k. Rechnungsolficial; Bibliothekar-Stellvertreter: Hermann Scholze, k. k. 
Rechnungsofficial: eiu Vereinsdiener. - Ein chronolog. handschriftlicher Band- und 
Zettelkatalog, überdies ein gedruckter Katalog. — Wöchentlich zwei Stunden benütz- 


xr dr mc 


bar. - - Entlehnungen nur an Mitglieder. -- Ebenso Versendungen. — Die Bibliothek 
wurde vom Staatsbeamten-Casino gegründet und durch Geschenke erweitert. — 
Belletristik und illustrierte Zeitungen. 

Bücherei-Verzeichnis des Staatsbeamten-Casino in Graz. 1896 und Nachtrag I. 
(Eine Nauauflage des Kataloges in Vorbereitung.) 


Kirchberg a. d. Pielach (Niederósterreich). 


Katholischer Bücherverein. — 822 Bände. — Vorstand: Johann Hiebl. 
Cooperator. — Inventar. — Jederzeit benützbar. -— Entlehnung für Arme unentgeltlich, 
sonst für Mitglieder (Beitrag 60 A — 1 A). — Gegründet 1895. — Unterhaltungs- 


und Bildungsschriften. 


Koenigsfeld (Mähren). 


Deutsche Volksbiicherei. — 3619 Bände. — Jahresdotation 100— 150 fl. 
--- Bibliothekar Rudolf Maurer. — Gedruckte Kataloge. — Benützung jeden Freitax 
4—6 Uhr unentgeltlich. — Ebenso Entlehnungen (Entlehnungsdauer 14 Tage, nicht 
mehr als 5 Bände). — Ebenso Versendungen. —— Gegründet im März 1887. Gründer: 


Dr. Fritz Wenzlitzke, Victor Holtschl, Rudolf Maurer. — Naturwissenschaften, Erd- 
kunde, Geschichte, Pädagogik, Industrie, Handel und Gewerbe, insbesondere Belletristik. 


Littau (Mähren). 


Verein zur Gründung und Erhaltung einer deutschen Volksbibliothek. 


— 2373 Bände. -- Jalhresdotation aus den Mitgliederbeiträgen: 200--240 A. - - 
Obmann: Eduard Bürgl. Bücherwarte: Lehrer Rudolf Ried! und Bürgerschullehrer 
Norbert Staberci. —- Autorenkatalog. - — Entlehnung jeden Sonntag von 1—2 Uhr 
an Mitglieder gegen Monatsbeitrag von 20 /., an Fremde gegen Leihgebür von 2 h 
per Band, an Arme unentgeltlich. -- Keine Versendung. -- Gegründet 1584 zur 


Hebung des Deutschthums, durch Spenden des Landtagsabgeordneten Dr. Bruno 
Steinbrecher und der früheren Sparcassadirection vermehrt. — Populärwissenschaften. 


Niederkappel (Oberösterreich). 
Pfarrbibliothek. Gegründet anlässlich des SOjährigen Regierungsjubiläums 
Sr. Majestät (1898). -- 150 Bände. — Bibliothekar: Pfarrer Johann Sigl. -- Band- 
katalog. .. Entlehnungen unentgeltlich jederzeit. - Belletristik, Erbauungsliteratur, 
Pädagogik, Geschichte, Socialpolitik u. 8. w. 


Prag. 

Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur 
in Böhmen, Prag, I., Hussgasse 20 (Palais Clam-Gallas). --— 900 Werke. — Jahres- 
dotation ca. 150 fl. (überdies zahlreiche Geschenke und Publicationen gelehrter (ie- 
sellschaften im Austausch). - Vorstand Univ.-Prof. Dr. Friedrich Freiherr v. Wieser; 
Oberaufsicht über die Bibliothek führt d Z. Univ.-Prof. Dr. Adolf Hautfen; die noth- 
wendigen Arbeiten werden von Fall zu Fall durch einen Berufsbibliothekar besorgt. 


Inventar und Zettelkatalog. — Benützbar nur für Mitglieder. -— Gegründet 
i. J. 1891. - Vorhanden sind ausser Publicationen gelehrter Gesellschaften haupt- 


sächlich sämmtliche Diehtungen und schönwissenschaftliche Werke deutsch-böhmischer 
Dichter und Schriftsteller. 

Amtsbibliothek der k. k. böhmischen Statthalterei. — (Ende Juni 1900) 
2358 Werke in 8037 Bänden. — Leiter: Dr. Carl Eysselt Edler von Klimpely. — 


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Gesetzsammlungen, Gesetzgebende Rórperschatten, Verwaltungsrecht, Civil- und Straf- 
recht, Volkswirthschaft, Schule, Finanzwesen, Statistik, Geschichte und Geographie, 
Politische Verwaltung. 

Katalog über die in der Amtsbibliothek der k. k. böhmischen Statthalterei be- 
findlichen Werke. Prag 1896. 1. Nachtrag, Prag 1900. 


Rabenstein (Niederösterreich). 


Katholischer Bücherverein, im Pfarrhof. -- 416 Bände. — Jahresdotation 
30—40 fl. — Vorstand P. Pius Geyer. — Handschriftlicher Katalog. — Geöffnet 
an Sonn- und Feiertagen, für Mitglieder benützbar. -- Belletristik. 


Runarz (bei Konitz), Mähren. 


Volksbücherei. — 212 Bände. -- Bibliothekar: Georg Tilscher, Lehrer. ` 
Handschriftlicher Katalog. —- Entlehnungen Samstag von 3—4 Uhr an alle Einwohner. 
— Gegründet 1880 durch den Lehrer Joseph Bielig. erweitert durch Spenden des 
allgemeinen Deutschen Schulvereines und des Deutschen Schulvereines. — Geschichte. 
Erdkunde, Naturlehre und Belletristik. 


Salzburg. 


Internationale Stiftung »Mozarteum-, Hofstallgasse 4, I. Stock. — 253 Werke 
in 488 Bänden.  - Seeretär, Archivar und Administrator seit 1892: Johann Ev. Engl; 
eine honorierte Lehrkraft; beiden untersteht auch das Musikalienarchiv (3750 Num- 
mern und 4992 Werke von 1846 Componisten). —- Als Vereinsbibliothek nicht öffentlich 
benützbar. — Alphabetischer Bandkatalog, in den Vereins-Jahresberichten 1886 bis 
1889 zum Theil abgedruckt. — 1841 zugleich mit der Gründung des „Dommusik- 
vereines und Mozarteums* entstanden, 7. November 1880 in den Besitz der neu- 
gegründeten Stiftung übergegangen. Geschenke der Witwe W. A. Mozarts, ihres 
zweiten Ehegatten und ihrer Söhne Carl und W. A. Mozart. — Mozart- und Künstler- 
biographien und Lexika, Musikgeschichte und Einschlägiges. 


St. Agatha (bei Waizenkirchen), Oberösterreich. 


Pfarrbibliothek. — 350 Bünde. -- Vorstand: Vincenz Blasl, Pfarrer. 
Handschriftlicher Schlagwortkatalog. —. An Sonntagen benützbar. -— Entlehnung un- 
entgeltlich. — Gegründet 1891. — Populärwissenschaften. 


Sandl (Oberösterreich). 


Katholischer Leseverein, im Pfarrhof. — Ueber 300 Bände. — Ca. 180 A 
— Vorstand: Dr. Carl Pauser. Ausschussmitglieder: P. Fleischanderl. Pfarrer, 
M. Lambart, Anton Wurm, J. Lambart: Schriftführer und Bibliothekar: Carl Hirz, 


Cooperator. -— Schlagwortkatalog in Bandtorm. - - Entlehnung an Mitglieder un- 
entgeltlich, an andere gegen 4 h pro Band. - Gegründet vom Cooperator J. Süssen- 
höck. Statuten bestätigt am 3. October 1896. -- Bücher belehrenden, unterhalten- 


den oder religiösen Inhaltes. 


Stockerau. 
Städtische Volksbibliothek, Kirchenplatz 2, Mädchenschule. -— 2650 Bde. 
— Jahresdotation 150 fl. — Obmann des Comites: Gymn.-Director August Plundrich; 
Mitglieder: Prof. Franz Kubin, Fabrikant Josef Ecker; Bücherwart: Lehrer Franz 
Lickl; ein Diener. — Alphabetischer Bandkatalog nach Fächern. — Unentgeltlich be- 


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ni, DG: 
nützbar jeden Sonntag 8- -10 Uhr vormittags. -- Entlehnung auf 4 Wochen. -- 
Keine Versendung. —  Eróffnet am 23. December 1877 mit 400 Bänden. Ent- 


lehnung im Jahre 1898: 11.477 Bände. — Populärwissenschaften, Belletristik. 


Unterskrill (Krain). 
Volksbücherei. — 96 Bände. — Bibliothekar: Johann Erker, Schulleiter. — 
Entlelnungen wöchentlich einmal (1. November bis 1. April). — Gegründet 1898 
vom Vereine „Südmark“. —- Populärwissenschaften, Belletristik, nationale Literatur. 


Vorchdorf (Oberösterreich). 


Katholischer Leseverein. — Ca. 1000 Biinde. — Jahresdotation aus den 
Mitgliedsbeitrigen, ca. 200 K. —- Obmann: P. Ulrich Steindlberger; Schriftführer 
und Bibliothekar: Anton Gruber, Buchbinder. — Benützbar an Sonntagen für Mit- 
glieder unentgeltlich auf 3 Monate. -- Gegründet 1895. 

Ausleih-Ordnung. — I, IL, III. Verzeichnis der in der kath. Volksbücherei 
in Vorchdorf vorrüthigen Bücher. 

Wien. 


Wiener Akademischer Gesangverein. Wien, L, Universitát. — Der Verein 
besitzt ein sehr reichhaltiges Notenarchiv von ca. 2400 Partituren der besten Männer- 
und gemischten Chöre, für deren überwiegenden Theil das zu den Aufführungen 
nöthige Stimmenmaterial (ca. 140.000 Stimmen) vorhanden ist; hiezu kommen die 
Berleitungsstimmen für ca. 300 Chöre mit einfacher Instrumental- oder Orchester- 
begleitung. Die Handschriftensammlung enthält werthvolle Originalpartituren von 
Bruckner, Engelsberg (Eduard Schön), Franz Lachner, Robert Franz, Herbeck und 
vielen anderen, sowie Briefe von Scheffel, Felix Dahn, Max Haushofer, Martin Greif, 
Ernst von Wildenbruch u. s. w. Eine grosse Anzahl prächtig gestickter Fahnen- 
bander, silberner Pokale und Prunkhörner, künstlerisch ausgestatteter Adressen und 
Denkmünzen verwahrt der Schatzkasten als Erinnerungen an Jubelfeste, Sänger- 


fahrten und Mitwirkungen bei nationalen und humanitären Veranstaltungen. -- Für 
Neuanschaffung von Notenmaterial ist kein fixer Betrag ausgeworfen. — Die Vereins- 


funetionäre werden alljährlich von der Vollversammlung auf die Dauer eines Jahres 
gewählt und üben ihr Mandat als Ehrenamt aus; dem Ausschusse steht als künst- 
leriseher Leiter der Chormeister zur Seite. — An Katalogen existiert vorläufig nur 
ein alphabetisch nach Componisten geordnetes Inventar. — Entlehn- und Benützungs- 
recht bezüglich des Archives haben laut Satzungen nur die Mitglieder und Cartell- 
vereine gegen Vergütung der Spesen. - Gegründet wurde der Verein im Jahre 1858 
von einer Anzahl Studierender der Wiener Universität zur Pflege des mehrstimmigen 
Gesanges. Ueber die Geschichte des Vereines gibt der im Jahre 1883 von Franz 
Schaumann veröffentlichte Jubelbericht „Ad dies festos* Aufschluss. Die jährlich 
erscheinenden ‚Jahresberichte enthalten die Chronik des jeweilig abgelaufenen Jahres. 
— Obwohl ursprünglich nur für Universitätsstudenten gegründet, hat der Verein im 
Laufe der Jahre das Mitgliedsrecht auch auf Angchórige anderer Hochschulen ausge- 
dehnt; mit Ablauf des Jahres 1899 zählte er 12 Ehrenmitglieder, 213 Alte Herren und 


217 ausübende Mitglieder; ausserdem noch eine grosse Zahl unterstützender Mitglieder. 
Windhaag (Oberösterreich). 
Katholischer Leseverein, im Piarrhofe. — 900 Bände. — Dotation aus den 


Mitgliedsbeiträgen. — Vorstand: Carl Ross; Schriftführer und Bibliothekar: Cooperator 


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Carl Kaar. — Ein Bandkatalog nach Gruppen, ein Ausleihkatalog. — Entlehnung 


an Mitglieder unentgeltlich, an. Sonn- und Feiertagen nachmittags. — 1896 aus der 
früher bestandenen Pfarrbibliothek mit 600 Bänden gegründet. — Populärwissen- 
schaften. 


Zara (Dalmatien). 
Diöcesan-Seminar Zmajevic. - - Ueber 2000 Bände. — Jahresdotation „0 fl. 
- Bibliothekar: Dr. Zvonimir Kirigin, Prorector und Spiritual. —- Handschriftlicher 
Katalog. — Für jedermann und jederzeit benützbar. — Keine Entlehnungen oder 
Versendungen. — Gegründet 1832. - - Vorzugsweise Theologie, Patristik. 
Zara Cristiana dell’ Arcidiacono Capitolare Carlo Federico Cav. Bianchi. vol. I. 
(Fortsetzung folzt.) 


LITERÄRISCHE BESPRECHUNGEN. 


Schubert, Dr. Anton: Die Wiegendrucke der k. k. Studienbibliothek 
zu Olmütz vor 1501. Mit Unterstützung der „Gesellschaft zur Förderung 
deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen“ gedruckt. Olmütz, 
Druck und Verlag von Laurenz Kullil, 1901. In Commission bei Otto Harasso- 
witz, Leipzig. X. u. 690 S. 

Während in den letzteren Jahren die Incunabelliteratur Deutschlands und 
anderer Lünder durch eine Reihe hübscher Arbeiten bereichert wurde, blieb es in 
Oesterreich seit Denis' Zeiten in dieser Richtung still, bis Schachinger 1899 in einer 
Programmarbeit des Melker Gymnasiums mit dem ersten Theile einer Beschreibung 
der Melker Wiegendrucke in die Oeffentlichkeit trat, dem im nächsten Jahre der 
zweite Theil gefolgt ist und im Sommer 1901 voraussichtlich der Abschluss folgen 
wird. Der Vorauer Incunabelkatalog des Bibliothekars Theodorich Lampl ist in 
Drucklegung, zwei andere in Vorbereitung begriffen. Wie die Dinge jetzt stehen, 
hat mithin die vorliegende Arbeit Schuberts auf den Ruhm Anspruch, der erste 
vollständige Incunabelkatalog einer österreichischen Bibliotbek zu sein. In Ungarn 
liegt ein solcher der Bibliothek der ungarischen Akademie der Wissenschaften seit 
1886 vor! Fast wäre anch das Buch Schuberts, das schon Ende 1897 abgeschlossen 
war, nie der Oeffentlichkeit vorgelegt worden, wenn nicht die „Gesellschaft zur 
Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatar in Böhmen“ die Druck- 
legung in splendider Weise ermöglicht hätte. Die Gesellschaft hat sich damit 
ausserordentlicbes Verdienst erworben; denn sie hat ein Buch gefördert, das mit 
jenem gewissenhaften Fleisse und jener ausserordentlicher Akribie geschrieben wurde, 
welcbe für derlei Arbeiten ebenso nothwendig als Nichtkennern unverständlich ist. 
Sie hat auch ein sehr inhaltsreiches Buch gefördert; nicht nur der Zahl. sondern 
auch dem Werthe nach nehmen die Incunabelschätze der Olmiitzer Studienbibliothek 
eine bedeutende Stelle ein. — Es kommen 1670 Nummern zur Besprechung, darunter 
432 von Hain nicht nach eigener Einsichtnahme oder überhaupt nicht beschriebene. Es 
ragen abgesehen von nicht datierbaren Drucken nach dem Dafürhalten des Verfassers 
22 Drucke in die erstere Entstehungszeit der Buchdruckerkunst (1455— 1469) ; 
227 gehören sicher oder muthmasslich in die Zeit von 1470—1479. Ein Manuale 
parochialium sacerdotum gehört Gutenberg, zwei Drucke dem Fust und Schöfter, 
7 dem Schöffer allein zu. 2 Wiener Drucken stehen, soweit sich ersehen lässt, 


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4 Brünner gegenüber. Daneben finden sich die bedeutendsten venetianischen und 
deutschen Officinen vertreten. Inhaltlich bietet die Sammlung ein Bild des damaligen 
" literarischen Lebens; die Theologie, namentlich Ascese und Homiletik, herrscht vor, 
was um so natürlicher ist, als die Mehrzahl der Bücher früher Klostereigenthum 
waren. Doch kommt bereits auch die humanistische Richtung zur Geltung; es finden 
sich hübsche Classikerdrucke. z. B. 18 Ciceroniana, davon die Hälfte Hain unbekannt 
oder von ihm nicht eingesehen. — Wenden wir uns zu den Einzelbeschreibungen 
der Drucke, so ist zunächst zu constatieren, dass die Auffindung der Auctoren mehr 
als bequem gemacht wurde. So ist z. B. auf Alanus ab Insulis unter A b Insulis 
und unter Insulis verwiesen. Hinsichtlich der Einreihung der Beschreibung selbst 
würde Referent mehr Consequenz vorgezogen haben; bei jenen Namen, wo die Stelle 
des Familiennamens der Ortsname vertritt, würde wohl besser im mer der Tauf- 
name als Ordnungswort verwendet werden. — Das Schema der Beschreibung variiert 
selbstverständlich mit dem Umstande, ob der Druck von Hain collationiert wurde 
oder nicht. In beiden Fällen steht an der Spitze 1. der Autorname, 2. Buchtitel, 
3. Druckort, 4. Druckername, 5. Druckjahr, 6. Format. Bei den von Hain ver- 
glichenen Nummern folgen 7. eventuelle Correcturen Hains, 8. die modernen Be- 
schreibungsmomente der Interpunctions-, Abtheilungs- und Wasserzeichen, 11. even- 
tuelle Initialen- und deren Spatienangaben, 12. Randbeschaffenheitsvermerke, 
13. Bibliothekssignatur, 14. Angabe der früheren Besitzer und eventueller Ex-libris, 
15. reichliche Literaturnachweise. Bei vollständig neu beschriebenen Nummern 
schaltet sich nach der Rubrik 6 die Angabe des Incipit und Explicit ein, durch- 
geführt nach dem Beispiele Hains, doch vermehrt um äusserst genaue Spatienver- 
merke. Der Beschreibung folgen Blattzahl, Signatur, Zeilen- und ('olumnenzahl. Grösse 
und Art der Typen und daran sich schliessend die obgenannten Rubriken 8-15. — Der 
Verf. gestatte nun dem Ref. einige Meinungsverschiedenheiten meist methodischer 
Art zu bringen. So lange eben der Wunsch nach einer allgemeinen Incunabelbe- 
schreibung der österreichischen Bibliotheken auf einheitlicher Basis unerfüllbar bleibt, 
wird in den Einzelarbeiten bald dieses, bald jenes Beschreibungsmoment hervor- oder 
zurücktreten, und das Ende ist, dass kein einziges Buch nach jeder Seite hin voll- 
kommen beschrieben sein wird. — Es erscheint dem Ref. die Signaturfrage nicht 
zleichmáüssig behandelt und daher nicht befriedigend gelöst, wiewohl der Verf. sich 
sehr darum bemühte. Und doch ist gerade diese Frage für die genaue Ermittlung 
der Blätterzahl eines vollständigen. wie manken Druckes ausserordentlich wichtig. 
Es handelt sich da weniger um die Signationsart, die der Verf. oft in umständ- 
licher Weise betont, als vielmehr um die genaue Folge der in ihrem Unifange 
stets zu bestimmenden Lagen, und das nicht nur bei signierten, sondern auch, wie 
na« hdrücklichst hervorgehoben werden muss, auch bei unsignierten Büchern. Deshalb 
hätte Ref. gerne den in Copinger’s Supplement to Hain in vereinzelten Füllen ein- 
geschlagenen Weg consequent bei nicht signierten und bei signierten Drucken durch- 
geführt gesehen; im ersteren Falle nach dem Schema 1?2' 3! etc., im letzteren 
Falle a! b* c*. Hier kann man auch in Klammer ein Muster der Signaturart beifügen, 
z. B. c* (c1, c2, c3. c4). — Die Blattzahl ist stets sorgfältig revidiert, was sich 
oft genug als nothwendig ergibt, da Hain die leeren Blätter nicht mitzählt. Dagegen 
wurde auf die Zeilenzahl der von Hain beschriebenen Drucke kein Augenmerk ge- 
lenkt, und gerade da weiss der Ref. aus eigener Erfahrung, in wie vielen Fällen 
Hain den Wechsel der Zeilenzahl übersehen hat. Ebenso wird die Angabe der Cu- 


30 — 


stoden und Seitentitel vermisst, dafür stets die Randbeschatfenheitsvermerke hervor- 
zehoben. Und doch scheint dem Ref. dieses Beschreibungsmoment gar nichts zu be- 
sagen. Denn der breite oder schmale Rand hängt doch mehr oder minder vom guten 
Willen des Buchbinders ab. Wäre es da nicht besser gewesen, die Drucklünge 
und Druckbreite in bestimmten Zahlen auszudrücken, z. B. in dieser Form: 245 
ı71 Zeilen) X 180 mm? — Mit Art und Grüsse der Typen hat der Verf. sich sehr 
eingehend beschäftigt, aber nur bei den von ihm neu beschriebenen Büchern. Man 
empfindet es in dieser Hinsicht schwer, dass er nicht mehr die epochale Arbeit 
H. Proctors, An index to the early printed books in the British Museum, London 
1898— 1899 benützen konnte. Die bewundernswerth feinfühligen Typenuntersuchnngen 
Proctors führten aber noch zu einem Resultate in anderer Richtung, nämlich zur 
sicheren Bestimmung von Druckort und Drucker bei Büchern ohne diese Angaben. 
Damit finden endlich die Hypothesen, deren man oft bei einem einzigen Drucke über 
«in halbes Dutzend begegnet, ihr wohlverdientes Ende und damit auch die diesbe- 
züglichen Combinationen des Verf. selbstverstündlich vielfaeh ihren Werth. Auch in 
der muthmasslichen Jahresbestimmung hätte Ref. mehr Einschränkung gewünscht. 
Wie vorsichtig ist da Proctor! — Der Verf. schliesst seine Arbeit mit einem Drucker- 
verzeichnis und Druckjahrregister ab. Man vermisst ein Druckortregister, und 
sehr erwünscht wäre auch ein Namensverzeichnis der früheren Besitzer gewesen. 
Wenn im Vorworte die Nummern aufgezählt werden, welche besondere Ex-libris-Notizen 
führen, ist damit für eine allgemeine Uebersicht nicht viel gethan. — Zum Schluss« 
seien noch ein paar Uebersehen hervorgehoben. Bei Nr. 647 fehlt die Beziehung auf 
Hain. Nr. 849 heisst es: Petrus Drach, viri(!) consularis. Bei Nr. 863 scheint es 
dem Verf. entgangen zu sein, dass Hain durch einen Druckfehler zweimal die 
Nr. 8586, jedesmal für einen anderen Druck hat. Bei Nr. 1105 sind gegen Schluss 
die Zeilen vertauscht. Statt Nr. 1180 liest man A 1180. 


Wien. Hübl. 


(Katalog der Bibliothek des Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten- 
Vereines in Wien. Wien 1900. — Katalog der Bibliothek der kgl. technischen 
Hochschule in Berlin. Berlin 1900.) Das System, in welches die Bücher der 
Bibliothek des Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines 
eingereiht sind, hat den Grundsatz, jenes Wissensgebiet, welches den eigentlichen 
Stock der Büchersammlung bildet, voranzustellen und die weniger wichtigen und 
ininder reich vertretenen hinten nachfolgen zu lassen. Zuerst kommen also die tech- 
nischen Wissenschaften und dann das Uebrige, was aus den anderen Wissens- 
zweigen vorhanden ist; an die Spitze sind die theoretischen Fächer gestellt, denen 
die praktischen Gebiete folgen. Also zuerst: I. Mathematik und darstellende Geo- 
metrie: II. Geodesie und Astronomie; III. Naturwissenschaften im allgemeinen; 
IV. Mechanik; V. Technologie u. s. w. Während die theoretischen Fächer I—-IV nur 
30 seiten umfassen, füllen die Gruppen V (Technologie) bis XII (Berg- nnd Hütten- 
wesen) 249 Seiten, beanspruchen daher eine ins Einzelne gehende Gliederung. 
Diese erfolgt so, dass immer die erste Unterabtheilung .Allgemeines, Hand- und 
Lehrbücher etc.^ zusammenfasst, Die Classe XIII ,Verschiedenes^ umfasst 1M Ab- 
theilungen in regelloser Aufeinanderfolge, ohne dass ein Eintheilungserund zu be- 
merken wáre: ,1. Land- und Forstwirthschaft, 2. Unterrichtswesen, 3. Rechts- und 
Staatswissenschaften“ oder später: „12. Vereinswesen, 13. Ausstellungswesen, 14. Sprach- 


zs We. =: 


wissenschaften.“ Den Schluss des Ganzen bildet die Classe XIV: „Zeitschriften.“ 
Hier sind alle Zeitschriften in Abtheilungen, die den einzelnen Classen entsprechen. 
angeführt. Vielleicht sind besondere Gründe oder Vorbilder für die Bildung dieser 
(lasse massgebend gewesen; denn sonst wäre es wohl einfacher, diese Zeitschriften, 
die ja ohnehin in den Classen analoge Abtheilungen getheilt sind, den betreffenden 
Classen. unter Abtheilung 1 „Allgemeines“ oder als specielle 2. Abtheilung „Zeit- 
schriften“ zuzuweisen. Dies wäre schon deshalb wünschenswerther, weil es da nicht 
vorkommen könnte, dass einzelne Zeitschriften zweimal eingetragen sind, vorne bei 
den Abtheilungen und in Classe XIV, wie z. B. „Annalen der schweizerischen meteoro- 
logischen Centralanstalt“, das „Berg- und hüttenmännische Jahrbuch“ und andere. 
Die ,Berg- und hüttenmännische Zeitung“, die unter XIV, 8. gleich daneben steht, 
fehlt vorne, wie es ja bei den meisten Zeitungen ganz richtig der Fall ist. Dagegen 
findet man vorne Zeitschriften, die rückwärts in Classe XIV fehlen. So findet man 
unter den Zeitschriften wohl den englischen ,The electrican^, nicht aber den iu 
Gruppe XI „Elektrotechnik“ verzeichneten französischen „L’electricien“: auch die 
unter II ,Astronomie* angeführten ,Annales do observatorio do infante Don Luiz“ 
sind unter „Zeitschriften® nicht zu finden: andere ähnliche Sternwartberichte aber 
wohl. Uebrigens sei zugestanden, dass für die Schaffung einer solchen ausser der 
eigentlichen Systematik stehenden Gruppe einzig das praktische Bedürfnis ent- 
scheidet. So findet man sogar (wie z. B. im Katalog der technischen Hochschule in 
Brünn und auch in dem der Technik in Riga) die Zeitschriften eingetheilt in 
a) solche, die noch gegenwärtig erscheinen, und b) solche, die bereits einge- 
gangen sind oder nicht mehr gehalten werden. So unwissenschaftlich eine solche 
Eintheilung auch ist, kann sie für eine Anstalt doch von grosser praktischer Be- 
deutung sein, da sie den Lesern mittheilt, von welchen Periodicis im Lesesaale die 
Nummern aufliegen, von welchen nicht. Derartigen praktischen Zwecken gegenüber 
missen die kleinen Mängel der Systematik verschwinden. Wohl aber scheint mir ein 
logischer Eintheilungsfehler dem zugrunde zn liegen, dass so häufig von einer 
Classe auf die andere verwiesen werden muss. Chemie kommt bei „III. Naturwissen- 
schaften, 3. Chemie“ vor. Da aber unter IV. „Technologie“ die Abtheilung b) an- 
gewandte Chemie“ steht, so wird von einem auf das andere gewiesen. V. C. 5 um- 
fasst: ,Heiz- und Ventilationstechnik, Kühl- und Trockenanlagen.* In VL E. „Technik 
der Hochbau-Constructionen^ findet man sub 9 wieder: ,Heizung, Ventilation und 
Belenchtung“. Nr. 12 derselben Abtheilung heisst: „Blitzableiter. Haustelegraphie 
und Telephonie.“ Bei „Elektrotechnik 6* steht: „Telegraphie. Telephonie, Elektrisch" 
Uhren (Blitzableiter siehe VI E. 12).“ Dass da die Einreihung der Werke und in- 
folge dessen ihr Auffinden im Kataloge nicht leicht ist, lässt sich denken. Doppel- 
eintragungen scheinen aber vermieden worden zu sein, obwohl sie gar häufig lästijres 
Suchen ersparen würden. Innerhalb der einzelnen Abtheilungen sind die Werke 
alphabetisch nach den Ordnungsworten angeordnet, und zwar zuerst die Werke dei 
Autoren, dann die Anonymen. Es ist dies aber gar nicht consequent durchgeführt. 
indem oft unter den Anonymen Autorwerke vorkommen. Oft verschwindet dieser 
Anreihungsgrundsatz ganz. Unter VI B. stehen die Werke über architektonische 
Styllehre etc.; sie fangen mit „Auer, H.^ an, gehen alphabetiseh bis .Ziller, E.*. 
setzen mit Architektur, Moderne fort, wieder alphabetisch, dann beginnt noch einmal 
das Alphabet von neuem und daun wieder, so dass wir hier vier alphabetisch ge- 
ordnete Reihen hintereinander haben. Oefters reihen sich am Schlusse auch Werke 


Se 41 Ka 


alphabetisch. nach dem Namen der Orte geordnet an, über die sie eben handeln, 
wie z. B. bei den Reisebeschreibungen und sonst ott. Dieser Mangel an Consequenz 
in der Anordnung der Werke macht das Nachschlagen in diesem Kataloge gewiss 
nicht leicht. Am Schlusse des Kataloges ist ein alphabetisch geordnetes Namens- 
verzeichnis beigegeben, welches eine willkommene Ergänzung bilden wird. Die 
Autoren (mit ganz kurzer Angabe der Werke und Seitenanzahl, unter der das 
Werk zu finden ist) sind fett gedruckt, die anonymen Schlagworte sind in gewöhn- 
lichem Drucke (ein Vorgang, den man auch anderswo findet, z. B. im Katalog des 
Bibliothek des kgl. Ministeriums für öffentliche Arbeiten, Berlin 1897 und in dem 
sofort zu besprechenden, und der nicht unpraktisch zu sein scheint). Dieses alpha- 
betische Register ist leider in den anonymen Schlagworten nicht ganz vollständig 
und man findet vorne manches anonyme Werk verzeichnet, das man dann hinten 
im Register vergebens sucht, z. B.: Preistarife (S. 117). Sachverständige (S. 106) 
etc. etc. — Das Wissensgebiet der technischen Wissenschaften behandelt gleichtalls der 
Katalog der Bibliothek der kgl. technischen Hochschulein Berlin, 
Berlin 1900, — ein stattlicher Band von 1218 Seiten. Der letzte Katalog dieser 
Bibliothek erschien 1885 und zählte 876 Seiten, so dass also der Zuwachs recht be- 
tráchtlich gewesen ist. Das System ist gegen die frühere Auflage nur in unwesent- 
lichen Dingen geändert. Charakteristisch für die Fortschritte der Zeit, und wie sie 
sich auch in der Literatur abspiegeln, ist es, dass sich die Classe „Elektrotechnik“ 
als selbständiger Theil in diesem Kataloge abgliederte, während sie in der Auflage 
von 1885 noch im „Maschinenwesen“ enthalten war. Das System hat sich im Lante 
der Zeit bewährt und ist für viele verwandte Bibliotheken mustergebend gewesen. 
Es beginnt mit den allgemeinsten Werken. I. „Systematik der Wissenschaften“, 
II. „Zeitschriften und periodisch erscheinende Werke“, III. „Hilfs- und Taschen- 
bücher allgemeinen Inhaltes“, — eine kleine Classe, die nur eine Seite des Kata- 
loges umfasst und alle die Tabellen und Werke enthält, die der Ingenieur zum 
Nachschlagen benöthigt. Vielleicht hätte sich diese kleine Classe bequem in andere 
Classen auftheilen lassen. Dann kommen die theoretischen Wissenschaften der 
Techniker: die Mathematik, die Mechanik, die Naturwissenschaften, also vorzugs- 
weise Physik, der die Meteorologie angehängt ist, Chemie etc. Dann kommen jene 
Classen, welche für den Architekten von Bedeutung sind: VII. Architektur, 
VHI. Ornamentik, Kunstgewerbe ete., IX. Kunstgeschichte und Kunstlehre, Archäo- 
logie. X. Denkmäler der Kunst, Kunsttopographie, welch letztere früher (1885) bei 
der Kunstgeschichte stand. Dann kommt die ganze Reihe der eigentlich technischen 
Wissenschaften, denen sich als Classe XVIII die „Waarenkunde“ anschliesst. Auch 
die nicht technischen Wissenszweige folgen ziemlich ungezwungen aufeinander, 
z. B. XXIV. Gesetzgebung und Rechtswissenschaft, Verwaltung, XXV. Staatswissen- 
schaften und Statistik, XXVI. Handelswissenschatten etc, XXVIII. Geschichtswissen- 
schaften, Biographien, XXVIII. Geographie, NXIN. Werke vermischten Inhaltes, 
worin wir die Sprachwissenschaft, Philosophie etc. finden, Wissenszebiete, von denen 
die Bibliothek nur nebenbei ein Werk besitzt. Nach dem Nachtrage folgt ein alpha- 
betisches Register in der beim vorigen Kataloge angegebenen Form, dass die Autor- 
namen gross gedruckt sind, die anonymen Schlagworte klein. Diese Trennung ist 
auch im systematischen Kataloge vorne durchgeführt, indem in den einzelnen Ab- 
theilungen zuerst die Autornamen mit fettgedruekten Ordnungsworten streng alpha- 
betisch geordnet stehen, dann die anonymen Werke ebenfalls alphabetisch angeordnet 


se AI; Ze. 


nicht mit fetten, sondern gesperrt gedruckten Ordnungsworten. Auch bei den „Zeit- 
schriften“ ist in den einzelnen Abtheilungen eine Trennung des Alphabetes ertol;t, 
indem (mit Ausnahme einiger kleinerer Abschnitte) immer zuerst die deutschen, 
dann die französischen, dann die englischen, italienischen und endlich die nordischen 
Zeitschriften stehen, unter sich wieder alphabetisch geordnet. — Was das anonyme 
Ordnungswort der Zeitschriften betrifft, so ist es wie im Englischen rein mechanisch 
nach der Ordnung der Würter des Titels gebildet: das erste Wort des Titels ist das 
erste Wort des Ordnungswortes und der Artikel wird nachgesetzt (dass es einmal 
heisst „Die Technik“, ist schon deshalb nur als Uebersehen aufzufassen, weil diese 
Zeitschrift unter „T“ eingereiht ist). Also „Deutsche Vierteljahrsschrift für offent- 
liche Gesundheitspflege“, „Neue astronomische Nachrichten“, „American journal 
of mathematics“ und immer so. Wenn dies streng consequent durchgeführt wird. 
kann man gegen eine solche Anreihung nichts einwenden, obsehon unsere Art der 
Beschreibung sinngemässer ist. Merkwürdig ist es auch, dass die Conversations- 
Lexika unter „Brockhaus“, „Meyer“ stehen, die „Sammlung gemeinverständlicher 
wissenschattlicher Vorträge” unter Virchow und Holtzendorff. diese alle bilden in 
Classe I die fettgedruckte Autorenreihe, die mit „Zedler* schliesst, woraut 
„anonyme“ Encyklopädien folgen, wie die Encyclopaedia Britannica oder die Diderot- 
d’Alembert'sche Encyklopádie. Warum diese aber anders behandelt werden, hat 
keinen stichháltigen Grund; denn die ersteren Publicationen sind doch ebensozut 
die Sammelarbeit vieler, wie die letzteren. Consequenz in der einmal angenommenen 
Beschreibungsart ist die erste Voraussetzung für eine gute Katalogisierung. Dass 
das anonyme Schlagwort eigentlich in allen diesen Fällen das einzig richtige ist. 
ist geahnt worden, wenn öfters ein Werk unter den Anonymen angeführt ist und 
von dort auf den Herausgeber gewiesen ist. Z. B. „Allgemeine deutsche Real-Encv- 
klopädie für die gebildeten Stände“ siehe anch „Brockhaus“ oder später S. „a6 
.Naval Encyklopaedia^ s. ,Hamersly^, wo dann das Werk genau verzeichnet ist. 
Wozu führt man es nochmals rückwärts an, wenn die Anführung vorne selbst- 
verständlich ist? Dass der Katalog trotz dieser kleinen Münzel noch immer sehr 
gut genannt werden kann, Ist vorzugsweise seinem klar und vernünftig ausgearbeiteten 
Systeme zu danken. Himmelbaur. 


Katalog der Bibliothek der Deutschen Morzenländischen Gesellschaft. Erster 
Band. Drucke. Zweite Auflage, bearbeitet von R. Pischel, A. Fischer, G. Jacob. 
Leipzig, Perthes, 1900. 8°. XVIII, 726 S. 

Wer die in bescheidenen Ton abgefasste Vorrede gelesen hat, wird vielleicht 
mit einigem Misstrauen an die Durchsicht des Ruches gehen, sich aber bald an- 
genehm enttäuscht sehen und die Arbeitskraft des Gelehrten (Prof. R. Pischel) be- 
wundern, der die Mussestunden seiner Gelehrtenthütigkeit dazu verwendete, einen 
grossen Theil dieses Werkes selbst zu bearbeiten und die Redaction fast ganz allein 
vorzunehmen. - - Gegenüber der ersten Auflage (Leipzig 18S0—1881, 1. Drucke: 
XVI, 215 S., 2. Handschriften: VI. 84 S.), in der der 1. Absehnitt die Schriften 
zelehrter Gesellschatten, Zeitschriften, Zeitungen allgemeinen Inhaltes, der 2. die 
Sprachen, deren Literaturen und auf diese im einzelnen bezüglichen Schriften, und 
zwar in alphabetischer Reihentolge nach Sprachgruppen und innerhalb dieser aber- 
mals alphabetisch nach den einzelnen Sprachen. geordnet, der 3. Abschnitt die 
Wissenschaften (1. Archäologie, 2. Bibliographie, 3. Epigraphik, 4. Geographie u. s. w.). 


49 — 


der 4. endlich Vermischtes umfasste, lässt die vorliegende. den wissenschaftlichen Antour- 
derungen weit besser entsprechende zweite Auflage einen bedeutenden Fortschritt 
erkennen. Hier ist das Halle'sche System zugrunde gelegt, das jedoch, wie dies bei 
einer Specialbibliothek natürlich ist, in Einzelheiten sinn- und sachgemiiss moditiciert 
wurde. Die Schlagworte sind sámmtlich ausser in lateinischen nur noch in griechischen 
oder russischen Schriftzeichen wiedergegeben, und auch der Text ist zum Unterschied 
von der ersten Auflage bei orientalischen Werken transcribiert, so dass nur selten 
einmal ein paar fremde Typen erscheinen, eine Neuerung, die nicht nur die Kosten 
der Drucklegung bedeutend verminderte, sondern auch die Uebersichtlichkeit hob, da 
sich gleichmässige Schriftzeichen stets leichter und gefälliger lesen lassen. Freilich 
ist damit ein Uebelstand untrennbar verbunden: Die Schwierigkeiten der Transcription, 
die mit möglichst wenig fremden Zeichen operieren und doch alle Artieulations- 
differenzen genau ausdrücken soll, Ich habe seinerzeit bei Besprechung von „Kuhn- 
Schnorr, Die Transcription fremder Alphabete“ (Vest. Lit.-Bl. VI. Sp. 492) auf ver- 
schiedene Hindernisse hingewiesen, die eine endliche allgemein befriedigende Lösung 
der Transcriptionsfrage erschweren. Prof. Pischel hat den Umweg eingeschlagen, in 
den Hauptsprachen je einem massgebenden Werke zu folgen oder die betretlende 
Abtheilung von Autoritäten durchsehen zu lassen. Doch führte auch dieser mühe- 
vole Weg nicht überall zum Ziele, so dass der Gelehrte z. B. zu dem Geständnis 
gezwungen ist: „Ganz rathlos war ich in Bezug auf die malaio-polynesischen 
Sprachen . . .“ Die Hauptgruppen sind: A. Allgemeines, B. Allgemeine Sprach- 
wissenschaft, C. Hamitische Sprachen, D. Semitische Sprachen. E. Indogermanische 
Sprachen. F. Alle übrigen Sprachen (ein nicht sehr glücklich gewählter Titel), 
G. Folklore, H. Allgemeine Religionswissenschaft und Mythologie, I. Theologie, 
K. Rechts- und Staatswissenschaft, L. Philosophie, M. Historische Hilfswissenschaften, 
N. Geschichte, O. Lünder- und Volkerkunde, P. Mathematik, Naturwissenschaften, 
Medicin, Q. Schóne Künste. Die wichtigsten unter diesen sind die Abschnitte B-—F, in 
denen der Haupttheil der reichen Gesellschaftsbibliothek enthalten ist; Unterabtheilunzen 
bilden die Sprachen und Sprachgruppen, von denen die bedeutendsten oder ältesten 
voranstehen, die untereinander gleichartigen in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. 
werden. Im einzelnen bilden die Autoren und anonymen Schlagwörter jeder Gruppe ein 
besonderes Alphabet, das nur hie und da leicht gestört ist, so z. B. steht S. 259 
Annam Bhatta vor Anantabhatta, S. 417 Aruthin vor Artieles u. a. Innerhalb der 
Autoren sehen wir die Anordnung nach den Werken, zumeist, aber nicht immer, 
in alphabetischer Folge, z. B. (S. 299) die Werke des Kälidäsa: Abhijnanasakuntalaın, 
Kumärasambhavam, Malavikagnimitra, MeghadUta, Pushpabana Bilashakavyam, 
Raghuvams$a, Ritusamhara, Urvasia. Dagegen S. 123 Al-Asınali. Das Kitàb al- 
wuhüs. Das Kitáb abchail, Kitàb al-fark und ähnlich S. 354 bei Firdausi. Auf die 
chronologisch geordneten Ausgaben eines und desselben Werkes folgen die Auszüge 
und orientalischen Commentare, dann die Uebersetzungen, Arbeiten in einer euro- 
päischen Sprache über die Werke und schliesslich über die Schriftsteller selbst. Auch 
hier sind einige kleine Versehen zu verzeichnen, die jedoch, da die Abschnitte nie 
sehr umfangreich sind, nicht viel zu bedeuten haben. So lesen wir z. B. S. 299 
Capellers Recension mitten unter den Ausgaben der Sakuntala, S. 300 Bollensens 
Ausgabe  Málavikágnimitram nach Webers Uebersetzung u. a. Wichtiger sind 
Irrungen innerhalb der Haupteruppen G—Q. welche die Wissenschaften mit Aus- 
schluss der Sprachen umfassen und hie und da Werke enthalten, die in eine andere 


suo dd i2 


Gruppe gehörten. So z. B. wären (S. 608 ff.) „Goeje, Het Schaakspel“ und die ähn- 
lichen Werke von Himly, Linde, ebenso ,Hehn. Culturpflanzen und Hausthiere*. 
„Jacob, Die Waaren beim arab.-nordischen Verkehr“, (S. 623),Jacob, Der Bernstein“, und 
„Jacob, Der nordisch-baltische Handel der Araber“ in die Abtheilung Völkerkunde zu 
setzen, wo auch wirklich S. 698 „Beaujour, Schilderung des Handels von Griechen- 
land“, S. 700 „Versuch, Historischer, über den Handel. . * verzeichnet sind, u. a. m. 
-- Wenn man bedenkt, dass der vorliegende Katalog das Werk der Mussestunden 
eines dem Bibliotheksfach fernerstehenden Gelehrten, dass er ferner nur den praktischen 


Bedürfnissen von Fachgelehrten zu dienen bestimmt ist — denen er auch in der 
That die besten Dienste leisten wird ---, so kann man die Arbeit nur als eine recht 
tüchtige und brauchbare bezeichnen. H. B. 


AUS ÖSTERREICHISCHEN BIBLIOTHEKEN. 


(Von der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau). In der Bibliothek des 
Chorherrenstiftes Vorau befinden sich zwei Frühdrucke. welche an der Innenseite 
des Vorderdeckels das Ex libris-Zeichen Georg Tannstetters tragen. Der eine 
Frühdruck ist ein Sammelband und enthält: 1. Caius Julius Caesar: Commentaria 
de bello gallico et de bello civili, correctore Luca Olchinensi, Venetiis per Augustinum 
de Zannis de Portesio 1511. 2. Quintus Curtius Rufus: De rebus gestis Alexandri 
Magni regis Macedonum, Tubingae apud Thomam Anshelmum Badensem 1513. 
3. Arrianus: De rebus gestis Alexandri regis, Bartholomeo Facio interprete, Pisauri 
opera et impensa Hieronymi de Soncino 1508. Der zweite Frühdruck ist die editio 
princeps der Gesammtausgabe der Hroswitha, wie sie die sodalitas Celtica im 
Jahre 1501 zu Nürnberg herausgab. Das Exemplar, welches jetzt die hiesige Bibliothek 
besitzt, war ein Geschenk des Lehrers Georg Tannstetter an denselben, nämlich des 
Humanisten Andreas Stiborius (Stöberl) aus Oettingen, wie dies aus der Aufzeichnung 
auf dem ersten Blatt des Frühdruckes hervorgeht, welche lautet: donatus a magistro 
Andrea Stiborio Praeceptori nostro. Die Fassung des Vermerkes spricht dafür, dass 
dies die Handschrift Georg Tannstetters ist. -— Bevor ich zur Beschreibung des Ex 
libris-Zeichens schreite, will ich nach Josef R. v. Aschbach: Geschichte der Wiener 
Universität eine kurze Skizze des Lebens Tannstetters voraussenden. Georg Tanı- 
stetter wurde im Jahre 1482 zu Rain, einer bayerischen Stadt am Zusammenfluss 
der Donau und des Lech, geboren. Der Name seiner Geburtsstadt, Rain, d. i. Grenz- 
marke (Limes) zwischen zwei Aeckern oder Grundstücken, war Veranlassung, dass er 
sich nach der Weise der Humanisten, welche ihrem Namen latinisierten, Collimitius 
nannte, unter welehem Namen er zumeist vorkommt. Sein dichterischer Beiname 
war Licoripesis, weil seine Geburtsstätte am Lechfluss lag. Seine Universitätsstudien 
machte er zu Ingolstadt und wandte sich bei denselben besonders der Mathematik 
und Astronomie zu. Mit 21 Jahren erwarb er sich die Magisterwürde und kam 
auf Empfehlung seiner Freunde und Gönner Celtes und Stiborius als Lehrer der 
Mathematik an die Artistenfaeultät nach Wien. Durch den Verkehr mit Stiborius. 
der, wie aus dem Geschenk der Hroswitha hervorgeht, ihn sehr liebgewonnen hatte, 
wurde die Vorliebe in Georg Tannstetter für Astronomie immer grösser, so dass er 
sich derselben ganz, und zwar mit grossem Erfolge zuwandte. Die Zeitgenossen 
nicht nur in Wien, sondern auch an den übrigen deutschen Universitäten rechneten 


145 — 


ihndeshalb nebst seinem Lehrer Stiborius zu den ersten Mathematikern und Astronomen 
des 16. Jahrhunderts, was am besten daraus hervorgeht, dass Kaiser Maximilian, 
als Papst Leo X. zur Verbessernng des Kirchen-Kalenders von der Wiener Hoch- 
schule kundige Gelehrte verlangte, Tannstetter und Stiborius empfahl. Die Astrologie 
welche damals mit der Astronomie vielfach verquickt war, führte ihn zu dem 
medicinischen Studium. In diesem machte er so grosse Fortschritte und es bot ihm so 
viel Interesse, dass er nach Erlangung der medicinischen Doctorgrades (im Jahre 
1509 kommt er in der Matrikel der rheinischen Nation schon als artium et medicinae 
doctor vor) die artistische Facultüt, deren Decan er im Jahre 1512 war, verliess und 
in die medicinische übertrat, deren Geschäfte er als Decan viermal führte, nachdem 
er unmittelbar nach seinem Decanat in der Artistenfacultát die Würde eines Rectors 
bekleidet hatte. Sein Ruf als Arzt war so gross, dass ihn Kaiser Maximilian, als 
er noch an der Artistenfacultät war, zu seinem Leibarzt im Jahre 1510 machte, 
in welcher Stellung er 25 Jahre. bis ans Ende seines Lebens bei den Kaisern Ma- 
ximilian I. und Ferdinand I. verblieb. Da er sich in dieser Stellung besonderes Ver- 
trauen seiner kaiserlichen Herrn erworben hatte, so wurde er mit ausserordentlichen 
Aufträgen betraut. So reiste er mit Cuspinian öfters nach Öfen, um seltene alte 
Handschriften aufzusuchen. Weiters war ihm mehrere Jahre hindurch die Leitung 
der Hofbibliothek anvertraut. Ein Zeichen des besonderen Vertrauens war es, dass, 
als im Jahre 1521 die Pest ausgebrochen war, der kaiserliche Hof Georg Tann- 
stetter nicht von seiner Seite liess und er denselben nach Linz und Graz begleiten 
musste und dort einige Zeit zurückgehalten wurde auf speciellen Wunsch des Kaisers, 
obwohl die Seuche schon erloschen war. Dieser hohe Grad des Vertrauens brachte 
es endlich mit sich, dass Tannstetter sowie Caspinian, obwohl ihr eigentlicher Beruf 
die Arzneikunde war, zu politischen Missionen benützt wurde. In gleichem Masse 
war Tannstetter auch beim gewöhnlichen Volke angesehen, da man seinen astrologischen 
Prophezeihungen grossen Glanben beimass und er in einer besonderen Schrift die 
aufgeregten Wiener beruhigen musste, als fälschlich ein Gerücht ausgesprengt wurde, 
Tannstetter habe aus der im folgenden Jahre bevorstehenden Planeten-Constellation 
den Untergang der Stadt prophezeit. Das wissenschaftliche Leben suchte er nach 
dem Eingehen des durch Celtes gegründeten Collegium poötarum et mathematicorum 
und der gelehrten Donaugesellschaft, durch die Gründung einer mathematisch-astrono- 
mischen Societät, welche nach ihm Societas Collimitiana genannt wurde, zu befördern. 
Der Verein bestand indes nicht lange. Für alle seine Verdienste belohnte ihn Kaiser 
Ferdinand dadurch, dass er ihn in den Adelstand erhob und ihm das Prädikat 
„von Thannau“ verlieh. Das Stift Melk bewahrt eine Tafel aus Birnbaumholz, 
welche das en relief geschnittene Portrait Georg Tannstetters und seines vierjährigen 
Sohnes Christian aufweist. Auf diesem Holzstock befindet sich auch das Wappen 
Tanustetters, ein sechseckiger Stern. Die Umschritt weist die Zahl 1521 auf. Ein 
zweiter Holzschnitt mit dem Portrait Tannstetters, wovon ebenfalls ein Exemplar 
in Melk ist, hat die Jalireszahl 1532 (vergl. Jahrbuch der k. k, Centr.-Comm., II, 136). 
Erstarb im Jahre 1535 zu Innsbruck. Seine Frau Martha liess ihm in Wiener-Neustadt, 
wo er zuletzt seinen Wohnsitz hatte, ein Grabdenkmal setzen. — Das Ex libris-Zeichen 
Georg Tannstetters, welches die hiesige Stiftsbibliothek in 2 Exemplaren besitzt. ist 
ein Holzschnitt, welcher mit dem Papierrande 230x 165 Mm. misst, ohne denselben 
166x 112Mm. hat. Diese Masse weist das Ex libris-Zeiehen in dem an erster Stelle 
aufgeführten Frühdrucke ganz deutlich auf, während in der Hroswitha die Grüsse 


— ©. 


des Einblattdruckes mit dem Papierrande sich sehr schwer vermitteln lässt. Das 
Ex libris-Zeichen enthält als seinen vorzüglichsten Hauptbestandtheil das neucreierte 
Wappen Tannstetters. Schade darum ist es, dass beide Exemplare, welche die’ hiesige 
Stiftsbibliothek besitzt, von einer späteren Hand übermalt worden sind, so dass die 
Linien des Holzschnittes unter der Malerei verschwinden. Der Schild, welcher auf 
der linken Seite etwas eingekerbt ist, ist dunkelroth bemalt und enthält einen 
sechseekigen Stern, welcher von einen 2 Mm. breiten Reifen umgeben ist. Der äussere 
Durchmesser des Reifens misst 3Cm. Den sechseckigen Stern scheint Tannstetter, 
bevor er geadelt worden ist, schon als eine Art Wappenzeichen geführt zu haben. 
Ober dem Wappenschild ist ein Helm (Stechhelm), angebracht, welcher als Helmzier 
die Büste (Puppe) eines bärtigen Mannes hat. Dieser Mann ragt mit seinem Oberleib 
bis zum Gürtel aus dem Helm hervor und ist in die Tracht der Artistenmagister 
gekleidet. Auf dem Haupte trägt er das deutsche Barett, bekleidet ist er mit einem 
langen faltigen Gewande, beide sind mit dem gleichen Roth wie der Wappenschild 
übermalt. Das Kinn springt etwas vor, der braune Vollbart theilt sich etwas, dass 
Haar ist gleichfalls dunkelbraun. An der Stelle des Gürtels ist die Figur mit grünen 
Tannenreisig, welches mit gelben Tannenzapfen befangen ist, umgürtet, jedenfalls 
eine Anspielung auf den Namen Tannstetter. Die Helmdecken, welche als Fortsetzung 
der Kleidung der Figur sich darstellen, weisen ein reiches Blattornament auf und er- 
strecken sich tief hinab, beinahe bis zur Krümmung des Wappenschildes. Links 
von der Helmzier ist ein Bild in reichverziertem Rahmen, welches den gestirnten 
Himmel darstellt. Von rückwärts zeigen zwei Hände, welche aus weiten Aermeln 
hervorragen, mit Stäben auf das Bild. Der Rahmen, die Stäbe und die Sterne auf 
dem Bilde sind gelb gemalt, der Hintergrund des Bildes blau, die Aermel dunkel- 
roth. Rechts von der Helmzier ist das Monogramm des Collimitius, gebildet aus 
den Buchstaben C, I, M, I, und darüber ein sechseckiger Stern. Die Buchstaben 
sind schwarz, der Stern gelb bemalt. Unten am Rande in der Mitte betindet sich 
ein rechteckiges Täfelchen mit einer Oese zum Aufhängen, welches den Namen 
TANSTETER trägt. In den beiden untern Ecken sind Vasen, gelb und roth bemalt, 
angebracht, aus welchen Blattwerk und Tannenreisig hervorsprossen. Den oberen Rand 
füllen Stäbe, Blätterwerk, Tannenreisig und Tannenzapfen aus und zieht sich das 
Ornament auf den beiden Seiten bis zum Bild mit dem gestirnten Himmel und dem 
Monogramm herab und endet in eine Art Wurzelwerk. Stabe, Wurzelwerk und 
Tannenzapfen sind gelb, ein Theil von Blitterwerk roth und griin gemalt. 
Bibliothekar Theodorich Lam pel. 


VEREINSNACHRICHTEN. 


Die durch das gütige Entgegenkommen des seither dahingeschiedenen Directors 
der k.k. Hot- und Staatsdruckerei in Wien Herrn Hofrathes Ottomar v. Volk- 
mer ermöglichte Besichtigung dieser grossangelegten Anstalt seitens unseres Vereines 
fand am 27. December v.J. statt. Zahlreiche Vereinsmitglieder versammelten sich nach 
9 Uhr vormittags in dem beim Haupteingange befindlichen Museum des Institutes, 
einem Raume, in welchem die interessantesten Erzeugnisse der Druckerpresse, sowie 
die Art ihrer Herstellung durch Herrn Inspector Nagy ihre Erklärung fanden. 
Unter Führung sachkundiger Beamten wurde sodann der Rundgang durch die 


ud uas 


einzelnen Abtheilungen des (rebäudes angetreten. Begonnen wurde mit der Besichti- 
gung der Dampfkessel- und Maschinenanlagen und der Einrichtungen für photo- 
graphische Zwecke, deren Grossartigkeit alle Erwartungen übertraf. Das lebhafteste 
Interesse erweckten bei allen Besuchern die Abtheilungen für Stereotypie und 
Galvanoplastik, in welchen die Herstellungsart der für die verschiedenen Drucker- 
pressen nothwendigen Platten erläutert wurde. Ein anschauliches Bild ihrer Leistungs- 
fähigkeit boteu die Pressmaschinen, indem man Gelegenheit hatte, dieselben in 
ihren verschiedenen Arten (Rotations- und Flachpressen, Monoline- und Linotype- 
Maschinen) bei der Arbeit und im Ruhestande zu besichtigen. Daran schloss sich 
der Besuch der Abtheilung für Letterngiesserei, der ebenfalls ein äusserst instructiver 
genannt zu werden verdient. Den Beschluss machte die Besichtigung der künstlerischen 
(lithographischen, Kupferstecher- und xylographischen) Abtheilungen — überall 
fanden die Vereinsmitglieder jede wünschenswerthe Erläuterung der interessanten 
technischen Vorgänge, wofür der Anstalt selbst, wie dem Obmanne, Herrn Hof- 
ratbe Karabacek, durch dessen Bemühen dieser lohnende Besuch zustande kam, 
der aufrichtigste Dank des Vereines gebürt. 


Der Vereinsabend vom 4. December 1900 brachte einen sehr anregenden 
Vortrag „Ueber Musiknotendruck“ von dem Amanuensis der k. k. Hofbibliothek Dr. 
Josef Mantuani, an welchen sich eine sehr lebhafte Debatte knüpfte, an der sich 
insbesondere der Leiter der Versammlung Hotrath Professor Karabacek und Dr. 
Theodor Gottlieb betheiligten. — Der Vereinsabend vom 18. Jänner wurde 
unter der Leitung des Rerierungsrathes Dr. Grassauer abgehalten. Dr. Gottlieb 
August Crü well hielt den ob6&n abgedruckten Vortrag über ,Die Beschreibungs- 
rezeln des Kataloges des British Museum*. Das interessante Thema hatte eine grosse 
Zahl von Zuhórern angelockt, Eine Discussion fand nicht statt. 


In der von Hofrath Karabacek geleiteten Ausschusssitzung vom 
22. Jänner wurde die Generalversammlung auf den 16. März festgesetzt. Hierauf 
wurde der Bericht des für die Berathung über die von Dr. Geyer angeregte Er- 
richtung einer Zeitungsbibliothek als Centralstelle für die als Pflichtexemplare ab- 
zuliefernden österreichischen Zeitungen eingesetzten Comites entgegengenommen. Es 
wurde beschlossen, am 21. Februar einen Discussionsabend über diesen Gegen- 
stand zu veranstalten und dann denselben vor die Generalversammlung zu bringen. 
Für die folgenden Vereinsabende haben Dr. Donabaum und Dr. Doublier 
Vorträge in Aussicht gestellt. 


Für den auf den 21. Februar angesetzten Discussionsabend ist die 
Erörterung folgender Fragen beabsichtigt: 1. Entspricht die Verwahrung der Tages- 
blätter in öffentlichen Bibliotheken den Interessen der betreffenden Institute. der 
Wissenschaft und der Öffentlichkeit? 2. Ist die Errichtung besonderer Zeitungs- 
bibliotheken wünschenswert? 3. Ist eine Action unseres Vereines in dieser Ange- 
lerenheit einzuleiten? Die Einleitung der Discussion hat Dr. Geyer übernommen. 


35. Re 


PERSONALNACHRICHTEN. 


(Stiftsbibliothekar Albin Czerny }.) Am 7. Juli 1900 starb im Stifte 
St. Florian, Ob.-Oest., der dortige Bibliothekar Hochw. Albin Czerny. Derselbe war 
am 19. Februar 1821 in Wien geboren. Nach Vollendung der Gymnasialstudien am 
Schottengymnasium in Wien und in Kremsmünster (1840) hörte er ein Jahr an der 
Wiener Universität Vorlesungen über Naturrecht und Statistik, trat aber dann 
28. August 1841 in das Stift der reg. Chorherrn in St. Florian ein, wurde am 18. Juli 1846 
Priester und ging bald darauf als Cooperator von St. Oswald in die Seelsorge. Im 
Jahre 1849 wurde er nach abgelegter Befühigungsprüfung mit der Professur wes 
Bibelstudiums des neuen Bundes und der Patrologie betraut, eine Stellung, die er bis 
1876 inne hatte. Im Jahre 1859 übertrug ihm Prälat Jodok Stülz die Verwaltung der 
Bibliothek. Dieselbe zählte damals circa 50.000 Bände, darunter viele Duplicate. Sie 
war nicht geordnet; der vorige Bibliothekar war selbst der einzige, lebendige Katalog. 
In 9jáhriger Arbeit, ohne stündige Helfer, brachte Czerny Ordnung in die Bibliothek, 
lerte den alphabethischen Zettelkatalog an, schrieb 36 Fachkataloge, darunter den 
Incunabeln- und Handschriftenkatalog. Bis zu seinem Tode verwaltete er tren und 
sorgsam das Amt eines Bibliothekars, nur unterstützt von den jeweiligen Novizen ; trotz 
der beschränkten Mittel gelang es ihm, den Bücherschatz um mehr als 30.000 Bände 
zu vermehren. — Die Arbeiten in der Bibliothek und seine von jeher gepflegte Liebe 
zur (Geschichte zeigen sich auch in seiner schriftstellerischen  Thütigkeit. Im 
Jahre 1871 erschien als Jubiläumsgabe „Die Handschriften der Stiftsbibliothek 
St. Florian“, dem 1874 „Die Bibliothek des Chorherrnstiftes St. Florian“ folute. 
Bibliothek und Archiv lieferten auch das Materia) für: „Die Klosterschule von 
St. Florian, Entstehung, Verlauf, Ende. 1071— 1783“, Linz 1873, ferner „Ein Docu- 
ment über das Vorkommen von Einmauerung Lebendiger in Oberösterreich”, „Chronik- 
aufzeichnungen eines Oberösterreichers aus der Zeit Kaiser Maximilian I.“, „Das 
Calendarium necrologicam des Propstes Heinrich II. von St. Florian“, „Zwei Acten- 
Stücke zur Culturgeschichte Oberösterreichs aus dem 14. Jahrhundert“, sämmt- 
lich veröffentlicht in den Jahresberichten des Museum Frane.-Carol. in Linz. In 
den Sitzungsberichten der kais. Akademie der Wissenschaften erschienen: „Das älteste 
Todtenbuch des Stiftes St. Florian“, „Die Briefsammlungen des 15. Jahrhunderts 
im Archive zu St. Florian“, ferner „Aus dem Briefwechsel des grossen Astronomen 
Georg von Peuerbach“ und „Der Humanist und Historiograph Kaiser Maximilians I. 
Josef Griinpeck“. Als Geschichtsschreiber behandelte Czerny das engere Heimatland 
Oberösterreich, u. zw. zur Zeit der religiösen und socialen Revolution. Der Erscheinungs- 
zeit nach das erste Buch, das er den Freunden der Geschichte widmete, war: „Ein 
Tourist in Oesterreich während der Schwedenzeit*, Linz 1874. Diesem folgte: 
„Bilder aus der Zeit der Bauernunruhen in Oberösterreich 1626, 1632, 1648“, Linz 
1876, „Der erste Bauernaufstand in Oberösterreich 1525“, Linz 1882, und „Der 
zweite Bauernaufstand in Oberöstetreich 1595 -1597“, Linz 1890. Zu letzterem 
Werke lıatten neben den heimatlichen Archiven besonders die in Wien und München 
Materialien geliefert. Zwei ähnliche Schriften „Einige Blätter aus der Zeit der Gegen- 
reformation in Oberösterreich“ und „Die Anfünge der Reformation in der Stadt 
Steyr 1520—1528“ brachten wieder die Jahresberichte des Franc.-Carol. in Linz. 
Das ihm 1878 übertragene Amt eines Custos der Kunstsammlungen des Stiftes lenkte 
seine Thätigkeit noch auf ein anderes Gebiet, das der Kunst. Czerny war auch hier 


— 49 - 


literarisch thätig, wie das Buch: „Kunst und Kunstgewerbe in St. Florian von der 
ältesten Zeit bis zur Gegenwart“, Linz 1886, und der Aufsatz „Das Stift St. Florian“ 
in der Monatsschrift des k. k. österr. Museums für Kunst und Industrie zeigen. Auch 
die Stellung eines Conservators (Archiv-Seetion für Oberösterreich) der k. k. Central- 
commission, die er seit 1875 bekleidete, beanspruchte vielfach seine literarische Thätig- 
keit. Früchte derselben sind u.a. „Beschreibung des Archives zu Wilhering“, „Ueber 
Archive in Oberösterreich“, „Ein archivalischer Ausflug nach Spital a. P.^ und be- 
sonders „Das neue Landesarchiv in Linz und seine Ausgestaltung in der Zukunft“ 
in den Archival. Mittheilungen der k. k. Centralcommission 189*. Dazu kommen noch 
andere kleinere Arbeiten in Zeitungen und Zeitschriften, so z. B. verschiedene Mit- 
theilungen aus Florianer Handschriften in Pfeifers Germauia und die Neuausgabe 
von „Bau und Einrichtung der deutschen Burgen im Mittelalter von J. Cori, 
2. Aufl. durchgesehen und mit einem Anhang aus (Coris Nachlass vermehrt von 
Albin Czerny, Linz 1805“, und „Der Einfall des vom Kaiser Rudolph II. in 
Passau angeworbenen Kriegsvolkes in Oberösterreich und Bóhmen (1610— 1611) 
von Franz Kurz, aus dessen Nachlass mitgetheilt und mit einer Einleitung ver- 
sehen von Albin Czerny, Linz 1807.* —- Zuletzt arbeitete Czerny an einer Geschichte 
des Weinbaues in Oberösterreich, welche ziemlich vollendet ist. Strnadts Kampf 
gegen die Existenz des hl. Florian und des „alten“ Klosters zum hl. Florian be- 
schäftigte ihn in den letzten Tagen noch. Er hatte bereits viel Material gegen Strnadts 
Ansichten gesammelt, welches Prälat Ferd. Moser theilweise dem Prof. Dr. Bernh. Sepp 
in Freising zur Verfügung stellte. Czernys handschriftlicher Nachlass ist ein sehr be- 
deutender. Derselbe wird dermalen im Archiv aufbewahrt, bis eine kritische Hand 
ihn sichtet. Neben kirchlicher (Consistorialratb) und kaiserlicher (goldenes Verdienst- 
kreuz mit der Krone) Auszeichnung ward ihm eine besondere Anerkennung zutheil durch 
Ernennung zum correspondierenden Mitgliede des k. k. Archivrathes (1896) und der kais. 
Akademie der Wissenschaften (1808). Das Museum Frane.-Carol., dessen Verwaltungsrath 
er seit 1865 war, hatte ihn 1895 unter die Zahl seiner Ehrenmitglieder aufgenommen. 
Czerny war Autodidakt. Durch eisernen Fleiss gelang es ihm, der Wissenschaft 
Dienste zu erweisen, die seinen Namen auch in Zukunft ehren werden. Durch seine Ar- 
beiten in der Bibliothek hat er seine Mitbrüder zu immerwährendem Danke verpflichtet. 
(Stiftsbibliothekar P. Hugo Schmid 4$.) Am 25. März v.J. starb zu Krems- 
münster der hochverdiente Bibliothekar und Custos der kunsthistorischen Sammlungen 
des Stiftes P. Hugo Schmid. Geboren am 22. November 1840 zu Pfarrkirchen 
bei Bad Hall, trat er 1860 in das Benedictinerstift Kremsmünster ein und wurde 
1867 dem Stiftsbibliothekar I°. Leo Langthaler als Adjunet zugetheilt. 1877 wurde 
ihm die Verwaltung der kunsthistorischen Sammlungen des Stiftes und 1882 nach 
dem Tode des damaligen Bibliothekars, des bekannten Germanisten und Cultur- 
historikers P. Amand Baumgarten, auch die Leitung der Stiftsbibliothek übertragen. 
Ausgestattet mit einem reichen Wissen und einem seltenen Gedächtnis machte 
P. Hugo Schmid sich zunächst an eine den modernen Anforderungen entsprechende 
Bearbeitung des Handschriftenbestandes und förderte in kurzer Zeit ungemein 
reiches und gediegenes Material zutage. Leider konnte er diese gross angelegte Ar- 
beit nicht zu Ende führen; Ueberbürdung mit anderen Arbeiten (1882 bis 1892 
hatte er gar keine Hilfskraft zur Seite) und damals schon sich einstellende Kränklich- 
keit hinderten ihn daran. In Druck erschienen 3 Hefte, die nur die ersten 10 Nummern 
der Handschriften umfassen. (Catalogus codicum manuseriptorum in bibliotheca mo- 


= uae === 


nasterii Cremifanensis ord. s. Bened. asservatorum. Lentii, 1877—81, 8°. = Tom I, 
p. 1—192.) In den folgenden Jahren beschäftigte ihn eine theilweise Nenordnung und 
Neubeschreibung der kunsthistorischen Sammlungen, und Ende der Achtzigerjahre begann 
er mit den Vorarbeiten zu einer vollständigen Neuordnung und Neukatalogisierung des ge- 
sanımten Bibliotheksbestandes. Die Porträt-, Heiligenbilder- und Autographen-Samm- 
lung brachte P. Hugo Schmid zu einer namhaften Höhe, und die Ex libris-Sammlung, die 
ihm ihr Entstehen verdankt, dürfte heute noch die bedeutendste der ganzen Monarchie sein. 

(Bibliothekar Dr. jur. August Kalus T.) Kalus, am 3. März 1866 geboren, 
absolvierte seine Studien am Gymnasium der k.k. theresianischen Akademie, wo er 
1883 maturierte. und an der Universitàt Wien. Am 1. Mai 1888 trat er als wissenschaft- 
licher Hilfsarbeiter in die administrative Bibliothek des k. k. Ministeriums des Innern 
ein, wurde 1890 zum Kanzlisten, 1895 zum Official ernannt und 1896 als Bibliothekar 
in den damals creierten ,Concretual-Concepts-Status der Beamten des Archivs- und Bi- 
bliotheksdienstes der politischen Verwaltung“ übernommen. Neben seiner bibliothekari- 
schen Stellung wurde er eine Zeitlang auch im Conceptsdienste des Ministeriums sowie 
als Schriftführer des k. k. Archivrathes verwendet, und arbeitete er zugleich an der 
Neuauflage von Stubenrauchs Commentar zum bürgerlichen Gesetzbuche und von 
Mayrhofers Handbuch für den politischen Verwaltungsdienst mit. Im Jahre 1891 
erschien in den Publicationen des österr.-ungar. Buchhändler-Vereines seine in mancher 
Beziehung unentbehrliche Monographie ,Die Vorschriften über die Pflichtexemplare in 
Oesterreich“. Ein schweres Leiden nöthigte ihn im October 1897 einen längeren Urlaub 
zu nehmen. Im December 1898 trat er seinen Dienst wieder an, allein im August 189.) 
war er genòthigt, seine Versetzung in den Ruhestand nachzusuchen. Diese wurde ihm 
auch im November desselben Jahres mit gleichzeitiger allerhóchster Bewilligung einer 
Erhóhung seines Ruhegenusses gewährt. Sein Leiden verschlimmerte sich dann zu- 
sehends, so dass er demselben am 7. Jáuner d. J. in Kreibitz in Böhmen erlag. 

(Ehrung Regierungsrath Joseph Meyers.) Aın Donnerstag den 20. December 
versammelten sich die Beamten der k. k. Universitütsbibliothek in Wien im Bureau 
ihres Vorstandes Regierungsrathes Dr. Grassauer, nm dem nach fast 41 jähriger Dienst- 
zeit in den dauernden Ruhestand getretenen Regierungsrath Meyer ein die Porträts 
seiner sämmtlichen Amtscollegen enthaltendes, prachtvoll ausgestattetes Album zu über- 
reichen. Regierungsratliı Grassauer hob in seiner warm empfundenen Ansprache 
dessen so erfolgreiche Bemühungen um die Hebung des Standes der Bibliotheksbe- 
amten, namentlich anlässlich der Bestrebungen derselben um die Gleichstellung mit 
den anderen Staatsbeamten hervor und brachte den Versammelten in kurzen Strichen 
die Hauptmomente seiner ebenso gewissenhaften als unermidlichen Thitigkeit an 
der Anstalt in Erinnerung. Regierungsrath Meyer dankte tief ergriffen für das 
schöne Zeichen collegialer Anerkennung. das ihm zu Theil geworden. — Am Abend 
desselben Tages fanden sich die Beamten um Hegierungsrath Meyer im Saale des 
Hotel Zillinger zu einer Abschiedsfeier zusammen. 


An der k. k. Hofbibliothek sind zur Verwendung in der Papyrus- 
Sammlung zugelassen worden: k. k. Universitäts-Professor Dr. Jacob Krall 
(Aegyptolog) mit dem Titel eines Honorar-Custos und k, k. (rymnasial-Professor 
Dr. Carl Wessely (class. Philologe); als wissenschattliche Hilfsarbeiter sind ein- 
getreten: Dr. Arpad Weixlgürtner (Kunsthistoriker Dr. Matteo Bartoli (Ro- 
manist) und Dr. Rudolf Sonnleithner (Germanist); als Volontär (auf Probe) 
Dr. Ferdinand Scherber (Musikhistoriker); Dr. Gustav Glück wurde zum 


E POS = 


Assistenten am kunsthistorischen Hofmuseum befördert. — Dem Bibliothekar 
der k. k. Universitäts-Bibliothek in Czernowitz Dr. Karl Reifen- 
kugel wurde der Titel eines Regierungsrathes verliehen. — Der mit dem Titel 


und Charakter eines Universitäts-Bibliotheks-Custos bekleidete Scriptor der k. k. 
Universitäts-Bibliothek in Krakau Rudolf Ottmann wurde zum 
Custos und der Adjunct am Landesarchiv in Krakau Zbigniew Kniaziolucki zum 
Scriptor an der bezeichneten Bibliothek ernannt. — Der der Bibliothek der 
k. k. technischen Hochschule in Wien zur Dienstleistung zugetheilte Amanuensis 
der k. k. Universitäts-Bibliothek in Graz Dr. Friedrich Baumhackl wurde zum 
Seriptor der Bibliothek der k.k. technischen Hochschule in Brünn be- 
fördert. — Der Amanuensis der Bibliothek der Akademie der bildenden 
Künste in Wien Moritz Warmuth wurde ad personam zum Scriptor ernannt. - - 
An der k. k. Unversitits-Bibliothek in Innsbruck ist der absolvierte 
Jurist Karl Hechfellner als Volontär eingetreten. 


VERMISCHTE NACHRICHTEN. 

(Die Prager Bibliotheken und Tycho Brahe.) Im nächsten Jahre jährt 
sich der Todestag des berühmten dänischen Astronomen Tycho Brahe zum drei- 
hundertstenmale. In Prag, wo Brahe von 1599 bis 1601 als Astronom des Kaisers 
Rudolf II. wirkte und wo er in der Teinkirche begraben liegt, wird für den nächst- 
jährigen October, in welchen Monat der Sterbetag fällt, eine grössere Festfeier geplant, 
welche mit einer Ausstellung aller bisher bekannt gewordenen, in Prag verwahrten 
Tychoniana verbunden werden soll. Bei dieser Gelegenheit soll eine Strasse auf den 
Namen des Astronomen umgetauft und auch das schon etwas verwahrloste Grabmal 
desselben würdig restaurirt werden. Den Anreger wnd das treibende Element aller 
dieser Veranstaltungen bildet der Vertreter der Mathematik an der böhmischen Uni- 
versitát in Prag Hofrath Dr. Franz Studnicka. Derselbe hat nun im Verlage der 
königl. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften eine sehr interessante Arbeit er- 
scheinen lassen, welche den Titel „Prager Tychoniana“ führt und der erwähnten 
Festfeier in würdiger Weise präludiert. Alle in Prag noch vorhandenen Geräthe, Manu- 
scripte und Bücher aus dem Besitze des Astronomen, der u.a. auf seiner Flucht 
auch seine Bibliothek nach Prag mitgebracht hat, sind in der Arbeit aufgezählt, 
beschrieben und gewürdigt. Hofrath Studnicka hat hiebei auch alle jene Bücher 
und Manuscripte, welche bisher bei der in Gang befindlichen Neubeschreibung sowohl 
des Handschriften- als des Bücherbestandes der Prager k. k. Universitäts-Bibliothek mit 
Hilfe des Einbandes oder handschriftlicher Eintragungen als Tychonisch eruiert worden 
sind, bereits einbezogen. Leider ist ein grosser Theil der Tycho’schen Verlassenschaft. 
zweifellos schon in alle Winde zerstreut; was noch gerettet wurde, kann wohl nur 
ein kleiner Bruchtheil des ehemaligen Bestandes sein. Von wichtigen Handschriften 
Tychos führt Studnicka vor allem das Tagebuch an, welches Tycho seinem erst- 
geborenen Sohne zu Wittenberg im Jahre 1598 widmete und in das er selbst 
neben sein in Farben ausgeführtes Brustbild und Wappen eine Zueignung nieder- 
schrieb. Die hochinteressante Handschrift war, was Studnicka unbekannt ge- 
blieben ist, lange Zeit im Besitze des gräflichen Geschlechtes der Klebels- 
berge und gelangte aus dem Nachlasse des kinderlosen Grafen Franz Klebelsberg, 
des zweiten Gatten der Mutter der unlängst verstorbenen „letzten Liebe* Goethe's, 
Ulrike von Levetzow, infolge testamentarischer Verfügung des Erblassers in das 





— 89 -— 


böhmische Museum, welches noch heute die Handschrift als besondere Kostbarkeit 
aufbewahrt. Die Prager Universitäts-Bibliothek besitzt ein bereits 1886 publiciertes 
handschriftliches Lehrbuch der ebenen und sphärischen Trigonometrie (Trianguloruam 
planorum et sphaericorum praxis arithmetica) in 20 Quartblättern, sowie eine eigen- 
händige Abschrift der besten damals bekannten Sinustafeln auf 18 Pergamentblättern. 
In dem bekannten Stammbuche des Siebold Plan, welches die Stiftsbibliothek in 
Strahov verwahrt, erscheint ausserdem eine mit der Unterschrift Tychos versehene 
kurze Sentenz handschriftlich eingetragen. Studnicka erwähnt weiters in seiner Arbeit 
sechs interessante Druckwerke aus der Prager k.k. Universitäts-Bibliothek, welche 
zweifellos einst Bestandtheile der Bibliothek Tychos bildeten, und endlich den grossen 
Sextant Tychos, an welchem die Prager Sternwarte eines ihrer kostbarsten Inventar- 
schätze besitzt. Es soll hier übrigens nicht unerwähnt bleiben, dass diese Sternwarte, 
wie der Director derselben, Professor Weineck, in seiner soeben erschienenen Schrift : 
.Die Tychonischen Instrumente auf der Prager Sternwarte* (Prag 1901) erwähnt, noch 
einen zweiten Sextant aus Tychos Besitz verwahrt. Viel ist also in Prag von Tychos 
Bibliothek und seinen Apparaten nicht erhalten geblieben, allein die nächstjährige Aus- 
stellang der Tychoniana wird trotzdem neben der Besichtigung des prächtigen kaiserlichen 
Lustschlosses „Belvedere“ in Prag, einer der letzten Arbeitsstätten Tychos, und des re- 
staurierten Grabdenkmals des Astronomen in der altehrwürdigen Teinkirche immerhin 
zweifellos das grösste Interesse der Theilnehmer an dem Prager Tycho-Jubiläum erregen. 





Der Praktikant der k.k. Univ.-Bibliothek in Prag Dr. Zdenko Tobolka gibt seit 
1. October 1%) eine in böhmischer Sprache erscheinende Monatsschrift unter dem Titel: 
„České knihovnictví“ heraus, von welcher bereits einige Nummern in der Stärke von je 
zwei Druckbogen erschienen sind. Die Zeitschrift hat bisher einige ganz interessante 
Artikel gebracht, so besonders eine auf eigene Anschauung basierte Schilderung des Volks- 
bibliothekswesens in England von dem k. k. Amanuensis Dr. Bořiwoj Prusik. Ausserdem 
enthält dieselbe literarische Besprechungen und eine grosse Anzahl von kleineren Mitthei- 
lungen, die sich meist mit dem Volksbibliothekswesen in Bóhmen bescháttigen und be- 
merkenswerthe Mittheilungen über die Anzahl und die Einrichtung dieser Bibliotheken 
enthalten. Besonderes Interesse beanspruchen auch die Mittheilungen über den inter- 
nationalen Bibliothekar-Congress in Paris. welehe ebenfalls Dr. Prusik beigesteuert hat. 





Die Gutenberg-Ausstellung der k. k. Hofbibliothek wurde während 
ihrer Dauer vom 4. August bis 18. November 1900 von 14.496 zahlenden Personen 
besucht. Die 92 Corporationen und Lehranstalten, welche sie besichtigten, bestanden 
aus 3811 Personen, so dass die Gesammtzahl der Besucher 18.307 beträgt, eine hohe 
Ziffer, welche am besten zeigt, ein wie grosses Interesse diese schöne Ausstellung 
in allen Kreisen der Bevölkerung erregt hat. 


Dieser Nummer ist der Abschluss und der Titel der als Anhang zu den „Mit- 
theilungen“ erschienenen bibliographischen Arbeit Professor von Weilens: „Zur 
Wiener Theatergeschichte* beigefügt. In der Folge der „Schriften des österr. Vereines 
für Bibliothekswesen“ bildet sie den zweiten Band. Den ersten Band bildet Holz- 
mannundBohattas „Adressbuch der Bibliotheken der österreichischen Monarchie*. 
Wien 1900. Carl Fromme. Das Werk Professor von Weilens ist auch separat 
im Buchhandel, u. zw. im Verlag von Alfred Hölder in Wien erschienen. 


ats D 
e . - . 
- . 


Verantwortlicher Redacteur: Dr. August Weinz. Druck von Gottlieb Gistel & Comp. in. Wien, 


MITTHEILUNGEN 


ósterr. Vereines für Bibliothekswesen. 








V. Jahrgang. Wien, den 21. März 1901. Nr. 2. 
Erscheinen in zwanglosen Heften; für die Mitglieder unentgeltlich. — Abonnementspreis 


für Oesterreich-Ungarn 4 Kronen, für das Ausland 3 Mark 50 Pf. jährlich. In Commission 
bei Gerold £& Com p., Wien, I., Stefansplatz, — Zuschriften sind an den Redacteur der „Mit- 
theilungen“ Dr. August Weisz (Wien, I., Universitàts-Bibliothek} zu richten. 





Inhalt: Leithes bibliothekarische Tháütigkeit in Wien (1514—1806). Von. Reg. BR. 
J. Mever. — , Die historischen Handschriften der Universitäts-Bibliothek in 
Innsbruck. Von Dr. F. Wilhelm. — Ein österreichisches Anonymen- und 
Pseudonymen-Lexikon. -- Der alphabetische Bandkatalog. V. — Vergütung 
kostspieliger Pflichtexemplare. Von Dr. A. Hittmair. — Nachtrag zum 
Adressbuch der Bibliotheken der österreichisch-ungarischen Monarchie. Von 
Dr. H.Bohatta und Dr.M. Holzmann. — Congrès international des biblio- 
thecaires. Von Dr. B. Prusik. — Literarische Besprechungen. — Aus öster- 
reichischen Bibliotheken. — Vereinsnachrichten. — Personalnachrichten. — 
Vermischte Nachrichten. 


m — — n ——— —- air Bebe Ae RI ur masse —— ————— 


Leithes bibliothekarische Thätigkeit in Wien 
(1874—1896). 


Von Rerierungsrath Josef Meyer. 


Es geziemt sich, dass in den für das österreichische Biblio- 
thekswesen bestimmten Blättern eines Mannes gedacht werde. der 
unter den ósterreichischen Bibliotheksbeamten eine hervorragende 
Stellung eingenommen hat. 

Dr. Friedrich Leithe war zu Fieberbrunn in Tirol am 
28. März 1828 geboren. Nach Vollendung der Gymnasialstudien 
besuchte derselbe die Wiener Universität, an welcher er die zwei 
Jahrgänge der philosophischen Facultät absolvirte und sich während 
dieser Zeit vielfach mit philosophischen und philologischen Dis- 
ciplinen beschäftigte, widmete sich sodann den juridischen Studien, 
bestand die hierauf bezüglichen, damals gesetzlichen Semestral- 
prüfungen mit Auszeichnung und erwarb 1852 an dieser Uni- 
versität den philosophischen Doctorgrad. So sehr war dieser 
Mann für das Bibliotheksfach eingenommen, dass er sich sogleich 
nach dieser Erwerbung den Bibliotheksdienst als seinen Lebens- 
beruf erwählte und 1853 als Hilfsarbeiter in die k. k. Hofbiblio- 


> 


bi — 


thek eintrat, in welcher er in dieser Eigenschaft mehr als drei 
Jahre vollbrachte und als vorzüglicher Arbeiter galt. 

Anfangs Jänner des Jahres 1857 bewarb sich Leithe um 
einen damals an der k.k. Universitätsbibliothek in Wien erledigten 
Amanuensisposten. Mit dem Erlasse des Ministeriums für Cultus 
und Unterricht vom 27. Jänner 1857 wurde derselbe zum Ama- 
nuensis und bereits mit dem Erlasse vom 24. April 1857 zum 
zweiten Scriptor an dieser Bibliothek ernannt, in welcher Stellung 
er bis in den Jänner des Jahres 1868 hinein verblieb und von 
dem damaligen Leiter der Bibliothek, Regierungsrath Josef Diemer, 
wegen seiner vorzüglichen Qualitäten hochgeschätzt wurde. In 
dem für das Studienjahr 1864/65 vorschriftsmässig erstatteten 
Berichte über den Zustand der Wiener Universitätsbibliothek 
wurde seiner hervorragenden Thätigkeit in einer so anerkennen- 
den Weise gedacht, dass ihm von Seite des Ministeriums eine 
besondere Belobung zutheil wurde. Wegen seiner ausgezeichneten 
Verwendung an der genannten Anstalt ist dem Genannten auch, 
nachdem er unterm 27. Jänner 1868 unmittelbar vom Scriptor 
mit Ueberspringung der Custosstelle zum Bibliothekar an der 
k. k. Universitütshibliothek in Innsbruck ernannt worden war, 
noch nachtrüglich ausserdem mit dem Erlasse vom 12. Februar 1868 
eine Remuneration von 150 fl. à. W. zuerkannt worden. 

Die Thätigkeit Leithes als Bibliothekar an der k. k. Uni- 
versitütsbibliothek in Innsbruck soll einer besonderen Darstellung 
vorbehalten bleiben. 

Nachdem Leithe schon lüngst für die k. k. Universitüts- 
bibliothek in Wien als Nachfolger Wussins ausersehen worden 
war, erfolgte mit Allerhóchster Entschliessung vom 19. April 1874 
seine Ernennung zum Bibliothekar dieser Anstalt, die Ueber- 
nahme dieses Amtes fand jedoch erst im Laufe des Monates Juni 
statt. Mit dieser Uebernahme kam ein energischer Zug in die 
Verwaltung der Wiener Universitätsbibliothek, Leithe entfaltete 
nach jeder Richtung hin eine ausserordentliche Rührigkeit. 

Als das erste und dringendste Geschäft erachtete es Leithe, die 
aus den trüheren Jahren herrührenden, an den verschiedensten Orten 
der Bibliothek zerstreut liegenden Rückstünde, 6650 an der Zahl *), 


*) Laut des pro 1881/82 erstatteten Jahresberichtes, der zugleich ein Resume 
desjenigen enthielt, was in dem Zeitraum. 1872/73 — 1882/83 geleistet wurde, ist diese 
Zahl mit 7153 Bänden angegeben und hiehei bemerkt „ein ganzer Jalhreszuwachs“ ! 








— DD — 

aufzuarbeiten, also zu beschreiben und zu katalogisieren. 
Diese Aufarbeitung wurde von Leithe in sehr eindringlicher 
Weise betrieben, viele dieser Bücher sind von ihm selbst be- 
schrieben und die Eintragungen in den alphabetischen Haupt- 
katalog und in die Localrepertorien eigenhündig vorgenommen 
. worden. Laut des pro 1876/77 erstatteten Znstandsberichtes ist 
der ganze Rückstand im Jahre 1877 seiner Erledigung zuge- 
führt worden. 

Eine grosse Sorgfalt widmete Leithe der Klarstellung 
der Fortsetzungswerke. Dieselben befanden sich bei seinem Amts- 
antritte in einem stark deroutierten Zustande, sie waren auf 
Sedezzetteln geschrieben und die eingelangten einzelnen Bestand- 
theile sollten auf denselben ersichtlich gemacht werden. Eine grosse 
Anzahl derselben ging jedoch eben wegen dieser precären Form 
der Anlage verloren, ehe es zur Eintragung in die Kataloge 
kam, die Mehrzahl der übrigen war nicht genau geführt, oder 
es war, wenn das betreffende Werk längst complet geworden 
oder weiter von demselben nichts erschienen ist, die entsprechende 
Eintragung in die Kataloge nicht gemacht worden, so dass man 
fast von keinem derartigen Werke mit Sicherheit sagen konnte, 
was die Bibliothek von demselben hatte, oder was ihr davon 
fehlte. Durch die mit Aufwendung grosser Mühen und ausser- 
ordentlicher Geduld gepflogenen Erhebungen sind laut des pro 
1374/75 erstatteten Berichtes 4286 solcher Werke richtiggestellt 
und ist in den Katalogen evident gemacht worden, dass diese 
Fortsetzungswerke entweder complet sind, oder dass von den- 
selben nichts mehr zu erwarten ist, die fehlenden Stücke wurden 
sogleich ergänzt, oder wurden bei nicht mehr ausreichender Do- 
tation bezüglich solcher Werke Defectzettel angelegt. Die Er- 
 günzung der vielen in der Bibliothek überhaupt vorhandenen 
Lücken wurde dadurch ermöglicht, dass im Jahre 1875 
die bei der Universitätsquästur erliegende, aus den seit dem 
Jahre 1851 capitalisierten Matrikelgeldern entstandene National- 
anlehensobligation per 10.000 fl. sammt den nicht detachierten 
Coupons, wofür 7871 fl. 48 kr. als Erlös erzielt wurde, mit Zu- 
hilfenahme der damals 3150 fl. betragenden Matrikelgelder zum 
Ankaufe der fehlenden Bestandtheile und zur Ausfüllung sonstiger 
Lücken verwendet worden ist. Auch wurden von nun an auf der 
Rückseite der Titelcopien die successive zur Aufstellung kommenden 

EZ 


Eie CD des 


Theile der Fortsetzungswerke, die Jahre, in welchen die Auf- 
stellung erfolgte, und bei zu kaufenden Werken auch die Preise 
der einzelnen Stücke ersichtlich gemacht und sodann auf Grund 
dieser Aufschreibungen die etwa erforderlichen Ergänzungen der 
Abgänge veranlasst. 

Bezüglich der sogenannten kleinen Schritten (Schriften unter 
100 Seiten wurden als solche angenommen) ist ein eigenthümliches 
Verfahren beobachtet worden. Diese Schriften wurden nämlich 
zwar in dasjenige Fach des Systems, zu welchem sie ihrem In- 
halte nach gehörten, eingereiht, erhielten aber in jedem der 
Formate III, II, I (Folio, Quart, Octav) eine selbständige, von der 
Zahl 1 an beginnende Numerierung, welcher eine Null vor- 
gesetzt war, z. B. Anat. I 031 (die sogenannten Nullschriften auf 
den Nullbógen, Leithe nannte diese Eintheilung wohl nicht 
ganz treffend die decimale). Dieselben wurden in dem betreffenden 
Localrepertorium und in dem betreffenden Fache desselben je 
nach dem Formate bei III, II, I, aber erst nach den grösseren, 
nicht mit Null signierten Werken, und von diesen dureh Zwischen- 
rüume getrennt eingetragen, so dass sle gewissermassen Unter- 
abtheilungen des betreffenden Formates bildeten, in den Bücher- 
kästen selbst waren sie hinter den grösseren Werken aufge- 
stellt, nämlich derart, dass zuerst diese eine Reihe bil- 
deten und dann erst die Nullschriften angeschlossen wurden. 
Leithe wollte durch diese Verfügung bewirken, dass die soge- 
nannten kleinen Schriften nicht, wie es früher der Fall war, als 
selbständige (Glieder für sich ein eigenes Fach bildend dem 
Systeme entrissen oder in der Aufstellung mit anderen grösseren 
Werken vermischt und daher, weil grösstentheils nur broschiert, 
beschädigt werden oder gar in Verlust gerathen. Durch diese 
Untertheilung wurde jedoch die Uebersicht bezüglich eines jeden 
Faches in dem betreffenden Localrepertorium sehr erschwert und 
war für diese Verfügung auch keine Nothwendigkeit vorhanden, 
denn diese kleineren Schriften können ganz wohl nach dem Systeme 
in die betreffenden Fächer eingereiht und auch in der Auf- 
stellung selbst mitten unter den grösseren, umfangreicheren 
Werken belassen werden. man braucht eben nur hie und da in 
der fortlaufenden Nummernreihe eine grössere Anzahl von 
Nummern hintereinander, also geschlossen, für solche kleine 
Schriften sowohl im Localrepertorium als auch im Aufstellungs- 


— Di — 


raume selbst reserviert zu halten und man hat sodann ein com- 
pacteres Ganzes, welches zwischen den grösseren Werken fest 
eingefügt ist, wodurch die Gefahr des Verlustes beseitiget oder 
doch sehr verringert ist. Auch sollten ja selbst die kleineren 
Schriften in einer gut verwalteten Bibliothek mindestens halbsteif 
gebunden werden, wodurch sie zwischen den grösseren Werken 
und unter sich selbst nicht so leicht durch Reibung Schaden 
erleiden. Merkwürdigerweise sınd aber in der alten Wiener Univer- 
sitätsbibliothek diese kleinen, grösstentheils broschierten Schriften, 
und zwar die schon beim Amtsantritte Leithes vorhanden ge- 
wesenen wie auch die später einlangenden, nicht oder nur sehr 
selten gebunden worden, was doch keinen so grossen Kostenauf- 
wand, der übrigens auch nicht auf einmal hätte bestritten werden 
müssen, erfordert, die bessere Erhaltung aber sehr gefördert 
haben würde. Wenn ferner von jeher wegen der Verschiedenheit 
in dem Formate der grösseren Schriften sowohl in der Auf- 
stellung wie in den betreffenden Repertorien leere Räume be- 
lassen wurden, so hätte ja dieser Usus auch ebensogut wegen 
des Unterschiedes im Umfange beobachtet werden können. 
Eine besondere Aufmerksamkeit widmete Leithe den 
Localrepertorien. Dieselben enthielten bis zu seinem Amts- 
antritte das ganze Gebiet des Wissens in 95 Fächer eingetheilt. 
(Eigentlich enthielten die Localrepertorien 100 Fächer, alleın 
opera in forma extraordinaria, Incunab., Manuscripta, Dissertat. 
med., Dissertat. jurid. konnten nicht als selbständige (lieder 
eines Systems des Wissens angesehen werden.) Jedes Fach hatte 
die drei Formate III (folio), II (quart), I (octav) und in jedem 
der letzteren eine mit 1 beginnende, fortlaufende Numerierung, und 
auf diese Weise waren auch die Bücher auf der linken oberen 
Seite des vorderen Einbandes signiert. Unter Leithes Regime 
kam hiezu noch, wie schon oben bemerkt, die Nullsignierung der 
sogenannten kleinen Schriften. Bei dieser Einrichtung deckten 
sich demnach Aufstellung und System miteinander, beide waren 
aufeinander gegenseitig angewiesen, eine von der anderen ab- 
hängig. Leithe nahm nunmehr eine Revision des der Bücher- 
aufstellung zugrunde liegenden bibliographischen Systems vor. 
Um die Unsicherheit und Willkürlichkeit, welche bisher in der 
Signierung der Werke, d. h. in der Einreihung derselben in die 
einzelnen Fächer des Systemes platzgegriffen hatte, zu beseitigen 


oder doch wenigstens auf das geringste Mass zurückzuführen. 
hatte Leithe mit eigener Hand auf dem Vorsteckblatte eines 
jeden Localrepertoriums einen Schlüssel, nämlich Erläuterungen 
darüber gegeben, was in das betreffende Fach oder die betreffenden 
Fächer einzureihen sei, den Inhalt derselben sowohl positiv als 
auch negativ, durch Abgrenzung gegenüber anderen verwandten 
Materien festgesetzt. Auch ein eigener Index mit Buchstaben- 
marginalien wurde angelegt, in welchen die nach sorgfältiger 
Ueberlegung des zu subsumierenden Falles jeweils getroffenen 
Entscheidungen zur künftigen Darnachachtung eingetragen wurden. 

Um den Inconvenienzen des der Bücheraufstellung zugrunde 
liegenden bibliographischen Systems, soweit als es möglich und 
nöthig war, zu begegnen, wurden einige Bibliotheksfächer, näm- 
lich „Auctores germanici austr. — Jusciv.aust. — Theolog. aca- 
tholica — Hebraica — Itinera“, deren Absonderung mit dem ge- 
sammten Systeme in Widerspruch stand, aufgelassen, hingegen 
andere, nämlich „Linguae slavicae — Industr. et Commere. — 
Gynaekolog. et Paediatrik — Jus statut. — Leg. polit. — Patristik 
— Judaica et Islamitica* in das System neu eingeführt, um fühl- 
bare Lücken desselben auszufüllen. „Auct. germ. aust.“ wurden 
mit „Auctores german.*, „Jus civ. aust.* mit „Jus civile“, , Theolog. 
acath.“ mit „Dogmatica“, „Hebreica“ mit „Linguae orientales* und 
,ltinera^ mit ,Geogr. et Stat.^ vereinigt, so dass also bis zum 
Amtsaustritte Leithes (1884) 97  Bibliotheksfücher bestanden, 
in deren jedem die Bücher nach den Hauptformaten gesondert 
waren, wobei die kleineren Schriften mit decimalbruchartigen 
Signaturen den grossen Werken in der Aufstellung wie ın den 
Localrepertorien folgten. 

Wie aus dem pro 1374/75 erstatteten Jahresberichte zu 
entnehmen, hatte Leithe ursprünglich den Plan. nach voll- 
endeter Abschrift des gebundenen alphabetischen Kataloges die 
alsdann freigewordenen Grundzettel fachweise zusammenzulegen, 
und auf diese Art aus denselben einen systematischen 
Katalog zu bilden, welcher durch Hinzunahme der für diesen 
Zweck zu priiparierenden Adligate und Auszugszettel, sowie der 
auf andersfärbigem Papier zu schreibenden Doppelzettel solcher 
Werke, die in mehr als Ein Fach einschlagen, an Vollständigkeit 
kaum mehr etwas zu wünschen übrig liesse, und, insoweit er 
beweglich ist, den im Laufe der Zeit sich ändernden theoretischen 


n: i s 


Anschauungen und praktischen Anforderungen, unabhängig vom 
Aufstellungssysteme, mit Leichtigkeit angepasst werden könnte. 

Bei dem von Leithe beabsichtigten Verfahren wären rück- 
sichtlich des weitaus grössten Theiles des Bibliotheksbestandes 
der alphabetische Grundkatalog aufgelöst und in die Fächer des 
Systems zersplittert worden, während rücksichtlich der inzwischen 
(nach seinem Amtsantritte) eingelangten Bücher wieder ein al- 
phabetischer Grundkatalog bestanden hätte, oder hätten auch 
diese Zettel sogleich nach ihrer Eintragung in den alphabetischen 
Hauptkatalog für den systematischen Katalog verwendet werden 
sollen? Dann würde gar kein alphabetischer Grundkatalog be- 
standen haben. Ein alphabetischer Zettelkatalog bildet aber in 
jeder Bibliothek naturgemäss die Basis für die bibliothekarischen 
Arbeiten. Allerdings wäre schon durch das fachweise Zusammen- 
legen der Grundzettel der systematische Katalog von selbst ge- 
bildet worden und das Schreiben desselben erspart geblieben, 
während bei Belassung der Grundzettel in alphabetischer Ordnung 
der systematische Katalog besonders verfasst werden muss. Allein 
letzterer soll ja auch der allgemeinen Benützung zugänglich sein, 
wenn er Nutzen bringen will, und die ernsten Bedenken, welche 
der Benützung des alphabetischen Grundkataloges von Seite des 
Publicums entgegenstehen, und eben zur Creierung eines gebun- 
denen alphabetischen Kataloges drüngen, bestehen auch ebenso 
rücksichtlich einer solchen Benützung des systematischen, in Zettel- 
form befindlichen Kataloges, und lassen daher die besondere An- 
fertigung eines systematischen Kataloges als zweckmüssig er- 
scheinen. 

Diese gegen die Ausführung seines ursprünglichen Planes 
sprechenden Argumente scheint Leithe wohl erwogen zu 
haben, denn in dem pro 1877/78 erstatteten Jahresberichte 
gesteht er selbst ein, dass seinem in dem Jahresberichte pro 
1874/75 entwickelten Plane wichtige bibliothekarische Bedenken 
entgegenstehen. In dem pro 1877/78 erstatteten Zustandsberichte 
sprach Leithe über diesen wichtigen Punkt seine Ansicht aus 
und sagte: 

„Dem oft masslosen Verlangen nach Materienkatalogen kann 
am ehesten von jenen Bibliotheken entsprochen werden, welche. 
wie die Wiener Universitätsbibliothek. eine systematische Auf- 
stellung haben. so wenig auch diese Aufstellung in anderer Be- 


— 60 — 


ziehung wünschenswerth ist. Die Standortsrepertorien, in welchen 
die Bücher in derselben systematischen Anordnung, in welcher 
sie aufgestellt werden. auch verzeichnet sind, können eben dieses Um- 
standes wegen bis zu einem gewissen Grade die Stelle von Fachkata- 
logen vertreten. Allerdings ist letzteres unvollkommen der Fall. 
einmal darum. weil in diesen Localrepertorien nur Werke eines 
Faches verzeichnet sind, die bei dem betreffenden Bibliotheks- 
fache auch wirklich ihre Aufstellung haben, wogegen jene doch 
auch zum Fache gehörigen Werke fehlen, welche entweder: 
a) anderen Werken adligiert, also am Orte dieser letzteren aufgestellt 
sind, oder 5) Bestandtheile von Sammelwerken bilden (wozu in 
gewissem Sinne auch die Aufsätze der Schulprogramme gehören), 
oder c) ın mehr als ein Fach einschlagen und doch nur bei Einem 
stehen können. Eben darum, weil der Begriff eines Bibliotheks- 
faches mit dem eines wissenschaftlichen nicht überall sich deckt. 
da in der Bibliothek aus Rücksicht auf ein gewisses Ebenmass 
in der Aufstellung nicht selten kleinere Literaturfächer mit an- 
deren verwandten unterschiedslos zu einem grösseren Fache zu- 
sammengelegt. grössere aber, um die Aufstellung nicht zu 
complicieren, niemals in die einzelnen Disciplinen, aus denen sie 
bestehen, weiter untergetheilt sind, 

entschloss sich Leithe, um diesen Mängeln abzuhelfen, ad 
a) zum liocalrepertorium eines jeden Faches Supplementarbögen 
in der Form von Beilagen anzulegen, in welchen die Titel aller 
jener Werke verzeichnet erscheinen, welche ausser den thatsächlich 
bei dem betreffenden Fache aufgestellten ebenfalls noch dahin 
gehören, jedoch fremden Werken desselben oder eines anderen 
Faches adligiert in Sammelwerken unter selbständigen Titeln 
enthalten oder einem anderen Fache, zu dem sie ebensogut ge- 
zogen werden könnten, zugetheilt sind. Laut des pro 1881/82 
erstatteten Zustandsberichtes waren Ende 1882 192 Supplementar- 
bögen nebst den Aufsätzen der Schulprogramme angelegt.*) Ad /) 
Um mehrere zu einem Bibliotheksfache vereinigte Disciplinen, 
ohne die chronologische Ordnung ihrer Aufstellung zu zerstüren, 
auseinanderhalten zu können, wurde in Jedem Localrepertorium. 





*) Derlei Verzeichnisse sind jedoch bei der Uebersiedlung der Wiener Uni- 
versitätsbibliothek nicht vorgefunden worden, dieselben scheinen wenigstens zunächst 
nieht für die öffentliche Benützung bestimmt gewesen, sondern von Leithe privatim 
angelegt worden zu sein. 


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wie auch in den zu jedem solchen gehórigen Supplementbeilagen 
vor dem Titel eines jeden Werkes durch rothgeschriebene Buch- 
staben die Disciplin angedeutet, welcher dasselbe im Fache näher 
angehört. Dies wurde rücksichtlich der beiden Localrepertorien, 
26 (Anatomie und Anthropologie) und 29 (Gynäkologie), auch wirk- 
lich durchgeführt. Localrepertorium 26 wurde in 2 Theile ge 
theilt, 26/1 enthielt«a) descriptive Anatomie, aa) Histologie, 5) Phy- 
siologie, bb) Entwicklungsgeschichte!) ‘| Gemeinsames, Allgemeines 
und Gemischtes. 26/2 enthielt: Anthropologie «) Naturgeschichte 
und Urgeschichte des Menschen, b) Physiologie und Psychophysik, 
c) Physiognomik und Kranioskopie. ‘| Gemeinsames, Allgemeines, 
Gemischtes. Desgleichen wurden im Localrepertorium 29 (Gynä- 
kologie) die Unterabtheilungen a) Frauenkrankheiten, b) Geburts- 
hilfe, c) Kinderkrankheiten *, Gemeinsames, Allgemeines, Gemisch- 
tes geschaffen. Eine streng räumliche Scheidung dieser Unterabthei- 
lungen im Localrepertorium selbst war jedoch nicht durchgeführt, 
daher auch die Uebersicht dessen, was sich an Werken in jeder 
dieser Unterabtheilungen in der Bibliothek befand, sehr schwer 
zu erlangen, indem den einzelnen Werken nur die obbemerkten 
Bhchstaben a, aa, b, bb, c vorgesetzt waren. Leithe glaubte, wie 
er selbst sich ausdrückte, durch die geschilderte Ergänzung und 
Einrichtung der vorhandenen Localrepertorien dieselben unbe- 
schadet ilıres eigentlichen Zweckes in brauchbare Fachkataloge 
umgestalten zu können, aus denen Jedermann bequemer, als dies 
nach dem in dem Jahresberichte 1874/75 entwickelten Plane, 
welchem wichtige bibliothekarische Bedenken entgegenstanden, 
der Fall war, dasjenige erfährt, was die Bibliothek an Werken 
eines bestimmten Literaturgebietes thatsächlich besitzt. 


(Fortsetzung folgt.) 


Die historischen Handschriften der Universitäts- 
bibliothek in Innsbruck. 


Von Franz Wilhelm. 


Wie allenthalben in den öffentlichen Bibliotheken Oester- 
reichs geht auch die Ansammlung des Handschriftenschatzes in 
der Universitätsbibliothek zu Innsbruck zurück auf die Kloster- 

6 


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aufhebungen.*) Nachdem die Bibliothek von Kaiserin Maria x 
Theresia am 22. Mai 1745 gegründet und sogleich mit einer be- 
deutenden Anzahl von Druckwerken ausgestattet worden war, 
wurden ihr noch von derselben Herrscherin die Bibliotheken der 
aufgelösten Jesuitencollegien von Innsbruck, Hall und Brixen 
zugewendet. An handschriftlichem Materiale bargen dieselben 
freilich nur wenig. Reichlicher wurde der Zufluss erst durch die 
Klosteraufhebungen Kaiser Josephs II. und jene der bayerischen 
Regierung im Jahre 1808. Bei der ersten Grelegenheit wurden der 
Universitätsbibliothek in Innsbruck auch die handschriftlichen 
Schätze der sämmtlichen aufgelösten tirolischen Klöster zu- 
gewendet, soweit nicht die Hofbibliothek in Wien von dem ihr 
eingeräumten Vorwahlrechte Gebrauch machte. Damals kamen 
die reichen Bestände der Karthause Schnals nach Innsbruck; 
nur Vereinzeltes lieferten die Kapuziner in Innsbruck, die 
Augustiner in Seefeld, die Schwestern im Hallthal und Thal- 
bach. Das Jahr 1808 brachte die Handschriften von Neustift. 
Stams und Wilten nach Innsbruck, da Fiecht von der gelegent- 
lich der Wiederaufrichtung dieser Klöster durch Kaiser Franz I. 
getroffenen Verfügung, die nicht schon in die Kataloge em- 
getragenen Bücher zurücknehmen zu dürfen, in vollem Umfange 
Gebrauch machte. 

So war denn der Grundstock geschaffen durch officielle 
Ueberlassungen. Bald gesellten sich dazu Geschenke von Privaten. 
Als Graf Franz Wolkenstein im Jahre 1800 die Bibliothek seines 
Vaters nach Wien überführte, schenkte er der Universitäts- 
bibliothek alle Tirolensia, darunter eine bedeutende Anzahl 
wichtiger Handschriften vom 15. bis 18. Jahrhundert. Auch unter 
den im Jahre 1809 von Graf Leopold Künigl und in der Folge- 
zeit von anderen Privaten geschenkten Büchern befanden sich 
einige Manuscripte. 

Ausser diesen Handschriften bekannter Provenienz enthält 
die Sammlung der Universitätsbibliothek noch eine bedeutende 
Reihe von Bänden, bei welchen sich die Herkunft nicht mit 
Sicherheit feststellen lässt. Ein Theil derselben entstammt ge- 


*) Vergl. F. Leithe, Die k. k. Universitütsbibliothek in Innsbruck, in Petz- 
holdt, Neuer Anzeiger für Bibliographie und Bibliothekswissenschaft, Jahrg. 1874, 
S. 260 ff. (Wiederabdruck aus dem Boten für Tirol und Vorarlberg, LX. Jahrg. 1874, 
S. 986, 996). 


— 63 - - 


wiss der ehemals in der Hofburg zu Innsbruck aufgestellten 
Bibliotheca regiminalis, obwohl nur ein kleiner Theil mit diesem 
Besitzvermerke versehen ist, ein anderer der erzherzoglichen 
Hofbibliothek im Wappenthurm zu lnnsbruck. Bei den meisten 
führt schon der Inhalt auf diese Führte.*) Da eine Scheidung 
nicht gut möglich war, werden dieselben am Schlusse gemeinsam 
aufgeführt, darunter auch eine Anzahl von interessanten Bänden, 
die man ihrem Inhalte nach allerdings am ehesten in einer 
Klosterbibliothek suchen würde, die aber eines Besitzvermerks 
entbehren und bei denen eine Provenienzbestimmung nach Sig- 
natur oder Einband ausgeschlossen schien. 

Durch diese ofticiellen Ueberlassungen und privaten Schen- 
kungen sammelten sich allmählich nahezu 1050 Handschriften 
in der Universitätsbibliothek zu Innsbruck an. Nicht mit allen 
werden sich, wie schon der Titel sagt. die folgenden Ausfüh- 
rungen beschäftigen. Nur von den für die Geschichte wichtigen 
soll der Inhalt angegeben werden und auf die für Literatur- und 
Rechtsgeschichte in Betracht kommenden kurz hingewiesen werden. 

Auf die nähere Bestimmung des Inhaltes vermag ich nur 
bei den wichtigeren Sammelbiinden einzugehen. Als ich von be- 
freundeter Seite aufgefordert wurde, meine seinerzeit für archi- 
valische Zwecke gefertigten Notizen zu veröffentlichen, war ich 
bereits von Innsbruck dauernd abwesend und meine Stellung 
gestattete mir nur kurze Zeit dahin zurückzukehren und die- 
selben für die Zwecke der Publicierung in einer mich selbst nicht 
ganz befriedigenden Weise zu vervollständigen. Wenn ich mit 
der Veröffentlichung nicht zurückhalte, so geschieht dies aus 
dem Grunde, weil ich wohl nicht hoffen darf, es werde jemand 
anderer in absehbarer Zeit sich entschliessen, meine Auszüge zu 
vervollständigen und zu vervollkommnen. Diese Umstände mögen 
neben dem Grunde des Wichtigen und Unwichtigen eine gewisse 
Ungleichmässigkeit in der Behandlung der einzelnen Hand- 
schriften zugleich erklären und entschuldigen. 

Die Angabe von Grösse und Format sowie des Beschreib- 
materiales liess ich theils aus Raumersparnis, theils aus dem 


*) Einige Bände tragen den Besitzvermerk: Bibl. publica Oenipontana. — 
Diese Handschriften óffentlicher Provenienz gelangten noch unter Kaiserin Maria 
Theresia in den Besitz der Bibliothek (vergl. Leithe a. a. O., S. 260), die der 
Bibliotheca regiminalis im J. 1745. 
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Grunde weg, weil die folgenden Notizen lediglich. den Zweck 
verfolgen, auf den Inhalt der Handschriften aufmerksam zu 
machen. Dagegen suchte ich überall, soweit dies möglich war, 
Provenienz und Zeit zu bestimmen. Diese beiden Factoren bilden 
auch den Eintheilungsgrund für die folgenden Aufführungen. 
Soweit es sich feststellen liess, wird versucht, die Handschriften 
nach ihrer Herkunft geordnet aufzuführen. Dass auch in dieser 
Hinsicht Vollkommenes sich nicht bieten lässt, wurde schon ge- 
sagt. Innerhalb dieser Abtheilungen sind die Handschriften nach 
der Zeit geordnet, aus welcher dieselben stammen. Den Schluss 
bildet ein Verzeichnis der in den Handschriften genannten 
Schreiber, der Auftraggeber, der Schenker für einzelne Klöster 
und der zufälligen Vermerke über Büchererwerbungen, sowie 
die Aufführung der Nummern der illuminierten Codices. 


Jesuiten in Innsbruck. 


Nr. 955. s. XVI. Franciscus Philelphus ad Nicolaum s. Romane ecclesie car- 
dinalem, Prefatio in Xenophontis librum de re publica. 

Nr. 9. s. XVII. Epistole Ignatii de Loiola. 1. De obedientiae virtute; 
vom J. 1553. — 2. Regulae societatis Jesu. — 3. Patris Ignatii de Loiola direc- 
torium exercituum spiritualium von 1591 und die Bestátigung der Exercitien von 
Papst Paul III. von 1599, sowie andere auf die Regel und die Excrcitien der 
Jesuiten Bezug nehmende Aufzeichnungen. 

Nr. 146. s. XVII. Harmonia ecclesiae historica; den Herzogen Albert. Wilhelm 
und Ferdinand von Bayern gewidmet. 

Nr. 804. s. XVIII. Status temporalis collegii societatis Jesu Oeniponti a Ca- 
lendis Januarii 1131 usque ad Calendas Julii 1732. 


Jesuiten in Hall. 


Nr. 84. s. XV. Q. Curtius Rufus. De gestis Alexandri libri III— XII. 

Nr. 148. s. XV. Vollstindige Virgilhandschrift. 

Nr. 738. s. XV. Magister Loppo de Zierexe (Zierikzee auf der Insel Schouwen), 
artium atque utriusque iuris doctor in alma universitate Coloniensi, Reportata super 
tertio et quarto libro institutionum. 

Nr. 141. s. XV. Johannis Mechlinie commentaria in logicam. 

Nr. 950. s. XV. Zusammengebundene Drucke, denen am Sehlusse ,Leonardi 
Aretini epitaphium ab Enea Silvio Senensi poeta editum“ beigebunden ist. 

Nr. 55. s. XVI. Phraseologia Latino-Graeca; die Vorrede, geschrieben 1619, 
ist gerichtet an den Innsbrucker Jesuiten Mutius Vitellesius. 

Nr. 1016. s. XVII. M. Jaques Vontet, La vraye methode de arencher les 
viandes; mit Kupfern. 

Nr. 511. s. XVIII. Copie oder Abschritft ettlicher Brieffen, in welchen die 
Mission in unterschidlichen Orthen .beschriben wird, welche von denen Patribus 
Missionariis S. J. in Oberteutschland gehalten worden anno 1718. 


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Karthause Schnals. 


Nr. 57. s. XIII. Tancred, Ordo iudiciarius. 

Nr. 322. s. XIII. Summa dictaminum (metrica); tol. 126—136. 

Nr. 339. s. XIII. Summa Raimundi. 

Nr. 368. s. XIII. Summa iuris. 

Nr. 313. s. XIII. Tractatas de IIII capitulis sp[hlere, mit dem Vermerk: 
Anno domini MCCXLIIII audivi compotum Parisius, indictione secunda, intrante 
' Maio. — Proprietates mensium. — Massa compoti metrica. — De medicina. 

Nr. 396. s. XIII. Enthält auf f. 63 einen Brief des Erzbischofs Gerhard von 
Mainz an die Minderbrüder seiner Diöcese von 1297 März 5 Mainz (II[. Non. Marecii 
anno VIII). 

Nr. 400. s. XIII. Summula dietaminis. - Ine.: De arte dictandi breviter et 
lucide secundum usum modernorum etc. Enthàlt: 1. Constitutio de expeditione Ro- 
mana (Caroli magni — Mühlbacher nr. 306 (2971. — 2. Schreiben Gregors IX. an 
den Erzbischof von Salzburg = B(óhmer)-F(icker)-.W(inkelmann) nr. 6711, aber 
mit der Datierung: Anagnie IIIT. Non. Octobris pontificatus nostri anno primo (1227 
October 4). — 3. Schreiben des Kónigs J. von Jerusalem an Kaiser Friedrich II. 
über seine Erfulge im hl. Land. 4. Schreiben Honorius III. über den Priester- 
könig Johannes = BFW. nr. 6446, aber an den Erzbischof von Salzburg und dessen 
Suffragane gerichtet. — 5. Gänzlich undatierte Briefe und Fragmente von solchen, 
soweit Namen genannt sind, sümmtliche aus der Zeit Friedrichs II. 

Nr. 461. s. XIII. Mitten unter theologischen Tractaten auf f. 154 eine Auf- 
zeichnung aus dem Jahre 1287 über Vergabung von Weingärten durch F. celerarius 
Cesariensis an den Colonen Benzo de Krummen. 

Nr. 942. s. XIII. Enthält f. 49° -50° urbariale Aufzeichnungen s. XIII. mit 
der Ueberschrift: Hii sunt redditus canonicorum vinum solventes ad usum prebende. 
Diese Ueberschrift, die vorkommenden Ortsnamen, sowie namentlich der Passus: 
Item de novo prepositus Wintherus constituit apud Penzendorf etc. machen es zur 
Sicherheit, dass diese Einkünfte den Canonikern von Brixen angehören und diese 
Aufzeichnungen in irgend einem nüheren Zusammenhang mit dem sogenannten 
Calendarium. Wintheri stehen, das im Innsbrucker Statthaltereiarchiv aufbewahrt 
wird. Diese Handschrift muss also einmal Eigenthumn des Domcapitels in Brixen 
gewesen sein. 

Nr. 70. s. XIV. Libri sex decretalium mit Glossen; daranf f. 417°: Consti- 


tation Bonifaz VIII. von 1292 Februar 18 Lateran == Potthast nr. 24913. — 
f. 418°: Urk. Bonifaz VIII. von 1300 Februar 22 Rome — Potth. 24917. -- f. 418°: 
Urk. desselben von 1299 Sept. 27 Anagni == Potth. 24881. — f. 419: Constitution 


desselben von 1302 Mai 31 Anagni = Potth. 25155. 

Nr. 266. s. XIV. Summa Reymundi. 

Nr. 480. s. XIV. Enthält f.80 88: Vita Ottonis Babenbergensis episcopi; 
ein Auszug aus Herbords Dialog, welcher aber auf eine bisher unbekannte Herbord- 
handschrift zurückgeht. *) 


Nr.498. s. XIV. Processus iudiciorum des Egidius de Foscariis. -- f. “F: 
Urk. Bischofs Johann von Brixen von 1316 April 8. f. 79: Landrecht des 





*) Vergl. dazu meine Bemerkungen im Ergänzungsbd. VI der Mitth. d. Instit. 
S. [85 ff, woselbst anch eine genaue Inhaltsangabe des Sammelbandes. 


Schwabenspiegels. -— f. 147: Urk. König Rudolfs von Habsburg von 1287 Februar 
18 Wien für die Dienstmannen und Landleute von Steiermark — Redlich nr. 697 
(in deutscher Uebersetzung). 

Nr. 136. s. XV. Enthált f. 224 die bulla aurea cum registro. 

Nr. 144. s. XV. Neben einer Glosa super cantica canticorum auf f. 128 ff. : 
Richardus de Bur episcopus Dumlnensis (— Durham). Philobiblon de custodia libro- 
rum cum summa diligencia, 

Nr. 147. s. XV. Unter theologischen Tractaten auf f. 251: Epistola oratoris 
Venetorum de his que viderat et cognoverat in curia imperatoris Teucrorum 
(= Turcorum) missa ad illustrissimum regem Aragonum, — f. 255: Instrumentum 
pacis, confederacionis et lige inter Nicolaum papam, regem Aragonum, Venetos, 
ducem Mediolanum atque Florentinos factarum anno 1455 (vergl. nr. 136 f. 235: 


Capitula lige Italice). — f. 263: Consilium universitatis Erfordensis contra olim 
Eugenium papam et contra neutralitatem principum electorum 1440. — f. 269: 


Super consultacionem archiepiscopi Salezeburgensis, apostolice sedis legati, deli- 
beracio et consilium studii Wiennensis. 


Nr. 240. s. XV. Consuetudines ordinis Carthusiensis. — (Constituciones nove 
ordinis Carthusiensis. 

Nr. 478. s. XV. Statuta antiqua ordinis Carthusiensis. — Nove constituciones 
ordinis Carthusiensis. — (Quedam notabilia partim extracta ex cartis, partim vero 


eo modo, quo posita sunt in Carthusia. 

Nr. 481. s. XV. Unter theologischen Tractaten auf f. 127: Declaratio docto- 
rum studii Wyennensis de XXIIII senioribus anno 1420. 

Nr. 482. s. XV. Modo seu forma legendi statuta in domo Carthusie. — Forma 
absolucionis criminis vel excommunicacionis und Innocenz (IIL) Bestátigung der 
Karthüuserstatuten — Potth. nr. 3209. — Consuetudines antique ordinis Carthusiensis. 
— Nove constituciones ordinis Carthusiensis — Continencia privilegiorum ordinis 
Carthusiensis. 

Nr. 636. s. XV. Von f. 196 an. Urkunden und Actenstiicke, welche sich auf 
das Basler Concil, den Türkenkrieg und den Karthäuserorden beziehen, darunter 
ein ins Deutsche übersetzter Brief des Johannes Hunyadi an Konig Ladislaus 
von 1456 an sambstag vor sand Jacobstag (Juli 24) und Canones synodi Brixi- 
nensis von 1453 Februar 7. 

Nr. ‘68. s. XVI. Monasterium omnium angelorum in Snals cum suis confir- 
macionibus et libertatibus ac privilegiis tam Romanorum [imperatorum quam regum 
et principum. — Urbar des Klosters Schnals. 


Seefeld. 
Nr. 2. s. XV. Compilation einer Weltehronik, reichend bis Kaiser Friedrich III. 
mit der Ueberschrift: Imago mundi; geschrieben 1472. 
Nr. 151. s. XVII Saltzburgische Cronica aller und jeder Bischoven und Erz- 
bisehoven des hochlöblichen Erzstiffts und Bisthums ; reichend bis 1560 (Schluss fehlt). 


Innichen. 
Nr. 484. s. XI. Evangeliar, in welches auf f. 12‘, 220° und 232 —233 sieben 
Traditionen an das Kloster St. Candidus (= Innichen) eingetragen wurden, von denen 
zwei datiert sind: 1065 und 119% XVI kal. Aprilis (März 17). — (Fortsetzung folgt.» 


Ein österreichisches Anonymen- und Pseudonymen- 
Lexikon. 


I. Anonymen-Lexikon. 


An den österreichischen Bibliotheken ist es alter Brauch, die anonymen 
. Druckschriften einzelner Verfasser unter deren Namen zu katalogisieren, so dass, 
um ein Umschreiben der Titelcopie und Aenderungen in den Katalogen zu ersparen, 
schon anlässlich der Beschreibung die Nachforschung nach dem Namen des Verfassers 
anrestellt wird. Daher kommt es, dass an den österreichischen Staatsbibliotheken 
ausserordentlich viele Enthüllungen der Verfassernamen anonymer österreichischer 
Druckschriften sich vorfinden. Dass ihre Sammlung nothwendig und wünschenswerth 
ist, und zwar je früher desto besser, ist keine Frage. Es genügt darauf hinzuweisen, 
dass auch in anderen Ländern solche Sammlungen als unabweisliches Bedürfnis em- 
pfunden und angeregt werden. 

Wer soll diese Arbeit übernehmen und wie soll sie ausgeführt werden? 

Wenn in Oesterreich meines Wissens bisher nur für ein einziges Kronland 
eine Bibliographie der enthüllten Anonymen erschienen ist*), so lässt dies voraus- 
sehen, dass ein allgemeines österreichisches Anonymen-Lexikon als Privatunternehmen 
nie zu erwarten sein wird. Denn abgesehen von den grossen Kosten der Material- 
beschaffung, ınüsste auch damit gerechnet werden, dass die Kataloge der Bibliotheken 
nicht ohneweiters zur Verfügung stehen, und dass von Seite der Bibliotheksvor- 
Sstehungen trotz allen Empfehlungen die Arbeit nur soweit wird gefördert werden, 
als es ohne Nachtheil für die Amtsgeschäfte geschehen kann; und das kann sehr 
wenig sein. Es ist überdies keinem Bibliothekar zu verargen, wenn er ungern die 
Früchte der Arbeit, die er, seine Vorgänger und die Beamten geleistet haben, einem 
Sammler preisgibt, der vielleicht von der Literatur des Landes kaum mehr als eine 
Ahnung hat. Das so gesammelte Materiale wird der erreichbaren Vollständigkeit 
nicht entfernt genügen. Einer Privatarbeit zuliebe werden die Bibliothekare sich 
nicht in Nachforschungen nach den noch unentdeckten Verfassern anonymer Werke 
einlassen. 

Diese Gründe und insbesondere der zuletzt angeführte weisen auf den Weg, 
der allein zum Ziele führen kann, auf eine officielle Ausgabe dieser Sammlung 
durch die staatlichen Landesbibliotheken selbst. Ein ähnlicher Versuch liegt ja 
bereits in dem Generalkatalog der laufenden Zeitschriften vor. Wenn bestimmte 
Voraussetzungen gegeben sind, dann ist an dem vollständigen Gelingen dieser Auf- 
gabe nicht zu zweifeln; diese Voraussetzungen sind eine ausreichende Frist für die 
Fertigstellung der Arbeit und, da auch die längste Frist unbenutzt bleiben könnte, 
die partienweise Einsendung des gesammelten Materials innerhalb fester Termine 
an jene Bibliothek, welche mit der Redaction der Sammlung betrant ist. Gemacht 


*) Die Verfasser anonymer Salisburgensien. Zusammengestellt von Dr. Anton 
Hittmair: Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. XXXVII. Ver- 
einsjahr 1897, S. 234—286 und XXXVIII. Vereinsjahr 1808, S. 153—193; Sep.- 
Abdr. 50 + 41 S. 


— “= 


muss diese Arbeit doch einmal werden. Ist sie schon um ihrer selbst willen die 
geringen Herstellungskosten werth, so hilft sie auch einen anderen Zweck erreichen, 
der den Ehrenpunkt jeder Landesbibliothek betrifft: diese Arbeit wird eine Revision 
des Bestandes und der Katalogisierung der Bibliotheca patria zur Folge haben. 
Hierin werden die meisten Bibliotheken Versäumtes nachzuholen haben. Vielleicht 
wird da und dort die Anlage eines Kataloges der landeskundlichen Bibliothekswerke 
angeregt und durchgeführt werden. 

Unter allen Umständen wird die gewissenhafte Ergänzung und Katalogisierung 
der heimischen Druckschriften gesichert sein, denn die angeregte Arbeit ist ja mit 
der einmaligen Veröffentlichung des bis zu einem bestimmten Zeitpunkte erschienenen 
Materials nicht abgeschlossen. Ihre Brauchbarkeit ist bedingt durch Ergänzungen, 
welche in nicht zu entfernten Zeitabschnitten erscheinen sollen. Wenn angeordnet 
wird, dass die von den staatlichen Landesbibliotheken dem Unterrichtsministerium 
jährlich vorzulegenden Zuwachsverzeichnisse so abgefasst werden, dass die aus- 
gewiesenen Werke unter dem Ordnungsworte der Titelcopie aufscheinen und die 
enthüllten Verfassernamen in [ ] das Ordnungswort abgeben, was leider nicht überall 
geschieht, so ist es eine kleine und mühelose Arbeit, den jährlichen Zuwachs ent- 
hüllter Anonymen zusammenzustellen und entweder in einer Beilage zum Verord- 
nungsblatte des Unterrichtsministeriums oder in den Mittheilungen des österreichischen 
Bibliotheksvereines zu veröffentlichen. Selbstverstindlich wird mit der Zeit diese 
jährliche Ergänzung der Anonymen das Nachschlagen unbequem gestalten, und es 
wird daher gelegentlich der Zuwachs mehrerer Jahre zusammengefasst als Supplement 
des Hauptwerkes ausgegeben werden müssen. 

Was die Ánlage des Anonymen-Lexikons betrifft, so erachte ich seine Aus- 
gabe in Abtheilungen, welche jedes Sprachgebiet für sich behandeln, wünschenswerth, 
und zwar in Rücksicht auf die leichtere Benützbarkeit und Absetzbarkeit und den 
weiteren ökonomischen Vortheil, dass die Stärke der Auflage der einzelnen Theile 
genauer dem ungleichen Bedürfnisse nach dieser oder jener nationalen Anonymen- 
sammlung angepasst werden kann. Bietet die eine oder andere nationale Literatur 
ein für ein selbständiges Heft zu geringfügiges Materiale, so kann dieses unbe- 
schadet seiner selbständigen Behandlung dem eines verwandten Sprachgebietes bei- 
gedruckt werden. Anonyma in nicht landesüblichen Sprachen werden wohl am besten 
dem Verzeichnisse der deutschen Anonyma als Anhang beigefügt. Die Ausgabe des 
Anonymen-Lexikons in nationalen Abtheilungen ermöglicht auch die gleichzeitige 
Redaction des Werkes an verschiedenen Bibliotheken und damit die Beschleunigung 
der Ausgabe. 

In das Anonymen-Lexikon sollen aufgenommen werden die enthüllten ano- 
nymen Druckschriften, welche in den österreichischen Kronländern selbständig — in 
bibliographischem Sinne — erschienen sind (daher auch Separatabdrücke) oder als 
Bestandtheile von Werken in einer solchen Form, dass sie nach den allgemein üb- 
lichen Grundsätzen katalogisiert werden müssen (z. B. Abtheilungen mit besonderen 
Titeln); dann auch Herausgeber von hervorragender Bedeutung, z. B. solche, unter 
deren Namen das anonyın zu katalogisierende Werk regelmässig citiert wird. 

Jedes nationale Theil-Lexikon muss zwei Abtheilungen enthalten: die ano- 
nymen Drackschriften des Reichsgebietes 1. nach den anonymen Ordnungsworten, 
2. nach den Verfassern alphabetisch geordnet. Im ersten dieser Verzeichnisse wird 
dem anonymen Titel am Schlusse in [ ] der Name des Verfassers beigesetzt; im 


ei 360, co 


zweiten würde es genügen, den Namen des Verfassers auf das anonyme Ordnungs- 
wort des ersten Verzeichnisses (oder wenn man sich für Numerierung entschliesst, 
auf die entsprechende Nummer) zu verweisen, doch ist es gewiss eine Erleichterung 
für den Benützer des Lexikons, auch beim Namen des Verfassers den Titel des 
Werkes wenn auch in móglich gekürzter Form zu finden. 

Der Werth des Lexikons erhóht sich, wenn das Materiale überdies noch nach 
Krenländern gruppiert wird. Auch in diesem Verzeichnisse ist die Kürzung der 
. Titel zulässig. Ob die Anordnung alphabetisch nach den Verfassern oder, um einen 
neuen Gesichtspunkt zu berücksichtigen, chronologisch erfolgen soll, wird als minder 
wesentlich hier nicht erörtert. Die Einfügung dieser Gruppe würde eine Controlle 
der von jeder Landesbibliothek geleisteten Arbeit leicht machen und damit die beste 
Gewäbr bieten, das diese Bibliotheken das Mögliche leisten und ein Werk zustande 
bringen werden, das den höchsten Anforderungen gerecht wird. 


II. Pseudonymen-Lexikon. 


Trotzdem ein österreichisches Psendonymen-Lexikon an Umfang weit hinter 
dem Anonymen-Lexikon zurückstehen wird, macht doch seine Vorbereitung grössere 
Schwierigkeiten. Denn während die Aufnahme der Anonymen die Beschränkung auf 
die Landesliteratur zulässt und demnach eine mechanische Arbeit ermöglicht, handelt 
es sich beim Pseudonymen-Lexikon nur um persönliche Feststellungen, die aber eine 
Beschränkung auf die Presserzeugnisse des Landes ausschliessen. Ein österreichisches 
Pseudonymen-Lexikon muss die österreichischen Schriftsteller, welche unter Hehl- 
namen geschrieben haben, enthalten, gleichviel ob ihre Schriften im In- oder Aus- 
land erschienen sind. In der Voraussetzung, dass auch diese nothwendige Samm- 
lung officiell besorgt wird — obwohl einem Privatunternehmen bei dieser Arbeit 
nieht so grosse Hindernisse entgegenstehen wie beim Anonymen-Lexikon —, muss 
darauf hingewiesen werden, dass die staatlichen Landes-Bibliotheken bei der Samm- 
lung des Materiales mit zwei grossen Schwierigkeiten zu rechnen haben werden: 
l. mit der Nothwendigkeit, die Erhebungen über den unzureichenden Bücherbestand 
der eigenen Bibliothek hinaus auszudehnen, und 2. mit der Feststellung der Landes- 
Zugehórigkeit einzelner Schriftsteller; denn eine vollständig zureichende Begren- 
zung dieses Begriffes wird sich kaum anwenden lassen. Im allgemeinen wird man 
sich begnügen müssen, als landeszugehórig zu betrachten: 1. die im Lande geborenen, 
2. jene ausserhalb des Landes geborenen Schriftsteller, die durch die Dauer des 
Aufenthaltes oder durch ihr Wirken im Lande als Einheimische betrachtet werden 
müssen. 

Auch jene Pseudonymen, welche Schriftsteller ausschliesslich für nicht selb- 
ständig erschienene Arbeiten gebrauchten, sollen Berücksichtigung finden, wenn sie 
durch biographische oder bibliographische Nachrichten bekannt geworden sind. 

Alle von den Landesbibliotheken gesammelten pseudonymen Schriftstellernamen 
sollen von der mit der Redaction betrauten Bibliothek in ein einziges Alphabet 
zusammengestellt werden in der bekannten Form, dass dem Pseudonym der eigent- 
liche Name (hinter =) beigesetzt wird. Es erscheint aber auch wünschenswerth. 
ein Alphabet der eigentlichen Verfassernamen anzufügen, da es für literarische 
Forschungen wichtig sein wird zu erfahren, ob, wie vieler und welcher Pseudonyme 
sich ein Schriftsteller bedient hat. 


=) 


==, A), == 


Für wesentlich halte ich den Ansatz des Jalıres, für welches das Psendonym 
festgestellt werden konnte. Wurde es auch in späteren Jahren gebraucht, so kann 
der Jahrzahl „fl“ zugesetzt werden. Diese Zahlen sind unter Umständen auch die 
einfachste Art der Differenzierung gleicher Pseudonymen. 


Der alphabetische Bandkatalog. 


V.*) 


Da über die zweckmässige Anlage eines Bandkataloges einer grossen Bibliotliek 
in diesen „Mittheilungen“ eine Discussion eröffnet und bereits von vier verschiedenen 
Seiten zu dieser Frage Stellung genommen wurde, so möchte auch ich mir erlauben, 
im fulgenden einige mir wesentlich erscheinende Gesichtspunkte darzulegen. 

Drei (Gründe scheinen es mir vor allem zu sein, welche für praktische Zwecke 
des Nachschlagens einem Bandkataloge den unbedingten Vorzug vor Zettelkatalogen 
geben, und zwar 1. die Vollständigkeit, welche darin ihren Grund hat, dass 
eine in den Bandkatalog aufgenommene Eintragung im allgemeinen nicht mehr ver- 
loren gehen kann; 2. die Uebersichtlichkeit, welche dem Umstande entspringt, 
dass es móglich ist, auf einer Seite eine gróssere Zahl von Eintragungen derart 
unterzubringen, dass sie der Benützer gewissermassen mit einem Blicke überschaut, 
und 3. der feste Zusammenhang, der es gestattet, den Katalog einem relativ 
weiten Kreise von Benützern zugänglich zu machen, ohne dass hiedurch die Voll- 
stándizkeit oder die richtige Anordnung der Eintragungen gefährdet würde. 

Dagegen haftet dem Bandkatalog der Uebelstand an, dass er gleichsam stets 
ein abgeschlossenes Ganzes darstellt und es daher kaum möglich ist, die neu zu- 
wachsenden Werke conform den bereits vorhandenen Eintragungen im Bandkataloge 
zu verzeichnen. Diesen Uebelstand sollte man jedoch nicht überschätzen, sondern 
sich mit ihm abzufinden suchen, da die Versuche, ihn zu beseitigen, leicht geeignet 
sind, die oben genannten Vortheile des Bandkataloges in Frage zu stellen. 

Dies trifft vor allem die auch von Dr. F. Baumhackl bekämpfte Form 
des streng alphabetischen Kataloges mit grösseren Spatien zwischen den einzelnen 
Eintragungen, welcher jede Uebersichtlichkeit mangelt. 

Aber auch das System der Interfoliierung hat viele Schattenseiten, ebenso wie 
die Verwendung der Rückseiten oder der nebenstehenden Seiten für die Nachträge. 
Denn es kann sehr leicht vorkommen und wird bei diesem Systeme auch oft vor- 
kommen, dass die Anzahl der an einer bestimmten Stelle einzufügenden Neuein- 
tragungen den verfügbaren Raum übersteigt, was dann die Erneuerung des be- 
treffenden Blattes, bezw. seinen Ersatz durch zwei Blätter nothwendig macht, eine 
Operation, die, wenn sie oft vorgenommen werden muss, das feste Gefüge des be- 
trettenden Bandes lockert, in dem Abschreiben der zu ernenernden Blätter eine ergiebige 
Quelle unnützer Arbeit schaflt und den einheitlichen Charakter, ja bei unvorsichtigem 
Vorgange sogar die Vollständigkeit des Kataloges zu gefährden geeignet ist. Anderer- 
seits wird es wieder vielfach solche Gebiete des Kataloges geben, in denen die Zahl 


*) Siehe Jg. IHI, Nr. 3, Jg. IV, Nr. 3, Jg. IV, Nr. 4. 


ded zo 
der Neueintragungen im Vergleiche mit den vorhandenen nur sehr gering ist; man 
denke etwa an irgend ein verbreitetes anonymes Ordnungswort oder an einen sehr 
oft in der Bibliothek vertretenen Schriftsteller, so wird man einsehen, dass die unter 
ein solches Ordnungswort fallenden Neueintragungen sich auf viele Seiten zerstreuen 
werden, so dass jede Uebersicht über die betreflenden neuen Werke verloren geht. 
Eine Katalogseite ist eben ein gar zu kleines Spatium des Alphabetes für die Neu- 
eintragungen. 

Scheinbar von bestechender Einfachheit, aber praktisch kaum durchführbar 
ist das Album-System, welches Dr. S. Frankfurter vorschligt; man bedenko, dass 
nach seinem System auf einer Seite des Kataloges bloss cirea 10 Eintragungen Platz 
finden; da man doch, wenn der Katalog streng alphabetisch bleiben soll, gering 
gerechnet, die Hälfte des verfügbaren Raumes für Nachtrüge frei lassen müsste 
(und auch da werden die nothwendigen Verschiebungen sehr häufig sein), so kann 
man ein ganzes Katalogblatt mit 10 Eintragungen veranschlagen. Um also etwa 
^, Million Eintragungen in dieser Weise unterzubringen (und auf diese Zahl wird 
man in einer grossen Bibliothek jedenfalls gefasst sein müssen) würde man daher 
ungefähr 50.0CO0 Blütter benóthigen. Nun wird ein Blatt, wie Dr. Frankfurter es 
herstellen liess, mit den betreffenden Zetteln gefüllt, an Dicke jedenfalls circa 1 Mm. 
erreichen, da ja ein solches Gebilde auch nicht streng in einer Ebene zu erhalten 
ist. Der Gesammtkatalog hätte also eine so kolossale Ausdehnung, dass die Rücken- 
breite der einzelnen Bände in Summe öU Meter betrüge, also (ein Band mit 10 Cm. 
Dicke gerechnet) 50V Bände erforderlich wären! Ein solcher Katalog wäre geradezu 
selbst eine ganze Bibliothek, und es ist wohl nicht bloss der Gesichtspunkt der 
Kosten, welcher vor der Anlage eines solchen abschreckt. Zudem wäre an dem so 
hergestellten Kataloge noch der Umstand auszusetzen, dass die die Eintragungen 
trazenden kleinen Zettel bei den Verschiebungen und sonstigen Anlässen leicht ver- 
loren gehen könnten und daher die Vollständigkeit des Kataloges keineswegs so 
verbürgt wäre wie bei einem Bandkataloge im gewöhnlichen Sinne des Wortes. 

Was endlich den von Custos Dr. Hittmair besprochenen Zettel-Buch- 
Katalog betrifft, so dürfte dieser für den internen Amtsgebrauch vielleicht ganz 
gute Dienste leisten, für einen allgemein zugänglichen Nachschlagekatalog einer 
grossen Bibliothek sich aber kaum eignen; denn erstens wäre es bei aller Vorsicht 
doch leicht möglich, dass Zettel verloren gehen, somit die Vollständigkeit leidet; 
dann ist aber auch die Uebersichtlichkeit nieht gross, da man niemals besonders 
viele Eintragungen auf einem Blatte wird unterbringen können. Ein derartiges 
Zwittergebilde zwischen Band- und Zettelkatalog gibt den Hauptvortheil des Zettel- 
kataloges, die leichte Beweglichkeit, auf, ohne hiefür in den Vorzügen eines wirk- 
lichen Bandkataloges, nämlich der Uebersichtlichkeit und dem festen Zusammen- 
hange, einen Ersatz zu finden. 

So scheint es mir denn, dass eine vollständige Trennung des Kataloges in 
einen abgeschlossenen Theil und in einen für die Nachträge bestimmten unter allen 
Umständen das Empfehlenswertheste ist; bleibt es auch immerhin eine kleine Mühe, 
die nachträglichen Eintragungen an einer anderen Stelle einsehen zu müssen, so 
stehen dieser doch bedeutende Vortheile gegenüber: Der durchaus fertige Charakter, 
denn der betreffende Theil des Kataloges annimmt und die hiedurch bedingte 
Nettigkeit und Uebersichtlichkeit, während ein an allen Stellen fortwährenden Er- 


zanzungen unterworfener Katalog naturzemäss im Laufe der Zeit unübersichtlich 
GC 


ca 0: s 


werden muss. Ich würde so weit gehen, die Nachtrüge geradezu in besonderen 
Bänden zu verzeichnen und diese zwar in möglichster Nähe, aber doch räumlich 
gesondert aufzulegen, um den Charakter des Abgeschlossenen und Fertigen des 
Hauptkataloges auch äusserlich zum Ausdrucke zu bringen. 

Nun möchte ich mir einige Bemerkungen über die inneren Einrichtungen des 
Bandkataloges erlauben. Vor allem scheint es mir keineswegs sehr praktisch, eine 
streng alphabetische Anordnung der Titel nach rein formalen Gesichtspunkten vor- 
zunehmen; es dürfte sich vielmehr empfehlen, innerhalb desselben Ordnungswortes 
die Titel nach Schlagwörtern anzuordnen, die den Titeln selbst entnommen werden. 
Die Anordnung der einzelnen Eintragungen innerhalb eines anonymen Ordnungs- 
wates würde also meiner Meinung nach etwa conform den Büchverzeichnissen von 
Kayser oder Heinsius vorzunehmen sein. 

Was nun die Autorennamen betrifft, so schiene es mir am praktischesten, 
bloss die Familiennamen, nicht aber die Vornamen der Verfasser zum 
Ordnungsprincip zu machen, und sämmtliche Werke mit demselben Verfasser- 
Familiennamen gleichfalls nach Schlagwörtern des Titels zu ordnen, wobei etwa als 
Grundsatz gelten könnte, immer das den Inhalt am besten charakterisierende Wort 
des Titels zum Schlagworte za wählen. Dass dieser Auswahl des Schlagwortes immer 
eine gewisse Willkürlichkeit anhaftet, verkenne ich nicht; die Auswahl ist jedoch 
in den meisten Fällen sehr beschränkt und man würde wohl in ungünstigen Fällen 
an zwei, in den allerungünstigsten vielleicht an drei bestimmten Stellen nachzusehen 
haben, was gewiss keinen grossen Zeitverlust bedeutet. Man macht nämlich die 
Erfahrung, dass die Benützer die Vornamen der Verfasser im allgemeinen nicht im 
Gedáchtnisse haben und daher bei Verwendung derselben als Ordnungsprincip 
innerhalb häufiger Familiennamen das ganze Spatium dieses betreffenden Familien- 
namens abgesucht werden muss, während der Benützer gewóhnlich in der Lage ist, 
ein hervorstechendes Schlagwort aus dem Titel des gewünschten Werkes zu nennen. 
Die Vornamen der Verfasser könnten ja (wenigstens durch die Anfangsbuchstaben) 
bei der betreffenden Eintragung vermerkt werden, aber für ein Anordnungsprincip 
in einem rein praktischen Zwecken dienenden Kataloge scheinen sie mir nicht 
charakteristisch genng. 

Man wird einwenden, dass hiedurch die Werke eines und desselben Verfassers 
auseinandergerissen werden. Dies ist richtig. doch ist dies, wie ich glaube, bei 
háufigen Familiennamen auch durch die Verwendung der Vornamen nicht zu vermeiden ; 
es ist ja ganz unmöglich, die einzelnen Autoren, welche das Missgeschick haben, 
ihren Namen mit vielen Anderen theilen zu müssen, sagen wir z. B. die sämmtlichen 
„Franz Hofmann“ so reinlich von einander zu sondern, um jedem einzelnen gerade 
seine Werke zuzuordnen; es wären auch im allgemeinen mehr biographische als 
bibliothekarische Interessen, welche eine solche Sonderung etwa wünschenswerth 
erscheinen liessen. Wenn dies nun aber nicht geht, dann halte ich die Anordnung 
sämmtlicher „Hofmann“ nach den Vornamen überhaupt für verfehlt, da die Berück- 
siehtigung der Vornamen das Aufsuchen nur erschwert. 

Die äussere Form der Eintragungen ist jedenfalls von ganz besonderer Wich- 
tigkeit, da diese in hohem Masse die Uebersichtlichkeit zu erlıöhen geeignet ist. 
Auch in dieser Hinsicht möchte ich mir eine Anregung erlauben, welche dahin geht, 
eine deutliche, auffallende Rubricierung den ganzen Katalog beheirschen zu lassen. 
Die einzelnen Rubriken: Ordnungswort, Titel und Erscheinungsort, Jahreszahl, 


mE Lu 


Signatur sollten. meiner Meinung nach durch starke Verticalstriche von einander 
getrennt sein, und es müsste auch unter allen Umständen vermieden werden, dass 
aus einer Rubrik wegen Platzmangel in die andere hinübergeschrieben wird, wozu 
namentlich die Hinweise leicht verleiten kónnen; doch lässt sich auch bei diesen 
ein Ausweg finden unter der Voraussetzung, dass die Hinweise in solcher Kürze ge- 
halten werden, dass die Rubrik „Titel und Erscheinungsort“ sowohl für den ge- 
wiesenen als auch tür jenen Titel, auf welchen gewiesen wird, ausreicht. Verlagsdaten 
wird man bei Hinweisen ohneliin kaum ansetzen. Die für die Jahreszahl bestimmte 
Rubrik kann dieser Bestimmung auch bei den Hinweizen zugeführt werden und in 
die letzte Spalte wird man wie bei einer gewöhnlichen Eintragung die Signatur (zum 
Unterschiede vielleicht in Klammern) aufzunehmen haben. Als Beispiel erlaube ich 
mir den Hinweis des besonderen Titels des zweiten Bandes von Bachmann's Zahlen- 
theorie anzuführen ; derselbe würde nach meinem Vorschlage lauten: 

Bachmann | Die analytische Zahlentheorie V: Bachmann, Zahlentheorie. 
Thl. II. | 1894 ! (I. 28328). 

Compliciertere Titel als zweite Theile der Hinweise lassen sich sehr abkürzen, 
da ja ohnehin die Signatur das Werk präcisiert; es würde z. B. vollkommen hin- 
reichen, den Titel: ,Zeit- und Streitfragen, Deutsche* durch ,Zeit- u. St. Fragen, D.“ 
abzukürzen. Bei solchem Vorgange würde man wohl in den meisten Fällen auch 
bei den Hinweisen mit einer Zeile das Auslangen finden. 

Innerhalb der einzelnen Titel wären vor allem die secundären Ordnungs- 
wörter recht deutlich durch Unterstreichung hervorzuheben, wovon ich mir eine 
ganz besondere Erleichternng beim Aufsuchen verspreche; man setze etwa den Fall, 
es verlange ein Benützer Müller's „Physik“. Man hat dann „Müller“ aufzu- 
schlagen und findet da eine gewiss ungeheuer grosse Anzahl von Titeln solcher 
Werke, die alle von diversen Müllern verfasst sind. Im Alphabete der unterstrichenen 
Schlagwörter dieser Titel wird man nun trotz ihrer grossen Anzahl im Momente die 
Stelle finden, an welcher „Physik“ eingeordnet ist und hier die sämmtlichen Auf- 
lagen dieses bekannten Werkes verzeichnet finden. Trotz der grossen Berühmtheit 
dieses Buches wissen aber von denen, die es benützen, gewiss nur ganz wenige, 
dass jener Müller gerade den Vornamen „Johann“ führt. 

Vom Standpunkte der Dauerhaftigkeit des Kataloges dürfte es sich empfehlen, 
den unteren Rand jeder Seite etwa in einer Breite von 8 Cm. ganz leer zu lassen. 
Man ist dann in der Lage, sobald die unteren Ecken eines Blattes abgenützt sind 
(was bekanntlich infolge des vielen Umblätterns verhältnismässig bald eintritt, ein- 
fach den unteren Rand des betreffenden Blattes durch einen neuen Papierstreifen 
zu ersetzen, ohne an den Eintragungen rühren zu müssen. 

Was nun den für die Nachträge bestimmten Spatienkatalog betrifft (das 
meiner Meinung nach empfehlenswertheste System), so glaube ich, dass auch hier 
eine klare Rubricierung und entsprechende Unterstreichungen es ermöglichen, selbst 
eine grosse Zahl von beschriebenen Seiten in ganz kurzer Zeit auf eine bestimmte 
Eintragung hin zu durchsuchen. Noch weit mehr als im streng alphabetischen Theile 
kann hier die äussere Form der Eintragungen die Leistungsfähigkeit des Kataloges 
erhöhen. Da in jedem einzelnen Spatium die dahingehórigen Ordnungswörter in 
regelloser Folge durcheinander laufen, so würde nach meinem Dafürhalten die Ueber- 
sichtlichkeit es verlangen, dass jede Eintragung von der folgenden durch einen 
horizontalen Strich getrennt wäre, da durch solche Unterbrechungen das Auge des 


et, Er vs 


Suchenden angehalten wird, bei den einzelnen Eintragungen etwas zu verweilen und 
über dieselben nicht allzu flüchtig hinwegzugleiten. Besonders vortheilhaft schiene 
es mir, wenn die Eintragungen lüngere Zeit hindurch mit derselben Handschritt 
geschühen, oder was noch weit vorzuziehen wáre, durch Einkleben dünner bedruckter 
Papierstreifen an der betreffenden Stelle besorgt würden. 

Die Verwendung des Buchdrucks für interne Katalogisierungszwecke einer 
grossen Bibliothek hat sich bisher bei uns noch gar nicht eingebürgert, obwohl die 
hieraus entspringenden Vortheile ziemlich nahe liegen. Wenn man bedenkt, dass 
von den Beamten jede Eintragung an etwa fünf Stellen gemacht werden muss, so 
erkennt man, dass dieser jetzt übliche Modus eine ganz enorme Zeitverschwendung 
bedeutet. Ganz anders wäre es, wenn jeder Beamte die von ihm vorzunehmenden 
Eintragungen einfach fortlaufend notierte (wobei auch alle zeitraubende Rücksicht 
auf eine besonders gefällige äussere Form eutfiele), während durch einen in der 
Bibliothek eigens zu diesem Zwecke angestellten Setzer auf einer Handpresse die 
entsprechende Vervielfältigung durch Druck vorgenommen würde. Die einmaligen 
Anschaffungskosten der erforderlichen Gerüthschatten und die Bezahlung des be- 
treffenden Setzers wären leicht dadurch hereinzubringen, dass infolge der erzielten 
Verminderung der Schreibarbeit in einer grösseren Bibliothek gewiss mehr als ein 
Beamter entbehrlich würde. Vielleicht könnte auch eine Druckerei mit der Herstellung 
dieser gedrackten Eintragungen betraut werden. Inwieweit auch die Schreibmaschine ge- 
eignet ist, eine grössere Anzahl deutlicher Eintragungen zu liefern, lasse ich dahingestellt, 
doch hat man bisher niemals von besonders günstigen Resultaten in dieser Richtung ge- 
hört. Dagegen würde wohl die Frage einer reiflichen Erwägung werth sein, ob man nicht 
für die Herstellung des streng alphabetischen Hauptkataloges die Schreibmaschine 
mit Vortheil verwenden könnte. Dafür würde vor allem der Umstand sprechen, dass 
die mit der Schreibmaschine geschriebenen Zeilen viel enger aneinandergerückt 
werden könnten als die handschriftlich hergestellten, ohne dass hiedurch die Deut- 
lichkeit oder Uebersichtlichkeit leiden würden. Vom Standpunkte möglichster Raum- 
ersparnis (und dieser wird immer einer der wichtigsten bleiben) dürfte daher die 


Schreibmaschine ganz gute Dienste leisten. 
Dr. R. v. Sterneck. 


Vergütung kostspieliger Pflichtexemplare. 


Die Einlieferung der Pflichtexemplare an die staatlichen Landesbibliotheken 
soll die vollständige Sammlung der Presserzeugnisse eines Kronlandes an einer óffent- 
lichen Bibliothek des Landes ermóglichen. Aber das gleiche Gesetz, welches diesen 
Zweck erreichen helfen soll, bereitet ihm Hindernisse durch die Befreiung behórd- 
licher Druckschriften von den Pflichtexemplaren und durch die nicht ausdrücklich 
ausgesprochene, aber aus der Textierung ableitbare und in der Praxis augewendete 
Berechtigung der Bibliotheksvorstinde, auf vergütungspflichtige Pflichtexemplare 
verzichten zu dürfen. 

Was übrigens die amtliehen Publicationen betrifft, so werden sie fast aus- 
nahmslos den Bibliotheken wenn nicht schon als Pficht-, doch als Freiexemplare 
überlassen. 


Es ist Ehrensache und moralische Pflicht der öffentlichen Landesbibliotheken, 
die Presserzeugnisse des eigenen Landes den Forschern in verlässlicher Vollständigkeit 
zuränglich zu machen. Ueber die Werthschätzung der Bibliotheca patria auch von 
Seite der Unterrichts-Verwaltung lässt der Erlass vom 6. Juni 1857, Z. 9631/5234 
keinen Zweifel zu. Um so merkwürdiger muss es berühren, dass die kostbarsten 
Presserzeugnisse in der eigenen öffentlichen Landesbibliothek fehlen können, fehlen 
dürfen und vielleicht auch sonst in keiner anderen öffentlichen Bibliothek des 
Reiches anzutreffen sind. 

Es ist beschámend, wenn man die Druckschriften eines Landes nur deshalb 
nicht mehr vollstindig in diesem selbst finden kann, weil dem Staatsorgane, das 
für den Staat die übrigen Pflichtexemplare ohne Entgelt einzieht, die 50°/,ige Ver- 
gütung für einen minimalen Bruchtheil derselben manchmal zu theuer ist! Die 
Universitäts-Bibliotheken können diese Belastung leicht ertragen; die gering dotierten 
*tudien-Bibliotheken kommen selten in die Lage, eine solche Vergütung leisten zu 
sollen: es würde nichts hindern, diese ihre im ganzen unbedeutenden Auslagen auf 
eine ausserordentliche Dotation zu übernehmen. 

Es erscheint somit wünschenswerth: 1. dass im Pressgesetze vom 17. De- 
cember 1862, $ 18 der Passus: „die wirklich bezogenen“ (Pflichtexemplare) enttällt, 
nnd 2. dass die Studien-Bibliotheken und die ihnen gleichgehaltenen kleinen Biblio- 
theken, die zur Uebernahme der Pilichtexemplare bestimmt sind, im Verordnungs- 
wege ermächtigt werden, die Vergütungskosten für Pflichtexemplare im Wege ausser- 
ordentlicher Zuschüsse zu beanspruchen. 

Was nun die Vergütung selbst betrifft, so kommen in Frage 1. ilır Object. 
2. ihre Höhe, 3. der Zeitpunkt. 

Das Object der Vergütung sind nach dem Pressgesetze vom 17. De- 
cember 1862 wie nach der älteren Pressordnung vom 27. Mai 1852 Druckwerke von 
besonders Kkostspieliger „Ausstattung“ ; die technische Bewerthung überwog somit bei 
der Redaction des Gesetzes die materielle, so dass nach dem Wortlaut des Gesetzes 
theure, aber nicht durch die Ausstattung hervorragende Druckschriften nicht vergütet 
werden sollten. Auch der Erlass der Ober-Polizeibehörde vom 26. September 1852 
hebt als selbstverständlich hervor, „dass die gesetzliche Bedingung einer besonders 
kostspieligen Ausstattung nach dem strengen Wortlaute zu nehmen ist und daner 
nur insoferne der hohe Preis von der „eigentlichen Ausstattung“ ... herrührt, nicht 
aber insoferne derselbe der blossen grösseren Bogenzahl zuzuschreiben ist. von 
einer Vergütung die Rede sein könne“. Der gleiche Erlass setzt aber auch die Werthe 
fest, von denen ab eine beanspruchte Vergütung geleistet werden sollte; damit war 
sowohl die klaglose Abwicklung des Vergütungsgeschäftes durch die Beamten er- 
leichtert, als auch der Partei ein Entgegenkommen bewiesen, da deren eigene Be- 
wertliung ihrer Verlagsartikel zur Grundlage der Vergütungsbemessung genommen wurde. 

Dass die Wirksamkeit des genannten Polizei-Erlasses durch die zum neuen 
Pressgesetze vom 17. December 1862 ausgegebene Amtsinstruction erloschen schien 
(man beachte aber, dass sich auf jenen Erlass noch eine Entscheidung des Ver- 
waltungsgerichtshofes vom 3. Juli 1896, Z. 3952 stützte), könnte aus einigen be- 
hördlichen Entscheidungen entnommen werden, welche nicht mehr das Hauptwort 
(Ausstattung), sondern das Figenschaftswort (kostspielig) als das für die Vergütung 
Wesentliche kennzeichneten. Die Amtsinstruction zum Pressgesetze setzt nämlich 
keine Werthgrenzen mehr fest; es kann demnach die Praxis in verschiedenen Kron- 


E E 


ländern eine verschiedene sein, ja an der gleichen Anstalt wird sie bei einem 
Wechsel in der Leitung starken Schwankungen unterworfen sein können. Es ist 
unangenehm, wenn die Unbestimmtheit der gesetzlichen Fassung selbst und ihrer 
amtlichen Erläuterungen die Quelle häufiger Beschwerden werden kann, unangenehm 
aber auch, wenn die Beschwerden in der von der Amtsinstruction zum Pressgesetze 
vorgesehenen Form erledigt werden sollen. Die Statthalterei (Landesregierung) ent- 
scheidet nämlich endgiltig nach Einvernehmung der Handels- und Gewerbekammer. 
Die Amtsinstruction weist der Kammer die Rolle des Sachverständigen zu, dessen 
Gutachten das Substrat für die Entscheidung abgeben soll; thatsächlich ist diese 
aber auch der Anwalt der Partei, da sie für die Interessen ihrer Mitglieder einzu- 
treten verpflichtet ist, 

i Bei der Vergütung der Pflichtexemplare kann nur ein gleichmässiges objectives 
Verfahren befriedigen, also ein mechanisches. Es sollte nur mehr der Preis einer 
Druckschrift, respective einer bibliographischen Einheit, die später näher bestimmt 
werden soll, nicht auch die Ausstattung für den Vergütungsanspruch bestimmend sein. 

Die Vergütung konnte auch bisher nicht als Prümie für Kunstdrucke und 
Prachtwerke aufgefasst werden, sie war nur eine materielle Entschädigung. Es 
liegt nun gar kein Grund vor, diese Entschädigung jenen einfach hergestellten, aber 
durch Umfang oder Verfasser-Honorar theuren Druckwerken zu versagen, für die 
der Buchhändler oft ungleich gróssere Opfer bringen muss als der Kunsthándler für 
einzelne Stiche oder Radierungen. 

Es wäre übrigens bedenklich, für verschiedene Formate verschiedene Preis- 
sätze festzustellen, wie dies früher geschehen ist, denn es müsste weiter bestimmt 
werden. ob die Formate nach einem Normalmass eingetheilt werden oder nach der 
Bozenlage des Werkes, beziehungsweise nur wo eine solche nicht erkenntlich oder 
möglich ist, nach einem Normalınass zu gelten haben; ob beim Normalmass die 
Blatthöhe oder die Schrifthöhe zu berücksichtigen ist u. s. w. Es ist diese Berück- 
sichtigung des Formates aber auch ganz überflüssig, da ja Format, Umfang, Aus- 
stattung naturgemäss im proportionalen Verhältnisse zum Preise stehen und die 
Vergütung nur Entschädigung auf der vollkommen gleichmässigen Grundlage des 
Verkaufspreises sein soll. 

Das Object der Vergütung sollen somit sein Presserzeugnisse jeder Art von 
einem bestimmten Verkaufspreise an; von der selbstverständlichen Voraussetzung, 
dass ihre technische Herstellung eine originale sein muss, soll später die Rede sein. 

Zunächst soll der Begriff der bibliographischen Einheit, auf welche die Ver- 
gütung Anwendung finden soll, festgestellt werden. 

Das Pressgesetz lässt Druck werke von besonders kostspieliger Ausstattung 
vergüten. Ein Werk in bibliographischem Sinne ist eine in sich abgeschlossene 
Druckschrift, die formell keinen irgendwie gearteten Bestandtheil einer anderen 
Druckschrift bildet. Die Manz’sche Taschenausgabe der österreichischen Gesetze ist 
ein Werk, die Specialgesetze sind trotz besonderer Titel etc. nur Bestandtheile des 
Werkes: ebenso Reclams Universal-! ibliothek, die Sammlung gemeinverständlicher 
wissenschaftlicher Vorträge von Virchow und Holtzendorft, die Wiener Zeitung mit 
ihren Beilagen, die Allgemeine (Augsburger, Münchner) Zeitung. Aus diesen Beispielen 
ist ersichtlich, dass es nicht angeht, Werke von einem bestimmten Preise ab schlecht- 
hin als vergütungswürdie zu erklären. Sammelwerke, deren einzelne Bändchen viel- 
leicht um 1 A verkauft werden, Zeitungen, deren einzelne Nummern um ein paar 


gt Cen 


HER abgegeben werden, erreichen in späteren Bändchen und Nummern den Ver- 
guiune spreis als Pestandtheile eines Werkes. Und doch ist von Seite des Verlegers 
venger auf die Absetzbarkeit der ganzen Sammlung als auf den Gewinn, den der 
Verka un f dereinzelnen Bändchen abwirft, gerechnet. Ja, es kommt vor, dass ursprüng- 
lich selbständig erschienene Werke nachträglich einer Sammlung einverleibt werden, 
ohne dass anch nur ein Haupttitelblatt eingeklebt würde. 

A ber selbst wenn man Zeitungen, Zeitschriften und Sammlungen, die keine 
bestinn rna te Zahl von Bänden zu einem vorher bekannt gegebenen Preise und keinen 
bestimm ten zeitlichen Abschluss in Aussicht stellen, also die periodische Litera- 
tur im weiten Sinne, von der Vergütung ausschliesst, so ist es immer noch un- 
lässig » die anderen kostspieligen Werke schlechthin vergütungsberechtigt sein 
lassen, 
uc. ist ja EEN dass ein ver 20 Jahren E und seit langem 
Vera Ke se erhältliches Werk um ein Supplement EE wird, dessen Preis den 
nisste -Spreis des ganzen Werkes auf die M ANDETECUNIELE Summe er Hont Es 
"Ete Sonach das vor 20 Jahren als Pflichtexemplar bezogene Werk nachträglich 

i t werden! 

Vie Nicht für das in mehreren Theilen ausgexebene Werk als solches soll Ver- 
& beansprucht werden dürfen, sondern für seine selbständig verkäuflichen Theile. 
Object der Vergütung sollen demnach sein: 
1. Die in einem Stück abgeschlossen erscheinenden Druckschriften, Kunst- 
Veri Karen, 2. jene Theile EE Druckschriften ete., welche um den 
en ini Handel crec heinei das ganze Werk aber Bur dann, Wenn sein 
Theile fspreis so billig ae billiger angesetzt ist alg SE der VergutungsberecAtigten 
nd N Zusammen; 3. E um den Vergütungspreis enn kautlichen EEN 
als = Amer von Ineleronzawerken: Wenu aber das gleiche Werk SE in Panaen 
Lie fe ILieferangen, DEE gleichzeitig in EEN und it klemeren 
für de ngen ausgegeben wird, so ist nur die Ausgabe mit den billigsten Lieferungen 
n Vergütungsanspruch massgebend. 
dog v Es ist selbstverständlich, dass nicht nur die Preislage der Druckschrift bei 
Eergütung ausschlaggebend sein soll, sondera auch die Herstellungsart, ob 
h technisch ein Originaldruck oder eine Reproduction vorliegt. Es wird dem 
"tabdrucke, der Titelauflage, auch der erweiterten, in der Letterngattung unver- 
Au cuin Auflage die Vergütung verwnigent werden, der vollständig umgearbeiteien 
kein. Ze auch dann, wenn in den Kunstbeilagen, welche den hohen Preis bedingen, 
^ Wwesentliche Veränderung eingetreten ist. i 
Wege . Was die Höhe der Vergütung betriift, so muss dieselbe dem Verordnungs- 
von überlassen bleiben. Im vorliegenden Artikel soll weder auf den Verkaufspreis, 
nomma S ab sie einzutreten hat, HOCH ER das percentuelle Ausmass Riu kacht ge- 
werg en werden; dagegen sollen einige einschlägige Punkte principiell erörtert 
en. 
Ein und dasselbe Werk kann gleichzeitig vergütungsberechtigt sein und auch 
durch den Ladenpreis kann es den Vergütungswerth erreichen, durch den 
: ptionspreis nicht; die ungebunden in den Handel kommenden Exemplare 
“nen unter dem Vergütungsnormalpreis käuflich sein, die im O riginalband aus- 
F*Eebenen denselben erreichen; ebenso die Ausgaben auf gewöhnlichem oder Velin- 
Papier oder kostbarerem Materiale. 


blitter 


Nicht. 


8 


zs E 


Bei Subscriptions- und Ladenpreis darf nur der erste massgebend sein für 
die Vergütung; bei gleichzeitiger Ausgabe ungebundener und in Originalband herge- 
stellter Exemplare spricht die Billigkeit für den vollen Ersatz des Einbandes; die 
neben einfacher Ausgabe erscheinende Prachtausgabe soll vergütet werden. Die Ver- 
pflichtung des Verlegers oder Druckers, von allen Ausgaben das Pflichtexemplar 
abzuliefern, kommt hier nicht in Frage. 

Für Blattdrucke (Kunstblätter, Karten, Photographien etc.) mit höchstens je 
2 gedruckten Erläuterungsblättern soll ein billigerer Verkaufspreis den Vergütungs- 
anspruch begründen, z. B. der halbe Preissatz der Vergütung für Druckwerke zur 
Grundlage genommen werden. 

Es ist der Fall denkbar, dass, wenn die Landesbibliotheken vergütungs- 
berechtigte Pflichtexemplare nicht mehr zurückweisen dürfen, für ein Presserzeugnis 
ein unverschämt hoher Preis angesetzt wird, sei es, dass dieses überhaupt nur in 
dieser Gewinnabsicht hergestellt wird, sei es, dass nach Behebung der Vergütung 
durch Herabsetzung des Preises der Druckschrift die Absatzfähigkeit und damit ein 
weiterer Gewinn ermöglicht werden soll, 

Gegen derartiges Vorgehen kann nur die oci der Vergütung für 
jene Pflichtexemplare schützen, deren Werth offenkundig selbst hinter dem Vergütungs- 
preise zurückbleibt. 

Im allgemeinen wird sich der durch spätere Preisermässigung eintretenden 
beabsichtigten oder unbeabsichtigten Schädigung der Bibliotheken durch einen Revers 
begegnen lassen, durch welchen sich der zum Bezuge der Vergütung Berechtigte 
verpflichtet, für den Fall einer innerhalb 2 Jahren vom Zeitpunkte des nachweis- 
baren öffentlichen Verkautes eintretenden Preisminderung die entsprechende Ver- 
gütungsquote zu ersetzen, beziehungsweise wenn durch die Preisherabsetzung der 
vergütungsberechtigte Preis nicht mehr erreicht wird, die ganze Vergütung zurück- 
zuerstatten. 

Was den Zeitpunkt der Vergütung betrifft, so soll derselbe auf längstens 
ı/, Jahr vom Tage der Uebergabe der Druckschrift an gerechnet festgesetzt werden. 
Innerhalb dieser Frist ist es auch kleinen Bibliotheken unter Berücksichtigung von 
Ferien, Urlauben u. s. w. móglieh, die eventuell nóthigen Erhebungen bezüglich Voll- 
stindigkeit des Exemplars, der Richtigkeit der Preisangabe etc. zu machen. 

Für streitige Fálle soll die Statthalterei (Landesregierung) die berufene hóhere 
und einzige Instanz sein. 


* x * 

Das Ergebnis dieser Ausführungen lässt sich in Folgendem zusammenfassen: 

Im 8 18 des Pressgesetzes vom 17. December 1862 wäre die Stelle: „Es 
wird bei Druckwerken . . . vergütet werden“ zu ersetzen durch die Bestimmung: 
„Für kostspielige Presserzeugnisse kann eine im Verordnungswege festzusetzende 
Vergütung beansprncht werden.“ 

Im Verordnungswege wäre festzusetzen, dass die zur Uebernahme der Pflicht- 
exemplare bestimmten staatlichen Bibliotheken auch die vergütungsberechtigten 
Pflichtexemplare übernehmen müssen und dass den Studien- und gleichgestellten 
Bibliotheken die betreffenden Auslagen auf eine ausserordentliche Dotation über- 
nommen werden. Ferner: Für Druckschritten, die mit einem Verkaufspreis von minde- 
stens . . K, für Blattdrucke (mit höchstens 2 Erläuterungsblättern), die mit einem 


Ll OW) e 


schen von mindestens . . . K das Blatt in den Handel gebracht werden, wird 
eine >. „Of ige Vergütung dieses Preises zugestanden. 

Als vergütungsberechtigte Druckschriften gelten: 

1. Die in einem Stück abgeschlossen erscheinenden Druckschriften, Kunst- 

Karten, Photographien etc. 
<. Jene Theile (Bände, Hefte, Lieferungen) von Druckschriften etc., welche 
um den Vergütungspreis in den Handel gebracht werden, das ganze Werk nur dann, 
(TE Sein Verkaufspreis billiger angesetzt ist als der der vergütungsberechtigten 
s Dramen Bei gleichzeitig verschiedenen Ausgabeformen eines Werkes rt 

Liefe s ihren Theilen billigste Ausgabe für die Vergütung massgebend; sind die 

angen einzeln nicht käuflich, dann die kleinsten käuflichen Theile des Werkes. 

Ausgaben, die sich technisch als Reproduction herausstellen (Separatabdrücke, 

ne lagen in der gleichen Letterngattung, Neuauflagen ohne wesentliche Aende- 

ind poner Momente, welche den hohen Preissatz bedingen, z. B der Kunstbeilagen etc.), 
On der Vergütung ausgeschlossen. 

Besteht für dasselbe Werk Subscriptions- u nd Ladenpreis, so wird nur jener 
eTgütung zugrunde gelegt. 

Für Presserzeugnisse, deren übertrieben hoher Verkaufspreis eine gewinn- 

nicht € Absicht in Bezug auf die Vergütung erkennen lassen kann, wird Vergütung 

des E eleistet. Es muss dabei festgestellt werden können, dass der Werth des Objectes 
€rirütungsbetrag nicht erreicht. 

Der Vergütungsberechtigte hat einen Revers auszustellen, dass er für den 
*iner innerhalb 2 Jahren vom Zeitpunkt des nachweisbaren óffentlichen Ver- 
> des vergüteten Werkes eintretenden Preisherabsetzung, wenn dadurch der 
"Utungsanspruch erlischt, die erhaltene Vergütung ersetzt, sonst die entsprechende 
ütun gsquote. 

Die Vergütung ist innerhalb eines Vierteljahres vom Datum der Uebernahme 
leisten. 

In streitigen Fällen entscheidet die Statthalterei (Landesregierung) als einzige 
"nz. ebenso in jenen Füllen, für welche im Verordnungswege noch nicht vor- 


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ist. Hittmair. 


N Achtrag zum Adressbuch der Bibliotheken der 
österreichisch-ungarischen Monarchie. 


Von Dr. H. Bohatta und Dr. M. Holzmann. 


(Fortsetzung und Schluss.) 
Wien (Universitätsinstitute, Seminare etc.). 


Wissenschaftlich-theologisches Seminar an der k. k. Universität in Wien. Die 
S hek wurde im Wintersemester 1899/1900 zugleich mit dem Institut selbst ge- 
"'indet and steht somit noch in ihren ersten Anfängen. Sie umfasst bis zur Stunde 
INA 300 Werke, die sich anf die 5 theologischen Fächer vertheilen, die bis jetzt semi- 
Maristisch behandelt werden : Altes und Nenes Testament, Kirchengeschichte, Kirchen- 
R* 


Bibliot 


m = 


recht und Moraltheolozie. Unbeschadet der Zusammengehürigkeit der ganzen Bibliothek 
steht jedem Seminarvorsteher zunüchst die seinem Fach entsprechende Abtheilung 
zu Gebote. Jede Abtheilung erhält eine Jahresdotation von 300 Kronen. Die Ver- 
waltung der Bibliothek obliegt einer dreigliedrigen Bibliothekscommission, die auf 
drei Jahre gewählt wird. Eine Bibliotheksordnnng regelt das Nähere. Prineipiell 
werden die Bücher nieht ausgeliehen, sondern stehen den Mitgliedern der einzelnen 
Seminarabtheilungen in den Seminarräumen von 8 Uhr früh bis 8 Uhr abends zur 
Verfügung. 


Büchereien des Bundes der Deutschen Nordmährens. 


Aichen. 34 Bände. Bibliothekar: Hans Strentschek, Lehrer. Handschriftliche 
Kataloge. Jederzeit benützbar. Entlehnungsdauer 14 Tage; für jede weitere Woche 
4 h pro Band. Gegründet 1899. -- Altendorf. 200 Bände. Bibliothekar: Carl Schrott, 
Lehrer. Handschrittliche Kataloge. An Sonntagen von 1—'/,3 benützbar. Entlehnungen 
auf 8 Wochen, in der ersten Woche unentgeltlich, dann 4 h pro Woche und Band. 
— Augezd (Bücherei). 1:0 Bände. Bibliothekar: Franz Hanusch. Handschriftlicher 
Katalog. An Sonntagen tagsüber, au Wochentagen abends benützbar. Entlehnung 
gegen Gebür von 2 À pro Band. Gegründet 1890. Grössere Bücherspende vom Ober- 
lehrer Dworak. — Augezd (Volksbücherei). 42 Bände. Bibliothekar: Franz Kölbig. 
An Sonntagen von 1—2 benützbar. Entlehnung auf 14 Tage gegen Gebür von 2% 
pro Baud. — Babitz-Egersdorf. %0 Bände. Bibliothekar: Eduard Blaschke, Ober- 
lehrer. Handschriftlicher Katalog. In der Zeit vom November bis April an Sonn- 
tagen von 10--11 benützbar. Entlelnung auf 8 Tage gegen Gebür von 4- 8 4. 
Gegründet 1899. — Bärn. 2558 Bände. Bibliothekar: Johann Wittek, Appretenr. 
Gedruckter Katalog: „Bücherverzeichnis der Volksbücherei Bärn 1897.“ Dotation 
160—200 K. An Sonntagen von 9—12 benützbar. Entlehnungen auf 4 Wochen, an 
Nichtmitglieder gegen eine Leiligebiùr. Gegründet 1888. — Bergstadt. 83 Bände. 
Bibliothekar: Ferdinand Breiter, Gastwirth. An Sonntagen von 10—12 benützbar. 
Entlehnung gegen Gebür von 4 4 pro Woche und Band. Gegründet 1897. — Deutsch- 
Brodek. 62 Bände. Bibliothekar: Franz Wawerda, Lehrer. Handschriftlicher Katalog. 
An Sonntagen von 1—3 benützbar. Entlehnungen auf 14 Tage. Gegründet 1895. .— 
Deutsch-Jasnik. 526 Bände. Bibliothekar: Joseph Kutschera, Lehrer. Dotation 
40-—120 K. An Sonntagen von 8— 10 benützbar. Entlehnungen auf 3 Wochen gegen 
Leil;ebür von 2 À pro Band. Gegründet 1892 mit 67 Bänden. — Dittersdorf. 
243 Bünde. Bibliothekar: Anton David, Gastwirth. Handschriftlicher Katalog. Tig- 
lieh. von 2—6 benützbar. Entlehnungsfrist 3 Wochen. Gegründet 1898. — Dóschna. 
569 Bände. Bibliothekar: Earl Kopal. 2 handschriftliche Kataloge. ‘An Sonntagen 
von 9—10 und 1-2 benützbar. Entlehnungen auf 14 Tage. Gegründet am 
11. August 1808 mit 49 Bänden. Grössere Spenden von Siegmund Bill (1899), der 
Studienbibliothek in Olmütz (1899), der „Deutschen Gesellschaft“ in Altbrünn (1900). 
Friedrichsdorf. 1% Binde. Bibliothekar: Heinrich Heinelt, Lehrer. Handschrift- 
licher Katalog. An Sonntagen von 10—12 benützbar. Entlehnungen auf eine Woche 
unentgeltlich, dann gegen Leilgebir von 4% pro Band und Woche. Gegründet im 
November 1899. — Fulnek. 104 Bände. Bibliothekar: Carl Kuopp, Wagner. Jeder- 
zeit henützbar. Entlehnungen bis zu 14 Tagen unentgeltlich, darüber gegen Gebür 
von 2 À pro Woche und Band. Gegründet 1895. — Giebau. 214 Bände. Bibliothekar: 
Carl Schöfer, Oberlehrer. 3 handschriftliche Kataloge. An Sonn- und Feiertagen von 


E EP ux 


'/9—10, an. Wochentagen um 3 Uhr nachmittags geöffnet. Entlehnung gegen Leih- 
gebür von 4 h. Gegründet 1890. - - Gr. Ullersdorf. Circa 250 Bände. An Sonn- 
tamen vormittags benützbar. Entlehnungen gegen (rebür von 4A pro Woche. Ge- 
gründet 1900. -- Harrachsdorf. 350 Bände. Bibliothekar : Johann Schubert, Buch- 
dracker. Handschriftlicher Katalog. Wöchentlich eine Stunde geöffnet. Entlehnnngen 
gegen Gebür von 2 Ah pro Woche. Gegründet 1894. — Hausdorf. 155 Bände. 
Bibliothekar: Heinrich Kahliz, Oberlehrer. An Sonntagen von 11—12 benützbar. 
Gegründet 1898. — Hinter-Ehrensdorf. 76 Bände. Bibliothekar: Theodor Markus, 
Grundbesitzer. Handschriftlicher Katalog. Sonntags geöffnet. Gegründet 1896. — 
Hobitschau. 32 Bände. Bibliothekar: Alois Vogler, Oberlehrer. Handschriftlicher 
Katalog. An Sonntagen von 3 -6 benützbar. Entlelint wird an Mitglieder: ein Band 
unentgeltlich auf 2 Wochen; darüber hinaus, sowie an Nichtmitglieder überhaupt, 
gezen Leihgebür von 4 A pro Band und Woche. — Hof. 1200 Bünde. Bibliothekar: 
Emil Bittner, Fabriksdirector. Dotation 100 A. Handschriftlicher Katalog. An Sonn- 
tagen von 10. -'',12 benützbar. Das Entlehnungsrecht erwerben Mitglieder durch 
den Jahresbeitrag von 1 A, Nichtmitglieder durch Erlag einer Leihgebür von 2 M 
pro Band und Woche. Eröffnet 1890. — Hombok. 1486 Bände. Bibliothekar: 
Stefan Schöler, Ciseleur. Dotation eirea 50 A. Gedruckter Katalog: „Bücherverzeichnis 
der Volksbücherei der Ortsgruppe Hombok des B. D. D. N. und I, II. Nachtrag.“ 
An Sonntagen von 10- -'/,12 benützbar. Entlehnungen an Mitglieder gegen einen 
Jahresbeitrag von 1 A. Gegründet am 1. October 1891. -- Johnsdorf. 170 Bünde. 
Bibliothekar: Eduard Kahlig, Oberlehrer. Handschriftlicher Katalog. An Sonntagen 
von 10 - 12 benützbar. Entlehnungen an Mitglieder unentgeltlich, an Nichtmitzlieder 
zegen Leihgebür von 4 A pro Band und Woche. Gegründet 1898. — Kaltenlautsch. 
10 Bände. Bibliothekar: Johann Klimek. Kaufmann. Handschriftlicher Katalog. 
Jederzeit benützbar. Entlehnungen unentgeltlich. Gegründet 1899. — Karlsberg. 
200 Bände. Bibliothekar: Wilhelm Körper, Tischler. Handschriftlicher Katalog. Jeder- 
zeit benützbar. Entlehnungen unentgeltlich. Gegründet 1899. — Karlsdorf. 32 Bände. 
Bibliothekar: Carl Fuhrmann, Oberlehrer. Handschriftlicher Katalog. Jeden Donners- 
tag und Sonntag von 10—12 geoffnet. Entlehnung unentgeltlich. Gegründet 1899. 
— Karlsdorf-Weisswasser. 151 Bünde. Bibliothekar: Ignaz Urbanek, Lehrer. 
Dotation circa 40 A. Handschriftlicher Katalog. Sonntags von 10—12 benützbar. 
Entlehnungen an Mitglieder unentgeltlich, an Nichtmitglieder gegen Leihgebür von 
4 h; Frist: 8 Wochen. Gegründet 1898. — Klantendorf. 113 Bände. Bibliothekar: 
Richard Bienert. Samstag abends geöffnet. Entlehnungen auf 14 Taxe gegen eine 
Gebür von 4 A. Gegründet 1890. -— Krónau. 78 Bände. Bibliothekar: Leopold 
Baier, Oberlehrer. Handschriftlicher Katalog. An Sonntagen von 1--2 benützbar. 
Entlehnungen an Mitglieder unentgeltlich, an Nichtmitglieder gegen Gebür von 4 A. 
— Lechowitz-Dwazetin-Vierhöfen. 43 Bände. Bibliothekar: Alois Friedl in Vier- 
höfen. Sonntags von 1—2 benützbar. Entlehnungen unentgeltlich. Gegründet 1890. 
— Lexen und Schweine. 72 Dünde. Bibliothekar: Wilhelm Dolak, Oekonom. Hand- 
schriftlicher Katalog. An Sonntagen von 1—2 geöffnet. Entlehnungen unentgeltlich. 
Gegründet 1898. — Mittelwald. 53 Bände. Bibliothekar: Carl Hirsch, Schulleiter. 
Jederzeit benützbar. Entlehnungen auf 8—14 Tige, an Mitglieder unentgeltlich, 
Eröffnet 18.7. — Mürau. 350 Bände. Bibliothekar: Ernst Kupka, Oberlehrer. 
Handschriftlicher Katalog. An Sonntagen von 9—12 benützbar. Entlehnungsfrist 
8 Tage. - Neretein. 327 Bände, Bibliothekar: Franz Hanausek, Schulleiter. Hand- 


82 — 


schriftliche Kataloge. An Sonntagen von 1—2 beniitzbar. Entlelnungen unentgelt- 
lich. Gegründet 1889. —  Neu-Ullersdorf. 106 Bünde. Bibliothekar: Carl Neu- 
gebauer, Oberlehrer. Jederzeit benützbar. Entlehnungen unentgeltlich. — Nieder- 
Eisenberg. 395 Bände. Bibliothekar: A. Müller, Lehrer. Handschriftlicher Katalog. 
Jederzeit benützbar. Entlehnungen auf 8--14 Tage. Eröffnet 1890. —  Oelhütten. 
62 Bände. Bibliothekar: Franz Wawerda, Lehrer. Handschriftlicher Katalog. An 
Sonntagen von 1—3 benützbar. Entlehnungsfrist 14 Tage. Gegründet 1897. — 
Olbersdorf. 53 Bände. Bibliothekar: Johann Geisler, Lehrer. Handschriftlicher 
Katalog. Jederzeit benützbar. Entlehnungsfrist 4 Wochen. Gegründet 1898. — 
Olmütz. 2600 Bände. Bibliothekar: Josef Biehounek, Lehrer. Dotation 250 A. 
Handschriftlicher Katalog. Mittwoch und Samstag von 4—6 benützbar. Entleh- 
nung auf 4 Wochen. Eröffnet am 4. October 1894. — Oskau. 590 Bände. Biblio- 
thekar: Josef Preiss, Oberlehrer. Täglich von 10—6 benützbar. Entlehnungen an 
Mitglieder unentgeltlich, an Nichtmitglieder gegen Gebür von 4- 8h. 1880 vom 
derzeitigen Bibliothekar gegründet. — Partschendorf. 261 Bände. Bibliothekar: 
Carl Grohmann, Lehrer. Dotation 40 K. Jederzeit benützbar. Entlehnungsfrist vier 
Wochen; Mitglieder zahlen 2 A, Nichtmitglieder 4 A pro Band. Eröffnet am 23. März 
1875, vom Bund 1898 übernommen. Grössere Spende vom deutsch-politischen Verein 
(1875). — Pinkaute. 35 Bände. Bibliothekar: Hubert Dostal, Schulleiter. Sonntags 
von 11—12 benützbar. Entlehnung an Mitglieder unentgeltlich. — Pirnik. 152 Bände. 
Bibliothekar: Josef Gabriel, Gastwirth. Jederzeit benützbar. Entlehngebür 2—6 h 
pro Band. Gegründet 1. Jänner 1899. — Pohl. 121 Bände. Bibliothekar: Rudolf 
Fench, Schmied. Handschriftlicher Katalog. Jederzeit benützbar. Entlehnungen auf 
14 Tage gegen Leihgebür von 24 pro Band. Gegründet 1898. — Pürkau. 178 Bünde. 
Bibliothekar: Josef Mather. Handscehriftlicher Katalog. An Sonntagen von 10—12 
geóffnet. Entlehnungsfrist 14 Tage. — Raningsdorf-Grünau. 400 Bände. Biblio- 
thekar: Anton Blaschka, Oberlehrer. Inventar. Sonntags von 1—2 benützbar. Ent- 
lehnungen auf 4 Wochen gegen Gebür von 2—10 A. 1888 durch den derzeitigen 
Bibliothekar gegründet. —- Reschen. 220 Bände. Bibliothekar: Johann Thöndel, 
Landwirth. Handschriftlicher Katalog. Sonntags von 11—12 geöffnet. Entlehnungen 
auf 14 Tage. — Ribnik. 230 Bände. Bibliothekar: Frauz Lichownik, Oberlehrer. 
An Sonntagen geöflnet. Gegründet 1890. —- Rosternitz. 32 Bände. Bibliothekar: 
Joliann Kutscherauer, Oekonom. Dienstag und Freitag von 8— 10 abends, Sonntag 
von 10—12 benützbar. Gegründet 1899. — Runarz. 125 Bände. Bibliothekar: 
Georg Tilscher, Lehrer. Inventar. Samstag von 3—4 benützbar. Entlehnungen nur 
an Mitglieder, unentgeltlich. Gegründet 1897. — Schnobolin-Giesshübel. 244 Bäude. 
Bibliothekar: Anton Raab. An Sonn- und Feiertagen geöffnet. Entlehnungen unentgeltlich. 
Gegründet 1891. — Schreibendorf. 71 Bände. Bibliothekar: E. Berg, Oberlehrer. 
Jederzeit benützbar. Entlehnungen unentgeltlich. 1881 vom Deutschen Schulverein 
gegründet. — Stachenwald. 245 Bände. Bibliothekar: Anton Felgel, Oberlehrer. 
Handschriftlicher Katalog. Sonntags von 10—12 geöffnet. Entlehnungen unentgelt- 
lieh. Frist: 1—3 Wochen. Eröffnet im December 1838. — Tribenz. 230 Bände. 
Bibliothekar: Leopold Blahak, Oberlehrer. Inventar. An Sonntagen von 9—11 be- 
nützbar. Entlehnungen unentgeltlich. Gegründet 1890. — Unter-Heinzendorf und 
Heinzhof. 152 Bände. Bibliothekar: Peter Assmann, Schneider. Die Entlehnungs- 
gebür wird nach dem Umfange der Bücher berechnet; Mitglieder zahlen für je 
1C0 Seiten 2 h, Nichtmitglieder 4 h. Gegründet 1890. — Waltersdorf. 948 Binde, 


Bibliothekar: Hugo Wiederhold, Kaufmann. An Sonntagen vormittags geöffnet. Ent- 
lehngebür betrügt 2 4 pro Band. — Weikersdorf. 295 Bände. Bibliothekar: Leopold 
Schmachtl, Lehrer. Inventar. Jeden Dienstag und Freitag von 4—5 benützbar. Ent- 
lehnungen gegen Erlag einer Gebür. Gegründet 1892. — Weska. 1205 Bände. 
Bibliothekar: Franz Langauf, Grundbesitzer. Inventar. Jederzeit benützbar. Ent- 
lehnungsfrist 3 Wochen. Gegründet 1888. — Wiesen-Rabersdorf-Ullischen. 346 
Bände. Bibliothekarin: Anna Göttlicher. An Sonntagen von 1—2 benützbar. Ent- 
. lehnung gegen eine Gebür von 4 k pro Band und Woche. 1899 auf Veranlassung 
und Bemühung des Oberlehrers A. Gabriel gegründet. Eine bedeutende Anzahl von 
Büchern spendete die Deutsche Bücherei in Littau (1899). — Wiesenberg. 520 
Bände. Bibliothekar: Johann Effenberger, Gastwirth. Jederzeit benützbar. Entlehnungen 
unentgeltlich. — Zechitz. 59 Bände. Bibliothekar: Johann Schiebel, Gastwirth. Jeder- 
zeit benützbar. Entlehnungen unentgeltlich. Gegründet 1888. 

Bei den meisten dieser 60 Ortsgruppen-Bibliotheken mit zusammen 20.153 
Bánden ist für Bücherankauf keine bestimmte Dotation ausgesetzt, so dass die 
Neuanschaffung durch die eingehenden Mitgliederbeitrige und Entlehngebüren, sowie 
gelegentliche Spenden begrenzt ist. Eine Versendung der Bücher findet bei keiner 
dieser Büchereien statt; die Werke sind dem Inhalte nach fast ausschliesslich 
populärwissenschaftliche oder belletristische. 


Il. Ungarn. 


Eisenstadt (Kismarton). 


Fideicommiss. fürstl. Esterházy'sche Bibliothek im I. Stock des Ge- 
bäudes der Centraldirection für Fideicommissgüter. — 14.000 Werke mit circa 
40.000 Bänden und Heften; 155 Bände Handschriften, 730 Landkarten, 2 Globen. 
— Jahresdotation circa 550 fl. — Untersteht dem Oberarchivar, derzeit Dr. Ludwig 
Merenyi, der auch die Evidenzhaltung besorgt und den Zettelkatalog completiert. — 
3 alphab. Kataloge. — Benützung und Versendung nur ausnahmsweise mit Erlaubnis 
Sr. Durchlaucht. — 1794 in Wien durch FZM. Fürst Nicolaus Esterházy begründet, 
durch die Büchersammlungen der Familiencastelle und durch Käufe vermehrt. Anf- 
nahme fand der Nachlass des Hofrathes Demetiius Görög. Als in den Sechziger- 
Jahren die Gemäldegallerie nach Budapest gebracht wurde, kam die Bibliothek nach 
Eisenstadt. — Besonders vertreten Naturgeschichte, Geographie, Philologie und 
Archäologie, aber auch Welt- und Kunstgeschichte, Prachtwerke. 


Esterhazy-Bibliothek im Franziskanerkloster. — Enthält die älteste Bücher- 
sammlung der Familie Esterhäzy, ist reich an Incunabeln. — Bibliothekar: Guardian 
P. Maternus Precechtiel. — Vom Palatin Fürst Paul Esterhäzy (1635 — 17113) testamen- 
tarisch dem Kloster mit der Bedingung überlassen, dass das Recht der Ernennung 
des Bibliotbekars und das Entlehnrecht seinen Nachkommen zustehe. 

Szilágyi Sándor, A magyar történelmi társulat 1883 évi aug. 22-—--27iki vidéki 
kirándulása Sopron városában és S.vármegyébe, im Századok 1883. 


us dd: unc 


(Congrés international des Bibliothécaires.) Obzwar dieser Congress in 
der für die Bibliotheksbeamten günstigsten Zeit (im Monate August) stattfand, und 
obzwar das der Einladung beiliegende Programm für die Bibliothekskreise sehr viel 
Interessantes versprach, haben sich leider aus Oesterreich blos vier Bibliothekare, 
beziehungsweise Bibliophilen bei dem Pariser Comité angemeldet, von denen keiner 
als otficieller Vertreter der österreichischen Staatsbibliotheken auftreten durfte. Es 
ist dies umso betrübender, als alle übrigen Staaten,, selbst die kleinsten, mindestens 
einen officiellen Vertreter zu dem Congresse abgesendet haben. Ee waren nämlich 
aus Oesterreich folgende Mitglieder angemeldet: 1. Besse, Dom. J. M, religieux 
bénédictin, à l'abbaye de Ligugé (Vienne); 2. Boeck, Ludwig, Scriptor der Wiener 
Stadtbibliothek, délégué officiel de la bibliothèque de la ville de Vienne; 3. Menger, 
Charles, membre de la chambre des Seigneurs, professeur d'économie politique à 
l'Université de Vienne; 4. Prusik, Bořivoj, de la Bihliothéque imp. et royale (tchéque 
et allemande) de Prague, délégué de l'Académie tehéque des sciences, lettres et arts 
de Prague. Es war also der erste von den österreichischen Mitgliedern des Congresses 
als Vertreter eines Benedictinerklosters, der zweite als Vertreter der städiischen 
Bibliothek in Wien, der dritte als Privatperson und schliesslich der vierte als Ver- 
treter der bibliographischen Section der böhmischen Akademie der Wissenschaften 
angemeldet. Welchen Contrast bilden dazu die übrigen Staaten! Belgien war durch 
2 Delegierte vertreten, ebenso die Vereinigten Staaten Nordamerikas; Canada 
durch einen, ebenso Cuba, Dänemark, Griechenland, Ungarn, Luxemburg, 
Mexico, Monaco, Rumänien, Russland und Schweden. Ausserdem waren 
einige Corporationen durch Delegierte vertreten: so das französische Ministerium 
des Aeussern, die stüdtische Dibliothek in Rouen, die Société des études historiques 
en France, die Société bibliolegique Russe, die bóhmische Akademie der Wissen- 
schaften, die städtische Bibliothek in Wiea und die Universität in Californien. 
Deutschland war zwar durch keinen ofliciellen Delegierten vertreten, es nahmen aber 
mehrere Bibliothekare von Staatsbibliotheken an dem Congresse Antheil; ich nenne 
nur Dr. Joh. Kemke (Königl. Bibl. Berlin), Dr. W. Ermann (Kónigl. Bibl. Berlin), 
Dr. O. v. Gebhardt (Königl. Univ.-Bibl. Leipzig), Dr. F. Milkau (Königl. Bibl. Berlin), 
Dr. E. Schultze (Hamburg), Dr. P. Tromsdorff (Kónigl. Bibl, Berlin) u. a. Ebenso 
waren sehr viele Bibliothekare Englands, Portugals, Spaniens, der Niederlande, 
Norwegens, Italiens u. a. bei den Congressverhandlungen anwesend. Im ganzen waren 
241 Mitglieder eingeschrieben, die 23 Nationalitäten vertraten. —- Der Congress 
wurde am 20. August um 9'/, Uhr vormittags durch den Präsidenten des vorbe- 
reitenden Comités Léopold Delisle, Director der Bibliothèque Nationale, eröffnet. 
Es erfolgte zunächst die Wabl des Präsidiums, welches aus dem ganzen vorbe- 
reitenden Comité und aus cinigen hervorragenden Mitgliedern des Congresses zu- 
sammengestellt wurde. Hier die ganze Liste: Präsident: Léopold Delisle (Frankreich), 
Viceprüsidenten: Guido Biagi (Italien), S. II. Prinz Roland Bonaparte (Frankreich), 
J. Deniker (Frankreich), Dr. W. Ermann (Deutschland), Dr. L. Esztegar (Ungarn), 
D. Figarola-Caneda (Cuba), H. Hymans (Belgien), E. Kovalevskij (Russland), Sidney 
Lee (England), Dr. B. Lundstedt (Schweden), James Mavor (Canada), F. F. Perez 
(Mexiko), E. Picot (Frankreich), H. Putnam (Vereinigte Staaten Amerikas), G. Saige 
(Monaco), G. Servois (Frankreich), A. S. Steenberg (Dänemark), A. Typaldo Bassia 
(Griechenland), A. Tzigara-Samurcassi (Rumänien), A. Van der Haeghen (Belgien). 
Generalsecretär: H. Martin (Frankreich). Secretäre: D. Blanchet, P. Marrais, 


— RB — 


Ch. Mortet (Frankreich), M. Raynaud (Luxemburg). Schatzmeister: J. Couraye du 
Parc (Frankreich). — Als erster ergriff dann der Prüsident L. Delisle selbst das 
Woit, um in einer mehr als eine Stunde dauernden Rede die Fortschritte und 
Mängel des französischen Bibliothekswesens zu schildern. Er gab sehr vielen 
Klazen Ausdruck, insbesondere darüber, dass das französische Bibliothekswesen 
noch keinen Generalkatalog der sämmtlichen Pariser und französischen Provinz- 
Bibliotheken besitzt. Er schlägt vor, mit dem Drucke des Generalkataloges 
der Bibliotheque Nationale zu beginnen, dem in der Form eines Repertoriuns 
die übrigen französischen Bibliotheken anzugliedern wären. Im allgemeinen 
wurde von dem greisen Präsidenten — welcher trotz seines hohen Alters 
noch sehr rege die ganze Verhandlung des Congresses dirigierte — die Organisation 
der französischen Bibliotheken günstig beurtheilt, Er sagte aber auch ganz auf- 
richtig. dass das Bibliothekswesen in Frankreich sehr vernachlässigt ist, dass die 
Dotationen ungenügend sind, dass das Beamtenpersonale nicht immer aus wahren 
Bücherliebhabern zusammengestellt ist u. v. a. Nach dem Vortrage des Präsidenten 
setzte der Congress ein Banquet für Donnerstag den 23. August fest, und damit 
wurde die Eróffnungssitzung geschlossen. — Die zweite Sitzung wurde an dem- 
selben Tage um 2 Uhr nachmittags ebenfalls in der Sorbonne (Amphitheater Descart) 
eröffnet. Sie war ausschliesslich den Referaten gewidmet. M. P. Colas, Stadt- 
bibliothekar aus Lorient las „De l'activité des bibliothécaires publiques; comment 
elle peut étre sécondċe utilement et pratiquement“. M. A. Steenberg, officieller 
Vertreter Dänemarks, las eine sehr interessante Studie „Sur les efforts faits en 
Dänemark pour etablir des bibliothèques populaires dans les petites communes“. 
Diese verdienstvollen Bestrebungen werden in Dänemark von zwei Gesellschaften, 
dem „Verein zur Subventionierung der Volksbibliotheken“ und dem „Verein zur 
Vervollkommnung der Volksbildang“ durchgeführt. Ersterer Verein betreibt die 
Gründung von Volksbücherhallen, letzterer die Herausgabe von deren Zwecke 
fórdernden Büchern. P. Dr. V. Recsey, Bibliothekar der Abtei Martinsberg (Ungarn), 
brachte interessante Details über die Bibliothek Mathias Corvins. Diese Mittheilungen 
gaben dem General-Inspector der Archive und Bibliotheken H. Ulysse Robert Anlass 
zu der Bemerkung, dass die Bibliothek in Besancon zwei Manuscripte besitzt, welche 
für Mathias Corvin geschrieben wurden, und zwei andere, welche ganz bestimnit 
zu seiner Bibliothek gehörten. Henry Martin stellt den Antrag, in den Haupt- 
städten Specialbibliotheken für die periodische Presse — insbesondere für die Tages- 
blätter — zu gründen; er nennt. diese Bibliotheken „Hemerotheken“. Ueber diesen 
Antrag, der im grossen und ganzen wohl begründet erscheint, entwickelte sich die 
erste lebhafte Debatte. Man sprach pro und contra, doch gab die Mehrzahl der 
Debattierenden zu, dass behufs rascher Informierung, in verschiedenen Fragen 
solche Hemerotheken von zweifellosem Nutzen wären. Dem entsprach auch folgende 
Resolution des Congresses: „Der Congress fordert zur Creierung specieller 
Bibliotheken auf, in welchen die politischen Tagblätter und die 
Annoncen aufbewahrt werden.“ H. Hymans von der Königl. Bibliothek in 
Brüssel veranlasste eine Debatte über die beste Art der Beleuchtung und der 
Heizung in den Bibliotheken. B. Lundstedt aus Stockholm versichert, dass 
sich in der königl. Bibliothek in Stockholm als beste Beleuchtung die elektrische 
und als beste Heizung die Luftheizung bewährt hat. Archibald Clarke, 
Unterbibliothekar der medicinischen Gesellschaft in London, las eine Studie über 


O 


den Bibliothekar des XVII. Jahrhunderts Fr. Rostgard aus Kopenhagen und seine 
bibliothekarische Thätigkeit. F. Dietrich aus Leipzig machte die Congress- 
mitglieder mit seiner „Bibliographie der deutschen Zeitschriftenliteratur* bekannt. 
Dies gab dem Unterbibliothekar an der Universitätsbibliothek in Paris F. Chambou 
Anlass zum lebhaften Bedauern, dass die Franzosen kein solches Werk besitzen. 
In Frankreich wäre dies umso wichtiger, da viele Zeitschriften kein Register haben. 
F. Funck-Brentano, Unterbibliothekar der Bibliotheque de l'Arsenal., las eine 
Note über die Nützlichkeit der kritischen Bibliographien in den Bibliotheken. 
F. Vuacheux, Publicist aus Hävre, stellte den Antrag, man möge in Paris eine 
„Bibliotheque de reserve“ gründen; nämlich eine Bibliothek, in welcher alle 
Doubletten gesammelt, und aus welcher sie wieder an verschiedene Anstalten je 
nach Bedarf vertheilt werden könnten. Er will also diese Reservebibliothek zu einer 
ähnlichen Vermittlerin für den Doublettentausch ausgestalten, wie es die Wiener 
Universitätsbibliothek für die österreichischen Staatsbibliotheken ist. Endlich legte 
B. Lundstedt von der königl. Bibliothek in Stockholm seine Broschüre „Aperçu 
de la principale littérature bibliographique de la Suède* dem Congresse vor, worauf 
die zweite Sitzung geschlossen wurde. — Die dritte Sitzung wurde Dienstag um 
9 Uhr vormittags eroffinet. E. Ginot aus Poitiers und M. Laticule aus Autim 
theilen einige interessante und praktische Details über die Uebersiedlung von 
Bibliotheken mit. L. Hiriast, Stadtbibliethekar aus Bayonne, eröflnete eine Debatte, 
welche sich fast über die ganze Sitzung erstreckte. Es handelte sich um die schäd- 
lichen Insecten, um die Bücherwürmer. Es wurden verschiedene Ansichten gewechselt, 
verschiedene Rathschläge gegeben, es blieb jedoch am Ende die ganze lis sub 
indice, so dass der Congress in einer Resolution zu weiteren Nachforschungen auf- 
forderte. Man hat ja noch kein universales Mittel erfunden, welches die Würmer 
vernichtet, ohne die Bücher zu beschädigen. Diese Debatte hatte noch weitere 
spáter anzuführende Consequenzen. B. Prusik, Vertreter der böhmischen Akademie 
der Wissenschaften, brachte eine kurze Skizze der böhmischen bibliographischen 
Literatur, sowie des actuellen Standes des ganzen Bibliothekswesens in Böhmen zum 
Vortrag. Er betonte die hohe Culturaufgabe, welche die böhmische Akademie der 
Wissenschaften auf sich genommen hat und drückte die feste Hoffnung aus, dass 
unter der Aegide der Akademie eine Generalbibliographie der bóhmischen Literatur 
in kurzem erscheinen werde. Daran knüpfte E. Picot de l'Institut den Ausdruck 
seiner tiefen Bewunderung der Bibliothek des Museums des Königreiches Böhmen 
und der in dieser enthaltenen Bibliotheken Palackys’ und Safariks. J. Dureau, 
Bibliothekar der Medicinischen Akademie in Paris, drückt den lebhaften Wunsch 
aus, man möge den Zuwachs sämmtlicher Pariser Bibliotheken in besonderen monat- 
lichen Bulletins veröffentlichen. E. Picot las einen Bericht über das Riesenwerk 
des Mitgliedes E. A. Pethericks „A bibliography of Australasia and Polynesia“. 
Nach diesem Berichte wurde die Sitzung geschlossen. — Am Nachmittage desselben 
Tages fand keine Sitzung statt, dafür versammelten sich die Congressmitglieder im 
Palais S. H. des Prinzen Roland Bonaparte, wo ihnen der hohe, gastfreund- 
liche Bibliophile seine prächtigen und modern eingerichteten Büchersammlangen zu- 
sünglich machte. Darnach begaben sich die Congressmitzlieder in die Ausstellung *), 


*) Die Mitglieder des Congresses hatten den ganzen August hindurch bei 
zwei Thoren der Ausstellung freien Eintritt. 


> i, E 


wo sie zuerst die amerikanische Bibliotheksabtheilung, dann die Exposition des 
Brüsseler Institut Bibliographique und schliesslich das „Palais des Buches“ einer 
umständlichen Durchsicht unterwarfen. — Am folgenden Tage war ebenfalls keine 
Sitzung, da sich die Congressmitglieder um 12 Uhr nach Chantilly begaben, wo sie 
Gelegenheit fanden, die dort gesammelten Kunstschätze zu bewundern. Nach einem 
prächtigen Lunch bei M. Delisle kehrten sie wieder nach Paris zurück, — Am 
Donnerstag (23. August) versammelten sich die Congressmitglieder um 9 Uhr vor- 
mittags in der Bibliotheque Nationale, wo sie unter Führung des Directors 
 L. Delisle und des ganzen Beamtenpersonals mit der Einrichtung dieser Riesen- 
bibliothek vertraut gemacht wurden. Nach diesem mehr als zwei Stunden dauernden 
Besuch wurden die Congressmitglieder in dem Hofraume der Bibliothèque Nationale 
photographiert. — Die vierte (Schluss-) Sitzung wurde an demselben Tage in 
der Sorbonne um 2 Uhr nachmittags eröffnet. Der Gieneralsecretär theilt den Con- 
gressmitgliedern mit, dass ein Mitglied, das ungenannt bleiben will, nach der Debatte 
über die Bücherwürmer die Preise von 1000 Fres. und 500 Fres. für die zwei besten 
Arbeiten über die Mittel zur Vernichtung derselben ausgeschrieben, und ein anderes 
Mitglied einen Preis von 1000 Frcs. für denselben Zweck gestiftet hat. Der Termin 
für beide Concurse wurde bis zum 31. December 1901 festgesetzt. Die Arbeiten 
sind dem Congresscomite nach Paris einzusenden. Diese beiden Preisausschrei- 
bungen wurden mit lebhaftem Beifall zur Kenntniss genommen. Miss Mary 
W. Plummer, Bibliothekarin des Pratt-Institutes in New York-Brooklin, officielle 
Vertreterin der Vereinigten Staaten, hielt eine lüngere und interessante Rede über 
das Zusammenarbeiten der amerikanischen ótfentlichen Bibliotheken und der Schulen. 
Der Lehrer führt seine Zóglinge in die Bibliothek, welche man in Amerika als 
Institat der Weiterbildung betrachtet, der Bibliothekar gibt ihnen das gehörige 
Büchermaterial. Al. Vidier, Unterbibliothekar der Bibliotheque Nationale, las einige 
Bemerkuugen über Anonymen-Kataloge. Er stellte den Antrag, man möge die Ano- 
nyma nach dem Namen der Person, des Ortes oder der moralischen Person, welche 
in dem Titel als Object des anonymen Buches angegeben ist, ordnen. Nur wenn 
kein solcher Name in dem Titel vorkommt, dann ordne man die Anonyma nach 
dem ersten Worte des Titels. H. Stein, Archivar der Archives nationales, ver- 
anlasste eine rege Debatte durch seinen Vortrag über das völlig ungenügende 
französische Pflichtexemplargesetz. Allgemein wurde über die vielen Mängel des- 
selben geklagt, und in einer Resolution warde an die Regierung appelliert, es möge 
umgehend eine radicale Reform dieses veralteten Gesetzes veranlasst werden. 
Ch. E. Ruelle trat für gróssere Liberalitit im Doublettentausche ein, wozu der 
Congress seine Zustimmung aussprach. M. Godefroy besprach die wichtige Frage, 
ob man die Zettel, welche einzelne Verlagsbuchhandlungen ihren Büchern beilerzen, 
als Titelcopien für die Kataloge benützen solle oder nicht. Die Mehrzahl der in die 
Debatte über diesen Gegenstand eingreifenden Mitglieder sprach sich dafür aus, nur 
fürten sie folgende Forderungen an die Buchhändler hinzu: 1. sollen jedem Buche 
vier solche Zettel beigelegt werden, 2. sollen diese Zettel die genaue nach einer 
einheitlichen Instruction gemachte Titelabschrift enthalten, und 3. sollen diese die 
gewöhnliche Katalogzettelgerösse haben. — Dies war die letzte Debatte des Con- 
gresses. Es folgten nun noch Prásidialmittheilungen über von einigen Mitgliedern 
dem Congresse zugeschickte Schriften und über noch neun angemeldete Vorträge, 
welche wesen der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit nicht vorgebracht werden 


ias 88 — 


konnten. námlich: J. Faviers, Les bibliotheques publiques et les societés savantes; 
M. Barroux, Des imprimés qu'il y aurait lieu d'assimiler aux manuscrits au 
point de vue des régles à suivre pour leur conservation; Ch. Cuissard. Note sur 
un moyen de désinfection des volumes prétés à domicile; V. Adrielle, Voeux sur 
l organisation des bibliothèques publiques; E. Schultze, Note comparative sur le 
nombre des livres affectés sur prét à domicile ou à la seule communication sur 
place dans les bibliothéques populaires d'Allemagne, d'Angleterre et de France; 
H. Quentin, Voen pour une revision des règlements relatifs à l',enfer* des 
bibliothèques; H. H. Field, Le concilium bibliographicum de Zurich; Luis Montt, 
Notice historique sur la Bibliothèque nationale de Santiago und P. Dauze, De la 
conservation du papier dans les bibliothéques publiques et privces. Nachdem der 
Archivar von Montes, V.E. Grave, dem Präsidium im Namen der Congress- 
mitglieder für seine grossen Bemühungen, und nachdem der Präsident im Namen 
des Präsidiums den Mitgliedern des Congresses für deren rege Theilnahme seinen 
Dank ausgesprochen hatte, beschloss noch der Congress einstimmig, sich alle fünf 
Jahre zu wiederholen, so dass im Jahre 1905 der II. Bibliothekar- 
Congress stattfinden soll. Das jetzige Organisationscomite soll auch den 
künftigen Congress vorbereiten. Nach diesem Beschlusse erklärte der Präsident um 
5 Uhr 45 Minuten Nachmittags den I. Bibliothekar-Congress für geschlossen. Aber 
die Mitglieder nahmen noch nicht Abschied von einander. Nach einer Stunde kamen 
sie wieder zusammen. In dem Restaurant des Congrès, place de l'Alma, wurde ein 
Banquet veranstaltet. Es wurden zahlreiche begeisterte Toaste gehalten und nur der 
Umstand, dass sämmtliche Congressmitglieder an demselben Tage zu einer Gala- 
soirce bei Seiner Hoheit dem Prinzen Roland Bonaparte eingeladen waren, war 
daran Schuld, dass dieses höchst herzliche Rendezvous der Bibliothekare fast aller 
europäischen und amerikanischen Nationen schon nach 9 Uhr endete. Erst in dem 
prächtigen Bonaparte'schen Palais nahmen die Mitglieder von einander Abschied mit 
dem allgemeinen Zuruf: „Auf Wiedersehen im Jahre 1905 auf dem II. Bibliothekar- 
Congresse !* Dr. B. Prusik. 


LITERARISCHE BESPRECHUNGEN. 


(Gyalui Farkas: Külföldi közkönyvtárakról. Tanulmány. Németország. 
Svaje, Franciaorszag, Anglia, Hollandia, Belgium és Ausztria nevezetesebb köz- 
könyvytárairól. 1]. Kötet. Kolozsvár, Ajtai K. Albert könyvnyomdaja, 1900.*%) Der 
Verfasser des vorlierenden Buches ist Custos der Universitäts-Bibliothek in Buda- 
pest, also ein Fachmann auf dem Gebiet der Bibliothekswissenschaft. Der den 
Abschluss bildende zweite Band soll .— wie der Autor versichert — bald folgen. 
Zweck der ganzen Arbeit ist, den ungarischen Fachgenossen Einrichtungen, die 


*) Ueber óffentliche Bibliotheken des Auslandes. Studie über die berühmteren 
öffentlichen Bibliotheken Deutschlands, der Schweiz, Frankreichs, Englands. Hollands, 
Belgiens und Oesterreichs. Band 1. Klausenburg, Buchdruckerei des K. Albert 
Ajtai, 1900. 


— 89 — 


sich an ausländischen Bibliotheken bewährt haben, vor Augen zu führen und 
zur Nachahmung derselben anzuregen. Der erste Band behandelt Bibliotheken 
Deutschlands und der Schweiz. In der Vorrede bespricht der Verfasser die Thätig- 
keit des Institut International de Bibliographie in Brüssel und der internationalen 
Congresse, unter deren Aufgaben er die Förderung einer einheitlichen Regelung des 
internationalen kostenlosen Bücherausleihens aufgenommen zu sehen wünscht. Nach 
einer die Geschichte der Münchener k. Hof- und Staatsbibliothek schil- 
dernden Einleitung beschreibt der Autor deren Einrichtungen und hebt hiebei her- 
vor, dass hier ein zur Herausgabe der Bücher bestimmter Saal vorhanden ist, 
welche in anderen Bibliotheken zumeist im Katalogzimmer stattfindet, wogegen ein 
ausschliesslich für die Rückstellung der Bücher bestimmter Raum schon häufiger 
zur Verfügung steht. Sehr praktisch erscheint ihm, dass der Fussboden der Lese- 
räume mit Linoleum bedeckt ist. da dadurch die Staubplage gemildert und ander- 
seits der Lärm gedämpft wird. Die Beleuchtung findet er nicht genügend, weil sie 
einseitig ist. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf die nach italienisehem Muster ver- 
fertigten Arbeitstische für Damen, welche eine Schutzvorrichtung gegen neugierige 
Blicke haben, und erwähnt anerkennend die Ausstellung von Cimelien (Manuscripte, 
Incunabeln) in Schaukästen. Als nachahmenswerte Einrichtung bezeichnet der Autor 
das auf Initiative des gezenwürtigen Directors Laubmann hergestellte photo- 
graphische Atelier zum Zweck der Reproduction von Titelblättern, Initialen etc. Ueber 
einander gebaute, an der Wand fortlaufende Gallerien machen die für das Per- 
sonal gefährlichen Holzleitern unnöthig. Für die Manipnlationsarbeiten sind eigene 
Beamte bestimmt, während den eigentlichen bibliothekarischen Arbeiten andere 
Beamte obliegen. Die Büchernovitáten liegen in einem für diesen Zweck be- 
stimmten Zimmer stets auf. Hervorgehoben sei noch die Bemerkung, dass die 
Umschläge der Bücher mit eingebunden werden. — Was die Münchener Uni- 
versitätsbibliothek anbelangt, findet es der Autor nachtheilig. dass sie im 
Universitätsgebäude untergebracht ist. Bemerkenswerth nennt er die Aufstellung einer 
separaten, aus 5000 Bänden bestehenden „kleinen“ Bibliothek, welche den täglichen 
Bedarf der Studierenden zu decken berufen ist. Diese Neuerung ist das Verdienst 
des gegenwärtigen Directors Hans Schnorr v. Carolsfeld. Die Bücher dieser Bibliothek 
sind sofort zu haben, während die in dieser kleinen Bibliothek nicht enthaltenen 
wie jene der Hof- und Staatsbibliothek in München erst nach 24 Stunden zur Ver- 
fügung gestellt werden. In Bezug auf diese 24-Stundeneinrichtung vermisst der 
Leser ein Urtheil des Autors. Die Wissenschaftsgruppen, nach welchen die Bücher 
aufgestellt sind, findet er im Gegensatz zu jenen der Hof- und Staatsbibliothek ver- 
altet, und er glaubt nicht, dass sie in dem nen aufzuführenden Bibliotheksgebäude 
beibehalten werden. Die deutschen Inauzural-Dissertationen sind nach Wissenschafts- 
gruppen, die des Auslandes nach Universitäten aufgestellt; die separate Behandlung 
von circa 6 grösseren, dem Bücherbestande einverleibten Privatbibliotheken erscheint 
dem Autor sehr nachtheilig. Veraltet nennt er den aus lose aufeinander liegenden 
Zetteln bestehenden Zettelkatalog. Ueber die neu erworbenen Werke informiert eine 
im Entlehnsaal affigierte Liste. Für die ungarischen Bibliotheken sehr nachahmeus- 
werth findet der Autor die Einrichtung, den Universitátshórern das Recht einzu- 
räumen, auch während der Ferien Bücher entlehnen und dieselben für die ganze 
Dauer derselben mitnehmen, ja sogar ausserhalb der Stadt nach Belieben mit sich 
führen zu können. Die Inevidenzhaltung der entlehnten Bücher geschieht vortheilhaft 


— 90 — 


durch Copieren der vom Publicum meist undeutlich ausgefüllten Desideratscheine. — Die 
Strassburger Universitáts- und Landesbibliothek bezeichnet der Ver- 
fasser als die Perle der deutschen Bibliotheken. Sie ist ja auch zu einer Zeit ent- 
standen, wo man sich alle bis in die neueste Zeit gesammelten Erfahrungen zunutze 
machen konnte. Grosses Lob spendet er insbesondere den von Lipman verfertigten 
beweglichen Fächern der eisernen Bücherschränke. Was die schwerfällige systema- 
tische Aufstellung anbelangt, hebt der Autor deren nicht zu unterschätzenden 
Vortheil hervor, dass die nebeneinander stehenden wissenschaftlichen Fachgruppen 
von den Lesern zugleich als Katalog benützt werden können, um nicht zu sagen 
einen Katalog überflüssig machen. Besondere Anerkennung zollt der Autor der 
Bibliotheksverwaltung für die Liberalität, welche sie im Herleihen der Bücher an 
den Tag legt. Es sei constatiert, dass die hier angeführten Entlehnungsnormen er- 
kennen lassen, dass die Wiener Bibliotheken in Bezug auf Liberalität im Herleihen 
von Büchern der Strassburger Bibliothek nicht im geringsten nachstehen. — In 
der zur Zeit seines Besuches noch im Werden begriffenen neuen Kólner Stadt- 
bibliothek imponierten dem Autor vor allem die in der Mauer angebrachten, 
für Katalege bestimmten feuerfesten Kästen. Ebenso erregt die von zwei Seiten 
erfolgende Beleuchtung des Lesesaales sein Gefallen, während ihm das Oberlicht 
im Lesesaal der Strassburger Bibliothek wegen der aussergewöhnlichen Höhe der 
Decke nicht genügend erscheint. Die Erwärmung der Magazine bis zu 18? C. findet 
er zu hoch. Seines Erachtens ist die beste Temperatur für Magazine 10" C., was 
übrigens nicht nàher begründet wird. Die Bücher sind hier nicht nach Wisseuschatts- 
gruppen aufgestellt, es stehen jedoch dem Publicum systematische Kataloge zur 
Verfügung. — Bei Besprechung der k. Universitätsbibliothek in Bonn 
äussert sich der Autor gegen den dort und auch in anderen Bibliotheken, wie 
Strassburg etc., herrschenden Usus, ausser den Bediensteten auch anderen Personen 
(Professoren) den Zutritt in Büchermagazine zu gewähren, weil die benützten 
Bücher von diesen oft verstellt werden. Diesem Uebelstande kónnte leicht damit ab- 
geholfen werden, dass das Zurückstellen der Bücher ausschliesslich dem Dienst- 
personal überlassen wird. Das Vorgehen der Bibliotheksverwaltung beim Herleihen 
der Bücher erscheint ihm zu strenge. Der Beamte hat das Recht, wenn er gegen 
einen Benützer Bedenken hegt, einen Bürgen zu verlangen. An einem und demselben 
Tag kann derselbe Entlehner nur ein Werk entlehnen und mehr als 20 kann er 
nicht zugleich benützen. — Eine Specialitit der Frankfurter Stadtbibliothek 
sind ihre alten Kataloge (Manuscripte vom Anfang des 16. Jahrhunderts). Von den 
drei Arten bewegbarer Fächer, die der Autor auf seiner Reise kennen gelernt, 
empfiehlt er in erster Linie die der Baseler Bibliothek. Das Baseler Fächersystem 
ist eine verbesserte Variation des Strassburger Systems. Die Frankfurter Bücher- 
fächer stellt er an dritte Stelle. Wie bei den vorher besprochenen Bibliotheken, 
führt der Autor auch bei Besprechung dieser die Wissenschaftsgruppen der mit 
grosser Sorgfalt bewerkstelligten systematischen Aufstellung an. Die Weiterführung 
des systematischen Kataloges wird, nachdem die Bücher nach Wissenschaftsgruppen 
aufgestellt sind, nach Herstellung eines alphabetischen Kataloges als überflüssig auf- 
gegeben werden. Wichtig nennt der Autor, dass das Verfahren der Frankturter 
Bibliotheksverwaltung beim Bücherankauf und ihr Verhältnis zu den Buchhändlern, 
insbesondere der zu gewährende Percentsatz beim Ankauf nener und antiquarischer 
Bücher derart geregelt wurde, dass diese genau präcisierten Beziehungen als Regle- 


ce Of 


ment im Druck erscheinen konnten. Alle Anerkennung zollt er der in dieser Bibliothek 
getroffenen Bestimmung, kraft welcher im Lesesaal jede Lectüre — also auch belle- 
tristischer Werke, von Zeitschriften, ja sogar von Zeitangen — ermöglicht und ge- 
stattet ist. Er betrachtet diese Concession als ein Mittel, die Jugend vom Besuch der 
Kaffeehäuser abzuhalten. Die neu angekauften Bücher liegen, nachdem sie einge- 
bunden wurden, 14 Tage im Lesesaale auf. In der Stadt sind ausschliesslich für 
die Bibliothek bestimmte Briefkästen angebracht zum Zwecke spesenfreier Be- 
forderang der Desideratblitter an die Bibliothek, welche den nächsten Tag die ver- 
langten Bücher zur Verfügung stellt oder dieselben gegen Entrichtung eines kleinen 
Betrages in die Wohnung zustellt. Um denselben Betrag werden Bücher von 
Bibliotheksbediensteten abgeholt und zurückgestellt. — Bei Besprechung der 
K. Universitätsbibliothek in Leipzig spricht sich der Autor für die zwei- 
fache Beleuchtung, die durch die Decke stattfindende und die Seitenbeleuchtung, 
aus. Der hier vorhandene separate Lesesaal für Professoren erscheint ihm in Uni- 
versitätsbibliotheken unentbehrlich, und er lenkt auch die Aufmerksamkeit auf die 
hier den Bibliotheksbeamten zur Verfügung stehenden sehr bequemen Wohnungen. 
Aus Reinlichkeitsrücksichten spricht er sich für die Betonfussbüden aus, wie 
es sie in der Leipziger Bibliothek gefunden. Als Specialität dieser Bibliothek führt 
der Autor die Einrichtung an, dass über Sonntag auch aus der Handbibliothek des 
Lesesaales Bücher hergeliehen werden. An Tagen, an welchen viele entlehnen, 
werden dem Einzelnen verhältnissmässig weniger Bücher zugestanden. Zum Zettel- 
katalog haben nur Beamte Zutritt. Die entlehnten Bücher sind jedes Halbjahr zum 
Zweck der Revision zurückzustellen. Der Autor findet das zu viel, einmal im Jahre 
würde ihm genügen. Er empfiehlt die Schaffung möglichst vieler Drucksorten, wo- 
moglich für alle Fälle, die sich in der Verwaltung der Bibliothek ergeben können, 
zum Zwecke der Beschleunigung der Arbeiten. — Der Zettelkatalug der Bibliothek 
der Universität Halle wird in zwei Exemplaren angelegt. Das eine Exemplar 
steht den Lesern zur Verfügung. Die Vermehrung der Bücher geschieht auf Ver- 
anlassung des Directors. Die Statuten der Bibliothek verpflichten die Beamten, im 
Falle einer Feuersgefahr sofort in der Bibliothek zu erscheinen, um die Rettungs- 
arbeiten zu leiten. In den Lesesaal dürfen, der Controle wegen, keine fremden 
Bücher mitgebracht werden. Endlich werden hier eingehend die Verhältnisse der 
Bibliotheca Nationis Hungaricae besprochen. — Was die K. Bibliothek in Berlin 
anbelangt, finden wir hervorgehoben, dass die Legitimationskarten Berliner Studie- 
render zugleich als Eintrittskarten in den Lesesaal benützt werden kónnen. Die 
Magazine kónnen nur von Besitzern einer schrittlichen Erlaubnis von Seiten der 
Direction betreten werden. Das Bücherentlehnen überwiegt den Verkehr im Lese- 
saal. Die gewünschten Bücher sind noch an demselben Tag, nach Verlauf von zwei 
Stunden zu haben. Die jährliche zweimalige Revision der Bücher, welche einer- 
seits die Nothwendigkeit der Rückstellung sàmmtlicher entlelinver Bücher, anderseits das 
Sistieren des Herleihens zur Folge hat, findet der Verfasser auch hier nicht unbedingt 
nothwendig. Sehr praktisch findet er die Inanspruchnahme der Paketfahrt-Gesellschaft 
zum Zweck der Bücherbeförderung aus der Bibliothek in die Wohnung des Ent- 
lehners, doch findet diese nicht gerade häufig statt. — Die räumlichen Zustände 
der Berliner Universitütsbibliothek nennt er unhaltbar, das Bibliotheks- 
gebäude steht nämlich nicht frei, sondern ist in die Front anderer Häuser einge- 
reiht: ferner ist es — obwohl erst 1872,3 aufgeführt — längst zu klein geworden, 


— go — 


Die biblio- und biographischen Nachschlagewerke können auch von den Lesern be- 
nützt werden, ferner stehen diesen Desiderienbücher zum Eintragen der nicht vor- 
handenen, aber gewünschten Werke zur Verfügung. — Nirgends fand der Autor 
die Landkarten so genau beschrieben wie in der K. Oeffentlichen Bibliothek 
in Dresden. Behufs Beschreibung derselben wurden Drucksorten angefertigt mit 
auszufüllenden Rubriken, als: Schlagwort und Gegenstand; Titel ; Zeichner ; Schnitzer 
oder Stecher; Herausgeber; Drucker; Verleger; Mass ; Projection ; Ausführungsweise; 
farbig oder schwarz, Ort und Jahr des Druckes; Format; Seiten; Höhe; Breite in 
Millimetern etc. Auch diese Bibliothek hat ihre eigenen Sammelkästen in der Stadt 
zum Einwurf von Desideratzetteln. -— Das Gebäude der Oeffentlichen Biblio- 
thek der Universität Basel steht naclı der Meinung des Autors dem Ideal 
eines Bibliotheksgebáudes unter allen europäischen Bibliotheksgebäuden am nächsten. 
Es steht frei und kann durch Flügelbauten vergrössert werden. Als sehr praktische 
ünrichtung führt er den Saal für Paläographie an. Besonders lobend urtheilt 
Autor über die neuartigen Zettelbehälter des Zettelkataloges. Der systematische 
Gesammtkatalog ist in dieser Bibliothek den Lesern zugänglich. Für jede Bibliothek 
nachahmenswerth erscheint dem Autor die gedruckte Instruction, wie sie in der 
Baseler Bibliothek aufliegt. Sie unterweist die Leser im richtigen Aufsuchen und 
im leichten Auffinden gewünschter Werke. — Es werden in dem vorliegenden ersten 
Bande 9 Bibliotheken Deutschlands und 3 Bibliotheken der Schweiz mit eben so 
grosser Ausführlichkeit als strenger Sachlichkeit behandelt, so dass die Arbeit 
Anspruch auf wissenschaftlichen Werth erheben darf. 


Julius J. Stockinger. 


AUS ÖSTERREICHISCHEN BIBLIOTHEKEN. 


(Neue Bestimmungen für die Bücherentlehnungen aus der k. k. Hof- 
bibliothek.) I. Das Entlehnen von Werken in Wien. 81. Gegen eigenhän- 
dige Unterschrift auf den orduungsgemäss ausgefüllten Ausleihscheinen können 
Werke aus der k. k. Hofbibliothek entlehnen: a) Die Würdentrüger und Beamten 
des k. und k. Hofstaates, die Leiter der obersten Staatsümter und Centralstellen ; 
b) die Mitglieder beider Häuser des Reichsrathes und des niederósterreichischen 
Landtages; c) die diplomatischen Vertreter der fremden Mächte; d) die wirklichen 
und correspondierenden Mitglieder der kais. Akademie der Wissenschaften; e) die 
Professoren, Privatdocenten, Adjuncten, Assistenten, Prosectoren, Constructeure der 
Hochschulen, sowie die Directoren, Professoren und Supplenten sáàmmtlicher óffent- 
lichen Mittelschulen und im Range gleichstehenden öffentlichen  Lehranstalten ; 
J) die Beamten der öffentlichen Bibliotheken, Archive und Museen. $32. Gegen 
eigenhändige Unterschrift auf den Ausleihscheinen können ferner die nachbenannten 
Personen unter der Bedingung Werke aus der k. k. Hofbibliothek entlehnen, dass 
durch Aufdrückung des Amtsstempels oder durch Unterschrift des Amtsvorstandes 
die Mithaftang der betreffenden Behörde nachgewiesen werde: a) Alle activen Staats-, 
Landes- und Communalbeamten; 5) die Officiere und Beamten des k. und k. Heeres 
und der Kriegsmarine, sowie der k. k. österreichischen und kön. ungarischen Land- 
wehren ; c) die Deiter und Lehrkräfte simmtlicher öffentlichen Bürger- und Volks- 


ca. 304, = 


schulen: d) die Functionäre der kirchlichen Behörden und Anstalten; e) die Demon- 
stratoren, die Mitglieder der Institute und Seminare der Hochschulen. $3. Gegen 
eigenhàndige Unterschrift kann die Direction auch Personen, welche nicht den in 
den SS 1 und 2 aufgezühlten Kategorien angehóren, das Ausleihrecht unbeschränkt 
oder von Fall zu Fall zugestehen. Diese Bestimmung wird namentlich auf solche 
Persönlichkeiten Anwendung finden, die vermöge ihrer socialen oder wissenschaft- 
lichen Stellung die Gewähr für eine entsprechende Benützung bieten. $ 4. Die zu- 
gestandene Begünstigung für die in den SS 1 bis 3 aufgezählten Persönlichkeiten 
setzt den ständigen Aufenthalt derselben in Wien voraus. Personen dieser Kate- 
gorien, welche sich nur zeitweilig in Wien aufhalten, können nur mit besonderer 
Bewilligung der Direction derselben Begünstigung theilhaftig werden. $ 5. Wer ein 
Werk aus der k. k. Hofbibliothek entlehnen will hat das erstemal der Direction 
sein Recht mit Rücksicht auf die Bestimmungen der 38 1 und 2 nachzuweisen. 
$6. Zum Abholen und Zurückstellen der entlehnten Bücher und zur Zurücknahme 
der Ausleihscheine sind an den Tagen, an denen die k. k. Hofbibliothek geóftnet 
ist, die Stunden von 9 bis 1 Uhr bestimmt. Nach 1 Uhr bestellte Werke sind am 
folgenden Tage zu beheben. Bücher, die binnen zwei Tagen nach ihrer Bestellung 
nicht abgeholt sind, werden wieder eingestellt und müssen neuerdings verlangt 
werden. § 7. Die Bestimmung der Zahl der, Bände, die dem einzelnen Entlehner 
gleichzeitig hinausgegeben werden kann, ist dem freien Ermessen der Direction an- 
heimgestellt. § 8. Die Entlehnungsdauer beträgt in der Regel einen Monat, doch 
bleibt es der Direction vorbehalten, von Fall zu Fall làngere oder kürzere Fristen 
zu bestimmen. Jst die Frist abgelaufen, so kann das Werk, wenn es inzwischen 
von niemand anderem verlangt wurde, demselben Entlehner neuerdings hinaus- 
gegeben werden. In diesem Falle kann aber die Direction verlangen, dass das be- 
treffende Buch in die Bibliothek gebracht und vorgewiesen werde. Alljährlich sind 
in der letzten Juliwoche sämmtliche entlehnten Werke zurückzustellen, damit die 
vorgeschriebene Bücherrevision anstandslos vorgenommen werden könne. Auf die 
Dauer der Bibliotheksterien und während derselben werden keine Werke ausgeliehen. 
Nur beim Nachweis dringender wissenschaftlicher Arbeiten kann die Direction eine 
Ausnahme hievon gestatten. Wenn ein bibliothekarisches Interesse es erheischt, 
können Werke auch vor Ablauf der bewilligten Frist zurückverlangt werden. Von 
einer Wohnungsänderung hat der Entlehner unverzüglich der Direction Mittheilung 
zu machen. Wer für längere Zeit als eine Woche verreist, hat sämmtliche entlehnten 
Werke zurückzustellen. 8 9. Wer den Ausleihtermin überschreitet oder vor den 
grossen Ferien die entlehnten Werke nicht einliefert, erhält bis zur Rückgabe der- 
selben keine weiteren Werke aus der k. k. Hofbibliothek und wird durch einen 
mittels Post abzusendenden Mahnbrief an seine Verpflichtung erinnert. Hat diese 
Mahnung binnen drei Tagen keinen Erfolg, so ergeht eine zweite briefliche Mahnung. 
Sollte auch acht Tage nach der zweiten Mahnung das Buch nicht zurückgestellt 
worden sein,. so händigt ein Bibliotheksdiener dem Entlehuer persönlich ein drittes 
Mahnschreiben ein. In diesem Falle ist dem Diener das entlehnte Werk zu über- 
feben, sowie ein Botenlohn von einer Krone, und falls der Entlehner inzwischen 
ohne Anzeige an die Direction die Wohnung gewechselt haben sollte. der doppelte 
Betiag zu entrichten. Bleibt auch die dritte Mahnung unbeachtet, so werden geren 
den säumigen Entlehner die entsprechenden behördlichen Schritte eingeleitet. Der 
Entlehner. der es zu diesem letzten Schritte kommen lässt, verliert sein Ausleihrecht 


gar GË cues 


für immer. $ 10. Der Entlehner hat sich von dem Zastande des entlehnten Buches 
sofort zu überzeugen und etwa vorhandene Verunreinigungen und Defecte unverzüg- 
lich anzuzeigen. Die Direction behält sich vor, für verlorene oder beschädigte Bücher 
von dem Entlehner den vollkommenen Schadenersatz anzusprechen. $ 11. Von der 
Entlehnung ausgeschlossen sind: a) Alle Werke, von denen mit Grund an- 
zunehmen ist, dass sie im Verlustfalle zar nicht oder nur schwer ersetzt werden 
können; b) Landkarten, kostbare Atlanten, Flugblätter, kostbar ausgestattete Bilder- 
werke; c) die Kunstblätter der Kupferstichsammlung; d) die urkundlichen und 
literarischen Objecte der Papyrussammlung: e) bibliographische und literarische 
Nachschlagewerke und Wörterbücher; f) alle Werke, die zur Benützung im Lese- 
oder Handschriftenzimmer reserviert sind, ferner solche, die zum amtlichen Ge- 
brauche der Beamten dienen; y) Werke, deren Benützung anderweitig leicht zu er- 
möglichen ist, namentlich solche belletristischen Inhalts. 8 12. Nur in be- 
sonders berücksichtigungswerthen Fállen kann die Direction die Entlehnung von 
Werken der im vorhergehenden Paragraphen angeführten Kategorien  gestatten. 
Die Objecte der Papyrussammlung können unter keiner Bedingung, die Kunst- 
hlätter nur unter ganz besonderer Sicherstellung verliehen werden. — II. Das 
Entlehnen nach auswärts. d. Für Oesterreich-Ungarn. $ 13. Das Ent- 
lehnen von Druckwerken oder Handschriften ausserhalb Wiens erfolgt nur auf ein 
schriftliches Ansuchen, das durch Vermittlung einer Akademie der Wissenschaften 
oder ihr zleichstehenden gelehrten Gesellschaft, einer öffentlichen oder Stiftsbibliothek. 
eines Archivs, Museums oder einer höheren Lehranstalt an die Direction der k. k. 
Hofbibliothek zu richten ist. Die Direction kann in berücksichtigungswerthen Fällen 
den Bezug von Handschriften und Druckwerken auch durch Vermittlung einer Be- 
zirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichtes, Pfarramtes, einer Gemeindevorstehung, 
Schulleitung oder Militärbehörde gestatten. Das Gesuch hat den Namen und die 
Adresse des Gesuchstellers, den genauen Titel der gewünschten Werke, bei Hand- 
schriften die Bezeichnung der Nummer und des Textes zu enthalten. $ 14. An die 
k. k. Hofbibliothek sind in der Regel nur solche Gesuche zu richten, welche nicht 
durch eine dem Petenten zunächst gelegene Bibliothek befriedigt werden können. 
$ 15. Spricht sich die Direction für die Bewilligung des Ansuchens aus, so 
werden unter Beilage der entsprechenden Ausleihscheine die gewünschten Druck werke 
oder Handschriften an diejenige Anstalt gesendet, welche die Entlehnung vermittelt. 
Die Ausleihscheine sind dann von der betreffenden Vorstehung zu unterfertigen und 
an die k. k. Hofbibliothek zurückzuschicken. $ 16. Die Kosten des Verpackungs- 
materials und der Versendung hat der Entlehner zu tragen. Die Form der Verpackung 
und Versendung, eventuell die Hóhe der Versicherungssumme bestimmt die Direction 
der k. k. Hofbibliothek. S 17. Die Benützung von Handschriften darf nur in den 
Räumen der Anstalt stattfinden, welche die Entlehnung vermittelte. Auch für die 
Benützung von Druckwerken kann die Direction im erforderlichen Falle diese Ein- 
schrinkung testsetzen. $ 18. Die Rückstellung hat nach Ablauf der in jedem ein- 
zelnen Falle bewilligten Frist, in der Regel spätestens einen Monat nach dem Em- 
pfange zu erfolgen. Um Verlängerung der Benützungstrist muss der Entlelner bei 
der Direction der k. k. Hofbibliothek besonders ansuchen. Die Druckwerke, Hand- 
schriften und Kunstblätter müssen in derselben Verpackungsweise, in der sie ahge- 
schiekt wurden, und mit derselben Werthangabe zuriickgesendet werden. X 19. In 
allen hier nieht näher bezeichneten Fällen haben bei der Entlehnung nach auswärts 


a, 99 = 


dieselbera — Vorschriften zu gelten wie bei der Entlehnung in Wien. P. Für das 
Auslaxa «1. 820. Für die Versendung ins Ausland ist der Grundsatz massrebend, 
dass dieselbe nur an solche Bibliotheken und Anstalten stattfindet, die ihrerseits 
der k. ic . Hofbibliothek volle Gegenseitigkeit gewähren. — III. Allgemeine Be- 
stimm un ngen. 821. Die Direction behált sich vor, die Entlehnung von Büchern 
und Ha xa «l:chriften sowohl in Wien als auch auswärts, allenfalls ohne Angabe von 
Gründer» zu verweigern. 8 22. Durch Unterzeichnung des Ausleihscheines unterwirft 
sich der Entlehner bedingungslos den Bestimmungen der gegenwärtigen Ausleih- 
ordnung _ („Wiener Abendpost“, 15. Februar 1901.) 

C Won der k. k. Hofbibliothek.) Die Direction dieser Anstalt erwarb kürzlich 
i derxa  Nachlasse des Arztes Dr. Julius Bogensberger zwei Manuscript Fragmente, 
die, wenngleich schon publiciert, dennoch vermóge ihres hohen Werthes für die 
Ueberlie £ erungsgeschichte der betrettenden Literaturdenkmàler und überdies als 
Austria «- a eine schitzbare Bereicherung des handschriftlichen Bestandes der Palatina 
darstel1 «n. Von den beiden Pergamentdoppelblättern ist das eine aus Strassburg 
in Kärmten stammende (nunmehr Suppl. 4002 bezeichnet) zuerst 1880 von A. F. 
Schónt» a ch (Sitzungsberichte der philos.-histor. Cl. d. k. Akad. d. Wissensch., XCVII, 
(Die 532) beschrieben und gelesen, 1890 von J. Seemüller (Monum. Germ. histor., 
Deutsche Chroniken 5, 1, XII) in die Ueberlieferung der Reimchronik Ottokars 
9iDFe& liedert worden: es gehört mit drei anderen Bruchstücken, welche Seemiiller 
S. XI ff.) beschreibt und deren eines sich schon lange im Besitz der Hof- 
liie hek (Nr. 15.359, Suppl. 2793) befindet, zusammen, so dass das erwähnte 
ind = nunmehr von allen bisher bekannten: Ueberresten der EE Pergament: 
ia der überhaupt ältesten Handschrift der Reimchronik gerade die Hälfte 
schriet Die Schriftzüge des, wie Seemüller darthut, vermuthlich in EE 
auf d x und ebendaselbst im XVII. Jahrhundert zerschnittenen Codex weisen 
ji a Anfang des XIV. Jahrhunderts hin. Das für Wien neugewonnene Fragment 
feres als Umschlag des Todtenregisters einer Herrschaft, dann als Bucheinband 
noch TE, im Laufe der Zeit sehr gelitten und auch seit 1880 offenbar an Leserlichkeit 
Fal Ds Merkliches eingebüsst ; es enthält im ganzen 253 Vv., wovon auf Bl. 1 
Y. Si 720— 51.051, 51.066—51.098, 51.111--51.143, 51.161—51.193 und auf BI. 2 
miller 651.596, 51.611—51.641, 251.655— 51.682, 51.696—51.723 (nach See- 

* Zühlung) entfallen. — Auch das zweite Fragment wurde in Strassburg i. K. 
ähnlichen Schicksalen, wie sie das Ottokar-Bruchstück erfuhr, von Dr. Bogens- 


Fra © XXV, 271—285) zuerst veröffentlicht: eines der beiden bis jetzt bekannten 
Mente des wahrscheinlich um 1250 in Oesterreich nach Motiven und im Stile 
Ea ns von Eschenbach und Heinrichs von dem Türlin gedichteten höfischen Epos 
na Anz Anfänge: „her ab von himel draet“ .. . (— „ein netz das gestricht“) 


Wier > horten singen noch sagen“ (— „daz dienst hiez si im sa“). Das nunmehr als 
Kan, ET Fragment zu bezeichnende Pergamentdoppelblatt gehört, wie Schönbach er- 


148 ke hat, mit dem 1840 von Hotfmann von Fallersleben (Altdeutsche Blätter 2, 
licn ) edierten Seitenstettner Fragment trotz gleicher Zeilenzahl handschritt- 
>. Micht zusammen, vielmehr ist diese Niederschrift dem XII., die durch das 
ner Fragment repräsentierte dem beginnenden XIV. Jahrhundert zuzuweisen; 
kei tlic, beweist nur der Name des Haupthelden Edolanz die Zusammengehóriz- 

Aer beiden Bruchstücke, von denen das Seitenstettner 124, das der Hofbiblio- 


thek 256 Vv. umfasst. Näheres über die muthmassliche Filiation der Hss. bei 
Schónbach, a. a. O. Robert F. Arnold. 
(Von der Universitüts-Bibliothek in Prag.) Die auch in Geschüttskreisen 
stark verbreitete Schreibmaschine „Blickensdörfer Nr. (^ hat sich an der Prager 
Bibliothek bisher in mehr alseinjährigem Gebrauche bestens bewährt. Die Maschine ist 
wohl etwas zartgebaut und bedarf deshalb einer vorsichtigeren Behandlung. Dafür 
ist aber die Schrift, welche mit derselben erzielt wird, ausserordentlich gleichmässig 
und rein; ausserdem stellt die Schreibarbeit, da die einzelnen Tasten viel leichter als 
bei anderen Systemen angeschlagen werden kónnen, eine geringere Anforderung an 
den Kraftaufwand des Schreibenden. Sechs, unter Umständen bei Wahl eines guten 
Copierpapieres auch mehr ('opien können bequem auf einmal erzielt werden, und 
dass dies bei der mühseligen Actenarbeit eine grosse Zeit- und Arbeitsersparnis 
bedeutet, braucht wohl nicht besonders betont zu werden. Die Maschine ist billig, 
sie kostet nur 300 A; sie wurde daher für die Prager Bibliothek mit Bewilligung 
des k. k. Unterrichtsministeriums aus der ordentlichen Amtsdotation angeschafft. 
Für grössere Bibliotheken würde sich freilich die Anschaffung der bedeutend kost- 
spieligeren, dafür aber auch massiveren und hochgesteigerten Arbeitsansprüchen ganz 
renügenden Schreibmaschine .Dunsmore*, die sich schon an vielen Orten bestens be- 
währt hat, mehrempfehlen. — Eine ausserordentliche Ersparnis an Schreibarbeit wird an 
der Prager Bibliothek auch seit der Einrichtung des an die Prager Telephoncentrale ange- 
schlossenen Amtstelephons (Nr. 1325) erzielt. Beinahe alle Bestellungen und An- 
fragen bei Buchhándlern und Buchbindern können auf diese Weise erledigt werden, ohne 
dass eine Zeile geschrieben zu werden braucht; dringliche Fragen finden oft in kürzester 
Frist ihre Lösung. Die Befürchtung, welche vor Einführung des Telephons in die 
hiesige Bibliothek von Seite der böhmischen Statthalterei gehegt wurde, es könnte 
die Arbeitsersparnis, welche aus dieser Neueinführung resultiert, dadurch wieder auf- 
gehoben werden, dass von Seiten jener Hochschulinstitute, welche an das Prager 
Staatstelephon angeschlossen sind, zahlreiche Entlehnungsgesuche und Auftriiye, 
Bücher in die Institute zu senden, auf diesem Wege erledigt werden würden, hat sich 
keineswegs als berechtigt erwiesen. Auch in dieser Hinsicht hat die Einführung des 
Telephons in den amtlichen Bibliotheksverkehr nur Vortheile für beide Theile einze- 
bracht. Besonders praktisch dürfte sich jedoch die Anwendung der transportablen tele- 
phonischen Sprech- und Hörapparate erweisen, welche auf jeden beliebigen Schreibtisch 
niedergestellt werden können, und deren man sich von seinem Stuhle aus, ohne sich er- 
heben zu müssen, bedienen kann. Mit der Einführung dieses transportablen Apparates 
entfallt eine grosse Summe ven Laufereien für die einzelnen Beamten. namentlich aber für 
den Amtsvorstand, von selbst. — Jm Folgenden sollen schliesslich einige statistische 
Daten mitgetheilt werden, welche gelegentlich der Abfassung des Jahresberichtes 
der Anstalt tür das Jahr 1900 eruiert wurden. Die Prager Universitäts-Bibliothek 
besitzt, soweit dies nach der bisherigen Zählung des Bücherbestandes festgestellt 
werden kann, derzeit 251.473 Bände Druckschriften, von denen 8752 Bände als die 
grosse, 881 Bände als die kleine Kinskyana und 947 Bände als ebenfalls von dem 
Kinsky'schen Grrafengeschlechte stammende Bibliotheca militaris nach den Bestim- 
mungen des bezüglichen Schenkungsbriefes in besonderen Büchersammlungen ver- 
einiet sind. Bei Gelegenheit der im Gange befindlichen Nenbearbeitung des Zettel- 
kataloges wird auch der Bücherbestand. in welchem vieles bisher in Cartons, 
Sammelbänden etc. vereinigtes Material nea aufgestellt und eine grosse Zahl von 


3 


älteren :Druckwerken ausgeschieden werden muss, neugezühlt (bisher 92.801 Bände). 
Der n& we Zuwachs des Jahres 1909 betrug hinsichtlich der Druckschriften 8702 
Bände. von denen 2362 durch Kauf, 1552 als Geschenke, 2123 als Pflichtexemplare 
und 338 Bünde im Tauschwege, sowie endlich 2627 Bände aus alten Beständen in 
die Bài Y» Riothek gelangten Die einzelnen Specialsammlungen der Anstalt enthalten: 
3893 X Xzinde Handschriften (Zuwachs: 5 Bände), 1528 Incunabeln, 12.680 Mittel- 
schulp x-«»gramme, 554 Landkarten (Zuwachs: 86), 28.989 Kupferstiche und Bilder, 
1703 UTI x-kunden. Die beiden grossen Katalogisierungsarbeiten, welche derzeit 
ander Anstalt im Gange sind, haben im Jahre 1900 folgende Fortschritte gemacht: 
bei de x Neukatalogisierung des Handschriftenbestandes wurden 558 Bände (bis 
Sehlusses 1900 im Ganzen: 1820), bei der Neubearbeitung des Zettelkataloges für 
den Gr €» samintbestand an Druckschriften 28.755 Bände (bis Schluss 1900 im Ganzen: 
32.80 1 ) erledigt. Der neue Zettelkatalog besteht jetzt ans 87.476 Katalogzetteln. Die 
Summe der Ausgaben betrug 42.060:29 K, und zwar 33.250331 K für den Bücher- 
ankata f, 6838:68 K für die Buchbinderarbeiten, 1588:65 K für den Kanzleibedarf 
ud 2333562 AK für die Reinigung. Schliesslich mögen noch einige Benützungsdaten 
hier angeführt werden. Das grosse Lesezimmer der Bibliothek wurde während des 
Jahres 1900 von 62.339, das Zeitschriften-Lesezimmer von 7978, das Handschriften- 
und NMlittelschullehrer-Lesezimmer von 1780 Personen besucht. In der Bibliothek 
worden abzesehen von der ungemein starken directen Benützung der iin grossen 
Lesezi miner aufgestellten Handbibliothek 74.448 Bände benützt, nach Hause wurden 
22.797 Biinde entlehnt, durch die Post 1038 Bände versendet, während aus anderen 
Bibliotheken 944 Bände für das Prager Bibliothekspublicum bezogen wurden. 
(Von der mährischen Landesbibliothek.) Die Zahl der Besucher stieg im 
\erflossenen Jahre auf 6177 Leser und Entlebner. Die in 105 Zettelkästehen unter- 
nn achten 56 Fachkataloge wurden sorgfältig ergänzt. Der Zuwachs an Füchern 
di "ifft 2794 Bünde. Für die Mitglieder der mährischen Museums Gesellschaft wurde 
Jahr. Sites Lesezimmer geschaffen, in welchem 164 Zeitschriften (gegen 128 im 
han: 1899) aufliegen. Für den Ankauf von Büchern, für das Einbinden, für An- 
wurd Ung von Bibliothekskästen und diverse Requisiten für die Bibliothekskanzlei 
jesen die Summe von 5685 X verausgabt. Der Tauschverkehr mit 104 gelehrten 
sun Schaften und wissenschaftlichen Instituten wurde nicht nur aufrecht erhalten, 
h au es wurden auch 14 neue Körperschaften gewonnen; die sich bereit erklärt 
Za n mit der mährischen Museums-Gesellschaft in Schriftentausch zu treten. Die 
träet der Personen, welche der Bibliothek werthvolle Spenden zukommen liessen, be- 
ala zu 69, worunter sich 36 mährische Schriftsteller befinden. Um dem Raummangel 
Bü. Leien, wurde die Durchfahrt vom Hofe zum Garten zu einem geräumigen 
 ermagazin adaptiert. Auch die Einführung -des Pelephons (Nr. 434) über 
SB "ig des Curators Chefredacteurs Th. Cejnek erwies sich als eine sehr zweck- 
SSige Einrichtung. Die vom Bibliothekar begonnene- Anlage eines Kataloges über 
wa den Druckwerken der Bibliothek befindlichen Porträts schreitet rasch vor- 
hat S. Das Verzeichnis der Porträts der „Leipziger Tllustr. Zeitung“ (über 7000) 
der Museumswart Josef Suschitzky bereits fertiggestellt. Eine Action von 
itt, aczender Bedeutung ist die Begründung der Comeniusbibliothek, welche 
11, Juni über Antrag des Bibliothekars kais. Rathes Dr. Schram vom Cura- 


Or 
ri 

IO Um der Museums-Gesellschaft einhellig beschlossen wurde. Diese Bibliothek ver- 
m 


Mä 


WW =] 1 


Schon heute über einen eigenen Raum, einen prachtvollen Bücherkasten, 1 Büste 


co gi ues 


und 2 Porträts des Comenius, 77 Bücher, darunter viele kostbare alte böhmische 
und lateinische Drucke, die mährische Landkarte des Comenius in 4 Exemplaren, 
darunter die überaus seltene Ausgabe vom Jahre 1630, ferner zwei sehr werthvolle 
Handschriften des weltberühmten Mährers aus den Jahren 1611 und 1668. Endlich 
wurde über Antrag des Curators Dr. St. Licht die Aufstellung einer Gutenberg- 
bibliothek beschlossen, welche alle alten Drucke der Landesbibliothek bis zum 
Jahre 1600 enthalten soll. 


VEREINSNACHRICHTEN. 


(Jahresbericht, erstattet in der Hauptversammlung am 16. März 1901.) 
Fünf Jahre sind nunmehr verflossen seit der österreichische Verein für Bibliotheks- 
wesen ins Leben getreten ist, und wenn wir Ihnen heute unseren Bericht über das 
d. Vereinsjahr vorlegen, so können wir mit einer gewissen Beruhigung sagen: Der 
Verein hat seine Lebensfühigkeit erwiesen, er hat die ,Kinderkrankheiten* über- 
standen, und wir dürfen hoffen, dass er sich in gedeihlicher Weise weiter entwickeln 
wird. Heminnisse mancher Art hat es ja gegeben und ihn durch die Schwierigkeiten 
ungefährdet durchzubringen, die aus der Reaction auf etwas hochfliegende Hoffnungen 
einerseits und andererseits aus der uns allen nun schon einmal im Blute steckenden 
Skepsis entstanden sind, war nicht immer gerade leicht. Darnach möge das bisher 
Geleistete billige Beurtheilung finden. 

Das abgelaufene Jahr charakterisiert sich für den Verein als ein sogenanntes 
stilles Jahr. Es war keine Gelegenheit zu weitgreifenden Actionen geboten, wir 
hatten aber auch nicht mit schweren Verlusten wie im Vorjahre zu rechnen. 

Immerhin weist die Todtenliste zu unserem schmerzlichsten Bedauern eine 
betrübend hohe Ziffer auf: Wir verloren unser geschätztes Ausschussmitglied, den 
Custos der Krakauer Universitütsbibliothek Dr. Ladislaus Wislocki, ferner den 
Vicedirector der Hofbibliothek Eduard Chmelarz, die Stiftsbibliothekare Albin 
Cerny von St. Florian und P. Hugo Schmid von Kremsmünster und den Leiter 
der Bibliothek der technischen Hochschule in Brünn Dr. Carl Zelbr. 

Auch manche Austritte haben wir zu verzeichnen, denen aber mehrere Ein- 
tritte gegenüberstehen, so dass die Mitgliederzahl sich auf 3 Ehrenmitglieder, 
4 unterstützende und 138 ordentliche Mitglieder beläutt. 

Der Ausschuss hat sich nach dem Ergebnisse der Wahlen in folgender Weise 
constituiert : Hofrath Dr. Josef Karabacek, Obmann; Regierungsrath Dr.Grassauer, 
1. Obmann-Stellvertreter; Regierungsrath Dr. Glossy, 2. Obmann-Stellvertreter; 
Dr. Donabaum, 1. Schriftführer; Dr. Doublier, 2. Schriftführer; Dr. Him m el- 
baur, Cassier; Dr. Daublebsk y v. Sterneck, Dr. Geyer, Regierungsrath Dr. Haas, 
P. Adalbert Huübl, Bibliothekar Laschitzer, Dr. Schnürer, Dr. Tadra, 
Dr. Weisz, Dr. Wislocki, Beisitzer. 

Von diesen ist, wie schon bemerkt, Herr Custos Dr. Wislocki leider mit 
Tod abgegangen. 

Die Hauptsorge des Ausschusses war auf die Weiterentwicklung und Kräftigung 
unseres Vereinsorganes gerichtet, und es ist in der That gelungen, weitere Kreise 
zur Mitarbeiterschaft heranzuziehen. Es kunnte auf diese Weise die sehr interessante 


— 99 — 


Rubrik „Aus österreichischen Bibliotheken“ nen geschaffen werden, die in jeder 
Numme-x- nicht unwichtige Beiträge zur Kenntnis des österreichischen Bibliotheks- 
betrieb «€» s liefert. 

X eider gestatten es die uns zur Verfügung stehenden recht beschränkten 
Mittel xa icht, die Mittheilungen so auszugestalten, wie es nöthig wäre, wenngleich 
wir mit. Dank der materiellen Unterstützung durch die Unterrichtsverwaltung und 
die k. %. nö. Statthalterei gedenken, wie uns auch die Ueberweisung von 400 A 
aus dexa Reinertrügnis der Gutenbere-Ausstellung, die uns durch die Freundlichkeit 
unseres — Obmannes Herrn Hofrath Dr. Karabacek überwiesen wurden, sehr zustatten 
kam, za toer — all das langt eben recht und schlecht für vier nicht sehr starke Num- 
mern za us, während wir schon im Interesse unserer zahlreichen Mitglieder in den 
Provim æ en, die an den Vortrags- und Discussionsabenden nicht so theilnehmen 
kónnexa , wie die in Wien domicilierenden, bestrebt sein müssen, die Mittheilungen 
mózli«- Y1 st, auszugestalten. 

Dass übrigens in diesem Jahre die zweite unserer ausserordentlichen Vereins- 
public za tionen, die Arbeit Prof. von Weilens „Zur Wiener Theatergeschichte* zum 
Absch 1 usse gelangte, ist Ihnen wohl bekannt. Dieselbe erscheint auch selbständig 
Im Verlag der Buchhandlung Hólder, der wir den Vertrieb übertragen haben. 

Ein nennenswerthes Erträgnis wird uns ja wohl auch hieraus nicht erwachsen, 
so dass die Beschaftung neuer Geldmittel eine unserer Hauptsorgen sein wird. 

Wir dürfen übrigens vorgreifend gleich mittheilen, dass durch die Bemühungen 
unseren Herrn Obmannes das k. u. k. Oberstkämmereramt sich bewogen fand, 
s PIS 1901 eine Subvention von 400 K zu gewähren, für welches wohlwollende 

>®°&enkommen wir ihm unseren wärmsten Dank abstatten. 
ER Was die zweite Seite EE EE SE so Ee? sie im abge- 
über a Jahre EN lebhafter. B fanden oy ortrags- m EE Statt, 
in de Gren Veraur in den EREMO ausführlich berichtet worden ist. Der erste 
Juss E Bene war der am 10. Mai 1900 Statticehabte Vortrag MES Herrn Carl 
der e 9 p über die Berner Convention zum Schutze des literarischen parenthums; Nach 
ui lichen Sommerpause besprach dann am 12. November Herr Custos Himmel- 
Dr. mehrere neu erschienene Bibliothekskataloge, am 4. December hielt Herr 
ie Uantuani einen sehr anregenden Vortrag über die Entwicklung des Musik- 
P druckes, Herr Dr. Crüwell folgte ihm am 18. Jänner d. J. mit einem instruc- 


M " "Referat über die Beschreibungsregeln des Katalogs der Bibliothek des British 
Dr Endlich fand am 9. März d. J. eine sehr animierte Discussion über die von 


re yer gegebene Anregung der Gründung einer Zeitungsbibliothek statt. 
Alien jenen Herren, die sich durch Abhaltung von Vorträgen und Erstattung 
eferaten um unseren Verein verdient gemacht haben, sei an dieser Stelle unser 
Dank ausgesprochen, und wir wollen daran die frohe Hoffnung knüpfen, dass 
Fraien 8 im nächsten Jahresberichte möglich sein wird, dies einer noch erheblich 
"ten Reihe von Vortragenden gegenüber zu thun. 

Zum erstenmale versuchten wir im abgelaufenen Jahre ein neues Mittel zur 
kön Ug des Vereinslebens: die Veranstaltung gemeinsamer „Excursionen“, und wir 
3. O en mit dem erzielten Resultate sehr zufrieden sein, denn sowohl die am 
No Stober stattgefundene Besichtigung der Gutenberg-Ausstellung in der 
lbliothek, wie der am 27. December erfolgte Besuch der k. k. Hof- und Staats- 


b 
es 


Heba 


a Ja 
w a? t you d : 


- 100 — 


drackerei, der uns durch das liebenswürdige Entgegenkommen der Direction der- 
selben in sehr umfassender Weise ermóglicht war, wiesen Theilnehmerzahlen auf. 
die bei unseren Vortragsabenden nur selten erreicht wurden. 

Der freundlichen Führung durch Dr. Gottlieb in der Hofbibliothek und 
Inspector Nagy in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei sei noch mit besonderen 
Danke gedacht. | 

Vielleicht wird es moglich sein, diese Einführung noch weiter auszubilden 
und etwa in der Form von Besuchen interessanter Bibliotheken u. dgl. ausserhalb 
Wiens den so wünschenswerthen persónlichen Verkehr unter unseren Vereinsmitgliedern 
zu erweitern. 

Das Stiefkind unserer Vereinsveranstaltungen — das Bibliotheksmuseum 
— ]ebt noch immer, ja es wächst sogar. So haben z. B. die Studienbibliothek in 
Klagenfurt, die Biblioteca communale in Trient und die Bibliothéque publique in Gent 
demselben Beiträge gespendet. Immerhin dürfte das mehr als bescheidene Plätzchen, das 
ihm bisher in den Räumen der Wiener Universitätsbibliothek zugewiesen war, noch 
für eine geraume Weile ausreichen, denn der tiefe Griff in den Vereinssäckel, von 
dem im vorigen Jahresberichte die Rede war, konnte aus ebenso naheliegenden wie 
zwingenden Gründen nicht gethan werden. 

Von sonstigen wichtigeren Vorgängen wäre noch die von Dr. Geyer ange- 
reste Idee der Schaffung einer Zeitungsbibliothek zu erwähnen, die den Gegenstand 
längerer Berathungen in einem Subcomité und im Ausschusse selbst gebildet hat 
und auch schon an einem Discussionsabend durchzesprochen worden ist. 

Dies ist in kurzen Zügen das Bild der Thätigkeit des Ausschusses und des 
Vereines im abgelaufenen Jahre und wir bitten Sie, falls diese Ausführungen Ihre 
Pilligung finden sollten, den Jahresbericht zustimmend zur Kenntnis zu nehmen. 

(Protokoll der Hauptversammlung vom 16. März 1901.) Der Vereins- 
vorstand Hofrath Karabacek eróffnet die Versammlung und begrüsst die in dei- 
selben eischienenen Mitglieder. Es wird einer herkömmlichen Gepflogenheit gemäss 
zuerst zu dem zweiten Punkt der Tagesordnung, zu den Neuwahlen in den Aus- 
schuss, geschritten Als Serutatoren fungieren Dr. Schnerich und Dr. Egger 
v. Móllwald. Es folgt die Erstattung des oben abzedruckten Jahresberichtes 
durch den ersten Schriftführer Dr. Donabaum, der zur Kenntnis genommen wird. 
Hierauf verliest der Cassier Dr. Himmelbaur den Cassabericht. Auf Ántrag des 
Cassarevisors Regierungsrath Meyer wird das Absolutorium ertheilt. Die Bestellung 
der bisherigen Cassarevisoren Regierungsrath Meyer und Dr. Arnold bildete 
den dritten Punkt der Tagesordnung. Als vierter Punkt derselben folgten die Mit- 
gliederanträge. Zunächst werden folgende zwei Anträge Dr. Schuberts verlesen: 
I. „Ausgehend von der Erfahrungsthatsache, dass die Biliotheken eiues jeglichen 
geschlossenen Reichsgebietes im einzelnen sowie in ihrer Gesammtheit nur dann die 
volle Höhe des bei ihrer Gründung beabsichtigten Nutzeffectes erreichen können, 
wenn ihre Benützungsvorschriften von dem Grundsatze höchster Liberalität dictiert 
und für alle in Frage kommenden Bibliotheken möglichst gleichmässig festgesetzt 
sind, bittet der Gefertigte : Eine verehrte Versammlung wolle in Erwägung ziehen, 
ob nicht an die hohe österreichische Unterrichtsverwaltung mit dem Ersuchen heran- 
zutreten sei, die eben jüngst erlassenen „Bestimmungen für das Entlehnen von der 
k. k. Hofbibliothek^, als die augenblicklich dem modernen Benützungsbedürfnisse 
von Bibliotheken im weitesten Sinne Rechnung tragende Benützungsordnung, anch 


w TOL = 


für die «-3 sleithanischen Staatsbibliotheken. also die k. k. Universitäts-, Technik- und 
Studienl» à Vliotheken, insoweit in Kraft zu setzen. als an den eben genannten 
Staatsbî X» Riotheken gegenwärtig minder liberale Benützungsbedingungen ganz oder 
theilwise in Geltung stehen. — II. Fussend auf der heute wohl nirgends be- 
strittene» ya  Thatsache der unumgünglichen Nothwendigkeit der endlichen allerortigen 
Schaffu x» s zweckdienlicher und systematisch angelegter Volksbildungsbibliotheken, 
erlaubt s ich der Gefertigte den Antrag zu stellen: Eine verehrte Versammlung wolle 
dahin ss«- kilüssig werden, ob es nicht angezeigt wäre, einer hohen österreichischen 
Enterri C Ka tsverwaltung den concreten Vorschlag zu unterbreiten, dieselbe wolle ge- 
neigtest erwägen. ob nicht durch die Schaffung eines eigenen Reichs-Volksbildungs- 
biblioth & kigesetzes nach Analogie des Reichs-Volksschulgesetzes die Oesterreich 
immer wa erlüsslicher werdenden Volksbibliotheken allerorten verfügt werden kónnten, 
etwa iya der Art, dass unter einer einheitlichen Centralleitung im k. k. Unterrichts- 
ministeri um in jedem Kronlande mindestens je eine Haupt-Volksbildungsbibliothek, 
n jder Bezirkshauptmannschaft, resp. in jedem Gerichtssprengel eine Bezirks- 
Volksbi 1 «lungsbibliothek und in jedem Schulorte, eventuell jedem Orte eine Gemeinde- 
Volksbî I dungsbibliothek in entsprechender Grósse und unter zweckgemisser Verwaltung 
erich te t würde.” — Als Ausschussreterent fungiert Dr. Himmelbaur, der auf die 
veattra ende Bedeutung dieser Anträge hinweist, die kanm gecignet sind, in irgent 
"IDEE Form in der Versammlung erledigt zu werden, und daher folgende Ausschuss- 
antrügres vorbringt: Der erste Antrag müge dem Ausschuss zur Berichterstattune 
au die nächste Hauptversammlung zurückgestellt werden mit der Aufforderung, dann 
lest Antrüze vorzubrinzen; in Bezug auf den zweiten Antrag schlage der 
kaon vor, es möge für diesen ein fünfgliodriges Comité, bestehend aus folgen 
2 Dr j nsn uera SE werden: ]. SEN EE Reyer; 
ne A 3. Dr. Schubert: 4. Dr. v. F ürth; 5. Dr. Him melbaur. 
ion AE Dr. v. Grienbergers wird beschlossen, über den SES ADOBE einen 
die SENA STE EEN zu veranstalten una den AUSSCHUSS: zu EES daun 
bete fr. eren Schritte zu unternehmen. EE ges HEURE UMS Nr der 
Wb S ge HE -~ Hierauf ER die Verkündizang des 
I e Huren Dr. Selen Es MUB, 23 Stimmen ER und er- 
BER als gewählt : Dr. Geyer mit 21, Dr. Himmelbaur mit 21, Dr. R. v. 
et €ck mit 21, Dr. Weiss mit 20, Dr. Tille mit 22 und Dr. Korzeniowski 
anu men Hierauf referierte Dr. Do ublier über ole ale den SESCH 
Dr esch Ge des A nU ages Dr. BASIS, DEER GE Errichtung einer 
g. Mar ME und bezeichnete Set EE des TER E M 
"sona. » dass zwar ein EC Theil SC TEE die EEN einer 
mern -Ten Fürsorge für die Zeitungen einsah, wie auch, dass die laufenden Num- 
habe p Tagesblätter dem Publicum zugänglich gemacht werden sollten: dennoch 
nic] e "ich aber die Mehrheit für die Errichtung einer besonderen Zeitungsbibliothek 
*rwiürnen können. Da die Gründe, mit denen Dr. Geyer seine Ansicht ver- 
Wollte, nicht gehört werden konnten. schlage der Ausschuss vor, den Antrag 
© vers einer neuen Discussion zu unterziehen, was von der Majoritàt gebilligt 
~ — Hierauf kam folgende Petition an den Verein zur Verlesung: „Hochlöblicher 
Teichischer Verein für Bibliothekswesen! Die ehrturchtsvoll unterfertieten Diener 
eui K. Universitätsbibliothek in Wien GE sich. an einen ioo Ro REOR öster- 
"ben Verein für Bibliothekswesen in Wien die ergebenste Bitte um dessen 


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Dr. G 
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gnüdige Verwendung an massgebender Stelle zur Verbesserung ihrer traurigen 
materiellen Lage zu richten und in Kürze Folgendes anzuführen: Bei der am 
]. Jànner 1900 erfolgten Gehaltsregulierung wurden sämmtliche definitive Diener 
der k. k. Universitütsbibliothek in Wien in die vierte Gehaltsstufe mit einem jühr- 
lichen Gehalte von 800 A und einer 50°’ igen Activitätszulage eingereiht. Dadurch 
wurde die bisherige Eintheilung in drei trehaltsstufen zu 700, 800 und 900 K ganz 
ausser Kraft gesetzt und den Dienern die früher bestandene Möglichkeit einer 
(rehaltserhöhung durch Vorrückung gänzlich benommen. — Es erfolgte durch diese 
Regulierung eine thatsächliche Aufbesserung nur in der früheren letzten (lasse, 
deren Bezüge von 700 auf 800 K erhöht wurden. Die zweite Classe blieb auf dem- 
selben Standpunkte stehen. Für die erste Classe aber bedeutete diese Regulierung 
einen Schaden von 100 K jährlich, da sich deren Bezüge jetzt nur auf 800 gegen 
90U A früher belaufen. Die als Entschädigung gebotenen Alterszulagen bieten den 
Dienern keinen Ersatz, da sie durch die Verminderung des Gehaltes nicht in Be- 
tracht gezogen werden können. — Die Ansprüche, die an die Diener der k. k. Uni- 
versitätsbibliothek in Wien sowohl in geistiger als auch in körperlicher Beziehung 
in der Ausübung des Dienstes gestellt werden, stehen mit diesem geringen Gehalte 
in keinem Einklange. — Man verlangt von den Dienern Sprachenkenntnisse, wo- 
möglich eine Mittelschulbildung und überhaupt jenen (rad von Intelligenz, der sie 
befähigt, im Verkehr mit dem Publicum dessen Ansprüchen gerecht zu werden. — 
In körperlicher Beziehung ist der Dienst ebenfalls sehr anstrengend, da die Frequenz 
der Universitätsbibliothek in Wien sehr bedeutend ist und die Diener bei einer 
siebenstündigen Dienstzeit durchschnittlich 600 Leser, die circa 1000 Bände benützen, 
zu bedienen haben. — Früher waren die Verhältnisse für die Diener der k. k. Uni- 
versitätsbibliothek in Wien gegenüber den anderen Staatsdienern verhältnismässig 
günstiger, da durch den höheren Gehalt und das Vorrückungssystem eine materielle 
Verbesserung möglich war, während bei der heutigen Eintheilung die Diener nach 
noch so langer Dienstzeit auf demselben Standpunkte stehen bleiben müssen wie 
bei ihrem Eintritte. — Ferner ist es keinem der Diener möglich, bei der heutixen 
Theuerung der Lebensmittel, der Miethe und überhaupt aller Bedartsartikel, mit 
diesem geringen Einkommen seine und seiner Familie Bedürfnisse zu bestreiten. — 
Hoftend, dass ein hochlöblicher ósterreichischer Verein für Bibliothekswesen der Ver- 
wirklichung dieser unsere vitalsten Interessen berührenden Bestrebungen seine Mit- 
hilfe nicht versagen und nach Kräften das Seinige zur Verbesserung uns«rer 
tristen materiellen Lage beitragen werde, zeichnen ..... (folgen die Unter- 
schriften).^ — Der Ausschussreferent Dr. Donabaum trat mit warmen Worten für 
den in diesem Schriftstücke ausgesprochenen Wunsch ein und brachte folgenden 
diesbezüglichen Resolutionsantrag des Ausschusses vor: „Der österreichische Verein 
tür Bibliothekswesen findet die in dem Memorandum der Diener der Wiener Uni- 
versitätsbiblinthek ausgesproche Bitte gerechtfertigt und fordert den Ausschuss auf, 
bei den massgebenden Factoren Schritte zu thun, um die gegenüber den Bezügen 
der meisten anderen Staatsdiener bestehende Verkürzung in den Gehalten der 
Diener an den österreichischen Universitäts-, technischen und Studienbibliotheken 
zu beseitigen.“ — Hierauf gab Dr. Himmelbaur gleichen Wünschen der A us- 
hilfsdiener Ausdruck, die bei denselben Anforderungen an ihre Vorbildung und 
Leistungsfähigkeit das Taggeld der Aushilfsdiener der niedrigsten Kategorie, wie 
Heizer ete. beziehen, und beantragte, an die Action für die definitiven Diener auch 


— 103 — 


eine s«»che fir die Aushilfsdiener anzuschliessen, wofür mehrere Mitglieder auf das 
lebhaft éste eintraten. Die Debatte über diesen Gegenstand endete mit der Hinzu- 
fügung folgenden Zusatzes zu der obigen Resolution: , .. und bei dieser Gelegenheit 
auch — E»ehuts Verbesserung der Bezüge der Aushilfsdiener Antràge zu stellen*, die 
dann Tast einstimmig angenommen wurde. — Hierauf erhob sich Regierungsrath 
Dr.  x- assauer, um in warmen Worten den Antrag des Ausschusses zu begründen, 
den wa xm unsere Standesinteressen so viel verdienten Regierungsrath Meyer durch 
die E x-—xiennung zum Ehrenmitgliede zu ehren. Dieser Antrag fand lauten Beifall 
‘und wxxw-wrde einstimmig angenommen. — Hierauf führt K. Junker aus, dass 
bei der Berathung des neuen Zolltarifes Vorschläge gemacht wurden, auf ge- 
bunde xa e Bücher und für Oesterreich bestimmte, aber im Ausland gedruckte Zeit- 
schitt en einen Zoll einzuführen, dass also Oesterreich wieder Bücherzólle drohen, 
und Stellt den Antrag, es möge die Generalversammlung den Ausschuss ermächtigen, 
beim — K landelsministerium vorstellig zu werden, dass Zölle auf Bücher in Oesterreich 
nicht wieder eingeführt werden. Dieser Antrag wurde, nachdem sich mehrere 
Mitglieder sehr eindringlich gegen diesen „Anachronismus“ ausgesprochen 
hatte 31, einstimmig angenommen, womit die diesjührige Generalversammlung ihren 
Abschluss fand,’ 


Die Ausschusssitzung vom 15. März war der Berathung über die Tages- 
adnung der Generalversammlung wewidmet. 


Der auf den 21. Februar angesetzte Diseussionsabend über die von 
dh Te *vyerangeregte Errichtung einer Zeitungsbibliothek wurde aut den 9. Mürz 
‚rlegt und fand unter Leitung Hotrath Karabaceks statt. Dr. R. v. Sterneck 
wo A abernommen; an Stelle DI: M der DT durch einen Krankheiten 
P Va war, die Discussion DICE EES Referate 
allem eiten, Mp wir E entnehmen: „Zwei Gesichtspunkte seenen es vor 
sich]; Zu sein, welche die Ve EEN EE als em a 
iuc. sehr EES Ziel SE isso 1. die diueh ermöglichte 
and Zr REECH Bibliotheken; welche jetzt diese Drucksehritten auf bewahren, 
Vers... die EE der NAME dieser nen essi entsprechende 
zuth a weile den EE in einer eigens diesem Zwecke dienenden Anstalt 

Se werden kónnte. Es ist bekannt, welch arge Belastung die EES 
die "Utage infolge der Aufnahme der Pilichtexemplare zu ertragen haben. Während 
ang Iteren Theile des Bestandes z. B. der Wiener Universitätsbibliothek durchwegs 
Bi], Wissenschaftlichen Werken bestehen, bietet der neuere Theil das SoDUerDdre 
Behr nt SES die EE Bücher Reed die Ausnahme, die unwissen- 
Lau E tliche Literatur die Regel bildet. Ist doch die Vervielfältigung durch Druck im 
È der Zeit eine so billige und bequeme geworden, dass es nur in der Natur der 
e liegt, wenn heutzutage nicht blos Bücher, sondern auch allerhand andere 
we durch Druck Berge SIE Kee welche oft nur einen Eu epliemeren 

% haben und in keiner Weise dazu bestimmt sind, der Nachwelt überliefert zu 


E: 


Sia 


We 

r : ; e 
vo den, Ich denke da z. B. an Drackwerke, wie Ansichtskarten, Theaterzettel, sowie 
Zu Allem an das ungeheure Gebiet der Annoncen und ähnlicher, rein kaufmännischen 


Eros . gare D . D . D . 
“ken dienender Veröffentlichungen, wie z. B. Antiquariatskataloge. die ihren 


— 104 — 


Zweck ertüllt haben, wenn die in denselben verzeichneten Bücher ganz oder grossen- 
theils verkauft sind. Man sollte nicht allzu ernstlich mit dem Argumente kommen, 
dass alle solchen, uns wertblos erscheinenden Publieationen in kommenden Jahr- 
hunderten von grossem Werthe sein können. Der Historiker kommender Jahrhunderte 
sche selbst zu, wie er sich das Material für seine Forschungen beschaffe, die Biblio- 
theken unterstützen ihn ihrerseits genug, wenn sie ihm die Literatur. genauer 
gesagt, die wissenschaftliche Literatur früherer Zeiten in móglichster Voll- 
stándigkeit überliefern. — Ganz besonders belastend für die Bibliotheken sind die 
Zeitungen, namentlich wegen ihres grossen Umfanges. Und doch wird man zu- 
geben müssen, dass gerade die Tagesblütter und die sonst unter den Begriff 
.Zeitung^ fallenden Publicationen wenigstens zum Theil die Aufbewahrung für die 
Nachwelt lohnen dürften. Die Wiener Universitätsbibliothek erhält über 800 Zeitungen 
als Pflichtexemplare, sämmtliche Zeitungen, die in Niederösterreich erscheinen. Wie 
mögen die Verhältnisse erst in der Hofbibliothek sein, die aus dem ganzen Reiche 
Pflichtexemplare erhält. Im Hinblick auf diesen, speciell in der Hofbibliothek auf 
die Dauer absolut unhaltbaren Zustand der Ueberschwemmung durch bedrucktes 
Zeitungspapier hat Herr Dr. Geyer den Gedanken ausgesprochen, es wäre eine 
besondere Anstalt zu errichten, welche speciell die Zeitungen zu terwahren hätte, 
eine ,Zeitungsbibliothek^*. — Wollte man an eine Realisierung dieses Projectes 
denken, so würde es sich vor allem darum handeln, den Begriff ,Zeitung* gegen 
verwandte Degriffe abzugrenzen. Diese Abgrenzung dürfte, wenn auch nicht mit 
aller wünschenswerthen, so doch mit hinreichender Schärfe gelingen. 
Wollen wir einige besonders auffallende Classen von „Zeitungen“ namentlich an- 
führen, so wären es: 1. Die politischen Tageszeitungen; 2. Zeitungen, welche 
besondere Standesinteressen vertreten, z. B. der Eisenbahner, der Metallarbeiter 
(vielfach äusserlich als Fachblätter veröffentlicht); 3. Gewerbliche Fachblätter 
(Schuhmacher-, Schlosserzeitung) ; 4. Zeitungen belletristischen Inhalts (Garten- 
lanbe) oder amüsanten Inhalts (Witzblätter); 5. endlich Modezeitungen, wenn 
man dieselben nicht etwa unter die gewerblichen subsumieren will. — Da es nun, 
wie erwülint, doch ganz werthvoll sein dürfte, die Mehrzahl dieser Druckwerke der 
Nachwelt zu überliefern, die jetzt bestehenden Bibliotheken dies aber auf die Dauer 
nicht werden leisten können, so erscheint vielleicht der Gedanke, die Zeitungen an 
einer eigens hiezu bestimmten Centralstelle zu verwahren, nicht allzu ferne liegend. 
Man könnte noch den anderen Ausweg vorschlagen, die betreffenden Anstalten, 
welche die Zeitungen jetzt sammeln, derart bezüglich des Personales und des 
Raumes zu erweitern, dass sie ohne Schwierigkeit der Aufgabe, die Zeitungen auf- 
zustellen, auf die Dauer gewachsen seien. Mir scheint, offen gesagt, dieser Ausweg 
nicht so empfehlenswerth wie die Errichtung einer besonderen Zeitungsbibliotbek. 
Die Theilung der Arbeit ist ja immer ein richtiges Princip gewesen; ein einzelner 
Zweck kann eben leichter und besser verfolgt werden als viele. Daher sollen die 
Bibliotheken das bleiben, als was sie gedacht sind, Büchersammlungen, die 
an die Hochschulen angegliederten Bibliotheken sollten wohl ausserdem ihrer 
Bestimmung nach wissenschaftliche Büchersammlungen bleiben. — Aber auch 
den Zeitungen, die jetzt als Nebensache in den grossen Bibliotheken meist in der 
Nlüchtigsten Weise abgethan werden, könnte erst in einer eigenen Centralstelle die 
nöthige Sorgfalt und eine, dem besonderen Charakter dieser Druckwerke entsprechende 
besondere Behandlung zutheil werden; lassen sich doch die in den Bibliotheken 


— 105 — 


üblich en Katalogisierungsprineipien nur in gezwangener, oft unnatürlicher Weise auf 

Zeitura gen anwenden. Bei dem ephemeren Charakter, den diese Pullicationen an 

sich t x-zagen, müsste es ferner speciell die Aufgabe der Zeitungsbibliothek sein, auch 

die lza wafenden ungebundenen Nummern möglichst zugänglich zu machen, welcher 

Modus in den grossen Bibliotheken sich kaum in den Rahmen der allgemein 
gelten A en Bibliotheksinstructionen einfügen liesse. -- Die Frage der Ergänzung 
, einer solchen Bibliothek (zunáchst würden wir wohl an die Errichtung einer 
Zeita ra xxsbibliothek für ganz Oesterreich denken) würde dadurch leicht zu 
erledi £x «n sein, dass eine entsprechende kleine Aenderung an den die Pflicht- 
exem p> l are betreffenden Gesetzen angebracht würde, welche eben besagen müsste, 
dass die Zeitungen (unter Präeisierung des Begriffes, die ja möglich 
ist) won nun ab an die neue Anstalt abzuliefern wären. — Durch be- 

sondere Verordnungen könnte ferner die Uebertragung der bereits aufgestellten 

Band es aus den betreffenden staatlichen Bibliotheken in die Zeitungsbibliothek ver- 

fügt ww erden; keineswegs wäre es wünschenswerth, dass diese alten Jahrgänge als 

Torso in den einzelnen Bibliotheken zurückbleiben. — Es wäre ferner speciell für 

sere Verhältnisse eine nicht unwichtige Frage, inwiefern auch die k. k. Hot- 

bibliothek, welche ja den durch die Zeitungen entstandenen Raummangel besonders 

empti ndet, zum Grundstocke der neuen Anstalt einen Beitrag liefern könnte.* — Im 

Anschluss an die Ausführungen Dr. v. Sternecks macht Dr. Weisz auf den sicb 

sui den Gegenstand der Discussion beziehenden Passus in dem oben abgedruckten 

Berichte über den Congress der Bibliothekare in Paris aufmerksam und bringt den- 

n ur Ver esuue si Die Debatte wird dureh: EE Me yer erone, 

Nana e nber uie EE im EEN spricht. Y om HE 

Recla Punste sei dieselbe durch die ENEE den SE ihre Evidenthaltung, 

Nhi ono ee EE u. s. w. SA Arbeiten eine grosse Dash deren 

vürq M ereune. für die Dentenenden Erossen E E Nutzen wäre. Doch 

AS id dann nicht die Errichtung einer einzigen Zeitungsbibliothek genügen, sondern 
grün. sten, um die SEET leichter zugänglich zu machen, in allen 
>@©eren Städten derartige Bibliotheken gegründet werden, woraus dem Staatsschatz 


Bro N ; e RT : ) 

le Sse Auslagen erwachsen müssten, gegen die das Finanzministerium ein Veto ein- 

3» 

Bibl: würde. Eher wäre noch zu erreichen, dass für diesen Zweck an den bestehenden 
IOtheken das Personal vermehrt wird. — Dr. Doublier spricht sich für die 


au. liederung einer besonderen Zeitungsabtheilung an eine bereits bestehende Bibliothek 
der und führt hiefür folgende Gründe an: 1. In Bezug auf das Material stehe 
besp "EI „Zeitung“ nicht genug fest. Auch sei eine Trennung bei schon lange 
das *henden Zeitungen schwer durchzuführen. E welchen Jahre an wäre z.B. 
184 Wiener Diarium an eine besondere Zeitungshibliothek abzugeben? Etwa von 
Ban an oder später? Oder solle eine Bibliothek auf eine 30 wichtige EES 
das. verzichten? 2. In Bezug auf mg Verwaltung liege doch die Gefahr nahe, 
“ine dieselbe bei einer getrennten ZetUnESDIDHOHNGRE zu PORE nach den Ge 
nick, Registratur SE werde; eine a in wissenschaftlichem Sinne nel 
Soler so leicht zu erreichen. 3. Auch juristische Bedenken sprechen gegen eine 

e Neugründung. Falls nieht die bestehenden Bibliotheken die Zeitungsbestánde 


"tu 

> = nach 3 oder 10 Jahren wieder zurücknehmen wollten, müsste erst das Press- 

wu etz (s 18) geändert werden, was ebenfalls von grossen Schwierigkeiten begleitet 
ü : 


re. — A.L. Jellinek betrachtet den Vorschlag Dr. Doubliers vom Standpunkt 


— 106 — 


des Publicams. Eine Trennung des Bestandes der bisherigen und der neuen Bibliothek 
sei sebr schwierig. Man brauche oft bei Lectüre der Zeitungen wissenschaftliche 
Behelfe, bei wissenschaftlichen Arbeiten Zeitungen. Von demselben Standpunkte aus 
spricht er auch gegen v. Sterneck, der für eine weniger scrupulóse Aufbewahrung 
der Pflichtexemplare eintrat; er weist auf Sachsen hin, wo allzugrosser Liberalismus 
es dahin gebracht, dass einzelne Zeitschriften nicht mehr vollständig aufzutreiben 
sind. Auch sei vor den Verlegern zu warnen, die eine allzufreie Auffassung der 
Bibliotheken nur zu leicht auch auf noch wichtigere Publicationen ausdehnen 
könnten. Die bestehenden Bibliotheken seien durch das Pressgesetz verpflichtet, alle 
Pflichtexemplare aufzubewahren und dürfen nichts weggeben. — Dr. v. Lenk wirft 
folgende Fragen auf: 1. Welche Publication hat ein- für allemal keinerlei wissen- 
schaftlichen Werth, eine Frage, deren Beantwortung sehr schwierig sei, da ein jetzt 
noch so nnbedeutend scheinendes Büchlein schon nach Jahren hohen Werth be- 
kommen könne; so sei z., B. jetzt das kleinste Flugblatt aus der Reformationszeit 
bereits eine sehr werthvolle Geschichtsquelle. 2. Wie soll der Begriff „Zeitung“ über- 
haupt umschrieben werden? Die bereits angeführten Beispiele beweisen die Schwie- 
rigkeit der Beantwortung. 3. Was ist also aus dem Bestande der bestehenden 
Bibliotheken auszuscheiden? Im Hinblick darauf hält v. Lenk den Vorschlag einer 
Angliederung an eine grosse Bibliothek für die glücklichste Lösung. Wenn die Hof- 
bibliothek ihre Räumlichkeiten und ihren Beamtenstatus darnach ausgestaltet, braucht 
sie sich nicht eines grossen Theiles von wichtigen Geschichtsquellen zu entledigen- 
— pr. v. Sterneck wendet sich. gegen einige wider seine Ausführungen erhobenen 
Einwürfe. — K. Junker macht darauf aufmerksam, dass eine Aenderung des 
Pressgesetzes olınedies in Aussicht stehe, aber da werde man sicher die Zahl der 
Ptlichtexemplare nicht noch um eines erhöhen, sondern eher erniedrigen. Seiner 
Meinung, dass die grossen Bibliotheken die Pflichtexemplare zwar in Empfang 
nehmen, aber nicht aufzubewahren brauchten, tritt Regierungsrath Grassauer mit 
dem Hinweis auf den U.-M.-E. vom 6. Juni 1857 und auf Lienbachers Commentar, 
aus denen das Gegentheil bervorgehe, entgegen. — Dr. Brotanek betont, dass die 
Schwierigkeit der Definition des Begriffs „Zeitung“ für das Publicum in viel 
höherem Grade bestehe als für die Bibliothekare. — Zum Schlusse erklärt Dr. Susan, 
dass Regierungsrath Poestion bereits seit längerer Zeit für den Gedanken eintrete, 
die Bibliothek des Ministeriums des Innein zu einer Depositenbibliothek alles dessen, 
was in Oesterreich im Druck erscheint, unter den Namen einer „Reichsbiblio- 
thek* auszugestalten. — Mit dem Hinweis darauf, dass die Angliederung einer 
Zeitungsabtheilung an die Hofbibliothek wegen der zu hohen Kosten nur sehr 
schwer möglich sei, schliesst Hofrath Karabacek die Versammlung. 


PERSONALNACHRICHTEN. 


(Landesbibliothekar Prof. Dr. Hans v. Zwiedineck -Südenhorst.) Der 
Vorstand der steierm. Landesbibliothek in Graz Prof. v. Zwiedineck wurde am 1. Fe- 
bruar d. J. über sein eigenes Ansuchen vom steierm. Landesausschusse mit dem Aus- 
drucke der vollsten Anerkennung für seine vieljährigen und erspriesslichen Dienste 
in den Ruhestand. versetzt. Prof. v. Zwiedineck war 1867 als Volontär in den steierm. 
Landesbibliotheksdienst eingetreten, wurde aber schon 1870 zum Professor an der 


e HEI == 


Landesc ix e1realzschule jn Graz ernannt. An dieser Anstalt wirkte er bis 1880 und 
habilitierte sich 1875 auch als Privatdocent für neuere Geschichte an der Univer- 
sitát Grza ze. Nach dem Tode des Bibliothekars Dr. Franz Mitterbacher wurde v. Zwie- 
dineck — 1 88) provisorisch mit der Leitung der steierm. Landesbibliothek betraut 
und 18838 23 zum Landesbibliothekar ernannt. Durch volle zwanzig Jahre hindurch hat 
somit v. ZZwiedineck dieses Institut geleitet und es während dieser Zeit durch seine 
Thatkra fe und Umsicht auf die Höhe seiner gegenwärtigen Bedeutung gebracht. 
Währen «A beim Amtsantritte v. Zwiedinecks die steierm. Landesbibliothek in unge- 
Dürendc- xa Ráumen untergebracht, in Graz nur wenig, ausserhalb des Weichbildes der 
Stadt a t» er so gut wie gar nicht benutzt war, erfreut sie sich seit dem Jahre 1893 
eines al len modernen Anforderungen entsprechenden Neubaues und ist gegenwärtig 
ein Institut, das zwischen den gelehrten und den Volksbibliotheken glücklich die 
Mitte Ta zà lt und von allen Kreisen der steierm. Bevölkerung benutzt wird. So zählte 
im Jahre 1900 die Landesbibliothek nicht weniger als 45.620 Besucher, während in 
Graz 1% 859 Bände entlehnt wurden. Nach auswärts wurden 3447 Bände in 952 Sen- 
dungen geschickt. Dieser erhöhten Thätigkeit entsprechend ist auch die Zahl der 
definiti ven Beamten seit 1895 von drei auf fünf gestiegen und sind die vordem ganz 
ungen ü wenden Gehalte derselben nunmehr denen der Beamten der öffentlichen Staats- 
bibliotheken gleichgestellt worden. Es war daher ein Act aufrichtiger Dankbarkeit, 
dass die Beamten Prof. v. Zwiedineck, der sich nunmehr ausschliesslich seiner 
akadem ischen Thätigkeit als o. 6. Professor der Universität Graz zu widmen gedenkt, 
lem Scheiden eine elegant ausgeführte Adresse überreichten, die seiner grossen 
Rl um die Anstalt und deren Beamtenschaft gerecht wird und die Photo- 
en aller Beamten enthält. 
T M Karl Anschutz S. J. T.) Der Verstorbene stammte aus einer Familie, von 
sein ce Mitglieder sich in Kunst ung Wissenschaft einen Namen ONE so 
der în Ater, der Sehöpler der Fresken in der Hofoper 2 München, und sein Netfe, 
eder Meet ec durch den Vorschlag, auf unterseeischem Weg den Nordpol zu 
Ebor e. en, von RICH reden gemacht hat. Anschütz war au 21. Man 1853 zu München 
als Pro e trat 1873 in den Orden der Gesellschaft Jesu ein und wirkte von 1888 an 
leitete fessor der Mathematik in Mariaschein und am Freinberg bei Linz. Seit 1895 
desse er die von dem Commendatore Francesco Rossi ( 1854) begriindete und von 
theca Witwe im Jahre 1855 dem Orden der Gesellschaft Jesu geschenkte Bihlio- 
in Ka) ssiana D zu SCHER Tode, der ihn nan làngerem inen am 2. Februar 1901 
eng, P Surg ereilte und einer eifrigen pfliehtgetreuen Thätizkeit RIEDL) Vol- 
liem e, ` der Theologie im Jahre 1884 beschäftigte er sich eingehend mit archiva- 
Wiss Studien über Kepler, als deren Frucht die Abhandlung erschien ,Ungedruckte 
ASchaftliche Correspondenz zwischen Johann Kepler und Herwart von Hohen- 
599. Ergänzung zu: Kepleri opera omnia, ed. Chr. Frisch. Nach den Mss. zu 
gen en und Pulkowa ediit von C. Anschütz, Prag 1886“, eine Ausgabe von wich- 
idc. Andschriften, die er aufgefunden hatte. Die letzten sechs Jahre seines Lebens 
Als © er der bibliothekarischen Thätigkeit, der er sich mit ganzer Seele hingab. 
ihn 8953 die Rossiana aus der inneren Stadt nach Lainz gebracht wurde, beriefen 
een ` Oberen als Bibliothekar dorthin mit dem Auftrage, die kostbaren Schätze zu 
Zei, und zu katalogisieren. Er begann mit den — über 2500 — Incunabeln, ver- 
aber nete sie theils nach Hain, die übrigen, die er hier nicht vorfand, in analoger, 
au sführlicherer Weise; er hatte die Absicht, den Katalog dieser Wiegendrucke, 


bur 
Münch 


— 108 — 


von denen die Rossiana mehrere noch ganz unbekannte besitzt, zu veröffentlichen, 
kam jedoch nicht mehr dazu, seinen Plan auszuführen. Auch der Kataloz der Früh- 
drücke ist von ihm fertiggestellt, die übrige ca. 10.000 Bände zählende Druck- 
schrittensammlung bis auf einen ganz geringen Theil katalogisiert worden. Die (1200) 
Handschriften liess er einstweilen beiseite. Die Absicht, den ganzen Kat dog 
noch einmal zu revidieren und neu zu schreiben, wurde gleichfalls durch seinen 
frühzeitigen Tod vereitelt. — Jeder, der den stets freundlichen, liebenswürdigen Mann 
kannte, der mit inniger Freude an seinen Büchern hing, in vielen Fällen Blatt für 
Blatt, Zeile für Zeile durchstudierte, um eine Abweichung oder Uebereinstimmung 
mit anderen Exemplaren zu constatieren, der mit seinen Schätzen unter dem Arm 
von Bibliothek zu Bibliothek eilte, um genaue Ordnung unter seine Lieblinge zu 
bringen, wird ihm gerne ein freundliches Andenken bewahren. H. B. 


Dem Bibliotheksdirector im Ministerium des Innern Joseph Poestion wurde 
der Titel und Charakter eines Regierungsrathes verliehen. — Der steiermärkische 
Landesausschuss hat den rangältesten Seriptor Dr. Wilhelm Fischer zum Custos 
und Vorstande der Landesbibliothek ernannt. Ferner wurde der A manuensis Dr. Ludwig 
Schuch zum Secriptor befördert, während dem Amanuersis Dr. Franz Goltsch 
der Titel eines Scriptors verliehen und der Praktikant Dr. Moriz Rüpschel zum 
Amanuensis ernannt wurde. — An Stelle des zum Scriptor an die Bibliothek der 
k. k. technischen Hochschule in Brünn ernannten Dr. Friedrich Baumhackl wurde 
der Amanuensis der k. k. Universitätsbibliothek in Prag Dr. Anton Schubert der 
Bibliothek der k. k. technischen Hochschule in Wien zur Dienstleistung zugetheilt. — 
Der Praktikant an der Bibliothek . der technischen Hochschnle in Lemberg Urban 
Wareg von Massalski wurde zum Amanuensis ernannt. 


VERMISCHTE NACHRICHTEN. 


(Bibliotheksmuseum.) Der Bibliothekar des Stiftes Vorau Theodorich La mpl 
hat eine schöne photographische Reproduction des in der vorigen Nummer besprochenen 
Ex-libris Zeichens Georg Tannstetters eingesendet. 


Fin Circular-Erlass der k. k. n.-0. Stattlalterei vom 28. Februar 1901, Z. 947%, 
verlautbart ergänzende Bestimmungen zu dem Erlass des Unterriehtsministeriums 
vom 20. Februar 1900, Z. 308, betreffend. die obligate Krankenversicherung 
der provisorischen und Aushilfsdiener. 


Zur Beachtung. 


Mitglieder, welche die „Mittheilungen* nicht vollständig gesammelt haben 


und nur einzelne Nummern derselben besitzen, werden höflichst ersucht, dieselben 
der Redaction zur Verfügung zu stellen, indem dadurch vielleicht die Zahl der 
wenigen noch vorhandenen vollständigen Exemplare der ersten vier Jahrgänge ver- 
grössert würde und dadureh für das Vereinsorran neue Abonnenten gewonnen wer- 


den könnten. 





Verantwortlicher Redacteur: Dr. August Weiss. Druck von Gottlieb Giste] & Comp. in Wien. 


INDEXED 


M ITTHEILUNGEN 


österr. Vereines für Bibliothekswesen. 





V- Jahrgang. Wien, den 16. Juni 1901. Nr. 3. 


Ersc Ya &-inen in zwanglosen Heften: für die Mitglieder unentgeltlich. — Abonnementspreis 

für < > ssterreich-Ungarn 4 Kronen, füc das Ausland 3 Mark 50 Pf. jährlich. In Commission 

bei € erold & Comp., Wien, L, Stephansplatz. — Zuschriften sind an den Redacteur der 
Mittheilungen“ Dr. August Weisz (Wien, L, Universitats-Bibliothek) zu richten. 





Inhalt - Leithes bibliothekarische "l'hütigkeit in Wien (1874—1896). Von Reg.-R. 
J. Meyer. (Fortsetzung) — Über den jetzigen Stand der Frage der 
Corvina-Bibliothek und ein neu entdecktes Corvina-Incunabel der Stifts- 
Bibliothek zu Martinsberg in Ungarn. Von Dr. V. Récsey. — Bibliothek 
und Pflichteremplar. Von Dr. A. Hittmair. — Entwicklung der k. k. 


Studien-Bibliothek in Olmitz. Von W, Müller. — Hehlnamen 
salzburgischer Schriftsteller. Von Dr. A. Hittmair. —- Die historischen 
Handschriften der Universitáts-Bibliothek in Inusbruck. Von Dr. F. 
Wilhelm. (Fortsetzung) — Literarische Besprechungen. — Aus 
österreichischen Bibliotheken. — Vereins-Nachrichten. — Personal- 
ia Nachrichten. — Vermischte Nachrichten. 
en ME L 


Leithes bibliothekarische Thätigkeit in Wien 
(1874—1896). 


Von Regierungsrath Josef Meyer. 


(Fortsetzung.) 


Aini In den letzten Jahrzehnten vor dem Eintritte Leithes in das 
in eines Bibliothekars der Wiener Universitäts-Bibliothek waren 

der Büchersignierung grobe Willkürlichkeiten eingerissen, welche, 
_ 3 man die Fehler erkannte, wieder eine Menge Umsignierungen 
taa wendig machten, die in den Katalogen anzumerken häufig unter- 
. 3en wurde, wodurch viele Werke außer Evidenz gekommen, und 


für 
h © den Gebrauch so gut wie verloren gegangen sind. Andererseits 
^t man wieder viele Werke ausgemustert, in den Katalogen aber 


“hen gelassen, so dass sie, obwohl nicht mehr vorhanden, noch als 
Um Bibliotheksbestande gehörig betrachtet werden mussten, während 
ie Von manchen anderen, die radiert wurden, sehr fraglich war, ob 
ni immer Doubletten im strengsten Sinne des Wortes waren. 

diesem doppelten Ubelstande zu steuern, und ein einmal vor: 


"An dene Buch ungeachtet aller Localveränderungen dauernd fest- 
9 


e 


— 110 — 


zuhalten, entschloss sich Bibliothekar Leithe den Bibliotheks- 
Numerus, welcher schon in der alten Instruction vom Jahre 1825 
vorgeschrieben war, und in der Wiener Universitäts-Bibliothek schon 
einmal bestanden hatte, wieder einzuführen. Er rechnete aus, wie 
viele Werke bis zum Jahre 1877 in die Bibliothek Aufnahme gefunden 
haben mochten, und fand nach längeren Bemühungen, dass deren 
etwa 160.000 seien, er vergab daher eben so viele Nummern. an die 
bis dahin vorhandenen Werke in dem Maße, als diese zur Neu- 
beschreibung kamen. Die Nummern wurden auf die Titelcopien und 
auch auf die zweite Seite des Titelblattes eines jeden Werkes 
gedruckt, die Titel selbst aber nummernweise aneinandergereiht, mit 
Angabe der Dàündezahl, Provenienz und Signatur von der Zahl 1 
an beginnend in ein Repertorium (Bücherinventar) eingetragen, 
welches noch eine Colonne für allfällige Abgänge oder sonstige 
Veränderungen enthielt, die ohne Rasur vorgenommen werden konnten. 
Dieses Repertorium war. .in zwei Theilen gebunden, deren erster die 
Nummern 1—10.000 und deren zweiter jene von 10.001— 920.000 
enthielt. Eine Fortsetzung dieser hepertorien bildeten die Zuwachs- 
verzeichnisse, welchen unbeschadet ihrer vorgeschriebenen Form 
analoge Einrichtungen gegeben wurden, so dass sie die jährlichen 
Supplemente zum Inventarialkataloge darstellten. Dieser Inventarial- 
katalog bestand 1883 aus zwei Bänden A 62! Bogen und 12 Bogen 
eines dritten Bandes enthaltend die Nummer 1— 21.846 für den alten 
Fonds und aus 7 Bänden Zuwachsverzeichnis (1877—1883) 
mit den Nummern 160.000 — 195.747. Dieselben waren in Großfolio 
und in Leinwand gebunden und wurden in der Werthheim'schen 
Cassa aufbewahrt. Da aber die Zuwachsverzeichnisse nicht bloß 
abgeschlossene, sondern auch Fortsetzungswerke enthielten, 80 wurde 
die Rubrik für den Numerus untergetheilt, und bei denselben die 
erste Rubrik leer gelassen, in die zweite aber jene Nummer 
geschrieben, welche der erste Band, also das Werk selbst trug. 
Diese Fortsetzungswerke wurden daher vor allem der später zu 
erwühnenden Neubeschreibung unterzogen, und mit ihren. Anfängen 
in das Hauptrepertorium eingetragen, wo sie unter derjenigen Nummer 
standen, die im Zuwachsverzeichnisse in die zweite Rubrik gerückt 
war. Zur Beseitigung mancher gelegentlich der Beurtheilung in den 
früheren Jahren zutage getretenen Missverständnisse wurde in den 
Zuwachsverzeichnissen die Einrichtung getroffen, die Fächer nicht 
unter ihren, meist viel zu engen Benennungen, sondern unter den 
ihnen zukommenden Sections- und Abtheilungs-Nummern aufeinander- 


— 111 — 


flgen zu lassen, dafür aber eine systematische Übersicht zur 
Orientierung des Verzeichnisses‘ vorauszuschicken, in welcher bei 
jedem Bibliotheksfache der reale Inhalt der zu demselben gehórenden 
Diseiplinen nach dem in der Bibliothek adoptierten Systeme kurz 
‚gemerkt und auf die Seitenzahl, unter welcher es im Repertorium 
erschien, hingewiesen wurde. 


Dieser von Leithe eingeführte Bibliotheks-Numerus war aber 
kein numerus currens, nach welchem auch die Aufstellung der Bücher 
eTf o] crt e; die Aufstellung derselben blieb nach wie vor eine systematische 
nach den in den Localrepertorien enthaltenen Fächern. Leithe wollte 

Wbric e ns auch, soviel dem Verfasser bekannt ist, und insoweit es 
Sa am die Wiener Universitits-Bibliothek handelte, von einer Auf- 
stella mg nach dem numerus currens nichts wissen, obwohl gerade er 
bi Seinem Bestreben, das bibliographische System der Wiener 
Ul v e vsitáts-Bibliothek zu verbessern und vollkommener auszugestalten, 
mund gehabt hätte, die Aufstellung nach der natürlichen Reihen- 
bleze der Zahlen vorzunehmen, weil bei diesem Modus der Auf- 
stellung die vielen zeitraubenden Änderungen in dem Hauptkataloge, 
"vie in den Localrepertorien und dem Inventarialkataloge nicht 
not huxwendig sind. 


Infolge der vielfach geänderten Auffassung des wissenschaftlichen 
YStemes mussten viele Werke aus dem Fache, in welches sie bisher 
?Dfereiht waren, ausgeschieden und unter ein anderes subsumiert 
werden. Zu diesem Zwecke wurden die betreffenden Titeleopien und 
IN W eise aus den Cartons ausgehoben, die Signaturen, entsprechend 
Sean dert, und diese Änderungen in allen Katalogen (dem gebundenen 


SE !Abetischen Kataloge, dem entsprechenden Localrepertorium und 
= Inventarialkataloge) evident gemacht. Mit diesen systematischen 
n 


*rungen wurde von Leithe aber auch vielfach eine Neubeschreibung 
verbunden. Diese Neubeschreibung sollte nicht bloD auf die aus 
“mem Fache ausgeschiedenen und in ein anderes eingereihte, sondern 
auch auf fehlerhaft beschriebene, oder auch fehlerhaft signierte Werke 
ich erstrecken, um allmählich einen Grundkatalog anzubahnen, der dem 
"Inftigen Nominalkataloge als verlüssliche Basis dienen sollte. Diese 
"He Beschreibung, welche natürlich auch bei den seit dem Amts- 
"Rtritte Leithes in die Bibliothek gelangenden Werken zur Anwendung 
zn erfolgte nach Grundsätzen, welche von den bisher befolgten, 
erdings durchaus nicht consequent gehandhabten, nicht unbedeutend 
Wichen. Es war jedoch zu bedauern, dass diese geänderten Principien 

Or 





der Beschreibung nicht in einer schriftlichen Instruction niedergelegt 
worden sind, und dass nicht von derselben eine dem Personalstande 
angemessene Zahl von Exemplaren zur bündigen Richtschnur vor- 
handen war. Die Beschreibungen erfolgten eigentlich nur auf mündliche 
casuistische Belehrungen hin, wodurch das Arbeiten sehr erschwert, 
viele Zeit unnütz aufgewendet wurde, und schließlich doch, eben 
wegen des Mangels schriftlicher Normen, vielfach Schwankungen 
unvermeidlich waren. 


Laut des pro 1876/77 erstatteten Zustandsberichtes sind bis 
zum Jahre 1877 die Fächer „Gynäkologie“ (1333 Bände), „Miscellanea“, 
welches Fach Mischbände enthielt, die die verschiedensten Gebiete 
des Wissens umfassten (1531 Bände), sowie das früher selbständir 
gewesene Fach „Separatabdrücke* (1504 Bände) in dem oben 
angegebenen Sinne neu bearbeitet worden. Laut des pro 1881/82 
erstatteten Jahresberichtes sind bis Ende des Jahres 1882 auch noch 
die Fächer „Anatomie* und „Anthropologie* ganz und aus anderen 
Fächern diejenigen Werke, welche seit 1873 neu zugewachsen oder 
wegen fehlerhafter Beschreibung gelegentlich umgearbeitet wurden, 
in Summa 52.080 Werke auf die oben angegebene Art neu 
beschrieben und katalogisiert worden. Die betreffenden Grundblätter 
füllten 76 Cartons, d. h. nahezu den dritten Theil des alphabetisch 
geordneten Grundkataloges. Zufolge des pro 1882/83 erstatteten 
Berichtes war die Neubeschreibung, welche im Studienjahre 1881/82 
bis zur Nummer 21.846 des Bibliotlieks-Inventares gelangte, im 
Studienjahre 1882/83 bis zur Nummer 22.255 jenes Inventares 
geführt; seit dem 1. October 1882 sind 409 Werke des alten 
Bibliotheksfondes (vor 1877) neu beschrieben und entsprechend 
katalogisiert worden. 


Uberblickt man die bisher geschilderten Leistungen, so muss 
man über die außerordentliche Arbeitskraft staunen, welche Leithe 
theils selbst entwickelte, theils bei dem Personale in Bewegung zu 
setzen wusste. Wie ein rother Faden zieht sich durch seine 
bibliothekarische Thätigkeit das Demühen, in erster Linie für eine ent- 
sprechende Systematik Sorge zu tragen, und zugleich hiemit durch . 
Umschreibung der Grundzettel theilweise die Vorarbeit für Anlegung 
eines neuen alphabetischen Hauptkataloges zu liefern. So sehr dieses 
Bestreben und die hierauf verwendete Mühe und Arbeitalle Anerkennung 
verdienen, so muss doch bei einer objectiven Beurtheilung der in 
der Wiener Universitäts-Bibliothek damals bestandenen Sachlage 


— 113 — 


gesagt werden, dass es vor allem nötlig gewesen wäre, die Vor- 
bereitungen für die Herstellung eines neuen gebundenen 
alphabetischen Kataloges direct in Angriff zu nehmen. 
— Mit dem Jahre 1849 haben nämlich die Eintragungen nach 
streng alphabetischer Ordnung in den Bänden des Hauptkataloges 
aufgehört, vom Jahre 1850 an ist der Zuwachs dem alten Theile 
‚eines jeden Bandes in einem sehr in crudo gehaltenen, oft nur aus 
einem Buchstaben oder einer sehr weit gehaltenen Buchstabenreihe 
bestehenden Alphabete angefügt worden, das Nachschlagen und 
Auffinden eines Werkes im Kataloge überhaupt, im Supplement 
insbesondere, war daher schon lange vor Leithes Amtsantritt sehr 
erschwert, und diese Schwierigkeit steigerte sich im Laufe der Jahre 
infolge des starken Einlaufes an literarischen Erzeugnissen immer 
mehr und mehr. Unserer Ansicht zufolge hätte der Grundkatalog 
naclı seiner alphabetischen Reihenfolge, welche allerdings nach festen 
Principien zu regeln, beziehungsweise zu revidieren gewesen wäre, 
auf die Folien des neuen Bandkataloges aufgetragen, mit anderen 
Worten, die Herstellung des alphabetischen Hauptkataloges zuerst 
unternommen werden sollen. Hiemit hätte zu gleicher Zeit auch die 
Beschreibung nach neuen Grundsätzen verbunden werden können, ja 
dieselbe wäre sogar, da der alphabetische Bandkatalog, wie ja 
überhaupt jeder Katalog ein einheitliches in sich geschlossenes Ganzes 
bilden soll, mit Rücksicht auf die früheren, oft bedeutenden 
Disparitäten der Beschreibung geradezu nothwendig geworden. Nur 
hätte sodann, wie schon oben bemerkt, diese Beschreibung auf 
Grund einer schriftlichen, in einer genügenden Anzalıl von Exemplaren 
vorhandenen, daher allgemein bekanıt gewordenen Instruction 
erfolgen müssen. Das bisher, in Geltung gewesene bibliographische 
System hätte unbeschadet dieser Arbeiten einstweilen beibehalten 
werden können, ja im großen Ganzen sogar beibehalten werden müssen, 
weil bei der systematischen Aufstellung durchgreifende Änderungen 
die entsprechenden Rectificierungen der Localrepertorien nothwendig 
gemacht, also die Arbeitslast vermehrt und hiemit das raschere 
Fortschreiten in der Anlage des neuen alphabetischen Hauptkataloges 
gelindert haben würden. Auffallende Unrichtigkeiten in der syste- 
matischen Einreihung hätten ja auch bei dem hier vorgeschlagenen 
Verfahren immerhin zu gleicher Zeit berichtiet werden können. 


(Fortsetzung f.Igt.) 


— 114 — 


Über den jetzigen Stand der Frage der Corvina- 
Bibliothek und ein neu entdecktes Corvina-Incunabel 
der Stifts-Bibliothek zu Martinsberg in Ungarn. 


Vortrag, gehalten auf dem internationalen Congress der Bibliothekare in Paris 
am 20. August 1900 von Dr. Victor Récsey. 


Die ersten Bibliotheken in Ungarn haben laut urkundlicher Belege die 
von Könige Stephan I. gestifteten Benediktiner- Abteien von Martinsberg, 
(Pannonhalma), Pecswärad und Bakonybel angelegt. König Ladislaus der Heilige 
zählt in der Büchersammlung des Stiftes Martinsberg, welche er im Jahre 1093 
schon als existierend bezeichnet, 72 Codices. Als die kirchlichen Verhältnisse 
in Ungarn schon geordnet waren, haben auch die Capitel der Cathedralen, später 
einzelne Oberhirten bedeutende Bibliotheken gegründet. Hervorragend war im 
AIV. Jahrhundert die Universitäts-Bibliothek von Fünfkirchen, ferner die Bücher- 
sammlungen der Dominicanerklóster in Kaschau, Ofen und Hermannstadt. 

Obzwar die Tataren und Türken alles in Ungarn verwüsteten, wissen wir 
doch so viel, dass das Bibliothekswesen da eigentlich mit der Renaissance auf- 
blühte. Joannes Vitéz de Zredna, der spätere Erzbischof von Gran, wie auch 
Janus Pannonius, Bischof von Fünfkirchen, der auch selbst hervorragender 
Humanist war, hatten reichhaltige Pıivat-Bibliotheken. Durch ihren Einfluss aber 
wirkten sie auf den mächtigen König Matthias Corvinus dahin, dass er die erste, 
öffentliche Landes-Bibliothek in Ungarn um 1465 gründete, welche bekanntlich 
den Namen Corvina führt, nach Muster der Bibliotheca Vaticana, welche Papst 
Nicolaus der V., der Laurentiana, welche Laurentius Medici (1477) in Florenz, 
der Marciana, welche in Venedig der Cardinal Bessarion gegründet (1463) und 
der Cesena, welche schon früher ihr Entstehen dem Fürsten Malatesta verdaukte. 
Die Humanisten Taddeo Ugoletti, sowie Antonio Bonfini, Naldus Naldius, Marsilio 
Ficino etc. sorgten dafür, dass die Corvina die besten Musterhandschriiten bekam 
und Matthias Corvinus opferte, wie urkundlich feststeht, jährlich 33.000 Mark 
in Gold zur Herstellung und malerischen Ausstattung der Codices. Im könig- 
lichen Schloss von Ofen beschäftigte er 30 Kunstschreiber und Maler und in 
Florenz auch mehrere; so dass durch diese bestellten Handschriften in 25 Jahren, 
während der Bestand dieser herrlichen Samınlung dauerte, 5000 prachtvolle 
Codices zustande kommen konnten. Wenn wir hinzunehmen, wie viele fertig 
erworben wurden, dann die Incunabeln, die der König überall ankaufte, so ver- 
stehen wir leicht die ungemessenen Lobsprüche, welche die Humanisten: Petrus 
Ransanus, Naldus Naldius, Antonio Bonifini der Nachwelt über die Corvina 
überlieferten. Gasparus Heltai gibt sogar die Zahl der Bände mit 50.000 Nummern 
an und diese übertriebene Ziffer übernahmen fast alle Schriftsteller des XVI. und 
XVII. Jahrhunderts ohne Bedenken. Johannes Csontosi aber, der sich speciell 
jahrelang mit kritischen Studien über die Corvina befasste, hat nach Berechnung 
der jährlichen Ausgaben des Königs Matthias, der Schreiber, die er hier und 
dort beschäftigte, und der Incunabeln, die er anschaffen konnte — die Biicherzahıl 
der Corvina auf höchstens 16.000 Bände angeschlagen. Nach meiner Meinung. 
ist trotz der Berühmtheit dieser ersten ungarischen Büchersammlung, wenn man 
die damaligen Verhältnisse in Betracht zieht, auch diese Zahl zu hoch gegriffen 


— 115 — 


Der hohe Wert der Corvina ist nicht so sehr nach der Zahl der Bände, sondern 
nachı der prachtvollen Ausstattung der Handschriften, nach den kunstvollen 
Initialen, Miniaturen und den herrlichen Einbänden zu beurtheilen. Die ge- 
wandtesten Schreiber und Miniaturmaler dieser Zeit wurden von König Matthias 
beschäftigt und die eigenartigen Einbünde bilden ein specielles Chárakteristikon 
der Corvina, wie dies der bibliographische Congress vom Jahre 1890 in Ant- 
werpen feststellte. Mit einem Worte, so viel ist unbestreitbar, dass die Corvina 
in ihrer Blütezeit mit der Vaticana und Jaurentiana die Wette aufnehmen 
konnte. 

Petrus Ransanus, der Abgesandte des Königs von Neapel bei Matthias 
Corvinus, behauptet, dass die Corvina bei seinem Besuche schon viele Bände 
zählte. Joannes Regiomontanus und Martinus Jlkus schrieben dort ihre astrono- 
mischen Werke. Taddeo Ugoletti besorgte in Florenz und Rom den Ankauf fertiger 
Handschriften und Incunabeln, deren Controle Naldus Naldius führte, der ein 
buch mit dem Titel: „De Laudibus Augustae Bibliothecae ad Serenissimum 
Mathiam Corvinum Pannoniae ltegem* schrieb. Bartholomaeus Fontio war damals 
Bibliothekar der Corvina und ihm ist wahrscheinlich zuzuschreiben, dass Matthias 
die Dibliothek des Fürsten Manfredini von Bologna zur Bereicherung der Corvina 
ankaufte. Im Jahre 1473 hatte Andreas Hess die erste Buchdruckerei und 
Theobaldus Feger die erste Buchhandlung in Ofen errichtet. Ferner hat der 
König. der persónlich an den Disputen seiner Humanisten theilnahm, sich die 
Censur der Missale und Breviere reserviert und diese Ausgaben werden auch 
ale in seiner Bibliothek gewesen sein, sowie die vielen Werke der Humanisten, 
die um seine Gunst werbend, ihre Elucubrationen ihm dedicierten. Der Ruhm 
der Corvina war so groD, dass die Bücher derselben als ,Codices bonae notae* 
bekannt waren, und die Medici in Florenz ließen aus derselben manches ab- 
schreiben, so wie 1458 Francesco Sforza, Fürst von Mailand, den Festus-Codex 
derselben copieren lieB. Aldus ließ die griechischen Codices abschreiben, um 
nach diesen seine berühmt gewordenen griechischen Ausgaben zu besorgen. 

Nach dem Tode des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1490 kam das 
Ende der Sammlung. Unter König Wladislaus II. und Ludwig II. ist ein großer 
Theil der Corvina verschleppt worden, und als die Türken im Schlosse von 
Ofen sich festsetzten, gieng auch der Rest zugrunde. Cuspinianus suchte auf 
Befehl Maximilian I. die schónsten Bücher aus der Corvina aus, um sie in die 
neugegriindete Hof-Bibliothek nach Wien zu übertragen. Dies ist unbegreiflich, 
denn Bonfini, der Historiograph des ungarischen königlichen Hofes, bezog auch 
von Wladislaus IT. ein jährliches Honorar, ebenso wurden von diesem der Abt 
von Madocsa und Attavantes de Attavantibus als Schreiber von Codices reiclilich 
belohnt. Letzterer eihielt aus der kóniglichen Cassa von Kremnitz 318 Gold- 
ducaten. Endlich ist urkundlich erwiesen, dass Wladislaus II. im Jahre 1498 
dureh. Vermittlung der. Medici die Schulden zahlte, welche nach dem Tode 
Matthias Corvinus für Handschriften und Incunabeln zu begleichen übrig blieben. 
Trotzdem wurde die Bibliothek immerfort geplüudert, und als nach der Schlacht 
bei Mohäcs im Jahre 1526 die Türken die Festung Ofen einnahmen, hatten sie 
sich auch der Bibliothek bemächtigt, und später haben sie vieles nach Cun- 
stantinopel verschleppt, anderes veräußert. 

Die Befreiung Ofens bildet eine neue Wendung in der Geschichte der 
Bibliothek, denn seit dem Jahre 1636, als auch die noch übrig gebliebenen 


— 116 — 

Überreste verkauft und verschenkt worden waren, hat man sich auch schon damit 
befasst, sie wenigstens in Verzeichnissen zu reconstruieren. Das erste Werk 
hierüber erschien 1638 von Julius Pflug in Jena. Im 18. Jahrhundert ist das 
hervorragendste Werk hierüber vun Sixtus Schier: „De Regiae Budensis Biblio- 
thecae Mathiae Corvini, Ortu, Lapsu, Interitu et Reliquiis“. Anfangs des 
19. Jahrhunderts hat der Ungar Kovács-Martiny hierüber geschrieben. Vogel. 
der Bibliothekar der Dresdener Bibliothek, hat im Jahre 1848 eine eingehende 
Studie im Serapeum über die Corvina publiciert. Jedoch erhielt die Corvina- 
Frage den hóchsten Aufschwung durch die ungarische Akademie der Wissen- 
schaften, besonders durch die Forschungen der Mitglieder Florian Romer und 
Wilhelm Fraknoi. Bis heute erforschte der bewandertste Gelehrte in dieser 
vichtung Johannes Csontosi in ganz Europa 150 Bände der Corvina, lauter 
Codices. Diesem erfahrenen Forscher ist nur ein einziges Incunabel bekannt, 
welches dem Konig Matthias Corvinus gewidmet ist. Überhaupt sind Incunabeln, 
welche unstreitbar aus der Corvina stammen, höchst selten und sind bis heute 
durch die Untersuchungen nur drei Stück bekannt. Um so mehr erfreute 
es mich, als ich, die Incunabeln der Stifts-Bibliothek von Martiusberg studierend, 
darunter ein unstreitbares Incunabel aus der Corvina fand. Eine Corvina ist 
durch drei Merkmale zu bestimmen: 1. Ist auf dem Titelblatte des Buches das 
Wappen des Kónigs Matthias angebracht, wie an dein prachtvollen Codex von 
dem Humanisten Naldus Naldius: „De laudibus Augustae Bibliothecae ad 
Serenissimum Mathiam Corvinum Pannoniae Regem“; 2. hat der Einband auf 
braunem Leder gepresste Arabesken oder ungarische Motive mit goldenem 
Blumenpapier und das ungarische und böhmische Landeswappen; 3. hat das 
Buch glaubwürdige alte Aufzeichnungen, welche beweisen, dass dasselbe wirklich 
aus der Corvina stammt. Unser Incunabel hat zwei von diesen Eıkennungszeichen, 
und zwar eine alte Aufzeichnung, welche folgendermaßen lautet: „Cum 
volvereturetageretur annus 1676 Budae existens, acquisivi 
egoJoannes Mersycz parochus Szódiniensis hunc librum 
e bibliotheca Matthiae Corvini Regis Ungariae a Turca 
Buliak Bassa vocato“. Zweitens hat der gleichzeitige Lederband jeune 
eirgepressten Motive, welche der bibliographische Congress, welcher im Jalıre 
1590 zu Antwerpen abgehalten wurde, als einen charakteristischen Einband der 
Corvina anerkannte. (Leider sind die Schnallen und Eckverzierungen des Bandes 
abgelöst.) Somit baben wir es mit einer echten, bis heute unbekannten Corvina 
zu thun. Buliak war thatsächlich Pascha in Ofen, wie aus den gleichzeitigen 
ungarischen Gesclichtsquellen erhellt, und Joannes Mersycz oder Mecsycz war 
auch wirklich im Jahre 1676 Pfarrer in Szödin — Szögydm, wie mich der jetzige 
Piarrer aus den Matrikeln vergewisserte. 

Nachfolgend eine Beschreibung dieses Incunabels: 

F. 1. a. Incipit tabula titulorum |seu capitulorum vel rubricarum: que 
continentur | in hoc volumine. — F. 4. a. In nomine sancte et indiuidue trinitatis.| 
Incipit prologus tertie partis summe beati | Antonini archipresulis Florentini 
ordinis pre dicatorum. — F. 222: Domini Antonini archiepiscopi Florentini 
dignissimi sacre scripture interpretis explicit prima | pars summe sequitur 
secunda. — F. 223: Leeres Blatt. — F. 224. a. Incipit tabula titulorum sen 
capitulorum vel rubricarum: que conti nentur in hoc secundo volumine. — F. 227: 
In nomine sancte ct indiuidue trinitatis in cipit 2 a pars tertie partis summe 


— 117 — 


d. Antonini de floirentia eiusdem ciuitatis episcopi reuerendissimi ordi | nis 
predicatorum. Et primo de statu religiosorum titulus decimus sextus. De 
essentialibus religionis s. | — F. 429: Explicit tertia pars summe beati Antonini 
archiepiscopi Florentini: ac sacre pagine interpretis eri inii: impressa Venetiis 
industria atque impensa Leonardi wild de Ratisbona. 1480. — F. 430: Registrum 
ehartarum. 


Hain ,Repertorium Bibliogr." *1244. — Pellechet M. Catalogue General des 
Incunables des Bibliotheques publiques de France. 879. 


Die Initialen sind in blau, roth und gelb polychromiert in der Manier uud 
dem Stile, wie die Codices der Corvina ausgestattet sind. | 


Von dem Original-Einband sind nur die zwei Tafeln mit gepresstem Leder 
und gleichzeitigen Motiven erhalten. Von den Schnallen und den Seiten- und 
Eckbeschlägen sind nur mehr die Sparren der Messingnágel zu sehen. An der 
vorderen Tafel ist ein Pergamentstreifen angebracht (wie in der Corvina allge- 
mein) mit der gleichzeitigen Inschrift: Tercia ps summe anthonini. 


F. 222 unter dem Colophon die Notiz: „Joannes Mersycz possidet me 
Parochus Szódiniensis". 


F. 227 unter dem Texte die oben als Erkennungszeichen angeführte 
Aufzeichnung. 


Es scheint überhaupt eine seltene Ausgabe zu sein, denn weder Proctor, 
noeh Copinger kennt es, nur Hain und Pellechet. Die bekannten 150 Codices 
der Bibliotheca Corvina sind in 45 verschiedenen Bibliotheken zerstreut, nun 
müssen aber viel mehr Incunabeln aus dieser Bibliothek, welche bis 1490 existierte, 
in vielen Bibliotheken verborgen stecken; denn Matthias Corvinus hatte nicht 
nar in Ofen einen Buchhändler (Theobald Feger), sondern auch in Florenz und 
Venedig, die ihm bestimmt viele Neudrucke lieferten. Ja, wir haben urkundliche 
Daten, laut welchen der König sich sogar die Censur der für den ungarischen 
Clerus gedruckten Missale und Breviere vorbehielt. Diese siimmtlichen unga- 
rischen Incunabeln ınüssen in der reichen Corvina vorhanden gewesen sein, und 
nicht eines ist bis jetzt entdeckt worden. Mein Beispiel wird vielleicht die 
srößeren Bibliotheken aneifern, dass wir Hand in Hand immer mehr mitwirken 
zur Reconstruierung dieser herrlichen Sammlung. Iu Paris sind in der Bibliotheque 
Nationale vier bekannte Codices aus der Corvina, es müssen sich aber auch In- 
cunabeln aus derselben dort finden, nur sind sie unbekannt. Die Franzosen 
haben auch ein anderes sehr wertvolles Denkmal dieses unseren Königs auf- 
bewahrt; in dem Musée de l'Arsenal sah ich schon vor Jahren das Original- 
Schild (Targe) dieses Monarchen. Die Franzosen würden nicht nur Ungarn, 
sondern die ganze Culturwelt durch Entdeckung mehrerer Bände der Corvina 
sich verbindlich machen und so zur Reconstruierung einer der reichsten Biblio- 
theken der Renaissance viel beitragen.*) 


*; Mlle. Marie de Pellechet gab ankuüpfend an diesen Vortrag dem Con- 
gresse zu wissen, dass sie bei ihren Untersuchungen der Incunabeln in Wolfen- 


büttel auch eine Incnnabel der Corvina sah. 
10 





is I 


NJ - Bibliothek und Pflichtexemplar. 


Von Dr. Anton Hittmair. 


Das österreichische Press-Gesetz vom 17, December 1862 (R. G. Bl. 1363 
S. 145 ff.) enthält bezüglich der Ablieferung von Pflichtexemplaren folgende Be- 
stimmungen: 


„g 17. Von jedem einzelnen Blatte oder Hefte einer periodischen Druck- 
schrift hat der Drucker zugleich mit dem Beginne der Austheilung oder Ver- 
sendung, von jeder andern Druckschrift aber, welche nicht unter die Ausnahmen 
des $ 9*) fällt und nicht mehr als fünf Bogen im Drucke beträgt, wenigstens 
24 Stunden vor der Austheilung oder Versendung bei der Sicherheitsbehörde 
des Ausgabeortes, und an Orten, wo ein Staatsanwalt seinen Sitz hat, auch bei 
diesem ein Fxemplar zu hinterlegen. ... 


8 18. Von jeder zum Verkaufe bestimmten Druckschrift, welche im Inlande 
verlegt oder gedruckt wird, ist, insoferne sie nicht unter die im $ 9 erwähnten 
Ausnahmen fällt, an das Staatsministerium**), an das Polizeiministerium***), an 
die k. k. Hof-Bibliothek und’an jene Universitäts- oder Landes-Bibliothek, welche 
durch besondere Kundmachung in jedem Verwaltungsgebiete als hiezu berechtiget 
bezeichnet wird, je ein Pflichtexemplar zu überreichen. Von jeder periodischen 
Druckschrift ist überdies ein Pflichtexemplar an den Chef des Verwaltungs- 
gebietes, in welchem die Druckschrift erscheint, einzusenden. ... 


Die Ablieferung der Pllichtexemplare liegt dem Verleger, bei Druckschriften 
aber, auf welchen ein gewerbsmässiger Verleger nicht oder fälschlich genannt 
ist, oder welche im Auslande verlegt werden, dem Drucker ob... .“ 


Es haben somit die Verleger oder Drucker von den verkäuflichen Druckschriften 
vier bis sieben Pflichtexemplare abzuliefern. In wiederholten Beschwerden erklärten 
die Verlagsbuchhindler diese Last als unerträglich. Was das Gesetz von ihnen ver- 
langt, muss in ihnen aber weniger die Empfindung einer Belastung als vielmehr 
die einer Belästigung hervorrufen: denn andere Staaten begnügen sich mit 
weniger Pflichtexemplaren und thatsächlich sind es ja auch in Österreich 
uur zwei Exemplare, die dem allgemeinen Nutzen zugeführt werden müssen. 


*) Erzeugnisse der Presse, welche lediglich den Bedürfnissen des Gewerbes 
und Verkehres oder des häuslichen und geselligen Lebens zu dienen bestimmt 
sind, wie: Formulare, Preiszettel, Visitkarten u. s. w. 

Dazu auch § 1, Alinea 2: Meine Behörden, der Reichsrath, die Landtage 
und Landesausschiisse, dann die Centralcongregationen des lombardo-venetianischen 
Königreiches sind bezüglich derjenigen Druckschriften [,] die sie in ihrem ge- 
setzlichen Wirkungskreise veröffentlichen, an die Bestimmungen des zweiten Ab- 
schnittes dieses Pressgesetzes (S8 9—27] nieht gebunden. 

**) nunmehr an das Ministerium des Innern (R. G. BlI. 1867 Nr. 49). 


***) nunmehr rüeksichtlich der nicht periodischen und der außerhalb 
Wiens erscheinenden periodischen Druckschriften an das Ministerraths-Präsidium 
und rücksichtlich derin Wien erscheinenden periodischen Druckschriften (zugleich 
mit den früher für das Staatsministerium bestimmten Exemplaren) an das Ministerium 
des Innern (Eriass des Ministeriums des Innern vom 16. Mai 1871). 


d 


me ALZI i e» dn msi nem | 


——À— mc -——re-—6—_—_—€———_—_—_m_—_m’_e Eben Ebene 


— 119 — 


Die Überzeugung, dass von den Verlegern (beziehungsweise Druckern) zu 
viel verlangt werde, hat ihren Beschwerden schon manchen moralischen Erfolg 
verschafft. Auch der jüngste im Abgeordnetenhause des österreichischen Reichs- 
rathes vom Abgeordneten Dr. Friedrich Pacäk und Genossen eingebrachte, vom 
8. April 1897 datierte, am 1. October 1897, am 23. März 18398, 6. December 1893 
und 28. October 1899 wiederholte Antrag auf Revision des Pressgesetzes be- 
fasst sich mit der Einschränkung der Pflichtexemplare. Die betreffende Stelle 
seiner Gesetznovelle, „womit mehrere Bestimmungen des Pressgesetzes vom 
. 17. December 1862 (R. G. Bl. Nr. 6 vom Jahre 1863) abgeändert werden“ (Bei- 
lagen zu den stenographischen Protokollen des Hauses der Abgeordneten des 
österreichischen Reichsrathes im Jahre 1897. XII. Session 1897. Wien 1897, Bei- 
lage 61 und XIIT. Session 1897. Wien 1898, Beilage 126, XIV. Session 1898. 
Wien 1593, Beilage 138, XV. Session 1898,09. Wien 1899, Beilage 358, XVI. Session 
1899 1900, Wien 1900, Beilage 226), lautet: 

„Artikel HI. 

S 17 des Pressgesetzes habe zu lauten, wie folgt: 

Von jeder Nummer (Heft, Stück) einer periodischen Druckschrift, sowie 
von jeder audern Druckschrift, welche nicht mehr als drei Bogen im Drucke 
beträgt, muss der Verleger, sobald die Austheilung oder Versendung beginnt. ein 
Exemplar gegen eine ihm sofort zu ertheilende Bescheinigung an die Polizei- 
behürde des Ausgabeortes unentgeltlich abliefern. 

Diese Vorschrift findet keine Anwendung auf Druckschriften, welche aus- 
schließlich Zwecken der Wissenschaft, der Kunst. den Gewerben und der Industrie 
dienen. 

Artikel IV. 

S 18 des Pressgesetzes hat zu lauten, wie folgt: 

Von jeder im Inlande hergestellten oder verlegten, zum Verkaufe bestimmten 
Druckschrift hat, insofern sie nicht unter die im $ 9 erwähnten Ausnahmen *) 
füllt, der Herausgeber oder Verleger, binnen 8 Tagen von der Ausgabe an ge- 
rechnet, je ein Exemplar au die k. k. Hof-Dibliothek und an die durch besondere 
Kundmachung der Landesbehörde zu bezeichnende Universitäts- und Museums- 
Biblio'hek abzuliefern .. .* 

Den giößten moralischen Erfolg aber hatten die Gegner der Pflicht- 
exemplare durch den allerdings nicht rechtswirksam gewordenen Beschluss des 
Abgeordnetenhauses vom 16. März 1877 erreicht (Stenographische Protokolle über 
die Sitzungen der Abgeordneten des Österreichischen Reichsrathes, VIII. Session, 
VIII. Band, Wien 1877, S. 8366—67:, der den 8 13 des Pressgesetzes aufhob. 
Dieser widerspruchslos gefasste Beschluss wird sicherlich weiterhin als der 
Haupttrumpf gegen die Berechtigung des Staates, Pflichtexemplare einzuheben, 
verwertet werden. Es dürfte daher angezeigt sein. die Pflichtexemplarfrage in 
der Form eines Commentars zu jenem Theil des Motivenberichtes zu behandeln, 
in welchem der Pressausschuss seinen Antrag auf die Streichung des $ 18 
begründete. Die einschlägige Stelle des „Berichtes des Ausschusses über 
die von den Abgeordueten Dr. Furegger und Umlauft gestellten Anträge 
auf Revision des  Pressgesetzes (zu 208 und 112 der Beilasen);*  |[Ver- 
handlungen des Hauses der Abgeordneten des österreichischen Reichsratlies 

*; ]1n Pacák'schen. Entwürfe um die Wahl:chriften erweitert. 

10* 


— 130 — 


in den Jahren 1876—1877. VIII. Session, VII. Band, Wien 1877, Beilage 583, 
S. 11] lautet: „Zu $ 4, Die Petition des Vereines der österreichischen Buch- 
händler um Streichung des 8 18 des Pressgesetzes und jene der Photographen 
um Befreiung der Landschaftsphotographie von der Verpflichtung der Ablieferung 
von Pflichtexemplaren gaben dem Ausschusse den Anlass, die Bestimmung des 
genannten 8 18 des Pressgesetzes einer Erörterung zu unterziehen. Eine Be- 
rechtigung des Staates, Pflichtexemplare überhaupt, insbesondere in der Anzahl 
von vier oder fünf Stücken lediglich zum Zwecke der Bereicherung von Bibliotheken 


abzufordern, konnte nicht gefunden werden. Die fragliche Gesetzesbestimmung stellt. 


sich vielmehr als eine mitunter sehr empfindliche Sonderbelastung des Verlags- 
gewerbes dar, welche nur geeignet ist, dieses Gewerbe in seinen Lebensbedingungen, 
zumal in der Concurrenz mit dem Auslande, wo eine solche Verpflichtung nicht 
besteht, zu schädigen. Welche Dimensionen diese Belastung annehmen kann, 
geht aus den Ausführungen des Vereines der Buchhändler hervor; darnach be- 
trägt der Wert der von einzelnen namhaft gemachten Verlagshandlungen im 
Jahre 1874 abgelieferten Pflichtexemplare zwischen 800 und 1500 fl, eine Be- 
lastung, welche kein anderes Gewerbe trifft. 

Erwügt man, dass die größere Hälfte der Erzeugnisse der Druckerpresse 
den Bibliotheken nicht zur Zierde gereicht, dass die nach $ 17 des Pressgesetzes 


abzuliefernden Pflichtexemplare ohnehin bibliothekarischen Zwecken zugefülırt - 


werden können und dass es mit dem Grundsatze der gleichen Besteuerung aller 
Staatsbürger nicht vereinbar ist, Einzelnen eine Leistung aufzubürden, welche der 
Gesammtheit zum Nutzen gereichen soll, erwägt man endlich, dass die Belastung 
des Staatsschatzes durch den Ankauf mit Sorgfalt ausgewählter, im Inlande 
erscheinender Werke eine verhältnismäßig geringe ist, so dürfte sich der An- 
trag des Ausschusses nach jeder Seite hin rechtfertigen." 


Der Bericht behauptet in einem etwas unklar stilisierten Satze, dass der 


Staat die vier bis fünf Pflichtexemplare lediglich zum Zwecke 


derBereicherung von Bibliotheken abfordere. 


Der Wortlaut des 8 18 P. G. steht nun allerdings einer solchen Auf- 
fassung nicht entgegen, es ist thatsáchlich nur von dem Rechte des Staates auf 
die Pflichtexemplare die Rede, nicht auch von der Pflicht der bezugsberechtigten 
Bibliotheken, sie aufzunehmen und aufzubewahren; die Textierung bezüglich der 
vergütungsberechtigten Pflichtexemplare gestattet sogar die Auffassung, es sei 
die in der Praxis wirklich zuweilen vorkommende Ablehnung kostbarer Pflicht- 
exemplare gestattet. 


Und doch ist es ganz unrichtig, in den Pflichtexemplaren nur Bereicherungs- 
objecte für Staats-Bibliotheken zu erblicken. 


Der Staat bietet thatsáchlich eine mit schweren Opfern verbundene Gegen- 
leistung: er übernimmt die Pflicht, in seinen öffentlichen Landes-Bibliotheken 
die Pflichtexemplare dauernd aufzubewahren und der allgemeinen Benützung 
zugänglich zu machen. 


Über die gemeinnützige Absicht, die der Staat mit dem 
Institut der Pflichtexemplare verfolgt, lässt der Unterrichts- 
Ministerial-Erlass vom 6. Juni 1857 keinen Zweifel aufkommen; er besagt aus- 
drücklich, dass dieser Zuweisung der Erzeugnisse der Landespresse die Absicht 
zugrunde liegt, in jedem Kronlande der Monarchie eine möglichst vollständige 


-— mul ë e P cdm —-- 


p Do ii ` pr 


— 121 — 


Sammlung von Materialien und Beiträgen zur Landescultur, Culturgeschichte, 
Literatur und Bibliographie des betreffenden Landes zu erlangen. 


Dass diese Tendenz schon vor Erlassung der Press-Ordnung vom Jahre 1352 
und schon die längste Zeit vorhanden war, lässt sich nicht verkennen. Schon 
zur Zeit, da die Universitäts-Bibliotheken als öffentlich, jedermann zugänglich 
erklärt wurden, zeigt sich eine ideale Auffassung von der Bestimmung der 
Pflichtexemplare; in dem Erlass der Kaiserin Maria Theresia vom 21. December 
1781 heißt es: „Von allen neu gedruckten Schriften soll künftig ein Exemplar 

"auf Schreibpapier in die Universitits-Dibliothek zum allgemeinen 
Nutzen abgeliefert werden, sie mögen auf Kosten der Autoren oder der Buch- 
händler in Druck gegeben werden.“ 


Wer den Dienst an den staatlichen Landes-Bibliotheken kennt, weiß, 
dass bei der Einhebung der Pflichtexemplare die Auffassung von dem Rechte 
auf dieselben hinter der von der Pflicht sie zu sammeln zurücktritt, weil auch 
das Publicum sich seines Rechtes, sie dort finden zu dürfen, bewusst ist. 


Die Pflicht, die der Staat mit der Sammlung und Aufbewahrung 
der Pflichtexemplare übernimmt, ist drückend genug. Da die Bibliotheken die 
Einhebung der Pflichtexemplare selbst besorgen müssen und keine ausreichenden 
bibliographischen Hilfsmittel besitzen, müssen sie einen großen Theil der 
Arbeitszeit — und Zeit ist Geld — auf das Ausfindigmachen der Pflichtexemplare 
verwenden. Localblätter, Anzeigen auf Bücherumschlägen müssen durchsucht, 
biiefliche Anfragen gestellt werden. Der größte Theil der Pflichtexemplare 
: wäre, wenn sie hätten bezahlt werden müssen, nicht erworben worden. Nun aber 
sollen sie, nachdem sie übernommen sind, laut Instruction gebunden und auf- 
bewahrt werden. Mit den Auslagen aber, die das Einbinden und die ganze 
bibliothekarische Behandlung der Bücher erfordert, sind die Opfer nicht 
erschöpft: der Raum, den sie einnehmen, repräsentiert einen mit der Zeit sehr 
hohen Mietwert, und die wiederholte Beschäftigung, welche sie durch ge- 
legentliche Revision und durch Reinigung des Bücherbestandes verursachen, 
nimmt Arbeitszeit und daher Kosten in Anspruch. Es sei besonders an die 
Zeitungen erinnert: an die zeitraubende Collationierung der aufzustellendeir 
Bände, die Kosten der Einbände, das Raumbedürfuis. 


Dient nun einerseits das Institut der Pflichtexemplare nicht lediglich 
der Bereicherung der !Staats-Bibliotheken, indem ja der Staat dafür die Ver- 
pflichtung übernimmt, die käuflichen Press-Erzeugnisse des Reiches in den einzelnen 
Landes-Bibliotheken der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung zu stellen, 
so fragt es sich anderseits, ob wirklich die Belastung des Verlags- 
gewerbes durch die Pflichtexemplare sogroß ist, dass sie, wie 
der Pressauschuss-Bericht von 1877 angibt, „nur geeignet ist, dieses Gewerbe 
in seinen Lebensbedingungen zumal in der Concurrenz mit dem Auslande, wo 
«ine solche Verpflichtung nicht besteht, zu schädigen.“ 


Man kann diesen Satz nur so verstehen, dass nur noch in Österreich, 
Pflichtexemplare abgegeben werden müssten, im Auslande nicht mehr. Thatsáchlich 
sind aber die Staaten in der Minderheit, welche nicht Pflichtexemplare ein- 
heben. Hartwig (Die Pflicht-Exemplare der deutschen Buchhändler: Berliner Post 
1880, 19. März und: Neuer Anzeiger für Bibliographie und Bibliothek wissenschaft, 

: Jahrgang 1880, Dresden 1880, S. 164 ff.) nennt die Pflichtexemplare „eine Einrichtung 


welche durch den consensus gentium, unter denen hier alle bedeutenden Culturvolker 
der Erde zu verstehen sind, gestützt wird*. In Frankreich lässt sich diese Ein- 
richtung seit 1537 nachweisen, in Dänemark. Großbritannien, Preußen, Bayern 
seit dem 17. Jahrhundert. In Österreich schärft ein kaiserliches Edict von 1625 
die schon bestehende Vorschrift, Pflichtexemplare an die Hof-Bibliothek ab- 
zuliefern, neuerdings ein. Das deutsche Reichsgesetz über die Presse vom 
9. Mai 1874 hat die Pflichtexemplare nicht beseitigt, sondern die Bestimmungen 
darüber der Landesgesetzgebung überlassen. Das sächsische Pressgesetz vom 
24. März 1870 hat das Pflichtexemplar, das zufolge des Gesetzes vom 14. März 1851 
an das Ministerium des Innern abzuliefern war und von diesem der königlichen 
Bibliothek in Dresden oder der Universitàts-Bibliothek in Leipzig zukam, 
beseitigt. Heute werden in 13 (darunter den größten) deutschen Staaten Pflicht- 
exemplare eingehoben, in 19 nicht oder nicht mehr. Der bedeutendste unter 
diesen ist das Königreich Sachsen. 

Somit besteht für die meisten ausländischen Verleger der Pflichtexemplarzwang 
principiell so gut wie für die österreichischen, zum Theil sogar unter schwereren 
Bedingungen; in England werden vier gebundene Exemplare gefordert. 
Es zeigt sich in Deutschland, dass der durch Pflichtexeinplare belastete Berliner 
Verlag einen Aufschwung genommen hat, der den privilegierten Leipziger Verlag 
in den Schatten stellt. Es ist auch einleuchtend, dass die wenigen Pflichtexemplare 
die Concurrenzfühigkeit der Verlagshandlungen nicht beeintlussen künnen. Was 
bedeutet das kleine Opfer der Pflichtexemplare gegen das große der vielen Frei- 
exemplare für den Verfasser und der zahlreichen Recensionsexemplare? Diese 
Verfasser- und Recensionsexeinplare sind die wunde Stelle des Verlagsgeschäftes; 
sie entziehen dem Verleger nicht wenige Käufer und nicht zum wenigsten 
dadurch, dass sie sehr bald im Antiquariatshandel auftauchen. Werden die 
Pflichtexemplare aufgehoben, dann kann erwartet werden, dass auch die Staats- 
Bibliotheken einen Theil der Druck-Erzeugnisse ihres Landes, u. zw. vielfach 
die wertvolleren, nicht beim Verleger, sondern auf antiquarischem Wege kaufer 
werden. Von einem lucrum cessans, das den Verleger durch die Pflichtexemplare 
trifft, kann daher nur mit Einschränkungen gesprochen werden. Der wirkliche 
Schaden des Verlegers ist mit dem Verkaufspreise des Exemplars nur dann 
identisch, wenn die ganze Auflage verkauft werden konnte. In diesem Falle ist 
aber das Geschäft schon lange gemacht und der Verleger angesichts der 
drängenden Neuauflage nicht unglücklich darüber, dass die Pflichtexemplare die 
Abstoßung der alten Auflage beschleunigen halfen. Aber in der Regel wird mit 
dem Absatz der ganzen Auflage nicht gerechnet, ein Theil derselben hat daher 
für den Verleger doch nur Papierwert und auf diesen beschränkt sich vielfach 
das mit dem Pflichtexemplar gebrachte Opfer. 

Auch mit dem Bedenken, dass das Bibliotheksexemplar dem Verleger 
Käufer abwendig macht, darf nicht ernstlich gerechnet werden. Wer ein Buch 
lange, öfter oder immer braucht, kauft es doch; die andern Benützer kaufen es 
nicht, auch wenn es nicht an der Landes-Bibliothek zu finden ist; sie suchen es 
in der Museums-, in der Volks-Bibliothek, in Leih- und Vereins-Bibliotheken, 
entlehnen es bei einem Bekannten oder gar beim Verleger selbst als Ansichts- 
sendung. Lästig ist ohne Zweifel die Zustellung der Pflichtexemplare; doch auch 
hier bilden diese einen so kleinen Theil der übrigen Sendungen und Zustellungen, 
dass sie kaum Kosten verursachen ; auswärtige Sendungen sind überdies portofrei. 


— 123 — 


Der Verkäufer zieht alle seine Kosten bei der Bewertung seiner Ware in 
Berechnung und überwälzt seine Auslagen auf den Käufer. Dieser trägt die 
Lasten. Auch der Verlagsbuchhändler kann die Frei- und die wenigen Pficht- 
exemplare bei der Bemessung des Ladenpreises seiner Verlagsartikel in Rechnung 
ziehen, wobei die letzteren den Preis nicht beeinflussen werden. Der Concurrenz- 
fähigkeit machen die Pflichtexemplare keinen Eintrag; denn wenn sie selbst 
einen kleinen Preisaufschlag nothwendig machen würden, so sind doch die 
Druckschriften selbst im Gegensatz zu andern Gewerbsartikeln nicht nur durch 
. ihre Individualitát, sondern auch durch die Gesetzgebung gegen Concurrenz 
geschützt. Auf die Begünstigung des Verlagsgewerbes durch den gesetzlichen 
Schutz des literarischen Eigenthums soll auch hingewiesen werden, wenn über 
die Sonderbesteuerung dieses Gewerbes, welche mit dem Grundsatz der gleichen 
Besteuerung aller Staatsbürger nicht vereinbar sei, geklagt wird. 


Wollte man das Ideal der gerechten Besteuerung erreichen, dann müssten 
wohl zuerst andere drückendere Steuern und der Allgemeinheit zu bringende 
Opfer auf das gerechte Maß festgesetzt werden, Schließlich lässt sich nicht 
bestreiten, dass vom Standpunkte strengster Gerechtigkeit aus zu den besonderen 
Ausgaben des Staates diejenigen, die davon den größten Nutzen haben oder 
zu haben scheinen, am meisten herangezogen werden müssten. Der größte Theil 
des Aufwandes für die Staats-Bibliotheken kommt aber den gelehrten Kreisen 
zugute und, soweit die Benützung der Bibliothekswerke einen literarischen 
Niederschlag zur Folge hat, auch dem Verlagsbuchliandel. Will man daran fest- 
halten, dass die Press-Erzeugnisse eines Landes an einer Öffentlichen Landes- 
Bibliothek aufbewahrt werden und zugänglich sein sollen, dann ist die geringe 
Belastung der Verleger mit den Pflichtexemplaren leichter zu rechtfertigen als 
die sonst keinem Gewerbe zugestandene Begünstigung, dass jenen auf Kosten 
aller Steuerträger die Verlagsschriften um den Ladenpreis abgekauft werden 
müssten. Was dies für den Staatsschatz bedeuten würde, lehrt schon ein Blick 
auf die Riesenzahl der Österreichischen Zeitungen und die enorme Summe, die 
ihr Abonnement beanspruchen würde; für die Verleger dagegen bedeutet das 
Pflichtexemplar selten mehr als den Papierwert. 


Wenn der Pressausschuss des Abgeordnetenhauses in seinem Berichte 
vom Jahre 1877 aufmerksam macht, dass die nach $ 17 des Pressgesetzes 
abzuliefernden Pflichtexemplare (Zeitungen und kleine Druck- 
schriften bis zu 5 Bogen), deren käufliche Eıwerbung für die Bibliotheken 
‘allerdings die drückendste Last wäre, ohnehin bibliothekarischen 
Zwecken zugeführt werden können, so muss dies bestritten werden. Alle 
diese Hefte, Nummern und Blätter müssen nach $ 6 der Amts-Instruction zum 
Vollzuge des Pressgesetzes mit dem Vermerk über den Zeitpunkt der Übergabe 
und dem Namenszug des übernehmenden Beamten versehen werden, kämen also 
an die Bibliothek in einem untauglichen oder eines solchen Institutes wenig 
würdigen Zustande. Dazu müssen häufig Nummern und Hefte von den Be- 
hórden zu Amtszwecken zurückbehalten werden, und überdies kommen von 
nummernreichen Druckschriften, die aus zweiter Hand und vielleicht in längeren 
Fristen übernommen werden, selten vollständige Exemplare zustande. Da 
besonders Zeitungsnummern oft rasch vergriffen sind, lassen sich dann Defecte 
häufig nicht mehr ergänzen. 


— 124 — 


Sonst erwáchst aus den Pfichtexemplaren den Verlegern keiu solcher 
Nachtheil, der dieses Gewerbe in seinen Lebensbedingungen, zumal in der Con- 
currenz mit dem Auslande, wo ja eine solche Verpflichtung zumeist besteht, zu 
schüdigen geeignet ist. Das Opfer des Verlegers entspricht in den meisten 
Fällen nur dem Papierwert des Exemplars und stellt eine ungleich kleinere und 
billigere Belastung dar, als die Begünstigung des Verlagshandels wäre, wenn 
der Staat alle inländischen Druckschriften ankaufen müsste. Der Verleger gewinnt 
durch die Aufhebung der Pflichtexemplare fast nichts, die Allgemeinheit verliert 
aber unersetzlich viel: die wohlgeordneten, allgemein benützbaren Sammlungen 
der literarischen Landesproducte. Denn wenn auch der Ankauf aller Press- 
Erzeugnisse des Reiches für die Staats-Bibliotheken beschlossen würde, in 
kurzer Zeit würde die Überzeugung, dass dieses Opfer zu groß sei, diesen 
Käufen der Zeitungen, Gebet- und Schulbücher, Jugendschriften etc. ein Ende 
bereiten. Ohne Pflichtexemplare ist die Sammlung und Er- 
haltung vollständiger Bibliotheken der Landesliteratur 
unmöglich. 

Sind nun aber solche Sammlungen wirklich unerläss- 
lich nothwendig? | 

Die Einsicht, dass die Kenntnis der Entwicklung jeglicher Art Cultur das 
beste Mittel für den Fortschritt in der Cultur ist, hat dazu geführt, alles, was 
der Zeit ihr Gepräge gibt, möglichst vollständig zu sammeln. Der Aufschwung 
des Sammelwesens, insbesondere soweit es sich in den verschiedenen großen 
Museen concentriert, ist geradezu eine Signatur unserer Zeit geworden. Auch 
das scheinbar Unbedeutende wird nicht oder nicht mehr ausgeschlossen: einer 
späteren Zeit, deren retrospectives Urtheil unbefangener als das unsere sein 
wird, wird sich vielfach auch das Kleine, von uns nicht Gewürdigte als ein 
nothwendiges Glied in der Culturentwicklung darstellen. So wäre auch das Bild 
von dem literarischen Leben und von den literarischen Bedürfnissen einer Zeit 
und eines Landes ein unvollständiges, wenn nicht die literarischen Producte der 
einzelnen Länder an einer Anstalt des Landes gesaminelt sich vorfänden. In 
diesen. Sammlungen werden gerade die heute anscheinend minderwertigen 
Druckschriften dadurch wichtig werden, dass sie vielfach zu den größten 
Seltenheiten geliören werden. Die kleinen oft nur auf vorübergehenden Erfolg 
berechneten Druckschriften werden, wenn sie nicht mehr actuell sind, beseitigt; 
ihre Masse ist zu groß, der Raum in den Privatwohnungen zu beengt, die Ver- 
wertbarkeit auf dem Büchermarkte ausgeschlossen. Für bibliographische Arbeiten 
aller Art sind aber die kleinen Druckschriften so unentbehrlich wie die großen. 
Was die Localpresse für die Localgeschichte bedeutet, braucht nicht hervor- 
gehoben zu werden; dass sie unentbehrliches Material auch für wissenschaftliche 
Arbeiten jeder Art selbst im Unscheinbarsten bietet, beweisen Arbeiten im 
Gebiete der Wirtschaftsgeschichte, welche Marktberichte, Preisnotierungen ver- 
werten, der Meteorologie, der Kunst (z. B. Theaternachrichten) u. s. w. Wenn 
schon im Lande selbst die literarischen Landesproducte nicht mehr zu finden 
sind, welche mühsamen, kostspieligen, zeitraubenden Nachforschungen nach ihnen 
werden dadurch veranlasst werden und trotzdem oft vergeblich! Summiert man 
diese Fülle, dann ist das Opfer, das von den Verlegern verlangt wird, wohl 
gering gegen den Nutzen, den es der Allgemeinheit bringt. Und in dieser 
Allgemeinheit sind auch die Verlagshändler einbegriffen. Leithe äußerte 


aa ët y Mb eM, y: 


sich hierüber in folgender Weise: „Die tägliche Erfahrung zeigt, dass 
gerade die Verleger, Drucker, hedacteure ete. von dem bestehenden Gesetze 
Nutzen ziehen, indem die Fälle in unserer bibliothek [Universitàts-Bibliothek 
in Wien] gar nicht selten sind, dass Buchhandlungen nach einem in ihrem 
eigenen Verlage erschienenen, jetzt völlig vergriffenen Werke oder einer nicht 
mehr erhältlichen Auflage, Zeitungsredactionen nach früheren Jahrgüngen oder 
einzelnen Nummern ihres eigenen Blattes fragen, die sie nicht mehr haben und 
nur selten vollständig aufbewahren.“ 


Auf Vollständigkeit der Bibliotheca patria dringt auch der Unterrichts- 
ministerial-Erlass vom 6. Juni 1857, Zahl 9631,534, mit der ausgezeichneten Be- 
eründung: „Es ist zwar nicht zu leugnen, dass viele dieser Druckschriften, 
namentlich der periodischen Presse, überdies die sogenannten Flug- und Ge- 
legenheitsschriften oft ein ephemeres, ja selbst für den Augenblick ihres Er- 
scheinens kaum erhebliches Interesse bieten, daher auch von den Bibliotheken 
als unnitz und wertlos beseitigt werden; und doch ist es zumeist bei diesen 
Schriften die Zeit und ihre geänderte Anschauungsweise, welche den Wert 
dieser Druckschriften bedingt und sie nicht selten zu den wichtigsten Quellen 
geschichtlicher, insbesondere culturgeschichtlicher Forschungen gestaltet .... 
Jeder Bibliothekar muss unausgesetzt im Auge behalten, dass er in dieser Be- 
ziehung nicht sowohl für die (Gegenwart, als vielmehr für spätere Zeiten ein 
schätzbares Material aufzusammeln und aufzubewahren hat.“ 


Das ist die Bedeutung des Institutes der Pflichtexemplare. Ihm wird 
Lienbacher (Die Pressfreiheit. Wien 1561, S. 23) gerecht, wenn er seine 
Bestimmung hervorhebt, die nationalen Geistesproducte zu ehrenden Denkmálern 
aufzuspeichern, deren Benützung allen zugänglich zu machen und selbst mindere 
Erzeugnisse nationaler Kunst und Wissenschaft vor gänzlichem Verluste zu 
sichern, weshalb der Zweck dieser Püichtexemplare ein politisch-nationaler zu 
nennen sei. 


Liszt (Encyklopädie der Rechtswissenschaften von Franz v. Holtzendoiff, 
2. Theil, 3. Bd. 1. Heft, 3. Aufl., Leipzig 1981, S. 141) sieht aber in den „Frei- 
exemplaren‘, die (regelmäßig von dem Verleger) an Behörden und Bibliotheken 
abgeliefert werden müssen, lediglich eine billige Bereicherung gewisser Bücher- 
Sammlungen, die überdies nur zum Theil der Benützung durch das Publicum 
offen stehen. „Für diese Art der Bereicherung spricht nur ihre Billigkeit gegen 
sie, ganz abgesehen davon, dass sie der Staatsgewalt wenig würdig ist, die 
schwere Last (^, die sie gewissen Pressgewerben aufbürdet (im Jahr 1874 haben 
die einzelnen österreichischen Verlagshandlungen je 300 bis 1500 fl. in Frei- 
exempla:en abgeliefert^.* *) 


Das deutsche Parlament hat die PHichtexemplare nicht beseitigt, das 
Reichs-Pressgesetz von 1874 überlieB diese Frage den Landesgesetzen; Liszt 
schreibt über die gegensätzlichen Standpunkte: „Die Klagen der deutschen Buch- 
händler hatten zwar lautes Echo im deutschen Parlamente gefunden, aber anderer- 
seits betonte man die Interessen der akademischen Institute und wies auf den 





*) Man vergleiche damit den oben behandelten Motivenbericht des Oster- 


reichischen Press-Ausschusses vom Jahre 1817. 
11 





= 106. 


unersetzlichen Wert hin, den vollstándige Sammlungen aller im Lande er- 
schienenen literarischen Erzeugnisse für die künftige Geschichtschreibung hátten.* 

Von größter Bedeutung in dem Kampfe für und gegen die Pflichtexemplare 
sind die Erfahrungen, die man mit ihrer Aufhebung gemacht hat. Das 
sächsische Pressgesetz vom 24. März 1870 hat die Pflichtexemplare abgeschafft, 
im gleichen Jahre wurde aber auch die Dotation der Landes-Bibliotheken um 
je 2000 Thaler erhöht. Trotzdem traten bald Verhältnisse ein, die den Raths- 
Archivar Otto Richter zu seiner Schrift: Ein Nothstand bei den sächsischen 
Bibliotheken, Dresden 1879. 8% veranlassten. Richter hebt darin hervor. 
dass unzählige kleinere Schriften, obwohl sie dem einzelnen Forscher 
den besten und unentbehrlichsten Stoff bieten, doch theils der Beachtung 
des Bibliothekars entgehen, theils überhaupt um Geld nicht beschafft werden 
können, sondern sich nur durch gesetzliche Zwangsmaßregeln zusammenbringen 
und rechtzeitig vor dem völligen Untergange bewahren lassen. In der Be- 
sprechung dieser Schrift macht Hartwig (Neuer Anzeiger für Bibliographie und 
Bibliothekswissenschaft, Jahrgang 1880, Dresden 1850. 8%. S. 164 ff) darauf 
aufmerksam, dass, wenn auch der Nothstand zunáchst nur ein sáchsischer sei, 
derselbe doch ein allgemeiner deutscher zu werden drohe. „Dieses nicht nur zu 
verhindern, sondern hiergegen in einer Weise gehörig vorzugehen, die den in Sachsen 
schon hereingebrochenen Nothstand ein- für allemal in Deutschland unmöglich 
macht, scheint eine Aufgabe zu sein, der wir uns aus Rücksicht auf uuseie 
Literatur auf die Dauer nicht werden entziehen kónnen.* 

Im Centralblatt für Bibliothekswesen, 8. Jahrgang 1891 findet sich auf 
S. 511 folgeude Notiz: ,Es mag für Dibliotheken unangenehm sein, Pflicht- 
exemplare, namentlich Zeitungen, aufheben zu müssen. Geschieht dies aber nicht 
von ihnen, so sind periodische Schriften, die doch hóchst wichtig werden kónnen, 
wenn auch zumeist nur in einzelnen Fällen, zu háufig dem gàuzlichen Ver- 
schwinden anheiıgegeben. Wer sich für ein bestimmtes kleineres Gebiet 
von der Richtigkeit dieser Behauptung, selbst für die neueste Zeit, überzeugen 
will, mag nur die Anfragen nachlesen, die Herr J. Nebelthau in Nr. 17 der Zeit- 
schrift „Hessenland* vom Jahre 1391 in Betreff „hessischer Zeitungen“ erlässt. 
Die praktischen Engländer, bei denen duch sonst die Ideen von Staatsoinnipotenz 
nicht allzu stark entwickelt sind, rd daher in diesem Puukte ganz anders, 
als vielfach bei uns der Fall ist . 

Der vom österreichischen dei im Jahre 1877 Nidetepruclis]ub 
gefasste Beschluss, dass der $ 18 des Pressgesetzes aufzuheben sei, zeugt von 


einer ziemlich allgemeinen Abneigung gegen die Pflichtexemplare, Nicht am. 


wenigsten dürfte dazu die Zahl der verlangten Exemplare 
beigetragen haben. Es lässt sich nicht leugnen, dass die Einrichtung selbst deu 
Schein einer Uubilligkeit gegen sich hat; umsomehr muss alles vermieden 
werden, was Anlass zu einer begründeten Klage geben könnte. Bezüglich der 
zwei an die Hof- und an die betreffende Landes-Bibliothek zugewiesenen Pflicht- 
exemplare besteht über ihre gemeinnützige Verwendung kein Zweifel; die 
andern Pflichtexemplare mógen nocli so gut verwendet werden, das Gesetz schreibt 
keinen Zweck vor, dem sie zugeführt werden müssen, es schreibt überhaupt nicht 
vor, dass über ihre Verwendung Rechenschaft gegeben werden muss. Selbst 
Leithe äußerte sich damals, als das Ende der Pflichtexemplare gekominen schien 
und der Vorstand der Studien-Dibliothek in Olmütz Erleichterungen für die 


= 


Verleger in Vorschlag brachte, dahin. dass, da die Abgabe der Pflichtexemplare, 
abgesehen vom presspolizeilichen Gesiclitspunkte, nur durch den Zweck der An- 
sammlung und Aufbewahrung der vaterlündischen Literatur in Öffentlichen, für 
jedermann zugänglichen Bibliotheken sich rechtfertige, es recht wohl möglich, ja 
vielleicht sogar geboten sei, fortan nur mehr die öffentlichen Staats-Bibliotheken 
inclusire der Hof-Bibliothek zu ihrem Bezuge zu berechtigen. 

Es bleibt natürlich immerhin interessant, dass das Gesetz das zweite 
Pilichtexemplar nicht auch einer Staats-Bibliothek zuwendet, sondern der größten, 
der Hof-Bibliothek, die in einem Hofkanzlei-Decrete vom 20. Juni 1808 aller- 
dings eine „gemeinnützige Anstalt“ gepannt wurde, aber dem Einflusse der 
Staatsverwaltung entzogen ist, einer Anstalt. deren eigenthümliche Verhältnisse 
die Unterrichtsverwaltung zwaugen, auch die Wiener Universitüts-Bibliothek zu 
einer wissenschaftlichen Central-Bibliothek auszugestalten. Würde der in den 
Mittheilungen des österreichischen Vereines für Bibliothekswesen Jahrgang V, 
S. 106 erwähnte Plan, die Bibliothek des Ministeriums des Innern in eine 
Reichs-Bibliothek der österreichischen Druckschriften umzuwandeln, verwirklicht, 
dann müsste entweder die Zahl der pressgewerblichen Pflichtexemplare mit 
wenigstens drei festgesetzt werden oder, wenn das Gesetz nur zwei verlangt, 
das Bezugsrecht der Hof-Bibliothek an diese Reichs-Bibliothek übergehen; diese 
würde ja nur von den Pflichtexemplaren leben. 

Auch der eingangs dieser Abhandlung erwähnte Antrag des Abgeordneten 
Pacik und Genossen strebt eine Herabsetzung der Zahl der Pflichtexentplare 
an und verlangt die pressgewerblithen nur mehr für die Hof-Bibliothek uud 
die dnrch besondere Kundmachung der Landesbehörde zu bezeichnende Universitäts- 
und Moseums-Bibliothek. Da Universitäts- und Museums-Bibliotheken neben- 
einander bestehen, verlangt dieser Antrag drei Pflichtexeinplare. Die Studien- 
Bibliotheken und jene Anstalten, welche sie im Küstenlande und in Schlesien 
vertreten, würden aufhören die Bibliotheca patria ihres Landes zu sammeln, 
sondern ihre Landesbehórde würde die literarischen Producte des Kronlandes 
einer auswärtigen Universitäts-Bibliothek zuweisen, z. B. die „Linzer Tages- 
Post“ vielleicht einige Jahre lang der Wiener. dann der Innsbrucker Universitäts- 
Bibliothek. Und die Evidenzhaltung der Pflichtexemplare? Ferner wären die 
Landesbehörden ermächtigt, ein Pflichtexemplar einer Museums-Bibliothek zu- 
zuwenden, beziehungsweise, wenn deren mehrere im Lande sind, die Pflicht- 
exemplare aufzutheilen. Verdruss ohne Ende. Zudem sind die Provinz-Bibliotheken, 
welche Landes- oder Gemeinde- oder Vereinsbesitz sind, dem Staate gegen- 
über rücksichtlieh ihres Eigenthums 'nicht verantwortlich und daher auch be- 
zürlich derzugewiesenen Pflichtexemplare zu nichts verpflichtet, und der Pacákische 
Antrag verpflichtet sie auch zu nichts. Man möge den Provincial-Museen die 
8 17-PHlichteremplare zuwenden und die Doubletten von  Pflichtexemplareu 
der staatlichen Landes-Bibliothek, wie dies für Tirol durch den Unterrichts- 
Ministerial-Erlass vom 8. November 1900 Z. 30857, gestattet ist, aber man 
berechtige sie nicht zur Einhebung von Pflichtexemplaren, denn das brächte die 
Pflichtexemplare überhaupt um und damit ist dann auch den Museen nicht 
geliolfen. OMS | 

Sollte der Abgeordnete Pacák in seinem fünfmal aufgelegten Antrage statt 
„Unirersitäts- und Museuns-Bibliothek* ‘gemeint haben: „Universitäts- oder 
Studien-Bibliothek*? ` | GE | 


11* 


— 125 — 


Im Interesse des durchaus gemeinnützigen Institutes der Pflichtexemplare 
ist es gelegen, ihre Zahlaufdasnothwendigste zu beschränken 
und zugleich im Gesetze festzustellen, dass aus dem Bezuge der Pflichtexemplare 
für den Staat die Pflichterwachse, diese Druckschriften dauernd 
aufzubewahren und allgemein zugänglich zu machen. 


Entwicklung der k. k. Studien-Bibliothek in 
Olmütz. 


Von Willibald Müller. 


Mit Gubernialdecret vom 11. August 1775 wurde die Bibliothek des auf- 
gehobenen Jesuitenordens in Olmütz zur „öffentlichen Universitäts- 
Bibliothek“ erklärt und erhielt sie ihre Leseordnung und Stundeneintheilung. 
Auch in dem Hofdecrete vom 30. April 1778, welches die Dienstesinstraction 
für die Bibliothek enthält, ist das Princip der Öffentlichkeit für die Anstalt 
ausdrücklich hervorgehoben, 

Indessen folgte die Bibliothek noch in demselben Jahre der Universität 
nach Brü un und kehrte erst 1755 als Lyceal-Bibliothek wieder nach 
Olmütz zurück. Als solche wurde sie am 2. April 1787 durch Eröffnung des 
Lesezimmers tbatsächlich der Öffentlichkeit übergeben. Jedermann — „Livree- 
bediente ausgenommen“ — hatte Zutritt in das Lesezimmer, die Berechtigung 
des Ausleihens von Büchern hatten jedoch nur die Professoren des Lyceums. 

Wir müssen also die Bibliothek gleich von allem Anfange an als einen 
Bestandtheil des Lyceums, später der Universität betrachten; als „üffentliche* 
Bibliothek trat sie stets in den Hintergrund und steht sie heute noch an 
zweiter Stelle. 

Nach Aufbebung der Olmützer Universität, die 1328 neu erstanden war, 
erhielt sie im Jahre 1560 den Titel einer Studien-Bibliothek mit der 
Bestimmung, zunächst den wissenschaftlichen Bedürfnissen sämmtlicher Lehr- 
personen der Olmützer Studienanstalten zu dienen, und in zweiter Linie, dem 
Lesebedürfnisse auch der Schüler entgegenzukommen, Nebenbei steht sie der 
Öffentlichkeit insofern zur Verfügung, als der Besuch des Lesezimmers jeder- 
mann gestattet ist und auch Personen ohne Entlehnungsberechtigung gegen 
Erlag einer entsprechenden Caution Bücher nach auswärts erhalten, Im übrigen 
hat sich der Kreis der zum Entlelinen berechtigten Personen nach und nach be- 
deutend erweitert, Er umfasst seit dem Jahre 1899 auch sämmtliche Volks- und 
Bürgerschulen in Mähren, und diese machen von der Entlehnungsberechtigung 
thatsächlich fleißigen Gebrauch, insbesondere seitdem ein kleiner gedruckter 
Katalog, enthaltend die neuere, in der k. k. Studien-Bibliothek vorhandene 
Literatur, zur Verfügung steht. Trotzdem gilt mutatis mutandis auch für die 
k. k. Studien-Bibliothek in Olmiitz, was College Dr. Ortner schon am 8. Mai 
1897 von der Studien-Bibliothek in Klagenfurt gesagt hat, und ich kann mich 
dem von ihm so wohl begründeten Verlangen nach einer Reform der Studien- 
Bibliotheken nur überzeugungsvoll anschlieDen. 

Losgelöst von dem wissenschaftlichen Körper, dem die Bibliothek einstens 
als nützliches Glied angehörte, ja, auch losgelöst von den Studienanstalten, denen. 
sie heute dienen soll — deun alle diese Lehranstalten besitzen ja längst eigene- 


e E IZ N E a E E 


berg, ii wm wl 


— 129 — 


Lehrer- und Schüler-Bibliotheken — steht die Bibliothek heute als ein Institut 
vor der Erfüllung eines Pflichtenkreises, der wie ein Nebelbild hin und her 
schwankt, mit dem jeder Bibliotheksvorstand machen kann, was er will. 

Dr. Ortner hat vollkommen recht, wenu er die Forderung erhebt, die 
Studien-Bibliotheken in den Dienst der Volksbildung zu stellen, wenn er ver- 
langt, dass man die Studien-Bibliotheken mit je einem geeigneten Vortragssaale 
verbinde und unter den Auspicien der k. k. Unterrichtsverwaltung volksthümliche 
Curse und Vorträge einrichte zu dem Zwecke, über den Rahmen unserer Schul- 

“lehrpläne binaus der Bevölkerung, auch den reiferen unter den Studierenden 
allgemeine und sachliche, nicht zuletzt historische. sociologische, staatswissen- 
schaftliche, ethische Bildung zu vermitteln. 

Ich darf wohl voraussetzen. dass das in der Versammlung unseres Fach- 
vereines am 16. März zur Berathung des Schubert'schen Antrages wegen Er- 
richtung von Volksbildunge-Bibliotheken eingesetzte Comité, an dessen Spitze 
der hier am meisten berufene Fachmann Professor Reyer steht. nicht gleichgiltig 
an der Reformfrage der Studien-Bibliotheken vorübergehen wird, und begnüge 
mich mit dem Hinweise darauf, dass vernünftige Reformvorschläge gewiss dem 
vollsten entgegenkommenden Verständnissesowohl desk. k. Unterrichtsininisteriums 
als auch der betheiligten Vorstände begegnen werden. 

Die zu einer vernünftigen Reform nöthigen Geldmittel sind geradezu 
lächerlich bescheiden, wenn man sie den hunderten von Millionen Kronen ent- 
gegen hält, die der Staat für voikswirtschaftliche und militärische Zwecke aus- 
zugeben im Begriffe stelit, und stellen gewiss kein Reformlindernis dar. 

Ich habe die Geschichte der Studien-Bibliothek in Olimütz an anderer 
Stelle (Zeitschrift des Deutschen Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens, 
Jahrgang 1901, S. 139 ff.) ausführlich erzählt und kann mich hier auf kurze 
Erlänterungen zur nachstehenden Tabelle, die eine Geschichte der Bibliothek 
in Ziffern darstellt, beschräuken. Die Conturen des Ziffernbildes sind zwar nicht 
vollständig, weil sich manche Angaben nicht mehr aus den Acten sicherstellen 
lassen; vollständig sind nur die Daten über persönliche Ausgaben und Dotationen, 
in den Angaben über Regie und Gebäudeerhaltung musste zu Wahrscheinlichkeits- 
werten gegriffen werden, die aber wohl der Wirklichkeit ziemlich nahekommen. 

Der Numerus currens — ich bezeichne mit diesem terminus die Ge- 
sammitzahl der vorlıandenen Werke — erscheint erst spät auf der Bildfläche der 
Ziffern, und erst vom Jalire 1876 angefangen gehört er zum bleibendnn Bestande 
des Jahresberichtes. Vorher begnügte man sich mit der Zählung der Bände — 
Druckschriften über 100 Seiten umfassend — beziehungsweise Stücke — Druck- 
schriften mit weniger als 100 Seiten — denen aber häufig genug die Schwankungs- 
beiwörter „beiläufig“, „ungefähr“ beigesetzt erscheinen. Vor Ssylhawi unter- 
schied man sogar Bände, Hefte und Stücke. Unter Heften verstand man Druck- 
schriften von 20 bis’100, unter Stücken Druckschriften von 1 bis 20 Seiten. Für 
die nachfolgende Tabelle wurden nicht ohne Absicht die Kopfbezeichnungen : 
Handschriftenbinde, Incunabelbände und Druckschriftenbände gewählt, um an- 
zudeuten. dass thatsüchlich Buchindividuen oder , Buchbinderbünde* gemeint sind. 

Der Durchschnittszuwachs für das Jahr beläuft sich seit dem Jahre 1528 
auf 550 Bände; indem gleichen Zeitraume stellt sich die Summe der Auslagen 
(Personalauslagen, Regie und Dotation) auf den Jahresdurchschnitt von nahezu 

4300 fl. 


— 130 — 


Im ganzen hat die k. k. Studien-Bibliothek eine Thätigkeit von 123 Jahren. 
hinter sich. Ihre Geschichte zerfällt in die in der Tabelle angedeuteten Epochen 
der Vorbereitung bis zum Jahre 1787, der Lyceal-Bibliothek bis zum Jahre 1823 
der Universitäts-Bibliothek bis zum Jahre 1860 und der Studien- -Bibliotbek bis 
zum Schlusse des 19. Jahrhunderts. 


Als Verwaltungs-Vorstände der Bibliothek denken 
^ Bibliothekar Johann Alois Hanke bis zum Jahre 1790; 
. Bibliothekar Josef Ernst Karmaschek bis zum Jahre 1809; 
S provisorisch Custos Karl Koeller bis zum Jahre 1813; 
4. Michael Wenzel Voigt, Director des philosophischen Studiums, bis 
zum Jahre 1820; 
o. Regierungsrath Thomas Powondra bis zum Jahre 1824: 
6. Bibliothekar Dr. Franz Xaver Richter bis zum Jahre 1845; 











7. Schulrath Dr. Johann Ssylhawi bis zum Jahre 1850; 
8. Bibliothekar Franz Skyba bis zum Jahre 1874; 
9. Custos Dr. Alois Müller bis zum Jahre 1879; 
.10. Custos Joliann Sebastian Hausmann bis zum Jahre 1892 und 
11. seit 26. November 1892 der Schreiber dieser Zeilen. 
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K. k. Lvceal-Bibliothek 
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1802 1500| — 451 14 346 54 ‘ e 28,473 . 1.465 
1803 1658 — 220| — 509/52 À ; , 28,646 s 2.291 
1894 1658 — 148 25 335) — k e - 28.101 . | 2.656 
1805 1658, — 215 905/26 - - : 25.816 9 617 
1806 1658| — 520| - 100/14 25.588 1.984 
1507 1658| — 165 27 600| - r . . 28.972 > 612 
1305 1658; — 170 15 720) — È d i 29.043 ) 001 
1809 1000| — 148 30 600| — id 3 29.125 : 1.660 
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1811 750 945 18 600 ). 201 KU 
1812 150) —- 235/36 190,47 ; A 26.200) | Jdol 
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1815 1670) — 205/49 664/21 : i i . : 3.812 
1816 1610; — 843 16 664/21 , e . > 3.857 
1817 || 2070| — 180) — 986/21 i , : | 4.826 
1518 2070| — 197 15 5 1916.42 |! . - l A | 680 
1819 2010 j 217 04 552 20 . . i s : 3.093) 
1820 2070) — 584 - 552/20 ; i 3.939! 
1821 2070| — ' 1565,58 552/20 à È E . 6.854 
1822 || 2070| — *210| — 552/20 ; ; . 12.452 
1823 1470, — | | *210| — 55220 , , 10,15 
1924 || 1470 — | “2101 — 552/20 . e | 3.412 
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1827 || 2070 — | *210) — 1005 45 i 3.092 


K. k. Universitàts-Bibliothek. 








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1831 , 2070 — | *210 — 10 —| > 39.508 1913| — 5.790 
1832 | 5070 — *210| — 1050) — : 39.686 1835 4.660| 
| 1833 || 2070! — | 210 —| 73520 | . 39.995 2141 6.020 — . 
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6.626 497 
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5.619, 625 
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8098 2103 
7214 3509 
8715, 3334 
7024 3116 
1828 Sec 
$100 2162, 
69534 2418 
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4933 3016; 
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1892 2715! — 365, -- 1200 — | 55.451 1008| 1039: 66.944! 8.459 5967 2662 
1893 || 4225 — 34, — 1200 — | 99 141 1008) 1039| 67.414 8.705 8374 3094 
1894 4225| — 711 — pones 56.04] 1008| 1089| 67.985 8.909 7515 4204 
1895 4225! — 974| -- 1400 — ' 56.841 1008 1039: 68.416 9.156, 7166 2560 
1896! 4225’ — 3:111 — | 1215 S 56.716] 1008! 1039 68.966; 9.418|  8606| 4075 
1897 | 4223) — 394| — | 12061 — '57.076 1008| 103% 69.546; 9.926) 9241 4009 
1898 | 5850 — 394 — 57576) 1608! 1089 70091! 10.366| 7434 3655 
|1899 | 6075| — 3501 — | 13985, — 57976 1008) 1039 70. 524. 10.673)  7426| 4103 
| = 60753! — 





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Anmerkungen: 

* Die mit einem * bezeichneten Angaben sind Wahrscheinlichkeitswerte. 

! Übersiedlung nach Brünn. 

2? Ankauf des Papieres für den alphabetischen und systematischen Katalog. 

3 Adaptierung der Eıclarissenkirche und Übersiedlung nach Olmütz. 

4 Schätzung des Joh. Alois Hanke bei Erüffnung des Lesezimmers in 
Olmütz am 2. April 1787. 

5 Der hier in den Jahren 1788—1818 eingestellte Zuwachs beruht auf 
einem Accessionsjournal, das nur den Ankauf enthält. 

6 Über den Ausleihverkehr bis zum Jahre 1801 sind keine Angaben 
vorhanden. 

? Adaptierung der Bibliothekarswohnung. 

$ Zur Anschaffung von Kinrichtungsgegenständen allein fl. 552.20. 

9 Reconstruction der Decke im Lesezimmer. 

10 Vom 20. August bis Ende December war die Bibliothek geschlossen. 

1 Ausleihfülle vom 1. Jänner bis Ende August. 

12 Von 1818 bis 1825 finden sich keine Angaben über die Vermehrung 
der Bibliothek. i 

13 Neuherstellung des Lesezimmers im ersten Stockwerke. 

4 Der äußere Entlehnungsverkehr bis zum Jahre 1845 ist ein unbedeutender, 
da die Ausleihberechtigung bloß auf die Lyceal- beziehungsweise Universitàts- 
Professoren beschrünkt ist. 

5 Adaptierung sAmmtlicher Localitäten. 

. '5 Vom Jahre 1883 angefangen werden die Handschriften-, sowie die 
'Incunabelbünde separat gezühlt. Die hier angeführten Zahlen geben die Zalıl 
der Bände. Der Gesammtbestand an Einzeldrucken des 15. Jahrhunderts beträgt 
1765 Stücke, unter denen sich etwa 800 Doubletten befinden. Die Gesammtzahl 
der in den 1008 Manuscriptbänden enthaltenen Einzelschriften dürfte 2350 
betragen, doch hat die Neukatalogisierung des Handschriftenbestandes erst 


begonnen. 


| | | 


12 


LIEU" UN. 2. — — — A1 


HA m ode mi - 


— 1834 — 


Hehlnamen salzburgischer Schriftsteller. 


Von Dr. Anton Hittmair. 


I. Nach den Hehlnamen alpha- | Lebbaeus Renuza = Zauner, Judas 


betisch geordnet. ‚ Thaddäus. 
ee . . . |Liebrecht, F. G. = Schwarzhueber, 
Adeisidaimon Philoromaios = Gasparis | q; 
Simpert. 


i EE GE x ‘a Th Mirzroth, Dr. = Barach. Moriz. 
ricanus=Ledochowska, Marie Therese | 17 karius — Schleifer, Betty. 


Gräfin. 
Aliquis — Doblhoff, Josef Frh. v. 
(Apollonius Lavinganus = Gietinger, 


Mison Erythraeus, s. Erythraeus. 
Peregrinus,Johannes=Hupfauf, Johannes 


Apollonius.) * Peregrinus. 
a — M: Atomet Tose Petterovich, Szandor = Petter, Alexander 
= Mame Antoinette V. 5080202 | promorkerng]. Dr, —— Ledermüller, Franz 


Erzherzogin. 
Audifax = Demel, Karl. 
Bürwangerhartl = Strele - Bärwangen 
Richard v. 
Bergen, Leo = Troll-Borostyäni, Irma v. 
Carlopago — Ziegler, Karl. 
Chillonius = Doblhoff, Josef Frh. v. 
(Conrad von Salzburg =  Wirfl 
Conrad). *) 
Deviloff Paul — Doblhoff, Josef Frh. v. 
Dodo Richeas = Aicher, Otto. 
Egalis, Heinrich = Pindter, Heinrich. 


Rathe, J. C. P. — Stainhauser v. Treu- 
berg, Johann Philipp. 

Renuza, Lebbaeus, s. Lebbaeus. 

Rhol, J. C. P. v. 2 Stainhauser v. Treu- 
berg, Johann Philipp. 

Richeas, Dodo, s. Dodo. 

Salzburger, E. = Scheirl, Franz F. 

? | Seebach, Hans = Demel, Hans. 

Stein, Friedrich v. = Wrede, Egon 
Ignaz Friedrich Otto Fürst. 

Stoaner Sepp, Stoanersepp = Steiner 

I Josef. 

Eichelburg, Wendelin v. = Brunner, Veritas = Troll-Borostydni, Irma v. 


Josef. ung 
Elisáus — Huber, Franz Xaver. Verus, A. = Posselt-Csorich A. 


Erythraeus, Mison —Rettenpacher, Simon. 2. Nach den Verfassernamen 


Essen, Max v. —  Eissenstein - Lhotta, ; isch d 
Arthur Frh. von und zu. | chronologisch geordnet. 


Faber, Tertullian — Schmid, Xaver. 17. Jahrhundert. 

Fery, M. = Miskich, Franz v. Aicher, Otto = Dodo Richeas. 

Fink von Mattsee = Radnitzky, August. (Gietinger, Apollonius = Apollonius 

Giselbert = Schwer, Josef Alexander. | Lavinganus.) 

Halka, Alexander = Ledochowska, Marie Rettenpacher, Simon = Mison Ery- 
Therese Gräfin. thraeus. 

Heinrich von der Mattig = Wallmann, (Wirfl, Conrad — Conrad von Salzburg). 


Heinrich. E. | 
Hoku-Poku, Dr. = Strele-Bärwangen, 18. Jahrhundert. 

Richard v. Gasparis de Novomonte, Johann B. = 
Hubert = Huber, Josef. Adeisidaimon Philoromaios. 
Kildar, Paul = Karner, Franz. Huber, Franz Xaver = Elisäus. 
Kirchthaler, Sebast. = Danner, Sebast. | Schwarzhueber, Simpert — Liebrecht, 
.Kurz, Conrad — Auspitz, Leopold. F.G. 


*) Nicht cigentlich Hehlname, sondern Mönchsname in damals üblicher Form. 


er er E A 


Stainhauser v. Treuberg, Johann Philipp  Hupfauf, Johannes Peregrinus = Pere- 
= l. Rathe, J. C. P. (1762 ff.); 2. Rhol, | grinus, Johannes. 


J, C. P. v. (1768). ' Leiochowska, Marie Therese Gräfin = 
Anfang des 19. Jahrhunderts. | 1, Africanus (1889); 2. Halka, Alexander 
Zauner, Judas Thaddaeus — Leva (1594). 

Renuza. | Posselt-Csorich, Ra Vee A; 


Schleifer, Betty —  Makarius. 
Troll-Borostyáni, Jrma v. = Veritas & 
Bergen, Leo. 


Seit 1850. 
Barach. Moriz — Mürzroth, Dr. 


‘Danner, Sebast. = Kirchthaler, Sebast. : 
Huber, Josef — Hubert. Seit 189%. 
Marie Antoinette v. Toscana, Erzherzogin | Demel, Karl 2 Audifax. ‘ 
eg Arno (1879 ff.). i uM Demel, Hans — Seebach, Hans. 
Pindter, Heinrich — Egalis Heinrich. Kissenstein-Lhotta, Arthyr Frh. von und 
Radnitzky, August = Fink von Mattsee.| zu = Essen, Mox v. 
Schmid, Xaver — Faber, Tertullian. | Karner, Franz — Kildar, Paul. 
Schwer Josef Alexander = Giselbert. | Ledermiiller, Franz = Dr. Pfefferkerndl. 
Wallmann, Heinrich = Heinrich von der, Miskich, Franz v. = Fery, M. 
Mattig. Petter, Alexander = Petterovich. Szandor. 
Ziegler, Karl = Carlopago. Scheir]l, Franz F. — Salzburger. E. 
Seit 1850. Steiner, Josef — Stoaner Sepp, Stoaner- 
Auspitz, Leopold — Kurz, Conrad. sepp. 


Brunner, Josef — Eichelburg, Wendelin v. | Strele-Bürwangen, Richaid v. — 1. Hoku- 
Doblhoff. Josef. Frli. v. — 1. Deviloff;, Poku, Dr.; 2. Bärwangerhattl. 
Paul (1386 ff); 2. Aliquis (1938); 8.| Wrede, Egon Ignaz Friedrich Otto 


t 


Chillonius (1294 ff.). | Fürst = Stein Friedrich, v. 


Die historischen Handschriften der Universitäts- 
bibliothek in Innsbruck. 


Vun Franz Wilhelm. 


(Fortsetzung.) 


Neustift. 


Nr. 282. s. XII. Schriften Bernhards von Clairvaux. 

Nr. 293. s. XII. ex. oder XIII. in. Vita beati aan nà 
uud Notizen über die Weihe der Kirchen zu Seckau und Baumburg. Eingehend 
beschrieben von H. v. ZeiBberg im Arch. f. Osterr. Gesch. 51, 454. 

Nr. 327. s. XIIL. l'oetria magistri Gaufredi. 

Nr. 836. s. XIII. Urbar des Klosters Neustift. 

Nr. 358. s. XIV. Gebetbuch des Propstes Augustin von Neustift mit zahl- 
reichen Voliblattbildern und Initialen und schónem Einbaud. 

Nr. 501. s. XIV. Urbar des Klosters Neustift. 

Nr. 842. 8. XIV. Schwabenspiegel, SES mit $ | 192 und endigend mit 


Capitel 245. 


12* 


di 


— 136 — 


Nr. 922. s. XIV. Spiegel deutscher Leute. *) 


Nr. 994. s. XIV. Urbar des Klosters Neustift, enthaltend die Offizien: 


Klves, Res, Truns, Viumbes, Rundel, Schauves, Aychach, Mulbach, Valles, 
Moransen, Rodanchen, Wibtal, Brixina. 

Nr. 997. s. XIV. Redditus infirmarie des Klosters Neustift aus den Offizien: 
Novacella, Naucz, Speluk, Valturns, Perchtoldi de Velnes, Vallis Pustrissa. Mit 
zahlreichen Nachträgen saec. XIV. und XV. und der rubricierten Überschrift 
auf f.1: Anno dominii MCCCLVI ego Ulricus conscripsi omnes redditus infirmarie. 

Nr. 4. s. XV. Repertorium iuris. 

Nr. 7. s. XV. Fragment einer summa iuris. 

Nr. 59. s. XV. Sammelband, der unter einer Reihe von Tractaten auf f. 279 
bis 333 die Gutachten „universitatis Coloniensis, Erffordensis, Wiennensis et 
Lipsiensis de potestate concilii et pape“ enthält. 

Nr. 82s. XV. Tractatus de contractibus. — Epistola Heynrici de Langen- 
steyn, dicti de Hassia, ad Jo. Kbirsteyn, camerarium Maguntinensem (undatierti. 

Nr. 107. s. XV. Jus canonicum (Fragment). 

Nr. 142. s. XV. u. XVI f. 1: Regula sancti Augustini; geschrieben 1521. 
— f. 7: Frater Hugo, Glosa super regulam beati Augustini. — f. 52': Memoriale 
fratrum et sororum nostre confraternitatis; angelegt 1459, geht aber zurück auf 
Aufzeichnungen, die bis ins 13. Jahrh. zurückreichen; mit späteren Eintragungen 
bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrh. — f. 173': Utriusque sexus nomina laicalem 
nobiscum fraternitatem habentia. 

Nr. 169. s. XV. Schwabenspiegel. 

Nr. 173. s. XV. Virgils Aeneis. 

Nr. 175. s. XV. Reden und Predigten, welche auf dem Basler Concil 
gehalten wurden. Nach Vermerk auf f. 1 wurde die Handschrift am 28. Jünner 
1764 an Mansi nach Lucca geschickt, der dieselbe ohne Zweifel für die Collectio 
conciliorum benützte. 

Nr. 217. s. XV. Juvenal und Persius. 

Nr. 253. s. XV. Gotfridua de Trano, Summa decretalium Gregorii IX. — 
Summa Tancredi (Fragment). 

Nr. 578. s. XV. Rubrice iuris civilis secundum ordinem alphabeti a 
Haphaele Volgosio compilate 1480 in Brixina. 

Nr. 979. s. XV. Ovidii remedium amoris. 

Nr. 593. s. XV. Tafeln für die Gradmessung. — f. 23°: Ein Recept für 
Tintenbereitung. 

Nr. 596. s. XV. Neben einem Verzeichnis der christlichen Kaiser und 
Könige, der Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe ein Verzeichnis der Truppen, 
welche die Reichsstànde Kaiser (Friedrich III.) zu stellen haben. 

Nr. 598. s. XV. De magno heresiarcha Rokyczano et omnibus sacerdotibus 
sub utraque specie distribuentibus. Briefe des Johannes Capistranus, Johannes 
Borotius, P. sacerdos in Crems, Johannes de Czimburk, Johannes Towaczalb etc. 


Nr. 614. s. XV. Summa Raymundi. — Processus iudiciarius dictus: 
Sweidniez de causis delegatis et subdelegatis. — Concordancie decretalium ac 
decretorum. — Regule iuris civilis. — Questiones mercuriales. 


*) Ed. J. Ficker. Der Spiegel deutscher Leute. Textabdruck der Inns- 
brucker Handschrift. Innsbruck 1259. 


— 


+ 7 


Nr. 642. s. XV. Formelsammlung für die Vollziehung verschiedener Rechts- 
gescháfte. 

Nr. 692 s. XV. Oracio fiatris Francisci de Asisio ex ordine minorum 
sacre theologie professoris, provincialis provincie Romane, habita coram pontifice 
maximo et Christianorum conventu gravissimo pro defensione fidei christiane, 
MCCCCLX. die X. Decembris. — Epistola Pii pape, qua nixus fuit ducem 
Burgundie instigare contra palatinum Reni et episcopum Maguntinensem propter 
trium principum captivitatem, 1462 XIII. kal. Februarii (Jänner 20). 

Nr. 754. s. XV. Enthält f. 11'—13: Karthusiensis quidam de persecucione 
seu statu sancte matris ecclesie anno 1454 und fol. 13--18: Sentimentum 
cuiusdam Carthusiensis super infestacione Thorcorum. 

Nr. 768. s. XV. Sermones varii in concilio Basiliensi et alii diversi 
Sermones. | 

Nr. $36. s. XV. Urbar des Klosters Neustift; mit Nachtrügen saec. XVI. 

Nr. 839. s. XV. f. 1—15. Signature litterarum sive privilegiorum huius 
monasterii (scil. NovacelleJ; Kurze Auszüge aus den Klosterurkunden mit An- 
gabe der Signatur. — f. 16 -24': Annotacio missarum, anniversariorum et aliarum 
fundacionum. — f. 25 —134: Specialia predia monasterii secundum ordinem, quo 
eadem predia in urbariis sive libris fundi, vulgariter salpüchern vel urbarpüchern, 
sunt conscripta, circa festum sancti Jacobi apostoli (Juli 25) collecta anno domini 
MCCCCLY. 

Nr. 508. s. XVI. Calendarium pro officio celerarie et ad eius officium 
pertinentibus pensando temporum exigentia et rerum preexistentium habitudinem. 
Enthält zuerst die Namen der Priester und Brüder, dann ein Calendar mit Ein- 
tragubgen von Anniversarien, Märkten, Gerichtstagen, sowie verschiedene An- 
weisungen für den Kellner, zum Theil erst später eingetragen. Am Schlusse 
stehen Urkundencopien, betreffend Zollfreiung, Mussalz etc. i 

Nr. 694. s. XVI. Brief des Paulus Ursinus philosophus an Bischof Sebastian 
v. Brixen, betitelt: Dialogus de formidine diluvii instantis anni vigesimi quarti 
(1524) abigenda. 

Nr. 756. s. XVI. Verschiedene Tractate über Musik, der eine geschrieben 
1502 Jünner 11. 

. Nr. 780 s. XVI. Sallust's Jugurthinischer Krieg. 

Nr. 857. s. XVI. Sammlung der Originalacten, betreffend die Wahl des 
Propstes Augustin Schobl von 1569 Sept. 9 bis 1571 Sept. 15. 

Nr. 643. s. XVII. Eine Aufzeichnung, mittels welcher das Kloster Neustift 
die mit ihm im Confraternitätsverhältnisse stehenden Klöster ersuchte, genannte 
verstorbene Priester von Neustift in ihre Nekrologien einzutragen. In die Hand- 
schrift wurde von 45 Klöstern das Willfahren dieser Bitte eingetragen. 

Nr. 689. s. XVII. Johannes Stroza, oratio habita ad Ferdinandum secundum 
imperatoiem augustum. 

Nr. 845. s. XVII. Nomina vetet NovassBenshum ab anno 1143 
usque ad annum 1689. 
| Nr. 930. s. XVIL Nomina reverendissimorum gan nostri prepositorum 
et eorum series. 

Nr. 931. s. XVII. Epitome de gestis praelatorum Novacellensium et rebus 
memorabilibus a quinque cum dimidio saeculis, conscriptum 1693. Dem Probst 
Fortunat Troyer gewidmet, 


— 138 — 


Stams. 


Nr. 88. s. XII. Schriften des Bernhard v. Clairvaux, des hl. Ambrosius 
und des hl. Hieronymus, darunter f, 52—56 des letzteren Brief an Sunnia und 
Fretula. — f. 57°—58 und Fortsetzung auf f. 119', 120 und 121 ein Verzeichnis 
von Einkünften des Klosters St. Mang in Füssen, sowie Aufzeichnungen über 
Getreidemaße, Geldwerte, Klosterbedürfnisse etc., theils in deutscher, theils in 
lateinischer Sprache aus dem Jahre 1200.*) 

Nr. 42. s. XIII. Scolastica hystoria. — Auf f. 191—122 eine Aufzeichnung 
über die Gründung und Weihe des Klosters Stams. 

Nr. 89. s. XIII. Jus canonicum cum glossis, 

Nr. 90. s. XIIL Jus canonicum. 

Nr. 117. s. XIII. Summula iuris composita a fratre T E 
R'aimundo). — Auf dem Vorsteckblatte chronologische Tabellen, auf f, 109 ein 
arbor affinitatis. | a 

Nr. 141. s. XIII, Enthält auf dem Vorsteckblatte gleichzeitige Auf- 
zeichnungen über Getreide- und Weinpreise, Witterungsverhältnisse, Kloster- 
begebenheiten und abnormale Vorfälle in Tirol aus den Jahren 1281—1286. 

Nr. 267. s. XIII. Passionale Lombardicum de ordine predicatorum, 
pars prima, | 

Nr. 292. s. XIII. Schriften Bernhards v. Clairvaux. 

Nr. 337. s. XIII Dinus, Tractatus de regulis iuris. — Als Vorsteckblatt 
dient eine Originalurkunde Herzog Johanns von Kärnten von 1337 an sand Martein 
tak (November 11) Stams für das Kloster Stams. — Für den Einband ist eiue 
Originalurkunde des Erzbischofs Friedrich von Salzburg von 1818 VJ. Kal. Maii 
(April 26) Brixen verwendet. 

Nr. 14. s. XIV. Jacobus Januensis episcopus, Passionale sanctorum seu 
Lombardica hystoria. 

Nr. 17, 18, 23. s. XIV. Vincentius Bellovacensis seu Burgundus, Speculum. 
historiale. 8 Theile. 

Nr. 25. s. XIV. Narratio ordinis Cisterciensis. 

Nr. 47, 226. s. XIV. Liber katholikon de gramatica piii 


Nr. 118. s. XIV. Bernhardi abbatis Clarevallensis epistole. 
| (Sortont one folgt.) 


LITERARISCHE BESPRECHUNGEN. 


(Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek in Melk, beschrieben von Prof. 
Dr. Rudolf Schachinger, Stiftsbibliothekar. Melk, 1901. Im Selbstverlage 
des Verfassers. Druck von Rudolf Brzezowsky & Söhne in Wien.) Zweimal, 1889 
und 1&96, wurde ein Handschriften-Verzeichnis der Melker Stiftsbibliothek in 
Angriff genommen. Es war daher für alle, die eber eine Fortsetzung dieses 
Werkes erwartet hatten, überraschend, als 1899 der erste Theil des vorliegenden 
Incunabel-Kataloges im Jahresbericht des Melker Stiftsgymnasiums erschien. Als 
wichtiger Beitrag zu dem einer besseren Zukunft vorbelaktenen SSES 


— 


III. Folge, 44. Hett. 


*) Vergl. den Aufsatz Seemüllers in der GE Zeitschrift. 


— 139 — 


der österreichischen Wiegendrucke kann das sorgfältig und fleißig zusammen- 
gestellte Werk nicht warm genug begrüßt werden. Dazu kommt, dass der In- 
«unabelbestand der Melker Stiftsbibliothek eine Reihe sehr wertvoller Nummern 
enthàlt, von denen Schachinger in seiner Vorrede nicht ohne Stolz eine kleine 
Auswahl anführt.. Dass dabei die 42zeilige Gutenberg-Bibel, eine der 21 auf 
Papier gedruckten, erhaltenen Exemplare, den Ehrenplatz einnimmt, versteht sich 
von selbst. Als symptomatisch für den weniger durch seine Zahl als durch seinen 
Wert hervorragenden Incunabelschatz Melks sei hier betont, dass unter den 754 
. verschiedenen Wiegendrucken sich 93 befinden, die Hain nicht gekannt hat. Die 
Zahl der Doubletten (113) ist auffallend. — Die Grundlage für Schachingers 
Katalog ist natürlich Hains Repertorium gewesen. Und zwar nicht nur als Ver- 
weisungswerk, sondern auch als Muster für die Eintheilung des Stoffes. Die 
Aufzählung der einzelnen Werke erfolgt in der alphabetischen Reihenfolge der 
Autorennamen. Bei der Wahl dieses Verfahrens kann sich Schachinger nicht 
rur auf Hain, sondern auch auf die überwiegende Mehrheit auch moderner In- 
cunabel-Kataloge berufen. Aber es lassen sich wohl ziemlich begründete Ein- 
wände gegen diese Eintbeilungsart erheben. Vor allem die Erwägung, dass 
Incunabeln heute nur in sehr beschränktem Sinne historische oder literar- 
geschichtliche Quellen sind. Sie sind fast ausschließlich bibliographische Monu- 
mente, nicht nur in ihren individuellen Drucken, sondern in genau abgegrenzten 
Gruppen geistige Denkmäler bestimmter Länder, bestimmter Städte, bestimmter 
Officinen. Sie bereichern unsere Erkenntnis weniger durch ihren (in moderneren 
Ausgaben längst nachgedruckten) Inhalt, als durch ibre Form, in denen sich 
ihre Zugehörigkeit zu gewissen Culturphasen offenbart. Daher scheint mir die 
Zeit für längst gekommen, mit der encyklopädischen Methode Hains zu brechen 
und ihre Eintheilung nach bestimmten, der bibliographischen Erkenntnis die- 
nenden Gesichtspunkten vorzunehmen. Ein kurzes Autorenregister mag jedem 
Incunabel-Kataloge erhalten bleiben. So scheint mir der Wert eines Incunabel- 
Kataloges nur zu wachsen, wenn das Verfahren, das Schachinger mit seinem 
Haupt- und seinem sehr verdienstvollen Nebenkataloge einschlägt, umgekehrt 
wird und eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses zu Gunsten der typo- 
graphischen Individualität eintritt. — So treu nun Schachinger auch Hain in 
der Eintheilung gefolgt ist, in der Wahl der Ordnungswörter weicht er oft nicht 
unerheblich von ilım ab, indem er, den modernen Gesetzen der Namengebung 
folgend, Namen, die nicht die Familie, sondern nur die Herkunft bezeichnen, 
an die zweite Stelle rückte, oder die bei Hain noch als Anonyme erscheinenden 
Werke auflóste. Doch lassen sich auch hier manche Inconsequenzen nachweisen. 
Jedenfalls aber ergaben sich durch dieses Verfahren starke Abweichungen in der 
Numerierung nach Hain, ein Übelstand, der durch Hinweise, die sich allerdings 
regelmäßig finden, nicht beseitigt wird, da duich das willkürliche Durcheinander- 
springen der Hain-Nummern bei einem Werke, das sonst ganz auf Hain auf- 
gebaut ist, die Textvergleichung erschwert wird. — Die Merkmale der Auflage 
sind immer sehr sorgfältig verzeichnet. Nur hat Schachinger bei undatierten 
Incunabeln oft ein Verfahren gewählt, dessen Berechtigung nicht ganz eiu- 
leuchtend ist. Die Vermuthungen in Bezug auf die typographische Herkunft des 
Buches sind wohl in der Regel in die Anmerkungen nach den Literaturangaben 
verwiesen. Oft aber finden sie sich auch unmittelbar nach dem Titel in eckigen 
Klammern, auch dann, wenn diese Angaben durchaus nicht sichergestellt sind 





26040 um 


Die erstere Methode ist nicht nur vorzuziehen, sie darf sogar durch keine andere 
ersetzt werden, falls der Katalogschreiber nicht selbst letternvergleichende 
Studien treibt. Das hat aber Schachinger nicht getlian, er scheint nur die Über- 
einstimmung in den Angaben einiger Incunabel-Kataloge als genügend sicher- 
gestellte Aufklärung anzusehen, was leider nicht zutreffend ist. Dass Schachinger 
selbst auf eigene Letternforschung verzichtet hat, ist umsomehr zu bedauern, als 
er in dem einzigen Falle, in dem er es that (Nr. 107), eine glückliche und sichere 
Hand verrith. — Die Berichtigung einiger unwesentlicher Einzelheiten sei hier 
eingeschaltet: Bei den Nummern 5, 24, 98, 280, 809, 574 wäre zu bemerken, 
dass ihre Zugehörigkeit zu den Wiegendrucken theils nicht sichergestellt, theils 
äußerst fragwürdig ist. — Bei Nr. 313 ist (Venetiis) durch (Paduae) zu ersetzen, 
da Albert Stendal nur in Padua diuckte. Andererseits ist bei Nr. 859 das s. |. 
durch (Paduae) zu ersetzen, da bei der Angabe des Matthaeus Cerdonis 
&ls Drucker nur mehr Padua in Betracht kommen kann, nachgestellt aber zur 
Hypothese herabsinkt. Bei Nr. 867 soll es statt (Patavii) (Paduae) heissen, was 
übrigens nur ein übersehener Schreibfehler ist, der sich im Druckerverzeichnis 
und in der Vorrede nicht mehr findet. Im Druckerverzeichnis und im Druck- 
orte-Katalog wären woll die Namen in ihrer nationalen Form vorzuziehen, 
also etwa Gallus durch Hahn, Landoja durch Landau zu ersetzen gewesen. Der 
Straßburger Drucker Grüninger hieB Johann Reinhard und stammte nur aus 
Grüningen. — Außer Hain stand Schachinger noch ein recht stattlicner biblio- 
graphischer Apparat zur Verfügung, der mit großer Sorgfalt und gutem Ver- 
ständnis ausgebeutet wurde. Von Panzer und Zapf bis hinauf zu den vorzüglichen 
Arbeiten des Fräulein Pellechet hat sich der Verfasser eine Reihe kritischer 
Incunabel-Kataloge zu sichern gewusst. Auch Schuberts ausführlicher und genau 
gearbeiteter Katalug der Olmützer Wiegendrucke war dem Verfasser schon 
bekannt und leistete ihm in zwei Fällen gute Dienste. Freilich war der Apparat 
nicht lückenlos. Aber wenn Schachinger gerade jenes Werk, das für die wissen- 
echaftliche Incunabelforschung geradezu eine Epoche bedeutet und bei einer 
Incunabel-Katalogisierung in erster Linie berücksichtigt werden muss; nicht 
herangezogen hat, so ist die Schuld an dieser Lücke weniger dem Verfasser, 
als den beschränkten Mitteln der Melker Bibliothek beizumessen. Ich meine 
Robert Proctors „Index to the early printed books in the British Museum“. 
Proctor hat durch sein geniales Letternniess- und Vergleichsystem die Zugehörigkeit 
einer überaus groDen Anzahl undatierter Wiegendrucke zu bestimmten Officinen 
aus dem Bereiche schwankender Hypothesen in das Gebiet unanfechtbarer 
Sicherheit oder großer Wahrscheinlichkeit zu rücken gewusst. Wie sehr der 
Katalog Schachingers durch Proctors Ergebnisse gewonnen hatte, möge der 
folgende Versuch, den Katalog durch die Angaben des englischen Bibliographen 
zu ergänzen, zeigen: 5. Köln, Heinrich Quentell. 15. Straßburg, 16. Straßburg, 
Johann Mentelin. 17. Straßburg. Johann Mentelin. 28. Johann Zainer. 41. Anton 
Koberger. 56. nicht vor 1435. 68. Rom, Stephan Planck. 75. 1480. 78. Basel, 
Johann v. Amerbach. 89. 1486. 86. Speier, Peter Drach. 90. Köln, Heinrich 
Quentell, nach 1484. 97. Paganinus de Paganinis. 102. Schöffer allein. 103. Straß- 
burg. 107. Straßburg. C. W. 108. Straßburg nach 1472. 125. Johann Reinhard 
v. Grüningen. 133. Milano, Leonhard Pachel und Ulrich Scinzenzeler, 184. Nürn- 
berg, Konrad Zeninger. 147. nicht nach 1475. 150. Straßburg, Johann. Prüss (?), 
154. Basel, Johann v. Amerbach. 156. Basel, Johann v. Amerbach. 161. 1492—94. 


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— 141 — 


163. .:Leipz